Wunder – Julian, Christopher und Charlotte erzählen - Raquel J. Palacio - E-Book

Wunder – Julian, Christopher und Charlotte erzählen E-Book

Raquel J. Palacio

0,0
9,99 €

Beschreibung

Der Welterfolg „Wunder“ erzählt von Auggie, dem Außenseiter mit dem entstellten Gesicht. Nun kommen Julian, Christopher und Charlotte zu Wort. Julian, der Mobber: Eigentlich hat er keinen Grund, so gemein zu sein. Doch durch Auggies Ankunft kehren seine überwunden geglaubten Albträume zurück. Christopher, der beste Freund: Nach seinem Umzug vermisst er Auggie, ist zugleich aber auch froh, Abstand zu haben. Und Charlotte, die empathische Willkommensfreundin: Weil sie sich für Gerechtigkeit einsetzt, soll sie sich um Auggie kümmern – und beginnt zum ersten Mal an sich zu zweifeln. Dieses berührende Kinderbuch erzählt von echter Freundschaft und davon, wie die Begegnung mit Auggie jeden verändert.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 384

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Über das Buch

Der Weltbestseller WUNDER erzählt die Geschichte von August, dem Jungen mit dem entstellten Gesicht – aus sechs Perspektiven. Nun kommen auch Julian, Christopher und Charlotte zu Wort und berichten, wie sich ihr Leben durch August verändert hat.

Julian mobbt August. Eigentlich hat er keinen Grund so gemein zu sein, doch seit August da ist, kehren Julians überwunden geglaubte Albträume zurück. Da er mit niemandem darüber reden kann, lässt er seiner Wut freien Lauf. Christopher ist Augusts bester Freund. Nach seinem Umzug vermisst er ihn, ist aber auch froh, etwas Abstand zu Augusts Problemen zu haben. Charlotte kümmert sich um August, weil ihr Gerechtigkeit und Mitgefühl wichtig sind. Doch zum ersten Mal spürt sie auch Zweifel und eigene Wünsche. Durch die Begegnung mit August lernt jeder, sich mit seinen innersten Ängsten und Hoffnungen auseinanderzusetzen und wächst daran.

Raquel J. Palacio

Wunder

Julian, Christopher und Charlotte erzählen

Aus dem Englischen von André Mumot

Carl Hanser Verlag

Dieses Buch ist den kleinen Mädchen gewidmet, die zu Marta, Lisa, Lee, Carol, Fauzia und Meg herangewachsen sind, und all meinen lieben und geschätzten Freunden. Danke, dass ihr mich zu dem Menschen gemacht habt, der ich heute bin.

RJP

Inhalt

Vorwort

Wie Julian es sah

Christophers Universum

Charlottes Auftritt

Know you what it is to be a child? It is to be something very difficult from the man of today. It is to have a spirit yet streaming from the waters of baptism; it is to believe in love, to believe in loveliness, to believe in belief; it is to be so little that the elves can reach to whisper in your ear; it is to turn pumpkins into coaches, and mice into horses, lowness into loftiness, and nothing into everything, for each child has its fairy godmother in its own soul; it is to live in a nutshell and to count yourself the king of infinite space.

Wissen Sie, was es bedeutet, ein Kind zu sein? Es bedeutet, etwas vollkommen anderes zu sein, als ein Mensch von heute. Es bedeutet, einen Geist zu haben, an dem das Wasser der Taufe noch haftet; es bedeutet, an die Liebe zu glauben, an die Lebendigkeit zu glauben, an den Glauben zu glauben; es bedeutet, so klein zu sein, dass einem die Elfen noch direkt ins Ohr flüstern können, und es bedeutet, dass man imstande ist, Kürbisse in Kutschen zu verwandeln und Mäuse in Pferde, Niedergeschlagenheit in gute Laune und nichts in alles – denn jedes Kind hat seine eigene gute Fee in der eigenen Seele; es bedeutet, in einer Nussschale zu leben und sich selbst für den König der unendlichen Welt zu halten.

Francis Thompson, »Shelley«

Vorwort

»Werden Sie eigentlich eine Wunder-Fortsetzung schreiben?«, fragt jemand im Publikum.

»Nein, tut mir leid«, antworte ich, aber ein bisschen unangenehm ist es mir schon. »Ich glaube nicht, dass es die Art von Buch ist, die sich wirklich für eine Fortsetzung eignet. Ich stelle mir gerne vor, dass die Fans von Wunder sich selbst ausmalen, wie es mit Auggie Pullman und all den anderen Menschen in seiner Welt weitergeht.«

So oder so ähnlich ist es mir bei fast jeder Autogrammstunde, jedem Vortrag und jeder Lesung ergangen, seit Wunder am 14. Februar 2012 in den Vereinigten Staaten erschienen ist. Es ist wahrscheinlich die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – abgesehen vielleicht von »Wird es eine Wunder-Verfilmung geben?« und »Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Wunder zu schreiben?«.

Und nun sitze ich doch hier und verfasse das Vorwort für ein Buch, das im Grunde eine Ergänzung zu Wunder ist. Wie genau ist es also dazu gekommen?

Um diese Frage zu beantworten, muss ich ein bisschen weiter ausholen. Wenn ihr dieses Buch gekauft oder es geschenkt bekommen habt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr Wunder bereits gelesen habt, ich muss euch also nicht allzu viel darüber erzählen. Unnötig zu sagen, dass es um einen zehnjährigen Jungen namens Auggie Pullman geht, der mit einem schwer entstellten Gesicht geboren wurde und nun mit den Höhen und Tiefen seines ersten Schuljahres an der Beecher Prep Middle School zurechtkommen muss. Wir erleben diese Reise aus seiner Perspektive und aus der Perspektive mehrerer anderer Figuren, deren Leben sich im Laufe dieses entscheidenden Jahres mit seinem überschneidet. Und es sind nicht zuletzt die Gedanken dieser Menschen, die dem Leser tiefere Einsichten darüber ermöglichen, wie Auggie es schafft, sich selbst zu akzeptieren. Figuren, deren Geschichten nicht direkt mit Auggie und seinem Jahr in der fünften Klasse zu tun haben oder die so wenig von ihm wissen, dass sie kein Licht auf seinen Charakter werfen können, bekommen keine eigene Stimme im Buch. Wunder ist schließlich Auggies Geschichte, von Anfang bis Ende. Und ich war sehr streng mit mir, wenn es darum ging, sie auf einfache und klare Weise zu erzählen. Wenn eine Figur die Handlung nicht vorangebracht hat oder eine Geschichte zu erzählen hatte, die eher parallel dazu verlief oder sich in der Vergangenheit oder der Zukunft abspielte, bekam sie von mir kein eigenes Kapitel zugestanden.

Das heißt aber nicht, dass diese Figuren keine interessanten Geschichten zu erzählen hätten. Tatsächlich wäre es aufschlussreich, etwas über ihre eigenen Beweggründe zu erfahren, auch wenn diese Erkenntnisse Auggie nicht direkt betreffen. Und genau an diesem Punkt setzt dieses Buch an.

