Willi - Sabine Horn - E-Book

Willi E-Book

Sabine Horn

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Beschreibung

Willi war gerade 8 Jahre alt als er vom Strohboden fiel. Das wäre an sich keine so schlimme Sache, er hätte sich normalerweise vielleicht ein Bein oder einen Arm gebrochen. Willi´s Pech war nur, sein Vater hatte am Tag zuvor das gesamte alte Stroh das unten im Gang lag entfernt und auf den Misthaufen gefahren. So kam es, dass Willi direkt auf den Beton aufschlug. Er spürte kurz einen Schmerz und dann wurde es dunkel um in herum. Der Arzt sagte seinen Eltern er habe nichts gespürt als er starb. Er findet, dass er noch zu jung zum Sterben ist und so bleibt er als Geist auf dem Hof. Nach dem Tod seiner Eltern zieht ein Ehepaar mit zwei Töchtern in sein Elternhaus. Willi beschließt noch eine Weile zu bleiben und sich die neuen anzusehen. Er findet die beiden Töchter nett besonders die Ältere hat es ihm angetan. Die neuen Besitzer eröffnen einen Reiterhof. Nachdem die ersten Gäste eingetroffen sind ereignet sich in den Dörfern rund um den Hof eine Einbruchsserie. Plötzlich sind die Kinder mitten in den Ereignissen bei einer nächtlichen Verfolgungsjagd kommen sie in einer alten Scheune in arge Bedrängnis und nun muss Willi sich den Kindern zeigen um ihnen helfen zu können.

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Sabine Horn

Willi

Gestorben wird später

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Willi

Die Neuen

Die Gäste kommen

Unheimliche Nächte

Einbrecher

Nachtwachen

Merkwürdige Menschen

Willi muss helfen

Wer sind die Einbrecher?

Abgehauen

Abreise

Die Entführung

Impressum neobooks

Willi

Willi war gerade 8 Jahre alt als er vom Strohboden fiel. Das wäre an sich keine so schlimme Sache, er hätte sich normalerweise vielleicht ein Bein oder einen Arm gebrochen. Willi´s Pech war nur, sein Vater hatte am Tag zuvor das gesamte alte Stroh das unten im Gang lag entfernt und auf den Misthaufen gefahren. So kam es, dass Willi direkt auf den Beton aufschlug. Er spürte kurz einen Schmerz und dann wurde es dunkel um ihn herum. Der Arzt sagte seinen Eltern er habe nichts gespürt als er starb.

Willi fand sich im Schlafzimmer seiner Eltern wieder ohne zu wissen wie er dahin gekommen war. Seine Mutter lag im Bett und ihr Gesicht war rot und angeschwollen. Er ging an ihr Bett und berührte ihr Gesicht.

„Was ist mit dir Mam? Weinst du?“ Seine Mutter stöhnte leise auf und murmelte im Schlaf. „Willi, Willi mein Schatz wo bist du.“ „Hier bin ich doch Mam, direkt hier an deinem Bett.“ Seine Mutter reagierte nicht und Willi meinte sie schliefe tief und fest und könne ihn aus diesem Grund nicht hören.

Leise verließ er das Schlafzimmer seiner Eltern. Er ging die Treppe runter um seinen Vater zu suchen. Im Wohnzimmer brannte Licht und so ging er hinein. Sein Vater saß an dem großen Eichentisch und hatte ein Foto in der Hand.

„Dad was ist mit Mam, warum weint sie?“ Sein Vater sah auf das Bild und schluchzte leise. „Dad“, Willi sah seinen Vater an, warum antwortete er ihm nicht. Waren sie böse auf ihn weil er wieder auf dem Strohboden gespielt hatte? Willi ging um den Sessel herum auf dem sein Vater saß und stand nun genau vor ihm.

„Bist du böse mit mir?“ fragte er ihn. Aber auch jetzt reagierte sein Vater nicht. Er wollte gerade etwas sagen als seine Mutter den Raum betrat.

„Ich hatte eben das Gefühl Willi wäre hier gewesen, “ sagte sie. Sein Vater blickte auf und sagte „Komisch ich hatte genau das selbe Gefühl.“ Seine Mutter setzte sich auf das große Sofa und schlang die Arme um ihre Beine. „Er wird immer bei uns sein“, sagte sie und Tränen liefen über ihr Gesicht.

Willi sah sich erstaunt um, warum sahen sie den nicht, dass er genau neben ihnen stand, was war hier los. Als sein Blick auf den großen Spiegel über der Anrichte fiel sah er seine Mam auf dem Sofa und seinen Dad in dem Sessel daneben, was er aber nicht sah war er selber. Er konnte sich nirgends sehen. Was war das den jetzt, er bewegte seine Hand, wackelte mit dem Kopf, nichts. Er drehte sich um seine eigene Achse, nichts. Er machte den Mund auf und zu, nichts. Ich komme mir vor wie ein Geist, dachte er und dann merkte er wie alles Blut aus seinem Gesicht wich, ein Geist das kann doch nicht sein, wieso? Er überlegte was war zuletzt passiert, er war im Schlafzimmer seiner Mutter aufgewacht. Nein das konnte es nicht sein, vorher musste was passiert sein und dann fiel es ihm ein. Er war vom Strohboden gefallen und dann war alles dunkel. Aber das konnte doch unmöglich sein, daran starb man doch nicht, oder?

Willi sah sich im Zimmer um und da auf der Anrichte lagen eine Menge Karten. Seine Mutter legte zu Weihnachten und Ostern immer alle Karten die von Freunden und Verwandten kamen hierhin damit jeder sie lesen und ansehen konnte. Er ging näher und betrachtete die Karten. Sie hatten alle einen schwarzen oder grauen Rand. Solche Karten hatte er schon einmal gesehen, damals als sein Opa gestorben war und Mama so traurig war. Eine Karte war aufgeschlagen und Willi trat zögernd so nahe an die Anrichte bis er lesen konnte was auf ihr stand.

Unser tief empfundenes Beileid

Zum Tode ihres Sohnes Willi

Von Familie Lukas

Wie zum Tode Willis, er war doch hier. Er war doch nicht tot. Aber warum konnte ihn dann niemand sehen? Willi sah seine Eltern an und sah ihren Kummer und ihre Trauer und da wusste er es. Er war tot.

An diesem Abend beschloss er seine Eltern nie alleine zu lassen. Sie waren so traurig und sie brauchten ihn.

Von nun an kam er regelmäßig nachts in ihr Schlafzimmer, streichelte seiner Mutter über die Wange und erzählte ihnen was er so erlebt hatte. Natürlich war das nicht viel, was erlebte man schon so als Geist. Aber er hatte schon aus Versehen den Milchmann erschreckt. Als der Morgens die Milch vom Vorabend abholte und Willi um die Ecke der Scheune kam rannte er direkt durch den Milchmann durch. Diesem wurde augenblicklich heiß und kalt auf einmal und er erzählte überall herum ihm wäre ein Geist begegnet. Natürlich lachten die Leute ihn aus, aber er blieb von da an vorsichtig und wenn er denn Hof von Willis Eltern betrat betete er stets leise vor sich hin.

