Wer hat gelogen? - Tessa Hofreiter - E-Book

Wer hat gelogen? E-Book

Tessa Hofreiter

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Beschreibung

Dr. Brunner bewohnt mit seiner geliebten Frau Ulrike und einem Jagdhund namens Lump ein typisches Schwarzwaldhaus, in dem er auch seine Praxis betreibt. Ein Arzt für Leib und Seele. Die Serie zeichnet sich gegenüber dem Vorgänger durch ein völlig neues Konzept aus. Es wird noch größerer Wert auf Romantik, Spannung und sich weiterdichtende, zum Leben erwachende Romanfiguren, Charaktere und Typen gelegt. Eines darf verraten werden: Betörend schöne Frauen machen dem attraktiven Landdoktor schon bald den Hof. Und eine wirkliche Romanze beginnt... »Diese Ausflüge werde ich vermissen, Franca«, seufzte Anna und schaute über den Viktualienmarkt mit seinen bunten Obst- und Gemüseständen. »Vancouver ist leider zu weit weg, um sich mal kurz auf einen Kaffee zu treffen.« Sie bedauerte, dass sie in Zukunft ohne die junge Gynäkologin auskommen musste, die in den letzten Jahren die Geburtsabteilung an der Uniklinik Kempten geleitet hatte. Franca war genau wie Anna eine Befürworterin der natürlichen Geburt und ließ den Hebammen viel Freiraum. Ob die Zusammenarbeit mit ihrer Nachfolgerin oder ihrem Nachfolger ebenso reibungslos verlaufen würde, das musste sich erst herausstellen. Franca war immer Annas erste Adresse, wenn sie einer Patientin zu einer Klinikgeburt raten musste. Inzwischen waren sie eng befreundet, und ihr Shoppingtag in München, einmal im Monat, war zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Wie immer waren sie durch die Fußgängerzone spaziert, hatten sich die Schaufenster der Modegeschäfte angesehen und waren durch die Kaufhäuser gegangen. Jetzt saßen sie in ihrem Lieblingscafé, hatten Weißwürste mit warmen Brezeln gegessen und sich danach einen Kaffee bestellt. Das Café war mit alten Tischen und Stühlen unterschiedlicher Stilrichtungen liebevoll eingerichtet, die dicken Regalbretter an den Wänden mit altem Spielzeug und Geschirr vom Flohmarkt dekoriert. Obwohl eigentlich gar nichts in diesem Raum zusammengehörte, erschien doch alles wie eine Einheit, weil jedes Möbelstück, jede Tasse, jeder Teller und jedes Spielzeug eine Geschichte zu erzählen hatte. Leuchtend rote Kissen, weiße Decken auf den Tischen und der hausgemachte Kuchen hinter der Glasscheibe des Tresens sorgten für eine gemütliche Atmosphäre. Anna und Franca saßen an einem Tisch direkt am Fenster und

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Seitenzahl: 121

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Der neue Landdoktor – 67 –Wer hat gelogen?

Der Rivale schreckt vor nichts zurück

Tessa Hofreiter

»Diese Ausflüge werde ich vermissen, Franca«, seufzte Anna und schaute über den Viktualienmarkt mit seinen bunten Obst- und Gemüseständen. »Vancouver ist leider zu weit weg, um sich mal kurz auf einen Kaffee zu treffen.« Sie bedauerte, dass sie in Zukunft ohne die junge Gynäkologin auskommen musste, die in den letzten Jahren die Geburtsabteilung an der Uniklinik Kempten geleitet hatte.

Franca war genau wie Anna eine Befürworterin der natürlichen Geburt und ließ den Hebammen viel Freiraum. Ob die Zusammenarbeit mit ihrer Nachfolgerin oder ihrem Nachfolger ebenso reibungslos verlaufen würde, das musste sich erst herausstellen. Franca war immer Annas erste Adresse, wenn sie einer Patientin zu einer Klinikgeburt raten musste. Inzwischen waren sie eng befreundet, und ihr Shoppingtag in München, einmal im Monat, war zu einer liebgewonnenen Tradition geworden.

Wie immer waren sie durch die Fußgängerzone spaziert, hatten sich die Schaufenster der Modegeschäfte angesehen und waren durch die Kaufhäuser gegangen. Jetzt saßen sie in ihrem Lieblingscafé, hatten Weißwürste mit warmen Brezeln gegessen und sich danach einen Kaffee bestellt.