Um es ganz klar zu sagen: Das vorliegende Buch ist keine Fortsetzung. Es nimmt den Faden nicht dort auf, wo Wunder aufgehört hat. Es erzählt nicht etwa, wie es mit Auggie auf der Middle School weitergeht. Tatsächlich ist Auggie hier eher eine Nebenfigur.

Dieses Buch ist vielmehr eine Ausweitung seiner Welt. Die drei Geschichten – Wie Julian es sah, Christophers Universum und Charlottes Auftritt, die alle ursprünglich als E-Books veröffentlicht wurden, werden jeweils aus der Perspektive von Julian, Christopher und Charlotte erzählt. Sie sind vollkommen unterschiedlich, und ihre Hauptfiguren treffen, wenn überhaupt, nur gelegentlich aufeinander. Aber sie haben alle etwas gemeinsam, und das ist Auggie Pullman. Seine Anwesenheit in ihrem Leben führt dazu, dass sie sich alle auf bestimmte Weise verändern, manchmal stark, manchmal kaum merklich.

Dies ist also schon deshalb keine typische Fortsetzung, weil Auggies Geschichte nicht weiterzählt wird. Es gibt nur im Julian-Kapitel einen kurzen Blick auf die Sommerferien nach der fünften Klasse, was die schwierige Beziehung von Auggie und Julian zu einem guten Abschluss bringt. Davon abgesehen aber erfährt der Leser nicht, was Auggie Pullmann in der sechsten Klasse widerfährt oder auf der Highschool oder noch später. Solch ein Buch, eine wirkliche Fortsetzung, werde ich niemals schreiben, das kann ich garantieren. Und das ist durchaus etwas Gutes. Einer der schönsten Nebeneffekte von Wunder ist schließlich die erstaunliche Kreativität der Fans, die das Buch hervorgebracht hat. Lehrer benutzen es im Unterricht und bringen ihre Schüler dazu, sich in einzelne Figuren hineinzuversetzen und eigene Kapitel über Auggie, Summer oder Jack zu schreiben. Ich habe Geschichten zugeschickt bekommen, die auch von Via, Justin oder Miranda handeln. Kapitel aus der Perspektive von Amos, Miles oder Henry. Eine besonders prägnante Geschichte war sogar aus Daisys Blickwinkel verfasst!

Doch am meisten berührt haben mich wohl die Geschichten über Auggie, mit dem sich so viele Leser leidenschaftlich identifizieren. Oft erzählen Kinder mir, dass sie ganz sicher sind, dass Auggie eines Tages Astronaut werden wird. Oder Lehrer. Oder Tierarzt. Sie verkünden das mit großer Überzeugung. Sie albern nicht bloß rum, sie wissen es für sich ganz genau. Warum sollte ich da anderer Meinung sein? Und warum sollte ich eine Fortsetzung schreiben, die all diese Optionen einschränkt? Was mich betrifft, hat Auggie eine wunderbare Zukunft vor sich, voll unendlicher, vielversprechender Möglichkeiten.

Ich fühle mich regelrecht gesegnet, dass sich die Leser von Wunder ihm so nahe fühlen, dass sie sich selbst vorstellen können, wie es mit seinem Leben weitergeht. Und ich weiß, dass sie verstehen, dass ihm kein glückliches Leben garantiert ist, nur weil ich mich entschlossen habe, das Buch an einem besonders glücklichen Tag aufhören zu lassen. Er wird gewiss mehr als genug Herausforderungen zu meistern haben. Neue Höhen und Tiefen werden auf ihn warten, neue Freunde, andere Julians und Jacks und – natürlich – Summers. Hoffentlich werden die Leser aus der Art, wie er sich in seinem ersten harten Jahr an der Beecher Prep geschlagen hat, ableiten können, dass er das in sich trägt, was er braucht. Dass er genug Stärke besitzt, um über das zu triumphieren, was sich ihm in den Weg stellt, um sich nicht unterkriegen zu lassen und denen, die ihn anstarren, mit einem Lachen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und in all den guten und schlechten Zeiten wird seine wunderbare Familie bei ihm sein – Isabel und Nate und Via.

»Das Einzige, was Menschen heilt, ist bedingungslose Liebe«, schrieb die berühmte Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross. Und vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass Auggie niemals zerbrechen wird an den gedankenlosen Worten von Passanten oder an manch einer Entscheidung eines Freundes. Zumal er ja wirklich Freunde hat – von denen er weiß oder auch nicht –, die für ihn eintreten, wenn es wirklich drauf ankommt.

Am Ende von Wunder ist allen Lesern klar, dass es im Buch nur bedingt um das geht, was Auggie Pullman widerfährt. Vor allem geht es darum, wie Auggie Pullman die Welt um sich herum verändert.

Und das bringt mich wieder zu diesem Buch – beziehungsweise zu den drei Erzählungen.

Als man mir vorgeschlagen hat, drei kurze Geschichten zu Wunder als E-Books zu schreiben, habe ich sofort zugesagt – vor allem wegen Julian, der unter Wunder-Fans leidenschaftlich gehasst wird. »Keep calm and don’t be a Julian« (»Bleib ruhig und sei kein Julian«) ist ein Spruch, den man inzwischen tatsächlich bei Google findet – und es gibt auch die entsprechenden Poster.

Ich verstehe natürlich, warum Julian so wenig gemocht wird. Bisher haben wir ihn nur durch die Augen von Auggie, Jack, Summer und Justin erlebt. Er ist grob. Er ist gemein. Sein Starren, die beleidigenden Spitznamen, die er Auggie verpasst hat, seine Versuche, die anderen Mitschüler gegen Jack aufzuhetzen – das alles spricht Bände über seinen Charakter. Aber was ist der tiefer liegende Grund für all seine Wut auf Auggie? Was ist los mit Julian, und warum benimmt er sich so daneben? Schon als ich Wunder schrieb, wusste ich, dass Julian seine ganz eigene Geschichte zu erzählen hätte. Aber ich wusste auch, dass die Gründe für sein gemeines Verhalten für Auggie keine wirkliche Rolle spielten und keinen Einfluss auf die Handlung nehmen würden. Deshalb hatten sie in Wunder auch nichts zu suchen. Diejenigen, die diskriminiert und gemobbt werden, müssen schließlich nicht auch noch Mitleid und Verständnis für ihre Peiniger aufbringen – das ist nicht ihre Aufgabe. Aber mir gefiel die Idee sehr, Julians Charakter in einer eigenen kurzen Geschichte zu ergründen – nicht um ihn freizusprechen, schließlich ist das, was er in Wunder anstellt, ziemlich scheußlich und schwer entschuldbar. Aber ich wollte ihn besser verstehen. Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass Julian selbst noch ganz jung ist. Er hat sich mies verhalten, ja, aber das heißt nicht, dass er durch und durch böse ist. Unsere Fehler machen uns nicht vollständig aus. Wird Julian einsehen, dass er sich falsch verhalten hat, es sogar bereuen? Kann er das? Will er das überhaupt? Dies sind die Fragen, die ich in der ersten Geschichte stelle, während ich gleichzeitig versuche, etwas Licht auf die Gründe für sein Verhalten zu werfen.

