Wie wir uns vergiften - Peter Grunert - E-Book

Wie wir uns vergiften E-Book

Peter Grunert

0,0
8,49 €

  • Herausgeber: TRIAS
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2009
Beschreibung

Seit Jahrhunderten hält sich der Irrglaube, dass Naturheilmittel völlig ungefährlich sind. Dabei wirken einige der in der Volksheilkunde verwendeten Pflanzen bereits in kleinen Dosierungen toxisch. Ähnliche Gefahren lauern in Kosmetika, Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln. Summieren sich diese Gifte, können die Folgen verheerend sein. Der Ratgeber zeigt, wo überall gefährliche Substanzen und Giftstoffe enthalten sind, wie sich ihre Wirkungen gegenseitig verstärken können und was man gegen die typischen Symptome der Vergiftung tun kann.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 227

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Über den Autor:

Peter Grunert beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit Themen aus Medizin und Naturheilkunde. Als Diabetiker kennt der Journalist und Buchautor aus eigener Erfahrung die gefährliche Wirkung von Giftstoffen, mit denen jeder Mensch täglich in Kontakt kommt.

Was ist eigentlich eine Vergiftung?

Diese Frage ist scheinbar leicht zu beantworten, schlägt man in einem Fachwörterbuch nach oder befragt das allwissende Internet. Meist erhält man folgende Antwort: »Die Vergiftung, Fachbegriff Intoxikation, ist ein pathophysiologischer Zustand, der als Folge der Einbringung von Giften (Toxinen) in den Körper auftritt.« Forscht man etwas intensiver, erhält man auch relativ aktuelle Zahlen zu diesem Gesundheitsproblem, vor allem aus den vergangenen acht Jahren. Der Grund hierfür liegt im §16 e des deutschen Chemikaliengesetzes, das seit dem 1. August 1990 in Kraft ist. Es enthält eine gesetzliche Meldepflicht für Vergiftungsfälle. Im Rahmen der Neuordnung der deutschen Gesundheitsbehörden entstand im Jahr 2002 das Bundesinstitut für Risikobewertung, kurz BfR. Seit diesem Zeitpunkt gehen alle Meldungen über Vergiftungsfälle an die dortige Zentralkartei, wo sie gesammelt und ausgewertet werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und das dazugehörige statistische Material werden dann jeweils im Folgejahr veröffentlicht. Die entsprechende jährliche Broschüre mit dem Titel » Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen« kann sowohl in gedruckter Form als auch per Download im Internet eingesehen werden. Betrachtet man sich einmal die erste dieser Broschüren des BfR für das Jahr 2002, kann man folgende Patientenzahlen nachlesen:

Insgesamt wurden im Jahr 2002 exakt 7833 Vergiftungsfälle gemeldet und registriert. Die Masse dieser Meldungen mit 6945 Fällen ging über die Berufsgenossenschaften beim BfR ein, der Rest vor allem über niedergelassene oder klinische Ärzte. Als auslösende Toxine wurden in mehr als 90 Prozent aller Fälle chemische Produkte oder sogenannte Grundsubstanzen angegeben. Arzneimittel tauchen in dieser offiziellen Statistik nur mit 87 Fällen oder 1,1 Prozent auf.

Die Berichte der Folgejahre zeigen bis heute ein permanentes Absinken der durch das BfR statistisch erfassten Patientenzahlen auf. Für das Erfassungsjahr 2006 wurden nur noch 4551 gemeldete Vergiftungsfälle verzeichnet. Der Trend bei den Vergiftungsstoffen blieb dabei nahezu unverändert. Chemische Produkte und Grundsubstanzen machten 2006 rund 92 Prozent aus, Arzneimittel lagen mit 76 Fällen bei nur 1,9 Prozent aller Meldungen.

Greift man dann aber auf weitere medizinische Daten zu, ergibt sich plötzlich ein völlig anderes Bild über Vergiftungen und die damit verbundenen Gesundheitsprobleme. So kann man am Beispiel der Datenbasis des InEK (Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus) für das Jahr 2002 andere Zahlenwerte ablesen. Es wäre allerdings unverantwortlich, diese Statistiken direkt miteinander vergleichen zu wollen, da sie sich aus unterschiedlichen Kriterien zusammensetzen. Dennoch zeigen gerade diese Daten, wie verschieden im Gesundheitswesen mit der Diagnose Vergiftung umgegangen wird. Im InEK werden unter anderem auch die in einem Krankenhaus behandelten Vergiftungen erfasst. Hierbei bedient man sich der Kodifizierung nach dem Standard ICD-10. Dieser wurde international zur Verschlüsselung von Gesundheitsproblemen durch die WHO eingeführt. Seit dem 1. Januar 2000 wird in Deutschland eine spezielle Form, ICD-10-GM genannt, auch zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung eingesetzt. Auf diese Art sind auch unterschiedliche Gesundheitszustände mit gleichen Hauptdiagnosen einfacher zu vergleichen. Übersichten für den Bereich der Vergiftungen weisen für das Jahr 2002 folgende Daten aus:

