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Er ist tot! Ich habe ihn erschlagen. Dabei hatte ich doch bis gestern mein Leben einigermaßen im Griff... Sue ist ein selbstbewusstes junges Mädchen, das perfekt zwischen Cyberwelt und Real Life jongliert, bis sie einen fatalen Fehler begeht ... Mit einem Last-Minute-Ticket flüchtet sie, ausgerechnet ins verhasste Thailand, wo die Frau lebt, die Sue als Baby weggegeben hat. Dort trifft sie auf eine fremde Kultur und auf Menschen, die ihr Leben verändern … Ein Jugendroman über Freundschaft, Gewalt und die Suche nach der eigenen Identität. Lesermeinung von Kitty411 vom 11.5.13 "Meine Meinung: Ich finde dieses Buch sehr gut, weil es nicht nur der Unterhaltung dient, sondern sich gleichzeitig auch mit Themen beschäftigt, die in der heutigen Zeit eine große Bedeutung für die Jugend haben, wie zum Beispiel das übermäßige Posten in sozialen Netzwerken oder ähnliches. Außerdem zeigt es jüngeren Lesern auch einen Weg auf, falls doch mal etwas passieren sollte. Definitiv ein Buch, das man nach dem Lesen nicht einfach ins Regal legt und vergisst, dafür ist es zu lebensnah. Trotzdem ist es nicht ein bisschen langweilig, die Autorin hat es hervorragend geschafft, Unterhaltung und den Ernst des Lebens miteinander zu verbinden. Der Schreibstil ist flüssig und man kann sich sehr gut in die Story hineinversetzen, dadurch macht das Lesen großen Spaß und ich wollte das Buch zwischendurch gar nicht an die Seite legen. Ein großartiges Buch, das ich ab einem Alter von ca. 13 Jahren empfehlen würde. Meine Töchter werden es auf jeden Fall zu lesen bekommen." Im Handel ist eine kostenlose XXL-Leseprobe zum Reinschnuppern erhältlich.
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Seitenzahl: 238
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Sylvia M. Dölger
Zum Teufel mit Barbie!
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Qindie
Prolog
1 »Hey, Süße«
2 »Wen interessiert das denn?«
3 »Thaischlampe!«
4 »Willst noch ‘nen Schluck?«
5 »Fünf Euro die Stunde«
6 »Ich glaube dir kein Wort!«
7 »Kommst du?«
8 »Fühl dich wie zuhause!«
9 »Schlaf schön, Jimmy!«
10 »Weglaufen kannst du morgen noch!«
11 »Sag bloß nicht, wir haben viel Zeit!«
12 »Auf die Freiheit!«
13 »Wie spießig ist das denn?«
14 »Sawasdee«
15 »Don’t you speak thai?«
16 »Der Akku ist gleich leer!«
17 »I want you!«
18 »Kein gutes Karma«
19 »Willst du mit?«
20 »Jetzt mal ehrlich!«
21 »Guck nicht so!«
22 »Weißt du, wie peinlich das ist?«
23 »Do you want tea?«
24 »Sollen wir auf mein Zimmer gehen?«
25 »Solche Schweine!«
26 »Hast du den Schlüssel?«
27 »Kennst du ihn?«
28 »Lass mal, das erledige ich!«
29 »Was ist passiert?«
30 »Du kannst ja lächeln!«
Dank
Die Autorin
Mehr von der Autorin
1 Die Zettelnachricht
Impressum neobooks
Qindie steht für qualitativ hochwertige Indie-Publikationen. Achten Sie also künftig auf das Qindie-Siegel! Für weitere Informationen, News und Veranstaltungen besuchen Sie unsere Website: http://www.qindie.de/
Liebe Mom, lieber Pa,
wenn ihr das hier lest, bin ich weit weg. Keine Ahnung wo. Ich will euch nicht wehtun, aber ich muss weg. Ich habe keine andere Wahl!!!
Ihr wart immer für mich da. Hab euch lieb!
Sue
Das Klopfen gehörte nicht zum Song. Die Stimme auch nicht. »Sue, ich muss mit dir reden!«
»Was ist denn?« Aus den Boxen dröhnte Pinks ›Funhouse‹. Sue lag auf dem Bett, löffelte Zimtjoghurt und wippte mit den Füßen zum Takt. Neben ihr funkelte der neue Laptop. Tolles Design, schwarz mit ein paar schrillen Mangastickern.
»Was ist denn, Mom?« Sie stellte die Musik leiser.
»Ich muss mit dir reden!« Die Worte drangen laut und unnachgiebig durch die geschlossene Tür.
»Okay, in zehn Minuten!« Sue drehte den Ton wieder auf und öffnete ›twitter‹. Sie fand eine Menge neuer Follower vor. Noch ein kurzer Eintrag, damit es sich auch für diese lohnte, ihr zu folgen.
manga_girl: Zimtjoghurt ist geil!
