Wilder Sommer - Fiona Wood - E-Book

Wilder Sommer E-Book

Fiona Wood

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Beschreibung

Seit Sibylla denken kann, steht sie im Schatten ihrer besten Freundin Holly. Aber als sie zufällig das Gesicht einer Werbekampagne wird, interessieren sich auf einmal alle für sie. Sogar Ben, für den sie schon lange schwärmt. Doch da ist auch noch Michael, Sibs Freund aus Kindertagen, der ganz offensichtlich in sie verliebt ist. Und sich auf einmal großartig mit Lou versteht, die neu in der Klasse ist. Es braucht einen ganzen Sommer, bis Sib herausfindet, wer ihre Freunde sind und wer sie wirklich ist.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 420

Veröffentlichungsjahr: 2014

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DIE AUTORIN

Foto: © Daniel Johns

Fiona Wood schreibt sowohl Drehbücher als auch Jugendbücher, für die sie schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit ihrer Familie in Melbourne, Australien. »Mein wilder Sommer« ist ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.

FIONA WOOD

WILDER

SOMMER

Aus dem australischen Englisch

von Katarina Ganslandt

cbt ist der Jugendbuchverlag in der

Verlagsgruppe Random House

1. Auflage 2014

Erstmals als cbt Taschenbuch Mai 2014

Gesetzt nach den Regeln der Rechtschreibreform

© 2014 für die deutschsprachige Ausgabe:

2014 cbt Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten

Copyright © 2013 by Fiona Wood

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem

Titel »Wildlife« bei Pan Macmillan Australia Pty Limited

Aus dem australischen Englisch von

Katarina Ganslandt

Textlektorat: Anja Galić

Umschlaggestaltung: bürosüd, München,

www.buerosued.de,

unter Verwendung eines Motivs von

© GettyImages/Dan Wilton

TP · Herstellung: kw

Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach

ISBN: 978-3-641-13397-9

www.cbt-jugendbuch.de

Für AJW

Boys and girls come out to play,

The moon doth shine as bright as day

(…)

WILLIAM KING (1708)

Sib

In den Ferien vor der Fahrt ins Outdoor-Camp unserer Schule (neun Wochen, vor denen ich den totalen Horror hatte) passierten zwei Dinge, die ich niemals für möglich gehalten hätte:

Mitten im Stadtzentrum von Melbourne prangte mein Foto auf einer zwanzig Meter hohen Plakatwand an der St Kilda Junction.

Und ich küsste Ben Capaldi.

Meine Patentante, die für eine große Agentur in New York Werbekampagnen produziert, kehrt mindestens zwei Mal pro Jahr nach Melbourne zurück, um ihre Familie und ihre alten Freunde zu besuchen.

Eigentlich heißt sie Bebe, aber wir nennen sie immer nur Beeb. Weil sie keine eigenen Kinder hat, bin ich quasi so etwas wie eine Ersatztochter für sie, an der sie ihre Mutterinstinkte auslebt. Wir sehen uns zwar nicht besonders oft, aber wenn, dann heißt es: Quality Time! Und Qualitätsgeschenke. Mit fünf hat sie mich in den weltberühmten Spielzeugladen FAO Schwarz mitgenommen, wo ich eine Babypuppe adoptieren durfte. Die haben dort ein »Adoptionszentrum«, das wie eine Säuglingsstation eingerichtet ist und in dem die Verkäuferinnen aussehen wie Kinderkrankenschwestern. Beeb hat damals Fotos von mir gemacht, die ich stolz in meiner Klasse herumzeigte.

Zu der Zeit fingen Holly und ich gerade an, uns anzufreunden. Als sie meine Puppe sah, die Meggy MacGregor hieß und ein Babyfläschchen, echte Windeln, Designerkleidchen, eine Geburtsurkunde und einen Kindersitz fürs Auto hatte, war Holly sichtlich hin- und hergerissen zwischen hasserfülltem Neid und neidischer Bewunderung. Zu meinem Glück gewann an diesem Tag die neidische Bewunderung. Holly ist eine gute Freundin, aber ehrlich gesagt möchte ich sie lieber nicht zur Feindin haben.

Das mit der Plakatwand kam so:

Wir saßen bei köstlich duftendem Zitronen-Mohn-Kuchen und Tee gemütlich im Strandhaus, überlegten, ob wir gleich die Neoprenanzüge rausholen sollten, um im eisigen Ozean das erste Bad des Jahres zu nehmen, und fragten uns, ob Haie wohl bevorzugte Fressenszeiten haben. Ich lag auf dem Boden und hatte die Füße auf einem Sessel abgestützt, damit meine frisch dunkelviolett (Titanium) lackierten Zehennägel ungestört vor sich hin trocknen konnten.

