Verlag: Aufbau digital Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

Whiskey für alle E-Book

John B. Keane  

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E-Book-Beschreibung Whiskey für alle - John B. Keane

Sláinte! Prost! John B. Keane, eine literarische Legende in Irland, führte gemeinsam mit seiner Frau Mary jahrelang ein Pub in Listowel, County Kerry. Dort trafen sich nach der Arbeit die Leute aus der Gegend, und der Wirt wurde oft unfreiwillig zum Beichtvater der verschiedenen eigenwilligen Typen. Vielen von ihnen begegnen wir in Keanes humorvollen, skurrilen Geschichten mit viel Herz wieder. „Wie Legenden zu lesen und doch so herrlich realistisch.“ Ostthüringer Zeitung Ein Ire aus Amerika, der hofft, in Irland endlich die für ihn bestimmte Frau zu finden; ein Ladenbesitzer, der bis ins reife Alter abends am Fluss unterm Ahornbaum auf die Frau seiner Träume wartet; ein kleines Mädchen, welches das Leben eines Postboten völlig verändert: Liebenswerte Sonderlinge auf Brautschau; Eheleute, die sich mal lieben, mal hassen und doch den Alltag gemeinsam meistern; kauzige, hart arbeitende und äußerst trinkfeste Bauern – von ihnen erzählt John B. Keane in seinen heiteren, liebenswerten und besinnlichen, auf jeden Fall sehr irischen Geschichten.

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E-Book-Leseprobe Whiskey für alle - John B. Keane

John B. Keane

Whiskey für alle

Geschichten von der Grünen Insel

Aus dem Englischen von Irmhild und Otto Brandstädter

Impressum

John B. Keane, Whiskey für alle

Die Originalausgabe unter dem Titel The Short Stories of John B. Keane erschien 1997 bei Mercier Press, Cork.

ISBN 978-3-8412-0380-9

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, Juli 2012

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Erstausgabe erschien 2012 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano, Berlin unter Verwendung eines Motivs von getty-images

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

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Inhaltsübersicht

Garantiert rein

Auf Treu und Glauben

Fred Rimble

Die Zeichen stehen auf Sturm

Übertriebene Sparsamkeit

Dousie O’Dea

Bittere Erinnerungen

So will es der Brauch

Ab Sonntag für immer

Das Weideland vor der Schanze

Wie umgewandelt

Zwei Pelzmäntel

Erhängt

Curriculum Vitae

Torfstechen

Tod, sei nicht stolz

Unter dem Ahornbaum

Garantiert rein

Willie Ramley war von dem Wunsch beseelt, eine Jungfrau zu ehelichen, und aus eben diesem Grund hatte es ihn nach Irland getrieben. In einem Lokal in New York hatte ihm ein Mann mit einem unverkennbar breiten irischen Akzent vorgeschwärmt, dass es in Irland derart verheißungsvolle junge Mädchen zuhauf gäbe.

»Woher soll ich wissen, dass es eine Jungfrau ist?«, hatte Willie Ramley gefragt.

»Das wirst du schon merken«, hatte ihn der Mann beruhigt.

»Aber wie?«

»Du kannst dich auf mein Wort verlassen«, hatte der Mann gemeint, »es wird sich dir zur rechten Zeit offenbaren.« Mehr gab er nicht preis.

Willie war nun schon gute sechs Wochen in Irland, doch offenbart hatte sich ihm nichts. Kreuz und quer war er durch das Land gereist, aber keins der Mädchen, das ihm begegnete, hatte seinen Vorstellungen entsprochen. Und als er eine nach ihrer Jungfräulichkeit gefragt hatte, hatte die ihm einen Schlag verpasst, der den Goldenen Handschuh für einen Mittelgewichtler gerechtfertigt hätte. Er ging in sich und überdachte den Rat, den ihm der Mann in New York gegeben hatte.

»Es wird sich dir offenbaren«, hatte er gesagt. Es war am späten Abend des Heiligenfestes von Patrick gewesen. Unter den Stammgästen der Lokalität galt der Mann mit dem irischen Akzent, dessen Namen er vergessen hatte, als eine Art Seher. Sie behandelten ihn als etwas Besonderes, stellten ihm immer mal wieder ohne ersichtlichen Grund einen doppelten Whiskey hin, wahrscheinlich nur, um sich seiner Gunst zu versichern. Wie die Unterhaltung eigentlich begonnen hatte, wusste Willie nicht mehr. Er konnte sich nur noch daran erinnern, dass er vor dem Menschen seine ganze Lebensgeschichte ausbreitete, die mit einem tragischen Kapitel geendet hatte. In allen unerquicklichen Einzelheiten hatte er geschildert, wie er von seiner letzten Geliebten hintergangen worden war. Der Seher hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt, ihn eindringlich angesehen und ihm mit der anderen Hand ein unberührtes Glas Whiskey gereicht.

