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Warum braucht die Welt Adlertypen? Könnte es sein, dass viele von uns zu tief fliegen? Wir brauchen Menschen, die sich nicht mit dem Mittelmäßigen zufrieden geben, sondern mit einer gottgegebenen Vision und Liebe Verantwortung für die Not der Welt übernehmen. Leitung ist also nicht auf einen besonderen Typ Menschen beschränkt, sondern gilt auch für Sie. Sie sind ein Adlertyp! Gott hat uns zu einem ganz bestimmten Zweck geschaffen: Wir sind dazu berufen, ihn widerzuspiegeln und etwas Bedeutendes in dieser Welt zu tun, um ihn zu verherrlichen. Wir werden herausgefordert, unser von Gott geschenktes Leitungspotential zu entdecken und zu entfalten. Viele Bücher über Leitung sind hauptsächlich an Führungskräfte gerichtet, und das Klischee wird gestärkt, dass Leadership nur für wenige Auserwählte ist, die in einer Leitungsposition sind. Dieses Buch gibt Antwort auf folgende Fragen: • Werden Leiter geboren oder geschaffen? • Wie entstehen Leiter? • Wenn alle leiten sollen, wer sind dann die Nachfolger? • Wie bekomme ich eine Vision? • Wie komme ich zu geistlicher Reife? • Was sind Merkmale von reifen Menschen? Geistliche Leitung fängt in unserem Inneren und mit der richtigen Einstellung an. Sie wird gestärkt durch Prüfungen und zeigt sich darin, dass das Bild von Jesus Christus mehr und mehr in uns Gestalt annimmt. Die Reflektionsfragen am Ende der Kapitel laden zum persönlichen Tiefergraben ein und bieten eine Grundlage, um in Kleingruppen weiter zu denken oder neue Leiter zu begleiten und heranzuziehen.
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Seitenzahl: 267
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Torsten Kugler
Entdecken und entwickeln Sie Ihr geistlichesLeitungspotential
Torsten Kugler
Adlertyp – Heraus aus dem Hühnerhof!
Entdecken und entwickeln Sie ihr geistliches Leitungspotential
1. Auflage 2014
© Lichtzeichen Verlag, Lage
Cover: Fotokomposition (shutterstock: Floridastock, sevenke,
Rihardz, Lenar Musi)
ISBN:9783869548722
Bestell-Nr.: 548872
Die aufgeführten Bibelzitate werden aus der „Neues Leben”-Übersetzung (©SCM R. Brockhaus) zitiert.
E-Book Erstellung:
LICHTZEICHEN Medien
www.lichtzeichen-medien.com
Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Erlaubnis des Verlegers in irgendeiner Form reproduziert werden.
Gewidmet meinen Kindern
Nathanael, Julian, Timothy, Samantha, Benjamin
Die Geschichte
Einführung
1.
Wir brauchen gute Leitung
2.
Was Leiter von Adlern lernen können
3.
Geschichte der Führungstheorien
4.
Zum Leiter geschaffen?
5.
Zum Leiter berufen
6.
Leiter durch Einfluss
7.
Leiter durch Vorbild
8.
Leiter mit Vision
9.
Leiten mit Passion
10.
Leiter haben Mut zur Veränderung
11.
Leiter aus Einstellung
12.
Leiter sind zuerst Geleitete
13.
Leiter fallen nicht vom Himmel
14.
Leiter meistern Prüfungen
15.
Leiten-von innen nach außen
16.
Leiten -wie Jesus
Zuerst wollte ich dieses Buch nur für mich schreiben. In den letzten Jahren habe ich eine Menge an Literatur über „Leitung” und „Führung” gelesen und daraus resultierend wesentliche Gedanken zusammengetragen. Aufgeschrieben in diesem Buch habe ich all das, was ich in meinen Diensten selbst angewandt habe.
Während des Schreibens hatte ich meine fünf Kinder im Blick. Sie wurden mir von Gott anvertraut und ich will sie zu verantwortlicher Leitung ermutigen und begleiten. Besonders ihnen ist dieses Buch gewidmet. Für mich ist es sehr wichtig, in der Familie gute Führung vorzuleben und diese gemeinsam mit den Kindern einzuüben. Besonders freut es mich, wenn Sie lieber Leser davon profitieren, Anregungen finden und in Ihrem Leben anwenden können.