Den »Othello«, den wir für die Schule lesen sollten, hatte ich zugeklappt, um mich zwischendurch bei einer Runde Angry Birds zu entspannen. Meine Schwester Charlotte, die dreizehn ist (also im schlimmsten Alter), lachte übertrieben laut über eine SMS und hoffte, dass irgendjemand sie fragen würde, was so lustig sei. Dad brütete über einem Kreuzworträtsel und Mum beantwortete am Laptop Mails, obwohl sie Urlaub hatte. Als ich sie daran erinnerte, was der eigentliche Sinn und Zweck von Urlaub ist, sagte sie bloß: »Geschlechtskrankheiten kennen keine Ferien.«

Urgs.

Früher war Mum ganz normale Allgemeinärztin, bis sie irgendwann ein komisches Fortbildungsseminar nach dem anderen machte und anfing, sich gesundheitspolitisch zu engagieren. Mittlerweile wacht sie als Leiterin der Klinik für sexuell übertragbare Krankheiten in Fitzroy darüber, dass sich die diversen Geschlechtskrankheiten, die es auf unserem Planeten so gibt, nicht ungehindert ausbreiten können.

Ich nehme an, jeder wird mir zustimmen, dass es keinen peinlicheren Arbeitsplatz für eine Mutter geben kann.

Außer natürlich Holly, aber für die gibt es ja auch nichts Schöneres, als im Mittelpunkt zu stehen – egal aus welchen Gründen. Am letzten Schultag vor den Ferien waren wir bei Mum in der Klinik, weil wir dringend Extrageld für ein paar Kugeln Eis brauchten, um Energie fürs Shoppen zu tanken. Als wir nach erfolgreicher Mission aus dem Gebäude kamen, ging gerade eine alte Frau vorbei, die uns einen zutiefst angewiderten Blick zuwarf. »Was denn?«, rief Holly ihr hinterher. »Immerhin lassen wir uns behandeln.«

Beeb saß in einer Ecke des Kuschelsofas mit dem inzwischen ziemlich ausgebleichten bunten Paisleymuster, das sie vor ungefähr zehn Jahren so toll fand, dass sie Mum dazu überredet hat, es zu kaufen, und scrollte auf der Website einer Modelagentur durch die Sedcards. »Unscheinbar, nichtssagend, langweilig, tussig, magersüchtig, gewöhnlich …« Sie stöhnte und streckte ihre in einer schwarzen Skinny-Jeans steckenden Beine aus. »Wo sind nur die ganzen interessanten Mädchen?«

»Ihr beide wart die letzten eurer Art«, sagte Dad. »Danach ist die Gussform kaputtgegangen, in der sie euch gemacht haben.« Dads Versuche, charmant zu sein, gehen meistens nach hinten los.

»Vielen Dank«, brummte ich, weil er mir anscheinend noch nicht einmal zugestand, interessant auszusehen.

Offenbar hatte sich das beleidigter angehört als beabsichtigt, denn als ich von meinem Handy aufschaute, waren alle Augen auf mich gerichtet, was ziemlich bedrohlich wirkte, weil ich ja auf dem Boden lag und alles aus der Froschperspektive sah. Ich nahm die Beine vom Sessel, setzte mich aufrecht hin und hatte plötzlich das Gefühl, als wären lauter grell blinkende Neonpfeile auf mich gerichtet. Sie guckten – ach was, starrten – mich alle immer noch an. In dem Moment bereute ich es, überhaupt etwas gesagt zu haben, weil ich ahnte, dass Mum bestimmt gleich einfallen würde, dass ich die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt hatte. Und wer Zeit hatte, Angry Birds zu spielen, der hatte ihrer Meinung nach erst recht Zeit, zu beweisen, dass er begriffen hatte, was es bedeutete, Teil einer Familie zu sein, in der jedes Mitglied seinen Beitrag leisten … blabla.

Beeb sprang vom Sofa auf. »Komm mal ans Licht, Sybilla.« Sie führte mich zum Fenster, wo sie mich an den Ellbogen fasste, ein Stück von sich weghielt und mit gerunzelter Stirn und zusammengekniffenen Augen musterte. »Was ist mit deinen Pickeln passiert?«

»Das Zeug heißt Roaccutan«, sagte ich. »Ich hatte total ausgetrocknete Haut, trockene Augäpfel und praktisch keine Spucke mehr.«

»Bis ihr Hautarzt die Dosis angepasst hat«, warf Mama Doc ein.

»Und was ist aus dem Drahtverhau in deinem Mund geworden?«, fragte Beeb.

»Die Spange ist seit letzter Woche draußen.« Ich fuhr mit der Zungenspitze über meine Zähne, die sich immer noch ungewohnt glatt anfühlten.

»Setz mal die Brille ab …«

Ich gehorchte.

»Meine Güte, du siehst umwerfend aus. Wieso fällt mir das erst jetzt auf?« Später nannte sie das ihren Heureka-Moment.

»Vielleicht liegt es daran, dass du erst jetzt mein Antlitz in deinem Geist erkannt hast«, antwortete ich mit einem leicht abgewandelten Zitat aus »Othello«.

»Gut möglich, meine Süße.« Beeb nickte nachdenklich.

»Aber sie hat immer noch ihre Hexennase«, bemerkte Charlotte gehässig.

