Western Doppelband 1024 - John Frederick - E-Book

Western Doppelband 1024 E-Book

John Frederick

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Beschreibung

Dieser Band enthält folgende Western: Die ohne Skrupel sind (Pete Hackett) Tucker Crosden und der weiße Wolf (John Frederick) Der Name des Ortes, dem sich McQuade näherte, war Bonita. Der Kopfgeldjäger kam aus den Pinaleno Mountains. Er hatte in der Felswildnis Dan Lockett gestellt, einen neunundzwanzigjährigen Mörder, Räuber und Vergewaltiger. Der Bandit ritt mit auf den Rücken gefesselten Händen. Die Verworfenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in das ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren gegraben hatte. McQuades Ziel war Tucson. Dort wollte er den Banditen, der der Justiz tausend Dollar wert war, dem Gesetz übergeben. Die beiden Männer, sowie Gray Wolf, der graue Wolfshund, der dem Kopfgeldjäger vor einiger Zeit an der mexikanischen Grenze zugelaufen war, und auch die beiden Pferde waren verstaubt und verschwitzt. Die Jagd auf Dan Lockett hatte McQuade viel abverlangt. Tausend Strapazen und Unbilden lagen hinter ihm. Die Main Street der Ortschaft war breit und staubig. Es war die Zeit des Sonnenuntergangs und die Schatten wuchsen schnell über die heiße Fahrbahn. Auf der Straße waren kaum Menschen zu sehen. Sie hatten ihr Tagwerk vollbracht und saßen nun wahrscheinlich beim Abendbrot. Über einem hohen Galgentor sah McQuade das große Brett mit der Aufschrift 'Livery Stable' und lenkte den Falben darauf zu. Das Pferd mit dem Banditen, das er an der Longe führte, folgte. Im Wagen- und Abstellhof standen einige Fuhrwerke. Da war auch ein Brunnen mit einem Tränketrog. Gray Wolf lief sofort hin, stellte sich mit den Vorderläufen auf den Trogrand und begann seinen Durst zu löschen. Beim Stalltor ließ sich der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem Krieg ins Arizona-Territorium verschlagen hatte, aus dem alten, brüchigen Sattel gleiten. Er spürte Steifheit in den Beinen. Von den Schultern seines braunen, zerschlissenen Staubmantels rieselte Staub. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen, rissigen Lippen und sagte staubheiser: "Steig ab, Lockett. Wir bleiben die Nacht über in dem Nest. Freu dich aber nicht zu früh. Wenn es in diesem Ort kein Gefängnis gibt, wird du die Nacht in einer der Boxen hier im Mietstall verbringen – mit den Handschellen an eine Futterraufe gekettet."

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Western Doppelband 1024

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Inhaltsverzeichnis

Western Doppelband 1024

Copyright

Die ohne Skrupel sind

Tucker Crosden und der weiße Wolf

Western Doppelband 1024

Pete Hackett, John Frederick

Dieser Band enthält folgende Western:

Die ohne Skrupel sind (Pete Hackett)

Tucker Crosden und der weiße Wolf (John Frederick)

Der Name des Ortes, dem sich McQuade näherte, war Bonita. Der Kopfgeldjäger kam aus den Pinaleno Mountains. Er hatte in der Felswildnis Dan Lockett gestellt, einen neunundzwanzigjährigen Mörder, Räuber und Vergewaltiger. Der Bandit ritt mit auf den Rücken gefesselten Händen. Die Verworfenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in das ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren gegraben hatte. McQuades Ziel war Tucson. Dort wollte er den Banditen, der der Justiz tausend Dollar wert war, dem Gesetz übergeben.

Die beiden Männer, sowie Gray Wolf, der graue Wolfshund, der dem Kopfgeldjäger vor einiger Zeit an der mexikanischen Grenze zugelaufen war, und auch die beiden Pferde waren verstaubt und verschwitzt. Die Jagd auf Dan Lockett hatte McQuade viel abverlangt. Tausend Strapazen und Unbilden lagen hinter ihm.

Die Main Street der Ortschaft war breit und staubig. Es war die Zeit des Sonnenuntergangs und die Schatten wuchsen schnell über die heiße Fahrbahn. Auf der Straße waren kaum Menschen zu sehen. Sie hatten ihr Tagwerk vollbracht und saßen nun wahrscheinlich beim Abendbrot.

Über einem hohen Galgentor sah McQuade das große Brett mit der Aufschrift ‚Livery Stable’ und lenkte den Falben darauf zu. Das Pferd mit dem Banditen, das er an der Longe führte, folgte. Im Wagen- und Abstellhof standen einige Fuhrwerke. Da war auch ein Brunnen mit einem Tränketrog. Gray Wolf lief sofort hin, stellte sich mit den Vorderläufen auf den Trogrand und begann seinen Durst zu löschen.

Beim Stalltor ließ sich der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem Krieg ins Arizona-Territorium verschlagen hatte, aus dem alten, brüchigen Sattel gleiten. Er spürte Steifheit in den Beinen. Von den Schultern seines braunen, zerschlissenen Staubmantels rieselte Staub. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen, rissigen Lippen und sagte staubheiser: „Steig ab, Lockett. Wir bleiben die Nacht über in dem Nest. Freu dich aber nicht zu früh. Wenn es in diesem Ort kein Gefängnis gibt, wird du die Nacht in einer der Boxen hier im Mietstall verbringen – mit den Handschellen an eine Futterraufe gekettet.“

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Die ohne Skrupel sind

Der Kopfgeldjäger Band 46:

Western von Pete Hackett

Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war – eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.

Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie „Texas-Marshal“ und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: „Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung.“

Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie „Der Kopfgeldjäger“. Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author www.Haberl-Peter.de

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

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Der Name des Ortes, dem sich McQuade näherte, war Bonita. Der Kopfgeldjäger kam aus den Pinaleno Mountains. Er hatte in der Felswildnis Dan Lockett gestellt, einen neunundzwanzigjährigen Mörder, Räuber und Vergewaltiger. Der Bandit ritt mit auf den Rücken gefesselten Händen. Die Verworfenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in das ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren gegraben hatte. McQuades Ziel war Tucson. Dort wollte er den Banditen, der der Justiz tausend Dollar wert war, dem Gesetz übergeben.

Die beiden Männer, sowie Gray Wolf, der graue Wolfshund, der dem Kopfgeldjäger vor einiger Zeit an der mexikanischen Grenze zugelaufen war, und auch die beiden Pferde waren verstaubt und verschwitzt. Die Jagd auf Dan Lockett hatte McQuade viel abverlangt. Tausend Strapazen und Unbilden lagen hinter ihm.

Die Main Street der Ortschaft war breit und staubig. Es war die Zeit des Sonnenuntergangs und die Schatten wuchsen schnell über die heiße Fahrbahn. Auf der Straße waren kaum Menschen zu sehen. Sie hatten ihr Tagwerk vollbracht und saßen nun wahrscheinlich beim Abendbrot.

Über einem hohen Galgentor sah McQuade das große Brett mit der Aufschrift ‚Livery Stable’ und lenkte den Falben darauf zu. Das Pferd mit dem Banditen, das er an der Longe führte, folgte. Im Wagen- und Abstellhof standen einige Fuhrwerke. Da war auch ein Brunnen mit einem Tränketrog. Gray Wolf lief sofort hin, stellte sich mit den Vorderläufen auf den Trogrand und begann seinen Durst zu löschen.

Beim Stalltor ließ sich der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem Krieg ins Arizona-Territorium verschlagen hatte, aus dem alten, brüchigen Sattel gleiten. Er spürte Steifheit in den Beinen. Von den Schultern seines braunen, zerschlissenen Staubmantels rieselte Staub. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen, rissigen Lippen und sagte staubheiser: „Steig ab, Lockett. Wir bleiben die Nacht über in dem Nest. Freu dich aber nicht zu früh. Wenn es in diesem Ort kein Gefängnis gibt, wird du die Nacht in einer der Boxen hier im Mietstall verbringen – mit den Handschellen an eine Futterraufe gekettet.“

Dan Lockett knirschte mit den Zähnen und stieß gehässig hervor: „Die Pest an deinen Hals, du dreckiger Bastard. Aber noch sind wir nicht in Tucson. Auf den hundert Meilen bis dorthin kann eine Menge geschehen. Einmal bist du unachtsam. Und dann …“

Er brach viel sagend ab. Aber gerade das, was er nicht aussprach, war erschreckend in seiner Unmissverständlichkeit.

