Abgebrannt - Sabine Hartmann - E-Book

Abgebrannt E-Book

Sabine Hartmann

4,9

Beschreibung

Advent in Hildesheim, doch der Feuerteufel geht um und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Zahlreiche leer stehende Häuser fallen seinem Flammeninferno zum Opfer. Als dabei auch ein Obdachloser stirbt, spitzt sich die Situation zu. Sollte der Mann aus dem Weg geräumt werden, weil er den Brandstifter überraschte? Aber warum hat er mit letzter Kraft versucht, die beiden Kätzchen zu retten? Kofi und Moll suchen in ganz Hildesheim und Umgebung nach Hinweisen. Eine brandheiße Spur führt sie direkt zum Weihnachtsmarkt.

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Seitenzahl: 321

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Inhalt

Titelseite

Impressum

Über die Autorin

Widmung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Danksagungen

Sabine Hartmann

Abgebrannt

Im Verlag CW Niemeyer sind bereits folgende Bücher der Autorin erschienen:

Ausweichmanöver

Mords Idylle

Nur ein Katzensprung

Sechs, Sieben, Cache!

Eiskalt verzockt

Abgeräumt oder niemand lügt für sich allein

Katzenmelodie

Wutbürger

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet abrufbar über http://dnb.ddb.de

© 2014 CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln

www.niemeyer-buch.de

Alle Rechte vorbehalten

Der Umschlag verwendet Motive von shutterstock.com

Burnt wood Bohbeh 2014, Smoke ben bryant 2014

eISBN: 978-3-8271-9872-3

EPub Produktion durch ANSENSO Publishing www.ansensopublishing.de

Der Roman spielt hauptsächlich in allseits bekannten Stätten in Hildesheim und Umgebung, doch bleiben die Geschehnisse reine Fiktion. Sämtliche Handlungen und Charaktere sind frei erfunden.

Über die Autorin:

Sabine Hartmann wurde 1962 in Berlin geboren. Seit 1982 lebt sie in Sibbesse. Sie ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Nach vielen Jahren als freiberufliche Übersetzerin und Dozentin in der Erwachsenenbildung arbeitet sie heute als Schulleiterin in Alfeld. Als Tochter eines Polizisten interessierte sie sich schon früh für Detektivgeschichten und Krimis. So lag es nah, dass sie, als sie die Schreiblust packte, dieses Genre bevorzugte. Neben Krimis für Erwachsene und Jugendliche schreibt sie auch Geschichten für Kinder. Im Regionalkrimibereich hat sie bisher im Leinebergland und im Weserbergland morden lassen. In Lesungen, Vorträgen und Schreibworkshops versucht sie, auch andere für Krimis zu interessieren. Für ihre Kurzkrimis, die in Anthologien und Zeitschriften erschienen sind, hat sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten. Sie ist Mitglied bei den ,Mörderischen Schwestern‘ und im ,Syndikat‘.

Für Gisela

„Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“

(Helen Hayes)

1

Hildesheim, Freitag, 16. November 2012

Ich freute mich erstaunlich viel mehr als ich erwartet hatte, als Kriminalkommissar Kofi Kayi anrief und sagte, dass er sich heute Abend gern noch einmal mit mir treffen würde.

Zu einem Abschiedsessen.

Bevor er Hildesheim verließ, was er allerdings nicht aussprach.

Sofort klappte ich die Homepage der Stiftung Warentest zu, auf der ich gerade unterwegs war. Eine neue Kamera konnte ich mir auch morgen kaufen, oder übermorgen.

„Ich könnte in etwa zwanzig Minuten an der Arneken Galerie sein“, sagte ich und dachte an den Auftrag, durch den wir uns kennengelernt hatten und der mich meine Kamera gekostet hatte. Er unterbrach meine Gedanken.

„Iris“, sagte er fröhlich, „mir schwebt etwas anderes vor. Wie wär’s, wenn wir es so machen: Ich hol’ dich von zu Hause ab, und wir fahren ein Stück aus der Stadt heraus, komm einfach in einer halben Stunde herunter“, schlug er vor. „Ich warte in meinem Auto vor deiner Haustür, okay?“

Ich stimmte zu, ohne weiter darüber nachzudenken, freute mich auf den Abend mit ihm.

Und dann stand ich kurz darauf in meinem Schlafzimmer und fragte mich, was ich anziehen sollte.