Damit wusste die Welt nun Bescheid. Kurz überflog sie die Tweets anderer, sah aber nichts Interessantes.
Auf beide Ellenbogen abgestützt, warf sie einen Blick auf das neue Terrarium neben ihrem Schreibtisch. Bella saß auf der Baumrinde und schimmerte schon etwas bläulich. Die junge Vogelspinne würde eine blaue Schönheit werden. Wegen ihr hatte es ziemlich Stress gegeben. Dabei war Bella wirklich nicht gefährlich. Noch suchte Sue nach anderen Spinnenfans, um Erfahrungen mit ihnen über diese besondere Art mit dem komplizierten lateinischen Namen ›Poecilotheria metallica‹ auszutauschen. Sollte sie kurz nach einem passenden Forum googeln? Schon huschten ihre Hände über die Tastatur, riefen abwechselnd verschiedene Seiten auf.
Es klopfte energischer.
»Die zehn Minuten sind noch nicht um.« Sue stand trotzdem auf und öffnete die Tür. »Was gibt‘s denn, Mom?« Sie ließ sich zurück aufs Bett fallen. Ihre Mutter betrat das Zimmer und setzte sich dazu. Der Laptop blieb geöffnet. So konnte sie sehen, wenn sich jemand über ICQ meldete oder ihr Nachrichten schrieb. Sue wartete auf Vanessa. Sie wollten etwas gemeinsam unternehmen. Endlich! Der vertraute Ton piepte, Vanis war on. »Kommst du nachher mit ins Kino?«, erschien auf dem Bildschirm.
»Na, ich sehe dich ja kaum noch. Wie war denn dein Tag, Liebes?« Die Mutter wollte ihr eine der störrischen Fransen aus dem Gesicht streichen, doch Sue zuckte zurück.
»Mom, ich bin kein kleines Mädchen mehr.« Sie schüttelte ihre kurzen Haare, die immer mal wieder in anderen Farben leuchteten. Zurzeit stand sie auf rote Strähnchen im Pony. Die ließen ihren dunklen Teint strahlen.
»Na, das weiß ich doch. Gibt es etwas Neues?« Ihre Mutter lächelte, wodurch die Falten um ihre braunen Augen sichtbar wurden.
»Nö.«
»Und die Schule?«
»Ganz okay. Was willst du eigentlich?«
»Na, in wenigen Wochen ist doch dein achtzehnter Geburtstag.«
»Ja?«
Ihre Mutter lächelte wie ein kleines Mädchen, irgendwie geheimnisvoll und verschmitzt zugleich.
»Du magst immer noch keine Überraschungen, stimmt‘s?« Sie zog eine Augenbraue hoch.
»Das weißt du doch genau.« Sues Blick wurde noch eindringlicher. »Was hast du vor?« Sie betonte jedes Wort einzeln.
»Dein Vater und ich dachten«, ihre Mutter zögerte, zupfte irgendetwas von der Jeans und sah Sue an, »wir wollen dir eine Reise nach Thailand schenken!« Jetzt strahlte sie, als hätte sie einen Preis gewonnen.
»Danke, nein. Gebt mir lieber das Geld für den Führerschein.« Sue wendete sich ab, als ihre Mutter weitersprach.
»Du bist alt genug, um endlich deine Wurzeln kennen zu lernen.«
»Wie oft wollt ihr das eigentlich noch versuchen? Ihr seid meine Eltern, hier ist mein Leben, und das ist mehr als genug!« Sie war lauter geworden als beabsichtigt. Aber das Thema nervte. Lieber antwortete sie Vanessa.
»Du musst ja auch nicht nach Ariya suchen.«
»Nenn sie nicht so. Wir kennen die Frau doch gar nicht!«
»Aber Ariya ist doch ihr Name. Ein hübscher übrigens. Bitte beruhige dich. Die Idee, dass du deine leibliche Mutter triffst, habe ich längst aufgegeben. Allerdings könntest du das Land deiner Herkunft anschauen. Es ist wunderschön. Allein diese Strände.«
Ihre Mutter schaute verträumt in die Ferne. Sue ahnte, dass sie gleich wieder die alten Geschichten von der Adoption erzählen würde. Als hätte sie das nicht schon tausend Mal gehört. Sowieso schien jeder sie ständig daran erinnern zu wollen. Sie musste an diesen einen Tag im Kindergarten denken. Die anderen hatten sie gehänselt und zum Weinen gebracht.