McQuade verzog geringschätzig den Mund. Er trat an das Pferd heran, auf dem der Bandit saß, seine Hände zuckten in die Höhe, ein harter Ruck, und Lockett flog in den Staub. Der Aufprall war hart und presste ihm die Luft aus den Lungen. Der Bandit japste erstickend, hustete schließlich und fluchte lästerlich, als er wieder Luft bekam.

Der Stallmann kam über die Schattengrenze unter dem Tor, starrte mit zusammengeschobenen Brauen den Banditen an und lauschte dessen Fluchtirade, dann wandte er sich an McQuade und fragte grollend: „Was hat der Kerl ausgefressen, weil er gefesselt ist und Sie ihn behandeln wie den letzten Dreck? Reiten Sie für das Gesetz? Wenn ja, dann frage ich mich, wo Sie Ihren Stern gelassen haben.“

McQuade schätzte den Stallmann auf Mitte dreißig. Er hatte rote Haare und einen verfilzten, ungepflegten Bart von derselben Farbe. Seine Augen waren blau und wässrig.

„Sein Name ist Dan Lockett, und er ist tausend Dollar wert – tot oder lebendig. Ich bin mit ihm auf dem Weg nach Tucson. Dort hat er eine junge Frau vergewaltigt und erwürgt, außerdem hat er in Casa Adobes die Bank überfallen und einen Kassierer erschossen. Gibt es hier im Ort einen Deputy und ein Gefängnis?“

Während er sprach, packte er Lockett am Hemdkragen und zerrte ihn auf die Beine. Der Hass in Locketts Augen war wie ein Dämon. Seine Backenknochen mahlten.

Der Stallbursche nickte. „Unser Deputy heißt Roy Lambert. Sie finden sein Office, wenn Sie der Main Street ein Stück nach Süden folgen, auf der rechten Seite.“

„Danke. Kümmern Sie sich bitte um die beiden Pferde, Mister …“

„Gunning – Bob Gunning. Sicher, die armen Kreaturen sind ziemlich am Ende. Nun, bei mir sind sie in den besten Händen.“

McQuade schnallte seine Satteltaschen los, zog die Henry Rifle aus dem Scabbard und schaute Dan Lockett an: „Gehen wir, Lockett. Es sieht ganz so aus, als müsstest du nicht im Mietstall übernachten.“

Der Bandit drehte sich halb herum und setzte sich in Bewegung. McQuade folgte ihm. Gray Wolf, der seinen Durst gelöscht hatte, trottete hinterher.

*

Auch Roy Lambert war Mitte dreißig. Er saß an seinem Schreibtisch und vor ihm auf einer ausgebreiteten Zeitung lagen die Teile seines Revolvers. Da stand auch eine kleine Flasche mit Waffenöl. Nachdem McQuade mit seinem Gefangenen, gefolgt von Gray Wolf das Office betreten hatte, legte der Deputy den weichen Lappen weg, mit dem er gerade den Rahmen des Schießeisens polierte. Er fixierte kurz Dan Lockett, an dessen Kleidung der Staub vom Hof des Mietstalles klebte, dann heftete er den fragenden Blick auf den Kopfgeldjäger. Der drückte hinter sich die Tür zu. Im Office roch es nach Bohnerwachs und dem Waffenöl, das der Deputy für die Reinigung seines Sechsschüssers benutzte. Am verstaubten Fenster tanzten Fliegen auf und ab. Das monotone Ticken des Regulators an der Wand war zu hören. Zeugnis des unerbittlichen Verrinnens der Zeit.

„Guten Abend“, grüßte McQuade und nannte seinen Namen. Dann fuhr er fort: „Bei diesem Mann handelt es sich um Dan Lockett. Ich habe ihn oben in den Pinaleno Mountains gestellt.“ Der Kopfgeldjäger holte den Steckbrief des Banditen aus der Manteltasche und hielt ihn dem Deputy hin. „Lesen Sie selbst.“

Roy Lambert nahm das Fahndungsblatt, faltete es auseinander und studierte es eine ganze Zeit aufmerksam. Schließlich ließ er die Hand mit dem Steckbrief sinken, hob den Blick und knurrte: „Ein höllisch heißes Eisen, wie? Den Steckbrief hat der Sheriff des Pima Countys erlassen. Ich denke, dass Sie auf dem Weg nach Tucson hier Station machen möchten. Gehören Sie zum Büro des County Sheriffs, McQuade?“

Der Texaner schüttelte den Kopf. „Lockett drohte dem Gesetz durch die Lappen zu gehen. Er hat einer jungen Frau Gewalt angetan und sie anschließend getötet. Dafür muss er hängen. Das ist der Grund, weshalb ich ihn gejagt und gestellt habe.“

Der Deputy stemmte sich am Schreibtisch in die Höhe. Es war ein dunkler Typ, über sechs Fuß groß, hager und gewiss ausgesprochen beweglich. Ein Schatten schien über sein Gesicht zu huschen, sein Blick wurde kühl. „Ich glaube, ich verstehe. Sie haben diesen Mann der Prämie wegen gejagt, nicht wahr? Sie sind Kopfgeldjäger.“

„So kann man es nennen“, versetzte McQuade ruhig. „Es ist ein Job wie jeder andere auch. Ja, ich bleibe die Nacht über in Bonita, und Sie bitte ich, Lockett bis morgen Früh in Ihrem Gefängnis in Gewahrsam zu nehmen.“

„In Ordnung“, erklärte der Gesetzeshüter nach kurzem Zögern. Sein Gesichtsausdruck verriet, wie sehr ihm das Ansinnen des Kopfgeldjägers widerstrebte. „Ich kann Ihnen diese Bitte kaum abschlagen, wenn ich auch nicht gerade begeistert bin. Hat er Freunde, die möglicherweise versuchen, ihn zu befreien?“

„Nein.“

Roy Lambert holte einen Schlüsselbund aus der Schublade des Schreibtisches und wies mit dem Kinn auf eine Tür. „Da hinein, McQuade.“

Der Kopfgeldjäger versetzte Lockett einen leichten Stoß in den Rücken. „Vorwärts, Lockett.“

Sie betraten den Zellentrakt. Der Deputy schloss eine der beiden vorhandenen Zellen auf. McQuade nahm Lockett die Handschellen ab und schob ihn in den spartanisch eingerichteten Käfig. Durch das kleine, vergitterte Fenster fiel das rötliche Licht des Sonnenunterganges. An der kahlen Wand stand eine Pritsche mit einem Kissen und einer Decke drauf. Die Gitterwand mit der Tür bestand aus zolldicken, soliden Eisenstangen.

Es schepperte, als der Deputy die Tür schloss, der Schlüssel drehte sich knirschend im Schloss, dann kehrten der Gesetzeshüter und McQuade ins Office zurück. Roy Lambert sagte: „Ihr Beruf wird in diesem Teil des Landes nicht besonders geschätzt, McQuade. Und es wird sich schnell in der Stadt herumsprechen, dass Sie ein Menschenjäger sind. Vielleicht feindet man Sie deswegen an. Ich rate Ihnen, nicht darauf einzugehen und sich nicht herausfordern zu lassen.“

McQuade verstand. „Keine Sorge, Deputy. Ich werde nichts tun, was die Ruhe und den Frieden in Bonita gefährden könnte.“

Noch einmal ergriff Roy Lambert das Wort, indem er fragte: „Der Hund – er sieht ziemlich gefährlich aus. Haben Sie das Tier unter Kontrolle?“

„Sie brauchen sich auch Gray Wolfs wegen keine Sorgen zu machen. Vielen Dank dafür, Deputy, dass ich Lockett in Ihrem Jail unterbringen durfte. Ich hole ihn morgen Früh, sobald der Mietstall geöffnet hat, ab.“

McQuade verließ das Office, begab sich zum Hotel und quartierte sich dort ein. Die Satteltaschen legte er in den Schrank. Im Hotel wurde ihm die Möglichkeit geboten, ein Bad zu nehmen. Es war fast finster, als er sich auf den Weg zum Saloon machte, um zu Abend zu essen. Ein Wirrwarr von Stimmen empfing ihn im Schankraum. Dichter Tabakqualm schlierte um die Lampen, die über den Tischen von der Decke hingen.

