Zu Guter Letzt - Wilhelm Busch - E-Book

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Wilhelm Busch

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Beschreibung

Als krönender Abschluss eines Lebenswerks versammelt dieser Band noch einmal die ganze Bandbreite menschlicher Komik und tragikomischer Beobachtungen. Von kurzen Sinnsprüchen bis hin zu pointierten Anekdoten beweist Busch seine unangefochtene Meisterschaft im Umgang mit Sprache und Rhythmus. Ein versöhnlicher und zugleich scharfzüngiger Abschiedsgruß an eine Welt, die er bis in den letzten Winkel durchschaut hatte.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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München.

Verlag von Fr. Bassermann.1905.

 

 

 

Halt dein Rösslein nur im Zügel,

Kommst ja doch nicht allzuweit.

Hinter jedem neuen Hügel

Dehnt sich die Unendlichkeit.

 

Nenne Niemand dumm und säumig,

Der das Nächste recht bedenkt.

Ach, die Welt ist so geräumig,

Und der Kopf ist so beschränkt.

 

 

 

Dies für Den und Das für Jenen.

Viele Tische sind gedeckt.

Keine Zunge soll verhöhnen,

Was der andern Zunge schmeckt.

 

Lasse Jedem seine Freuden,

Gönn ihm, daß er sich erquickt,

Wenn er sittsam und bescheiden

Auf den eignen Teller blickt.

 

Wenn jedoch bei deinem Tisch er

Unverschämt dich neckt und stört,

Dann so gieb ihm einen Wischer,

Daß er merkt, was sich gehört.

 

 

 

Nirgend sitzen todte Gäste.

Allerorten lebt die Kraft.

Ist nicht selbst der Fels, der feste,

Eine Kraftgenossenschaft?

 

Durch und durch aus Eigenheiten,

So und so zu sein bestrebt,

Die sich lieben, die sich streiten,

Wird die bunte Welt gewebt.

 

Hier gelingt es, da mißglückt es.

Wünsche finden keine Rast.

Unterdrücker, Unterdrücktes,

Jedes Ding hat seine Last.

 

 

 

Der Fährmann lag in seinem Schiff

Beim Schein des Mondenlichts,

Als etwas kam und rief und pfiff

Doch sehen that er nichts.

 

Ihm war, als stiegen hundert ein.

Das Schifflein wurde schwer.

Flink, Fährmann, fahr uns übern Rhein,

Die Zahlung folgt nachher.

 

Und als er seine Pflicht gethan,

Da ging es klinglingling,

Da warf ein Goldstück in den Kahn

Jedwedes Geisterding.

 

Husch, weg und weiter zog die Schar.

Verwundert steht der Mann:

So Seelen sind zwar unsichtbar

Und doch ist etwas dran.

 

 

 

Ob er gleich von hinnen schied,

Ist er doch geblieben,

Der so manches schöne Lied

Einst für uns geschrieben.

 

Unser Mund wird ihn entzückt

Lange noch erwähnen,

Und so lebt er hochbeglückt

Zwischen hohlen Zähnen.

 

 

 

Ein Künstler auf dem hohen Seil,

Der alt geworden mittlerweil,

Stieg eines Tages vom Gerüst

Und sprach: Nun will ich unten bleiben

Und nur noch Hausgymnastik treiben,

Was zur Verdauung nöthig ist.

Da riefen alle: Oh, wie schad!

Der Meister scheint doch allnachgrad

Zu schwach und steif zum Seilbesteigen!

Ha! denkt er, dieses wird sich zeigen!

Und richtig, eh der Markt geschlossen,

Treibt er auf's neu die alten Possen

Hoch in der Luft und zwar mit Glück,

Bis auf ein kleines Mißgeschick.

Er fiel herab in großer Eile

Und knickte sich die Wirbelsäule.

Der alte Narr! Jetzt bleibt er krumm

So äußert sich das Publikum.

 

 

 

Wenn die Tante Adelheide

Als Logierbesuch erschien,

Fühlte Fritzchen große Freude,

Denn dann gab es was für ihn.