Willi erzählte seinen Eltern nachts eine Menge und diese wachten morgens manchmal auf und konnten sich erinnern dass Willi da gewesen war. Sein Vater meinte das wäre völlig normal, dass sie von ihm träumten und das wäre ja auch schön so.

Eines Nacht hatte eine Kuh starke Schmerzen und Muhte laut vor sich hin. Sein Vater hörte die Kuh nicht da er eine Schlaftablette genommen hatte. Willi bemerkte die kranke Kuh und ging zu seinen Eltern. Er zerrte an seinem Vater, rüttelte ihn und rief nach ihm. Endlich wachte der auf. Er war zwar stark benommen aber jetzt hörte er die Kuh. Eiligst ging er zu ihr und nachdem er den Tierarzt geholt hatte konnte der Kuh geholfen werden. Zu seiner Frau sagte er danach: „der Willi hat mich geholt. Er war da und Bescheid gesagt wegen der Kuh.“ Seine Mutter lächelte und sagte nur: „ja, ja der Willi war da.“

So gingen die Jahre ins Land und als sein Vater älter wurde und ihm die Arbeit schwer fiel kam Willi auch am Tag um seinem Vater zu helfen. So schob Willi den schweren Milchwagen oder er faste die Forke beim Heu stapeln mit an. Sein Vater sagte immer zu seiner Mutter: „ich glaube der Willi hat wieder mit angepackt.“ Ja seine Eltern lächelten in solchen Situationen immer und darüber freute Willi sich.

Als es nun an der Zeit war, dass auch seine Eltern starben war Willi nicht traurig. Er wusste doch es würde ihnen nicht schlecht gehen, da wo sie jetzt hingingen. Einen Augenblick überlegte er ob er mitgehen solle aber dann entschloss Willi sich noch eine Weile auf der Welt zu bleiben. Er hatte ja noch kaum gelebt und als Geist verging die Zeit ohnehin viel schneller da er die meiste Zeit verschlief.

Es wurde ruhig auf dem Hof nur zweimal kam ein Mann in dunklem Anzug. Er sah sich alles an und murmelte etwas dass wie blöde Bruchbude klang. Willi fand das ziemlich unverschämt und so freute er sich als der Mann mit beiden Füßen in einer schlammigen Pfütze versank. Seine Schuhe sahen danach aus wie für die Müllkippe gemacht. „Schlammfuß, Schlammfuß“, sang Willi, „Blöder, blöder Schlammfuß.“

Ab und zu kamen ein paar Kinder und Willi spielte mit ihnen. Wenn die Kinder Fußball spielten fing er den Ball mit dem Fuß auf und kickte ihn in eine andere Richtung. Die Kinder waren dann zwar immer erstaunt aber da der Hof sehr uneben war meinten sie es müsse wohl an dem Pflaster liegen. Wenn sie Verstecken spielten hielt Willi sich die Augen zu und suchte anschließend mit und beim Springen vom Heuboden in eine riesige Strohdime sprang er immer als erster. Es war eine total lustige Zeit und so vergaß er den Kummer darüber, dass seine Eltern nicht mehr hier waren.

Die Neuen

Eines Tages fuhren zwei riesige Lastwagen auf den Hof. Willi hatte gerade ein Nickerchen im Heu gehalten und sah nun ziemlich verschlafen durch die Dachluke nach draußen.Umzüge Lieppman, schnell und preiswertstand auf dem Aufbau. Neugierig geworden schwebte Willi nach unten und besah sich die LKW näher. Aus beiden Wagen quollen je vier Männer hervor. Sie reckten und streckten sich.

„Man was für ein Kaff, “ sagte der eine. Willi stand genau neben ihm und er konnte es sich gerade noch verkneifen dem Mann gehörig ans Schienbein zu treten.

„Na los, “ quengelte ein anderer, „las uns anfangen damit wir hier so schnell wie möglich verschwinden können. Ich habe so ein komisches Gefühl. Hier ist es nicht geheuer.“ Die anderen Männer lachten ihn aus. „Du immer mit deinem Esoterischen Scheiß, hua hier spukt es. Man mach lieber hin ich will heute noch nach Hause.“

Der Esoteriker kramte in seiner Tasche und zog ein großes Schlüsselbund hervor. Nach einigem Ausprobieren hatte er den richtigen Schlüssel für die Haustür gefunden. Willi sah mit großen Augen zu. Was sollte das bedeuten. Sein Haus, da wollten doch wohl keine fremden Leute einziehen. Aber, anscheinend doch. Die Möbelpacker ließen die Laderampen runter und fingen an Möbelstücke und Kartons ins Haus zu räumen. Nach einer Weile rief einer der Männer den anderen zu ob nicht eine Pause jetzt genau das richtige wäre. Die anderen stimmten zu und gingen zu den LKWs sie holten ihre Taschen aus den Führerhäusern und setzten sich auf die Laderampen. Jeder hatte Brote dabei und etwas zu Trinken, entweder aus Thermoskannen oder kalte Getränke. Willi setzte sich neben die Männer auf die Laderampe des ersten LKW und hörte den Männern zu. Sie unterhielten sich über belanglose Dinge aber Willi fand alles interessant. Zwei der Männer waren am Wochenende auf dem Fußballplatz gewesen und so entstand eine heftige Diskussion über das gesehen Spiel. Die anderen Männer warfen ihre Erfahrungen in das Gespräch ein und jeder war davon überzeugt wenn er mitgespielt hätte wäre das Spiel viel besser gelaufen. Sie waren sich einig, dass nur noch Luschen auf dem Platz waren und es an fähigen Männern fehlen würde. Einer der Männer war noch ganz jung er mochte wohl gerade 18 Jahre alt sein, aber er war mit dem Mund der größte Spieler aller Zeiten. Er erklärte jeden Spielzug den er gemacht hätte und die anderen stimmten ihm zu oder zerrissen ihn in der Luft.

Nach einer viertel Stunde sagte einer der älteren Männer dass es jetzt wieder an der Zeit wäre weiterzumachen. Gerade als sie erneut angefangen hatten Möbel zu schleppen kam ein Auto auf den Hof gefahren. Es war ein uralter Mazda 626 der scheppernd und knarrend direkt neben den Möbelwagen zum stehen kam. Ein Mann, Willi schätzte ihn auf Mitte 30, stieg aus. Er hatte zerbeulte Jeans und ein viel zu großes T-Shirt an.

„Hallo, sie sind ja schon fleißig. Tut mir leid aber ich habe mich hoffnungslos verfahren. Bin schon fast in Lüchow gewesen bevor ich gemerkt habe dass, ich die Abbiegung hierher verpasst hatte. Na, ja aber es ging ja auch ohne mich wie ich sehe.“

Einige Männer brummten etwas vor sich hin während andere weiter stumm ihre Last trugen. „Sie müssen uns jetzt zeigen wo die großen Teile hin sollen, wir haben sie erst einmal in das vordere Zimmer gebracht“, sagte einer der Männer. Die beiden verschwanden im Haus und Willi folgte ihnen. Im vorderen Zimmer dass, seinen Eltern als Alltagsraum gedient hatte, also das Zimmer in dem Besuch empfangen und unter der Woche gelebt wurde, standen Möbel bunt durcheinander.