Das Café war mit alten Tischen und Stühlen unterschiedlicher Stilrichtungen liebevoll eingerichtet, die dicken Regalbretter an den Wänden mit altem Spielzeug und Geschirr vom Flohmarkt dekoriert. Obwohl eigentlich gar nichts in diesem Raum zusammengehörte, erschien doch alles wie eine Einheit, weil jedes Möbelstück, jede Tasse, jeder Teller und jedes Spielzeug eine Geschichte zu erzählen hatte. Leuchtend rote Kissen, weiße Decken auf den Tischen und der hausgemachte Kuchen hinter der Glasscheibe des Tresens sorgten für eine gemütliche Atmosphäre.

Anna und Franca saßen an einem Tisch direkt am Fenster und sahen auf den Markt, der bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt war.

»Du weißt schon, dass du das alles auch in Vancouver hättest kaufen können. Du musst das nun zusätzlich einpacken«, stellte Anna lächelnd fest.

Franca war dieses Mal mit weitaus mehr Tüten bepackt als sonst. Sie hatte Pullover, Schals, Handschuhe und dicke Socken für ihren Mann Georg und sich gekauft, weil sie sich auf den Winter in Kanada vorbereiten wollte. »Aber ich habe doch keine Ahnung, welche Qualität die Strickwaren dort haben«, entgegnete sie.

»Vancouver gehört zu den größten Städten Kanadas und besitzt internationales Flair. Du wirst dort alles bekommen, was du brauchst. Und was die Kälte betrifft, ich habe gehört, dass die Temperaturen dort auch im Winter selten den Gefrierpunkt erreichen.«

»Ja, ich weiß. Die Stadt liegt an einer Meeresströmung, die warmes Wasser aus Richtung Westen über den Pazifik bis an die Küste treibt.«

»Du bist also doch bestens über dein zukünftiges Zuhause informiert.«

»Noch ist es nicht mein Zuhause. Wenn ich diese Sachen dort drüben trage, dann ist es so, als hätte ich ein Stück Heimat bei mir.«

»Bereust du etwa deinen Entschluss?«, fragte Anna besorgt.

»Nein, das nicht. Die Klinik, in der ich als Oberärztin arbeiten werde, ist großartig, modern und mit allem ausgestattet, was den medizinischen Alltag erleichtert. Von unserer Wohnung aus sehen wir auf den Pazifik, was allein schon wirklich fantastisch ist. Und Georg wird Teilhaber einer der renommiertesten Anwaltskanzleien.«

»So ist es, und das klingt nach einer perfekten Zukunft.«

»Stimmt, das gebe ich zu. Aber ich werde meine Familie und meine Freunde vermissen.«

»Wir werden euch besuchen.«

»Hoffentlich, aber ich brauche trotzdem jede Menge Erinnerungen«, sagte Franca und zückte ihr Handy.

»Ein Selfie von uns?«, fragte Anna, als Franca ihren Arm ausstreckte und das Telefon hochhielt.

»Wie gesagt, ich sammle Erinnerungen«, sagte Franca und drückte auf den Auslöser. »Ich denke, es ist ganz gut geworden«, stellte sie fest, als sie das Foto betrachtete, das zwei hübsche junge Frauen zeigte. Anna mit ihrem dunklen Haar und den hellen grünen Augen und sie mit ihren kurzen blonden Haaren und den dunklen Mandelaugen. »Schickst du mir hin und wieder ein Foto, wenn du hier in der Stadt einkaufen gehst?«

»Versprochen.«

»Wie wohl ihr Kaffee auf Dauer schmecken wird?«, fragte Franca und nippte nachdenklich an ihrer Tasse. »Blaubeeren sind in Kanada äußerst beliebt«, sagte sie und schaute auf den Obststand, der direkt gegenüber dem Cafés stand. Neben roten und grünen Äpfeln, Melonen, Bananen, Pfirsichen, Johannisbeeren und Himbeeren, nahmen die Heidelbeeren eine große Fläche der Verkaufsfläche ein.

»Sie essen sie als Dessert oder auch zu deftigen Gerichten. Es gibt riesige Felder mit wilden Heidelbeeren. Die Kanadier lieben ihre Blaubeeren«, gab Anna ihr recht.