Der Lärm verebbte. Stechende Blicke taxierten den Texaner, der sich nach einem freien Platz umschaute, und als er keinen entdeckte, zur Theke marschierte. Die harten Lederabsätze seiner Stiefel riefen ein pochendes Echo auf den Dielen wach, leise klirrten die Sporen. Lautlos glitt Gray Wolf neben seinem Herrn her.

Ein Mann räusperte sich, dann erklang eine aggressive Stimme: „Sieh an, der Mannjäger!“

Ohne die Spur einer Reaktion zu zeigen baute sich McQuade am Tresen auf und sagte zum Keeper: „Einen Krug frisches Wasser bitte. Außerdem hätte ich gerne etwas zu essen.“

Der Keeper zögerte, der Blick, den er in die Runde schweifen ließ, war fast hilfesuchend. Da erklang wieder die Stimme von eben: „Es ist ein verdammt blutiger Job, den du ausübst, McQuade. Wenn du mich fragst, dann bist du nicht viel besser als die Kerle, die du jagst.“

Zustimmendes Gemurmel kam auf.

McQuade spürte geradezu körperlich die Welle der Ablehnung, die ihm hier entgegenschlug. Und einen Augenblick lang bereute er es, diesen Ort überhaupt angeritten zu haben. Er beschloss, auf die Provokation nicht einzugehen. „Was ist? Bekomme ich einen Krug Wasser und etwas zu essen?“ Der Texaner sprach mit klarer und präziser Stimme.

Der Keeper zuckte zusammen, als hätte McQuade mit einer Peitsche nach ihm geschlagen. „Sicher, Mister, sicher“, murmelte er und griff nach einem sauberen Krug.

Der Kopfgeldjäger vernahm hinter sich Schritte, und im nächsten Moment trat ein Mann neben ihn an den Schanktisch. Er griff nach dem Krug und trank. Gray Wolf, der sich auf die Hinterläufe niedergelassen hatte, ließ den Burschen neben McQuade nicht aus den Augen.

„Ich rate dir, zu verschwinden, Mannjäger!“, stieß der Kerl hervor. „Du verpestest mit deiner Anwesenheit die Luft im Saloon. Es stinkt hier plötzlich nach Tod und Unheil – ein Geruch, der keinem hier bekommt. Also zieh Leine, Hombre. Oder muss ich dir Beine machen?“

Die Atmosphäre im Schankraum war nach diesen Worten mit unheilvoller Spannung geschwängert, die Luft schien zu knistern wie vor einem schweren Gewitter. Viele der Männer hielten den Atem an. Sie verströmten eine angespannte Erwartung.

Hier bahnte sich etwas an, das McQuade ganz und gar nicht gefiel. Er wandte sich dem Burschen zu. Der Texaner schätzte ihn auf ungefähr dreißig Jahre. Seine Haltung war herausfordernd, ebenso sein Blick. Er hatte kurz geschorene, blonde Haare, seine Augen waren blau, er besaß eine grobschlächtige Figur und eine Reihe von Narben in seinem Gesicht verrieten, dass er schon so manchen Faustkampf ausgetragen hatte.

McQuade zeigte sich gelassen. „Lass mich in Ruhe, Hombre“, murmelte er. „Wenn dir mein Job nicht gefällt, dann kann und will ich das nicht ändern. Akzeptiere es einfach, wie es ist.“

„Du bist ein Killer, der sich mit irgendwelchen Steckbriefen die Legitimation zum Morden verschafft!“, fauchte der Blondhaarige, einen gehässigen Ausdruck um den Mund. „Deine Sorte wollen wir in Bonita nicht. Darum fordere ich dich zum letzten Mal auf, aus dem Saloon zu verschwinden und hier nicht länger die Luft zu verpesten.“

„Gehört der Saloon dir?“

Der Bursche starrte den Texaner verdutzt an. „Nein. Aber …“

McQuade winkte ab und stellte den Krug mit dem Wasser auf den Tresen. „Schon gut, Hombre. Ich möchte keinen Streit.“

McQuade drehte sich um und setzte sich in Bewegung.

„Elender Feigling!“

Die beiden Worte fielen wie Hammerschläge. Abrupt hielt McQuade an. In seinem Gesicht arbeitete es. Einige Sekunden, in denen es im Saloon still war wie in einer Gruft, verstrichen. Plötzlich gab sich McQuade einen Ruck, setzte sich wieder in Bewegung und ging weiter.

Der Blondhaarige holte ihn mit drei langen Schritten ein, seine Hand verkrallte sich in McQuades Schulter, mit einem wilden Rucke riss er den Kopfgeldjäger halb herum. „So einfach kommst du nicht weg, McQuade!“, giftete er und seine Augen zeigten eine unheimliche Drohung. Es war klar: Er fühlte sich stark und überlegen. Zwei Dutzend Männer hier im Saloon stärkten ihm den Rücken. Er wollte es McQuade zeigen. Und da stieß er auch schon hervor: „Ich schätze, du bist nur mutig, wenn dir ein Mann den Rücken zukehrt und du den Revolver in der Hand hältst. Bist du überhaupt schon mal einem der Kerle, die du jagst, Auge in Auge gegenübergetreten? Ich denke nicht.“

„Lass mich in Ruhe, Hombre“, stieg es warnend aus McQuades Kehle. „Du hast mir geraten, aus dem Saloon zu verschwinden, und ich bin dabei, zu gehen. Was willst du noch?“

„Ich will dich auf deine richtige Größe zurechtstutzen, Menschenjäger!“, schnarrte der Blondhaarige. Und voll Überheblichkeit fügte er hinzu: „Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du auf dem Bauch aus der Stadt kriechen.“

„Es gibt für mich keinen Grund, mich mit dir zu schlagen, mein Freund“, erklärte McQuade ruhig. „Ich gehe jetzt, und du wirst mich daran nicht zu hindern versuchen. Sei vernünftig. Du kannst mich nicht leiden. Na schön, damit kann ich leben. Doch lass es damit ein Bewenden haben.“

„Du machst dir ja schon in die Hosen, McQuade!“, stieß der Blondhaarige geradezu triumphierend hervor. Jäh setzte sich ein brutaler Zug um seinen Mund fest. Das Aufblitzen in seinen Augen war wie ein Signal. „Ich werde dich jetzt aus dem Saloon prügeln. Nimm das!“

Sein Arm zuckte hoch und seine Faust schoss auf McQuades Gesicht zu. Aber der Kopfgeldjäger war auf der Hut. Er duckte sich blitzschnell, der Schlag das anderen ging ins Leere, und ehe sich der Bursche versah, hatte McQuade den Revolver gezogen. Er rammte dem Schläger die Mündung gegen den Leib, es knackte, als er den Hahn spannte. „Schluss jetzt, Hombre!“, herrschte McQuade den Burschen an. „Ich prügle mich nicht mit dir. Sei dir endlich darüber im Klaren. Und jetzt gebe ich dir einen guten Rat: Setz dich auf deinen Platz und komm mir nicht mehr in die Quere. Irgendwann reißt auch bei mir der Geduldsfaden. Habe ich mich deutlich genug ausgedrückt?“

Da flog krachend die Eingangstür auf und Roy Lambert, der Deputy, betrat den Schankraum. Er hielt eine Schrotflinte im Hüftanschlag. Sein Gesicht war wie aus Granit gemeißelt. „Den Revolver weg, McQuade!“, blaffte er mit stählern klingender Stimme.