„Die Betten müssen in den ersten Stock, genau wie alle anderen Sachen für die Schlafzimmer. Das linke Zimmer ist für meine Frau und mich, das mittlere für meine kleine Tochter und das rechte für die große. Der große Dielenschrank kommt oben auf den Flur.“

Die Möbelpacker stöhnten, der Schrank war nämlich ziemlich schwer und die Treppe sehr steil und eng.

„Hier vorne ist unser Wohnzimmer, also alle Sachen die mit W gekennzeichnet sind hier hinein. Da, das ist laut Plan die Küchentür also auch hier die Sachen für die Küche. Das muss das Bad sein, da kommt die Waschmaschine rein, stellen sie die erst mal an eine freie Stelle, ich werde mich später um den Anschluss kümmern.“ Nachdem er dem Mann alles erklärt hatte zog dieser ab und informierte seine Männer wo was hin sollte. Willi strich von einem Zimmer zum nächsten und sah zu wie die Möbel und Kartonberge in den Zimmern anschwollen. Er war ein wenig irritiert, was sollte er von der neuen Situation halten. War das nun etwas Positives oder nicht?

Zwei Stunden später waren die Möbelwagen leer und fuhren wieder ab. Der Mann aus dem Mazda war nun alleine. Er stand unterhalb der Treppe auf dem großen Flur und drehte sich im Kreis um seine eigene Achse.

„Hallo Haus, “ sagte er, „du bist wunderschön und wir werden uns sicher gut verstehen. Nachher kommen meine Frau und meine beiden Mädels und es wird uns sicher in dir gefallen.“ So etwas hatte Willi noch nie erlebt, dass sich einer mit einem Haus unterhielt, aber ihm gefiel das und er entschied, dass ihm der Mann nicht völlig unsympathisch war.

Auf dem Hof wurde laut gehupt, der Mann zuckte zusammen und lief dann so schnell er konnte nach draußen. Willi folgte ihm um zu sehen was nun schon wieder los war. Hier geht es heute zu wie in einem Taubenschlag dachte er, aber schön ist so ein Rummel schon. Auf dem Hof stand ein schwarzer VW Bus mit einem Pferdeanhänger hinten dran. Die Türen des Wagens wurden gerade aufgerissen und heraus stürmten zwei Mädchen und eine junge Frau.

Willi blieb mitten auf dem Hof stehen. Waren das die Frau und die Töchter von dehnen der Mann im Flur gesprochen hatte. Natürlich wer sollte es denn sonst sein.

Die Frau sah sich abschätzend auf dem Hof um und die Mädchen stürzten nach hinten an den Hänger.

„Mam, Dad, “ riefen sie, „Happy und Fox geht es gut, aber sie wollen jetzt raus.“

„Sie kommen ja gleich raus“, antwortete ihr Vater während er näher kam, „wir müssen nur erst noch einen Stall für sie zurecht machen. Oder wollt ihr dass, sie draußen schlafen?“

Die Mädchen verneinten und so gingen sie mit ihrem Vater in den Stall. Die Mutter wandte sich dem Haus zu und rief den dreien im gehen zu sie werde erst einmal Kaffee kochen, den hätte sie sich jetzt verdient.

Im Stall war es halbdunkel und es roch nach trockenem alten Holz. Der Mann öffnete erst einmal die große Stalltür um Luft und Licht hinein zu lassen. Willi sah unterdessen in den Hänger. Zwei Ponys waren darin und schnaubten leise als er sich näherte. „Hallo, wer seid ihr denn? Ich bin Willi und wohne hier.“ Die Ponys sahen ihn mit großen Augen an und Wille streichelte ihnen zart über die weichen Nüstern. Er hatte Pferde schon immer gerne gehabt, lieber noch als die schwarz bunten Kühe seines Vaters.

Im Stall hatten die Mädchen in der Zwischenzeit Stroh aus dem Aufbau des Hängers in den alten Schweinekoben gestreut. Nun gingen sie mit ihrem Vater zum Hänger um die Ponys abzuladen.

Als sie langsam mit ihnen in den Stall gingen sagte das größere Mädchen. „so ihr beiden hier werdet ihr in Zukunft wohnen. Paps wird euch noch schöne Boxen bauen und eine Weide habt ihr auch.“

„Bringt den beiden noch Wasser. Dahinten stehen Eimer und achtet immer darauf dass, genügend Wasser da ist. Ich gehe jetzt ins Haus und trinke eine Tasse Kaffee, wenn ihr fertig seid müsst ihr noch eure Betten für die Nacht machen. Also trödelt nicht herum“

Nachdem der Vater gegangen war, sahen sich die Mädchen im Stall um. „Hier können wir noch jede Menge Pferde unterbringen und haben oben Platz für Heu und Stroh“, sagte die ältere.

„Ja und hinter dem Stall will Paps die Reitbahn anlegen“, antwortete ihre Schwester.

Nachdem die Ponys versorgt waren gingen sie ins Haus und Willi schwebte hinter ihnen her. Na wenn die so nett bleiben könnte ich mich an sie gewöhnen dachte er. Gleichzeitig hatte er aber auch ein wenig Angst vor dem was kommen würde.

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Die neue Familie schrubbte, räumte auf und reparierte im ganzen Haus. Ein paar Nachbarn kamen vorbei um sich den neuen vorzustellen. Vier Tage nach der Ankunft der Familie fuhren plötzlich zwei riesige LKW auf den Hof. Aus dem ersten stieg ein grobschlächtiger Mann aus. Er entdeckte den Vater der Mädchen und stiefelte mit großen Schritten auf ihn zu.

„Ich bringe den Sand, wo soll der ab geschüttet werden?“.

„Kommen sie ich zeig es ihnen, “ ohne eine Antwort abzuwarten ging der Vater hinter den Stall. Der Fahrer folgte ihm mit griesgrämigem Gesicht.

Willi kam der Mann bekannt vor, er erinnerte ihn an einen Mann von früher der in einer nahe gelegenen Kiesgrube arbeitete. Er hatte Willi und seine Freunde des öfteren weg gescheucht wenn sie versuchten in der Kiesgrube zu spielen. Das kann er aber nicht sein, dachte Willi, der muss doch viel älter sein. Da war doch aber ein Sohn, so ein fieser der hat in der Schule immer alle kleinen Kinder angepöbelt, der könnte es seinAber was will die Familie mit dem ganzen Sand? Willi schwebte neugierig hinterher. Der Fahrer war zu seinem LKW zurück gekehrt und fuhr nun direkt hinter den Stall. Dort war mit Pfählen ein Viereck gekennzeichnet und genau dort luden die beiden Laster ihre Fracht ab.