Die zweite Geschichte heißt Christophers Universum und wird aus der Perspektive von Auggies ältestem Freund erzählt – von Christopher, der bereits Jahre vor der eigentlichen Wunder-Handlung in eine andere Stadt gezogen ist. Damit können wir auch Einblicke in Auggies Leben vor der Beecher Prep erhalten. Christopher ist bei Auggies ganz frühen Krisen und sehr emotionalen Momenten dabei gewesen – bei den schrecklichen Operationen, aber auch an dem Tag, als Nate Pullman Daisy mit nach Hause brachte, und in der Zeit, als ihre gemeinsamen Sandkastenfreunde aus Auggies Leben zu verschwinden schienen. Nun, da er älter ist, steht Christopher vor der schweren Herausforderung, selbst mit Auggie befreundet zu bleiben, während er mitbekommt, wie andere ihn anstarren und wie schwierig es für seine neuen Freunde ist, mit Auggie umzugehen. Es ist verführerisch, eine Freundschaft einfach auslaufen zu lassen, wenn sie kompliziert wird – und Auggie ist nicht der Einzige, der Christophers Loyalität auf eine harte Probe stellt. Wird er sich weiter reinhängen oder aufgeben?

Die dritte Geschichte wird aus der Perspektive von Charlotte erzählt – dem einzigen Mädchen, das Mr. Pomann gebeten hat, eine Willkommensfreundin für Auggie zu werden. In Wunder hat Charlotte eine freundliche, wenn auch leicht distanzierte Beziehung zu Auggie. Sie winkt ihm zu, wenn sie ihn sieht, und sie stellt sich nie auf die Seite derjenigen, die gemein zu ihm sind. Sie versucht, Jack zu helfen – allerdings nur heimlich – sodass niemand es mitbekommt. Sie ist ein nettes Mädchen, daran besteht kein Zweifel. Aber sie strengt sich niemals an, mehr als nett zu sein. In dieser dritten Geschichte tauchen wir tief ein in Charlotte Codys Leben im fünften Jahrgang der Beecher Prep. Dabei wird klar, dass noch sehr viele andere Dinge vorgefallen sind in dieser Zeit, von denen Auggie Pullman nichts mitbekommen hat: Tanzaufführungen, Intrigen zwischen Freundinnen, alte Bündnisse und neue Cliquen. Maya, Ximena, Savanna und besonders Summer spielen wichtige Rollen in Charlottes Auftritt. Und wie in den beiden anderen Geschichten steht hier ein ganz normales Kind im Mittelpunkt, das außergewöhnliche Dinge erlebt.

Ob es um Auggie und Julian, Auggie und Christopher oder Auggie und Charlotte geht, die drei Geschichten beschäftigen sich damit, was Freundschaft, Loyalität und Mitgefühl bedeuten – und sie zeigen, was echte Freundlichkeit hervorbringen kann. Vieles ist geschrieben worden über die ersten Schuljahre vor dem Beginn der Teenagerzeit und wie es für Kinder ist, wenn sie sich durch ganz neue soziale Situationen manövrieren, oft ohne echte Hilfe von ihren Eltern. Nicht immer verhalten sie sich dabei fair oder sind besonders nett, aber immer wieder stelle ich fest, dass Kinder im Grunde das Bedürfnis haben, sich anständig, ja geradezu edel zu verhalten. Ich glaube an Kinder, an ihre grenzenlose Fähigkeit zu lieben, ihren Wunsch, die Welt zu retten. Ich habe keinen Zweifel, dass sie uns in eine Zukunft führen werden, in der eine größere Toleranz herrschen wird und in der alle bunten Vögel unserer Welt ganz selbstverständlich aufgehoben sind. Alle Außenseiter und Ausgestoßenen.

Raquel J. Palacio

1 Wie Julian es sah

Be kind, for everyone you meet is fighting a hard battle.

Sei freundlich zu den Menschen, denn jeder, dem du begegnest, kämpft einen harten Kampf.

Ian Maclaren

Zuvor

Perhaps I have created the stars and the sun and this enormous house, but I no longer remember.

Vielleicht habe ich die Sterne und die Sonne und das ungeheure Haus geschaffen; doch entsinne ich mich dessen nicht mehr.

Jorge Luis Borges, »Das Haus des Asterion«

***

Fear can’t hurt you any more than a dream.

Ein Traum tut euch nichts, und die Angst auch nicht.

William Golding, »Herr der Fliegen«

Normal

Okay, okay, okay.

Ich weiß, ich weiß, ich weiß.

Ich bin nicht nett gewesen zu August Pullman!

Große Sache. Davon geht echt nicht die Welt unter, Leute! Wir können uns jetzt auch mal wieder einkriegen, okay? Da draußen laufen Millionen von Menschen rum, und da ist eben nicht jeder nett zu jedem. So ist das halt. Also, könnt ihr jetzt bitte darüber wegkommen? Ich finde, es wird langsam Zeit, dass ihr das abhakt und euch um euer eigenes Leben kümmert, findet ihr nicht?

Mann, ey!

Ich kapier’s nicht. Echt nicht. Eben bin ich noch der beliebteste Schüler im ganzen fünften Jahrgang. Und im nächsten Moment bin ich so was von – ach, ich weiß auch nicht. Ist ja egal. Das ist so ätzend. Das ganze Jahr ätzt mich an! Ich wünschte, Auggie Pullman wäre erst gar nicht zur Beecher Prep gekommen! Ich wünschte, er hätte sein kleines Horrorgesicht weiter versteckt wie das Phantom der Oper oder so. Setz ’ne Maske auf, Auggie! Und schieb dein Gesicht aus meinem Blickfeld, bitte. Alles wäre sehr viel einfacher, wenn du einfach verschwinden würdest.

Zumindest für mich. Ich will übrigens gar nicht behaupten, dass es für ihn das reinste Zuckerschlecken ist. Mir ist schon klar, dass es für ihn nicht leicht sein kann, jeden Tag in den Spiegel zu gucken oder über die Straße zu laufen. Aber das ist nicht mein Problem. Mein Problem ist, dass alles anders geworden ist, seit er auf meine Schule geht. Meine Mitschüler sind anders. Ich bin anders. Und das kotzt mich tierisch an.

Ich wünschte, alles wäre so, wie es früher war, in der vierten Klasse. Damals hatten wir so, so, so viel Spaß. Wir spielten Fangen auf dem Hof, und ich will ja nicht angeben, aber überhaupt ist mir jeder nachgelaufen, wisst ihr? Ich mein ja bloß. Jeder wollte mich als Partner haben bei den Schulprojekten. Und immer haben alle gelacht, wenn ich was Lustiges gesagt habe.

In der Mittagspause hab ich immer mit meinen Jungs zusammengesessen, und wir waren, na ja, wir waren das ganz große Ding. Wir waren absolut angesagt. Henry. Miles. Amos. Jack. Wir waren mega! Es war so cool. Wir hatten all diese Insiderwitze. Kleine Handzeichen für alles Mögliche.

Keine Ahnung, warum sich das ändern musste. Ich weiß nicht, warum alle sich plötzlich so dämlich anstellen.