»Ihre Nase ist völlig okay«, sagte mein Vater, der bis heute nicht begriffen hat, dass »okay« in solchen Zusammenhängen praktisch einer Beleidigung gleichkommt.

»Ja, wenn man auf Nasenbären steht, was aber leider niemand tut«, musste Charlotte noch einen draufsetzen.

»Sie hat Charakter«, sagte Beeb. »Und genau so ein Mädchen suche ich.«

»Von wem redest du? Etwa von ihr? Von meiner Schwester? Von Sibylla Quinn?« Charlottes Stimme wurde vor wachsender Fassungslosigkeit immer schriller. »Hallo? Die ist ja wohl der volle Gollum!«

»Also, jetzt reicht es aber. Dass Sybilla dick ist, kann man nun wirklich nicht behaupten«, schaltete sich meine Mutter ein, die popkulturell noch nie so wirklich auf dem Laufenden war. Wir sprechen hier von einer Frau, die ihre SMS und Mails jahrelang mit »lol« unterschrieben hat, weil sie das für eine Abkürzung von »lots of love« hielt, bis ich sie vor ein paar Jahren gnädigerweise aufgeklärt habe.

»Ich suche keine hübschen, austauschbaren Klone«, sagte Beeb. »Ich suche Individualität. Ich suche Einzigartigkeit!«

»Wofür?«

»Den Launch eines neues Parfums. Jeune Femme Sauvage. Print- und Plakatwerbung.« Sie ging zum Sofa zurück, wühlte in der aktuellen Designerversion ihrer Zaubertasche, in der praktisch ihre gesamte Büroeinrichtung Platz findet, und zog ihr Handy heraus. »Perfekt«, sagte sie, nachdem sie ein paar Bilder von mir geschossen hatte und sie auf dem Display betrachtete. »Gott, du siehst aus wie deine Mum!«

»Alt und müde? Das arme Kind«, entgegnete meine Mutter trocken.

Wir sahen zu ihr rüber. Mum hat eine hohe Stirn, eine knochige Nase und einen großen Mund (passend zu ihrer großen Klappe). Ihre glatten schulterlangen Haare trägt sie seitlich gescheitelt. Wir haben die gleiche Haarfarbe: Mausbraun. Wobei sie Rattenbraun dazu sagt, was sie selbst immer wahnsinnig witzig findet. Mum hat ein umwerfendes, ansteckendes Lächeln. Und in diesem Moment lächelte sie.

Beeb machte schnell noch ein Foto von ihr und mir zusammen, auf dem wir beide lächeln. Obwohl ich nicht alt und müde aussehe, muss ich zugeben, dass wir uns tatsächlich ziemlich ähneln.

Mum umarmte mich und flüsterte mir ins Ohr: »Spülmaschine.«

Lou

Freitag, 28. September

Nach Freds …

Samstag, 29. September

Nach Freds Tod …

Sonntag, 30. September

Nach Freds Tod war ich abwechselnd wie betäubt, weil ich es einfach nicht glauben konnte, rotierte im Chaos oder lag bei der Psychotherapeutin auf der Couch.

Schreib Tagebuch, Lou, riet mir meine Therapeutin, die Esther hieß. Wie wäre es, wenn du Tagebuch schreibst, Lou, denk doch mal darüber nach, Tagebuch zu schreiben, Lou, warum schreibst du nicht Tagebuch …

Mittlerweile sind wir in der Phase, wo die Therapie allmählich ausläuft und ich ganz langsam auf den nächsten Schritt vorbereitet werde, der darin bestehen wird, wieder zur Schule zu gehen. Wer glaubt, man könnte eine Therapie einfach so von einem Tag auf den anderen beenden, ist auf dem Holzweg. Davon wird sogar dringend abgeraten. Und zwar ganz egal, wie oft und heftig man den Wunsch verspürt, alles hinzuwerfen.

An der Schule werde ich die »Neue« sein und ganze neun Wochen mit lauter mir unbekannten Mitschülern der zehnten Klasse in einem Outdoorcamp zusammenwohnen. Mitten in der Wildnis. Aber auch dort gibt es eine Schulpsychologin, die mich betreuen wird. Ihren Namen kenne ich noch nicht.

Während der Therapie war ich hauptsächlich wütend, was möglicherweise eine Verlagerung meiner Schuldgefühle/Trauer/Depression wegen Fred war. Wobei von einer Depression im landläufigen Sinn nie die Rede gewesen ist, weil … Na ja, mal ehrlich: Wenn irgendjemand Grund hat, deprimiert zu sein, dann ja wohl ich, oder?

Vielleicht bringt Esthers Tipp mit dem Tagebuchschreiben wirklich was. Sie kennt sich aus. Immerhin ist sie als Psychotherapeutin auf Trauerbewältigung bei Jugendlichen spezialisiert.

Jedenfalls habe ich beschlossen, es mal damit zu versuchen.

