What the Hel? - Sarah Malhus - E-Book
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What the Hel? E-Book

Sarah Malhus

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Beschreibung

»Ich bin keine Mahlzeit. Sucht euch jemanden, der schon tot ist!« Ein missglückter Überfall führt Aila nach Helheim, das Reich der Totengöttin Hel. Dort herrscht reger Andrang und ohne Einweisung landet Aila nicht in einer der Hallen der Ewigkeit, sondern vor Hels Heimstatt - und wird von der Göttin prompt zur Mitarbeit eingespannt. Denn irgendjemand stiftet Chaos in der Unterwelt ... Eine Kurzgeschichte, die beweist, dass das Leben mit dem Tod noch nicht vorbei ist.

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Seitenzahl: 44

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Dieses Buch enthält Inhaltswarnungen / Content Notes auf der letzten Seite gegenüber der Deckel-Innenseite.

Auf den Seiten 41 / 42 sind alle, in der Geschichte erwähnten, nordischen Begriffe in einem Glossar zusammengefasst und kurz erklärt.

Reichtum genießen will ein jeder

Stets bis an den einen Tag.

Denn einmal muss jeder Mensch doch

Fahren von hinnen zur Hel.

Fafnismal – Das Lied von Fafnir

Die Edda

Eigentlich sollte es schnell gehen. Ein Diebstahl wie jeder andere. Der Sturz aus der alten Eiche mit anschließendem Genickbruch gehörte nicht zu meinem Plan.

Als ich zu mir komme, höre ich leises Hundegebell. Mein Kopf brummt gewaltig und mein ganzer Körper schmerzt vom Ohrläppchen bis in den kleinen Zeh.

Ich rappele mich auf, bewege vorsichtig alle Gliedmaßen, bis das steife Gefühl nachlässt. Meine Kleidung sieht nach dem Sturz noch schäbiger aus als zuvor. In der Tunika finden sich etliche Löcher mehr, meine Hose ziert nun ein langer Riss vom Knie bis zum Knöchel.

»Wo zum Henker bin ich hier?« Ich drehe mich einmal um die eigene Achse und lasse meinen Blick über die trostlose Landschaft schweifen. Der Himmel ist grau und wolkenverhangen, die wenigen Bäume blätterlos und knorrig. Vereinzelte Krähen hocken auf den dürren Ästen. Sie verfolgen meine Bewegungen aufmerksam.

»Ich bin keine Mahlzeit. Sucht euch jemanden, der schon tot ist!«

Krächzend flattern zwei Vögel auf und lassen sich auf dem Ast direkt über mir nieder. Kurz scheint es so, als ob sie mich mit ihren heiseren Lauten auslachen. Aber es sind nur Vögel. Dennoch mache ich rasch ein paar Schritte weg von dem Baum, denn geheuer sind sie mir nicht.

Ein Rauschen dringt an meine Ohren. Ich drehe mich um und entdecke in einiger Entfernung ein Flussufer. Nun, da ich auf den Fluss aufmerksam geworden bin, kann ich das Lärmen seines Wassers nicht mehr überhören. Er fließt in die Richtung, aus der Hundegebell tönt.

Meine Neugier überdeckt das unbehagliche Gefühl, das mich angesichts der Umgebung beschleicht, und ich gehe dem Geräusch entgegen. Nach wenigen Metern komme ich zu einem Holzzaun, der sich bis in die Unendlichkeit zu erstrecken scheint. Hinter dessen Gatter steht der Hund, riesig und bedrohlich knurrend. Unentschlossen bleibe ich stehen, da berührt mich etwas an der Schulter. Vor lauter Schreck fahre ich zusammen und wirbele herum.

»Gehst du weiter oder überlegst du noch?«

Hinter mir steht ein Mann, schäbig gekleidet und mit einem Strick um den Hals. Seine hervorgequollenen Augen versuchen, mich zu fokussieren. Eine breite, rote Strieme führt einmal um seine Gurgel herum.

»Bist du jetzt fertig mit gaffen? Noch nie einen Erhängten gesehen, oder was?«

Eilig mache ich einen Schritt zur Seite, obwohl der Mann genauso um mich hätte herumgehen können. Ich sehe nach unten und erkenne einen Trampelpfad, auf dem ich eben noch stand. Als ich wieder aufblicke, warten hinter dem Mann weitere Gestalten, allesamt in einem jämmerlichen Zustand.

»Du siehst auch nicht viel besser aus«, reagiert der Galgenmann auf meinen angewiderten Gesichtsausdruck.

Ich runzele die Stirn.

»Dein Kopf, der sitzt ganz schief!« Der Erhängte lacht und hustet daraufhin ordentlich.

Zögernd fasse ich mir an den Hals und erfühle einen unnatürlichen Knick. Langsam begreife ich, was passiert ist. Der geplante Überfall! Ich bin auf einen Baum geklettert, bereit, mich von dort auf den vorbeireitenden Kurier zu stürzen, um seine Münzen zu stehlen. Der Ast, auf dem ich lag, knackte und – ich reiße die Augen auf. »Ich bin in der Unterwelt.«

»Noch nicht ganz. Gerade stehst du neben dem Helvegr. Erst, wenn du durch das Gatter dort gehst, bist du in Helheim.« Der Erhängte deutet auf den kleinen Durchlass im Holzzaun, hinter dem der kläffende Hund steht. Der Mann spuckt aus und setzt seinen Weg langsam fort. Ihm folgen weitere Tote, also reihe ich mich ebenfalls wieder ein.

In den Tiefen Helheims zieht Ganglot vorsichtig den Bettvorhang zur Seite. Dahinter liegt ihre Herrin und schläft den Schlaf der Toten. Das gleichmäßige Schnarchen ähnelt einer eifrigen Knochensäge bei der Arbeit.

»Herrin, es ist längst Zeit, aufzustehen«, lautflüstert Ganglot. »Draußen wartet Kundschaft.«

Von unter der Decke ertönt ein Brummen, das Nidhöggrs Magenknurren in den Schatten stellt.

»Schick sie weg!«, folgt der halbherzige Befehl.

»Das geht nicht, Herrin«, entgegnet Ganglot dienstbeflissen.

»Ist Hungr schon gedeckt?«

»Ja, Herrin. Alles ist bereit.«

Die Bettdecke wird zur Seite geworfen. Zum Vorschein kommt Hel, Göttin der Unterwelt, und gähnt herzhaft.

Da ich nun weiß, wo ich gelandet bin, erkenne ich den Höllenhund Garm. Ich muss mich überwinden, an dem blutbefleckten Kläffer vorbeizugehen, von dessen Lefzen der Geifer tropft. Wenige Schritte später stehe ich an einer goldenen Brücke, die den Fluss überspannt. Während die zahlreichen Toten hinüberwandern, trete ich aus der gespenstischen Prozession heraus und betrachte das schimmernde Bauwerk einen Moment staunend. Obwohl es in Helheim ziemlich düster ist, glänzt die Brücke unablässig. Ihr Gold allein scheint auszureichen, um in der sonnenlosen Einöde zu strahlen. In der Mitte der Brücke steht eine ungewöhnlich große und offensichtlich übel gelaunte Frau.

»Mädchen, hier wird nicht getrödelt!« Ich zucke zusammen, als die grimmig dreinschauende Riesin auf mich zeigt. »Hör auf zu glotzen und geh weiter. Die Brückenwächterin befiehlt es dir!«

»Verzeihung«, murmele ich. »Ich wollte nur ... Die Brücke funkelt so schön.«

»Ja, Gjallarbrú