Der Kopfgeldjäger entspannte die Waffe und versenkte sie im Holster. „Pfeifen Sie diesen Narren zurück, Deputy!“, forderte McQuade. „Er hat mich auf das Übelste beleidigt und ich hätte Grund, ihn dafür zur Rechenschaft zu ziehen.“

Langsam schritt Roy Lambert näher. „Was war los, Ward?“

„Er hat uns mit seiner Anwesenheit provoziert“, knurrte der Blondhaarige und trat einen Schritt zurück, um etwas Abstand zu McQuade zu gewinnen. „Und dann war er verdammt schnell mit seiner Gürtelkanone bei der Hand. Ich glaube, er schießt erst und stellt danach die Fragen.“

„Ich gehe jetzt“, gab McQuade zu verstehen. „Bis morgen Früh, Deputy. – Go on, Partner.“

Niemand versuchte mehr, den Kopfgeldjäger aufzuhalten. Draußen atmete er tief durch. Frische Luft füllte seine Lungen. Er spürte Enttäuschung. In dieser Stadt war man ihm feindlich gesonnen und er konnte es kaum erwarten, ihr den Rücken zu kehren.

*

Nach dem Frühstück begab sich McQuade zum Mietstall. Der Stall hatte schon geöffnet. Der Stallmann half McQuade, die Pferde zu satteln und zu zäumen. Während er die Satteltaschen festschnallte, fing er einen seltsamen Blick des rothaarigen Burschen auf. Als er ihn erwiderte, schaute Bob Gunning schnell weg.

McQuade ritt zum Sheriff’s Office. Locketts Pferd führte er am langen Zügel. Als er absaß, trat Roy Lambert aus der Tür. „Guten Morgen“, grüßte er. „Ich habe Sie schon erwartet.“

McQuade band die Pferde an den Holm und stieg die vier Stufen zum Vorbau hinauf. „Ich will keine Zeit verlieren, Deputy.“

Lambert nickte mit unbewegtem Gesicht. „Ich hole Lockett.“

Drei Minuten später saßen McQuade und der Bandit auf den Pferden und trieben sie an. Roy Lambert schaute ihnen hinterher und nagte an seiner Unterlippe. Ein Stück weiter trat auf der anderen Seite der Fahrbahn ein Mann aus einer Gasse. Es war der blondhaarige Bursche, der am Abend im Saloon den starken Mann spielen wollte. Er starrte zu Lambert herüber.

Währenddessen passierten McQuade und sein Gefangener die letzten Häuser der Stadt. Im Westen ballten sich dunkle, drohende Wolkengebilde. Die Sonne war hinter einer dicken Wolkendecke verschwunden. Es war schwül. In dunstiger Ferne ragten die bizarren Felsmonumente der Galiuro Mountains in das unendlich anmutende Grau hinein.

„Der Sturm wird bald da sein“, stieß Dan Lockett hervor und warf McQuade einen tückischen Blick zu. „Sollten wir nicht lieber in der Stadt abwarten, bis er vorüber ist?“

McQuade schüttelte den Kopf. „Wir reiten.“

Der Bandit presste die Lippen zusammen und schwieg. Wind kam auf. Er peitschte die drohenden Wolkenberge von Westen heran. Als sich McQuade einmal umschaute, war die Stadt hinter einer Bodenwelle verschwunden. Der Wind riss Staub vom Boden in die Höhe und trieb ihn den beiden Reitern entgegen. Der Kopfgeldjäger zog sich das Halstuch über Mund und Nase. Und dann fielen erste schwere Regentropfen. Und schon Sekunden später goss es wie aus Eimern. Der bretterharte Wind trieb die peitschenden Regenschauer schräg über das Land. Die Pferde stemmten sich gegen den Sturm, kämpften gegen ihn an wie gegen einen leibhaftigen Feind. Der scharfe Wind nahm den Reitern fast den Atem.

Die Wildnis hatte sich in einen tosenden, heulenden Hexenkessel verwandelt, aus dem es kein Entrinnen zu geben schien. Immer neue Regenmassen jagte der Sturm über die Hügelkuppen heran. Die beiden Reiter waren bald bis auf die Haut durchnässt. Noch hatten sie nicht einmal zwei Meilen zurückgelegt, seit sie Bonita verlassen hatten. Der Regen nahm ihnen die Sicht. Die Konturen der Hügel ringsum waren nur noch verschwommen wahrzunehmen. Nirgendwo gab es Schutz. Die beiden Reiter waren dem tobenden Element ausgeliefert.

Plötzlich schälten sich drei Reiter aus dem Grau in Grau. Sie saßen zusammengekrümmt auf den Pferden und kamen McQuade und Dan Lockett entgegen. Jeder von ihnen trug einen Regenumhang. Von ihren Gesichtern war nichts zu erkennen, denn sie hatten sich die Hüte weit in die Stirn gezogen und hielten die Köpfe gesenkt.

Sie waren auf zehn Yards heran, als es bei ihnen aufblitzte. Das Krachen der Schüsse verschmolz mit dem Orgeln und Heulen des Sturmes. McQuade und Dan Lockett stürzten von den Pferden, prallten auf den aufgeweichten Boden und blieben reglos liegen. Gray Wolf bellte zweimal, dann warf er sich herum und floh, als spürte er, dass er sich in tödlicher Gefahr befand. Einer der Reiter schickte ihm zwei Kugeln hinterher, verfehlte den Wolfshund aber.

„Holt euch die Pferde!“, rief einer der Kerle. „Und dann nichts wie weg hier!“

*

Als McQuade zu sich kam, war das erste, was sein Blick erfasste, eine Zimmerdecke aus ungehobelten Brettern. Der Kopfgeldjäger war benommen. Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, wo er sich befand. Als er den Kopf bewegte, durchzuckte ihn stechender Schmerz und unwillkürlich stöhnte er. Benommenheit brandete gegen sein Bewusstsein an. Nichts in seinem Körper schien mehr zu funktionieren. Sein zerrissenes Bewusstsein zeigte tiefe Spalten. Denkvorgänge fielen aus, Zusammenhänge kamen nicht zustande. Die Signale, die sein Hirn aussandte, wurden vom Körper nicht beantwortet.

Der Kopfgeldjäger begriff, dass er in einem Bett lag. Nach und nach setzte die Erinnerung ein. Ein leises Fiepen holte den Texaner ganz und gar in die Realität zurück. Etwas Raues, Feuchtes strich über seine Hand. Es war Gray Wolfs Zunge. „Hallo, Partner“, flüsterte McQuade. Tonlos brachen die Silben über seine rissigen, pulvertrockenen Lippen.

Der Hund bellte einmal.

„Wo sind wir, Partner? Was …“

Die Tür des Raumes wurde geöffnet und ein Mann betrat das Zimmer. Er trug derbe Kleidung, seine Haare waren blond, er mochte etwa dreißig Jahre alt sein. „Na endlich, Mister. Wir dachten schon, Sie wachen überhaupt nicht mehr auf.“ Der Bursche grinste verkniffen.

McQuade hatte das Gefühl, eine stählerne Klammer presste sich gegen seine Schläfen. Er fühlte Schwäche - eine schreckliche Schwäche, die alle Sehnen und Muskeln in ihm gelähmt zu haben schien. „Wo bin ich? Wer sind Sie?“

McQuade sprach mit matter Stimme, als kostete ihm jedes Wort übermenschliche Anstrengung. Seine Linke tastete über sein Gesicht, erreichte die Stirn und fühlte einen dicken Verband.