»Riesige Felder in einem riesigen Land.«

»Das du bald lieben wirst. So wie Sebastian und Emilia es tun.«

»Das ist etwas anderes. Emilia ist dort geboren, und Sebastian hat dort viele Jahre gelebt, bevor er die Praxis seines Vaters in Bergmoosbach übernommen hat, und er hat, nein, tut mir leid«, entschuldigte sich Franca. Es war ihr sichtlich unangenehm, dass sie dieses Thema angeschnitten hatte.

»Du kannst es ruhig aussprechen. Er hat dort die Liebe seines Lebens gefunden«, sagte Anna, als Franca innehielt.

»Aber jetzt gehört seine Liebe dir.«

»Ich hoffe es.«

»Was heißt, du hoffst es?«

»Ich habe dir doch von dieser Frau erzählt, die er in Wien getroffen hat, als wir zusammen den Ärztekongress besucht haben.«

»Monique, die Gynäkologin, die an derselben Klinik in Toronto gearbeitet hat wie er.«

»Richtig, Monique, die Hebammen für überflüssig hält und davon ausgeht, dass sie Sebastian irgendwann für sich gewinnen wird.«

»Er ist aber bei dir und nicht bei ihr.«

»Monique gehört zu diesen Frauen, die nicht locker lassen, wenn sie etwas haben wollen.«

»Manchmal müssen auch diese Frauen zurückstecken. Vermutlich hat sie sich längst getröstet, sonst wäre sie doch schon aufgetaucht. Du solltest dir über sie keine Gedanken machen. Eher über meine Nachfolge in der Klinik. Die Geschäftsleitung hat immer noch kein Wort darüber verloren, ob sie schon eine Entscheidung gefällt haben. Wie es aussieht, wird unser Chefarzt persönlich vorübergehend meine Aufgaben übernehmen. Eigentlich bin ich mit ihm immer gut ausgekommen. In letzter Zeit spricht er allerdings oft von Effizienz, Kostenersparnis und Gerätemedizin, das gefällt mir gar nicht.«

»Patienten wollen aber nicht mit Geräten sprechen, sondern mit Menschen. Das gilt für alle Stationen und erst recht für die Geburtshilfe. Oder sollen unsere Kinder demnächst mit der Hilfe von Robotern auf die Welt kommen?«

»Aus der Sicht der Kliniken wäre das sicher erstrebenswert. Keine Gehaltsforderungen, keine Ausfälle wegen Urlaub oder Krankheit.«

»Eine schöne neue Welt, die du da beschreibst, Franca«, sagte die junge Frau, die in diesem Moment das Café betrat.

Sie hatte ihr blondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden und trug eine Brille mit einem malvenfarbenen Rahmen, der in der Farbe genau zu ihrem knielangen Kleid passte.

»Hallo, Nele«, begrüßte Franca ihre Nichte, die Tochter ihres älteren Bruders Bertold, die in der Nähe wohnte und sich immer mit ihr und Anna traf, wenn sie zum Einkaufen in die Stadt kamen.

»Hallo, Tantchen«, sagte Nele und umarmte Franca.

»Tantchen? Das klingt, als wäre ich bereits jenseits der achtzig«, stöhnte Franca.

»Sorry, ist mir nur so herausgerutscht«, entschuldigte sich Nele.

»Schon gut, im Vergleich zu uns bist du ja auch fast noch ein Kind«, sagte Franca.

»Ein Kind? Ich bin dreiundzwanzig. Okay, du hattest deine Retourkutsche«, stellte Nele lachend fest. »Hallo, Anna.«

Sie begrüßte die Freundin ihrer Tante mit einer herzlichen Umarmung und setzte sich zu den beiden an den Tisch. »Michi, einen Kräutertee für mich, bitte!«, rief sie dem jungen Mädchen zu, das in Jeans und weißer Bluse hinter der Theke stand.

»Tee?«, fragte Michi verwundert.

»Ja, bitte«, sagte Nele, die zur Stammkundschaft des Cafés gehörte.

»Echt jetzt, du trinkst Tee?«, zeigte sich auch Franca überrascht.