»Trink«, hatte er gesagt, »und hör gut zu, was ich dir jetzt erzähle.«

Willie tat, wie ihm geheißen.

»Du siehst vor dir einen Mann, der einmal in dem gleichen Dilemma steckte wie du«, hatte der Seher verkündet. »Mein Gesicht ist voller Falten, und mein Haar ist ergraut, aber auch ich war einst ein strahlender Jüngling, den es nach Lieben und Leben dürstete. Das graue Haar und all die Falten sind das Ergebnis einer bitteren Erfahrung. Ich darf deshalb einem so jungen Burschen wie dir einen Rat geben, und du darfst das nicht als Belehrung verstehen.« Mit diesen Worten hatte er sich eine Träne aus dem Auge gewischt und ihm ein zweites Glas Whiskey gereicht.

»Wart mal«, hatte Willie gesagt, »lass auch mich für dich einen zahlen.«

»Kommt nicht in Frage«, hatte der Mann abgewehrt. »Alle, die mich hier freihalten, haben auf die eine oder andere Weise von meiner Weisheit profitiert. Sollten wir uns wieder einmal begegnen und mein Rat hat sich für dich als vorteilhaft erwiesen, nehme ich gern ein oder zwei Glas Whiskey als Gegenleistung an, aber jetzt betrachte die gefüllten Gläser vor dir als eine Geste von mir.«

Willie hatte nur genickt, darauf bedacht, den Wortfluss des äußerst großzügigen alten Gentleman nicht mit flüchtigem Dankesgerede zu unterbrechen.

»Als ich so alt war wie du, stürzte ich mich Hals über Kopf mit dem erstbesten hübschen Mädchen in den heiligen Stand der Ehe«, vertraute ihm der alte Weise an. »Folgerichtig erwies sich die Verbindung als ein Fiasko. Sie dauerte ganze drei Wochen. Keine sechs Monate später war ich ein zweites Mal verheiratet, und als auch diese Ehe schiefging, sogar nicht mal so lange hielt wie die Erste, schwor ich mir, nie wieder zu heiraten. Geholfen hat es nichts. Eh ich mich versah, war ich wieder verheiratet. Du siehst, mein Junge, ich tauge nicht zur Ehe, sie hat mir nichts als Leid und Kummer gebracht. Siebenmal habe ich es versucht, und siebenmal bin ich gescheitert.«

Hier war der Punkt gekommen, da Willie Ramley das Gefühl hatte, sich erklären zu müssen. »Ich würde nur einmal heiraten«, sagte er.

Der Seher wollte schon eine bissige Bemerkung machen, aber irgendetwas im Auftreten des jungen Mannes hielt ihn davon ab. »Ich kann dich gut verstehen«, sagte er stattdessen, »doch nur einmal zu heiraten könnte sich schwieriger erweisen, als du denkst.«

»Das ist mir schon klar«, erwiderte Willie, »aber ich bin guten Mutes.«

Wieder legte der Weise dem jungen Mann die Hand auf die Schulter. »Dann musst du doppelt achtsam sein.«

»Bitte, gib mir einen Rat«, bettelte Willie. »Ich bitte dich inständig, rate mir, ehe es zu spät ist, allzu rasch gehen die Jahre dahin, und ich möchte nicht allein und verlassen dastehen.«

»Du solltest Folgendes tun«, hob der Seher mit großem Ernst an. »Begib dich nach Irland, dem geheiligten Flecken Erde, den meine Mutter, Gott hab sie selig, verließ, um in diesem weniger tugendhaften Landstrich eine Bleibe zu finden. Sie war wahrhaftig ein Engel, wenn es denn solche außerhalb der himmlischen Gefilde überhaupt gibt.« Hier machte der Seher eine Pause, um wohlgefällig von einem dankbaren Kunden ein Glas des bekömmlichen Trunks anzunehmen.