Genau genommen, weiß ich’s doch: Wegen Auggie Pullman. Seit dem Moment, an dem der hier aufgetaucht ist, ist nichts mehr wie vorher. Früher war alles vollkommen normal. Und jetzt ist alles total versaut. Und das nur seinetwegen.

Und wegen Mr. Pomann. Eigentlich ist es sogar komplett die Schuld von Mr. Pomann.

Der Anruf

Ich weiß noch, Mom hat einen Riesenwirbel gemacht wegen des Anrufs von Mr. Pomann. Abends beim Essen kriegte sie sich gar nicht mehr darüber ein, was für eine Ehre das gewesen sei. Der Middle-School-Leiter hatte bei uns zu Hause angerufen, um zu fragen, ob ich irgendeinen neuen Schüler zur Begrüßung unter meine Fittiche nehmen könnte. Wow! Was für eine Sensation! Mom führte sich auf, als hätte ich den Oscar gewonnen oder so was. Sie sagte, das würde ihr zeigen, dass die Schule doch erkennen könne, welche Kinder die »besonderen Kinder« sind, und das fand sie ganz toll. Mom hatte Mr. Pomann noch nie persönlich getroffen, da er ja der Leiter der Middle School war und ich noch zur Grundschule ging, aber sie konnte gar nicht aufhören, sich darüber zu freuen, wie nett er am Telefon gewesen war.

Mom ist schon immer eine große Nummer an der Schule gewesen. Sie gehört zu diesem Trägervereins-Ding, von dem ich nicht mal weiß, was das überhaupt ist, aber anscheinend ist es ganz wichtig. Sie meldet sich auch ständig freiwillig für irgendwelche Ämter. Sie war zum Beispiel immer die Elternsprecherin in jeder Klasse, in die ich auf der Beecher Prep gegangen bin. Immer. Sie tut viel für die Schule.

An dem Tag, an dem ich zu diesem Willkommenskomitee gehören sollte, setzte sie mich vor der Schule ab. Sie wollte mit mir zusammen reingehen, aber ich meinte bloß: »Mom, ich geh jetzt auf die Middle School!« Sie kapierte den Wink und fuhr weg, bevor ich reinging.

Charlotte Cody und Jack Will waren bereits in der Eingangshalle, und wir begrüßten uns. Jack und ich machten den Spezialhandschlag unserer Clique und sagten dem Wachmann Hallo. Dann gingen wir zu Mr. Pomanns Büro hinauf. Es war so komisch, in der Schule zu sein, wenn sonst keiner da war!

»Mann, hier könnten wir megamäßig Skateboard fahren, und keiner würd’s mitkriegen!«, sagte ich zu Jack, sobald wir aus der Halle raus waren und uns der Wachmann nicht mehr sehen konnte, während ich mit Anlauf über den glatten Boden schlitterte.

»Ha, yeah«, sagte Jack, aber mir fiel auf, dass er immer stiller wurde, je weiter wir uns Mr. Pomanns Büro näherten. Genau genommen sah er aus, als würde er uns gleich vor die Füße kotzen.

Als wir beinahe am Ende der Treppe angekommen waren, hielt er plötzlich an.

»Ich will das nicht!«, sagte er.

Ich blieb neben ihm stehen. Charlotte war bereits oben an der Brüstung angekommen.

»Kommt schon!«, sagte sie.

»Du bist hier nicht der Boss!«, entgegnete ich.

Sie schüttelte den Kopf und verdrehte demonstrativ die Augen. Ich lachte und knuffte Jack mit dem Ellenbogen. Wir liebten es, Charlotte Cody zu ärgern. Ständig spielte sie sich als Streberpüppchen auf!

»Das ist so ein Mist«, sagte Jack und rieb sich mit der Hand übers Gesicht.

»Was?«

»Weißt du, wer dieser neue Schüler ist?«, fragte er.

Ich schüttelte den Kopf.

»Aber du weißt es, oder?«, sagte Jack zu Charlotte und schaute zu ihr auf.

Charlotte kam die Stufen zu uns herunter. »Ich glaube schon«, sagte sie. Sie verzog das Gesicht, als hätte sie auf irgendwas Bitteres gebissen.

Jack schüttelte den Kopf und schlug sich dann mit der flachen Hand vor die Stirn. »Ich bin so ein Idiot, dass ich mich darauf eingelassen habe!«, sagte er mit aufeinandergepressten Zähnen.

»Moment mal, wer ist es denn?«, fragte ich. Ich stieß Jack gegen die Schulter, damit er mich ansah.

»Es ist dieser Junge, der August heißt«, erklärte er mir. »Du weißt schon – der Typ mit dem Gesicht?«

Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach.

»Willst du mich veräppeln?«, sagte Jack. »Du hast noch nie den Jungen gesehen? Er lebt hier im Viertel! Manchmal hängt er auf dem Spielplatz rum. Du musst ihn schon mal gesehen haben! Jeder hat ihn schon mal gesehen!«

»Er wohnt nicht hier im Viertel«, entgegnete Charlotte.

»Doch, tut er!«, sagte Jack ungeduldig.

»Das mein ich nicht – Julian wohnt nicht hier im Viertel«, erwiderte sie ebenso ungeduldig.

»Was hat das denn damit zu tun?«, fragte ich.

»Egal!«, unterbrach Jack. »Spielt keine Rolle. Vertrau mir, Alter, so was hast du in deinem Leben noch nicht gesehen.«

»Sei bitte nicht fies, Jack«, sagte Charlotte. »Das ist nicht nett.«

»Ich bin nicht fies!«, sagte Jack. »Ich bin bloß ehrlich.«

»Wie sieht er denn genau aus?«, fragte ich.

Jack antwortete nicht. Er stand einfach nur da und schüttelte den Kopf. Ich schaute Charlotte an, die ihre Stirn in Falten zog.

»Wirst du ja sehen«, sagte sie. »Jetzt kommt endlich, okay?« Sie drehte sich um, marschierte die Stufen hinauf und verschwand im Flur vor Mr. Pomanns Büro.

»Jetzt kommt endlich, okay?«, sagte ich zu Jack im perfekt nachgeäfften Charlotte-Tonfall. Ich dachte, das würde ihn voll zum Lachen bringen, aber so war es nicht.

»Jack, Alter, los jetzt!«, sagte ich.

Ich tat so, als würde ich ihm voll eine ins Gesicht knallen. Darüber musste er dann doch ein bisschen lachen, und er holte in Zeitlupe zum Kinnhaken gegen mich aus. Das führte zu unserem typischen So-als-ob-Fight, bei dem wir immer versuchen, uns gegenseitig in den Brustkorb zu hauen.

»Leute, kommt jetzt!«, kommandierte Charlotte vom Treppenabsatz aus. Sie war noch mal zurückgekommen, um uns zu holen.

»Leute, kommt jetzt!«, flüsterte ich Jack zu, und diesmal musste er auch ein bisschen lachen.

Doch sobald wir um die Ecke gebogen waren und zu Mr. Pomanns Büro kamen, wurden wir alle ziemlich ernst.