Code T88.7 steht hierbei an erster Stelle der Vergiftungsfälle. T88.7 bedeutet: »Nicht näher bezeichnete unerwünschte Nebenwirkungen eines Arzneimittels oder einer Droge.« Auf dem zweiten Platz steht T50.9: »Vergiftung: Sonstige und nicht näher bezeichnete Arzneimittel, Drogen und biologisch aktive Substanzen.« Es folgt T46.0: »Vergiftung: Herzglycoside und Arzneimittel mit ähnlichen Wirkungen.« Zusammen bilden diese drei Kodierungsnummern 8442 Fälle oder 51,13 Prozent der erfassten Vergiftungsbehandlungen. Rechnet man dann noch diejenigen Behandlungen hinzu, die sich direkt auf Vergiftungen mit bestimmten Medikamenten oder deren Wirkstoffen zurückführen lassen, verzeichnet die InEK alleine für das Jahr 2002 mehr als 10000 Fälle von Vergiftungen im Zusammenhang mit Medikamenten, Drogen oder biologisch aktiven Substanzen.

Warum waren dem BfR für den gleichen Berechnungszeitraum aber nur 87 Fälle von Medikamentenvergiftungen bekannt? Die Antwort lässt sich ganz einfach in den Kriterien für die Meldepflicht finden. Laut BfR sind Vergiftungen mit nachfolgenden Toxinen zu melden:

Chemische Stoffe und Produkte, die im Haushalt verwendet werden,

Kosmetika,

Schädlingsbekämpfungsmittel,

Holzschutzmittel,

beruflich verwendete Chemikalien,

gesundheitsschädigende chemische Stoffe aus der Umwelt,

giftige Pflanzen und Tiere.

Arzneimittel und Medikamente sind nach diesen Kriterien nicht meldepflichtig. Folglich tauchen sie auch in den offiziellen Statistiken des BfR kaum auf und führen dort ein relativ unbeachtetes Schattendasein. Somit ist es nicht falsch, wenn alljährlich die Schrift » Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen« der BfR darauf hinweist, dass mehr als 90 Prozent der gemeldeten Fälle im Zusammenhang mit chemischen oder Grundsubstanzen stehen. Es entspricht aber nicht der Alltagsrealität deutscher Krankenhäuser. Dort stehen Behandlungen von Vergiftungspatienten im Zusammenhang mit Arzneimitteln weiterhin an erster Stelle. Inzwischen sind es in jedem Jahr Zehntausende solcher Fälle. Das wirft ein ganz anderes Bild auf die angebliche Sicherheit unserer Medikamente, die von der Pharmalobby stets propagiert wird. Auch die meist als völlig risikolos und frei von unerwünschten Nebenwirkungen dargestellten Naturheilmittel können gefährlich werden.

Die Mär von den risikolosen Naturheilmitteln

Die Naturheilkunde ist die älteste Medizinform der Welt und Basis allen medizinischen Wissens unserer modernen Zeit. Heilpflanzen und ihre ganz besonderen Zubereitungen waren einst die einzigen Medikamente, die den Heilkundigen unserer Urahnen zur Verfügung standen. Mit der Entdeckung und der rasch fortschreitenden Entwicklung der Labormedizin traten in den vergangenen zwei Jahrhunderten immer mehr chemisch gewonnene oder bearbeitete Arzneimittel in den Vordergrund therapeutischer Betrachtungen. Die Schulmedizin sah in den gezielt auf bestimmte Symptome abgestimmten Medikamenten eine äußerst sinnvolle Therapiebasis. Immer ausgefeiltere Medikamente wurden und werden entwickelt, die auf genau definierte Bereiche des Organismus einwirken. Andere Mittel wiederum aktivieren gezielt Botenstoffe oder wirken auf Enzyme ein. Ausschlaggebend für diese Entwicklung in der Pharmakologie waren vor allem die Erkenntnisse, dass im Labor entwickelte Medikamente nicht nur gezielter eingesetzt und exakter dosiert, sondern auch wesentlich schneller wirken können als adäquate Naturheilprodukte. Vor allem die meist höhere Dosierung der benötigten Wirkstoffe ruft bei einer Therapie rascher die gewünschten Veränderungen hervor. Außerdem lassen sich in den Laboren der Pharmaindustrie mehrere Wirkstoffe in nahezu jeder gewünschten Kombination in einer einzigen Arznei vereinigen und vereinfachen so viele Therapieschritte.

