Western Viererband 4016 - John Frederick - E-Book

Western Viererband 4016 E-Book

John Frederick

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Beschreibung

Dieser Band enthält folgende Western: Pete Hackett: Marshal Logan und die höllischen Sechs Pete Hackett: Marshal Logan und die gesetzlose Stadt Pete Hackett: Marshal Logan und der Quacksalber John Frederick: Der Goldkönig wendet sich ab Ich verhielt oben am Rand des Canyons mein Pferd und sah tief unter mir den Reiter, der seinen Vierbeiner ziemlich rücksichtslos trieb und eine brodelnde Staubwolke hinter sich herzog. Das war Glenn Morris, ein Killer, der von einem Rancher als sogenannter Raubtierjäger beschäftigt worden war, der in Wirklichkeit aber auf die Farmer an den Weidegrenzen der Ranch losgelassen wurde. Zusammen mit einigen anderen Marshals des Distriktgerichts hatte ich dem Spuk ein Ende gesetzt, Morris allerdings war uns entkommen. Ich hatte mich auf seine Fährte gesetzt … Kurz entschlossen zog ich die Winchester aus dem Scabbard, repetierte sie und zog den Kolben an die Schulter. Über die Zieleinrichtung folgte mein Blick dem Reiter, der manchmal hinter haushohen Sträuchern verschwand, wieder auftauchte, um wieder zu verschwinden. Als er wieder in meinen Gesichtskreis geriet, zog ich durch. Mit bösartigem Knall zerriss der Schuss die Grabesstille im Canyon. Aufbrüllend antwortete das Echo, grollte in der tiefen Schlucht und zerflatterte mit geisterhaftem Geflüster zwischen den zerklüfteten Wänden. Und ich sah, wie der Oberkörper des Banditen nach vorne kippte und sekundenlang auf dem Pferdehals lag. Doch dann riss sich Morris wieder hoch und begann sein Pferd wie wild mit dem langen Zügel zu peitschen und die Seiten des Tieres mit den Sporen zu bearbeiten. Ich hatte ihn getroffen, aber scheinbar war er nicht außer Gefecht gesetzt.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Pete Hackett, John Frederick

Western Viererband 4016

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Inhaltsverzeichnis

Western Viererband 4016

Copyright

Marshal Logan und die höllischen Sechs

Marshal Logan und die gesetzlose Stadt

Marshal Logan und der Quacksalber

Der Goldkönig wendet sich ab

Western Viererband 4016

Pete Hackett, John Frederick

Dieser Band enthält folgende Western:

Pete Hackett: Marshal Logan und die höllischen Sechs

Pete Hackett: Marshal Logan und die gesetzlose Stadt

Pete Hackett: Marshal Logan und der Quacksalber

John Frederick: Der Goldkönig wendet sich ab

Ich verhielt oben am Rand des Canyons mein Pferd und sah tief unter mir den Reiter, der seinen Vierbeiner ziemlich rücksichtslos trieb und eine brodelnde Staubwolke hinter sich herzog. Das war Glenn Morris, ein Killer, der von einem Rancher als sogenannter Raubtierjäger beschäftigt worden war, der in Wirklichkeit aber auf die Farmer an den Weidegrenzen der Ranch losgelassen wurde. Zusammen mit einigen anderen Marshals des Distriktgerichts hatte ich dem Spuk ein Ende gesetzt, Morris allerdings war uns entkommen. Ich hatte mich auf seine Fährte gesetzt …

Kurz entschlossen zog ich die Winchester aus dem Scabbard, repetierte sie und zog den Kolben an die Schulter. Über die Zieleinrichtung folgte mein Blick dem Reiter, der manchmal hinter haushohen Sträuchern verschwand, wieder auftauchte, um wieder zu verschwinden. Als er wieder in meinen Gesichtskreis geriet, zog ich durch.

Mit bösartigem Knall zerriss der Schuss die Grabesstille im Canyon. Aufbrüllend antwortete das Echo, grollte in der tiefen Schlucht und zerflatterte mit geisterhaftem Geflüster zwischen den zerklüfteten Wänden.

Und ich sah, wie der Oberkörper des Banditen nach vorne kippte und sekundenlang auf dem Pferdehals lag. Doch dann riss sich Morris wieder hoch und begann sein Pferd wie wild mit dem langen Zügel zu peitschen und die Seiten des Tieres mit den Sporen zu bearbeiten.

Ich hatte ihn getroffen, aber scheinbar war er nicht außer Gefecht gesetzt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

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Marshal Logan und die höllischen Sechs

U.S. Marshal Bill Logan – neue Abenteuer

Band 19

Western von Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht 49 Taschenbuchseiten.

U.S. Marshal Bill Logan – die neue Western-Romanserie von Bestseller-Autor Pete Hackett! Abgeschlossene Romane aus einer erbarmungslosen Zeit über einen einsamen Kämpfer für das Recht.

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1

Ich stand vor den kreuz und quer liegenden, verkohlten Balken und Brettern der Freeman Farm und war erschüttert. Der heiße Südwind wirbelte Asche und Staubspiralen über den Hof. Bei Gott, hier hatte sich eine Tragödie abgespielt, die mit Worten kaum zu beschreiben war. Vor drei Tagen waren mitten in der Nacht maskierte Reiter auf der Farm erschienen, hatten zunächst den Hund niedergeknallt, und als John Freeman mit einer Winchester in den Händen das Haus verließ, wurde auch er von den Nachtreitern erschossen. Sie waren mit einer Brutalität sondergleichen vorgegangen.