»Du warst nicht im Bauch von deiner Mama!«
Damals spürte sie schon ihre Andersartigkeit. Sie war nicht blond und hellhäutig wie ihre Freundin Vanessa. Auch anders als ihre Eltern. Die Erzieherin hatte sie getröstet, indem sie ihr zwei unterschiedliche Barbiepuppen zeigte: Eine mit rosiger Haut und eine, die fast aussah wie Sue. Sie strich ihr über den Kopf und erklärte: »Schau nur, dein Gesicht sieht genau so süß aus wie das von dieser Thai-Barbie. Es ist nicht das Wichtigste, wer dich auf die Welt gebracht hat. Deine Mama ist deine Mama. Verstehst du, Engelchen?«
Sue hatte verstanden. Sie sah vielleicht so aus wie diese Barbie, aber sie war keines dieser thailändischen Püppchen! Sie hatte mehr drauf, als hübsch auszusehen. Und Lächeln hasste sie abgrundtief. Immer diese Thailänder mit ihrem aufgesetzten Dauergrinsen.
»Liebes, interessiert dich das denn nicht?« Sue spürte wie die Stimme der Mutter in ihrer Brust vibrierte.
»Doch, klar. Ich habe ja die Bildbände.« Der Bildschirmschoner ging an und zeigte Fotos von ihr und Vanessa. Ihre Mutter stand auf.
»Überlege es dir noch mal. Wir würden gemeinsam reisen.«
»Mhm. Ich gehe heute noch mit Vanessa ins Kino.« Sue tippte eine Taste auf dem Computer, damit der Bildschirmschoner verschwand und ihre Mutter sie in Ruhe ließe.
Sofort war Sue wieder ›manga_girl‹ und loggte sich in ihrem Lieblingsnetzwerk ein. Dort fand sie Leute, die sie von ihrer alten Schule und von Partys kannte. Im Postfach warteten neue Freundschaftsanfragen. Die Namen kannte sie von einer anderen Community. Sie bestätigte alle, immerhin sollten die auch die aktuellen Bilder von ihr sehen können. Echt heiß sah sie darauf aus, mit ihrem neuen Glitzershirt und dem kurzen Jeansrock. Sue klickte sich durch ein paar Seiten, bis sie in einem Chatroom hängen blieb. Schnell überflog sie ein paar Zeilen. Das ICQ Fenster sprang auf: Lisa, aus Hamburg. Die kannte sie aus einem Italienurlaub.
manga_girl: meine mom will mit mir nach thailand reisen
lisa: mensch, wie cool ist das denn? deine mom ist voll nett!
manga_girl: ja, schon, aber ich will nicht und das weiß sie.
lisa: nee jetzt, du willst nicht? warum denn nicht?^^
manga_girl: weiß ich auch nicht. würzburg ist doch mein zuhause. ich spreche kein wort thai.
lisa: hast du angst vor thailand?
manga_girl: hm, weiß nicht, hab eig. nie angst.
lisa: cool, bis bald bussi, cu.
manga_girl: cu, machs gut. hf
Niemand mehr im ICQ on, mit dem Sue reden konnte. Sie öffnete wie gewohnt mehrere Webseiten und sprang von einem Netzwerk ins nächste. Hier fand sie viele Fotos, nette Zeilen und sammelte Flirtpoints. Siehe da, ein neuer Typ hatte sich gemeldet.
»Hey Süße!«
Rasch checkte sie sein Profil. Der Neue nannte sich Jimmy und hatte ein Bild von sich on gestellt: Ein lässiger Junge in Jeans grinste sie an und sah auch noch gut aus. Spontan antwortete sie ihm.
Noch ein wenig Eyeliner, etwas Lipgloss. Das reichte schon. Wie schön, dass Vanessa heute Zeit hatte! Sue warf einen letzten Blick auf das Longshirt, das unter dem Pullover hervorschaute, rief ein »tschüss, wird spät heute!« und schmiss die Eingangstür hinter sich zu. Das Kino war ganz in der Nähe, sie konnte laufen.
Vanessa wartete schon. Sue erkannte sie schon von Weitem an ihrem hellblonden Pferdeschwanz. Doch wer waren die anderen?
»Hi, Sue!«
Sie wollte die Freundin mit dem üblichen ›Victory‹ begrüßen, ließ ihre Hand jedoch auf halber Strecke wieder sinken. Metall funkelte an Vanessas Lippe. Der Ring war neu. Früher hatte sie immer alles über die beste Freundin gewusst.
»Ich hab ein paar Klassenkameraden mitgebracht.« Vanessa rollte das ›R‹ wie eine waschechte Fränkin.
»Kein Problem«, murmelte Sue. Früher waren sie immer zu zweit ins Kino gegangen.
»Hey, das ist Benni!« Die blauen Augen ihrer Freundin leuchteten. Von dem hatte Sue schon viel gehört – immerhin handelte jede zweite SMS von dem Typen. Vanessas großer Schwarm in der neuen Schule. Ihre Freundin hatte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begonnen und ging nun in die Berufsschule. Benni legte den Arm um Vanessa und zog sie an sich. Er war groß, schlank und hatte ein Zahnpastalächeln. Sue spürte einen Stich in der Herzgegend. Eigentlich freute sie sich für die beiden. Warum tat es nur so weh, Vanessa so verliebt zu sehen?