Kurz darauf wackelte die Erde. Willi guckte erstaunt, was war das nun schon wieder. Er sah sich um, war das ein Erdbeben. Ein Höllen Lärm brach an was ist das nur dachte er und da kam der Lärmverursacher um die Ecke. Puh dachte Willi ein Radlader, mein Gott habe ich mich erschreckt. Der Radladerfahrer fing an den Sand innerhalb der Pfähle gleichmäßig zu verteilen. Dann klappte er die Schaufel runter und fuhr solange rückwärts über den Platz bis alles glatt war.

Die Mädchen die gerade aus der Schule kamen jubelten. „Unser Reitplatz, endlich ist es soweit. Morgen will Paps ihn noch einzäunen und dann kann es losgehen.“

Nachdem der Zaun stand konnte Willi die Mädchen jeden Tag auf dem Reitplatz finden. Sie ritten wirklich gut und harmonierten mit ihren Ponys. Man merkte ihnen an wie viel Spaß es ihnen machte mit den Tieren zusammen zu sein. Nicht nur beim Reiten auch wenn sie die Tiere versorgten waren sie mit Eifer bei der Sache.

Einen ganzen Monat war die Familie jetzt schon da als eines Morgens ein Tiertransporter auf den Hof fuhr. Ein junger Mann mit einen spitzbübischem Gesicht kletterte vom Fahrersitz. „Hallo ich bin Thorsten, mein Vater schickt mich mit den Pferden die sie bei ihm gekauft haben. Wollen wir gleich abladen.“ Dirk, so hieß der Vater der Mädchen, lächelte und stellte sich Thorsten vor.

„Ja lass uns die Tiere ausladen damit sie ihre neue Heimat kennen lernen können.“ Thorsten öffnete die Laderampe und stieg in den kastenförmigen Aufbau. Drinnen rumorte es kurz und dann sprang ein großes braunes Pferd auf den Hof. „Pass auf“, rief er von drinnen, „er ist mir abgehauen.“

Dirk der direkt neben dem Transporter stand griff beherzt zu und konnte das Tier gerade noch am Halfter fassen. „Man, du bist aber stürmisch.“ Er lächelte das Tier an und tätschelte es am Hals. „Ich werde dich erst einmal in deinen Stall bringen da kannst du dich dann beruhigen.“

Nachdem alle drei Pferde versorgt waren tranken die beiden Männer erst einmal eine Flasche Bier auf der Terrasse. „Nächste Woche bekommt mein Vater noch ein Kleinpferd, so eins wolltet ihr doch auch noch haben. Es ist fünf und sehr kinderlieb.“ Dirk lachte und versprach ihm vorbei zu kommen um sich das Tier anzusehen.

Als die Mädchen mittags aus der Schule kamen stürmten sie zuerst in den Stall um die neuen Pferde zu begutachten. Lächelnd kam ihr Vater aus dem angrenzenden kleinen Stall, in den er lautstark vor sich hin werkelte, um schöne neue Boxen für die Pferde zu bauen.

„Na, gefallen sie euch?“ Beide Mädchen versichertem ihm, dass die drei neuen Tiere wunderschön wären. Aber man müsste sie natürlich noch ausprobieren, so könne man überhaupt noch nichts sagen. „Dann sucht man ein paar passende Namen aus“, rief der Vater ihnen zu als er den großen Stall verließ.

„Ja, wie sollen die drei den heißen, ich glaube wir sollten erst einmal nachsehen ob es Stuten oder Wallache sind“, meinte Isi die ältere der beiden Mädchen. „Keine schlechte Idee“, antwortete Madie die jüngere von beiden. Vorsichtig näherten sich beide Mädchen den Pferden, damit sich diese in der neuen Umgebung nicht erschreckten. Sie wussten beide das Pferde eine ganze Weile brauchten um ihre Vorsicht abzulegen und erst wenn sie an Sicherheit gewonnen hatten nicht mehr so schreckhaft sind.

„Der große Braune ist ein Wallach“, sagte Isi. „Ja und die kleine hier eine Stute. Und was bist du, “ fragte Madie das dritte Pferd. Willi der von oben das Geschehen beobachtet hatte war völlig verdutzt. Glaubte das Mädchen wirklich das Pferd würde ihm antworten. War die wirklich so dumm? Als Madie sich aber bückte und unter das Pferd sah merkte er dass sie doch nicht so dumm war und einfach nur mit dem Pferd gesprochen hatte um es zu beruhigen. Mit Tieren können die beiden wohl umgehen dachte er. Menschen die Tiere mögen sind gute Menschen, hatte sein Vater immer gesagt und daran dachte Willi jetzt und lächelte. Also seid ihr gute Menschen Isi und Madie.

Nachdem die Mädchen festgestellt hatten, dass das dritte Pferd auch eine Stute war gingen sie auf Namenssuche. Keine leichte Aufgabe gleich drei Namen für neue Pferde auszusuchen. Die Namenssuche ging hin und her Vorschläge wurden gemacht, verworfen, neue gemacht und dann stand fest der Wallach sollte Geronimo, die kleine Fuchsstute Amira und die Schimmelstute Paloma heißen.

Am nächsten Morgen erinnerte ihre Mutter sie daran das in drei Tagen die Ferien begannen und zwei Tage später die ersten Gäste kommen sollten. Die Mädchen waren schon sehr aufgeregt, kam doch in ihrem Leben ein neuer Abschnitt, in dem ihre Eltern einen Reiterhof betreiben wollten. Die Töchter ihnen aber versprochen hatten, damit das überhaupt möglich ist, überall wo sie konnten zu helfen. Natürlich nur soweit es ihre Schulischen Leistungen zu ließen.

Willi der es sich jetzt zur Gewohnheit gemacht hatte über Tag wach zu sein um die Geschehnisse auf dem Hof im Auge zu behalten, saß wie jeden Tag mit am Frühstückstisch und hörte erstaunt von den Plänen eines Reiterhofes. Was soll das denn. Reiterhof, hieß das viele fremde Menschen hier auf seinem Stück Heimat. Verzweifelt schaute er die Familie an das konnte doch nicht deren Ernst sein ein Reiterhof. Oh nein, ich glaube nicht das ihr das wollt. Dagegen werde ich etwas unternehmen müssen.

Nachdem die Mädchen aufgebrochen waren machten die beiden Erwachsenen noch Pläne für den heutigen Tag. Der Vater wollte mit dem Hänger nach Dannenberg fahren, dort hatte er sich mit einen Mann verabredet der 2 Ponys zu verkaufen hatte. Die Mutter erwartete eine Frau aus dem Nachbardorf die Ihr beim Putzen und einrichten der Gästezimmer helfen sollte.

Willi war erstaunt, Gästezimmer, wo sollten die denn sein? Nachdem auch der Vater aufgebrochen war kramte die Mutter in den Kisten die noch vom Umzug hier standen. Sie förderte allerlei zu Tage. Bettwäsche türmte sich auf, danebenlagen Stapel mit Kissen und Gardinen kamen zum Vorschein. Laut summend ging sie damit nach nebenan in den ehemaligen Schweinestall. Hier hatten seine Eltern für Willi ein Spielzimmer eingerichtet und ein Gästezimmer für Oma und Opa. Außerdem war da noch ein Büro und ein Raum in dem seine Mutter Handarbeiten ausgeführt und gebügelt hatte.