Das Bild, das sich mir bot, sprang mir mit geradezu erschreckender Intensität in die Augen. Etwas Beklemmendes schien in der Luft zu liegen. Der Eindruck von Zerstörungswut und sinnloser Gewalt traf mich bis ins Mark.

Ich eiste meinen Blick von den Brandschutthaufen los und umrundete die zerstörte Farm auf meinem Pferd. Der Wind hatte allerdings sämtliche Spuren mit Staub zugeweht, sodass ich beschloss, nach Goodnight zu reiten, um mich in der Stadt ein wenig umzuhören.

Es war später Nachmittag, als ich in der kleinen Stadt ankam. Die Häuser waren ohne jede bauliche Ordnung verstreut um einen großen staubigen Platz herum errichtet worden. Nur vor den Gebäuden gab es Gehsteige, hinter den Häusern erhoben sich Bäume. Am Rand des Ortes befanden sich die Corrals, Pferche und Koppeln mit den Nutztieren der Stadtbewohner.

Die Sonne stand weit im Westen, die Schatten waren lang und wuchsen schnell noch weiter in die Länge. Ich lenkte mein Pferd durch das Galgentor in den Hof des Mietstalls, überquerte ihn und saß beim offen stehenden Stalltor ab. Am Kopfgeschirr führte ich das Tier über die Lichtgrenze in die Düsternis des Stalles. Der Geruch von Pferdeausdünstung, Heu und Stroh schlug mir entgegen. In den Ecken spannten sich verstaubte Spinnennetze, in denen zig tote Fliegen hingen. Die Pferde im Stall prusteten, schnaubten, stampften und scharrten mit den Hufen.

Der Stallmann kam aus einer Box. Er hielt einen Pferdestriegel in der Hand und musterte mich. Plötzlich huschte der Schimmer des Begreifens über sein hageres, faltiges Gesicht und er nuschelte: „Ah, Marshal Logan. Das Distriktgericht hat ja schnell reagiert.“ Plötzlich stutzte er. „Kommen Sie etwa alleine?“

„Ja. Was ist los hier, Gall?“ Ich war schon einige Male in dem Nest und kannte den Stallburschen namentlich. „Vor einer Stunde stand ich vor den Trümmern der Freeman Farm. Terrorisiert die PCC wieder einmal die Siedler am Mulberry Creek?“

„Niemand weiß das so genau.“ Gall, der in Goodnight den Mietstall betrieb, kratzte sich am Hals, zuckte mit den Schultern und fuhr fort: „Jetzt ist John Freeman jedenfalls tot. Kein Mensch hier weiß, ob die Schweinerei auf der Freeman Farm von Carter Wilson von der Green Belt ausgegangen ist. Nun, die Green Belt Ranch war noch nie glücklich über die Siedler am Mulberry Creek, und es kam zu verschiedenen Übergriffen. Aber dass Wilson seine Leute losschickt, damit sie brandschatzen und morden …“ Zweifel prägten jeden Zug im Gesicht des Stallburschen. „Wenn ja“, endete er, „dann ist er dieses Mal zu weit gegangen.“

Gall brach ab und schluckte.

„Es geht um Mord!“, stieß ich hervor und fügte sogleich hinzu: „Man hat mich informiert, dass sich Freemans Frau und sein Sohn auf der Hopkins Farm befinden sollen. Stimmt das?“

„Ja, sie haben dort Aufnahme gefunden. Es stinkt zum Himmel, Marshal. Niemand hier wagt es sich laut auszusprechen, aber hinter vorgehaltener Hand wird viel - sehr viel gemunkelt. So ziemlich jeder hier in Goodnight ist davon überzeugt, dass die PCC die Hände im Spiel hat.“

„Ich werde es herausfinden“, stieß ich hervor und übergab Gall die Zügel des Pferdes, schnallte meine Satteltaschen los, zog die Winchester aus dem Scabbard und sagte: „Morgen früh reite ich zur Hopkins Farm und spreche mit Cora Freeman. Vielleicht kann sie mir einige Hinweise geben, die mich in meinen Feststellungen weiterbringen können.“

Ich verließ den Stall. Vor drei Tagen war das Distriktgericht in Amarillo davon in Kenntnis gesetzt worden, dass es zwischen der Green Belt Ranch und den Heimstättern, Siedlern und Smallranchern am Mulberry Creek kriselte. Richter Humphrey hatte mich sofort losgeschickt, damit ich in diesem Landstrich nach dem Rechten sah. Was mich erwartete, wusste ich nicht. Dass es nicht einfach werden würde, war mir aber klar.

Ein Farmer, auf den ich stieß, als ich am Fluss entlang nach Norden ritt, berichtete mir von dem blutigen Überfall auf Freeman. Es war ein Mord geschehen, auf den Mörder fiel der Schatten des Galgens, und sollte ich ihm zu nahe kommen, würde er um sich beißen wie ein in die Enge getriebenes Raubtier. Und vor einer Kugel war auch ich nicht gefeit, ebenso wenig, wie mich der Stern an meiner Weste schützen konnte.