Wie blöd war das denn? Der Fall war gelöst, seine Abordnung nach Hildesheim hatte sich dadurch erledigt. Er würde nach Holzminden zurückkehren, wollte sich nur von mir verabschieden. Weiter nichts. Kein Date. Kein Rendezvous.

Ich entschied mich für Bluejeans und einen bunten Pullover, dazu flache Turnschuhe. Er gehörte schließlich nicht zu den groß gewachsenen Männern.

Natürlich wartete ich viel zu früh am Straßenrand auf ihn. Doch das konnte jemand, der einen abholte, letztendlich nicht sehen. Es war schon dunkel draußen. Die Straßenlaterne vor meinem Wohnblock brannte nicht, nur das Licht über dem Klingelbrett glomm gelblich. Gnädigerweise regnete es nicht.

Ich schaute mich um. Niemand zu sehen. Da es kühler war, als ich erwartet hatte, schlang ich meine Arme um mich. Jetzt könnte er ruhig kommen.

Schlagartig wurde mein Mund trocken, als Kofis Wagen um die Ecke bog, abbremste und am Bordstein vor meinem Haus anhielt.

Ich trat aus dem Hauseingang und ging zu ihm hinüber. Er hatte sich über den Beifahrersitz gebeugt und die Tür für mich aufgeschoben. „Guten Abend, schön, dass du so spontan Zeit hattest.“

„N‘Abend, danke für die Einladung.“

Ich lächelte ihn an, stieg ein, zuppelte meine Jacke glatt, legte den Gurt an und fühlte mich auf einmal so unsicher wie in der vierten Klasse, als ich mich vor die Tafel stellen und vor allen Mitschülern vorsingen sollte.

Kofi hatte mir nur einen kurzen Blick zugeworfen und war dann losgefahren, über die Umgehungsstraße, durch Ochtersum, an Neuhof vorbei. Schweigend erreichten wir den Heidekrug kurz vor Diekholzen.

Der Kellner brachte uns zu einem Tisch am Fenster, wir bestellten beide Hirschgulasch. Er mit Spätzle, ich mit Klößen.

Zuerst war alles irgendwie äääh. Ich plapperte über die Abstammung des Familiennamens Raudis, nur um kurz darauf verlegen zu schweigen. Erst nach dem Salat und dem Aperitif aufs Haus entspannten wir uns beide.

Kofi deutete noch einmal umständlich an, dass die Metalldiebstähle gelöst seien und er beruhigt an seinen Holzmindener Schreibtisch zurückkehren konnte. Mehr durfte er nicht sagen. Mehr brauchte ich auch nicht zu wissen. Mehr sprachen wir nicht über die Arbeit, weder über seine noch über meine.

Kurz vor Mitternacht brachte er mich nach Hause zurück. Bevor ich ausstieg, streichelte er mit einem Finger sanft meinen Hals und hauchte mir einen vorsichtigen Kuss auf die Wange. „Sehen wir uns wieder?“, fragte er.

Ich konnte nur nicken, legte die Hand auf den Türöffner.

„Ich warte, bis du im Haus bist, bevor ich losfahre“, sagte er.

Ich presste seine dunkle Hand mit der hellen Handfläche an meine Wange und stieg schnell aus. Sonst hätte ich ihm angeboten, mit ihm nach Holzminden zu fahren. Oder nach Amsterdam oder bis zum Mond.

Nachdem ich die Haustür aufgeschlossen hatte, winkte ich ihm, erkannte, dass er den Motor wieder angelassen hatte, weil die Scheinwerfer heller wurden. Er fuhr los. Ich schaute ihm hinterher. Wehmütig. Hätte ich doch ...?

Plötzlich packte mich jemand an der Schulter und drehte mich zu sich um. Ich sah nur eine Skimaske und dunkle Augen. „Gute deutsche Frauen treiben sich nicht mit Niggern herum“, sagte eine gutturale Stimme beinahe sanft. Ich zappelte, um mich aus seinem Griff herauszuwinden. Er ließ los. Ich taumelte rückwärts, prallte gegen einen zweiten Mann. „Er wird das nicht mehr lernen. Aber dir geben wir noch eine Chance“, flüsterte der in mein Ohr.

Aus dem Augenwinkel sah ich seine Faust kommen, versuchte mich zu ducken. Dann verschlang mich ein großer Schmerz.

