Zärtlichkeit auf Zeit? - Judy Duarte - E-Book

Zärtlichkeit auf Zeit? E-Book

Judy Duarte

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Beschreibung

Elenas Traum ist eine Boutique in Houston, weshalb sie Bradens Angebot ablehnen sollte: Der alleinerziehende Vater bittet sie, einen Sommer lang Nanny bei ihm zu sein. Aber sie sagt Ja und findet heraus, wie wunderschön es ist, eine Familie zu haben - leider nur auf Zeit …

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IMPRESSUM

Zärtlichkeit auf Zeit? erscheint in der HarperCollins Germany GmbH

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Ralf MarkmeierLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Jennifer GalkaGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2016 by Judy Duarte Originaltitel: „The Cowboy’s Double Trouble“ erschienen bei: Harlequin Enterprises Ltd., Toronto Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe BIANCA EXTRABand 46 - 2017 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg Übersetzung: Rita Hummel

Umschlagsmotive: Harlequin Books S.A.

Veröffentlicht im ePub Format in 07/2019 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783733747916

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Ein klägliches Miauen durchdrang die morgendliche Stille.

Braden Rayburn stand in der Box einer Zuchtstute, die bald ihr Fohlen zur Welt bringen würde. Er drehte sich um und sah den sechsjährigen Alberto die Leiter zum Heuboden hochklettern, ein winselndes rot getigertes Kätzchen im Arm. Heute Morgen hatte der Kleine das verwahrloste Katzenbaby gefunden, das offenbar nicht zu weiteren Abenteuern aufgelegt war.

„Nein, Alberto!“, rief Braden. „Lass das Kätzchen sofort runter.“

Der Junge drehte sich erschrocken um. Das Nein hatte er zweifellos verstanden, aber er machte keine Anstalten, die Katze herunterzulassen.

Alberto – oder Beto, wie seine Zwillingsschwester Bela ihn nannte – konnte kein Englisch, und Bradens Spanischkenntnisse waren nicht der Rede wert. Wie hieß doch gleich „Katze“ auf Spanisch?

„Gato. Lass sie runter, sie zerkratzt dir sonst das ganze Gesicht.“

Braden merkte, dass seine Stimme genervt klang, doch wenigstens schien der Kleine ihn verstanden zu haben. Rasch kletterte er die Leiter wieder hinab, behielt das Kätzchen aber im Arm.

„Lass sie runter.“ Diesmal unterstützte Braden seine Worte mit eindeutigen Gesten. Zögernd gehorchte der Kleine, machte dabei aber kein besonders glückliches Gesicht.

„Wo ist denn deine Schwester?“, fragte Braden. „Bela? Dónde?“

Der Junge deutete in die Ecke der Scheune, wo seine Schwester mit einem schwarzen Kätzchen im Arm auf dem Heu saß. Möglicherweise stammte das Tier aus demselben Wurf wie das rote Tigerchen.

Wie kamen Menschen auf die Idee, ihre unerwünschten Haustiere einfach auszusetzen? Noch dazu in der Nähe einer Ranch – als gäbe es dort nicht schon genügend Tiere, um die man sich kümmern musste!

Braden lebte seit seiner Geburt auf der Bar M in Brighton Valley und hatte durch seinen verstorbenen Großvater von frühauf mitbekommen, wie schwer das Rancherleben war.

Er sah zu den Zwillingen hinüber, die jetzt einträchtig beisammensaßen, jeder ein Kätzchen auf dem Schoß. Sie plapperten unablässig miteinander, und Braden wünschte, er könnte sie verstehen, mit ihnen reden und ihnen sagen, wie leid es ihm tat, dass ihre Eltern tot waren. Aber die Zwillinge waren in Mexiko aufgewachsen, und es hätte ihm klar sein müssen, dass es Verständigungsprobleme geben würde.

Vor drei Monaten hatte Braden noch keine Ahnung von ihrer Existenz gehabt. Sie hatten in einem mexikanischen Waisenhaus gelebt und danach bei einer Kinderfrau. Dort hatte sein Halbbruder Jason sie abgeholt und für ein paar Tage zu sich nach Houston mitgenommen.

Dann war Jason mit seiner Frau Juliana zu der lange geplanten nachträglichen Hochzeitsreise nach Europa aufgebrochen, und Braden hatte eingewilligt, die beiden Sechsjährigen vorübergehend zu sich zu nehmen. Etwas anderes blieb ihm wohl kaum übrig, denn auch seine Halbschwester Carly war mit ihrem neuen Ehemann auf Reisen.

