Aaron, der Eroberer - Patricia Vandenberg - E-Book

Aaron, der Eroberer E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Nun gibt es eine exklusive Sonderausgabe – Dr. Norden – Unveröffentlichte Romane Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Diese Frau hat Klasse!« Mit angehaltenem Atem und wissendem Blick stand Aaron Otte, Juniorchef des exklusiven Hotels »Reiserhof«, in der Lobby und fixierte die schlicht gekleidete Frau, die die Hotelhalle betrat und sich suchend umsah. Gleich darauf folgte eine weitere Dame, eingehüllt in einen samtschwarzen Persianer und klirrendem Goldschmuck an den Armgelenken. Aarons Blicke wanderten weiter zu dem jungen Pagen, der sich eben sprungbereit machte, um einer der beiden mit dem Gepäck behilflich zu sein. »Ich bin ja mal gespannt, für wen er sich entscheidet«, raunte Aaron seinem Vater zu, der eben zu seinem Sohn getreten war, um ihm einen Auftrag zu erteilen. Ein Blick genügte, und Rainer Otte wusste, um was es ging. »In seinem jugendlichen Leichtsinn wird er die Dame mit Pelz bevorzugen«, konstatierte der Hotelchef trocken. »Dieser Dummkopf! Warum erkennt er nicht, welche Klasse diese Frau im schlichten grauen Mantel hat?« Missbilligend schüttelte Aaron den Kopf. »Er bewertet die Kunden nach falschen Maßstäben.« Der Page, der nichts bemerkt und ebenso wenig begriffen hatte, stand geduldig neben der Frau im Persianer, ihre schwarz glänzende Tasche in der Hand, und wartete. Unterdessen kehrte die schlichte Schönheit mit Namen Centa Paul von der Rezeption zurück. Das war der Augenblick für Aaron Otte. Ohne zu überlegen, verließ er seinen Posten und war mit wenigen, aber trotzdem gemessenen Sprüngen neben ihr. »Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte er so charmant, wie nur er es konnte.

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dr. Norden – Unveröffentlichte Romane – 19 –Aaron, der Eroberer

Ist dieser Mann die Liebe wert?

Patricia Vandenberg

»Diese Frau hat Klasse!« Mit angehaltenem Atem und wissendem Blick stand Aaron Otte, Juniorchef des exklusiven Hotels »Reiserhof«, in der Lobby und fixierte die schlicht gekleidete Frau, die die Hotelhalle betrat und sich suchend umsah. Gleich darauf folgte eine weitere Dame, eingehüllt in einen samtschwarzen Persianer und klirrendem Goldschmuck an den Armgelenken. Aarons Blicke wanderten weiter zu dem jungen Pagen, der sich eben sprungbereit machte, um einer der beiden mit dem Gepäck behilflich zu sein. »Ich bin ja mal gespannt, für wen er sich entscheidet«, raunte Aaron seinem Vater zu, der eben zu seinem Sohn getreten war, um ihm einen Auftrag zu erteilen.

Ein Blick genügte, und Rainer Otte wusste, um was es ging.

»In seinem jugendlichen Leichtsinn wird er die Dame mit Pelz bevorzugen«, konstatierte der Hotelchef trocken.

»Dieser Dummkopf! Warum erkennt er nicht, welche Klasse diese Frau im schlichten grauen Mantel hat?« Missbilligend schüttelte Aaron den Kopf.

»Er bewertet die Kunden nach falschen Maßstäben.«

Der Page, der nichts bemerkt und ebenso wenig begriffen hatte, stand geduldig neben der Frau im Persianer, ihre schwarz glänzende Tasche in der Hand, und wartete. Unterdessen kehrte die schlichte Schönheit mit Namen Centa Paul von der Rezeption zurück.

Das war der Augenblick für Aaron Otte. Ohne zu überlegen, verließ er seinen Posten und war mit wenigen, aber trotzdem gemessenen Sprüngen neben ihr.

»Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte er so charmant, wie nur er es konnte. Schon hatte er die Hand nach ihrem kleinen Koffer ausgestreckt.

»Das ist sehr freundlich von Ihnen«, bedankte Centa sich mit hoheitsvollem, kaum merklichem Nicken.

»Wohin darf ich Sie geleiten?«, erkundigte sich der Juniorchef und suchte an ihrem Finger nach einem Ehering. Vergeblich. Er lächelte in sich hinein. Das würde es ihm leichter machen. Trotzdem wollte er sich nicht allein auf seinen Charme verlassen.

Die Dame in Grau hatte inzwischen ihren Schlüssel begutachtet.

»Nummer 231.«

»Das ist unser schönstes Zimmer.«

»Genau das wollte ich haben«, entgegnete sie mit einem geheimnisvollen Lächeln, das Aaron beinahe um den Verstand brachte. Sein Jagdinstinkt war geweckt. Doch sein Äußeres war unbewegt und undurchsichtig.

»Ich begleite Sie nach oben«, teilte er Centa Paul in einem Tonfall mit, der zwar unverfänglich war, aber dennoch keinen Widerspruch duldete.

Die Aufzugtür öffnete sich, und dem Lift entstiegen einige Gäste. Die Dame in Grau musste zurückweichen. Diese Gelegenheit kam Aaron gerade recht. In dem kurzen Moment, in dem sie sich ungewollt an ihn drückte, fuhr seine Hand blitzschnell in ihre Manteltasche. Als sie sich gleich darauf mit einem entschuldigenden Lächeln wieder zu ihm umwandte, hatte der Juniorchef seine Beute bereits in seiner Hosentasche verstaut.

»Es tut mir wirklich leid«, sagte Centa Paul.

»Ich bitte Sie! Das macht doch nichts.« Aaron blinzelte sie vergnügt an und ließ ihr den Vortritt in den Aufzug.

Wenig später hatte er sie galant und wohlbehalten in ihrem Zimmer abgeliefert. Ehe er wieder in die Lobby zurückkehrte, suchte er sich einen freien Raum, um seine Beute zu betrachten.

»Na, was haben wir denn da? Mit Sicherheit gehören diese Schlüssel zu einem schicken kleinen Wagen. Die schöne Dame wird überglücklich sein, dass ich sie gefunden habe und mich als Dank bestimmt zu einer kleinen Ausfahrt und mehr einladen«, bemerkte er siegessicher. Noch nie hatte sich eine Frau, auf diese Weise von Aaron Otte hereingelegt, seinem Charme entziehen können. Centa Paul sollte es nicht anders ergehen.

*

Justine Knappik drückte die Augen fest zusammen und versuchte, das ungute Gefühl zu verdrängen, dass ihr am Abend zuvor etwas Schlimmes passiert war. Nicht schlimm wie gewöhnlich: sich in Nachtlokalen von augenscheinlich reichen Männern ansprechen und einladen zu lassen gehörte noch zu den normaleren Dingen ihres liederlichen Lebenswandels.

»Diesmal ist es richtig schlimm«, flüsterte ihr eine Stimme ein.

Was war geschehen?

»Sie können nichts dafür, Frau Knappik.« Eine beruhigende Stimme neben ihrem Ohr erklang.

Justine horchte auf.

»Keine Angst.«

Vorsichtig öffnete sie ein Auge und spähte durch den Schlitz hindurch auf den Mann, der an ihrem Bett saß. Ihr Kopf dröhnte, das Licht brannte in ihrer Pupille. Trotzdem erkannte sie, dass sie nicht zu Hause war. Das war schon mal besser, als neben einem Fremden im eigenen Bett zu erwachen.

»Wo bin ich?«, rang sie sich matt eine Frage ab.