Als ich wieder aufwachte, steckte mir gerade jemand eine Kanüle in den Handrücken. Mein Gesicht brannte. Meine Nase war zugeschwollen. Meine Lippen gehorchten mir nicht. Ich röchelte, hustete, wedelte mit den Händen. „Polizei!“, nuschelte ich. „Polizei!“

„Ich bin schon hier.“ Jemand berührte mich an der Schulter. Ich starrte den Mann an, der sich über mich beugte, brauchte einen Moment, um ihn zu erkennen.

Moll.

Er musste mir zuhören.

Unbedingt.

Jetzt gleich.

Mein Arm ließ sich nur mit großer Mühe bewegen. Trotzdem schaffte ich es. Meine Hand landete zwar auf seiner Wange und hinterließ dort einen hässlichen roten Fleck, doch er verstand mich und neigte seinen Kopf zu mir herunter. „Sie wollen Kofi umbringen. Anrufen. Warnen.“ Meine Hand fiel herunter, ohne dass ich sie daran hindern konnte. Sie knallte auf eine Metallstrebe, das tat höllisch weh. „Anrufen!“, krächzte ich noch einmal. „Sie müssen ihn warnen.“

Moll nickte, zog sein Handy aus der Tasche.

Er wählte.

Ich konnte das Klingeln hören.

Einmal, zweimal, dreimal.

Kofi nahm ab, meldete sich mit einem fröhlichen: „Kayi?“

Gott sei Dank.

„Moll hier, hör zu.“

„Hallo Molli, was is’n los?“

„Wo bist du?“

„Gerade vor meinem Haus angekommen. Ich hab einen Parkplatz direkt vor ...“

„Steig nicht aus. Verriegel den Wagen. Fahr sofort wieder los.“ Moll brüllte so laut, dass er eigentlich kein Telefon gebraucht hätte.

„He, was soll das?“

Ich hörte einen Ruf, dann ein fürchterliches Krachen und kurz darauf lautes Gelächter. Höhnisch.

Danach Stille.

Moll brüllte weiter ins Handy, klopfte dagegen. Plötzlich ließ er es sinken. „Nichts mehr“, wisperte er in meine Richtung. Er beugte sich zu mir herunter, versuchte mir in die Augen zu schauen. „Haben Sie den Angreifer gesehen?“

Ich versuchte zu nicken, röchelte: „Zwei, mit Skimasken.“ Bevor es mir gelungen war, das Wort Baseballschläger herauszustottern, richtete er sich auf.

„Ich fahre hin, ich fahre sofort hin.“

Ich schüttelte den Kopf und bemühte mich, noch einmal das Wort ,Polizei‘ zu artikulieren und ,Holzminden‘. Anscheinend verstand er mich, denn er nickte und wählte erneut.

Als die Sanitäter mich in den Rettungswagen brachten, hatte Moll scheinbar jemanden erreicht, denn er gestikulierte wild und lief währenddessen auf seinen Wagen zu, der halb auf dem Bürgersteig stand.

Nachdem die Wagentüren zugeklappt waren, schloss ich die Augen und dachte an Kofi, an seine Hand auf meiner Wange, sein Lachen. Seine Frage: ,Sehen wir uns wieder?‘

Der Wagen ruckelte an, und ich spürte, dass dieses durchsichtige Zeugs, das in meine Venen tröpfelte, zu wirken begann. Ich fühlte mich seltsam leicht, zwar konnte ich noch immer nicht richtig atmen, aber es war mir so was von egal.

Ich musste grinsen.

Dann fiel mir das höhnische Gelächter ein.

Kofi.

Wo bist du?

„Sehen wir uns wieder?“

2

Hildesheim, Freitag, 11. Januar 2013

„Das war ja so was von klar“, murrte Moll, hielt Caroline aber trotzdem die schmiedeeiserne Pforte zum Friedhof auf. Ohne ihn zu beachten, schritt sie hindurch, damit beschäftigt, den Reißverschluss ihrer Lederjacke zuzuziehen. Er selbst trug seinen dunklen Tuchmantel und fühlte sich schon unangemessen gekleidet, weil er nur einen grauen Schal besaß und keinen schwarzen. Obwohl er selbstverständlich dafür gesorgt hatte, dass nicht das kleinste Stückchen davon hervorschaute, solange er den Mantel nicht aufknöpfte.

Caroline Maiworm hingegen stapfte in schweren Stiefeln vor ihm her, in die sie ihre Alltagsjeans gesteckt hatte. Weder die roten Lederapplikationen noch das farbenfrohe Logo auf dem Rücken des Kleidungsstücks hatten sie davon abhalten können, ihre aktuelle Lieblingsjacke zu tragen. Matthias Moll schüttelte den Kopf. Und nun kamen sie außerdem so spät, dass sie garantiert keinen Platz mehr in der Friedhofskapelle bekommen würden.