»Wenn du nicht über deine Gefühle schreiben willst, kannst du auch einfach über das schreiben, was dich umgibt. Über die Welt um dich herum, über das, was du siehst und hörst … Situationen, Gedanken, Beobachtungen.«

Dann muss ich mich also nicht selbst zerfleischen und ganz, ganz langsam an den messerscharfen Kanten des Papiers mit Millionen hauchfeinen Schnitten zu Tode schlitzen? Puh. Vielen Dank, das ist eine echte Erleichterung.

Ganze Nächte lang tue ich nichts anderes, als zu warten. Worauf eigentlich?

Man könnte sagen, dass ich zu lange zu viel allein war. Vielleicht ist es ja wirklich an der Zeit, Zwiesprache mit einem zusammengehefteten Haufen von Blättern zu führen, mich dem Buch mit den sieben Siegeln anzuvertrauen, dem heiligen Buch, dem Logbuch des Lebens, dem Universalwörterbuch, dem – Trommelwirbel bitte – Tagebuch. Letzten Endes ist das zwar auch nichts anderes als eine Fortführung meiner Selbstgespräche, aber das ist schon okay, weil mein Herz eine von Traurigkeit kontaminierte Zone ist, zu der außer mir sowieso niemand anderes Zutritt hat.

Und stirbt er einst, so nimm ihn, zerteil in kleine Sterne ihn. Er wird des Himmels Antlitz so verschönen, dass alle Welt sich in die Nacht verliebt.

Kaum zu glauben, dass das wirklich von einem Mann geschrieben wurde. Es klingt so zart. Ich kann ihre ausgelassen-verliebte Schwärmerei, die ja fast etwas Größenwahnsinniges hat, so gut nachvollziehen. Wie Julia sich in Gedanken lachend mit dem abwesenden Geliebten im Kreis dreht. Wenn man die Textstelle für die Schule interpretieren müsste, würde man wahrscheinlich schreiben, dass sie als Vorwegnahme von Romeos Tod gedeutet werden könnte. Als Vorzeichen.

Ich liebe den Rhythmus und den Klang, den weichen Schsch-Laut von »Sterne«. Man stelle sich die Wörter geflüstert vor, hastig auf dickes, stockfleckiges Papier geworfen mit klecksender, leicht teerig riechender schwarzer Tinte. Dass dieses fein gesponnene Bild eine so bedeutungsträchtige Botschaft in sich birgt, erscheint mir gewagt. Es ist, als könnte es jeden Augenblick explodieren.

Aber ohne Gefahr und Risiko keine Liebe, stimmt’s?

Esther habe ich von all dem exakt null Komma null erzählt.

Fred und ich haben darüber gesprochen, so wie wir immer über alles gesprochen haben, und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir noch zu jung sind, um miteinander zu schlafen. Und dann haben wir es getan.

Weil der Kopf natürlich gesagt hat: Hm, vielleicht keine so gute Idee. Aber die Seele sagte: Ich kenne dich. Und der Körper rief: Komm her. Und damit stand es zwei gegen einen.

Aber, hey, immerhin waren wir älter als Romeo und Julia.

Fred hat die Recherche übernommen, weil er so etwas als geborener Wissenschaftler gern machte. Er fand heraus, dass der Unsicherheitsfaktor von Kondomen hauptsächlich auf unsachgemäße Verwendung oder Lagerung zurückzuführen ist. Wir beschlossen, uns die Pille danach zu besorgen, falls doch etwas schiefgehen sollte, nahmen uns aber vor, dass das nicht passieren würde, was es dann auch nicht tat. Die Kondome haben wir immer abwechselnd gekauft. Möglichst weit weg von zu Hause.

Hätte ich die Pille gewollt, wären lange Diskussionen mit meinen Müttern unvermeidlich gewesen, auch wenn sie letztlich verständnisvoll und tolerant reagiert hätten. Dazu hätten sie mir ungefähr drei Millionen Warnungen und Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben und ich hätte zu unserer Hausärztin gemusst. Nein danke. Die Vorstellung, die drei würden – wenn auch nur metaphorisch gesprochen – währenddessen um unser Bett herumstehen, hätte ich gruselig gefunden. Natürlich hätte ich auch zu irgendeiner anderen Frauenärztin gehen können, aber ich hatte keine Lust, mir Vorträge anzuhören.

Kondome können reißen, falls man sie zu unsanft überstreift oder das Mädchen noch nicht »bereit« ist. Ich finde, das klingt ziemlich traurig. Mehr nach Vergewaltigung als nach Liebe. Bei uns war das nicht so. Wir waren ganz flüssige Leidenschaft und Verlangen. Es hat Spaß gemacht, weil wir beide blutige Anfänger waren, die gemeinsam etwas Neues entdeckten. Eine einmalige Erfahrung, wie sie sich im Leben nie mehr wiederholen lässt. Natürlich hat es eine Weile gedauert, bis wir den Dreh raushatten. Immerhin mussten wir eine ganz neue Sprache lernen.

Es passierte an einem Nachmittag. Wenn wir gefragt hätten, ob wir mal ein paar Tage zusammen wegfahren dürfen, hätten unsere diversen Eltern und Freds Stiefmutter besorgt die Stirn gerunzelt und sich erst einmal zu langwierigen Beratungsgesprächen zurückgezogen.