»Rein, wie du selbst bist«, fuhr der Weise fort, nachdem er sich mit einem Schluck gestärkt hatte, »musst du nach einem Wesen gleicher Reinheit Ausschau halten.«

Willie nickte eifrig. Sein ganzes Fühlen und Sein sagte ihm, dass er es mit einem echten Allwissenden zu tun hatte.

»Lass dich nicht von dem ersten hübschen Gesicht betören«, riet ihm der Alte, »auch nicht von einer koketten Maid, selbst wenn du denkst, sie sei die Erfüllung deiner Träume. Übe dich in Geduld, und du wirst auf das richtige Mädchen treffen. Sie wird etwas an sich haben, etwas ihr ganz Eigenes, was sie von allen anderen unterscheidet. Und dieses Besondere wirst du auf Anhieb bemerken, wie Schuppen wird es dir dann von den Augen fallen, es wird so sonnenklar sein, als wäre es ihr auf den Rücken geschrieben. Also geh deinen Weg, lass dich durch nichts beeinflussen. Verfolge beharrlich dein Ziel und bleibe deinem Ideal treu, dann wird sie dir so, wie ich es angedeutet habe, erscheinen.«

Der Weise machte mit beiden Händen eine schwungvolle Geste und gab so zu verstehen, dass er am Ende seiner Rede sei. Willie Ramley verließ die gastliche Stätte und bewegte wochenlang die weisen Ratschläge in seinem Herzen. Schließlich kam er zu dem Entschluss, nach Irland zu reisen, und hier befand er sich nun und war nach sechs Wochen in seinem Sehnen und Verlangen genau so weit wie am ersten Tag, als er den Fuß auf die Grüne Insel gesetzt hatte. Ihm blieben gerade noch zwei Wochen, und langsam überkamen ihn Angst und Verzweiflung, ob sich sein Traum je erfüllen würde. So sehen wir ihn denn an einem hellen Nachmittag im Monat Juni niedergeschlagen auf einem Büschel Strandhafer sitzen, wie er versonnen über die endlose Küste von Ballybunion schaut.

Über ihm kreischten die Seemöwen in der würzig duftenden Seeluft, und um ihn herum vergnügte sich die Menschheit, als könnte es keinen schöneren Tag geben. Die Älteren wateten im flachen Wasser, junge Männer gingen tollkühn auf Eroberung aus und beobachteten das weibliche Geschlecht mit prüfendem Blick. Kleinstkinder patschten in den sanft heranspülenden Wellen herum, und die etwas größeren Jungen und Mädchen bauten mit Schaufel und Spaten unermüdlich ihre Sandburgen. Ein sonnengebräunter Rettungsschwimmer überwachte das bunte Treiben. Kurzum, alle waren glücklich und zufrieden, nur Willie Ramley nicht.

Er war es überdrüssig, auf ein und demselben Fleck zu sitzen, und machte sich in den Ort auf, wo er in einer der gerühmten Wirtschaften ein erfrischendes Getränk zu sich nehmen wollte. Gedankenverloren schlenderte er durch die Straßen und schubste mit den neu erworbenen Sandalen leere Zigaretten- und Streichholzschachteln vor sich her. Fast wäre er dabei unter einen Bus geraten. Nur dem Aufschrei eines Passanten hatte er es zu verdanken, dass er heil davon kam. Er erhaschte gerade noch einen Blick seiner Wohltäterin, einem jungen Frauenzimmer, die ihr durchaus hübsches Gesicht sofort von ihm abwandte, als sie seine Augen auf sich gerichtet fühlte. Mit sich uneins, blieb er einen Augenblick vor der Tür eines beliebten Lokals stehen. Er musste an die Worte des Sehers denken und entschloss sich, es nicht bei der flüchtigen Begegnung zu belassen. Längst war die junge Dame entschwunden, doch er glaubte in ihr eines der Mädchen aus einer Gruppe erkannt zu haben, die auf dem Weg zum Strand gewesen waren. Raschen Schrittes strebte er voran und stieß tatsächlich auf die gesuchte kleine Schar. Es waren ihrer fünf. Er folgte ihnen, hielt allerdings diskret Abstand, wollte er doch den Bogen nicht überspannen und seine Chancen verspielen. Die Gruppe stieg etliche Steinstufen hinab, an deren Ende unten am Strand altersschwache Badekarren standen. Nach kurzer Verhandlung mit dem Besitzer begaben sich die fünf in jeweils einen der auf verrosteten Rädern stehenden Holzverschläge.