Nun standen in den Zimmern Betten und Kleiderschränke. Willi hatte überhaupt nicht gemerkt dass, die neuen Besitzer hier gewerkelt hatten. Iris, die Mutter, trug Wäscheberge in die Zimmer und verteilte überall Bettwäsche, Handtücher und Kissen. Nach einer Weile rief auf dem Hof jemand laut nach ihr. „Hallo, ist hier denn keiner? Hallo, Hallo Frau Schütte. Ich bins Gesine Müller.“

„Hier bin ich, kommen sie doch rein Frau Müller, hier gleich links in dem Raum.“

Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen betrat Gesine Müller das kleine Zimmer. Die Mutter Iris kam mit ausgestreckter Hand auf Gesine zu „ich heiße Iris das ist einfacher als das förmliche Sie, oder hast du etwas dagegen?“

„Nein, hier auf dem Land duzen sich sowieso alle, ist bequemer so, ich bin Gesine. Wo soll ich den anfangen?“

Iris und Gesine gingen von Zimmer zu Zimmer und überall erklärte Iris was noch zu tun sei. Es war eine ganze Menge Arbeit und so fingen die beiden Frauen an Betten zu beziehen, Vorhänge aufzustecken und die behaglichen kleinen Zimmer auf Hochglanz zu putzen. Gegen Mittag hatten sie schon eine ganze Menge geschafft. Iris hatte in der Küche gerade ein paar belegte Brote und eine Suppe, die sie schon am Vortag gekocht hatte, fertig gemacht als ihr Mann auf den Hof fuhr.

Neugierig verließ sie die Küche und ging auf den Hänger zu. Mit spitzbübischem Gesicht empfing Dirk seine Frau. „Na, meine schöne ich hab uns ganz was liebes mitgebracht. Iris sah über die Rampe in den Hänger und darin stand ein dunkel braunes Pony.

„Wolltest du nicht zwei Pferde kaufen?“ „Na, ja nun sind es nicht zwei sondern na sieh selbst.“

Dirk öffnete die Hänger klappe und Iris sah in die hübschesten Pferdeaugen auf der Welt. Zwei kleine Shettys standen neben dem Pony.

Kohlrabenschwarz und keinen Meter zwanzig groß.

„Das sind Hedi und Andi und die große ist Odett. Ich hab alle drei zum Preis von einem bekommen und als drauf Gabe gab es noch etwas dazu.“ Dirk verschwand mit dem Oberkörper im Wagen und als er wieder zum Vorschein kam hatte er etwas kleines Zappelndes in den Händen.

„Sie hat noch keinen Namen, aber der Bauer dem ich die Pferde abgekauft habe hätte sie umgebracht wenn ich sie nicht mitgenommen hätte.“ Dirk sah Iris in die Augen und streckte seine Hände nach vorne. Jetzt konnte Iris das kleine Fellbündel sehen es musste sich um einen Hund handeln aber genau konnte man das noch nicht erkennen. Es war einfach nur ein rundes kleines Fellbündel.

„Mein Gott die ist ja noch so klein.“ Ja vier Wochen, aber wir werden das schon schaffen.“

„Und das gerade jetzt wo doch die Gäste kommen, so ein kleiner Hund brauch doch viel Pflege und Zuwendung.“ „Er hätte sie umgebracht, hätte ich sie da lassen sollen?“ „Nein, natürlich nicht uns wird schon was einfallen. So, nun lade die Pferde aus und komm zum Essen in die Küche.“

Als Dirk die Küche betrat saßen die beiden Frauen bereits an dem großen Esstisch und Gesine erklärte Iris was ein Welpe an besonderer Nahrung brauchte. Ihre Hündin war bei der Geburt der Welpen gestorben und so musste sie die kleinen mit der Hand aufziehen, daher war sie so was wie eine Expertin in Sachen Baby Hunde.

„Ich habe noch Schnuller und ein wenig Welpenmilchpulver das werde ich schnell holen. Damit kommt ihr bis Morgen und dann könnt ihr ja in Lüchow beim Tierarzt neue Welpenmilch bestellen. Der bringt sie euch dann vorbei.“ „Das passt ganz gut ich wollte sowieso morgen den Tierarzt anrufen damit er einmal auf alle Tiere sieht. Nicht dass wir bei Saisonbeginn unser blaues Wunder erleben.“

„Apropos Tiere. Die Shettys was sollen wir denn damit. Die kann man doch im Reitbetrieb überhaupt nicht einsetzten?“ „Ne, natürlich nicht, aber sie sind gute Rasenmäher. Dann brauchen wir die Liegewiese und den Rasen vor dem Haus nicht mähen. Außerdem können die Kinder mit ihnen spazieren gehen und ganz kleine Kinder können sie auch eine Strecke tragen.“ Iris musste lachen, „Also du hast dir ja einige Gedanken gemacht wie du mir die Tierchen verkaufen kannst. So nun fahr Gesine schnell zu Ihr nach Hause, wir haben bis heute Abend noch eine Menge zu tun.“

Als die beiden Mädchen aus der Schule kamen war das trara groß. Drei neue Pferde und einen kleinen Hund das musste gebührend beredet werden. Da der Hund noch sehr klein war beschloss man ihr erst einen Namen zu geben wenn ihr Charakter so einigermaßen zu sehen wäre, solange würde sie mit einem Kosenamen auskommen müssen.

Nachmittags kam Dr. Schümann mit einem riesigen Geländewagen auf den Hof. Dr. Schümann war zwar Mitte 40 aber er hatte das Gesicht eines großen Jungen und auf seinen durchtrainierten Körper war er einigermaßen stolz. Trainierte er ihn doch regelmäßig obwohl er wenig Freizeit hatte. Oft musste er nachts raus weil irgendein Tier erkrankt war. Krankheiten kennen keine Uhrzeit sagte er den beunruhigten Besitzern immer wenn diese sich bei ihm entschuldigen wollten weil sie ihn mal wieder an Feiertagen oder zu Nachtschlafender Zeit gestört hatten. Den einzigen Tag in seinem Berufsleben an dem er das Telefon zu seiner Kollegin im Nachbarort um-gestöpselt hatte, war sein Hochzeitstag gewesen. Seit zwei Jahren hatte er jetzt einen Kollegen in der Praxis und so konnte er zumindest einmal im Jahr in Urlaub fahren und er musste nicht mehr an zwei Orten gleichzeitig sein.

Dirk hatte den Doktor auf dem Hof des Pferdehändlers kennen gelernt Kalle Müller der Pferdehändler hatte Dirk erzählt Dr. Schümann kann gut mit Tieren umgehen, er hat Ahnung und was sehr wichtig ist er mag Tiere. Das ist bei Tierärzten recht selten hatte er betont, die meisten Tierärzte mögen keine Tiere, sie haben keinen Bezug zu Tieren, sonst könnten sie ihnen nicht helfen. Dirk hatte wenig Erfahrung mit Tierärzten aber er hatte viel Kontakt zu Human Ärzten und wusste daher dass, auch unter den Human Ärzten die Meinung ein Arzt darf seinen Patienten nicht sehr nahe stehen, sonst kann er ihnen nicht helfen, sehr verbreitet war.