„Mein Name ist Stan Baldwin, und Sie befinden sich auf meiner Farm. Ihr Hund hat mich zu Ihnen geführt. Er erschien heute Vormittag vor dem Haus und bellte wie von Sinnen, lief ein Stück weg, kam zurück, bellte aufs Neue und gebärdete sich wie verrückt. Irgendwann begriffen meine Frau und ich, dass er uns auf irgendetwas aufmerksam machen wollte. Ich sattelte also mein Pferd und der Hund führte mich zu ihnen.“

„Ich hatte einen Gefangenen bei mir“, murmelte McQuade.

„Der Mann ist tot. Ich habe Sie und ihn auf die Farm geholt. Den Toten habe ich begraben. Sie hat eine Kugel am Kopf gestreift und ihnen einen üblen Scheitel gezogen. Wahrscheinlich hatte das Geschoss die Wirkung eines Keulenhiebes. Erst dachte ich, auch Sie seien tot …“

„Es waren drei Reiter“, murmelte McQuade. Und nach einer kurzen Pause fragte er: „Haben Sie unsere Pferde auch auf die Farm gebracht?“

„Von Ihren Pferden war weit und breit nichts zu sehen, Mister – äh …“

„McQuade. Ich war auf dem Weg nach Tucson, um dort einen Mörder, Vergewaltiger und Bankräuber dem Sheriff zu übergeben. In meinen Satteltaschen befand sich das Geld, das er beim Überfall auf die Bank in Casa Adobes erbeutet hat. Fast fünftausend Dollar.“

„Wahrscheinlich sind Ihre Pferde weggelaufen. Spuren gab es nicht mehr. Der Regen hat sie ausgelöscht. Ich habe mir wegen Ihrer Pferde auch gar keine Gedanken gemacht.“

„Die Pferde sind nicht weggelaufen“, murmelte der Kopfgeldjäger, dessen Verstand jetzt wieder klar und präzise arbeitete. „Die drei Banditen wussten, dass ich die Satteltaschen voller Geld hatte. Und sie haben mich außerhalb von Bonita erwartet.“

„Ja, ich habe Sie etwa anderthalb Meilen von der Stadt entfernt gefunden. Haben Sie in der Ortschaft denn mit jemand gesprochen und ihm erzählt, dass Sie fast fünftausend Dollar mit sich herumschleppen?“

„Ich nicht“, entrang es sich McQuade. Er stemmte seinen Oberkörper mit beiden Armen in die Höhe, Schwindelgefühl erfasste ihn, stechender Schmerz von seinem Kopf fuhr wie ein glühender Pfeil durch seinen Körper, und ein lang gezogenes Stöhnen brach aus seiner Kehle. Eine Woge der Benommenheit spülte ihn hinweg. Schwäche kroch wie flüssiges Blei durch seine Blutbahnen. Er fiel zurück und stemmte sich verbissen gegen die Nebel, die ihn einzuhüllen schienen. Nur langsam ebbten Schmerz und Benommenheit ab.

Wie aus weiter Ferne hörte er den Farmer sagen: „Sie haben viel Blut verloren, Mister. Es wäre also ratsam, ruhig liegen zu bleiben. Ich sage Kathy Bescheid. Sie wird Ihnen eine kräftige Fleischbrühe kochen. Kathy bringt Sie wieder auf die Beine. Aber Sie müssen das Ihre dazu beitragen.“

„Sicher“, murmelte McQuade. „Vielen Dank, Baldwin. Ohne Sie …“

„Danken Sie Ihrem Hund, McQuade. Ohne ihn wären Sie draußen in der Wildnis wahrscheinlich kläglich umgekommen.“

Stan Baldwin verließ den Raum.

McQuade drehte etwas den Kopf und schaute direkt in die treuen Augen Gray Wolfs, der vor dem Bett saß. Der Kopfgeldjäger hatte Mühe, die Hand zu heben und dem Tier über den Kopf zu streichen. Gray Wolf winselte leise.

*

Drei Tage später fühlte sich McQuade stark genug, in den Sattel zu steigen. Der Farmer stellte ihm sein Pferd zur Verfügung. Der Kopfgeldjäger bedankte sich bei Stan und Kathy Baldwin und versprach, das Tier samt Sattel und Zaumzeug zurückzubringen.

„Geben Sie auf sich acht“, empfahl die Frau des Farmers und schaute McQuade ernst an. „So richtig sind Sie noch nicht auf der Höhe. Meiner Meinung nach hätten Sie noch mindestens drei Tage der absoluten Ruhe bedurft. Aber Sie sind ja nicht zu halten. Hoffentlich bereuen Sie Ihre Sturheit nicht.“

„Es ist schon in Ordnung, Ma’am“, versetzte McQuade lächelnd und tippte mit dem Zeigefinger gegen die Krempe des Stetsons, der zwei kleine Löcher von der Kugel aufwies, die ihn durchschlagen und McQuade einen blutigen Scheitel gezogen hatte. Entschlossen trieb er das Pferd an.

Der Kopfgeldjäger hatte sich von Stan Baldwin den Weg zur Stadt beschreiben lassen. Er wusste, dass die Entfernung zwischen Farm und Ortschaft knapp vier Meilen betrug. Bei dem Pferd, das er ritt, handelte es sich um einen schweren Kaltblüter, der kaum zum Reiten geeignet war, der in der Regel vielmehr ein Fuhrwerk oder den schweren Pflug zog.

Um McQuade Kopf lag noch ein Verband. Die Wunde war gut verheilt, doch spürte der Kopfgeldjäger bei jedem Schritt des Pferdes ein Ziehen und Spannen, das alles andere als wohltuend war.

Der Texaner ritt mit Hass im Herzen. Wenn Dan Lockett auch ein niederträchtiger Verbrecher gewesen war – die Kerle, die sie überfallen hatten, ermordeten ihn kaltblütig und skrupellos. Und er, McQuade, hatte lediglich Glück gehabt. Einen Zoll tiefer, und das Stück Blei aus einem der Banditencolts hätte ihm das Hirn aus dem Schädel geblasen.

Sie hatten ihn herausgefordert. Er nahm die Herausforderung an. McQuade wollte dem höllischen Trio eine blutige Rechnung präsentieren. Der Hass, der in ihm fraß wie ätzende Säure, würde kein Verständnis, kein Entgegenkommen, keine Gnade und kein Erbarmen kennen. Zum Hass gesellte sich in dem Kopfgeldjäger eine kalte Entschlossenheit.

Der Tod – personifiziert in der Gestalt McQuades -, näherte sich auf pochenden Hufen der kleinen Stadt Bonita.

Von der Frau des Farmers hatte er erfahren, dass er fast dreißig Stunden besinnungslos gewesen war beziehungsweise tief geschlafen hatte. Zu regnen hatte es längst aufgehört. Der Himmel war ungetrübt blau, die Sonne stand wie ein Fanal am Himmel und trocknete das Land aus. Die üppig blühende Vegetation, die nach dem Regen entstanden war, würde sehr schnell wieder verschwinden, Hitze, Dürre und Staub würden wieder die beherrschenden Attribute in diesem Teil des Territoriums sein.

Es war früher Nachmittag, als McQuade die Stadt erreichte. Einige Menschen bevölkerten die Straße. Sie beobachteten ihn. Beim Sheriff’s Office hielt er an, saß ab und band das schwere Pferd an den Halbebalken. Gray Wolf legte sich bäuchlings in den Staub. Eine halbe Minute später betrat McQuade das Büro. Roy Lambert saß hinter dem Schreibtisch und las in einem abgegriffenen Magazin. Als er McQuade sah, weiteten sich seine Augen ungläubig. Seine Lippen bewegten sich, seine Stimmbänder aber versagten.

„Es ist keine Halluzination, Deputy, ich bin es wirklich“, stieß McQuade rau hervor, den harten Blick auf den Deputy gerichtet.