»Cooles Piercing, Vani!«, sagte sie.
»Ja, gell? Benni findet es auch geil.«
»Du bist also Sue. Nett, dass wir uns mal treffen.« Unter einem langen dunkelblonden Pony funkelten Sue grüne Augen an.
»Klar. Hab schon von dir gehört.« Sie warf Vanessa den Blick zu, auf den sie wartete.
»Kommt, Leute! Wir holen Bier und Popcorn«, sagte Benni, drehte sich um und zog Vanessa mit sich. Sue fühlte sich überflüssig. Es wurde nicht besser, als sich die anderen vorstellten. Chris und Pat, Leon und Julia. Alles Paare. Wenig später kamen Benni und Vanessa voll beladen zurück, und sie betraten das Kino.
Na, wenigstens kann ich gleich den Hauptdarsteller anschmachten, dachte Sue, als sie sich zwischen Vanessa und Pat setzte.
»Ist er nicht süß?«, flüsterte Vanessa von links.
»Klar«, antwortete Sue. Doch die Freundin hatte sich wieder an Benni gekuschelt.
Nach einigen Werbespots begann der Film. Es wurde dunkel im Saal. Sue wollte sich auf die Handlung konzentrieren, leider lenkten sie die verliebten Pärchen in den Sitzen neben ihr ab. Mit jeder Minute sehnte sie sich mehr nach jemandem, der sie genauso ansah wie Benni Vanessa, bevor das Licht ausgegangen war.
»Und? Wie fandet ihr den Film?« Vanessa hatte ganz rote Wangen.
»Geil«, sagte Benni, die anderen stimmten ihm zu.
»Gibt nichts Besseres als 3D-Kino. Und dann diese Farben«, säuselte diejenige, die sich als Pat vorgestellt hatte. »Die blauen Gestalten waren echt schön, gell? Und die wilden Tiere. Genial.« Ihre Augen leuchteten.
»Mir war das zu ... « Sue brach ab.
»Ja, super gezeichnet. Und sehr spannend. Richtig cool. Die Blueray muss ich haben!« Dieser Chris wirkte auch begeistert. Seine Hand spielte mit Pats langen dunklen Locken.
»Ich finde ... « Sue trat von einem Bein aufs andere.
»Den schauen wir uns noch mal bei mir Zuhause an, gell Schatz?« Er wirkte auf Sue um einiges älter als Pat. Lag wahrscheinlich auch an seinem spitzen Kinnbart. Sie wollte endlich auch etwas zum Film sagen.
»Wusstet ihr, dass Schauspieler dahinter stecken, die vorher alle Szenen drehen mussten?«, fragte sie laut in die Runde. Wie meistens interessierte sie sich mehr für die technische Umsetzung als für die teilweise kitschige Handlung. Allein dieses Happy End. War ja mal wieder typisch. Alle nickten.
»Manche hat man sogar richtig gut erkennen können«, erwiderte Leon, der bisher recht schweigsam gewesen war. Inzwischen standen sie unschlüssig im Vorraum herum. Diese Julia hatte noch keinen Ton gesagt. Was war denn mit der los? Sie hing an Leon, als müsste sie sich festhalten. Das kurze braune Haar ließ sie wie einen Jungen aussehen.
»Und jetzt? Wo wollen wir hin?« Vanessa schaute Benni an.
Sue kaute auf ihrer Unterlippe. Wollte sie noch wohin? Mit denen? Vielleicht besser als allein Zuhause mit den Eltern herumhängen und wieder über Thailand zu diskutieren.
»Wie wäre es mit einer Kneipentour?«, fragte Chris. »Irgendwo ist bestimmt was los!«
»Gute Idee! Wer ist dabei?« Benni strahlte. Das Gemurmel verriet ihr, dass die anderen begeistert waren. »Na, komm schon mit, Sue«, drängelte Vanis. Gegen ein oder zwei Kurze und ein paar Bier hatte Sue auch nichts einzuwenden. Wenn sie schnell dicht wurde, würde sie den Abend besser ertragen.
Wenig später schlenderten sie durch die Altstadt, kamen an der Mädchenrealschule vorbei. Die Pärchen Arm in Arm. Sue mummelte sich in ihre dicke Jacke.
Mitten in der Nacht war hier nicht viel los, die meisten Cafés hatten schon geschlossen. Schließlich landeten sie am Chelsea. Draußen standen viele Raucher. Drinnen empfing sie gedämpftes Neonlicht. Grelle Bilder schmückten die Wände. Nicht gerade gemütlich, aber wenigstens war es warm. Sie stellten sich an die Theke und bestellten Bier. Sue ließ den Blick schweifen. Irgendwo ein bekanntes Gesicht? Ab und zu kam sie hierher und kannte inzwischen auch ein paar Leute flüchtig. Leider war niemand da. Das Bier rann ihr herb die Kehle hinab. Die anderen erzählten von ihren Ausbildungen, lästerten über die Kunden in den Läden, in denen sie arbeiteten.