Willie Ramley merkte sich genau den Karren, in dem seine angebetete Schöne verschwunden war. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis sie wieder herauskam. Ein seltsames Gefühl bemächtigte sich seiner, eine Mischung von Erregung und Erwartung. Er vermutete in den fünfen Mädchen vom Lande, schloss das aus ihrer Art, wie sie sich unterwegs und dann am Strand umgeschaut hatten. Auch ihre einfache Kleidung und ihr ganzes Gehabe ließ die Schlussfolgerung zu, dass sie Töchter der heimatlichen Scholle waren. Mit einer keuschen Gewandung hatte er zwar gerechnet, aber auf den Anblick, der sich ihm bei ihrem Heraustreten aus den Badekarren bot, war er nicht gefasst gewesen. Jede der fünf war in ein langes Hemdkleid gehüllt, das bis auf die Zehen reichte und jede Spur von Figur verhüllte. Die Hemden waren aus leichtem Material, die Farbe eine Art schmutzig-weiß. Was Willie Ramley nicht wissen konnte, war, dass es sich bei diesen langen Gewändern um die übliche Badebekleidung der Leute vom Lande handelte. Sparsame Geschöpfe, die sie waren, gingen diese genügsamen Mädchen nicht in Warenhäuser, um Stoff für Unterwäsche oder Badebekleidung zu erwerben. Das Mehl für das tägliche Brot wurde im allgemeinen in Kattunsäcken mit einem Fassungsvermögen von einem Zentner geliefert. Die leeren Säcke wurden sorgfältig gewaschen und getrocknet und dann zu Hemden, Schlüpfern oder Hemdhosen verarbeitet, auch zu Fußballklamotten und Bettwäsche. Zwar mochte das städtische Volk am Strand die so bekleideten Frauen vom Lande amüsiert zur Kenntnis nehmen, würde es sich aber nie anmerken lassen. Unter Umständen lag das daran, weil so mancher selbst aus einer ländlichen Familie stammte.

Obwohl den Hemden jeglicher Schick fehlte, machten sie etwas her; stolz erhobenen Hauptes bewegte sich die Gruppe in wohl geordneter Formation hinunter zum Strand und ließ sich nicht im Geringsten davon beeindrucken, was andere über sie denken mochten. Ihre Anführerin war eine Achtung gebietende Person mittleren Alters mit Adlernase, vollbusig, groß und breitschultrig. Haltung und Gebaren deuteten darauf hin, dass sie in dem unwahrscheinlichen Fall eines Angriffs sich und ihre Schützlinge zu verteidigen wusste. Die anderen vier waren entschieden jünger, noch keine zwanzig oder gerade darüber, und Willie schlussfolgerte nicht zu Unrecht, dass die Matriarchin allem Anschein nach die Mutter war. Sittsam schritten sie hinter ihr her, ohne nach links oder rechts zu gucken. Das Mädchen, das Willies Kollision mit dem Bus verhindert hatte, ging als Letzte. Keine Frage, unter dem sackartigen Hemd verbarg sich ein Körper, wie er ihn sich in seiner Phantasie nicht schöner ausmalen konnte. Am Wasser angelangt, marschierten sie im Gänsemarsch bis zu einer menschenleeren Stelle. Dort gab die Matrone ein Zeichen, die jungen Mädchen wagten sich in das Wasser, hüpften und sprangen und kreischten, bis sie sich schließlich an die kalten, sie sacht umspülenden Wellen gewöhnt hatten. Unter dem wachsamen Auge ihrer Hüterin drehten sich dann alle vier zum Horizont, hoben vorn ihre Hemden und bespritzten den entblößten Teil ihres Körpers mit dem wohltuenden Meereswasser. Die Matrone selbst ging nicht einmal mit den Füßen ins Wasser, begnügte sich mit ihrer Rolle als Glucke, strafte den Neugierigen mit einschüchternden Blicken oder reckte auch mal drohend die Faust. Sowie die Mädchen genug hatten, ließen sie wieder keusch die Hemden herunter und kehrten dem Horizont den Rücken zu. Das Spiel wiederholte sich, bis die Hüterin der Ansicht war, dass alle gebührend gebadet hatten. Dann ging es im Gänsemarsch stolz und doch anmutig zurück. Willie versuchte, sich näher heranzupirschen. Betont lässig ging er ihnen entgegen, den Mund wie zum Pfeifen gespitzt, und gab sich als harmloser Feriengast, der nur mit sich beschäftigt war. Vorsichtig umkreiste er die Matriarchin, die ihre Brut zu den Badekarren führte. Dabei war er bemüht, mit der Gruppe Schritt zu halten und hinter ihnen zu bleiben, sodass er die Dame seiner Wahl im Auge behalten konnte. Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich ihre Blicke, und schon war es um ihn geschehen. Dennoch rief er sich den Rat des Sehers ins Gedächtnis: »Lass dich nicht von einem hübschen Gesicht betören.«