Das Problem war nur, dass er keine Ahnung hatte, wie man mit Kindern umging. Ganz abgesehen davon, dass er auf der Ranch alle Hände voll zu tun hatte und sich gar nicht richtig um die beiden kümmern konnte.

Gern würde er ihnen versichern, dass sie nun zur Familie gehörten und nicht mehr ins Waisenhaus mussten. Aber wie sollte er das mit Gestik und Mimik und den paar Brocken Spanisch, die er aus seiner Schulzeit behalten hatte, hinbekommen?

Vermutlich wussten die Zwillinge noch gar nicht, dass sie eine wichtige Gemeinsamkeit mit ihm und seinen beiden Halbgeschwistern hatten.

Alle fünf hatten denselben Vater.

Keines der Kinder war sonderlich überrascht gewesen, als herauskam, dass ihr alter Herr in Mexiko eine zweite Familie besaß. Charles Rayburn mochte ein erfolgreicher Geschäftsmann und Milliardär gewesen sein, doch was feste Beziehungen anging, war er eine ziemliche Niete.

Nachdem Braden sich einverstanden erklärt hatte, die Kinder zu hüten, bis seine Geschwister von ihren Reisen zurückkamen, ergriff ihn Panik. Wenn er vollkommen versagte wie sein eigener Vater? Was dann?

Finanziell hatte Charles Rayburn seinen Nachwuchs immer gut versorgt, aber ansonsten hatte er sich kaum um ihn gekümmert. Kein einziges Mal hatte er es geschafft, ein Fußballspiel oder eine Theateraufführung seiner Kinder zu besuchen. Nicht einmal bei ihren Schulabschlussfeiern war er dabei gewesen.

Das Schlimmste war, dass Braden und seine Halbgeschwister auch untereinander nie eine engere Bindung hatten aufbauen können, da ihr Vater das nicht gefördert hatte. Nur die Ferien verbrachten sie stets gemeinsam auf der Ranch ihrer Großmutter väterlicherseits. Doch Braden war sich dort immer wie ein Außenseiter vorgekommen. Vielleicht lag es daran, dass Charles Rayburn seine Mom nie geheiratet hatte.

Und jetzt hatte er zwei weitere Halbgeschwister am Hals, zumindest für die nächsten drei Wochen. Er konnte nur hoffen, dass entweder Jason oder Carly die Zwillinge danach bei sich aufnehmen würden. Beide waren verheiratet, und für Kinder war es allemal besser, in einer Familie aufzuwachsen als bei einem eingeschworenen Junggesellen.

Nicht dass er Beto und Bela nicht mochte. Er wusste nur einfach nicht, wie er das schaffen sollte. Erst vor Kurzem, nach dem Tod von Großvater Miller, hatte er die Ranch übernommen und kümmerte sich im Moment ganz alleine darum. Wie sollte er mit zwei lebhaften Kindern zum Arbeiten kommen?

Wenn sie in die Schule gingen, wäre es einfacher, aber im Moment waren Sommerferien, und sie würden erst danach eingeschult.

Vielleicht sollte er ein Kindermädchen einstellen. Das wäre gut für die Kinder, und er wäre entlastet.

Die Idee gefiel ihm immer besser, je länger er darüber nachdachte. Doch wie sollte er so schnell jemanden finden? Es müsste eine Frau sein, die Spanisch sprach und mit den Kindern liebevoll umging. Denn im Waisenhaus hatten sie bestimmt nicht viel Zuwendung bekommen.

„No!“, rief Beto. „Vengan gatitos!“

Braden drehte sich zu der Stimme um und beobachtete kopfschüttelnd, wie die beiden Kätzchen aus der Scheune sausten, die Kinder hinterher.

Er konnte ihnen jetzt unmöglich nachlaufen, denn bei seiner Zuchtstute fingen gerade die Wehen an.

Elena Ramirez schloss die Ladentür des Hay and Grain auf und bereitete alles für den ersten Kundenbesuch vor.

Zuerst fütterte sie die Tiere, dann kümmerte sie sich um die Enten- und Hühnerküken und die Kaninchenbabys. Ihr Dad warb in dieser Woche mit einer Sonderaktion für Jungtiere, und deshalb hatte Elena die Käfige und Körbe werbewirksam neben der Tür aufgestellt.