»Du weißt gar nicht, wie gut du es hast, Sue. Was machst du eigentlich genau?« Pats leichtes Lispeln irritierte Sue.
»Ich … ähm … ich will Mechanikerin werden. Bin deswegen gerade auf einer Berufsfachschule für Maschinenbau, an der Franz Oberthür. Mach da auch die mittlere Reife.« Sue trank einen Schluck Bier. Sie war schon beim zweiten Glas, während die anderen am ersten rumsüffelten.
»Sue hat schon als kleines Mädchen immer mit Autos gespielt! Sie ist da voll begabt!«, ergänzte Vanessa lachend.
»Wo ist denn deine Schule?«, fragte Julia.
»Gleich hier um die Ecke.« Sue trank einen Schluck.
»Und gefällt es dir dort?«, fragte Benni, dessen Hand Vanessas Schulter berührte.
»Ist okay, Schule halt.«
Die Kellnerin brachte eine neue Runde.
Weil Sue spät eingeschult worden war und eine dämliche Ehrenrunde in der Siebten hatte drehen müssen, waren ihre Mitschüler jünger als sie. Noch hatte sie keine neuen Freunde gefunden. Aber das ging die anderen nichts an.
»Wie fandet ihr eigentlich den Film?« Ein anderes Thema konnte nicht schaden. Begeistert tauschten sie sich über Avatar aus.
»Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung. Ich mag Filme ohne Happy End«, sagte Pat.
»Ich auch«, erwiderte Sue. »Eine Fortsetzung wäre klasse. Und dann noch düsterer.«
Sie sprachen weiter über verschiedene Texte, die sie gelesen hatten. Es wurde immer enger an der Theke und stickiger. Zeit für einen Tisch. Da! Endlich stand eine Gruppe auf. Sue und die anderen gingen hinüber in den hinteren Teil der Kneipe. Hier war es so düster, dass die grellen Bilder an den Wänden weniger auffielen. Unauffällig beobachtete Sue Vanessa, die immer noch strahlte. Sie sehnte sich nach einer Zigarette und sie wollte mit Vanis allein sein. So wie früher. Mit einem großen Schluck trank Sue ihr drittes Bier leer. Ein angenehmes Taubheitsgefühl breitete sich in ihrem Körper aus. Sie fühlte sich leicht schwindelig. Die Jungs standen auf und belagerten den Kicker, der doch noch mal frei geworden war.
Sofort bestürmten die Mädchen Vanessa mit Fragen. Auch Julia wurde gesprächig.
»Hey, seit wann seid ihr denn zusammen?«
»Und wie ist er denn so?«
»Kann er gut küssen?«
»Wie hast du den überhaupt rumgekriegt?«
Und Vanessa erzählte. Die übliche schnulzige Story. Sie mochte ihn, er mochte sie. Das war alles. Sue gähnte. Nichts Besonderes. Wussten die neuen Freundinnen das nicht längst? Sie gingen doch jetzt mit Vanis in eine Klasse.
»Kommst du mit raus, eine rauchen?«, fragte Sue, als Vanessa eine kurze Redepause machte.
»Klar.«
Draußen sog Sue die kühle Luft ein, holte eine Schachtel aus ihrer Jackentasche und bot Vanessa eine Kippe an.
»Lass mal stecken. Ich rauche jetzt andere.« Sie kramte eine Packung aus der Handtasche und zündete sich eine Zigarette an. Richtig vornehm sah das aus, mit Handtäschchen. »Schön dich zu sehen, Süße.« Vanessa wollte sie umarmen, aber Sue wich einen Schritt zurück.
»Hat ja länger nicht geklappt.«
»Toller Rock. Gefällt mir.« Vanessa strahlte.
»Toller Freund. Gefällt mir.«
»Ich habe mir den hübschesten Kerl der Schule geschnappt. Geil, oder? Auf den stehen nämlich so einige, aber er will nur mich.« Sie spielte mit ihrem langen Zopf, wickelte ihn um den Finger. Wieder und wieder. Das Blond leuchtete auch im Dunkeln.
»Toll. Glückwunsch.« Sue zog tief an ihrer Kippe.
»Und, wie läuft es bei dir, Sue?«
»Gut.« Sie wich Vanessas Blick aus.
»Wie ist die neue Schule?«
»Nett.«
»Na, das freut mich. Tolle Typen?« Sollte sie von Jimmy erzählen? Seit der Junge sie angeschrieben hatte, simsten sie regelmäßig. Er schien ein cooler Typ zu sein. Sie entschied sich dagegen. Vanessa würde sich eh bloß aufregen, dass sie mehr im Real Life leben sollte. Ihre Freundin hielt nicht viel vom Internet.