„Ich habe ihnen die Milch für das Baby mitgebracht. Aber ich würde ihn mir gerne einmal ansehen nur um sicher zu gehen. Eine Kot probe brauch ich auch um Parasiten und ein paar andere Dinge abzuklären.“

„Ich gehe den kleinen Kerl eben holen, er schläft gerade an der Heizung.“ Eilig ging Dirk ins Wohnzimmer um den Welpen zu holen. Die Mädchen hockten neben dem kleinen Hund und sahen ihm zu wie er selig schlief.

„Der macht beim schlafen immer so niedliche Bewegungen mit seiner Schnauze und er quiekt dabei, so als ob er irgendwas erzählt, “ sagte Isi als Dirk das Wohnzimmer betrat.

„Der Tierarzt ist da, wollt ihr mitkommen und mir helfen die Pferde vorzustellen?“

Natürlich wollten die beiden und so liefen sie vor ihrem Vater her der den kleinen Hund auf dem Arm hatte.

Draußen war der Doktor schon im Stall und betrachtete die Pferde. „Schöne Tiere haben sie da, aber auch ein Haufen Verantwortung. Haben sie denn schon Erfahrung mit der Pferdehaltung?“

Dirk erklärte ihm dass sie schon seit Jahren Pferde hätten, zuletzt die beiden Ponys ihrer Töchter. „Unsere Tiere sind immer steinalt geworden und wenn wir erst einmal ein Tier haben, haben wir damit die Verantwortung für dieses Lebewesen für immer und ewig übernommen. Wir geben kein Tier wieder her nur weil es uns lästig oder weil es alt geworden ist.“ Dirk hatte sich in Rage geredet weil er verantwortungslose Tierhalter hasste und diese weg werf Haltung einiger Menschen Lebewesen gegenüber absolut fürchterlich und verachtungswürdig fand.

Dr. Schümann lächelte bei Dirks Ansprache fühlte er doch genauso. Er nahm Dirk den kleinen Hund aus der Hand und begann ihn zu untersuchen. Nachdem er festgestellt hatte dass er völlig gesund war bekam der kleine Kerl noch eine Wurmkur in die Schnauze und Dirk und die Mädchen bekamen eine Menge Verhaltensregel einschließlich eines ersten Impftermins für den Welpen.

Nachdem Dr. Schümann dann auch jedes Pferd untersucht und Kotproben zur Wurmbestimmung genommen hatte war klar Dirk hatte gesunde Tiere in seinem Stall.

„Die Kot Untersuchung ist in drei Tagen beendet dann können wir festlegen womit wir entwurmen müssen, sie wissen ja sicherlich Wurm freie Pferde gibt es nicht. Spätestens im Sommer auf der Weide holen sich die Tiere neue Wurmlarven“.

Dirk wusste um die Wurmproblematik und er wusste auch das Pferde durch Würmer sehr krank werden konnten. Selbst an einer durch Würmer ausgelösten Kolik konnten Pferde sterben. Er hatte daher vor die Tiere regelmäßig zu entwurmen. Da sie ja auch Gäste auf dem Hof hatten war das selbstverständlich noch wichtiger, denn es gibt ja auch Würmer die auf den Menschen übergehen konnten.

„Wenn irgendetwas mit ihren Tieren ist scheuen sie sich bitte nicht anzurufen egal zu welcher Zeit. Wenn ich nicht kann kommt mein Kollege Sattler, ein sehr Fähiger Mann, dem können sie auch vertrauen.“

Nachdem Dr. Schümann den Hof verlassen hatte war Dirk beruhigt einen solchen Tierarzt gefunden zu haben. Hatte er es doch schon erlebt, dass kein Tierarzt bereit war zu einer kranken Stute zu kommen nur weil der 1. Mai war. Das Tier hatte er dann Todkrank auf einen Hänger gezehrt und über 100 km weit in die Medizinische Hochschule gebracht weil dort immer ein Tierarzt Bereitschaft hatte. Als er dort eintraf konnte das Tier gerade noch gerettet werden. Aber die Angst blieb immer wenn einmal wieder eins seiner Tiere erkrankte und ein Feiertag oder Wochenende vor der Tür stand.

Am ersten Ferientag war auf dem Hof überall aufgeregte Beschäftigung zu sehen. Hier liefen die Kinder hin und her. Der Vater hämmerte an den Stallungen und die Mutter lief prüfend auf und ab, damit auch ja nichts vergessen wurde. Willi wuselte zwischen den einzelnen Menschen hin und her und wurde von der Aufregung regelrecht angesteckt.

Am Nachmittag kam der Pferdehändler noch einmal vorbei und brachte das versprochene Kleinpferd. Es war ein wunderhübscher Falbe mit Namen Sven. Alle fanden den Namen sehr passend und so blieb es bei Sven.

Die Gäste kommen

Am Samstag war es endlich so weit. Die fünf Gästezimmer waren fertig. Der Frühstücksraum hatte noch luftige freundliche Gardinen bekommen so, dass sie Gäste vom Frühstückstisch aus direkt auf die Pferde in ihren Boxen blicken konnten. Dirk hatte gerade noch rechtzeitig für jedes Pferd eine geräumige Box gebaut und auch die Selbsttränken waren funktionstüchtig.

Nach einem reichhaltigen Frühstück fuhr die gesamte Familie noch einmal an den nahegelegen Badesee um ein letztes Mal einen gemeinsamen Ausflug zu genießen. So bald würde sich sicherlich keine Gelegenheit mehr ergeben mit der gesamten Familie zusammen weg zu fahren. Willi hatte sich auch in das Auto gequetscht und genoss es jetzt in dieser für ihn vertrauten Umgebung den Menschen beim Schwimmen zu zusehen. Da er niemanden sah der ihm bekannt vorkam wendete er sich ganz seiner Familie, wie er die vier inzwischen nannte, zu und freute sich an der Ausgelassenheit der beiden Mädchen.

Als er noch gelebt hatte war sein Kontakt zu Mädchen eher spärlich. Mädchen fand er zu diesem Zeitpunkt ziemlich albern, aber seit er Isi und Madie kannte fand er Mädchen eigentlich ganz in Ordnung.

Nach einem frühen Mittag in Form eines Picknicks ging es gestärkt wieder nach Hause. Beinahe hätte Willi die Abfahrt der Familie verpasst, er war eingeschlafen und wenn Madie nicht zufällig über seine Beine gestolpert wäre! Willi wachte ruckartig auf und Madie sah sich suchend um. Worüber bin ich bloß gestolpert, fragte sie sich, hier liegt doch überhaupt nichts rum.

Um Punkt 15 Uhr fuhren die ersten Gäste auf den Hof. Willi hatte sich auf die Treppe im großen Stall gesetzt, die zum Heuboden hoch führte. Von hier aus hatte man einen guten Blick über den gesamten Hof.