Doch diese junge Dame hatte nicht nur ein hübsches Gesicht. Das war eindeutig. Als er ganz dicht hinter ihr war, las er das Wort »Sonnenaufgang«, das in verschossenen roten Buchstaben auf den Hemdrücken gedruckt war. Natürlich konnte Willie Ramley nicht ahnen, dass es sich dabei um den Markennamen einer bekannten Mehlsorte handelte, die in ländlichen Kreisen sehr beliebt war. Der Name prangte in Großbuchstaben, und darunter war ein längeres Schriftband in ausgeblichenem Schwarz und in Kursivdruck.

Er musste unbedingt herausbekommen, was da stand, und wagte sich näher heran, bis er die Buchstaben entziffern konnte. »Hundert Pfund«, las er, »Garantiert rein«.

Er sprach die Worte immer wieder vor sich hin, und erst, als das Objekt seiner Begierde in der Umkleidebude verschwunden war, ging ihm die volle Bedeutung der Buchstaben auf. Er hatte den weisen Spruch des alten Mannes vor Augen. Was hatte er doch wiederholt gesagt? War es nicht etwas ganz Eigenes, etwas Besonderes, was ihm an seiner Zukünftigen auffallen würde? Wie genau waren die Worte gewesen, mit denen er das beschrieben hatte? Ganz langsam kehrten sie ihm ins Gedächtnis zurück.

»Und dieses Besondere wirst du auf Anhieb bemerken, wie Schuppen wird es dir von den Augen fallen, es wird so sonnenklar sein, als wäre es ihr auf den Rücken geschrieben.« So oder ähnlich hatte er gesagt. Weiteren Aufschluss über den Charakter des Mädchens brauchte er nicht. Ungeduldig wartete er auf ihr erneutes Erscheinen.

Für den Rest seines Urlaubs blieb sein Tagesablauf von einem beharrlichen und aufrichtigen Ansinnen bestimmt. Egal, ob morgens, mittags oder abends, er wartete auf sie. Seine unbeirrte Hingabe beeindruckte die Mutter des Mädchens, und als es Willie schließlich gelungen war, der jungen Dame ein ›Ja‹ abzuringen, gab die Mutter ohne Zögern ihr Einverständnis, und es wurde geheiratet. Die Flitterwochen verbrachte man, wie nicht anders zu erwarten war, in Ballybunion. In der ersten Nacht, die zu einer höchst beglückenden Vereinigung führte, präsentierte sich die sittsame Braut in ihrem bloßen Sackhemd mit dem schon bekannten Aufdruck auf dem Rücken: »Hundert Pfund. Garantiert rein«. Eins aber muss an dieser Stelle gesagt werden – noch nie hatte die Reklame für ein Produkt so der Wahrheit entsprochen wie in diesem Fall.

Auf Treu und Glauben

Die Brüder Fly-Low wohnten in einem alten Bauernhaus. Es lag auf einem kahlen Hügel und gab den Blick frei auf Schilfrohr und Felder. Tom Fly-Low war der Älteste von den dreien, dann kam Billy und schließlich Jack, der Jüngste.

Fly-Low war natürlich ein Spitzname. Mit richtigem Namen hießen sie Counihan. Mit dem wurden sie aber nur genannt, wenn der Gemeindepfarrer die Liste seiner Schäfchen durchging, und das geschah nicht öfter als alle fünf Jahre.

Im Jahr 1940 flog ein Aufklärungsflugzeug im Tiefflug über das Anwesen der Brüder. Sie waren gerade auf der Wiese beim Heuwenden. Als sie das Flugzeug gewahr wurden, war das Staunen ob des eindringenden Besuchers groß, und eifrig winkten sie dem Piloten mit ihren Heugabeln zu. Mit einem leichten Abkippen der Flügel erwiderte der Pilot ihren Gruß.

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