Seit 1999 arbeite ich in einem kulturübergreifenden Dienst in Papua Neuguinea, anfangs für einige Jahre im Gemeindebau und seit 2005 im Leitungsteam einer Bibelschule. In diesem Dienst habe ich mich mit verschiedenen Fragen auseinandergesetzt, die insbesondere mit Führungsaufgaben und Leiterentwicklung zu tun haben.
Dieses Buch soll für Menschen ein Ansporn sein, das Maximum aus ihren von Gott gegebenen Ressourcen und Gaben herauszufiltern. Die erarbeiteten Impulse und Denkanstöße sollen ganz praktisch im Alltag Anwendung finden. Jeder Mensch kann – wenn er es wirklich will – die ihm geschenkten Führungsqualitäten entdecken und fördern. Jeder ist dazu geschaffen, in einem ganz bestimmten Bereich konkrete Führungsaufgaben zu übernehmen und dadurch anderen zu dienen. Die einen nehmen die Herausforderung an und entwickeln sich weiter, während andere stagnieren oder sogar verkümmern.
Insbesondere danke ich meiner Ehefrau Katrin, die viele Stunden in dieses Buch investiert und mein „humpelndes” Deutsch zivilisiert hat. Ohne sie an meiner Seite wäre dieses Projekt nicht zustande gekommen. Auch meinem jüngeren Bruder Markus will ich von Herzen danken für seine hingebungsvolle Arbeit mit dem Prüfen des Inhaltes trotz seinem vollen Pensum als Schulleiter. Er ermutigte mich letztlich zur Veröffentlichung dieses Buches. Mein Gemeindeleiter Fritz Gaiser und andere erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Gemeinde und Mission gaben mir hilfreiche Korrekturvorschläge, wofür ich sehr dankbar bin. Um einen besseren Lesefluss zu gewährleisten, ist das Buch vorzugsweise im Maskulin geschrieben. Aus Gottes Perspektive sollen Männer und Frauen ihre Gaben engagiert einbringen.
Unser Vorsatz soll sein, Jesus immer ähnlicher zu werden. Deshalb ist dieses Buch zuerst an mich persönlich gerichtet. Denn beim Überlegen, Planen und Schreiben ging ich durch einige Prozesse der Veränderung und Festigung. Darüber bildete sich in mir der feste Wille: der Charakter von Jesus soll in mir mehr und mehr Gestalt gewinnen. Ganz sicher habe ich noch einen langen Weg vor mir. Aber ich bin froh über die Tatsache, dass Gott viel Geduld mit mir hat und mich unaufhaltsam korrigiert und formt.
Gottes Ziel mit jedem einzelnen Menschen ist, Jesus in ihm wirken zu lassen. So darf ich mit meinen Lebenserfahrungen andere inspirieren, den Spuren dieses Jesus zu folgen und sich nach seinem Führungsstil auszustrecken. Gern lade ich Sie ein, diese Liedstrophe von Adelaide A. Pollard zu beten:
„Nimm du mich ganz hin, oh Gottes Sohn,
du bist der Töpfer ich bin der Ton,
mach aus mir etwas, nach deinem Sinn,
während ich harre, nimm mich ganz hin.”
Was für ein Tag! Ich kann es immer noch kaum fassen, denn heute wurden meine Träume wahr; ja wirklich, im wahrsten Sinne des Wortes. Seit ich ein kleiner Adlerjunge war, kannte ich nichts anderes als Herumgackern und Körnerpicken. Manchmal wurde es mir langweilig, immer in der Erde zu scharren und nach Würmern zu suchen. Aber das war mein Schicksal. Was nützte es, sich dagegen aufzulehnen. Und so lernte ich mehr und mehr, mich damit abzufinden.
Es war wieder so eine Nacht, in der ich zum x-ten Mal diesen wunderschönen Traum hatte. Die Unzufriedenheit wollte wieder die Oberhand gewinnen. Und wenn dann noch alle Hühner auf mir herumhackten, wäre ich am liebsten davon geflogen. Aber das funktionierte nur im Traum. Was hatten sie nur gegen mich? Was konnte ich denn dafür, dass ich nicht wie alle anderen hier geboren war und dass ich anders aussah als sie? Ich weiß ja nicht einmal, wie ich hierhergekommen bin.