 

Immer hat die liebe Gute

Tief im Reisekorb versteckt

Eine angenehme Tute,

Deren Inhalt köstlich schmeckt.

 

Täglich wird dem braven Knaben

Draus ein hübsches Stück beschert,

Bis wir schließlich nichts mehr haben

Und die Tante weiter fährt.

 

Mit der Post fuhr sie von hinnen.

Fritzchens Trauer ist nur schwach.

Einer Tute, wo nichts drinnen,

Weint man keine Thräne nach.

 

 

 

Gestützt auf seine beiden Krücken,

Die alte Kiepe auf dem Rücken,

Ging durch das Dorf ein Bettelmann

Und klopfte stets vergeblich an.

Erst aus dem allerletzten Haus

Kam eine gute Frau heraus,

Die grad den dritten Mann begraben,

Daher geneigt zu milden Gaben,

Und legt in seines Korbes Grund

Ein Brod von mehr als sieben Pfund.

Ein schmaler Steg führt gleich danach

Ihn über einen Rauschebach.

Jetzt hab ich Brod, jetzt bin ich glücklich!

So rief er froh, und augenblicklich

Fiel durch den Korb, der nicht mehr gut,

Sein Brod hinunter in die Fluth.

Das kommt von solchem Übermuth.

 

 

 

In der ersten Nacht des Maien

Läßt's den Hexen keine Ruh.

Sich gesellig zu erfreuen,

Eilen sie dem Brocken zu.

 

Dorten haben sie ihr Kränzchen.

Man verleumdet, man verführt,

Macht ein lasterhaftes Tänzchen,

Und der Teufel präsidiert.

 

 

 

Willst du gelobt sein, so verzichte

Auf kindlich blödes Wesen.

Entschließ dich, deine himmlischen Gedichte

Den Leuten vorzulesen.

 

Die Welt ist höflich und gesellig,

Und eh man dich beleidigt,

Sagt wohl ein jeder leicht, was dir gefällig,

Denn keiner ist beeidigt.

 

 

 

Sie ist ein reizendes Geschöpfchen,

Mit allen Wassern wohl gewaschen;

Sie kennt die süßen Sündentöpfchen

Und liebt es, häufig draus zu naschen.

 

Da bleibt den sittlich Hochgestellten

Nichts weiter übrig, als mit Freuden

Auf diese Schandperson zu schelten

Und sie mit Schmerzen zu beneiden.

 

 

 

Ganz unverhofft, an einem Hügel,

Sind sich begegnet Fuchs und Igel.

Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht.

Kennst du des Königs Ordre nicht?

Ist nicht der Friede längst verkündigt,

Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,

Der immer noch gerüstet geht?

Im Namen seiner Majestät,

Geh her und übergieb dein Fell.

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.

Lass' dir erst deine Zähne brechen,

Dann wollen wir uns weiter sprechen.

Und allsogleich macht er sich rund,

Schließt seinen dichten Stachelbund

Und trotzt getrost der ganzen Welt,

Bewaffnet, doch als Friedensheld.

 

 

 

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:

Heut in der Stadt da wirst du gaffen.

Wir fahren hin und seh'n die Affen.

Es ist gelungen

Und um sich schief zu lachen,

Was die für Streiche machen

Und für Gesichter,

Wie rechte Bösewichter.

Sie krauen sich,

Sie zausen sich,

Sie hauen sich,

Sie lausen sich,

Beschnuppern dies, beknuppern das,

Und Keiner gönnt dem Andern was,

Und essen thun sie mit der Hand,

Und alles thun sie mit Verstand,

Und Jeder stiehlt als wie ein Rabe.

Paß auf, das siehst du heute.

Oh Vater, rief der Knabe,

Sind Affen denn auch Leute?

Der Vater sprach: Nun ja,

Nicht ganz, doch so beinah.

 

 

 

Zwiefach sind die Phantasieen,

Sind ein Zauberschwesternpaar,

Sie erscheinen, singen, fliehen

Wesenlos und wunderbar.

 

Eine ist die himmelblaue,