Jetzt fand Roy Lambert seine Sprache wieder. „Sie, McQuade! Himmel, einige Stunden, nachdem Sie mit Lockett den Ort verlassen hatten, kehrten Ihre Pferde zurück. Ich bin sofort losgeritten, um Sie zu suchen. Aber der Regen hat sämtliche Spuren vernichtet, und ich musste unverrichteter Dinge in die Stadt zurückkehren. Was ist geschehen? Sie tragen einen Verband um den Kopf …“

„Nachdem Dan Lockett und ich vor vier Tagen die Stadt verlassen hatten, wurden wir überfallen. Es waren drei Kerle. Sie konnten mich überraschen. Lockett ist tot. Ich hatte Glück. Ein Farmer namens Baldwin und seine Frau brachten mich wieder auf die Beine.“

„Ich kenne Stan Baldwin. Warum hat man Sie überfallen? Freunde von Lockett können es ja kaum gewesen sein, denn dann wäre der Bandit jetzt nicht tot sondern über alle Berge.“

„In meinen Satteltaschen befanden sich fast fünftausend Dollar. Es handelte sich um das Geld, das Lockett bei dem Überfall auf die Bank in Casa Adobes erbeutete.“

Während er das sagte, beobachtete McQuade den Deputy. Ihm entging keine seiner Reaktionen. Mit fahriger Geste wischte sich Roy Lambert über den Mund. „Mir gegenüber haben Sie das mit keinem Wort erwähnt, McQuade. Haben Sie es sonst jemand hier im Ort erzählt?“

„Nein. Vielleicht hat Dan Lockett darüber gesprochen.“

McQuades Blick übte regelrecht Druck auf den Deputy aus. Der erhob sich, ging zum Fenster, verschränkte die Hände auf dem Rücken, schaute starr nach draußen und sagte: „Das ist ausgeschlossen, McQuade. Es gab keinen Kontakt zwischen ihm und irgendjemandem in der Stadt.“

„Außer mit Ihnen, Lambert.“

Es riss den Deputy regelrecht herum. „Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?“, blaffte er und seine Augen versprühten wütende Blitze.

„Dass Lockett mit Ihnen über das Geld in meinen Satteltaschen gesprochen haben könnte.“

Lambert duckte sich ein wenig. Er wirkte sprungbereit und es hatte den Anschein, dass er im nächsten Moment dem Kopfgeldjäger an den Hals gehen würde. Seine Hände öffneten und schlossen sich, in seinen Mundwinkeln zuckte es.

Plötzlich aber entspannte er sich. „Vergessen Sie’s, McQuade. Ich trage den Stern, ich habe einen Eid geschworen. Darüber sollten Sie nachdenken. Ich …“

„Sicher, ich werde nachdenken“, unterbrach ihn der Texaner. „Und am Ende meiner Gedanken werden drei Särge stehen. Drei Särge, Deputy. Mein Wort drauf.“

Die Miene des Hilfssheriffs verkniff sich. In seinen Blick trat ein boshafter Ausdruck. „Ich will keinen Ärger haben in Bonita“, grollte sein Organ. „Darum warne ich Sie, McQuade. Unruhestiftern trete ich gnadenlos auf die Zehen. Ich denke, ich habe mich klar und deutlich ausgedrückt.“

„Wo finde ich mein Pferd?“, fragte McQuade, ohne auf die Drohung einzugehen.

„Im Mietstall.“

McQuade machte kehrt und verließ grußlos das Office. Am Kopfgeschirr führte er den Kaltblüter die Straße hinunter und schließlich in den Hof des Mietstalles. Gray Wolf trottete nebenher. Im Stalltor erschien Bob Gunning, der rothaarige Stallmann. Jeder Zug in seinem Gesicht drückte Verblüffung, vielleicht sogar Fassungslosigkeit aus. Er starrte McQuade an wie eine überirdische Erscheinung. Seine Lippen formten tonlose Worte.

McQuade hielt an. „Überrascht, mein Freund?“

Der Stallmann räusperte sich, schluckte krampfhaft und musste zweimal ansetzen, doch dann entrang es sich ihm: „Nachdem Ihr Pferd und das des Banditen reiterlos in die Stadt zurückkamen und wir nichts mehr von Ihnen hörten, war jeder in Bonita davon überzeugt, dass Sie tot sind. Lambert hat Sie gesucht – vergebens. Was ist geschehen?“

„Roy Lambert wird es Ihnen sicher erzählen“, antwortete der Kopfgeldjäger. „Sie haben mein Pferd bei sich untergestellt.“

„Der Falbe steht in der vorletzten Box auf der rechten Seite.“

„Wo finde ich den Sattel?“

„Ich habe ihn auf den Sattelbalken gelegt.“

„Übernehmen Sie dieses Pferd“, knurrte McQuade. „Irgendwann in den nächsten Tagen werde ich es wieder abholen und seinem Eigentümer zurückbringen.“ Der Texaner ließ das Kopfgeschirr los und ging in den Stall. Er fand den Sattel. Auch seine Satteltaschen waren da. Er öffnete sie und schaute hinein. Das Geld, das er in ihnen verstaut hatte, war fort.

Aber das hatte er nicht anders erwartet.

Als er einen Blick in Richtung Stalltor warf, sah er den Stallmann, der ihn beobachtete. Der Bursche gefiel ihm nicht. McQuade wusste nicht, woher diese Aversion rührte, aber sie war da und sie ließ sich nicht verdrängen.

McQuade zog das Gewehr aus dem Scabbard. Dann verließ er den Stall und ging zum Hotel, um sich ein Zimmer zu mieten.

*

Dem Kopfgeldjäger war klar, dass er die drei Banditen in Bonita suchen musste. Sein Verdacht richtete sich gegen den Deputy. Nur er hatte mit Dan Lockett Kontakt, nur ihm konnte der Bandit von dem Geld in seinen – McQuades – Satteltaschen berichtet haben.

McQuade sagte sich, dass er die Banditen aus der Reserve locken musste. Ihm war aber auch klar, dass es ein Spiel mit dem Feuer werden würde. Das Trio hatte bewiesen, dass es mitleidlos und skrupellos vorging und dass es absolut tödlich war.

Der Kopfgeldjäger hatte Stiefel, Hut und Mantel ausgezogen und sich aufs Bett gelegt. Das Ziehen und Hämmern in seinem Kopf war erträglich. Die Frau des Farmers hatte gut für ihn gesorgt. Er war fast wieder der Alte.

Ins Zimmer schlich die Abenddämmerung. Die Geräusche in der Stadt erstarben mehr und mehr. Das Schreien und Johlen der spielenden Kinder war längst verstummt. Die Menschen hatten sich in ihre Behausungen zurückgezogen und frönten der abendlichen Ruhe.

McQuade verspürte Hunger. Er setzte sich auf, schwang die Beine vom Bett und verzog das Gesicht, weil die Bewegung stechenden Schmerz in seinem Kopf auslöste, der sogleich aber wieder abflaute. Gray Wolf erhob sich, streckte seinen muskulösen Körper und gähnte. Der Texaner strich ihm einige Male über den Rücken. Dann erhob er sich, schlüpfte in seine Stiefel, zog sich den Mantel an und stülpte sich den Stetson auf den Kopf. „Dann wollen wir mal, Partner“, murmelte er. „Wir werden sehen, was sich ergibt. Go on.“

Minuten später betrat der Kopfgeldjäger den Saloon. Die Abenddämmerung war fortgeschritten. Im Schankraum hatte der Salooner die Laternen noch nicht angezündet. Kein einziger Gast war anwesend. McQuade setzte sich an einen Tisch, Gray Wolf legte sich zu seinen Füßen auf den Fußboden. Der Salooner kam. „Was darf ich Ihnen bringen?“

„Einen Krug Wasser bitte, außerdem habe ich Hunger wie ein Wolf.“

„Ich kann Ihnen ein Steak braten“, gab der Salooner zu verstehen.

„Nichts dagegen einzuwenden. Ein rohes Stück Fleisch hätte ich außerdem gerne für meinen Hund.“

„Möchte er auch Bratkartoffeln und Bohnen?“, fragte der Salooner grinsend.