Als wir eintraten, bat uns Mrs. Garcia, im Büro von Schwester Molly zu warten, einem kleinen Raum neben dem Büro von Mr. Pomann. Während wir warteten, sprachen wir kein Wort miteinander. Eigentlich hätte ich total gern die Latexhandschuhe, die in einer Box neben dem Untersuchungstisch lagen, zu Ballons aufgeblasen, ich ließ es aber lieber bleiben, obwohl ich mir sicher war, dass ich damit alle zum Lachen gebracht hätte.

Mr. Pomann

Mr. Pomann kam ins Büro. Er war groß, irgendwie dünn und hatte zerzauste graue Haare.

»Hey, Leute«, sagte er lächelnd. »Ich bin Mr. Pomann. Du musst Charlotte sein.« Er gab Charlotte die Hand. »Und du bist …« Er schaute mich an.

»Julian«, sagte ich.

»Julian«, wiederholte er lächelnd. Er schüttelte mir die Hand.

»Und du bist Jack Will«, sagte er zu Jack und schüttelte auch ihm die Hand.

Er setzte sich auf den Stuhl, der neben dem Schreibtisch von Schwester Molly stand. »Erst einmal möchte ich euch danken, dass ihr heute hierhergekommen seid, Leute. Ich weiß, draußen ist herrlicher Sonnenschein, und ihr würdet wahrscheinlich viele Dinge lieber tun. Wie war der Sommer denn für euch? Okay?«

Wir nickten alle irgendwie und schauten einander an.

»Wie war denn der Sommer für Sie?«, fragte ich.

»Oh, wie nett, dass du fragst, Julian!«, erwiderte er. »Der Sommer war großartig, danke schön. Aber ich freue mich ganz ehrlich schon auf den Herbst. Ich hasse dieses heiße Wetter.« Er zupfte an seinem Hemd. »Meinetwegen kann der Winter kommen.«

Wir drei nickten darauf eifrig mit dem Kopf wie die Volldeppen. Ich weiß echt nicht, warum die Erwachsenen immer glauben, mit Kindern einen auf Small Talk machen zu müssen. Wir kommen uns bloß komisch vor dabei. Ich meine, ich persönlich hab kein Problem damit, mit Erwachsenen zu reden – vielleicht, weil ich so viel reise und mich schon mit ziemlich vielen Erwachsenen unterhalten habe –, aber die meisten Kinder sprechen echt nicht gern mit Erwachsenen. So ist das einfach. Wenn ich zum Beispiel die Eltern von einem Freund von mir sehe und wir nicht gerade in der Schule sind, vermeide ich Augenkontakt, damit ich nicht mit denen reden muss. Das ist einfach zu unangenehm. Sehr unangenehm ist es auch, wenn man außerhalb der Schule einem Lehrer über den Weg läuft. Einmal hab ich zum Beispiel eine Lehrerin, die ich in der dritten Klasse hatte, mit ihrem Freund in einem Restaurant gesehen, und ich hab nur gedacht: Ihhhhgitt! Ich will nicht sehen, wie meine Lehrerin mit ihrem Lover abhängt, wisst ihr?

Na egal, da waren wir also: Ich, Charlotte und Jack, und wir nickten wie die Gehirnamputierten, während Mr. Pomann immer weiter über den Sommer quatschte. Aber irgendwann kam er endlich – endlich! – zum Punkt.

»Also, Leute«, sagte er und schlug sich mit den Händen gegen die Oberschenkel. »Es ist wirklich nett, dass ihr hierfür euren Nachmittag opfert. In ein paar Minuten werde ich euch den Jungen vorstellen, den ich in mein Büro bestellt habe, und ich will euch nur schon mal im Vorfeld ein paar Dinge über ihn mit auf den Weg geben. Ich meine, euren Müttern hab ich ja schon ein bisschen von ihm erzählt – haben sie mit euch gesprochen?«

Charlotte und Jack nickten, aber ich schüttelte den Kopf.

»Meine Mom hat bloß gesagt, er wäre ziemlich oft operiert worden«, sagte ich.

»Nun, ja«, erwiderte Mr. Pomann. »Aber hat sie dir die Sache mit seinem Gesicht erklärt?«

Ich muss sagen, das war der Moment, an dem ich so langsam dachte: Okay, was zur Hölle soll ich eigentlich hier?

»Also, ich weiß nicht«, sagte ich und kratzte mich am Kopf. Ich versuchte mich daran zu erinnern, was Mom genau gesagt hatte. Ich hatte nicht wirklich zugehört. Die meiste Zeit hatte sie, glaub ich, bloß davon geredet, was für eine Ehre es sei, dass man mich ausgewählt hatte. Dass irgendwas nicht stimmte mit dem Jungen, hatte sie jedenfalls nicht betont. »Sie meinte, Sie hätten gesagt, dass der Junge viele Narben hätte und so was. Wie wenn er bei einem Feuer verbrannt worden wäre.«

»Das ist nicht ganz das, was ich gesagt habe«, erwiderte Mr. Pomann und hob beide Augenbrauen. »Eigentlich habe ich deiner Mom erzählt, dass der Junge eine schwere kraniofaziale Auffälligkeit …«

»Oh, genau, genau, genau!« Ich unterbrach ihn, denn jetzt fiel es mir wieder ein. »Das Wort hat sie benutzt. Sie meinte, es wäre wie eine Hasenscharte oder so was Ähnliches.«

Mr. Pomann verzog das Gesicht.

»Na ja«, sagte er, hob seine Schultern und neigte den Kopf, »es ist doch etwas mehr als das.« Er stand auf und klopfte mir auf die Schulter. »Es tut mir leid, wenn ich das deiner Mutter nicht klargemacht habe. In jedem Fall möchte ich euch nicht in Verlegenheit bringen. Genau genommen spreche ich jetzt mit euch, damit die Situation nicht unangenehm für euch wird. Ich wollte euch nur vorwarnen, dass dieser Junge tatsächlich ganz anders aussieht als andere Kinder. Und das ist kein Geheimnis. Er ist bereits so auf die Welt gekommen. Das versteht er. Er ist ein großartiger Junge. Sehr klug. Sehr nett. Er ist noch nie auf eine Schule gegangen, denn bisher ist er zu Hause unterrichtet worden, wisst ihr, wegen all seiner Operationen. Und deshalb möchte ich, dass ihr ihn ein bisschen herumführt, ihn kennenlernt, seine Willkommenskumpels seid. Ihr könnt ihm selbstverständlich Fragen stellen, wenn ihr wollt. Sprecht ganz normal mit ihm. Er ist wirklich ein ganz normaler Junge, der eben ein Gesicht hat, das … ihr wisst schon, das nicht so normal ist.« Er schaute uns an und atmete tief ein. »Oh, Mann, ich glaube, jetzt hab ich euch bloß noch nervöser gemacht, oder?«

Wir schüttelten den Kopf. Mr. Pomann rieb sich die Stirn.