»Daniel und ich planen eine Reise nach Indien. Dort trinken die Leute doch eher Tee als Kaffee. Wir wollen uns darauf einstimmen.«

»Du planst eine Reise mit dem geheimnisvollen Daniel, den du uns noch nicht einmal vorgestellt hast? Ist das nicht ein bisschen überstürzt?«

»Nein, ist es nicht. Wir sind füreinander bestimmt, da sind wir uns beide sicher.«

»Und das weißt du nach gerade einmal vier Wochen. Länger kennst du ihn doch noch nicht.«

»Vier Wochen und drei Tage. Manchmal genügt ein Blick, um zu wissen, dass es der Richtige ist.«

»Das war bei Georg und mir anders. Ich fand ihn sogar ausgesprochen arrogant, als wir uns damals in der Kantine der Uni begegneten.«

»Ich weiß, du hast ihn als arroganten Jurastudenten bezeichnet. Aber weißt du was, das ist auch ein interessanter Anfang einer Beziehung. Immerhin seid ihr inzwischen schon lange glücklich verheiratet. Aber du kennst diesen magischen Moment, stimmt’s?«, wandte sich Nele mit leuchtenden Augen an Anna.

»Ja, ich kenne diesen Moment«, gab Anna zu. Sie würde diesen Augenblick niemals vergessen, als sie während eines Unwetters auf einem Bauernhof eine schwierige Geburt begleitete und Sebastian dazu kam. Sie hatte sich zu ihm umgedreht, er hatte sie mit seinen wundervollen grauen Augen angesehen, und die Welt schien still zu stehen. Auch wenn danach einige Monate der Unsicherheit folgten, bis sie endlich wusste, woran sie mit ihm wirklich war, die Magie dieses ersten Momentes konnte sie manchmal noch spüren, wenn er sie ansah.

»Hast du deinen Eltern inzwischen von Daniel erzählt?«, wollte Franca von ihrer Nichte wissen.

»Das habe ich noch nicht fertig gebracht. Ich meine, sie würden durchdrehen, wenn ich ihnen sage, dass ich mich in einen Theaterschauspieler verliebt habe.« Nele setzte ihre Brille ab, strich ihren langen Pony zurück und trank einen Schluck von dem nach Lavendel und Pfefferminz duftenden Tee, den ihr Michi inzwischen serviert hatte.

»Fensterglas, dachte ich es mir doch«, sagte Franca, die sich gewundert hatte, will ihre Nichte plötzlich eine Brille trug und sie deshalb kurz aufgesetzt hatte. »Warum trägst du sie?«, wollte sie wissen.

»Ich muss mich an sie gewöhnen. Es soll aussehen, als wäre ich tatsächlich auf sie angewiesen.« Nele kniff die Augen zusammen, tastete nach der Brille, so als wäre sie extrem kurzsichtig und setzte sie schließlich mit einem Seufzer der Erleichterung auf.

»Nele, was soll das? Hast du vor, in einem Theaterstück zusammen mit Daniel aufzutreten?«, fragte Franca kopfschüttelnd.

»Wilfried mag keine Frauen mit Brille.«

»Du glaubst doch nicht wirklich, dass diese Brille ihn von seiner Zukunftsplanung abbringt?«

»Doch, ich hoffe es.«

»Wach auf, Nele. Dein Vater hat ihm eine Teilhaberschaft in seiner Praxis versprochen, wenn er dich heiratet. Eine Praxis für Orthopädie in der Innenstadt von München, das ist eine Goldgrube. Das wissen wir doch alle. Denkst du tatsächlich, das wird er an einer Brille scheitern lassen?«

»Ich liebe ihn nicht. Ich bin nur auf Papas Drängen ein paar Mal mit ihm ausgegangen.«

»Entschuldige, Schätzchen, aber ich kann mich noch gut daran erinnern, als du mir von dem gut aussehenden jungen Orthopäden erzählt hast, den dein Vater in seiner Praxis angestellt hat. Er kommt aus Köln, und ich werde ihm die Schönheiten unserer Stadt zeigen, hast du gesagt.«

»Ich wollte doch nur nett sein. Und ja, vielleicht habe ich auch geglaubt, ich wäre in ihn verliebt. Aber das bin ich nicht. Er ist so wahnsinnig ehrgeizig und denkt nur an seine berufliche Karriere. Ich will aber noch nicht alles durchplanen, ich will mich vom Leben überraschen lassen.«

»Dein Vater hat auch Pläne für dich.«

»Ja, ich weiß, ich soll mich nach meinem Medizinstudium für die Orthopädie entscheiden und zusammen mit Wilfried irgendwann seine Praxis übernehmen. Aber das will ich nicht, jedenfalls nicht so bald. Ich würde lieber eine Zeit lang für den Entwicklungsdienst arbeiten. So wie deine Eltern«, wandte sie sich an Anna. Ihre Mutter war Biologin und ihr Vater Forstwirt, beide stellten ihr Wissen seit Jahren in den Dienst der Entwicklungshilfe. »Ich könnte mich doch mal mit deinen Eltern darüber unterhalten.«

»Ja, sicher, kein Problem, aber was sagt Daniel zu diesen Plänen?«, wollte Anna wissen.