Aber so trafen wir uns einfach nur ein paarmal pro Woche nach der Schule, um Hausaufgaben zu machen, und verbrachten die Wochenenden zusammen. Kein Problem. Abgesehen davon haben wir ja wirklich auch Hausaufgaben gemacht. Unsere Lust darauf, Dinge zu lernen und zu ergründen, war genauso groß wie unsere Lust aufeinander. Wir waren zwei kauzige Nerds, die einander gesucht und gefunden hatten. Wir hatten echt Glück. Das muss man wirklich sagen.

Jetzt sitze ich hier auf gepackten Koffern, bereit, in die viktorianischen Alpen ins ach so tolle Mount-Fairweather-Camp zu fahren, wo ich zusammen mit anderen fröhlichen jungen Menschen lernen werde, Berge zu erklimmen, mich in der Wildnis zu behaupten, die Himmelsrichtungen zu bestimmen und Lagerfeuer zu bauen, um Marshmallows zu grillen. Heißa!

Esther behauptet, dass mir das guttun wird. Sie hat sogar gesagt, dass es mir unglaublich guttun wird. Aber offen gestanden habe ich keine Ahnung, was mir daran guttun soll, mit einer Horde gestylter Privatschulkids in den Bergen festzuhocken.

Dan, Estelle und Janie nehmen dieses Quartal an einem Schüleraustauschprogramm mit Frankreich teil. Sie sind schon letzte Woche nach Paris geflogen. Wieder Tränen. Wieder wird alles auseinandergerissen.

Dans Therapeut hat gesagt, dass ihm das guttun wird. Möglicherweise hat er ja sogar gesagt, dass es ihm unglaublich guttun wird. Bei Paris stimmt das vielleicht sogar.

Ich versuche, in der Gegenwart zu leben, kann aber nicht behaupten, dass das sonderlich gut funktioniert.

In der Wand ist ein Fenster. Vor dem Fenster hängt ein Vorhang. Hinter dem Fenster scheint der Mond. »Du kannst auch einfach irgendwelche zusammenhanglosen Gedanken in dein Tagebuch schreiben, wenn du willst, trotzdem schaffst du dadurch eine Verbindung mit dem Papier und damit zumindest mit der Idee, etwas zu kommunizieren.« Hm, ja klar.

Manchmal werde ich an dich schreiben, Fred, und manchmal an mich selbst. Manchmal werde ich auch einfach aufschreiben, was ich sehe. Wenn ich zum Beispiel eine Mondsichel am sich verdunkelnden Himmel sehe … dann sehe ich sie für dich mit.

Sib

Es brauchte jede Menge Überzeugungsarbeit – hauptsächlich was Mum betraf –, um mich vom Wohnzimmerteppich unseres Ferienhauses auf die Plakatwand in der City zu bringen. Beeb wusste aber genau, welche Knöpfe sie bei meiner Mutter drücken musste, um ihr Okay zu bekommen, und in diesem Fall gelang es ihr mit folgenden vier Argumenten:

Ich werde die ganze Zeit dabei sein und auf sie aufpassen.

Auf den Fotos wird sie sowieso niemand erkennen.

Der Look der Kampagne geht in Richtung ›elfenhaft‹, nicht ›sexy‹.

Sie kann das Honorar für ihre Reisekasse verwenden.

Mum und Dad ließen sich von den ersten drei breitschlagen, mich überzeugte vor allem das letzte. Mit Geld kann man meine Eltern nicht locken, mich dagegen schon. Ich kann gar nicht genug davon kriegen. Und hier ging es um richtig viel Geld, weil es eine weltweite Werbekampagne war. (Ich müsste alle Kleinkinder, die ich zurzeit babysitte, bis ins hohe Greisinnenalter betreuen, um bei zwölf Dollar die Stunde auch nur annähernd so viel zu verdienen.)

Die Reisekasse habe ich, seit ich bei meinen Eltern vor Jahren in zähen Verhandlungen durchsetzen konnte, dass ich während der »Schoolies Week« nach der Abschlussprüfung nicht wie die meisten australischen Jugendlichen nach Byron Bay fahre und dort Party mache, sondern stattdessen auf Beebs Apartment in New York aufpasse (Upper West Side, nur zwei Blocks von Zabar’s entfernt, dem coolsten Supermarkt der Welt – verhungern werde ich also schon mal nicht), während sie hier in Melbourne auf Heimatbesuch ist. Allerdings habe ich, weil ich zwischendurch immer wieder für lebenswichtige Anschaffungen Geld abheben musste, durch Babysitten und Ferienjobs bis jetzt erst dreihundert Dollar zusammen, was ein Bruchteil von dem ist, was das Flugticket kosten wird.

Aber auch nachdem Mum ihre Einwilligung gegeben hatte, war sie nicht gerade begeistert von der Werbeplakataktion.

Als ich mit gefärbten Haaren nach Hause kam, kriegte sie fast einen hysterischen Anfall.