Auch McQuade lächelte. „Ich schätze, darauf legt er keinen gesteigerten Wert. Ich dafür umso mehr.“

Das Grinsen um den Mund des Salooners zerrann. Er sagte: „Ich finde, dass Sie klug gehandelt haben, als Sie nicht auf die Provokation Joe Wards eingegangen sind, Mister.“

„Man stellt sich mit dieser Sorte auf eine Stufe, wenn man sich mit ihr einlässt“, erklärte der Kopfgeldjäger.

Der Salooner nickte wiederholt. „Ward ist ein übler Schläger. Doch Sie haben ihm den Schneid abgekauft. Als Sie ihm die Kanone unter die Nase gehalten haben, ist ihm der Schreck ziemlich in die Glieder gefahren.“

„Das ist die einzige Sprache, die Kerle von Wards Schlag verstehen.“

„Das ist so. Leider.“ Der Salooner zuckte mit den Schultern. „Als Ihr Pferd und das Tier Ihres Gefangenen reiterlos in den Ort zurückkehrten, hätte ich jeden Eid geschworen, dass Joe Ward dahinter steckt. Er ist rachsüchtig und nachtragend, und seine Gesinnung ist eine verdammt niedrige.“

„Sie mögen Joe Ward nicht, wie?“

„Er ist hinter meiner Tochter her. Betsy will nichts von ihm wissen. Das Girl wagt sich schon gar nicht mehr auf die Straße, weil jedes Mal Joe Ward auftaucht und sie bedrängt. Ein lästiger Bursche.“

„Es waren drei, die mich und Dan Lockett zusammengeknallt haben“, erklärte McQuade. „Ich bin davon überzeugt, dass es jemand aus Bonita war. Die Banditen haben fast fünftausend Dollar erbeutet. Es handelte sich um das Geld, das Lockett der Bank in Casa Adobes geraubt hat.“

Der Salooner schaute verdutzt drein. „Haben Sie denn jemand davon erzählt, dass Sie einen derartigen Haufen Geld mit sich herumschleppen?“

„Nein. Was ist Roy Lambert für ein Mann?“

Der Salooner legte die Stirn in Falten. „Warum fragen Sie?“

„Lambert war möglicherweise der einzige, der von dem Geld wusste. Ich vermute, dass Dan Lockett mit ihm darüber gesprochen hat.“

Der Salooner starrte McQuade an, als hätte dieser soeben ausgesprochenen Unsinn von sich gegeben. Plötzlich brach es über seine Lippen: „Donnerwetter! Was Sie andeuten, ist schwerwiegend – es ist geradezu ungeheuerlich. Lassen Sie das Roy Lambert lieber nicht hören. Er …“

„Ich habe es ihm bereits ins Gesicht gesagt“, knurrte McQuade.

„Wie hat er reagiert?“

„Nun, er …“

„Ah, der Menschenjäger!“, ertönte eine blechern klingende Stimme. Joe Ward, jener Bursche, der McQuade beleidigte und herausforderte, als er auf seinem Weg nach Tucson mit Dan Lockett in Bonita Station machte, stand draußen vor der Pendeltür. Jetzt stieß er sie auf, trat in den Schankraum, und stemmte die Arme in die Seiten. Hinter ihm schlugen die Türpendel knarrend und quietschend aus. Ein böses Grinsen zog die Lippen Wards in die Breite. „Wir waren davon überzeugt, dass dich der Teufel geholt hat, McQuade. Hat dich etwa die Hölle wieder ausgespuckt?“

„Ich brate Ihnen das Steak“, murmelte der Salooner und entfernte sich schnell.

Langsam näherte sich Ward dem Tisch, an dem der Kopfgeldjäger saß. „Du bist mir etwas schuldig, McQuade.“

Der Kopfgeldjäger lehnte sich auf dem Stuhl zurück. Mit unergründlichem Blick musterte er den Schläger. „Ich wüsste nicht was.“

Ward hielt an. „Du hast mich vor der ganzen Stadt blamiert. Ich habe mein Gesicht verloren.“

„Du hast es herausgefordert.“

„Steh auf, McQuade, und komm mit mir auf die Straße. Ich bin darauf erpicht, meinen Ruf wieder herstellen. Darum werde ich dich verprügeln. Du wirst doch nicht wieder kneifen?“ Wards Stimme wurde um einige Nuancen schärfer. „Hoch mit dir, Mannjäger! Geh mit mir hinaus und stell dich mir zum Kampf.“

McQuade kniff leicht die Augen zusammen. „Was soll das werden, Ward? Warum bist zu so wild darauf, dich mit mir zu schlagen? Diese Herausforderung erfolgt doch nicht grundlos.“

Wie eine Warnung vor drohendem Unheil zuckte es durch McQuades Gehirn. In den Tiefen seines Bewusstseins regte sich etwas. Aber es blieb unbestimmbar. Nach kurzem Abwägen sagte er sich, dass es ihn vielleicht weiter brachte, wenn er auf das Ansinnen Wards einging. Und unvermittelt verspürte er eine wilde, kaum bezähmbare Entschlossenheit. Er nickte, stemmte sich am Tisch in die Höhe, und sagte grollend: „Spar dir die Antwort, Ward. Es ist in Ordnung. Gehen wir nach draußen.“ McQuade schritt um den Tisch herum. „Worauf wartest du? Du hast den Vortritt.“

„Ich werde dich zertrümmern!“, drohte der Schläger und rieb sich die prankenartigen Hände. Dann schwang er herum und stapfte zur Tür.

McQuade folgte ihm. Er ahnte, dass draußen für ihn etwas vorbereitet worden war – etwas, an dessen Ende etwas Dunkles, Unheilvolles stehen sollte. Er musste das Spiel mit dem Feuer eingehen. Allerdings hatte er nicht vor, sich Ward zum Faustkampf zu stellen. Allein seine noch nicht ausgeheilte Verletzung machte für ihn eine Auseinandersetzung mit den Fäusten unmöglich.

McQuade war überzeugt davon, dass hier jemand ein höllisches Spiel inszenierte – ein Spiel, für das der Satan das Drehbuch geschrieben hatte. Und es konnte nur damit zusammenhängen, dass ihn sich jemand vom Leib halten wollte, jemand, der ihn fürchten musste wie der Teufel das Weihwasser. Die Würfel des Schicksals rollten. Der Einsatz war sein Leben.

Sie standen sich auf der Straße gegenüber. Gray Wolf war auf McQuades Anweisung am Fahrbahnrand zurückgeblieben und hatte sich auf die Hinterläufe niedergelassen. Das intelligente Tier ließ seinen Herrn nicht aus den Augen.

McQuade war angespannt. Unauffällig ließ er seinen Blick schweifen. Zwischen den Häusern nisteten schon die Schatten der beginnenden Nacht. Aus vielen Fenstern fiel bereits Licht. Von irgendwo her sickerte das zornige Keifen einer Frau heran. Ein Kind fing an zu weinen.

Joe Ward hatte die Arme angewinkelt und die Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht wies einen grimmig-entschlossenen Ausdruck auf. Der Blick voll Heimtücke und Hinterhältigkeit hatte sich regelrecht an dem Kopfgeldjäger verkrallt. „Jetzt werde ich dir die heilige Mannesfurcht einbläuen, McQuade!“, knirschte der vierschrötige Bursche. „Was ich von dir übrig lasse, werden wir zusammenfegen und an die Schweine verfüttern.“

McQuade stand breitbeinig und etwas vornüber gebeugt da. Er vermittelte äußerste Konzentration. Doch jetzt musste er seine ganze Aufmerksamkeit Joe Ward widmen, denn dieser griff wild und ungestüm an. McQuade steppte geistesgegenwärtig einen halben Schritt zur Seite. Ward konnte die Wucht seines Ansturms nicht mehr bremsen. Seine Fäuste flogen, trafen aber nicht. Der Kopfgeldjäger stellte ihm ein Bein und der Schläger krachte aufbrüllend bäuchlings in den Staub. Sofort wälzte er sich auf den Rücken, richtete den Oberkörper auf und versuchte auf die Beine zu kommen. Aber da war McQuade schon heran. In seiner Faust lag der Colt. Er schlug Ward den Lauf gegen den Kopf – und hechtete zur Seite. Ein Gewehr peitschte. Dort, wo McQuade eben noch gestanden hatte, pfiff das Geschoss durch die Luft.