Das Verkaufen machte Elena nicht nur ungeheuren Spaß, sie kannte sich auch gut mit Verkaufsstrategien aus. Allerdings war das, was sie gern verkaufen würde, eher in Modezeitschriften als in Landwirtschaftskatalogen zu finden.

Während sie sich in der Tier- und Futtermittelhandlung ihres Vaters umblickte, stellte sie fest, dass sich in den vielen Jahren seit der Eröffnung nichts Wesentliches verändert hatte. Elena beschloss, die Zeit zu nutzen, in der sie hier aushalf, um ein paar Veränderungen vorzunehmen.

Als ihr Vater mit seiner Familie nach Brighton Valley gezogen war und den Laden gekauft hatte, war Elena gerade in die Oberstufe gekommen. Sie war sehr traurig gewesen, all ihre Freunde verlassen zu müssen, doch zugleich freute sie sich für ihren Dad, dass er nun die Möglichkeit hatte, auf eigenen Füßen zu stehen. Er war der Einzige von acht Geschwistern, der das geschafft hatte.

Anfangs hatte er sich schwer damit getan, das marode Futtermittelgeschäft wieder in Schwung zu bringen. Für eine Verkaufshilfe hatte er kein Geld, also sprang Elena nach der Schule und an den Wochenenden ein. Als sie dann zum Studium nach Austin zog, lief der Laden bereits so gut, dass Paco Ramirez sich stundenweise einen Verkäufer leisten konnte.

Bei den Eltern zu wohnen und wieder im Futtermittelladen zu arbeiten, fühlte sich für Elena wie ein Schritt zurück an. Aber ihr Dad war so froh, sie wieder zu Hause zu haben, dass es ihr nicht viel ausmachte.

Ihre Verkaufserfahrung war Elena während des Studiums sehr nützlich gewesen, denn sie hatte sofort einen Job in einer Modeboutique unweit der Universität gefunden. Und das hatte ihr so viel Spaß gemacht, dass sie nach ihrem Studienabschluss eine Weile dort weiterarbeitete. Leider war das Leben in Austin sehr teuer, und so ging der ganze Lohn für ihre Wohnung und die Abzahlung des Studienkredits drauf.

Es war schlicht unmöglich gewesen, Geld für ihr eigenes Modegeschäft anzusparen, von dem sie träumte. Daher hatte sie beschlossen, für einige Zeit zu ihren Eltern nach Brighton Valley zurückzuziehen. Dort könnte sie umsonst wohnen und das Geld, das sie in der Tierhandlung verdiente, für ihre Boutique zurücklegen.

„Ich habe mein kleines Mädchen sehr vermisst“, sagte ihr Vater zur Begrüßung und schleppte freudestrahlend ihr Gepäck ins Haus.

Dabei hatte er mit seiner zweiten Frau Laura noch sechs weitere Kinder, die im Haus für einigen Trubel sorgten.

Elena blieb bei dem Käfig mit den Entenküken stehen, nahm eines heraus und hielt es zärtlich an ihre Wange.

Nachdem sie es wieder zu den anderen gesetzt hatte, rieb sie die Hände an ihren ausgebleichten Jeans ab. Ihre guten Sachen, die sie in Austin getragen hatte, wären hier fehl am Platz gewesen. Außerdem waren sie noch gar nicht ausgepackt, weil kein Platz im Kleiderschrank war. Ihr voller Koffer stand unter dem Stockbett, das sie mit ihrer zwölfjährigen Halbschwester teilte. Jeden Morgen tat ihr der Rücken weh, denn die Matratze war schon etwas durchgelegen.

Sie vermisste das Leben in der Stadt und das Alleinsein. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr hatte sie als Einzelkind bei ihrer Mutter gelebt. Dann war ihre Mutter plötzlich gestorben, und ihr Dad hatte sie zu sich genommen.

Es war ihr nicht leichtgefallen, sich in seiner temperamentvollen neuen Familie einzugewöhnen. Doch als Älteste wurde sie bald von allen in Beschlag genommen. Sie half bei der Hausarbeit und kümmerte sich um ihre kleinen Geschwister. Sie machte mit ihnen Hausaufgaben, schlichtete ihre Streitereien und tröstete sie, wenn sie Kummer hatten.

Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als vor dem Laden ein Pick-up anhielt. Ah, der erste Kunde, dachte sie und fixierte rasch die Haarspange, mit der sie ihre dunkle Lockenmähne während der Arbeit zusammenhielt.