Beeb schaffte es, sie wieder halbwegs zu besänftigen, indem sie ein paar Schlagzeilen erfand, um sie zum Lachen zu bringen.

»Neue Studie enthüllt, dass Haarfärbemittel nicht die Fähigkeit zum kritischen Denken wegätzt!«

»Sensation: Junge Feministin überlebt professionelles Augenbrauen-Waxing!«

»Make-up: Es lässt sich abwaschen!«

»Es ist nämlich so«, erklärte Beep mir, »dass das, was wir heute mit dir angestellt haben, in unserer Jugend praktisch als Kapitalverbrechen galt.«

Als würde ich dank Mum nicht sowieso jede feministische Parole unter der Sonne auswendig kennen und wäre nicht selbst eine überzeugte Feministin – jedenfalls, wenn es die Umstände erfordern und ich in der Stimmung bin, mich dazu zu äußern.

»Ich bin die Einzige in unserem ganzen Jahrgang, die noch ihre natürliche Haarfarbe hat«, verteidigte ich meine neuen Haare.

»Hatte«, korrigierte Mum mich mit hochgezogenen Augenbrauen.

Im Studio des Fotografen fand eine sogenannte »Look-Probe« statt, während der sich Beep mit der Stylistin beriet, die sich wiederum mit dem Frisör und der Visagistin besprach, die ihrerseits eine Farbexpertin auf Standby hatten. Sie redeten über Farben, die gelayert werden müssten, über Textur und Balayage-Technik. Wenn man ihnen so zuhörte, hätte man fast meinen können, meine Haarfarbe wäre von globaler Bedeutung. Wobei ich zugeben muss, dass das Endergebnis ziemlich beeindruckend war, denn obwohl meine Haare mit mindestens zehn verschiedenen Farbtönen bearbeitet worden waren, von denen jeder einzelne mit einem Pinsel aufgetragen und in Folie verpackt worden war, sahen sie eigentlich nicht wirklich anders aus als vorher, außer dass sie so irre glänzten, als wäre eine ganze Armada von Bühnenscheinwerfern auf sie gerichtet.

Aber bis es so weit war, langweilte ich mich fast zu Tode. Die gesamte Prozedur, während der auch verschiedene Make-up-Looks ausprobiert wurden, dauerte einen ganzen Tag. Allerdings machte Charlottes Gesicht, als ich nach Hause kam, all die Qualen, die ich erdulden musste, wieder wett. Sie wurde nämlich grün vor Neid.

»Du siehst überhaupt nicht mehr aus wie du selbst«, war das Einzige, was sie hervorpresste, bevor sie sich in ihr Zimmer verzog.

Nachdem ich vor den anderen noch so getan hatte, als wäre das alles keine große Sache, lief ich nach oben, schloss mich im Bad ein und konnte nicht mehr aufhören, mich im Spiegel anzustarren. Ich sah umwerfend aus. Und Charlotte hatte zum ersten Mal in ihrem erbärmlichen kleinen Leben recht: Ich sah überhaupt nicht mehr aus wie ich selbst, sondern ein bisschen so, als wäre ich eine Leinwand, auf die jemand ein Kunstwerk gemalt hätte.

Ich blinzelte. Im einen Moment sah ich im Spiegel mich selbst, im nächsten nur diese wunderschöne Maske, die aussah wie jemand, der fünf Jahre älter war als ich. In einem Horrorfilm wäre das jetzt die Szene, in der meine Psychose ausbrechen und die Maske anfangen würde, mit mir zu reden und sich mir als mein wahnsinnig gewordenes älteres Ich vorzustellen … oder so ähnlich. Mir lief es kalt über den Rücken. Plötzlich bekam ich Angst vor mir selbst, band mir die Haare zum Pferdeschwanz und drehte den Wasserhahn auf.

Das Shooting fand kurz vor Ferienbeginn statt und einen Tag vor unserer Abreise nach Mt. Fairweather wurde das Plakat aufgehängt.

»Der Zeitplan ist echt scheißeng. Ein Karpfenarsch ist nichts dagegen«, sagte Beeb, die manchmal eine ziemlich drastische Ausdrucksweise hat, was angeblich daran liegt, dass sie zu viel Zeit mit diversen, raue Umgangsformen pflegenden Foto- und Filmcrews verbringt.

Sobald das Plakat hing, tauchte auch schon ein Beweisfoto bei Facebook davon auf. Holly postete es, kaum dass der Kleister getrocknet war, und mit nur einem Mausklick verwandelte ich mich von einer Zehntklässlerin, die niemand kennt, in eine, die alle kennen wollen.

Als das Bild kurz darauf ein paarmal geteilt und kommentiert war, zog Holly ein paar Strippen und in meinem Postfach landete prompt eine Einladung zu Laura Jenkins’ Party, die noch am selben Abend stattfand. Holly hatte mir zwei Wochen vorher davon erzählt, weil sie weiß, dass ich zumindest gern über die Events informiert bin, auf deren Gästeliste ich nicht stehe. Jetzt stand ich auf einmal doch drauf. Ich klickte auf »teilnehmen« (zum Teufel – ich hatte sowieso nichts Besseres vor) und klappte gerade den Laptop zu, als Mum ins Zimmer kam, um nachzusehen, wie weit ich mit Packen war.