»In der Behnisch-Klinik. Sie erinnern sich wohl nicht mehr?«, fragte der Allgemeinmediziner Dr. Daniel Norden behutsam. Er saß neben der schlanken jungen Frau und blickte auf das hübsche, aber deutlich verkommene Gesicht hinab.

Justine versuchte den Kopf zu schütteln, gab dieses Bemühen jedoch wegen der Schmerzen rasch wieder auf.

»Ich weiß nur, dass etwas Grässliches geschehen ist. Mehr aber auch nicht.«

»Meine Frau Felicitas und ich sind aus der Oper gekommen, als sie uns splitterfasernackt auf der Straße entgegenkamen. Sie waren wie von Sinnen, haben gelacht und wirres Zeug geredet. Unter Aufbietung all meiner Kräfte gelang es mir schließlich, Sie von weiteren Taten abzuhalten«, versuchte er, ihr die Wahrheit so schonend wie möglich beizubringen.

Justine klebte die Zunge am Gaumen.

»Was habe ich getan?«

»Laut Polizeibericht haben Sie ein paar Autos zerkratzt, eine Scheibe eingeworfen und durch lautes Rufen unflätiger Ausdrücke die Nachtruhe empfindlich gestört«, erinnerte sich Daniel schaudernd. Die junge Frau konnte einem mehr als leidtun. »Mal abgesehen von der Erregung öffentlichen Ärgernisses.«

In diesem Moment wünschte sich Justine, ein Loch würde sich im Boden auftun und sie verschlingen, so sehr schämte sie sich.

»Herrje, das ist ja noch schlimmer, als ich gefürchtet habe«, sagte sie leise und schloss die Augen.

Dr. Norden lächelte mitfühlend.

»Keine Sorge. Sie hatten noch Glück im Unglück. Der Blut- und Urin-Test hat zweifelsfrei ergeben, dass Ihnen KO-Tropfen ins Getränk gemischt wurden«, beruhigte der Arzt die Patientin. »Somit sind Sie schuldunfähig und haben keinerlei strafrechtliche Verfolgung zu fürchten.«

Justine wusste, dass sie der Wirklichkeit nicht ewig entfliehen konnte.

Sie öffnete die Augen und sah den Arzt mit schief gelegtem Kopf an.

»KO-Tropfen? Wie ist das möglich? Ich habe gar nichts geschmeckt.«

»Das ist das Heimtückische an solchen flüssigen Drogen, wie diese Tropfen auch genannt werden. Sie sind geschmacks- und geruchsneutral und werden von Männern gerne dazu verwendet, Frauen gefügig zu machen.«

»Davon hab ich schon mal was gehört. Aber ehrlich gesagt konnte ich das nicht glauben«, gab Justine ein wenig naiv zu. »Aber jetzt, wo Sie es sagen …«

Bruchstückhafte Bilder taumelten vor ihren Augen.

»Da waren diese Männer. Ich hab sie in der Bar kennengelernt. Wir hatten Spaß und haben viel getrunken und gelacht. Einer von denen ist irgendwann aufdringlich geworden. Ich wollte nicht und bin gegangen, um meinen Mantel zu holen«, berichtete sie stockend. »Als ich zurückgekommen bin, hat er mich zu einem Abschiedsdrink überredet. Das ist alles.« Sie zögerte. Auf ihrer bleichen Stirn erschienen ein paar Falten. »An mehr kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern.«

Daniel nickte wissend.

»Typisch für KO-Tropfen. Sie können das Erinnerungsvermögen stark beeinträchtigen. Die weitere Wirkung ist individuell sehr verschieden. Bei Ihnen haben sie wohl eine Art Ekstase ausgelöst. Wie gesagt, Sie tanzten nackt auf der Straße, lachten und gebärdeten sich wie verrückt.«

»Allemal besser, als vergewaltigt zu werden«, bemerkte Justine kläglich.

Darin konnte Dr. Norden ihr uneingeschränkt recht geben.