Gleich darauf betrat ein junger Mann mit zwei etwa sechsjährigen Kindern, einem Jungen und einem Mädchen, den Laden. Elenas erster Gedanke war, wie wohl der blonde Cowboy zu zwei dunkelhaarigen, südländisch aussehenden Kindern kam.

Der Junge entdeckte sofort das Kaninchengehege. „Conejitos! Bela, mira!“, rief er begeistert. Das Mädchen lief zu ihm, und beide begannen, die Kaninchen zu streicheln.

Elena wandte sich an den großen Blonden, der sie mit seinen auffallend grünen Augen ansah. Viel zu schön für einen Farmer, dachte sie, während ihr Herz schneller schlug.

„Was kann ich für Sie tun?“, fragte sie leicht verlegen.

Der Mann lächelte schelmisch. „Haben Sie zufällig einen Kindergarten hinten in Ihrem Laden?“

Elena lachte. „Nur wenn meine kleinen Geschwister hier sind. Warum fragen Sie?“

Der blonde Cowboy zuckte lässig mit den Schultern. „Ich versuche, meine missliche Lage mit Humor zu nehmen.“

Elena zog fragend eine Augenbraue hoch.

Er warf einen Blick auf die vor dem Kaninchenkäfig knienden Kinder. „Ich muss mich vorübergehend um die beiden kümmern, bis mein Bruder zurückkommt. Sie können aber kein Englisch, und ich tue mich wirklich schwer mit meinen wenigen Brocken Spanisch. Wir brauchen dringend ein bilinguales Kindermädchen.“

Elena spürte, wie jemand an ihrem Ärmel zupfte. Neben ihr stand das kleine Mädchen mit dem schiefen Pferdeschwanz und den großen braunen Augen und deutete in die hintere Ladenecke, wo der Junge – vermutlich ihr Bruder – inzwischen die Cowboyhüte ausprobierte. Einige lagen schon am Boden.

Der Mann seufzte. „Tut mir leid, ich hebe sie gleich auf.“

„Das macht doch nichts“, wiegelte Elena ab und ging zu dem kleinen Jungen hinüber. „No es problema, mijo.“ Sie half ihm, die Hüte wieder an den Ständer zu hängen, einen davon setzte sie ihm auf den Kopf. Dann fragte sie ihn auf Spanisch, ob er gerne Cowboy werden wolle.

Der Junge nickte freudestrahlend. „Si, yo quiero ser un vaquero como Señor Braden.“

Mit „Señor Braden“ war offensichtlich der schöne Cowboy gemeint, denn der Junge deutete auf ihn.

Elena musterte den Mann, und plötzlich machte es bei ihr Klick. „Jetzt weiß ich, an wen Sie mich erinnern. Sie müssen Braden Rayburn sein. Ihre Großmutter besaß hier in der Nähe eine Ranch.“

„Ja, die Leaning R. Die wird jetzt von meiner Schwester weitergeführt. Mein Großvater mütterlicherseits besaß die Bar M, und die gehört mittlerweile mir.“

„Ich habe gehört, dass Ihr Großvater gestorben ist. Das tut mir leid. Mein Vater war bei seiner Beerdigung dabei, aber ich habe damals noch in Austin gewohnt.“

„Sie müssen mir verzeihen, aber ich kenne Sie leider nicht. Allerdings war ich früher auch viel als Rodeoreiter unterwegs und habe nicht in der Stadt gewohnt.“

Elena streckte die Hand aus. „Ich bin Elena Ramirez, Pacos Tochter.“

Als er ihre Hand mit warmem, festem Griff umfasste, spürte sie ein Kribbeln.

„Wirklich?“, fragte er. „Ich weiß, dass Paco eine ganze Menge Kinder hat, aber ich hatte keine Ahnung, dass …“ Er ließ den Satz unvollendet, aber sie wusste auch so, was er sagen wollte. Er fand es unwahrscheinlich, dass sie Pacos Tochter war. Sie konnte es ja manchmal selbst nicht glauben.

„Ich bin erst vor Kurzem wieder hierhergezogen, nachdem ich vier Jahre in Austin studiert hatte.“

Der kleine Junge kam mit einem weißen und einem braunen Kaninchen im Arm angelaufen. „Perdona me, Señora. Quanto dinero por el conejito?“

Sie lächelte den kleinen Kerl an. „Cinco dolares.“

„Wollte er wissen, was ein Kaninchen kostet?“, fragte Braden.