»Bisher nicht.« Trotzig reckte Sue ihr Kinn ein wenig. Nur nicht anmerken lassen, welches Loch dieser Small Talk in sie fraß. Was sollte sie die Freundin noch fragen? Ihr fiel nichts mehr ein. Sie drückte ihre Zigarette auf der Fensterbank aus und schnippte sie weg. Von drinnen drangen gedämpfte Stimmen nach außen.
»Na ja, die Schule hat auch gerade erst angefangen, gell?« Vanessa beobachtete den Zigarettenrauch, der sich im Nachthimmel verlor. Hastig zündete Sue sich eine neue Kippe an. Sie standen immer noch vor der Tür. Das Schweigen war dicker als der Rauch, den sie in die Luft pusteten. Sue formte Kringel aus dem Qualm, ließ sie in die Luft steigen, trat von einem Bein aufs andere.
»Ich gehe wieder rein. Benni wartet sicher schon auf mich.«
»Mach das. Ich rauche noch zu Ende.«
Sue zog ein letztes Mal an der Kippe, drückte sie an der Wand aus, ließ sie auf den Boden fallen und betrat das Chelsea, ohne sich noch mal umzudrehen.
Die Musik kam ihr nun lauter vor. Sie stellte sich an den Kicker und schaute den Jungs zu. Wenig später gesellte sich Vanessa wieder zu ihren Klassenkameradinnen. Ob es ihnen überhaupt auffiel, dass sie fehlte? Auch egal. Ab und zu verdrückte sich ein Pärchen nach draußen zum Rauchen oder Knutschen. Sie trank weiter Bier, bis sie es nicht mehr aushielt.
»Ich muss los. Ciao«, rief sie in die Runde.
»Tschüss, Sue, war nett dich kennenzulernen«, sagte Benni mit undeutlicher Stimme. Die anderen nickten. Sie wirkten ziemlich dicht, konnten kaum noch gerade stehen. Auch Sue schwankte leicht, sie brauchte dringend frische Luft.
»Wir simsen«, rief Vanessa ihr hinterher.
Ja, klar! Sims mir doch, wie süß Benni ist.
»Wen interessiert das denn?«, schrie sie in die Nachtluft, als würde jemand zuhören, reagieren, antworten. Sie torkelte durch die vertrauten Straßen, die plötzlich fremd wirkten. Vanessa und sie hatten gezittert, wenn es Noten gab, gelacht, wenn sie die Jungs ärgern konnten und geweint, wenn sie Liebeskummer hatten. Und jetzt trug Vanessa ein Lippenpiercing, von dem Sue nichts gewusst hatte. Sie konnte sich nicht mehr länger gegen ihre Tränen wehren.
Sue blinzelte. Helles Morgenlicht blendete sie. Pa klopfte schon wieder an die Tür. Sie tastete nach Schachtel und Feuerzeug und zündete sich eine Kippe an. Sie zog daran, hustete. Nur noch nicht aufstehen. Ihr Vater klopfte stärker.
»Sue, aufstehen. Sag mal, ist das Rauch, der da unter der Tür durchkommt? Musst du denn schon am frühen Morgen rauchen? Sue?«
»Ich komme gleich.« Eigentlich konnte sie sich nicht beschweren. Sie hatte keine nervigen Eltern, die jeden Spaß verbieten. Ihr Pa war in Ordnung, und ihre Mom fast so etwas wie eine Freundin. Einige Geheimnisse teilte sie mit ihr, aber was wirklich in ihr vorging, wussten sie beide nicht. Manchmal wusste sie es ja selbst nicht.
Ihr Kopf dröhnte vom Bier. Sie sehnte sich nach frischer Luft, stolperte aus dem Bett und stieß das Fenster auf. Die kühle Herbstluft tat gut.
Der Main glänzte dunkel. Weiße Schaumkronen tanzten auf den Wellen. Ohne die Herbstsonne war es novemberkalt. Sie zitterte.
Nach der Dusche zog sie Rock und Leggins an, dazu einen warmen Pullover. Ihr Blick fiel auf das Handy-Display. So spät schon? Die Englisch-Hausaufgaben! Sie hetzte durchs Zimmer, raffte ihre Unterlagen für die Schule zusammen, lief die Treppe hinunter, schnappte ihr Pausenbrot, drückte ihrer Mutter einen Kuss auf die Wange und verließ die Wohnung. Mit ihrer Vespa, die sie in grellem Hellgrün lackiert hatte, erreichte sie die Schule in Windeseile, warf sich den Rucksack über die Schulter und rannte zum Gebäude. Hoffentlich konnte sie Englisch bei jemandem abschreiben. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Der Streber Kilian stand vor ihr. Sie bemühte sich, ihn nicht anzusehen.
»Hey, Sue«, sagte der und suchte ihren Blick.