Vorsichtshalber tastete er in seinen Taschen nach den Handschuhen. Immerhin, sie befanden sich, wo sie sein sollten.

Er schritt hinter Caroline den schmalen Kiesweg entlang. Nickend ging er an der Reihe der Kolleginnen und Kollegen vorbei, die in kleinen Grüppchen auf den beiden Rasenflächen rechts und links des Weges standen. Viele kannte er, einige nur vom Sehen, andere aus gemeinsamen Schichten, Einsätzen oder Arbeitsgruppen.

Gemeinsam trat er mit Caroline an das Pult. Sie schaute ihn fragend an und trug dann auf sein Nicken hin ihre beiden Namen in das Kondolenzbuch ein.

Nachdem sie an der geöffneten Tür der Kapelle kurz verharrt hatten, gingen sie die wenigen Schritte bis zum Sarg. Moll roch das Wachs der Kerzen und den süßlichen Geruch verblühender Blumen. Der Sarg war fast vollständig unter Kränzen und Gestecken verborgen. Obwohl er mit gesenktem Kopf etwas seitlich vor dem Sarg stand, versuchte er einen kurzen Blick auf die Angehörigen zu erhaschen, sah allerdings nur gesenkte Köpfe. Leises Schluchzen erreichte ihn von der rechten Seite. Er glaubte, die Stimme zu erkennen.

Jetzt hatte er genug mit sich selbst zu tun. Das Schlucken fiel ihm schwer, hastig legte er die Handflächen aneinander, verneigte sich andeutungsweise.

Er hörte Gemurmel hinter ihnen. Caroline stieß ihn an. Er schrak ein wenig zusammen. Was wollte sie?

Ach so, sie standen zu lange hier herum, andere wollten auch.

Natürlich.

Langsam drehte er sich um, schlurfte beinahe den Gang hinunter. Eine kleine Gruppe kam ihnen entgegen, ging an ihnen vorüber. Dabei vermied er es absichtlich, irgendjemandem direkt ins Gesicht zu schauen. Auf keinen Fall wollte er sehen, wer nach ihm an den Sarg trat. Auf keinen Fall sollte dieser Jemand die Tränen sehen, die über seine Wangen rollten.

Erst nachdem sie die Kapelle wieder verlassen hatten, wischte er sich verstohlen übers Gesicht.

Selbst Caroline neben ihm schniefte vernehmlich in ein Taschentuch.

So etwas sollte einfach nicht passieren. Nur alte Menschen sollten sterben, am besten friedlich, im eigenen Bett. Morgens nicht wieder aufwachen, direkt aus dem Traum ins Paradies. Aber nicht so.

Plötzlich und unerwartet, bisher hatte er das immer für eine Floskel gehalten. Und nun? Jetzt stand er vor dieser Kapelle und wartete auf das Läuten der Glocken, die den Beginn der Beerdigungszeremonie ankündigten.

Die Beerdigung eines Kollegen.

Eines Kollegen, mit dem er kurz vor seinem Tod noch gelacht hatte, mit dem er sich darüber gefreuthatte, wie schnell sie den Überfall aufgeklärt hatten.

Und dann das.

Moll schüttelte den Kopf, schob die Bilder zur Seite, die sich augenblicklich einstellten.

Wie ein Blitz war die Nachricht durch die Dienststelle gerast. ,Kollege betroffen!‘ hatten die Uniformierten sofort gemeldet, nachdem sie den Tatort gesichert hatten.

Zu spät.

Sinnlos.

Wenn er nur eine Minute später losgefahren wäre. Oder früher. Oder, wenn er eine andere Strecke gewählt hätte? Auf dem Weg noch ein Brot kaufen, hätte ihn das gerettet?

Das Läuten der Glocken der kleinen Friedhofskapelle riss ihn aus seinen Gedanken.

Warum tat er sich das an?

Ein Kollege war gestorben. Na und.

Musste er deswegen hier in der Kälte stehen? Musste er deswegen den Angehörigen auf die Pelle rücken? Sie in ihrem Leid bespitzeln?

Moll schüttelte den Kopf. Er hätte sich freiwillig heute für den Dienst eintragen sollen. So was war nichts für ihn.

Jetzt ging auch noch das Gejaule los.