Noch im vergangenen Jahrhundert vertraten viele Wissenschaftler die These, dass die moderne Medizin mit ihren Medikamenten und technischen Verfahren bald alle Krankheiten dieser Welt heilen könne. Durch diese euphorische Einstellung wurde die Naturheilkunde und damit auch die Heilpflanzen-Medikation immer mehr an den Rand weiterer medizinischer Entwicklungen gedrängt. Dies führte letztendlich zu der auf die Symptome ausgerichteten Medizinform, die auch heute noch bei den rein schulmedizinisch orientierten Therapeuten vorherrscht. Die ganzheitliche Betrachtung einer Erkrankung trat immer mehr in den Hintergrund. Die Symptombekämpfung hilft zwar für den Moment, heilt aber nicht wirklich. Dazu muss man zuerst den oder die Auslöser für die Symptome entdecken und bekämpfen. Zu welchen unsinnigen Werbeaussagen diese allein auf Symptome abgestellte medizinische Therapieeinstellung führt, können wir alltäglich erleben. »Haben Sie Schmerzen, nehmen Sie einfach Mittel XYZ, und der Schmerz vergeht.« So oder ähnlich schallt es uns aus Radio und TV entgegen. Haben wir also Schmerzen in den Füßen, weil möglicherweise das Schuhwerk nicht richtig sitzt, sollen wir uns nicht weiter um die Schuhe kümmern, sondern stattdessen lieber jeden Tag eine oder mehrere Tabletten gegen die Schmerzen einnehmen. Dieser Unsinn hat natürlich einen ernsten Hintergrund. Man darf nicht verschweigen, dass die wirtschaftlichen Interessen der immer größer werdenden Pharmakonzerne solche Entwicklungen fördern – sie wollen schließlich ihre Umsätze weiter in die Höhe treiben. Gesundheit wird in unserer Zeit immer mehr zum Geschäft, bei dem der Patient nur noch als reiner Kunde betrachtet wird. Seit einigen Jahren trifft dies aber auch auf die Naturheilkunde und ihre Produkte zu. Auch die von vielen so hochgelobte Volksmedizin wird zum Milliardengeschäft.

Als in den 1960er Jahren der Contergan-Skandal erstmals der Weltöffentlichkeit direkt vor Augen brachte, was Medikamente anrichten können, setzte bei einigen Verantwortlichen und vielen Patienten ein Umdenken ein. Weitere Skandale im Zusammenhang mit anderen Medikamenten folgten. Es kam zu zahlreichen Todesfällen im Zusammenhang mit Arzneimitteln, die teilweise erst auf den Druck der Öffentlichkeit hin vom Markt genommen wurden. Das Bekanntwerden gefährlicher Therapieergebnisse tat ein Übriges. Dazu dann noch Berichte über massenweise Werbegeschenke an niedergelassene Ärzte seitens der Pharmafirmen – und der Patientenglaube an risikolose Medikamente und die »Halbgötter in Weiß« war erschüttert. Seit mehr als drei Jahrzehnten erlebt die Naturheilkunde nun einen Boom, dessen Ende nicht abzusehen ist. Hierbei hilft ein Slogan, der immer wieder in allen nur erdenklichen Publikationen veröffentlicht wird: »Naturheilmittel sind frei von Nebenwirkungen und völlig risikolos.« Diese allgemein so akzeptierte Aussage ist aber falsch! Jeder Stoff, jede auch noch so unscheinbare Substanz kann zur Gefahr werden, wenn sie in zu hohen Dosierungen vom Körper aufgenommen wird. Das gilt auch für Heilpflanzen und den aus ihnen entwickelten Arzneien. Es sind nicht alleine die Wirkstoffe, die im Fokus des Betrachters stehen sollten, sondern auch alle anderen Inhaltsstoffe. Selbst die für den Organismus so wichtigen Vitamine und Mineralstoffe können, in zu großen Mengen aufgenommen, zur lebensbedrohlichen Gefahr werden. So brachte eine wissenschaftliche Untersuchung über Vitamin-E-Zugaben im Jahr 2007 ein völlig überraschendes Ergebnis. Das zuvor als Zellschutz-Vitamin hochgelobte Tocopherol kann das Risiko eines frühzeitigen Todes beträchtlich erhöhen. Die untersuchenden Mediziner hatten 19 Studien aus den Jahren 1993 bis 2004 ausgewertet. Ihnen standen dazu die Daten von mehr als 135 000 Menschen zur Verfügung. Bei Studienteilnehmern, die regelmäßig eine Dosis von 400 IE (Internationale Einheiten) und mehr zu sich nahmen, hatte sich das frühzeitige Todesrisiko um 10 Prozent und mehr erhöht, so das Ergebnis des Untersuchungsteams von der Johns-Hopkins-Universität im amerikanischen Baltimore. Dieses Ergebnis war deshalb so überraschend, weil mehrere frühere Untersuchungen zur gleichen Thematik gezeigt hatten, dass höhere Vitamin-E-Dosierungen einen deutlichen Schutz vor Herz- und Kreislaufproblemen hervorrufen können. Genaue Analysen zeigten dann, dass bei Dosierungen von 200 IE täglich der Schutzfaktor erreicht wird, während 400 IE und mehr zur vorgenannten Schädigung führen. Diese Studienergebnisse zeigen uns deutlich, wie wichtig es ist, bei allen Arzneien und Nahrungsergänzungen die richtige Dosis zu finden. Das gilt selbstverständlich auch für die rein pflanzlichen Produkte, die seit einigen Jahren für und gegen alle nur erdenklichen gesundheitlichen Probleme hochgelobt und frei verkauft werden.