»Sib, Liebes?« Sie betrachtete stirnrunzelnd mein fettes, blutrotes, multi-funktionales Schweizer Offiziersmesser. »Warum nimmst du eine Waffe mit?«

»Das ist keine Waffe, sondern mein Schlüssel zum Überleben.«

Sie schüttelte lachend den Kopf. »Du tust ja gerade so, als würde ich dich in die Steinzeit zurückschicken.«

»Genau so fühlt es sich auch an.« Ich gab meinem Handy einen wehmütigen Kuss. »Lebwohl, mein Herz! Mein Leben!«

»Neun Wochen lang keine einzige SMS tippen!«, spottete Mum mit gespieltem Entsetzen. »Hoffentlich fallen dir vor lauter Unterbeanspruchung nicht die Daumen ab.«

»Die werden trotzdem genug zu tun haben. Zum Beispiel beim täglichen Holzhacken.«

»Versprich mir, dass du ganz oft schreibst.«

»Müssen wir doch sowieso. Elternbriefe gehören zum Pflichtprogramm. Aber keine Sorge, ich würde euch auch so schreiben. Außerdem sagen alle, die schon dort waren, dass die Briefe das Einzige sind, was einen bei der Solowanderung davor bewahrt, durchzudrehen.«

Mum ließ einen skeptischen Blick über meine Taschen und das sie umgebende Chaos wandern. »Bist du sicher, dass du keine Hilfe beim Packen brauchst?«

»Hallo? Ihr zahlt teures Schulgeld dafür, dass ich die nächsten neun Wochen lang in der vollkommenen Wildnis quasi ganz auf mich allein gestellt zurechtkomme. Da werde ich es ja wohl schaffen, ein paar Sachen zu packen.«

»Hast du genügend Unterhosen mit?«

»Mum!«

Lachend ging sie zur Tür. »Aber du musst zugeben, dass die Frage nicht ganz unberechtigt ist.«

Die Frage war leider wirklich nicht ganz unberechtigt. Ich habe tatsächlich schon mal vergessen, welche in den Urlaub mitzunehmen, aber dann kauft man sich dort das, was fehlt, eben einfach noch mal neu. Außerdem haben wir von der Schule eine idiotensichere Checkliste bekommen.

Leonie kam ins Zimmer getrottet und schmiegte sich an mich. Er wird immer unruhig, wenn in unserer Familie Koffer gepackt werden, weil das meistens bedeutet, dass gleich der nette Mann von der Hundepension kommt und ihn abholt. Ich kraulte ihm den Rücken und hatte ein schlechtes Gewissen, dass er von mir nur diese Last-Minute-Streicheleinheit bekam. Irgendwie schaffe ich es in letzter Zeit kaum noch, mich um ihn zu kümmern … um ehrlich zu sein, vergesse ich manchmal sogar, dass er überhaupt da ist.

Aber Leonie wedelte trotzdem freundlich mit seinem Stummelschwanz. Hunde sind gar nicht in der Lage, jemandem etwas übel zu nehmen. Vor zwölf Jahren war Leonie der allerschönste Name, den ich mir vorstellen konnte, weil er wie eine Mischung aus meiner damals besten Freundin Leah und einem Pony klang. Mum fragte mich, ob ich wüsste, dass Leonie ein Mädchenname sei, unser Welpe aber ein Junge. »Klar weiß ich das«, log ich, um mein vierjähriges Gesicht zu wahren. Abgesehen davon war ich mir sicher, dass das Leonie egal sein würde. Dad nannte ihn aus männlicher Solidarität trotzdem von Anfang an Leo.

Bevor ich mein Handy in einer Socke versteckte (dass ich eine Einverständniserklärung unterschrieben hatte, keine Mobiltelefone ins Camp mitzubringen, verdräng-te ich), schrieb ich Michael noch schnell eine SMS: skypen?

Michael ist mein ältester und seltsamster Freund. Er skypt lieber, als zu telefonieren, weil die Stimme seiner Meinung nach nur höchstens fünfzig Prozent der Kommunikation in einem Gespräch ausmacht. Außerdem gefällt ihm, dass er sich so mit Freunden treffen kann, ohne das Haus verlassen zu müssen. Als ich meinen Laptop hochgefahren hatte, war er schon online.

»Und? Hast du Jetlag?«, erkundigte ich mich.