Ich ging ins Hotel, mietete mir ein Zimmer und sprach mit dem Mann hinter der Rezeption. Er hielt sich bedeckt und hütete sich zunächst, irgendjemand die Schuld an dem Überfall auf die Freeman Farm zuzuschieben. Schließlich fragte er lauernd: „Haben Sie irgendwelche Hinweise gefunden, Marshal, die einen Aufschluss darüber zulassen, wer die schändliche Tat begangen haben könnte.“

„Nein, nichts. Wind und Staub haben sämtliche Spuren ausgelöscht.“

Jetzt beugte sich der Mann weit über die Theke, schaute verschwörerisch drein und raunte mir zu: „Sie sollten sich mal mit Carter Wilson von der Green Belt Ranch unterhalten. Wer sonst außer ihm sollte Interesse daran haben, die Siedler vom Creek zu vertreiben?“

Er hatte seine anfängliche Zurückhaltung abgelegt. Doch er wirkte, nachdem er mir diesen Hinweis gegeben hatte, unruhig. Sein rastloser Blick huschte zur Tür, durch die Halle und sogar die Treppe hinauf, als fürchtete er einen unliebsamen Zuhörer.

„Natürlich will ich mich mit ihm unterhalten“, gab ich zu verstehen. „Ich spreche auch mit anderen Siedlern, und ich werde mich umsehen.“

„Heute ist Samstag“, sagte der Mann. „Am Abend kommen sicher die Cowboys der Green Belt, die keine Herdenwache haben, in die Stadt.“

Der Rezeptionist schaute mich vielsagend an. Ich nickte und sagte: „Vielen Dank für den Hinweis. Aber wenn das Verbrechen auf das Konto der Green Belt gehen sollte, dann werden die Weidereiter der Ranch kaum damit in aller Öffentlichkeit prahlen. Schon gar nicht, wenn sich ein Marshal in ihrer Nähe herumtreibt.“

„Die Kerle betrinken sich, und im Suff hat sich schon mancher verplappert.“

„Ich werde Augen und Ohren offenhalten“, versicherte ich, dann stieg ich die Treppe empor zu meinem Zimmer.

2

Am Abend, nachdem die Sonne untergegangen war, kamen tatsächlich Reiter in die Stadt. Die meisten von ihnen trugen typische Weidereiterkleidung, einige aber steckten in der derben Arbeitskleidung von Farmern und Farmhelfern. Bald war der Saloon gerammelt voll. Es gab an den Tischen keinen einzigen freien Platz mehr, und an der Theke drängten sich die Gäste in Dreierreihe.

Verworrener Lärm und Wolken von Tabakqualm empfingen mich, als ich den Schankraum betrat. Ich wurde kaum beachtet. Nur vereinzelte, stechende Blicke trafen mich, aber wie es schien, verloren die wenigen, die mich überhaupt registrierten, sehr schnell wieder Interesse an mir und dem Stern an meiner Brust.

Die Männer tranken, die Stimmung wurde ausgelassener, bald übertönte das Grölen und Johlen der Angetrunkenen das Stimmengewirr, das den Schankraum erfüllte.

Ich hielt einen Krug mit Bier in der linken Hand, trank hin und wieder einen kleinen Schluck und lauschte den Wortfetzen, die mein Gehör erreichten. An einem Tisch saßen vier Männer, die ich für Siedler hielt. Sie steckten die Köpfe zusammen. Auch an der Theke standen Männer, die in derber Landarbeiterkleidung steckten und deren Hände keine Lassonarben, sondern Schwielen vom Führen des Pfluges und der Sense oder des Rechens aufwiesen.

Ein angetrunkener Cowboy torkelte zwischen den Tischreihen hindurch, ein halbgefülltes Whiskyglas in der Hand. In dem Moment, als er den Tisch mit den Siedlern passierte, erhob sich einer der Männer, und der Cowboys prallte gegen ihn, verschüttete seinen Whisky und taumelte einen Schritt zurück. „Gib doch Obacht, Idiot!“, blaffte er mit alkoholschwerer Zunge.

Der Siedler, der den Zusammenprall ganz sicher nicht vorsätzlich herbeigeführt hatte, wandte sich dem Weidereiter zu. „Das war keine Absicht von mir“, stieß er hervor. „Tut mir leid.“

„Tut mir leid, tut mir leid!“, äffte der Cowboy, er war höchstens einundzwanzig Jahre alt, den Siedler nach, bei dem es sich um einen Mann um die vierzig handelte. „Du hast meinen Whisky verschüttet. Du wirst mir also einen neuen ausgeben.“

Man war im Saloon aufmerksam geworden, nach und nach wurde es leiser, aller Augen waren auf den Cowboy und den Siedler gerichtet. Die Atmosphäre war unvermittelt angespannt, als wäre sie plötzlich mit Elektrizität geladen gewesen.

„Nein“, versetzte der Siedler kopfschüttelnd, „das werde ich nicht tun. Du bist nämlich gegen mich geprallt, Mister. Aber wahrscheinlich bist zu viel zu betrunken, sodass du nicht schnell genug reagieren konntest. Einen neuen Whisky musst du dir schon selber kaufen.“

Der Cowboy schob das Kinn vor. Aus wässrigen, geröteten Augen starrte er mit bösem Ausdruck den Siedler an. „O doch“, knurrte er, „du bezahlst mir den Whisky. Andernfalls prügle ich die fünfundzwanzig Cent aus dir heraus.“

„Du solltest keinen Streit vom Zaun brechen“, mahnte der Siedler. „Also geh zu deinem Platz, lass dir noch einen Whisky geben und trinke ihn in aller Ruhe.“

„Sicher, doch du wirst ihn bezahlen.“

„Das ist ein Irrtum.“

„Dann nimm das, dreckiger Schollenbrecher!“, fauchte der Cowboy und warf dem Siedler das schwere Glas ins Gesicht.