»Hi.« Während sie an ihm vorbeiging, drehte sie den Helm mit beiden Händen. Schließlich warf sie den Rucksack auf ihren Platz in der zweiten Reihe und setzte sich. Mit einem Seufzer kramte sie ihr Englischheft aus der Tasche und kaute auf dem Stift herum.
»Hast du die Übersetzung etwa noch nicht? Du hast aber nicht mehr viel Zeit! In ein paar Minuten klingelt es!«
»Hast du keine anderen Probleme? Kümmer dich um deinen eigenen Kram, Kilian!« Sie dehnte das ›A‹, weil sie wusste, wie sehr ihn das ärgerte.
»Hey, hast wohl schlechte Laune, was!«
»Was geht dich das an?« Sie sah ihn nicht an, sondern schmierte schnell ein paar Worte aufs Blatt, ohne groß nachzudenken. Warum musste auch ausgerechnet Kilian so früh da sein? Der wohnte doch ganz in der Nähe der Schule. Die anderen schienen mal wieder Verspätung zu haben. Sie warf den Stift hin. So würde sie heute eben keine Hausaufgabe haben. War nicht das erste Mal.
Kurze Zeit später füllte sich der Raum allmählich. Der Klassenlehrer kam dazu und wollte mit dem Unterricht beginnen, als Christina, Sues Banknachbarin, in den Raum rauschte. Das Mädchen schleuderte die Jacke und ihre Handtasche mit den silbernen Nieten auf den Tisch und warf Herrn Mertens einen provozierenden Blick zu. Ihre langen aufgehellten Haare wirkten verfilzt. Der Pullover entblößte ihre linke Schulter. Wir Mädchen müssen ja zusammenhalten, dachte Sue, während die Stunde begann. Der softe Mertens verlor keinen Ton über Christinas verspätetes Erscheinen, sondern begann mit der Kontrolle der Hausaufgaben. Ausgerechnet heute ging er herum und kontrollierte alle Aufsätze! Er kam näher und näher. Sue warf einen fragenden Blick in die Runde. Christina flirtete mit Rick, eine kleine Gruppe spielte hinter dem Rücken des Lehrers Karten. Niemand beachtete den stillen Hilferuf.
Verdammt! Gleich würde er bei ihr sein! Was sollte sie tun? In dem Moment wurde ihr unter dem Tisch ein Heft zugeschoben. Unauffällig nahm sie es, sah auf und traf Kilians Sommersprossen. So nah, dass sie sie zählen könnte. Scheiße! Er half ihr! Wenn das die anderen merkten! Aber sie hatte keine Wahl, nahm das Heft. Hoffentlich fiel die Schrift nicht auf. Sie war fast so krakelig wie ihre eigene. Es könnte klappen.
»Gut gemacht, Sue«, sagte Herr Mertens einen Augenblick später und hakte sie in seinem Notenbuch ab. Er hatte den Trick nicht bemerkt. Im Raum wurde es lauter. Einige kicherten. Natürlich hatten die Klassenkameraden mitbekommen, was passiert war. Würde sie jemand verraten? Sue rutschte auf ihrem Stuhl hin und her und spürte, wie sie langsam rot anlief. Jetzt hob auch noch Christina die Hand und schnipste mit dem Finger.
»Herr Mertens, kann ich mich eine Reihe nach vorne setzen?«
»Warum denn, Christina?«
»Hier stinkt´s!«
Sue rutschte ein Stückchen tiefer in ihren Stuhl. Sie musste jetzt die Farbe einer überreifen Tomate haben. Was sollte sie tun?
»Was ist denn das Problem, Chrissi?«
Die anderen kicherten hysterisch. Der Lehrer bewegte sich in Richtung des gemeinsamen Pults und schnupperte tatsächlich in der Luft herum. »Also, ich rieche nichts. Du bleibst mal schön hier bei Sue sitzen und beginnst mit der Übersetzung!«
Obwohl Sue vor Wut kochte, konzentrierte sie sich auf das Schulbuch. Diese Zicke! Irgendwann würde sie es der heimzahlen. Wenn hier jemand stank, dann die! Von Anfang an hatten sie sich nicht verstanden und seitdem Christina mit Rick ging, war es fast unerträglich geworden.
Endlich war die Stunde zu Ende. Nun mussten sie über den Hof zum Werkraum laufen. Sue schlenderte neben Kilian her und sagte leise: »Danke.« Das war sie ihm schuldig. Keine Antwort. Die schmalen Schultern zog er hoch. Schnell wollte sie weiterlaufen, als Rick dazu kam.
»Na, ihr Turteltäubchen!« Der Klassensprecher grinste böse.
»Ist irgendwas, oder starrst du immer so?«, konterte Sue. Kilian sagte nichts.
»Hast du mal ‘ne Kippe, Sue?« Christina war natürlich auch da. Die olle Schnorrerin hing an Rick dran wie Efeu an einer Wand.