»Ein bisschen«

»Wie war Rom?«

»Alt.«

»Was hast du auf dem Flug geschaut?« Michael lässt sich vor Langstreckenflügen immer Filme von mir empfehlen. »Touchdown am Freitag. Guter Tipp.«

»Das Plakat hängt übrigens schon.«

»Ja, hab’s gesehen.«

»Ganz schön groß, was?«

»Überlebensgroß.«

»Du sagst es. Zum Glück wird es abgehängt, bevor wir wieder zurückkommen.«

»Aber sie haben es geschafft, den authentischen Sibylla-Look einzufangen.«

»Meinst du meinen leeren Blick? Der kommt daher, dass ich mir in dem Moment gewünscht habe, woanders zu sein.«

»Was dem Betrachter offenbar unterbewusst die perfekte Werbebotschaft vermittelt, nämlich …«

»Hallo, ich rieche gut«, säuselte ich.

»Ganz genau. Hast du vor, jetzt mehr solche Jobs zu machen?«

»Mum und Dad haben es mir nur erlaubt, weil meine Tante Beep das Ganze organisiert hat. Du glaubst nicht, was für ein Kampf es war, sie dazu zu überreden. Meine Mutter steht immer noch unter Schock. Apropos: Schock …« Ich legte eine kleine Kunstpause ein. »Ich bin auf Lauras Party heute Abend eingeladen.«

»Wow, ab jetzt beginnt dein Leben im Kreise der wahren Superstars. Warum machst du so ein Gesicht? Willst du nicht hin?«

»Jein.«

»Weil du nicht weißt, ob es gut oder scheiße werden wird?«

»So ungefähr.«

Er nickte.

»Was liest du zurzeit?«

Er lächelte, griff neben sich und hielt Walden – Leben in den Wäldern hoch. Das war mal wieder typisch Michael, dass er den Klassiker des Naturphilosophen Henry David Thoreau las, bevor wir in die Wildnis fuhren.

»Michael, du weißt schon, dass du der Hammer bist, oder?«

Seine Augen leuchteten. »Danke gleichfalls. Obwohl du – wenn wir bei den Werkzeugen bleiben – dann vielleicht eher eine ziemlich hohe Messlatte bist.«

»Tja, ich kann dich schlecht fragen, was ich anziehen soll. Wahrscheinlich wollte ich einfach nur mit jemandem reden, weil ich ein bisschen nervös bin.«

»Ich wünsch dir jedenfalls, dass die Party besser wird, als du jetzt vielleicht denkst. Warte, ich geb dir ein Zitat von Thoreau mit auf den Weg.« Er blätterte in dem Buch und las laut vor: »Ich zog in den Wald, weil ich den Wunsch hatte, mit Überlegung zu leben, dem eigentlichen, wirklichen Leben näher zu treten, zu sehen, ob ich nicht lernen konnte, was es zu lehren hätte, damit ich nicht, wenn es zum Sterben ginge, einsehen müsste, dass ich nicht gelebt hatte.«

»Wenn man ›Wald‹ durch ›Party‹ ersetzt, dann … Hey, ich hab gleich viel mehr Lust hinzugehen!«

Michael verabschiedete sich grinsend und legte auf, sodass ich auf dem Bildschirm nur noch mich selbst sah, mit zum Winken erhobener Hand und der nach wie vor ungelösten Frage: Was soll ich anziehen?

Während ich weiter fürs Camp packte, probierte ich zwischendurch ein paar Partyoutfits durch, die nach »Hab mir nur mal eben schnell was übergeworfen« aussahen. Wenn man es erst in allerletzter Minute auf die Gästeliste schafft, darf man auf keinen Fall so angezogen sein, als hätte man sich zu viele Gedanken über seinen Look gemacht.

Diese Party war übrigens der Grund, weshalb es dazu kam, dass ich Ben Capaldi küsste – den begehrtesten Jungen unseres Jahrgangs. Jemanden, von dem ich niemals geglaubt hätte, dass er mich überhaupt auf dem Radar hatte. Was rede ich denn da? Ich kann mit Sicherheit sagen, dass er mich noch nie auf dem Radar hatte. Ich befand mich noch nicht einmal innerhalb seiner Suchfrequenz.

Bei Radar musste ich unwillkürlich daran denken, dass ich null Orientierungssinn besitze und bald in einer Umgebung sein würde, in der für ein Mädchen aus der Stadt alles gleich aussieht … keine Gebäude, keine Straßenschilder … nichts als unverfälschte, ursprüngliche, wilde Wildnis.

Lou

Sonntag, 7. Oktober

Alles gepackt. Jeder Posten auf der Liste abgehakt.

Hey, wie wär’s, wenn du einfach hier bleibst, Traurigkeit?

Dumme Frage.

Traurigkeit eingepackt.

Reißverschlüsse zugezogen.

Bemühung um zuversichtliche Ausstrahlung beim letzten Abendessen vor der Abfahrt ins Camp.

Kleines Lächeln.

Sib

Partys sind für mich immer eine zwiespältige Angelegenheit. Natürlich will ich eingeladen werden. Es ist total deprimierend, sich vorher und nachher Geschichten darüber anhören zu müssen, ohne mitreden zu können. Da bleibt einem nur, die Zähne zusammenzubeißen und abgeklärt zu lächeln. Andererseits bricht mir sofort der kalte Schweiß aus, wenn ich irgendwo eingeladen bin.

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