Beschäftigt man sich etwas intensiver mit den bekannten Heilpflanzen der Volksmedizin, so fällt rasch auf, dass viele von ihnen auch toxische Stoffe enthalten. Einige dieser Stoffe können vor allem für Kinder, chronisch Kranke und ältere Menschen sogar lebensbedrohend sein. Andere Giftstoffe bauen sich nur langsam im Organismus ab und können bei regelmäßiger Einnahme gefährliche Depots bilden. Besonders vorsichtig sollte man im Umgang mit den nachfolgend aufgeführten Heilpflanzen sein, wenn sie in Präparaten als unbedenklich oder ohne Mengenangaben und Einnahmeempfehlungen angeboten werden.

Doch nicht immer ist in Präparaten auch das drin, was außen aufgedruckt ist. Hier zeigt sich ein großes Problem, das durch die Globalisierung und Öffnung der weltweiten Märkte entstanden ist. Arzneien und andere medizinische Präparate werden auf der ganzen Welt hergestellt und können inzwischen ohne große Hindernisse überall bezogen werden. Da es viele Länder gibt, vor allem in Asien, Afrika und in Teilen Osteuropas, in denen man es mit der Herstellung und Kontrolle von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungen nicht so peinlich genau nimmt wie die europäischen Standards es vorschreiben, steigen die Gefahren für Käufer und Anwender solcher Produkte beträchtlich. War es früher meist den Apothekern und »Kräuterweibern« vorbehalten, pflanzliche Arzneien, Tinkturen oder Heilsalben herzustellen, kann dies heute jede Kleinfirma in einer Garage, wenn diese im richtigen Land steht. Mit der seit mehr als einem Jahrzehnt permanent steigenden Bedeutung des Internets als globale Verkaufsschiene hat sich für Anbieter all dieser Produkte ein Milliardenmarkt geöffnet, den es immer stärker zu bedienen gilt. Dabei spielt der einzelne Mensch keine besondere Rolle mehr, sondern nur noch der Umsatz der Vertreiber.

Bekannte toxische Pflanzen in der Naturheilkunde

Aronstab (Arum maculatum)

Besenginster (Sarothamnus scoparius)

Bilsenkraut (Hyoscyamus niger)

Eibe (Taxus baccata)

Eisenhut (Aconitum napellus)

Faulbaum (Frangula alnus)

Feuerbohne (Phaseolus coccineus)

Fingerhut (Digitalis purpurea)

Giftefeu (Rhus)

Goldregen (Laburnum anagyroides)

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Kreuzdorn (Rhamnus cathartica)

Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Nachtschatten (Solanum dulcamara)

Paternostererbse (Abrus precatorius)

Rotbuche (Fagus sylvatica)

Sadebaum (Juniperus sabina)

Schneebeere (Symphoricarpus albus)

Seidelbast (Daphne mezereum)

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Wacholder (Juniperus communis)

Zaunrübe (Bryonia dioica)

(Details zu jeder Pflanze finden Sie im Anhang unter der Tabelle: Giftpflanzen, sortiert nach den wissenschaftlichen Pflanzennamen.)

Welche Auswüchse diese Internetverkäufe von Medikamenten inzwischen annehmen, können wir nahezu täglich den Medien entnehmen. Gesundheitlich noch harmlos ist es, wenn man liest, dass mehrere Männer mit gefälschten Viagrapillen betrogen wurden. Statt der erwarteten Potenzsteigerer bekamen sie nur blaugefärbte Traubenzuckerpillen. Das ist nicht weiter gefährlich, sondern tut nur dem Geldbeutel weh. Weitaus riskanter können die vielen »Wunderpillen« sein, die zur Gewichtsreduzierung oder als Anti-Aging-Mittel vertrieben werden. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, wenn man immer häufiger von schweren Erkrankungen oder Todesfällen im Zusammenhang mit solchen Produkten erfährt. Besonders gefährlich erweisen sich derzeit einige Diätpillen, die im Internet zu Tausenden angepriesen werden. Im April 2007 wurden die Beschwerden von Verbrauchern so zahlreich, dass sich verschiedene Schutzorganisationen und die Stiftung Warentest dieser Problematik intensiver widmeten. Besonders ein Mittel aus China fiel dabei auf. Unter dem Namen »Darling« vertreibt die chinesische Firma LiDa einen Appetitzügler, der sich bereits Jahre zuvor ein gewaltiges Negativimage erworben hatte. 2002 waren zwei Frauen nach erhöhter Einnahme des Mittels gestorben. Anfang 2007 brach eine Hausfrau aus Baden-Württemberg nach mehrwöchiger Einnahme der Schlankheitspille mit Kreislaufproblemen zusammen. Man untersuchte die Pillen nun etwas genauer. Zwar waren sie als »reines Naturprodukt und frei von Nebenwirkungen« angepriesen worden, auch wies die Inhaltsbeschreibung nichts anderes aus, doch im Labor enthüllte sich dann die ganze Wahrheit. Nicht nur in der Darling-Pille von LiDa, sondern auch in Produkten wie »Evolution Slim & Slender« und anderen fanden sich unzulässig hohe Zusätze von Sibutramin. Dies ist ein Arzneistoff, der zur Wirkstoffgruppe der Appetitzügler (Anorektika) gezählt wird. In Europa ist die Substanz unter dem Markennamen Reductil® bekannt, in China als LiDa®, was zu einigen Verwechslungen in Publikationen, vor allem im Internet, führt. Dass auch noch chinesische Firmen unter dem Produktnamen Li Da oder LiDa zahlreiche Schlankheitsprodukte vertreiben, macht die Suche nach exakten Informationen nicht einfacher. Fakt ist, dass es sich bei den in mehreren Schlankheitspillen gefundenen Stoffen um Sibutramin handelt.