»Wisst ihr«, sagte er, »zu den Dingen, die man lernt, wenn man so alt wird wie ich, gehört es, dass manchmal neue Situationen auftauchen, von denen man überhaupt nicht weiß, wie man mit ihnen umgehen soll. Es gibt kein Lehrbuch, in dem stehen würde, wie man sich in jeder beliebigen Lebenssituation verhalten soll, wisst ihr? Deshalb sage ich immer, dass man mit Freundlichkeit stets auf der sicheren Seite ist. Das ist das Geheimnis. Wenn ihr nicht wisst, wie ihr euch verhalten sollt, seid einfach freundlich. Damit könnt ihr nichts falsch machen. Und deshalb habe ich euch drei auch gebeten, mir hier aus der Patsche zu helfen, denn von euren Grundschullehrern habe ich erfahren, dass ihr sehr nette Schüler seid.«

Wir wussten nicht, was wir darauf sagen sollten, also grinsten wir bloß wie drei hohle Nüsse.

»Behandelt ihn einfach, wie ihr jeden Jungen behandeln würdet, den ihr gerade kennenlernt«, sagte er. »Mehr wollte ich auch eigentlich gar nicht sagen. Okay, Leute?«

Darauf nickten wir alle gleichzeitig. Total gehirnamputiert.

»Ihr seid echt klasse«, sagte Mr. Pomann. »Also, entspannt euch, wartet hier noch ein Weilchen, und dann kommt Mrs. Garcia in ein paar Minuten und holt euch.« Er öffnete die Tür. »Und noch mal, Leute, habt ganz vielen Dank dafür, dass ihr das macht. Es bringt gutes Karma, Gutes zu tun. Das ist eine Mitzwa, wisst ihr?«

Dabei lächelte er, zwinkerte uns zu und verließ den Raum.

Wie auf Kommando atmeten wir gleichzeitig aus. Dann schauten wir mit ziemlich großen Augen einander an.

»Also«, sagte Jack, »ich hab keine Ahnung, was zur Hölle Karma sein soll, und was Mitzwa ist, weiß ich erst recht nicht!«

Das brachte uns alle kurz zum Lachen, auch wenn es ein ziemlich nervöses Lachen war.

Der erste Blick

Ich will euch jetzt gar nicht haarklein erzählen, was an diesem Tag sonst noch geschah. Ich will nur betonen, dass Jack zum ersten Mal in seinem Leben nicht übertrieben hatte. Ganz im Gegenteil.

Nach dem ersten Blick, den ich auf August geworfen hatte, wollte ich mir nur noch, na ja, die Augen zuhalten und schreiend wegrennen. Zack, fertig. Ich weiß, das klingt fies, und das tut mir auch leid. Aber es ist die Wahrheit. Und jeder, der behauptet, ihm wär’s beim ersten Blick auf Auggie Pullman anders gegangen, der ist nicht ehrlich. Ganz im Ernst.

Ich wäre auch direkt wieder zur Tür rausgelaufen, nachdem ich ihn gesehen hatte, aber ich wusste, dass ich dafür Ärger bekommen würde. Also guckte ich einfach weiter Mr. Pomann an und versuchte, ihm zuzuhören. Aber das Einzige, was ich hörte, war bla bla bla bla bla bla, denn mir brannten förmlich die Ohren. In meinem Kopf ging’s die ganze Zeit bloß: Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter!

Alter! Alter! Alter! Alter! Alter!

Ich glaub, ich hab ungefähr tausendmal Alter zu mir selbst gesagt. Weiß auch nicht, warum.

Irgendwann stellte er uns dann Auggie vor. Ahhh! Ich glaub, ich hab ihm sogar die Hand gegeben. Ahhh hoch drei! Ich wollte nur noch ganz schnell den Abflug machen und mir die Hände waschen. Doch bevor ich wusste, was abgeht, wurden wir alle zusammen zur Tür rausgeschickt, den Flur runter und die Treppe rauf.

Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter! Alter!

Ich schnappte Jacks Blick auf, als wir die Treppe Richtung Homeroom raufgingen. Ich riss meine Augen ganz weit auf und sagte lautlos: »Krass!«

Und Jack sagte ebenso leise: »Ich hab’s dir gesagt!«

Angst

Ich weiß noch, wie ich einmal abends, als ich fünf war, im Fernsehen eine Folge SpongeBob geguckt habe und plötzlich eine Werbung kam, die mir eine Heidenangst eingejagt hat. Es war ein paar Tage vor Halloween. Zu der Zeit liefen viele Werbespots, die irgendwie gruselig waren, aber bei diesem ging es um einen neuen Teenie-Horrorfilm, von dem ich noch nichts gehört hatte. Ich schaute mir also die Werbung an, und plötzlich tauchte die Großaufnahme von so einem Zombiegesicht auf dem Bildschirm auf. Na ja, das hat mir jedenfalls ’ne Riesenangst eingejagt. Ich meine, so eine Angst, bei der man ganz im Ernst schreiend und mit hochgerissenen Armen aus dem Raum rauslaufen will. RIESEN-AAAAAAAA-NGST!

Danach habe ich mich so davor gefürchtet, zufällig wieder auf dieses Zombiegesicht zu stoßen, dass ich überhaupt kein Fernsehen mehr schaute, bis Halloween vorüber war und der Film nicht mehr im Kino lief. Ernsthaft, ich habe überhaupt nicht mehr ferngesehen – solche Angst hatte ich!

Kurze Zeit später war ich bei einem anderen Jungen zu Hause zum Spielen, an dessen Namen ich mich nicht mal mehr erinnere. Und dieser Junge stand total auf Harry Potter, also haben wir zusammen einen von den Harry-Potter-Filmen geschaut (ich kannte die damals selbst noch nicht). Na ja, und als ich zum ersten Mal das Gesicht von Voldemort sah, passierte dasselbe wie an dem Tag, als ich den Halloween-Werbespot gesehen hatte. Ich fing hysterisch an zu schreien und heulte wie ein totales Baby. Es war so schlimm, dass die Mutter von dem Jungen mich gar nicht beruhigen konnte und meine Mom anrufen musste, damit sie mich abholte. Sie war dann richtig sauer auf die Mutter des Jungen, weil die erlaubt hatte, dass ich mir den Film anschaute, und so fingen die beiden schließlich an, sich zu streiten, und – langer Rede kurzer Sinn – ich bin nie wieder zu dem Jungen zum Spielen gegangen. Na, jedenfalls war ich, zwischen dem Halloween-Zombie und dem nasenlosen Voldemort-Gesicht, ziemlich fertig mit den Nerven.

Dummerweise nahm mich etwa zur selben Zeit auch noch mein Vater mit ins Kino. Ich war ja erst fünf. Vielleicht gerade sechs geworden. Was auch eigentlich kein Problem hätte sein dürfen: Der Film, den wir uns anschauen wollten, war ohne Altersbeschränkung freigegeben, alles bestens, nichts Gruseliges dabei. Aber zu den Filmvorschauen, die gezeigt wurden, gehörte auch die von Scary Fairy, einem Film über Dämonen-Feen. Ich weiß – Feen sind total öde! –, und wenn ich heute zurückschaue, kann ich gar nicht fassen, dass mir dieser Mist so eine Angst eingejagt hat, doch bei dieser Vorschau bin ich komplett ausgetickt. Mein Dad musste mich aus dem Kino bringen, denn ich konnte – schon wieder! – nicht aufhören zu weinen. Das war so peinlich! Ich meine: Angst vor Feen? Was kommt als Nächstes? Panik vor fliegenden Ponys? Vor Barbiepuppen? Schneeflocken? Es war verrückt! Aber da war ich nun und zitterte und schrie, während ich aus dem Kino gebracht wurde und das Gesicht im Mantel meines Vaters versteckte. Ich bin mir sicher, da saßen Dreijährige in den Reihen, die mich anschauten, als wäre ich das größte Weichei aller Zeiten.