Es traf den Siedler auf den Mund, seine Lippe platzte auf, ein Schrei brach aus seiner Kehle und er schlug beide Hände vor das Gesicht, taumelte zwei Schritte zurück und stöhnte.

Sofort setzte der Cowboy nach, packte den Siedler mit beiden Händen an den Revers seiner Jacke und zog ihn mit einem Ruck an sich heran. „Zahlst du nun oder …“

Die Hände Siedler des Siedlers sanken nach unten, die jähe Wut verzerrte sein Gesicht, und er versetzte dem Weidereiter einen Kopfstoß auf Mund und Nase, der diesen aufbrüllen ließ. Seine Hände lösten sich von der Jacke des Siedlers, Blut schoss aus seinen Nasenlöchern, er wankte einige Schritte rückwärts und griff mit der rechten Hand in sein Gesicht, spürte sein Blut und keuchte: „Dafür schlage ich dich dreckigen Schollenbrecher in Stücke!“ Mit dem letzten Wort stürzte er sich auf den Siedler, prallte gegen ihn und konnte ihn derart überraschen, dass er stolperte und stürzte.

Der Cowboy stand über ihm und hatte die Hände zu Fäusten geballt. Blut rann über seinen Mund und sein Kinn und tropfte auf seine Brust. Er schien schlagartig ernüchtert zu sein, seine Augen irrlichterten vor Wut.

In dem Moment, als sich der Siedler auf die Beine kämpfen wollte, schnellte das Bein des Cowboys vor und sein Fuß knallte unter das Kinn des älteren Mannes. Sein Kopf flog in den Nacken, er verlor erneut das Gleichgewicht und fiel auf den Rücken.

Mit einem Schritt war der Cowboy bei ihm, sein Bein zuckte vom Boden weg, und mir war klar, dass er dem Siedler mit dem Absatz seines Reitstiefels ins Gesicht treten wollte. Das konnte ich nicht zulassen. Also peitschte meine Stimme: „Stopp, Mister!“ Ich hatte den Colt gezogen und auf den Weidereiter gerichtet. „Wenn du zutrittst, schieße ich dir ein Loch ins Bein!“, drohte ich.

Er erstarrte mitten in der Bewegung. Sekundenlang hing sein Fuß dicht über dem Gesicht des Siedlers in der Luft, er schien meinen Worten hinterherzulauschen, dann setzte er den Fuß auf den Boden und sein düsterer Blick verkrallte sich regelrecht an mir. „Ich glaube nicht, dass es dich etwas angeht, wenn ich dem Hurensohn hier am Boden eine Lektion erteile“, giftete er.

„Da bin ich anderer Meinung, Hombre“, versetzte ich. „Und zwar grundlegend anderer Meinung.“

Im Schankraum war es jetzt still wie auf einem Boothill nach dem Jüngsten Tag.

„Halt dich raus, Sternschlepper!“, rief der Weidereiter grollend. „Denk nur nicht, dass du mit dem Stück Blech an der Brust besonderen Eindruck bei mir erzeugst. Der Dummkopf hat meinen Schnaps verschüttet, und er weigert sich, ihn zu ersetzen. Also prügle ich das Geld für den Drink aus ihm heraus.“

Der Siedler hatte sich auf den Bauch gerollt und kämpfte sich auf die Beine, trat zurück, um aus der Reichweite der Fäuste des Cowboys zu gelangen und stieß hervor: „Ich denke, der Streit ist gewollt, Marshal. Nachdem die Green Belt immer wieder den Terror auf unsere Parzellen gebracht und nunmehr begonnen hat, das Land am Fluss mit Gewalt von den Heimstättern und Siedlern zu säubern, erfolgte diese Provokation eben nicht grundlos. Man will uns einschüchtern, uns in Angst und Schrecken versetzen und veranlassen, freiwillig unser Land zu räumen. Hinter diesem Vorgehen steckt System. Wer nicht freiwillig verschwindet, dem ergeht es wie John Freeman. Man lässt ihn auf seiner Parzelle, allerdings sechs Fuß unter der Erde.“

„Du unterstellst uns also, die Freeman Farm niedergebrannt und John Freeman ermordet zu haben!“, knirschte der Cowboy. „Das ist – verdammt noch einmal – eine Verdächtigung, die ich nicht auf der Green Belt sitzen lasse.“ Mit dem letzten Wort sprang er - ungeachtet des Revolvers, den ich auf ihn angeschlagen hatte -, den Siedler an, packte ihn mit beiden Händen und riss ihn zu Boden.

„Gib’s dem dreckigen Squatter!“, brüllte jemand. „Auf seine Anschuldigung gibt es nur eine einzige Antwort! Schlag ihm seine verdammten Worte in den Hals zurück.“

Die beiden Männer hatten sich gegenseitig umklammert, rollten über den Boden, stießen gegen einen Tisch und ein Glas fiel um. Der Siedler sprengte die Umklammerung des Weidereiters und hämmerte ihm die Faust gegen das Ohr. Der Cowboys flog zur Seite, lag auf allen vieren und schüttelte den Kopf, um seine Benommenheit zu vertreiben.

Der Siedler kam hoch und wandte sich ungestüm und wild dem Weidereiter zu.