Tatsächlich waren die Lautsprecher knackend und knarrend zum Leben erwacht. Die ersten Orgeltöne klangen eher wie ein ertrinkender Hirsch als nach Musik. Kaum war eine schleppend langsame Melodie zu erkennen, setzte das Gefiepe ein. Er hatte noch nie verstanden, warum alle Kirchenlieder so unerträglich hoch gesungen wurden. Musste das so sein?

Ohne, dass er es wollte, tauchte der Text in ihm auf. ,Befiehl du deine Wege, und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des, der den Himmel lenkt.‘ Er sprach ihn leise mit, dann murmelte er: „Paul Gerhardt, wieso weiß ich das noch?“

Caroline wandte sich zu ihm um und fragte: „Was sagst du?“

Er winkte ab. „Nichts, schon gut.“

Sie runzelte die Stirn.

Konnte sie ihn nicht einfach in Ruhe lassen?

In der Zwischenzeit hatte die nächste Strophe begonnen. ,Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade ... Wie viele Strophen wollten sie denn noch singen?‘ Er verlagerte sein Gewicht auf den anderen Fuß, strich den Mantel glatt und steckte dann beide Hände tief in die Taschen. ,Die mussten doch gesehen haben, dass nicht alle in die Kapelle gepasst hatten und sich einige hier draußen den Hintern abfrieren mussten.‘

Als die letzten Orgeltöne verweht waren, vernahm er ein lautes Schluchzen, das sich direkt einen Weg in seinen Bauch bahnte und ihn unendlich traurig machte.

Niemand sollte so früh sterben müssen.

Unwillkürlich ballte er die Fäuste.

Was nützte es, dass die Täter in Haft saßen?

Nicht das Geringste. Sie schaukelten sich die Eier und der Kollege ...

„Wir haben uns hier versammelt“, unterbrach die salbungsvolle Stimme des Pfarrers seine Gedanken, „um Abschied zu nehmen von unserem lieben Ehemann, Bruder, Sohn und Vater, Kollegen und Freund. Von unserem geliebten Konrad Jannowitz, den die meisten von Ihnen vermutlich unter seinem Spitznamen, Konny, kannten und liebten.“

„Konny“, flüsterte Moll. Vier Jahre waren sie ein Team gewesen, dann geschah der Unfall, der ihn fast ein Dreivierteljahr außer Gefecht gesetzt hatte. Konny hatte gekämpft, hatte gerade wieder angefangen, einige Stunden täglich zu arbeiten, als er nach einem langen Arbeitstag, auf dem Heimweg auf einen Tankstellenüberfall zukam. Ohne nachzudenken, lief er in das Gebäude, um der Kassiererin zu helfen. Ihr ging es gut, und Konny starb wenig später an inneren Blutungen.

Die beiden jugendlichen Täter hatten ihn mit einem Baseballschläger so unglücklich getroffen, dass der Notarzt nichts mehr für ihn tun konnte.

„Wat ’ne Scheiße“, flüsterte er.

Caroline nickte. „Das kannste laut sagen. Er war ein guter Kollege.“

‚Nicht nur ein Kollege‘, dachte Moll. ‚Auch ein Freund. Mein Freund.‘

3

Bad Salzdetfurth, Donnerstag, 25. April 2013

Wenig später wimmelte es in dem niedrigen Keller von Menschen. Jochen und Krüger saßen auf der untersten Treppenstufe und sahen zu, wie Polizeibeamte akribisch die Arbeit ausführten, die sie eigentlich hatten erledigen sollen.

Innerhalb kürzester Zeit waren Lehm, Balken, Strohreste und Bretter vom Fundort entfernt worden. Leistungsfähige Halogenstrahler erhellten den Kellerraum bis in den letzten Winkel. Glänzende Stahlstützen sicherten Wände und Decken. Ein Glatzkopf hatte den Keller aus jedem Blickwinkel fotografiert. Gerade ging einer der Männer mit Latexhandschuhen, Pinselund Lupe daran, die Knochen und die Überreste der Fässer freizulegen, als Schritte auf der Treppe zu hören waren.

Ein grauhaariger Mann in einer dunkelbraunen, abgenutzten Lederjacke und eine Frau mit raspelkurzen Haaren kamen herunter.

„Polizeihauptkommissar Markus Heitkämper, guten Tag, Sie haben das Skelett entdeckt?“

Jochen und Krüger rappelten sich auf.

„Wir sollten den ganzen Müll aus dem Haus und dem Keller rausschaffen“, sagte Krüger. „Hier soll ein Tourismusbüro rein.“

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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