Aber das ist das Schlimme daran, wenn man Angst hat. Man kann es nicht kontrollieren. Wenn du Angst hast, hast du Angst. Und wenn du Angst hast, sieht alles Furcht einflößender aus, als es normalerweise der Fall wäre – selbst Sachen, die ganz harmlos sind. Alles, was dir Angst macht, schiebt sich irgendwie zusammen und wird zu diesem großen, Furcht einflößenden Gefühl. Es ist, als würde man von einer Decke aus Angst zugedeckt werden und als würde diese Decke aus Glasscherben und Hundekacke und Eiterschleim und blutigen Zombiepickeln bestehen.

Ich bekam schreckliche Albträume. Jede Nacht wachte ich schreiend auf. Irgendwann war es so schlimm, dass ich Angst hatte einzuschlafen, weil ich nicht schon wieder einen Albtraum haben wollte. Deshalb fing ich auch an, bei meinen Eltern im Bett zu schlafen. Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass das nur für ein paar Nächte nötig war, aber es ging sechs Wochen lang so weiter. Sie durften auch nicht das Licht ausmachen. Jedes Mal, wenn ich anfing einzudösen, bekam ich eine Panikattacke. Ich meine, ich bekam dann wortwörtlich schweißnasse Hände, und mein Herz raste, also fing ich an, zu weinen und zu schreien, wenn ich mich ins Bett legen sollte.

Meine Eltern gingen mit mir zu einer Ärztin »für die Seele«, und ich begriff erst später, dass sie eigentlich Kinderpsychologin war. Dr. Patel half mir ein bisschen. Sie sagte, ich würde »nächtliche Angstepisoden« durchmachen, und es half mir tatsächlich, mit ihr darüber zu reden. Aber ich glaube, was mir wirklich darüber weggeholfen hat, waren die Tierfilme vom Discovery Channel, die mir meine Mom eines Tages mit nach Hause brachte. Woo-hoo für diese Tierfilme! Jeden Abend schoben wir einen davon in den DVD-Player, und zu der Stimme von irgend so einem Typen mit britischem Akzent, der über Meerkatzen und Koalas und Quallen redete, schlief ich dann schließlich ein.

Irgendwann wurde ich die Albträume auch wieder los. Alles kehrte zur Normalität zurück. Doch dann und wann erlitt ich, wie Mom sagte, einen »kleinen Rückfall«. Heute liebe ich Star Wars, aber als ich zum Beispiel mit acht bei einem Freund übernachtete und zum ersten Mal Star Wars: Episode II sah, musste ich nachts um zwei meiner Mom eine SMS schreiben, damit sie mich abholte, weil ich nicht einschlafen konnte: Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, tauchte das Gesicht von Darth Sidious vor mir auf. Ungefähr drei Wochen mit Tierfilmen waren nötig, um über diesen Rückfall hinwegzukommen (und etwa ein Jahr lang übernachtete ich auch nicht mehr bei Freunden). Dann, mit neun, sah ich Herr der Ringe: Die zwei Türme zum ersten Mal, und wieder passierte mir das Gleiche, auch wenn ich diesmal nur etwa eine Woche brauchte, um Gollum aus meinem Kopf zu kriegen.

Als ich dann zehn wurde, war das mit den Albträumen allerdings so ziemlich vorbei. Sogar die Angst, Albträume zu bekommen, war nicht mehr da. Wenn ich also zum Beispiel bei Henry zu Hause war und er sagte: »Hey, lass uns einen Horrorfilm gucken«, war meine erste Reaktion nicht mehr: »Nein, davon könnte ich einen Albtraum kriegen!« (Was früher der Fall gewesen wäre.) Stattdessen sagte ich bloß: »Cool! Wo ist das Popcorn?« Mit der Zeit war ich endlich in der Lage, mir alle möglichen Filme anzuschauen. Irgendwann fand ich sogar Zombie-Apokalypse-Kram total gut, und nichts davon machte mir je was aus. Der Albtraummist lag definitiv hinter mir.

Zumindest glaubte ich das.

Doch dann, in der Nacht, nachdem ich Auggie Pullman kennengelernt hatte, fingen meine Albträume wieder an. Ich konnte es nicht fassen. Nicht bloß schlechte Träume, die einfach so vorübergehen, sondern das volle Albtraumprogramm mit Herzrasen und schreiendem Aufwachen, wie ich es als kleiner Junge gehabt hatte. Nur dass ich jetzt kein kleiner Junge mehr war.

Ich ging in die fünfte Klasse! Ich war elf Jahre alt! So was sollte mir nicht mehr passieren!

Doch da war ich wieder – und schaute mir Tierfilme an, um einschlafen zu können.

Das Klassenfoto

Ich habe versucht, meiner Mom zu beschreiben, wie Auggie aussieht, doch sie verstand es nicht, bis mit der Post die Schulfotos bei uns ankamen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihn nie richtig gesehen. Beim Thanksgiving-Basar war sie auf einer Geschäftsreise gewesen, und so hatte sie ihn dort nicht erlebt. Bei unserem Projekttag im Ägyptischen Museum war Auggies Gesicht mit Mumienverbänden verdeckt gewesen. Und Schulkonzerte hatten auch noch keine stattgefunden. Als Mom den großen Umschlag mit meinem Klassenfoto darin öffnete, sah sie Auggie also zum ersten Mal und fing endlich an, meine neuen Albtraumprobleme zu verstehen.

Es war eigentlich sogar ganz witzig. Ich kann ganz genau beschreiben, wie sie reagierte, denn ich beobachtete sie, als sie den Umschlag öffnete. Zuerst riss sie die Oberseite mit einem Brieföffner auf. Dann zog sie mein Einzelporträt heraus und legte sich eine Hand auf die Brust.

»Ohhh, Julian, du siehst so hübsch aus!«, sagte sie. »Ich bin so froh, dass du die Krawatte umgebunden hast, die Grand-Mère dir geschickt hat.«

Ich aß gerade eine Portion Eis am Küchentisch, lächelte bloß und nickte.

Dann sah ich ihr dabei zu, wie sie das Jahrgangsfoto aus dem Umschlag nahm. In der Grundschulzeit wird jede Klasse mit ihrem eigenen Lehrer einzeln fotografiert, aber in der Middle School gibt es nur ein großes Gruppenfoto des ganzen fünften Jahrgangs. Das sind dann also sechzig Kinder, die vor dem Schuleingang stehen. Fünfzehn Schüler pro Reihe. Vier Reihen. Ich stand ganz hinten zwischen Amos und Henry.