»Nicht für dich.«
Rick drängte Sue zur Seite. Sie beobachtete, wie die Zicke mit einem ebenso zuckersüßen wie falschen Lächeln auf Kilian zuging. Mehr konnte sie nicht sehen, da Rick sie ruppig am Ärmel zog. Er schrie beinahe. »Was sollte denn das heute in Englisch?«
»Keine Ahnung, was du meinst!« Sie sah an ihm vorbei.
»Ich dachte, wir waren uns einig.«
»Werken hat schon angefangen. Das findet der Klopp gar nicht cool.« Sie wollte an ihm vorbeigehen, aber er hielt sie am Arm fest.
»Du kennst doch die Abmachung! Kilian wird geschnitten. Mindestens zwei Wochen.«
»Eure Kinderspielchen gehen mich nichts an!« Sue wollte weiter, aber Rick stellte sich ihr in den Weg. Seine blauen Augen stierten sie an.
»Kinderspielchen? Du glaubst wohl, du bist was Besseres!« Er spuckte wieder rum. »Ich habe nicht umsonst die fünf in Mathe kassiert. Wenn Kilian mich abschreiben gelassen hätte, dann …. Hat er aber nicht. Das hat er jetzt davon.« Er ballte die Hand zur Faust. »Und wenn du nicht mitmachst, dann bist du auch dran!« Seine Stimme klang kälter als Frost.
»Was gehen mich deine Noten an? Verpiss dich und lass mich in Frieden!« Sue stieß ihn energisch von sich weg und rannte zum Unterricht.
»Du bist wohl genauso bescheuert wie der. Das mit der Party nächste Woche kannst du vergessen. Eine Thaischlampe will ich sowieso nicht dabei haben!«
Der letzte Satz schmerzte mehr als eine Ohrfeige.
Herr Klopp erklärte gerade in der Werkstatt, wie der große Holzklotz vor ihr bearbeitet werden sollte. Er zeigte ihnen eine spiegelglatte Kugel in der Größe eines Apfels. Durch die Klasse ging ein Stöhnen. Trotzdem legten sie los. In Sues Kopf schwirrten verschiedene Gedanken. Würde sie in Zukunft genauso gemieden werden wie Kilian? Was sollte sie nur tun? Der Klotz klemmte im Schraubstock. Mit der rechten Hand umfasste sie den Griff der Raspel, mit der linken das andere Ende. Sie legte los. Härter als beabsichtigt, bearbeitete sie den Klotz. Richtig heftig stieß sie auf ihn ein, sodass die Späne flogen. Ihre Hände wurden taub vor Schmerz.
»Na, na, ganz ruhig, junge Dame! Stellen Sie sich vor, der Klotz hätte Gefühle. Ganz sachte.« Herr Klopp legte seine große Hand auf ihre kleine und führte die Bewegungen. Langsam wurde sie ruhiger.
Als es nach der sechsten Stunde klingelte, entwischte Sue durch den hinteren Ausgang und zündete sich eine Zigarette an. Sie beeilte sich, auf einen weiteren Zusammenstoß mit Rick oder seinen Kumpels konnte sie verzichten.
Stattdessen freute sie sich auf das Shopping mit Vanessa. Zeit, die Idioten aus ihrem Kopf zu bekommen. Sie schlenderte durch den Kaufhof, betrachtete die Auswahl an Piercings und plante einen tollen Ring für ihren achtzehnten Geburtstag. Er sollte an ihrer rechten Augenbraue funkeln. Sie ging weiter, drehte die dritte Runde. Noch keine Spur von Vanessa. Das Handy piepste dreimal. Eine SMS. Klar, von ihr. Sie musste arbeiten. Sues Stimmung sank sofort gegen null. Missmutig lief sie durch die Klamottenabteilung, bis sie auf ein knallgrünes Longshirt stieß. Sie zog es über. Es betonte ihre Hüfte lässig, dazu passte eine kurze schwarze Lederjacke. Vor dem Spiegel drehte sie sich darin.
Doch später ließ sie die Kleidungsstücke in der Kabine liegen. Die Party würde ohne sie steigen. Lustlos stöberte sie weiter durchs Kaufhaus, dachte an Fritz, den Obdachlosen. Ihre Eltern erlaubten ihr zwar alles, verstanden aber nichts. Nur Fritz wusste, was in ihr vorging. Zum Glück hatte sie ihn kennengelernt, natürlich während einer Zigarettenpause am Mainufer. Er hatte um einen Euro gebettelt. Sie erinnerte sich noch gut, wie sie nach der kleinen Spende ins Gespräch gekommen waren.
Bei den Lebensmitteln in der untersten Etage blieb sie zwischen den Regalen stehen. Eine alte Frau bückte sich mühsam, um an die billigen Nudeln zu kommen.