Ein alter klappriger Mercedes fuhr donnernd auf den Hof und nachdem er mitten auf dem großen Platz vor dem Haupthaus gehalten hatte stolperten drei etwas fülligere Menschen aus dem Auto. Mein Gott wie hatten die sich den bloß in das Auto gefaltet fragte Willi sich das arme Auto.

„Man is det hier schön, “ tönte der Man lautstark, „hier wirst de dir wohlfühlen mein Sohn.“ Mit einem breiten Grinsen ging er auf Iris zu die lächelnd über den Hof auf das Auto zuging.

„Hallo ich bin Frau Schütte, herzlich willkommen auf dem Hof Schütte. Ich hoffe sie hatten eine schöne Fahrt.“ Zwei große Hände umschlossen Iris Hand und wurden geschüttelt bis Iris sie dem Mann resolut entzog.

„Det is Franzi, mein Sohn. Haben hier für zwe Wochen für ihn jebucht. Hoffe er lernt hier ordentlich Reiten, wa.“ Mit einem dröhnenden Lachen beendete der Man seinen Satz und schob seinen Sohn in Richtung Iris.

„Na, dann kommen sie mal rein ich zeige ihnen das Zimmer in dem Franz untergebracht ist.“

Iris ging mit zügigen schritten auf das Gästehaus zu sie schmunzelte, fragte sich aber ins geheimen welches Pferd ihr Man dem kleinen dicken Jungen wohl aussuchen würde. Haben wir überhaupt ein Tier das dieses Gewicht tragen kann?

Das Zimmer gefiel den drei Berlinern ausgesprochen gut und so wurde das Auto ausgeladen und Koffer geschleppt. In der Zwischenzeit war ein weiteres Auto eingetroffen und die beiden Mädchen hatten die Insassen begrüßt. Es war eine Familie aus Hamburg mit einem etwa 11 jährigen sehr zarten Mädchens.

Isi zeigte der Familie ihr Zimmer. Sie hatten den größten Raum im Gästehaus bekommen in dem es außer drei Betten noch ein hübsches Sofa gab das man bei Bedarf zum Schlafsofa umfunktionieren konnte. Das Sofa hatte denselben Bezug wie die Gardinen, kleine bunte Blumen auf einem beigen Hintergrund.

Als Herr Meier anfing das Auto auszupacken kam Iris auf den Hof zurück und begrüßte sie. „Hallo ich bin Frau Schütte ich hoffe ihnen gefällt ihr Zimmer?“

„Oh, ja es ist toll. Marie freut sich schon total aufs Reiten. Ich hoffe sie haben auch für meine Frau und mich ein passendes Pferd. Ich kann noch nicht ganz so gut Reiten aber die beiden Mädels!“

„Wir werden schon die passenden Tiere finden. Wenn alle da sind wird mein Mann ein Probereiten auf dem Platz machen. Da kann er dann sehen welches Pferd für wen am besten geeignet ist. Ich komme nachher noch einmal zu ihnen wegen der Essenszeiten und etwaigen anderen Fragen. Also ich wünsche ihnen auf alle Fälle erst mal einen schönen Urlaub bei uns.“

Mit lautem Poltern zog Herr Meier seine Koffer in das Gästehaus. Mein Gott haben die beiden Ziegelsteine eingepackt so schwer sind die Koffer und wer muss sie wieder rein-schleppen, natürlich ich. Schwungvoll stürmte er um die Ecke und hatte das Gefühl gegen eine unsichtbare Wand zu laufen. Da er aber nichts sehen konnte gegen das er gerannt war ging er kopfschüttelnd, etwas langsamer weiter.

Willi mit dem er zusammengestoßen war stand hinter Herrn Meier und schüttelte sich wie ein nasser Hund. Das tat er immer wenn er mal wieder durch jemanden durchgelaufen war, es war ein zu merkwürdiges Gefühl, so als ob man eine riesige Gänsehaut bekam und einem gleichzeitig eiskalt wurde. Den muss ich mir merken, dachte er, Rache ist Blutwurst.

Schon wieder hörte er wie ein Wagen auf den Hof fuhr und beeilte sich nach draußen zu kommen. Ein dunkelblauer Van blieb gerade vor der Terrasse stehen. Als die Türen sich öffneten kamen immer mehr Menschen aus dem inneren. Willi zählte 11 Personen. Oh Gott wo sollten die denn alle bleiben so viel Platz war doch gar nicht mehr da?

Iris war schon zur Stelle um die neuen Gäste zu begrüßen. „Sie sind sicherlich Familie Schirmacher aus Hamburg? Willkommen auf Hof Schütte.“ Mit einem breiten Lächeln streckte sie ihre Hand aus die sofort von einer Bären großen Tatze verschluckt wurde.

„Jawohl, Familie Schirmacher vollständig angetreten. Das sind Maike, Tobias und Eveline. Die drei die hier bleiben, der Rest fährt weiter zu Tante Johanna nach Travemünde. Die drei ziehen aber Reiterurlaub vor. Verstehe ich überhaupt nicht, wo Tante Johanna doch so lieb ist.“

Nachdem wie Herr Schirmacher lächelte als er von der lieben Tante Johanna sprach meinte Iris zu erkennen das Tante Johanna ziemlich nervig war.

„Na, dann werde ich euch einmal zeigen wo ihr wohnen werdet. Du Tobias wirst hier mit Franz zusammen wohnen und ihr beiden werdet entweder hier alleine oder wenn ihr wollt nebenan mit zwei anderen Mädchen schlafen.“

„Wie alt sind die beiden anderen denn?“ wollte Maike wissen. „Die eine ist 11 und kommt auch aus Hamburg, die andere ist 10 und kommt aus Paderborn.“

„Was meinst du Eveline alleine oder mit den anderen. Ich fände mit anderen zusammen ganz nett.“

Nachdem auch Eveline mit den anderen zusammen schlafen wollte war das geklärt und die beiden Mädchen zogen in das große 4 Bett Zimmer.

Als alle Familienangehörige wieder abgefahren waren erkundeten die Gastkinder erst einmal den Hof. Isi und Madie machten mit ihnen eine umfassende Hofführung und stellten ihnen alle Pferde vor.

„Habt ihr eigentlich gar keine Katzen und Hunde?“ fragte Marie die beiden.