Jetzt schien es, als wären die Rollen vertauscht. Ein wilder Tritt gegen die Rippen des Cowboys warf diesen um. Ein wütender Aufschrei ging durch die Reihen der Weidereiter an den Tischen und am Schanktisch. Einige machten Anstalten, sich in Bewegung zu setzen. Die Situation war plötzlich bedrohlich, geradezu explosiv. Der Saloon glich unvermittelt einem Pulverfass, dessen Lunte schon glomm. Ich sah keinen anderen Ausweg, als eine Kugel in die Decke zu jagen, um eine Eskalation der Gewalt im Saloon zu verhindern.

Der Knall der Detonation schien das Gebäude in seinen Fundamenten zu erschüttern. Der beißende Geruch von Pulverdampf breitete sich aus, aus der Mündung meines Sechsschüsser kräuselte ein dünner Rauchfaden. „Ruhe!“, brüllte ich und übertönte mit meiner Stimme den tumultartigen Lärm, der nach dem Tritt durch den Siedler ausgebrochen war.

Die meisten der Kerle standen sprungbereit da und ihre Mienen waren von der Entschlossenheit geprägt, hier alles kurz und klein zu schlagen.

„Entweder ihr reißt euch am Riemen!“!, rief ich laut genug, sodass ich auch in der hintersten Ecke des Saloon zu vernehmen war. „Andernfalls schließe ich den Saloon. – Sie da!“ Ich richtete den Blick auf den Siedler. „Wie ist Ihr Name?“

„Hampton Brown, Marshal.“ Er deutete auf den Cowboy, der seitlich am Boden lag, seine Hände gegen die Stelle presste, an der ihn der Fuß des Siedlers getroffen hatte, und erstickend nach Luft rang. „Dieser Kuhtreiber hat den Streit vom Zaun gebrochen. Es war wirklich keine Absicht, als ich ihn anrempelte. Mir scheint, es war für ihn ein willkommener Anlass, auf mich loszugehen. Sicherlich sind sie von Carter Wilson entsprechend instruiert worden. Hier zielt doch alles nur noch darauf ab, uns Heimstätter und Siedler am Fluss zu terrorisieren und am Ende zu vertreiben.“

„Egal, wer den Verdruss angefangen hat, Brown“, sagte ich. „Mir ist daran gelegen, dass Sie jetzt den Saloon verlassen und nach Hause reiten. Da es in Goodnight keinen Deputy gibt, ermächtigt mich mein Stern, dies anzuordnen.“ Während ich gesprochen hatte, hatte ich den Siedler zwingend fixiert, mit einer geradezu hypnotischen Intensität. Aber er wollte sich dem Druck, den mein Blick auf ihn ausübte, nicht beugen, denn er maulte:

„Wieso verweisen Sie mich des Lokals, Marshal? Dieser elende Kuhtreiber ist handgreiflich geworden. Er hat mir das Glas ins Gesicht …“

„Ich sage es nicht zweimal, Brown!“, unterbrach ich ihn ungeduldig. Denn bei den Cowboys entstand unheilvolles Gemurmel und Geraune und die Kerle fingen an zu schieben. Sie alle hatten getrunken und die Hemmschwelle war nicht mehr besonders hoch. Und da sich in diesem Landstrich Rinderzüchter und Siedler nicht sonderlich grün zu sein schienen, war es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis sie – mich einfach ignorierend – mit Fäusten und Stuhlbeinen aufeinander losgingen. Und dann knallten auch sehr schnell die Revolver. Das war zumindest meine Erfahrung.

Ich erhielt Schützenhilfe von einem der anderen Siedler, der den Ernst der Situation erfasst zu haben schien, sich erhob, an Brown herantrat und ihm besänftigend eine Hand auf die Schulter legte. Der Mann knurrte: „Der Marshal hat recht, Hampton. Es ist besser, wenn wir gehen.“

Auch die anderen Männer an dem Tisch stemmten sich in die Höhe. Jeder holte einige Münzen aus der Tasche, legte sie auf den Tisch und dann umringen sie Brown. Der entspannte sich, seine verkrampften Züge erschlafften, er nahm sein Halstuch ab und tupfte das Blut von seiner geplatzten Lippe.

„Gehen wir“, stieß der Mann hervor, der meine Aufforderung unterstützt hatte. Der kleine Trupp setzte sich in Bewegung. Auch einige andere Männer, die gekleidet waren wie Landarbeiter, verließen den Saloon. Als einige der Cowboys Anstalten machten, ihnen zu folgen, jagte ich einen zweiten Schuss in die Decke. „Ihr bleibt!“, gebot ich mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. „Kümmert euch lieber um euren Kameraden, dem durch den Tritt möglicherweise ein paar Rippen gebrochen oder zumindest schmerzhaft geprellt wurden.“

Unwilliges Geraune und Geflüster erhob sich, und sicher hatten die Kerle gute Lust, mich in der Luft zu zerreißen. Aber scheinbar nötigte ihnen mein Stern doch mehr Respekt ab als es oftmals den Anschein hatte.

Wenig später erhoben sich draußen verschiedene Geräusche - pochende Hufschläge und das Rumpeln leichter Farmwagen -, die sich schnell entfernten und schließlich nicht mehr zu hören waren.

„Okay“, rief ich und rammte den 45er ins Holster. „Ihr könnt euch meinetwegen weiter betrinken.“

3

Am Morgen, als die Sonne aufging und die Wolkenbänke am Osthimmel zum Erglühen brachte, verließ ich Goodnight. Mein Pferd trug mich nach Süden, wo ich nach drei Meilen etwa auf den Mulberry Creek stieß. Ich folgte dem Flusslauf, stieß wieder auf die zerstörte Freeman Farm, ritt an ihr vorüber und kam nach einer guten halben Stunde auf Fred Hopkins’ Siedlungsstätte. Wenig später lagen ein paar Hütten und Pferche vor mir. Ich war am Ziel.