»Trotzdem kann ich Ihnen eine weitere unangenehme Wahrheit nicht verschweigen.«

Justine sah ihn mit großen Augen an. Ihr Herz stolperte vor Schreck. Was mochte noch geschehen sein, an das sie keine Erinnerung hatte?

»Am besten, Sie sagen es mir gleich, damit ich es hinter mir habe.«

Doch statt den Mund zu öffnen, zog Daniel eine Tageszeitung hervor und zeigte Justine Knappik das Titelblatt.

»Das wird Ihnen nicht gerade angenehm sein, oder?«

»Ach du Schande«, entfuhr es Justine. Sie schlug die Hand vor den Mund, ohne den Blick von dem Nacktfoto wenden zu können, das das Titelblatt großflächig zierte. »Das bin ja ich!«

»In voller Schönheit. Meine Frau bemerkte den Fotografen zwar. Aber wir waren beide viel zu sehr mit Ihnen beschäftigt, als dass wir das Malheur hätten verhindern können«, bedauerte Daniel Norden aufrichtig. Justine erinnerte ihn an diesem Morgen in keiner Weise mehr an das vulgäre Mädchen, das sich vehement und schlagkräftig gegen seine Beruhigung gewehrt hatte. Jetzt wirkte sie eher wie ein kleines, verschüchtertes Mädchen, als sie ihn mit großen dunklen Augen anstarrte.

Eine Weile fiel kein Wort zwischen ihnen. Doch dann deutete sie auf den tiefen blutroten Kratzer, der quer über seine Wange führte.

»War ich das auch?«, fragte Justine kleinlaut.

»Nicht der Rede wert. Ein Arzt hier hat die Wunde versorgt«, winkte Daniel ab. »Sie wird ohne Narbe verheilen.«

»Wenigstens etwas«, sagte sie leise, konnte ihre Bestürzung aber nicht verbergen. Der vergangene Abend lag ihr bleischwer im Magen.

Im Augenblick konnte aber auch der Arzt nichts mehr für die Patientin tun.

»Es tut mir sehr leid, was geschehen ist. Trotzdem sollten Sie nicht vergessen, dass Sie noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen sind. Anderen ergeht es viel schlimmer. Und die Menschen haben ein schlechtes Gedächtnis. Schon morgen berichtet die Zeitung über eine andere Sensationsgeschichte, an der die Leser sich ergötzen.

Dann sind Sie und das Foto längst Geschichte. Es heißt nicht umsonst: Nichts ist älter als die Zeitung vom Vortag«, versuchte er sie zu trösten, während er aufstand.

Doch Justine hielt den Kopf gesenkt.

»Meine Arbeit bin ich damit auf jeden Fall los.«

»Wenn Sie Ihrem Chef erklären, was geschehen ist, hat er sicherlich Verständnis dafür.«

Sie schüttelte den Kopf.

»Ich arbeite als Hostess für eine Messegesellschaft. Zu viele wichtige Kunden könnten das Bild gesehen haben. Nein«, deprimiert schüttelte sie den Kopf. »Den Job bin ich los. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.«

Daniel sah auf die Uhr. Es war schon spät. Er konnte seine Patienten unmöglich noch länger warten lassen. Die Zeit brannte ihm unter den Nägeln.

»Rufen Sie mich oder meine Frau an, wenn ich etwas für Sie tun kann.« Er reichte Justine seine Visitenkarte.

»Mir ist nicht mehr zu helfen«, seufzte sie und legte das Kärtchen achtlos zur Seite.

Daniel verharrte noch einen Moment an der Tür. Dann musste er wirklich los. Er konnte nur auf die Jugend und Kraft der unglücklichen Frau hoffen, die es ihr erleichtern würden, diesen Schicksalsschlag zu verkraften und für die Zukunft eine Lehre daraus zu ziehen.

*

»Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihr Mann sich an die strikte Einhaltung der Therapie hält«, sprach Dr. Daniel Norden eindringlich auf die Frau ein, die vor seinem Schreibtisch saß.