»Er wäre dabei. Seine Familie besitzt einen Bauernhof in der Nähe von Regensburg. Bevor er zur Schauspielschule ging, hat er eine Ausbildung zum Agrarwirt gemacht. Ein Beruf, der im Entwicklungsdienst gefragt ist.«

»Er würde seine Karriere tatsächlich unterbrechen?«, fragte Anna verwundert.

»Er meint, dass Lebenserfahrung für einen Schauspieler wichtig ist, wenn er auf der Bühne wirklich überzeugen will.«

»Diese Einstellung gefällt mir.«

»Mir auch, ich würde Daniel wirklich sehr gern kennenlernen«, sagte Franca. »Und du solltest deinen Eltern endlich die Wahrheit sagen.«

»Du kennst doch deinen Bruder. Er kann ganz schön biestig reagieren, wenn ihm etwas gegen den Strich geht. Ich denke, ihr solltet ihn zuerst kennenlernen. Vielleicht könntet ihr euch zu einem Theaterbesuch entschließen. Ich meine, ihr und Georg und Sebastian.«

»Das machen wir doch gern, nicht wahr, Anna?«, wandte sich Franca an ihre Freundin.

»Auf jeden Fall«, stimmte Anna sofort zu.

»Wartet kurz, das ist Papa«, sagte Nele, als ihr Handy läutete. »Hallo, Papa«, meldete sie sich. »Wo ich bin?«, wiederholte sie die Frage laut, die ihr Vater ihr stellte. »Ich bin mit Franca und Anna im Café am Viktualienmarkt. Wann? Ja, ist gut, bis dann. – Meine Eltern sind in der Stadt unterwegs und wollen sich zum Mittagessen mit mir treffen. Wollt ihr mitkommen?«, fragte Nele, nachdem sie das Gespräch beendet hatte.

»So gern ich Zeit mit der Familie verbringe, heute geht es leider nicht. Ich fahre gleich mit Anna nach Bergmoosbach. Wir wollen uns heute Nachmittag mit einigen Freunden, von denen ich mich gern persönlich verabschieden möchte, im Biergarten treffen«, sagte Franca. »Wie wäre es denn, wenn du mit Daniel dazu kommst?«

»Ich glaube, das könnte gehen. Er hat heute nur eine Nachmittagsvorstellung. Ich könnte ihn sicher zu einem Ausflug aufs Land überreden. Was ich vermutlich gar nicht tun muss, wenn er hört, dass er dich und Georg kennenlernen wird«, entgegnete Nele.

»Das klingt, als hättest du ihm schon von uns erzählt.«

»Von euch und all meinen Freunden.«

»Also dann solltest du uns den jungen Mann unbedingt vorstellen. Den Kaffee übernehme ich«, sagte Franca, als Nele ihr Portemonnaie zückte.

»Okay, dann bis später, meine Lieben«, verabschiedete sich Nele gleich darauf von den beiden Freundinnen.

»Grüß deine Eltern von mir«, bat Franca.

»Schöne Grüße auch von mir«, schloss sich Anna an.

»Ich werde es ausrichten«, sagte Nele und ließ die beiden allein.

»Weißt du was, ich würde gern noch ein bisschen über den Markt bummeln. Ich werde doch eine ganze Weile nicht mehr hierherkommen«, sagte Franca.

»Du wirst andere Märkte mit interessanten Angeboten entdecken«, versicherte ihr Anna.

»Möglich, es ist aber nicht allein der Markt, den ich vermissen werde, ich werde dich vermissen. Wir hatten immer so viel Spaß zusammen, Anna.«

»Den werden wir auch weiterhin haben. Bei all den technischen Möglichkeiten, die uns inzwischen zur Verfügung stehen, werden wir uns auch nicht aus den Augen verlieren. Wir können telefonieren, skypen und wir können uns ins Flugzeug setzen und uns besuchen.«