Im Hof pickten Hühner in den Staub, irgendwo blökte ein Schaf. Die Farm lag im gleißenden Sonnenschein, im Sand des Hofes glitzerten winzige Kristalle wie Diamantenstaub. Die Läden vor den beiden unverglasten Fenstern des flachen Wohnhauses waren geöffnet, die Fensterhöhlungen waren dunkle, viereckige Löcher. Ich vernahm das Scheppern von Geschirr. Das sagte mir, dass sich im Haus jemand befand.

Ich trieb mein Pferd in den Hof und rief: „Hallo, Farm!“

Sofort zeigte sich eine Frau, die eine knöchellange, blaue Wickelschürze trug, in der Tür. Eine zweite erschien an einem der Fenster. Sie hielt eine Sharps mit beiden Händen schräg vor der Brust.

Da die Sonne die Frau in der Tür blendete, legte sie die flache Rechte wie einen Schutzschirm über ihre Augen. Jetzt schien sie meinen Stern auszumachen, denn sie stieß hervor: „Es ist ein Marshal, Kath. Du kannst das Gewehr wegstellen.“

„Ich bin U.S. Deputy Marshal Bill Logan vom Distriktgericht in Amarillo, Ma’am. Man hat mir erzählt, dass ich hier auf der Farm Mrs Freeman antreffen würde. Ich habe einige Fragen an sie.“

Die Frau in der Tür erwiderte: „Ich bin Cora Freeman, Marshal. – Hast du etwas dagegen, Kath, wenn ich den Marshal in dein Haus bitte?“

Die Lady mit der Sharps schüttelte den Kopf. „Warum sollte ich. Bitte, Marshal, kommen Sie herein. Mein Mann und mein Sohn und auch Joel Freeman sind irgendwo draußen auf den Feldern und reißen Unkraut aus. Wenn Sie möchten, hole ich Fred her.“

Ich ritt bis vor das Farmhaus, saß ab, band mein Pferd an den Holm und tätschelte den Hals des Tieres, was der Braune mit einem Prusten quittierte. Dann wandte ich mich der Tür zu, Cora Freeman trat zur Seite und ließ mich an sich vorbei, dann folgte sie mir in die Küche. „Ich glaube nicht, dass es notwendig ist, Ihren Mann von seiner Arbeit wegzuholen, Ma’am“, beantwortete ich jetzt die Frage der Farmerfrau.“ An der Wand neben dem Fenster standen zwei Kinder. Es waren Jungs, etwa acht bis zehn Jahre alt, sie musterten mich neugierig.

Kath Hopkins bot mir einen Sitzplatz am Tisch an, und auch die beiden Frauen ließen sich nieder. Ich fixierte Cora Freeman und sah eine Frau Mitte dreißig, die deutlich vorgealtert wirkte, deren graue Augen einen müden Ausdruck aufwiesen und um deren Mund ein verhärmter, herber Zug lag, der verriet, dass das Leben dieser Frau noch nicht allzu viele Freuden geboten hatte.

Zunächst drückte ich ihr meine Anteilnahme am Tod ihres Gatten aus. Sofort füllten sich ihre Augen mit Tränen. Sie war sicherlich nervlich am Ende. Ich ließ ihr Zeit, ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen, dann sagte ich: „Ich war bei Ihrer Farm, Ma’am. Leider hatte der Wind sämtliche Spuren verweht. Darum möchte ich Sie bitten, mir zu erzählen, wie der Überfall abgelaufen ist.“

Sie räusperte sich, schluckte, und begann mit gepresst klingender Stimme: „Es war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag“, sagte sie, „als sich plötzlich Yester, unser Hund, wie verrückt gebärdete. Als mein Mann hinausging, um nachzusehen, was los sei, krachte ein Schuss und Yester verstummte. John rannte nach draußen. Ich habe ihm zugerufen, dass er im Haus bleiben solle, doch da war es schon zu spät. Wieder knallte ein Gewehr, dann kamen zwei Männer ins Haus, trieben mich und Joel hinaus und legten im Haus Feuer. John war tot. Ehe die Bande wegritt, rief uns einer zu, dass wir verschwinden sollten, sonst würde es uns gehen wie meinem Mann.“

„Wie viele Reiter waren es?“, fragte ich.

„Sechs. Sie hatten sich die Halstücher über Mund und Nase gezogen und von ihren Gesichtern waren nur die Augen zu sehen.“

„Sie haben also keinen von ihnen erkannt“, konstatierte ich. „Haben Sie eventuell darauf geachtet, welches Brandzeichen die Pferde trugen?“

„Nein, ich habe keinen der Schufte erkannt“, murmelte Cora Freeman. „Um die Brandzeichen erkennen zu können war es zu finster gewesen. Einer der Kerle besaß jedoch einen ziemlich seltenen Sattel. Vor allem sind mir die silbernen Zierstücke über den Befestigungen der Riemen für die Satteltaschen aufgefallen. So etwas habe ich noch nicht gesehen.“

„Waren die Kerle wie Cowboys gekleidet?“, erkundigte ich mich.

„Die meisten von ihnen. Der mit dem aufwändigen Sattel trug einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd.“ Die Frau wurde unvermittelt wieder von ihren Gefühlen überwältigt und fing an, hemmungslos zu weinen. Kath Hopkins trat hinter sie und legte ihr besänftigend eine Hand auf die Schulter.