Regina Vocke starrte ratlos auf das Rezept in ihren Händen.

»Sie wissen doch, wie dickköpfig Lothar immer ist. Selbst hierher kommt er nicht mehr.«

»Sie müssen ihm klar machen, dass er sein Leben riskiert, wenn er das Medikament nicht einnimmt. Zudem handelt es sich um ein ganz neues Präparat. Nur wenige Tropfen der neuen Hormonsubtanz müssen vier bis fünf Mal täglich inhaliert werden. Dadurch kann die Krankheit, wenn nicht geheilt, so doch wenigstens gestoppt werden.«

»Das wäre eine ungemeine Erleichterung für Lothar. Je schwächer und weniger leistungsfähig er ist, umso unzufriedener wird er.«

Daniel nickte wissend. Auf den ersten Blick ein Kavalier alter Schule und ein Charmeur wie aus dem Bilderbuch, ahnte er, wie herrisch und patriarchalisch Lothar Vocke sich in seinen eigenen vier Wänden aufführte. Reginas traurige Augen sprachen Bände davon.

»Es wäre nicht nur eine Erleichterung für Ihren Mann, sondern auch für Sie«, sagte er sehr ernst.

Regina zuckte resigniert mit den Schultern.

»Ach, wissen Sie, Lothar ist geschäftlich nach wie vor viel unterwegs. Die paar Stunden, die er zu Hause ist, halte ich schon aus. Schließlich habe ich ja meine gute Silvie. Sie macht den Haushalt und kümmert sich um Lothars Versorgung. Ich muss nur hin und wieder seine Gesellschafterin spielen. Und die Krankenschwester«, fügte sie mit einem Anflug von Humor hinzu, während sie sich erhob.

»Sie muss einmal eine bildhübsche Frau gewesen sein!«, sagte Dr. Norden zu seiner Sprechstundenhilfe Wendy, nachdem sich die Tür hinter Regina Vocke geschlossen hatte.

»Ein Jammer, dass sie von ihrem Mann so schlecht behandelt wird. Wir haben doch alle nur ein Leben. Und laut Medienberichten ist der Unternehmer Vocke ein schwer reicher Mann. Außer seiner Gesundheit kann er keine großen Sorgen haben. Und für die tut er ja auch nicht gerade viel«, wusste Wendy zu berichten. »Wenn seine fürsorgliche Frau nicht wäre, wäre er längst tot.«

Nachdenklich wiegte Daniel den Kopf.

»Ab und zu frage ich mich schon, warum manche Paare noch zusammen sind. Mit Liebe kann das nicht viel zu tun haben.«

Ausgestattet mit viel Empathie und Einfühlungsvermögen, hatte Wendy eine Antwort parat.

»Entmündigte Frauen wie Regina Vocke trauen sich einfach häufig nicht zu, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie halten die Geschäfte des täglichen Lebens für Zauberwerk. Und ihre Männer tun alles, um sie in diesem Irrglauben zu lassen.«

»Ich wäre der unglücklichste, unzufriedenste Mann der Welt, wenn ich auch nur den Verdacht haben müsste, dass meine Frau nur deshalb bei mir ist, weil sie das tägliche Leben nicht alleine meistern kann«, erklärte der Arzt vehement.

Wendy lächelte.

»Sie sind kein Maßstab, lieber Herr Doktor. Wenn es nur solche Männer wie Sie auf der Welt gäbe, hätten wir Frauen keine Probleme«, entfuhr es ihr spontan. Erschrocken über ihre eigenen Worte wurde sie über und über Rot und senkte den Kopf über die Tastatur ihres Computers.

»Wenn es nur Männer wie Dr. Norden gäbe, wäre ich sehr gerne verheiratet«, murmelte auch Regina Vocke, als sie ins Taxi stieg, um sich zu einer Apotheke fahren zu lassen.