Elena nickte. „Fünf Dollar, habe ich ihm gesagt. Aber alle beide können Sie für acht Dollar …“

Abwehrend hob Braden die Hand. „Das kommt überhaupt nicht infrage. Ich schaffe es ja kaum, mich um die beiden zu kümmern, und heute Morgen sind uns schon zwei Kätzchen zugelaufen.“

Elena sah zu den Kindern hin, die wieder verzückt vor dem Kaninchengehege knieten. „Wollen Sie es sich nicht noch mal überlegen?“

„Es fällt mir schwer, Nein zu sagen, aber es geht wirklich nicht.“

Elena lächelte. „Meine Geschwister haben alle Haustiere. Die Kinder lernen dabei, Verantwortung zu übernehmen.“

„Was haben Sie denn studiert?“, fragte Braden. „Kinderpsychologie?“

Sie lachte. „Betriebswirtschaft. Und im Nebenfach Kunst.“

Als er schmunzelte, zeigten sich Grübchen in seinen Wangen, und seine grünen Augen funkelten. „Sie haben definitiv Verhandlungsgeschick. Ich finde, das ist in einem Kleinstadtladen glatt verschwendet.“

Das fand sie auch, aber das würde sie ihrem Vater niemals sagen. Er hoffte nämlich, sie würde für immer hierbleiben. Von ihren Plänen, ein eigenes Geschäft in der Großstadt zu eröffnen, wusste er nichts.

„Ich werde wahrscheinlich nur bis Ende des Jahres hierbleiben. Danach möchte ich eine Modeboutique in Houston eröffnen.“

Sein Blick fiel auf ihr bedrucktes T-Shirt und die ausgebleichten Jeans.

Sie sah ihn etwas verlegen an. „Normalerweise bin ich nicht so angezogen.“

„Das glaube ich gern.“ Sein jungenhaftes Lächeln schien anzudeuten, dass er sie auch in abgetragenen Klamotten attraktiv fand.

Sie fühlte sich geschmeichelt. Andererseits wollte sie diesem Gefühl nicht nachgeben. Was sollte sie mit einem Cowboy auf einer einsamen Ranch anfangen? „Wie gesagt, wir haben diese Woche Sonderpreise. Es war meine Idee, denn Kaninchen vermehren sich ziemlich schnell.“ Sie lachte.

Braden stimmte ein. „Meinem Bruder würde es ganz recht geschehen, wenn ich ihm die Kinder und zwei Kaninchen zurückbringe.“

Elena musterte ihn unauffällig. Obwohl sie erst seit Kurzem wieder in Brighton Valley wohnte, hatte sie bereits mitbekommen, dass Braden Rayburn der begehrteste Junggeselle weit und breit war.

Wenn sie ihn so ansah, in seinen perfekt sitzenden Jeans, der Lederjacke und den Cowboystiefeln, konnte sie sich gut vorstellen, dass eine Frau für ihn ihre Karrierepläne noch einmal überdachte. Ihr könnte das natürlich niemals passieren!

Plötzlich kam der kleine Junge wieder angelaufen und streckte ihr einen Zwanzig-Dollar-Schein hin. „Quiero dos conejos, por favor.“

Elena lachte. „Sieht aus, als würde er selbst das Geschäftliche regeln.“

„Wo hat er bloß das Geld her?“

Elena wandte sich auf Spanisch an den Jungen, der ihr sofort bereitwillig antwortete.

„Er sagt, er hat es ehrlich verdient.“

„Und wie?“

„Er scheint ein geschäftstüchtiger kleiner Kerl zu sein. Er hat das Geld wohl im Tausch für seine Schildkröte bekommen. Damit er sie dalässt.“

„Und wer hat ihm das Geld gegeben?“

„Der nette Mann, der ihn und seine Schwester hergebracht hat – so waren seine Worte.“

„Natürlich! Mein Bruder. Was hätte der in seiner Stadtwohnung auch mit einer Schildkröte anfangen sollen?“

Elena sah Bradens prüfenden Blick auf sich gerichtet. Seine grünen Augen waren so betörend, dass ihr der Atem stockte.

„Ich möchte Ihnen einen Job anbieten“, sagte er unvermittelt.