Ich verspürte Mitleid. Und mein Zorn auf die Kerle, die so viel Leid über sie und ihren Sohn gebracht hatten, schwoll an wie ein vernichtender Sturm. „Ihren Mann kann ich leider nicht wieder ins Leben zurückholen, Ma’am“, murmelte ich und war mir nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, zu schweigen. „Aber ich versichere Ihnen, dass ich seine Mörder der gerechten Bestrafung zuführen werde. Ich verlasse diese Gegend erst, wenn diese Schufte hinter Schloss und Riegel sitzen.“

Ich erhob mich nach diesen Worten.

Kath Hopkins schaute mich an und sagte: „Es kommt immer wieder zu Übergriffen von Seiten der Green Belt Ranch. Das Green Belt Vieh läuft regelmäßig auf unser Land und zertrampelt unsere Ernten. Und wenn die Reiter der Ranch das Vieh auf die Weide zurücktrieben, zertraten ihre Pferde noch mehr, denn diese Rüpel nahmen nicht die geringste Rücksicht. Wir haben Zäune gezogen, doch der Draht wurde zerschnitten und die Pfähle wurden aus dem Boden gerissen. Beschweren wir uns, werden wir allenfalls ausgelacht. Wir – wir sind so machtlos.“ Sie schniefte. „Und nun …“

Ihre Stimme brach, sie schlug beide Hände vor das Gesicht, ihre Schultern zuckten.

„Gab es Drohungen?“, fragte ich an Kath Hopkins gewandt.

„Nicht direkt“, antwortete die Farmerfrau. „Die Cowboys riefen uns schon hin und wieder mal zu, dass wir vom Fluss verschwinden sollen, weil das Weideland sei, das wir mit unseren Pflügen aufreißen und wir mit unseren Zäunen den Rindern den Zugang zum Wasser schwer machen. Aber so richtig gedroht hat man uns nicht.“

Ich bedankte mich und ritt weiter. Tatsächlich stieß ich hin und wieder auf Mais- und Weizenfelder, auf denen die Ernte stellenweise schwer beschädigt worden war, sei es, dass das Green Belt Vieh hindurchgelaufen war oder sie die Cowboys mit ihren Pferden niedergetrampelt hatten.

Ich verspürte ein hohes Maß an Verbitterung. Die Viehzüchter im texanischen Panhandle benahmen sich wie die Herren des Landes, wie unumschränkte Herrscher, die über das Wohl und Wehe ihrer Untertanen entscheiden durften. Wenn ich von Viehzüchtern spreche, dann ist in der Regel die Rede von den Ranchbossen der Panhandle Cattle Company, die ihre eigenen Gesetze schrieben und praktizierten. Die Besiedlung des Landes war ihnen ein Dorn im Auge. Wo immer es möglich war, versuchten sie sie zu verhindern, und jene Siedler, die sich nicht abschrecken hatten lassen, terrorisierten sie. Und das Gesetz stand hier oben im nördlichsten Teil von Texas noch in den Kinderschuhen. Wegen der gnadenlosen, mitleidlosen Härte des Vorgehens der Ranchbosse und ihrer Leute scheuten sich selbst hartgesottene Männer, sich den Stern eines U.S. Deputy Marshals anzustecken. Es mangelte auch an Sheriffs und Town Marshals. Und wenn in den Städten einer bereit war, den Stern zu nehmen, dann war nicht auszuschließen, dass er eine Marionette der PCC war.

Nach einer knappen dreiviertel Stunde erspähte ich ein Stück westlich vom Fluss ein leichtes Fuhrwerk mit niedrigen Bordwänden, vor das zwei Maultiere gespannt waren. Ein Mann stand nach vorne gekrümmt am Rand eines Ackers, der mit Kartoffeln angebaut war. Ich ritt hin. Er wurde auf mich aufmerksam, ging zum Wagen und nahm ein Gewehr aus der Halterung des Wagenbocks, lud es durch und blieb, die Waffe an der Seite, den Kolben unter die Achsel geklemmt, neben dem Gefährt stehen.

Ich erkannte ihn. Es war Hampton Brown, den ich am Abend zuvor des Saloons in Goodnight verwiesen hatte. Sein Gesicht war gezeichnet von dem Whiskyglas, das ihn getroffen hatte. In seinem Blick war nicht die Spur von Freundlichkeit, als er mich anfuhr: „Was haben Sie auf meinem Grund und Boden zu suchen, Marshal?“

Während er dies sprach, richtete er das Gewehr auf mich. Sein Gesicht war wie aus Granit gemeißelt. Dieser Mann war tatsächlich der Meinung, dass ich am Vorabend Partei für die Cowboys der Green Belt Ranch ergriffen hatte, und nun zeigte er sich unversöhnlich.

Ich blieb gelassen, legte die Hände übereinander auf das Sattelhorn, beugte mich ein wenig vor und sagte: „Ich betreibe Ermittlungen, den Überfall auf die Freeman Farm und den Mord an John Freeman betreffend. Ihnen rate ich, das Gewehr runterzunehmen. Es könnte leicht zu Missverständnissen führen.“

„Wie ich das sehe, verlaufen sich Ihre Ermittlungen im Sande, Marshal. Denn wenn Sie objektiv wären, müssten Sie gegen die Green Belt vorgehen. Da Sie aber auf der Seite dieses Weidepiraten Carter Wilson stehen, werden Sie wohl rechtzeitig die Akte Freeman schließen.“

„Sie sind ein blinder Narr, Brown. Aber sicher kommen Sie irgendwann von selbst drauf.“ Ich tippte an die Krempe des Stetsons. „Denken Sie ruhig mal drüber nach. Vielleicht gehen Ihnen dann die Augen auf.“

Ich zerrte den Braunen unter mir um die rechte Hand, ruckte im Sattel und schnalzte mit der Zunge. Sofort setzte sich das Tier in Bewegung.