Die Stiftung Warentest veröffentlichte in ihrer Aprilausgabe 2007 der Zeitschrift »test« eine Liste mit den Namen von 16 untersuchten Schlankheitspräparaten. Von diesen wurden 13 mit der Klassifizierung »Gesundheitsgefährdung: ›hoch‹« und drei mit »Gesundheitsgefährdung: ›nicht abschätzbar‹« eingestuft.

Liste der veröffentlichten Schlankheitsmittel aus »test« 4/2007:

»Gesundheitsgefährdung: ›hoch‹«

American Lifestyle Looking Trim Original

Astro Nutrition / Nature's Lab ThermoGenesis

Beach Power / Dymatize Dyma-Burn Xtreme

Feel Good Shop / Nature's Bounty X-treme Lean

FloraCura / NVE Pharmaceuticals Stacker 3 XPLC

LiDa Darling Tian Ran Jian Fei

LiDa LiDa Dai Dai Hua Jiao Nang

LiDa Meizitang

LiDa Miaozi

Powerchamp / NVE Pharmaceuticals Stacker 2

Shayana Shop / DNE Pharmaceuticals Ephedra Nature's Super Cap

Tristatemeds / Windlas Biotech Obego 5

Vitabay Supprex

»Gesundheitsgefährdung: ›nicht abschätzbar‹«

Hoodia Shop Original Hoodia Gordonii-Kapseln

Powerchamp Guggul Complex

Powerchamp T3 Dietary Supplement

Anmerkung:

Die LiDa-Kapseln werden in gleicher Zusammensetzung im Internet auch unter folgenden Produktnamen vertrieben:

Evolution Slim & Slender

Evolution Health

Evolution light

Neben Sibutramin zählen Aminorex, Cathin, Phentermin, Fenfluramin und Rimonabant zu den bekanntesten Vertretern dieser Stoffgruppe. Die meisten dieser Anorektika sind inzwischen in Deutschland und anderen europäischen Ländern verboten oder als bedenklich eingestuft. Wenn überhaupt, so dürfen sie nur in wenigen speziellen Fällen als Arzneimittel eingesetzt werden und müssen genau dosiert verschrieben werden. Das einzig bekannte Arzneimittel mit einer Zulassung für Deutschland darf maximal 15 mg Sibutramin enthalten. In den oben aufgelisteten Präparaten wurden teilweise Dosierungen von bis zu 30 mg gefunden.

Was aber macht Sibutramin und die anderen Anorektika so gefährlich? Es sind unter anderem ihre Wirkmechanismen. Die Gewichtsreduktion basiert hauptsächlich auf einer Hemmung des Hungerzentrums sowie der Beeinflussung des Sättigungszentrums im Hypothalamus des Gehirns. Meist ist dies mit einer Erhöhung der Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin im Gehirn verbunden. So wird eine zentrale Appetithemmung und die Steigerung des Grundumsatzes erreicht. Auf den ersten Blick erscheint dieser Weg zum Gewichtsverlust vielversprechend. Bei näherer Betrachtung zeigen sich aber die gravierenden Nachteile: Es sind die starken Nebenwirkungen. Diese beginnen meist mit Herzrasen, Nervosität und Angstzuständen und können sich über Bluthochdruck bis hin zu starken Herzproblemen steigern. Im Extremfall, vor allem bei hohen Dosierungen, kann dies auch bei ansonsten gesunden Menschen bis zum Tod führen, wie inzwischen allgemein bekannt sein sollte. Liegen bereits Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzprobleme vor, ist das Risiko selbst bei niedrigen Dosierungen kaum abzuschätzen.