„Aber ich habe schon einen.“

„Ich zahle Ihnen das Doppelte, wenn Sie sofort anfangen.“

Sie schüttelte heftig den Kopf. „Nein, das geht nicht.“

„Ich brauche jemanden, der für die nächsten drei Wochen diese beiden Kinder betreut, und zwar rund um die Uhr. Und es muss jemand sein, der Spanisch spricht.“

Elena starrte ihn ungläubig an. „Wie kommen Sie darauf, dass ich als Kindermädchen arbeiten würde?“ Es war karrieretechnisch ja schon ein großer Rückschritt von der Modeboutique in die Tierhandlung gewesen. Aber Kindermädchen war nun wirklich nicht ihr Ding!

„Tut mir leid, ich wollte Sie nicht kränken.“

Sie straffte die Schultern. „Ich habe nicht mein Wirtschaftsdiplom gemacht, um als Kindermädchen zu enden. Davon abgesehen kennen Sie mich doch gar nicht.“

Er musterte sie mit einem leisen Lächeln. „Ich habe eine gute Menschenkenntnis. Außerdem kenne ich doch Ihre Eltern.“

Der Mann verfügte über einen angeborenen Charme, bei dem selbst die standhafteste Frau schwach werden konnte. Doch bei Elena biss er auf Granit.

„Ich erhöhe mein Angebot auf das Dreifache Ihres jetzigen Gehalts.“

Dieser Braden musste einen Haufen Kohle haben. Sie hatte gehört, dass Charles Braden seinen Kindern ein beachtliches Erbe hinterlassen hatte.

Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „So viel Geld dafür, dass ich triefende Nasen putze und verschüttete Milch aufwische? Das habe ich bei meinen sechs Geschwistern zur Genüge getan.“ Sie schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, Sie müssen sich jemand anderen suchen. Es gibt genügend junge Frauen, die Spanisch sprechen und sich mit Kindern auskennen.“

„Aber ich möchte Sie haben.“ Seine zweideutige Bemerkung brachte die Luft zwischen ihnen zum Knistern.

Wieder schüttelte Elena den Kopf. „Es geht nicht.“ Davon abgesehen, dass sie nicht als Kindermädchen arbeiten wollte, konnte sie ihren Vater jetzt nicht im Stich lassen.

„Mir fällt gerade noch etwas ein. Ich muss unbedingt unser völlig veraltetes Buchhaltungssystem auf Vordermann bringen. Dabei könnte ich ebenfalls dringend Ihre Hilfe gebrauchen.“

Elena sah an sich herunter. „Ich habe zwar Jeans und Cowboystiefel an, aber deshalb bin ich noch lange nicht bereit, auf einer Ranch zu arbeiten.“

„Es ist doch nur für drei Wochen. Und ich werde alles tun, damit es Ihnen gefällt.“

Sein Blick war flehend, beinahe verzweifelt.

Elena sah die beiden Kinder an, um die es die ganze Zeit ging. Sie taten ihr leid.

„Bitte, ich zahle Ihnen alles, was Sie wollen.“

Sie überlegte kurz. „Wenn Sie meinen Studienkredit abzahlen, mache ich es.“ Das würde ihn garantiert davon abhalten, weiter in sie zu dringen.

Doch zu ihrer ungeheuren Verblüffung sagte er: „Einverstanden“ und streckte ihr die Hand hin.

„Sind Sie sicher?“ Mit so viel Geld könnte sie ihre Modeboutique noch vor Weihnachten eröffnen.

„Absolut. Sie müssten natürlich in meinem Haus wohnen. Aber Sie hätten ein Zimmer mit eigenem Bad. Und wie gesagt, es ist nur für drei Wochen.“

Sie ergriff seine ausgestreckte Hand. Im selben Moment ertönte aufgeregtes Geschnatter, und ein Entenküken huschte an ihnen vorbei, gefolgt vom nächsten.

„Am besten, Sie fangen gleich an“, bemerkte Braden mit amüsiertem Lächeln.

2. KAPITEL

Beto und Bela saßen schon auf dem Rücksitz von Bradens Pick-up, jeder mit einem der neu erworbenen Kaninchen im Arm, während Braden noch seine Einkäufe im Wagen verstaute. Gerade hatte er die Heckklappe geschlossen, als Paco Ramirez, der Besitzer der Tierhandlung, in seinem weißen Chevrolet vorfuhr.

Braden hätte ihn kurz grüßen und es dann Elena überlassen können, ihrem Vater von der Abmachung zu erzählen. Doch das war nicht sein Stil.

Er ging auf Paco zu und reichte ihm die Hand. „Guten Morgen, Paco, ich hatte gehofft, dich noch zu treffen.“

„Wie läuft’s denn mit der neuen Sprinkleranlage?“, fragte der Ältere.