Ich schaute mich nicht mehr um.

4

Anderthalb Stunden später stieg ich vor dem Haupthaus der Green Belt Ranch aus dem Sattel, führte das Pferd zum Hitchrack und schlang den langen Zügel lose um den Querholm. Einige Rancharbeiter, die mit irgendwelchen Tätigkeiten beschäftigt waren, hielten inne und beobachteten mich. Die Cowboys schienen allesamt auf den Weiden zu sein, denn ich sah keinen einzigen.

Aus einem flachen Anbau des Küchengebäudes mit dem Speiseraum für die Mannschaft der Ranch kam ein hochgewachsener Mann, der eine schwarze Hose und ein gelbes Hemd trug. Er hatte dunkle Haare, und seine Wangen schimmerten schwarz, obwohl er rasiert war. Über seiner Oberlippe saß ein dicker Schnurrbart. Ich schätzte ihn auf dreißig bis fünfunddreißig Jahre. Gesehen hatte ich ihn noch nie.

Ich hatte mich ihm zugewandt und erwartete ihn. Zwei Schritte vor mir blieb er stehen, sein forschender, taxierender Blick wanderte an mir hinauf und hinunter, blieb schließlich an meinem Gesicht hängen und er sagte: „Nach der Sache mit Freeman waren wir uns völlig im Klaren darüber, dass das Gesetz auf der Green Belt aufkreuzt.“

„Nun ja …“ Ich hob die Schultern, ließ sie wieder sinken und wartete, dass der Bursche wieder das Wort ergriff.

„Ich bin Vormann hier“, sagte der Mann. „Mein Name ist Walker – Kenneth Walker. Ich arbeite seit drei Monaten auf der Green Belt.“ Er schürzte die Lippen. „Sie haben den Weg hierher umsonst unter die Hufe Ihres Pferdes genommen, Marshal. Die Green Belt hat mit dem Überfall nichts zu tun. Sie können auf der Ranch fragen, wen Sie wollen, unsere Leute waren in der Blutnacht entweder auf Herdenwache oder auf der Ranch.“

Ich verschränkte die Arme vor der Brust. „Es gibt immer wieder Beschwerden von Seiten der Heimstätter und Farmer, Walker. Die Zäune werden zerschnitten, Rinder zertrampeln Mais- und Weizenfelder, und gestern Abend konnte ich in Goodnight gerade noch eine wüste Auseinandersetzung zwischen Ihren Cowboys und einigen Siedlern verhindern.“

„Ja, man hat es mir berichtet. Sie haben sich durchgesetzt. Meinen Respekt, Marshal. Es wird immer wieder zu Reibereien zwischen den Weidereitern und den Siedlern kommen. Egal, ob hier am Mulberry Creek, oder irgendwo anders im Land: Cowboys und Siedler werden wohl niemals Freunde sein. Dass sich manchmal Vieh auf das Farmland verirrt, ist bedauerlich, wird sich aber nicht verhindern lassen. Die Green Belt hat sich auch bereit erklärt, nachweisliche Schäden zu ersetzen. Bis jetzt ist jedoch niemand an Mister Wilson mit Schadenersatzforderungen herangetreten.“

„Ist Carter Wilson zu sprechen?“, fragte ich.

„Er und seine Gattin haben eine Reise in den Osten unternommen“, versetzte der Vormann. „Sie werden wohl zwei Monate unterwegs sein. Solange bin ich hier mit der Führung der Geschäfte betraut.“

„Es geht nicht mehr um zerstörte Felder und Äcker und niedergetrampelte Ernten, Walker“, gab ich mit gesenkter Stimme zu verstehen. „Es ist Blut geflossen, ein Mann ist gestorben, sein Eigentum wurde niedergebrannt. Mord, Vormann! Auf den- oder diejenigen, die die Hände im schmutzigen Spiel haben, fällt der Schatten des Galgens. Und ich werde nicht ruhen, bis der Schuldige oder die Schuldigen vor den Schranken des Gerichts gelandet sind.“

„Viel Glück, Marshal. Aber wenn Sie den oder die Mörder hier suchen, dann vergeuden Sie Ihre Zeit.“

Ich wandte mich meinem Pferd zu, band es los und schwang mich in den Sattel. Der Vormann beobachtete mich. Unsere Blick kreuzten sich noch einmal und ich sagte: „Den Streit gestern Abend im Saloon hat Ihr Cowboy begonnen, nachdem er mit dem Siedler zusammengestoßen ist und seinen Schnaps verschüttete. Brown hat sich entschuldigt, doch ihr Reiter wurde handgreiflich. Als ich Brown des Saloons verwies tat ich es nicht, weil ich in ihm den Auslöser des Streits sah, ich tat es, um zu vermeiden, dass die Gewalt eskaliert. Ich rate Ihnen, Walker, Ihre Leute anzuweisen, die Siedler in Ruhe zu lassen. Und daraus, dass hinsichtlich des Mordes an Freeman der Verdacht auf die Green Belt fällt, brauche ich wohl kein Geheimnis zu machen.“