Der Texaner rollte durch den Staub, kam hoch, rannte geduckt zum Straßenrand und ging an einer Hausecke auf das linke Knie nieder. Mitten auf der Fahrbahn kämpfte sich Joe Ward auf die Beine. Schließlich stand der Bursche, hielt sich mit der rechten Hand den Kopf und schwankte wie ein Schilfrohr im Wind.

Von dem Schützen war nichts zu sehen.

Fenster wurden geöffnet, Köpfe schoben sich ins Freie, Menschen verließen ihre Häuser. Verworrenes Gemurmel erhob sich. Und dann eilte Roy Lambert die Fahrbahn herauf. Er kam aus der Richtung seines Büros.

McQuade drückte sich hoch. Einige Männer umringten auf der Main Street Joe Ward. Fragen prasselten auf ihn ein. McQuade näherte sich dem Pulk. Als er ihn erreichte, war auch der Deputy heran. Roy Lambert drängte einige Neugierige auf die Seite. „Was war los, Joe?“

„Jemand scheint etwas dagegen gehabt zu haben, dass McQuade mich erschießt“, antwortete Joe Ward mit schwankender Stimme. „Ich habe den elenden Mannjäger zum Faustkampf herausgefordert. Aber er zog den Revolver. Nachdem er mich niedergeschlagen hat, richtete er die Waffe auf mich. Ich bin davon überzeugt, dass er mich kaltblütig abgeknallt hätte, wenn er nicht gestört worden wäre.“

Einige der Stadtbewohner wandten sich McQuade zu. Obwohl die Dunkelheit ihre Gesichter verhüllte, entgingen dem Kopfgeldjäger nicht der Grimm und die Entschlossenheit, die die Männer plötzlich verströmten. Schlagartig wurde ihm klar, dass er die Stadt geschlossen gegen sich hatte. Der Hauch einer jähen, tödlichen Gefahr streifte ihn wie ein höllischer Atem.

*

McQuade richtete den Revolver auf den Pulk. „Als ich vor vier Tagen morgens diese Stadt verließ“, rief McQuade, „befanden sich in meinen Satteltaschen fast fünftausend Dollar. Es handelte sich um das Geld, das Dan Lockett der Bank in Casa Adobes geraubt hatte. Anderthalb Meilen außerhalb der Stadt wurden wir von drei Männern überfallen. Mich verletzten sie schwer, Dan Lockett ermordeten sie.“

„Diese Story kennen wir“, rief Roy Lambert. „Sie sind heute nach Bonita zurückgekehrt, um die Mörder und Räuber zu überführen. Hat Joe Ward etwas mit dem Raub zu tun, weil Sie ihn kaltblütig abknallen wollten?“

„Ich wollte ihn nicht abknallen. Ward hat mich auf die Straße gelockt. Er rechnete wohl damit, dass ich mich nicht mit ihm balgen würde wie ein Schuljunge. Da ich ihn mir schon einmal mit dem Revolver vom Leib hielt, rechnete er sich aus, dass ich das auch heute tun würde. Ein zweiter Mann war auf der Straße postiert. Sobald ich den Revolver in der Hand hielt, sollte er mich erschießen. Und jeder in der Stadt hätte es ihm abgekauft, dass er mit seinem Schuss einen Mord verhinderte.“

„Das ist doch Unsinn!“, rief Joe Ward.

Der Deputy ergriff wieder das Wort, indem er sagte: „Und wer, denken Sie, hat auf Sie gefeuert, McQuade?“

„Der Mann, der befürchtet, dass ich ihm die Maske des Biedermannes vom Gesicht reiße!“, stieß der Kopfgeldjäger hervor. „Der Wolf im Schafspelz, der hier in der Stadt einiges an Ansehen genießt, der in Wirklichkeit aber ein niederträchtiger und skrupelloser Räuber und Mörder ist. Und Joe Ward steckt mit ihm unter einer Decke.“

Murmeln und Raunen wurde laut. In der Zwischenzeit waren weitere Menschen hinzu gekommen. Unter den Neugierigen waren auch Frauen.

Der Deputy stieß barsch hervor: „Joe Ward beschuldigt Sie des versuchten Mordes, McQuade. Ich muss dieser Behauptung nachgehen. Bis zum Abschluss meiner Ermittlungen nehme ich Sie in Haft. Lassen Sie den Revolver fallen und heben Sie die Hände.“

Während er sprach, war Roy Lambert vor die Gruppe der Menschen getreten, die Joe Ward umringten. Er hielt das Gewehr an der Hüfte im Anschlag, die Mündung deutete auf McQuade.

Da erklang auf dem Vorbau des Saloon eine sonore Stimme: „Nicht Ward spricht die Wahrheit, sondern McQuade.“ Bei dem Sprecher handelte es sich um den Salooner. Auf der Straße wurde es still. Der Salooner fuhr fort: „Ich habe alles beobachtet. McQuade nahm die Herausforderung Wards an. Als Ward ihn angriff, zog er den Revolver und schlug ihn nieder. Da fiel auch schon der Gewehrschuss. Aber wie es schien, hat McQuade mit diesem Hinterhalt gerechnet. – Das war eine abgekartete Sache, Leute. McQuades Anwesenheit ist einigen Leuten in Bonita unbequem – und zwar jenen Leuten, die ihn vor vier Tagen brutal überfallen und beraubt haben.“

„Misch dich nicht ein, Havelock!“, rief Roy Lambert. „Ich werde die Angelegenheit untersuchen. Und solange nehme ich McQuade …“

„Du trägst ein Gewehr mit dir, Lambert!“, so unterbrach der Salooner den Deputy. „Hast du etwas dagegen, wenn ich mal an der Mündung der Waffe schnuppere?“

„Was soll das?“, schrie jemand. „Verdächtigst du etwa Roy, aus dem Hinterhalt auf McQuade gefeuert zu haben?“ Der Mann schien plötzlich die ganze Tragweite zu begreifen. „Grundgütiger!“, rief er. „Das hieße ja … Was du da vorbringst ist ziemlich schwerwiegend, Havelock.“

Jetzt mischte sich wieder McQuade ein. „Es ist aber nicht von der Hand zu weisen. Eigentlich konnte nur der Deputy wissen, dass sich annähernd fünftausend Dollar in meinen Satteltaschen befinden. Ich habe mit niemand darüber gesprochen. Aber Dan Lockett befand sich bei Lambert die Nacht über in Gewahrsam. Von dem Banditen wird der Deputy von dem Geld erfahren haben.“

Jetzt wurde es laut. Die Stimmung auf der Straße war unvermittelt brisant, um nicht zu sagen explosiv. Stimmen schwirrten durcheinander. McQuade ließ den Deputy nicht aus den Augen. Der stand geduckt, wie sprungbereit da und vermittelte das Bild eines Mannes, der sich im nächsten Moment herumwerfen und die Flucht ergreifen würde. Fühlte er sich in die Enge getrieben?

Plötzlich schwang der Deputy das Gewehr, das er in der rechten Hand trug, hoch, hielt es mit beiden Händen schräg vor der Brust und jagte einen Schuss zum Himmel. Der Knall übertönte das Stimmengebrodel. Der Deputy brüllte: „Ruhe, Leute, verdammt, seid ruhig. Was Havelock vorgebracht hat, ist natürlich Unsinn. Ihr alle kennt mich und ihr wisst, dass ich mit Leib und Seele Gesetzesmann bin. Okay, okay, vielleicht ist es so, wie Havelock es beobachtet haben will. Daher werde ich von der Verhaftung McQuades absehen. Ich will aber, dass Sie die Stadt nicht verlassen, McQuade, bis ich meine Ermittlungen abgeschlossen habe.“