„Einen Hund haben wir, aber der ist noch ein Welpe und Katzen werden wir demnächst bekommen. Der Nachbar Bauer hat welche für uns aber die saugen noch bei der Mutter. Wenn die groß genug sind bringt er sie uns rüber. Hühner kriegen wir übermorgen dann kommt der Hühnerzüchter ins Dorf unser Vater hat das in der Zeitung gelesen. Einmal im Monat fährt er hier vorbei und verkauft Hühner, Enten und Gänse.“

„Ja“, ergänzte Isi ihre Schwester, “ einen Hühnerstall hat mein Vater da vorne schon gebaut seht ihr. Sogar mit einem großen Netz über dem Auslauf, sonst müssten die Hühner ein paar Monate im Jahr im Stall bleiben, wegen der Geflügelgrippe das ist so Vorschrift.“

Weiter ging die Führung auf den riesigen Heuboden. „Man hier is ja noch allet leer, hab ihr ja ken Stroh?“

„Das kommt morgen“, erklärte Isi den Kindern, “da könnt ihr gleich mal zeigen ob ihr Mumm in den Knochen habt. Der Bauer der uns das Stroh bringt fährt vom Feld direkt zu uns, dann braucht er es nirgends zwischen lagern. Das wird billiger und geht auch schneller. Er lagert natürlich noch einen Teil für uns ein. Hier passt für so viele Pferde ja nicht genug rauf und Heu muss auch noch kommen.“

Auf dem Hof wurde es plötzlich laut und die Kinder raunten in Windeseile die steile Treppe runter. Fallt bloß nicht, dachte Willi der die ganze Zeit dicht neben den Kindern war, das kann böse enden, ha, ha, ha.

Gerade fuhr ein altes Auto laut knatternd auf den Hof. Es hatte ein Paderborner kennzeichnen und brachte Lara wie die Kinder bereits wussten.

Lara war ein lustiges Mädchen 11 Jahre alt Rothaarig und hatte das ganze Gesicht voller Sommersprossen. Die ist bestimmt lustig dachten Isi und Madie, mit der werden wir viel Spaß haben. Auch Willi fand das neue Mädchen auf Anhieb nett. Mal sehen was man mit der anfangen kann, dachte er,

Am späten Nachmittag versammelten sich alle Gäste auf der Terrasse. Hier standen zwei runde Tische und jede Menge Gartenstühle. Auf den Tischen flatterten bunte Tischdecken. Die Terrasse war vor Regen durch ein großes Überdach geschützt. Ursprünglich waren hier die Erntewagen untergestellt. Die Terrasse wurde eingebunden durch das Haupthaus und das Gästehaus so dass sie nur zu zwei Seiten hin offen war. Dirk hatte sie noch mit einem Holzfußboden und einem Holzgeländer ausgestattet so, dass es ein wenig Westernatmosphäre hatte. Willi fand die neue Terrasse toll. Er fand Western schon immer super und hätte gern im Wilden Westen gelebt. Als er noch ein Mensch war hatten er und seine Freunde immer Cowboy und Indianer gespielt. Er war immer der große Häuptling gewesen, weise und edel.

Dirk hatte sich zu seinen Gästen in die Runde gesetzt. Er hatte einen Block dabei und fragte jeden nach seiner Erfahrung mit Pferden und beim Reiten.

Franzi und Lara konnten noch überhaupt nicht reiten und sollten daher erst einmal an die Longe. Maike und Eveline nahmen seit drei Jahren Reitunterricht in Bad Segeberg und ihr Bruder seit zwei Jahren.

Maries Eltern hatten Iris erzählt sie wäre die perfekte Reiterin, sie würde an Turnieren teilnehmen und wäre das Talent schlechthin. Frau Meier die Mutter von Marie, teilte Dirk mit sie wäre auch eine ganz passable Reiterin und ihrem Man würde nur noch ein wenig Schliff fehlen.

Dirk betrachtete diese Aussage eher skeptisch. Er hatte schon genügend Unfälle gesehen von Reitern die sich einfach überschätzten. Auf dem Hof auf dem sie vorher Ihre Pferde stehen hatten war erst vor kurzem eine Reiterin so schwer gestürzt, dass sie für immer im Rollstuhl sitzen musste.

Nachdem Dirk alle Pferde zugeteilt hatte gingen Isi und Madie mit den beiden Longen Kindern und holten Odett aus dem Stall um sie zu putzen.

Sie erklärten den beiden genau worauf es ankam damit dem Pferd beim Reiten nichts passierte. „Wenn du nicht ordentlich putzt, dann scheuert es beim Reiten und im schlimmsten Fall wirft das Pferd dich dann ab oder das Tier bekommt Satteldruck. Das ist sehr schmerzhaft und das Pferd kann dann lange nicht mehr geritten werden.“

Beim Satteln und Trensen zeigte Isi ihnen dann wie die Trense geschlossen wurde und wo der Sattel zu liegen hatte. „Und immer daran denken, den Sattel nie gegen den Strich verrücken sonst seid ihr eher wieder unten wie ihr aufgestiegen seid. In der ersten Zeit werden wir euch noch helfen denn man kann das nicht alles auf Anhieb behalten.“

Franzi und Lara nickten dankbar, flößte ihnen das große Tier von so nahem doch einen gewaltigen Respekt ein.

Nachdem Odett fertig gesattelt war ging Dirk mit den beiden Kindern auf den Reitplatz. Vorher hatte er den anderen Reitern gesagt er würde 40 Minuten brauchen und sie sollten selber sehen wann sie anfingen ihre Pferde fertig zu machen.

„Wieso fertig machen“, fragte Frau Meier mit lauter, nörgelnder Stimme, “bei uns im Stall bekommen wir die Pferde fix und fertig hingestellt. Das sind wir so gewohnt.“

„Bei uns wird geritten“, antwortete Dirk ihr, „und Reiten beinhaltet auch die Pflege der Tiere, sonst kann man keinen intensiven Kontakt zu Ihnen aufbauen und das braucht man um ein guter Reiter zu werden. Wer das nicht will kann hier nicht Reiten. Isi und Madie helfen gerne bei denen die nicht wissen wie es geht. Aber Pferde fertig machen müsst ihr selbst.“

Auf der Terrasse nörgelten Frau Meier und ihre Tochter noch eine ganze Weile vor sich hin, Herr Meier versuchte zwar die Wogen zu glätten aber irgendwie machte er alles nur noch schlimmer.

Als es ans Putzen ging schafften es die drei noch nicht einmal den Pferden ein Halfter anzulegen. Bei Frau Meier war der Nasenriemen unten und Herr Meier hatte das Halfter von vorne herein verkehrt herum. Marie versuchte es gar nicht erst sondern stellte sich weinend neben die Box. Na das kann ja noch was werden dachte Isi und half Marie beim herausholen des Pferdes. Madie hatte unterdessen Herrn und Frau Meier geholfen und ihnen das Putzzeug in die Hand gedrückt. „Von oben nach unten und von vorne nach hinten putzen. Hufe-auskratzen nicht vergessen, “ erklärte sie gerade als Iris dazu kam. Hinter dem Rücken von Frau Meier verdrehte Madie die Augen und ihre Mutter musste sich auf die Zunge beißen um nicht laut loszulachen.

Gerade als alle Pferde fertig waren kam Dirk zurück von der Bahn. „So, dann wollen wir mal. Sind alle fertig oder braucht noch jemand Hilfe.“ Als alle bestätigt hatten dass sie fertig seien gingen sie gemeinsam auf die Reitbahn. Dirk schickte Eveline noch einmal zurück damit sie ihre Reitkappe holen konnte, die sie auf der Terrasse liegen gelassen hatte.

In der Zwischenzeit nahmen die anderen Reiter Aufstellung und stiegen auf ihre Pferde.