Sind solche Substanzen bei einem Präparat aber gar nicht erst angegeben, werden also heimlich beigemischt, um die geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu umgehen, stehen oft Patient und Arzt beim Auftreten der entsprechenden Symptome vor einem Rätsel. Weder eine richtige Diagnose noch eine darauf basierende sinnvolle Therapie sind dann möglich. Die Vertreiber solcher Präparate setzen die Anorektika zu, weil sie damit zwei Ziele verfolgen. Zum einen zeigen sich bei übergewichtigen Menschen bereits kurze Zeit nach der ersten Einnahme solcher »Wunderpillen« tatsächlich messbare Gewichtsverluste. So werden die Werbeversprechen scheinbar wahr, und der Effekt der Mundpropaganda führt zu steigenden Umsatzzahlen. Viel wichtiger ist den Geldmachern aber ein anderer Effekt. Subtramin und Co. wirken nur so lange, wie man sie einnimmt. Setzt man das entsprechende Präparat dann ab, holt sich der Körper seine verlorenen Pfunde ebenso schnell wieder zurück, wie er sie verloren hat. Der oft zitierte Jo-Jo-Effekt setzt ein. Will man also auf Dauer schlank bleiben, muss man weiter die Pillen schlucken, die bei längerer Einnahme dann auch noch süchtig machen – ein tödlicher Kreislauf, bei dem schwere Gesundheitsprobleme vorprogrammiert sind. Die besondere Gemeinheit einiger dieser Produkte liegt darin, dass sie auch noch als »rein natürlich« oder als »altbekanntes Naturprodukt aus der Volksmedizin« beworben werden. Häufig müssen fiktive Indianerstämme oder alte chinesische Medizinformen für solche Werbeaussagen herhalten. Natürlich sind auch geringe Anteile der deklarierten Ausgangspflanzen im Präparat enthalten, doch letztendlich richten die verbotenen Stoffe in solchen Produkten mehr Schaden als Nutzen an.

Es gilt also besondere Vorsicht bei allen sogenannten Naturmitteln und Nahrungsergänzungen, die nicht nach den strengen europäischen Normen hergestellt sind. Immer wieder werden auch Fälle bekannt, bei denen Naturheilmittel mit Problemen behaftet sind, deren Inhaltsstoffe an sich nicht schädlich wirken. Oft sind sie dann mit Pestiziden und anderen Schadstoffen verunreinigt. Das liegt an nicht immer so streng kontrollierten Herstellungsverfahren und Produktionsstätten, aber auch an bereits verseuchten Ausgangsprodukten. In den bisher bekannt gewordenen Fällen handelte es sich fast immer um Produkte aus asiatischer oder osteuropäischer Fertigung. Es ist kein besonderes Geheimnis, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die damit verbundene Bodenverseuchung vor allem in China ein großes Problem ist. Hinzu kommen dann noch laxe behördliche Kontrollen und die immer noch praktizierte Taktik der Problemverschleierung in vielen Ländern. Das hat uns jüngst erst der Skandal um mit Melamin verseuchte Milch und Eier in China deutlich vor Augen geführt. Hierbei nahmen die Verantwortlichen sogar in Kauf, dass mehr als 50 000 Babys an verseuchtem Milchpulver erkrankten und mehr als 1000 starben. Auch in diesem Fall wurde eine Substanz beigemischt, nur um den Gewinn zu erhöhen.

Man sollte deshalb nicht alles verdammen, was an Heilmitteln aus China und anderen asiatischen Ländern kommt. So reagierten die Verantwortlichen der chinesischen Kontrollbehörden im Oktober 2008 sehr rasch, als sich gravierende Probleme mit einer Arznei auf natürlicher Basis ergaben. Nachdem sich kurz hintereinander mehrere Todesfälle mit zuvor als unbedenklich eingestuften Ginseng-Injektionen ereigneten, nahm der Arzneimittelhersteller Wandashan Pharmaceutical umgehend alle seine Injektions-Produkte bis zur Klärung der Vorfälle vom Markt. Nach Angaben des Herstellers wurde zwar das Präparat in China gefertigt, doch die verarbeiteten Ginsengwurzeln einer besonderen Art stammten aus dem russischen Sibirien und werden bereits seit Jahren bei der Behandlung von Thrombose und bei Erkrankungen der Herzkranzgefäße erfolgreich weltweit eingesetzt. Ob es sich in diesem Fall um verunreinigte Ausgangsprodukte oder Probleme bei der Herstellung gehandelt hat, wurde bis heute nicht öffentlich bekannt.

In unserer modernen Welt zeigt sich immer deutlicher, dass man bei allen Substanzen, die man dem eigenen Körper zuführt, bei der Auswahl nicht vorsichtig genug sein kann. Das betrifft vor allem Lebensmittel, Nahrungsergänzungen, Naturheilmittel und Medikamente, die im Organismus miteinander zu völlig ungewollten Reaktionen führen können.