Mom betrachtete das Foto mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

»Oh, da bist du ja!«, sagte sie, als sie mich entdeckt hatte.

Immer noch lächelnd ließ sie ihren Blick über das Foto wandern.

»Herrje, jetzt schau sich mal einer an, wie groß der Miles geworden ist!«, sagte Mom. »Und ist das Henry? Sieht so aus, als würde er einen Schnurrbart bekommen! Und wer ist …«

Und dann hörte sie auf zu reden. Das Lächeln blieb noch wie festgefroren für ein, zwei Sekunden auf ihrem Gesicht, und dann veränderte sich ihr Gesichtsausdruck wie im Schockzustand.

Sie legte das Foto ab und starrte ausdruckslos vor sich hin. Dann betrachtete sie das Foto erneut.

Schließlich schaute sie mich an. Sie lächelte nicht.

»Das ist der Junge, von dem du erzählt hast?«, fragte sie. Ihre Stimme hatte sich vollkommen verändert, klang jetzt ganz anders als zuvor.

»Ich hab’s dir ja gesagt«, erwiderte ich.

Sie schaute wieder das Foto an. »Das ist nicht bloß eine Hasenscharte.«

»Niemand hat jemals behauptet, es sei eine Hasenscharte«, sagte ich. »Mr. Pomann hat das nie gesagt.«

»Doch, das hat er. Damals am Telefon.«

»Nein, Mom«, erwiderte ich. »Von Gesichtsproblemen hat er gesprochen, und du hast einfach nur angenommen, dass er damit eine Hasenscharte meint. Aber Hasenscharte hat er niemals gesagt.«

»Ich könnte schwören, er hätte gesagt, der Junge habe eine Hasenscharte«, entgegnete sie, »aber das hier ist ja so viel schlimmer.« Sie sah wirklich verblüfft aus. Sie konnte nicht aufhören, das Foto anzustarren. »Was hat er denn genau? Ist er in seiner Entwicklung zurückgeblieben? So wie er aussieht, könnte das sein.«

»Glaub ich nicht«, sagte ich und zuckte mit den Schultern.

»Redet er denn normal?«

»Er nuschelt irgendwie«, antwortete ich. »Manchmal ist es schwer, ihn zu verstehen.«

Mom legte das Bild hin und setzte sich. Sie begann, mit ihren Fingern auf den Tisch zu trommeln.

»Ich komme nicht drauf, wer seine Mutter ist«, sagte sie und schüttelte den Kopf. »Es gibt so viele neue Eltern an der Schule, mir fällt einfach nicht ein, wer es sein könnte. Ist sie blond?«

»Nein, sie hat dunkle Haare«, antwortete ich. »Ich seh sie manchmal, wenn sie ihn absetzt.«

»Sieht sie … auch aus wie der Sohn?«

»Oh nein, gar nicht«, sagte ich. Ich setzte mich neben sie, nahm das Foto in die Hand, warf aber nur einen vorsichtigen Seitenblick darauf. Auggie stand in der ersten Reihe, ganz außen links. »Ich hab’s dir gesagt, Mom. Du hast mir nicht geglaubt, aber ich hab’s dir gesagt.«

»Es ist nicht so, dass ich dir nicht geglaubt habe«, sagte sie beschwichtigend. »Ich bin bloß irgendwie … überrascht. Mir war nicht klar, dass es so ernst ist. Ach, ich glaube, ich weiß, wer sie ist, seine Mom. Ist sie sehr hübsch, irgendwie exotisch, und hat so dunkle Locken?«

»Was?« Ich zuckte mit den Schultern. »Ich weiß nicht. Sie ist halt ’ne Mom.«

»Ich glaube, ich weiß, wer sie ist«, erwiderte Mom und nickte vor sich hin. »Ich hab sie auf dem Elternabend gesehen. Ihr Mann sieht auch gut aus.«

»Keine Ahnung«, sagte ich und schüttelte den Kopf.

»Oh, diese armen Leute!« Sie presste sich die Hand aufs Herz.

»Verstehst du jetzt, warum ich wieder Albträume habe?«

Sie fuhr mir mit den Fingern durchs Haar.

»Hast du denn immer noch Albträume?«

»Ja. Nicht mehr jede Nacht wie im ersten Monat nach den Ferien, aber ja – immer noch!« Mit Schwung knallte ich das Foto auf die Tischplatte. »Warum musste der überhaupt zur Beecher Prep kommen?«

Ich schaute Mom an, die nicht wusste, was sie sagen sollte. Sie begann damit, das Bild zurück in den Umschlag zu stecken.

»Komm übrigens bloß nicht auf die Idee, das Bild in mein Schulalbum zu kleben«, stieß ich aus. »Du solltest es einfach verbrennen oder so.«

»Julian!«

Dann fing ich aus heiterem Himmel an zu weinen.

»Oh, mein Schatz!«, sagte Mom überrascht. Sie drückte mich an sich.

»Ich kann nichts dafür, Mom«, sagte ich schluchzend. »Ich hasse es, dass ich den jeden Tag sehen muss!«

In dieser Nacht hatte ich denselben Albtraum, der mich seit dem Beginn des neuen Schuljahres verfolgte: Ich gehe darin den Hauptflur entlang, und alle Schüler stehen vor ihren Schließfächern, starren mich an und tuscheln, während ich an ihnen vorbeigehe. Ich steige die Treppe hinauf, bis ich zu den Toiletten komme, und dann schaue ich in den Spiegel. Doch der, den ich da sehe, das bin gar nicht ich. Es ist Auggie. Und dann muss ich schreien.

Photoshop

Am nächsten Morgen bekam ich mit, wie Mom und Dad sich unterhielten, während sie sich für die Arbeit fertig machten. Ich zog mir gerade meine Schulsachen an.

»Sie hätten mehr tun sollen, um die Kinder vorzubereiten«, sagte Mom zu Dad. »Die Schule hätte Briefe an die Eltern schicken sollen oder irgendwas, ich weiß auch nicht.«

»Ach, komm«, erwiderte Dad. »Und was hätte da drinstehen sollen? Was hätten sie denn schreiben sollen? Es geht ein hässliches Kind in eure Klasse? Also, komm.«

»Es ist ja nicht nur das.«

»Jetzt mach keine zu große Sache daraus, Melissa.«

»Du hast ihn nicht gesehen, Jules«, sagte Mom. »Es ist ziemlich schlimm. Die Eltern hätten informiert werden müssen. Ich hätte informiert werden müssen! Vor allem in Hinblick auf Julians Angststörungen.«

»Angststörungen?«, rief ich aus meinem Zimmer. Ich rannte in ihr Schlafzimmer hinüber. »Ihr glaubt, ich habe Angststörungen?«

»Nein, Julian«, sagte Dad. »Niemand behauptet das.«

»Mom hat es gerade gesagt!«, antwortete ich und zeigte auf Mom. »Ich hab doch gehört, wie sie Angststörungen gesagt hat. Ihr glaubt also, dass ich nicht ganz richtig bin im Kopf?«

»Nein!«, sagten beide.

»Bloß weil ich Albträume habe?«

»Nein!«, riefen sie.