Arzneien, Medikamente und Nahrungsergänzungen – eine gefährliche Kombination

Alle Menschen, die regelmäßig Medikamente einnehmen und dazu möglicherweise noch Nahrungsergänzungsmittel, tun dies in dem Bewusstsein, damit Maßnahmen zur Gesundung oder Gesunderhaltung ergriffen zu haben. Vor allem chronisch Kranke, die über Jahre hinweg regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, sind dadurch einem stark erhöhten Risiko ausgesetzt. Auf unser Land bezogen ist dies eine sehr große Gruppe von Patienten. Offizielle Zahlen des Eurostat zeigen dies deutlich. Eurostat ist das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft mit Sitz in Luxemburg. Für das Jahr 2006 besagt die Statistik, dass 38,2 Prozent aller Bundesbürger unter chronischen Krankheiten leiden. Das betrifft folglich mehr als 30 Millionen Menschen in unserem Land, womit die Bundesrepublik die traurige Spitzenposition in Europa einnimmt. Fragt man Fachleute nach dem Grund dieser negativen Entwicklung, erhält man fast immer die gleiche Antwort: »Die steigende Zahl von alten Menschen in unserem Land trägt zu dieser statistischen Entwicklung bei.« Auf den ersten Blick erscheint dieses Argument ganz logisch, trifft aber in der Realität nicht zu. Betrachtet man die gesamten statistischen Daten etwas genauer, fallen sofort einige gewichtige Gegenargumente auf. Spanien (23,8 %), Italien (21,5 %) und Griechenland (20,2 %) erscheinen in der Rangfolge der Statistik weit unten. Vergleicht man dies nun mit den anderen zur Verfügung stehenden statistischen EU-Daten zur Entwicklung des durchschnittlichen Lebensalters in Europa, sieht man dort einen völlig gegenläufigen Trend. Rund um das Mittelmeer werden die Menschen überall wesentlich älter als in Deutschland.

In puncto Lebensalter nehmen Italien und Griechenland sogar europäische Spitzenpositionen ein. Auch die genauere Auswertung der bereits erwähnten Eurostat-Daten zeigt, dass bereits 12,4 Prozent der Jugendlichen in Deutschland an chronischen Krankheiten leiden. In der Altersgruppe 35 bis 44 Jahre sind es 27,1 Prozent und bei den Menschen zwischen dem 45. und 54. Lebensjahr sind bereits 40 Prozent chronisch krank. Wertet man alle bekannten Daten zu diesem Themenkomplex unvoreingenommen aus, kommt man unwillkürlich zu anderen möglichen Ursachen. Da wären vor allem Klima, Lebensweise und Ernährung. Möglicherweise spielt aber auch ein höherer Pro-Kopf-Verbrauch an Medikamenten eine Rolle. Auch diese Zahlenwerte weisen für die mediterranen Länder niedrigere Werte aus als für Deutschland. Daran haben bisher auch alle politischen Senkungs- und Deckelungsmaßnahmen der Medikamenten-Etats nicht viel geändert. Ohne diese Maßnahmen wäre der Pro-Kopf-Verbrauch in unserem Land noch deutlich höher.

Neben den speziellen Gesundheitsproblemen, die sich für chronisch Kranke durch ihre jeweiligen Krankheitssymptome ergeben, haben alle auch ein gemeinsames Gesundheitsrisiko, das nicht zu unterschätzen ist. Es ist das körpereigene Immunsystem, die natürliche Schutzfunktion für jeden Organismus. Dieses komplexe System wird stets dann belastet, wenn ein Mensch krank wird. Nach abgeschlossener Heilung erholt es sich meist rasch wieder und ist voll einsatzfähig. Bei chronisch Kranken wird es aber permanent beansprucht und ist alleine nicht in der Lage, die jeweilige Krankheit stark genug zu bekämpfen. Kommen nun durch Toxine oder andere schädigenden Stoffe weitere Belastungen hinzu, besteht die Gefahr eines völligen Versagens. Dieses Problem besteht natürlich auch für besonders junge und alte Menschen. Bei Kleinkindern entwickelt sich das Immunsystem erst noch, im Alter reagiert es langsamer. Man kann also ohne Übertreibung davon ausgehen, dass auch bereits leichtere Vergiftungen für mehr als die Hälfte unserer Bevölkerung zum gefährlichen Gesundheitsrisiko werden können. Häufig wird diese Problematik von den behandelnden Ärzten nicht in vollem Umfang gewürdigt. In den meisten Fällen sind aber nicht die Ärzte dafür verantwortlich, sondern die Patienten selbst. Der Trend, neben dem Hausarzt auch einen Heilpraktiker oder anderen alternativen Therapeuten zu konsultieren, setzt sich in Europa immer stärker durch. Da jeder der solcherart behandelnden Therapeuten seine eigene Therapierichtung verfolgt, verordnet er danach auch seine Arzneien und anderen Therapiemittel. Da die alternativen Arzneien meist mit den Attributen »risikolos« und »ohne Nebenwirkungen« versehen sind, werden sie vom Patienten auch nicht als Medikament eingestuft. Fragt dann der Hausarzt: »Nehmen Sie noch andere Medikamente ein?«, lautet die Antwort meist »Nein«. So kann es dann dazu kommen, dass ein Patient zweimal den gleichen Wirkstoff verordnet bekommt oder sogar zwei verschiedene, die sich gegeneinander aufheben. Ähn liches gilt auch, wenn Patienten neben den verordneten Arzneien zusätzlich noch sogenannte Nahrungsergänzungen zu sich nehmen. Wie bereits zuvor erwähnt, enthalten viele dieser Produkte nicht deklarierte Substanzen, die zu völlig unerwarteten Wirkungen führen können.

Selbst unsere tägliche Ernährung kann großen Einfluss auf die Wirkung von Arzneien und den Verlauf von Therapien haben, ohne dass dies in der Allgemeinheit im Detail umfassend bekannt ist. Der seit Jahrhunderten bekannte und auch heute noch von der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) und den meisten Ernährungsberatern propagierte Allgemeinplatz »Esst mehr Obst, und ihr bleibt gesund« wird von neuen wissenschaftlichen Untersuchungen ad absurdum geführt. Diese neuen Erkenntnisse zeigen für chronisch Kranke und alle Patienten, die in einer Medikamenten-Therapie stecken, ganz besondere Gefahren auf. So ergab eine Studie im Jahr 2004, dass zahlreiche Nahrungsmittel die Wirkungen von mehr als 25 Medikamenten beeinflussen können. Nimmt man diese Nahrungsmittel und Medikamente gleichzeitig zu sich, kommt es zu Wechselwirkungen der unterschiedlichsten Inhalts- und Wirkstoffe, die erst zu einem kleinen Bruchteil erforscht sind. Besonders auffällig stachen den Wissenschaftlern dabei die Werte für Grapefruit ins Auge. Diese Frucht ist auch als Pampelmuse bekannt. Der allseits gelobte Vitamin-C-Lieferant kann in Kombination mit bestimmten Arzneimitteln sogar lebensbedrohliche Symptome auslösen. So sind zum Beispiel Diabetiker besonders gefährdet. Nehmen sie viel Grapefruit zu sich, als Obst oder in Saftform, steigt ihr Bedarf an Insulin stark an. Sie müssen also wesentlich mehr Insulin spritzen als ohne Grapefruit im Körper. Das kann so weit gehen, dass eine komplett neue Einstellung des betroffenen Patienten erforderlich wird.

Seit Jahren werden der Grapefruit nur zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. So ist es auch weiter nicht verwunderlich, dass es inzwischen mehrere Pülverchen und Kapseln mit Grapefruit-Konzentrat als Nahrungsergänzung im Handel gibt. Einige der positiven Wirkungen wie etwa als Radikalenfänger, Cholesterinsenker und Regulator für den Blutzuckerspiegel sind in mehreren Studien nachgewiesen worden und dienen seit Jahren als gute Verkaufsargumente. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass ein Nachweis positiver Eigenschaften das erklärte Ziel dieser Studien war. Somit war bereits der Studienaufbau genau auf diese Entdeckung möglicher positiver Wirkungen abgestimmt. In jüngster Zeit mehren sich wissenschaftliche Untersuchungen von Nahrungsmitteln in Bezug auf mögliche Schadstoffe oder schädigende Wirkungen. Im Rahmen dieser Studien wurde im Jahr 2007 eine weitere gesundheitlich negative Nebenwirkung der Grapefruit entdeckt. US-Forscher untersuchten an den Universitäten von Südkalifornien und Hawaii mehr als 50 000 ältere Frauen nach der Menopause. Sie alle verzehrten täglich mindestens ein Viertel einer Grapefruit. Im Rahmen dieser großangelegten Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Inhaltsstoffe der Grapefruit ein Molekül im Organismus blockieren, das am Stoffwechsel von Östrogen beteiligt ist. Diese Stoffwechselveränderung löst weitere Vorgänge im Körper aus, die unter anderem auch das Brustkrebsrisiko erhöhen. Nach Aussagen der im »British Journal of Cancer« (doi: 10.1038/sj.bjc.6603880) veröffentlichten Studienergebnisse kann sich das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um bis zu einem Drittel erhöhen.

Bei folgenden Medikamentengruppen ist inzwischen eine verstärkte Wirkung durch Grapefruit bekannt:

AntiepileptikaAntibiotikaCholesterinsenkerImmunsupressivaMedikamente gegen Angina pectorisMedikamente gegen Depressionen und AngstzuständeMedikamente gegen hohen Blutdruck, HIV/AidsMedikamente gegen Krebs, HerzrhythmusstörungenNeuroleptika/AntipsychotikaPotenzmittel wie Viagra

Mit dem heutigen Wissen um diese Problematik im Zusammenspiel von Nahrungsmitteln und Arzneien müsste eigentlich auf allen Beipackzetteln von Medikamenten auch ein Warnhinweis für diejenigen Lebensmittel stehen, die zu Veränderungen der medizinischen Wirkungen führen können. Das ist aber leider nicht der Fall. Stattdessen wird von vielen Institutionen und Ärzten weiterhin pauschal Obst und Gemüse als gesunde Kost für Kranke empfohlen.

Inzwischen bekannte Wechselwirkungen zwischen Nahrungsmitteln und Medikamenten

Alkohol mit Antidepressiva, Beruhigungs- und SchlafmittelnKoffeinhaltige Getränke mit AntibiotikaMilch und Milchprodukte mit Antibiotika