Heute also sah ich ihn. Zuerst nahm ich nur den Schatten wahr, der über uns hinweg flog. Was konnte das sein? Als ich empor sah, staunte ich. Er sah so aus wie in meinem Traum. Ein majestätischer Vogel mit großen Schwingen. Wie er so kinderleicht über uns dahin glitt. Wie er sich mit ein paar kräftigen Flügelschlägen in die Höhe schwang. Wie er stundenlang schwebte ohne einen Flügelschlag. Ich hatte immer gedacht, so etwas gäbe es nur in meinen Träumen.
Ich hatte immer gedacht, so etwas gäbe es nur in meinen Träumen.
Dieser mächtige Vogel, wunderschön! So wie er wollte ich sein! Wenn ich von ihm träumte, konnte ich fliegen wie er. Da war es einfach. Ein paar Mal hatte ich es auch schon ausprobiert, aber höher als einen halben Meter hatte ich es kaum geschafft. Und dann lachten die Hühner mich aus. Das war das Letzte, was ich wollte. Sie konnten so hässlich sein, sich über jede Kleinigkeit lustig machen. Immer nur das Negative sehen.
Da, schau nur. Er stürzt sich mit lautem Kreischen herunter. Oh, das sieht gefährlich aus! Soll ich davonren-nen und laut gackern wie alle anderen Hühner? Aber dazu ist es schon zu spät!
„Hey Kleiner, was machst du denn hier unten ? Warum lässt du dich auf diese Hühner ein?”
Was sollte ich antworten? Das hatte ich doch schon immer so gemacht. Ich kannte ja nichts anderes. Wenn ich so wäre wie er, dann würde ich nicht Körner picken, in der Erde scharren und herum gackern. Dann würde ich fliegen. Aber ich, wer war ich schon ? Ein Huhn? Nein, das konnte nicht sein, auch wenn ich
mich wie ein Huhn verhielt. Ein Huhn war ich nicht, das weiß ich. Aber wer war ich? In meinem Innersten wusste ich, dass ich nicht zu diesem Leben passte. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich anders war. Ich war nicht wie dieses Federvieh, in mir steckte das Herz eines Adlers, aber nach meinem Verhalten beurteilt, war ich ein Huhn.
„Kleiner, komm mit mir, du bist zu Höherem geboren. Der Himmel ist dein Reich. Komm!”
„Ich weiß nicht. Ich war mein Leben lang hier, ich kenne nichts anderes. Es macht mir Angst.” Ganz tief innen spürte ich den Drang, auf die Aufforderung einzugehen. Eigentlich wollte ich ja fliegen, wie in meinen Träumen. Da war es immer so einfach, aber jetzt?
„Kleiner, komm schon! Du kannst es, du kannst es wirklich. Du musst dich nur trauen!”
Und da wagte ich es, meine Flügel zu öffnen und sie auf und nieder zu bewegen.
Ich machte zuerst einen zögerlichen Hüpfer und landete wieder im Hühnerhof, wie ich es gewohnt war. Gleich waren natürlich die Hühner zur Stelle und gackerten mir zu: „He, was fällt dir wohl ein, du Hühner-Nichtsnutz? Du gehörst gefälligst in den Hof.”
Immer wieder ermutigte er mich
Es gelang nicht gleich, aber der wunderschöne, majestätische Vogel gab nicht auf. Immer wieder ermutigte er mich:
„He Junge, versuch’s nochmal. Hüpfe höher und schlage kräftiger mit deinen schönen, großen Flügeln. Du kannst es, ganz bestimmt.” Nach etlichen Versuchen schaffte ich es bis auf den Hühnerzaun. So weit war ich in meinem ganzen Leben noch nie gekommen.
„Gut so”, feuerte mich der Adler an. „Jetzt breite deine Flügel aus und flieg. Keine Angst, ich werde dich schnell auffangen, bevor du dir wehtust. Du kannst es! Vertraue mir!”
Nun wusste ich ganz sicher, dass ich für dieses Reich geschaffen war.
Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und hüpfte, und Herr Adler hielt sein Versprechen. Auf seinem Rücken trug er mich in die Höhe. Als ich die aufgehende Sonne über den Bergen erblickte, ergriff es mich und eine Kraft durchströmte mich. Ich breitete meine Flügel aus und schwebte zum ersten Mal im Alleinflug der Sonne zu. Nun wusste ich ganz sicher, dass ich für dieses Reich geschaffen war.
Herr Adler übte weiter mit mir und redete mir gut zu. Es brauchte Mut, aber er war da, um mich wieder aufzufangen. Herrlich, so durch die Lüfte zu gleiten.
Jetzt weiß ich, wozu ich geboren bin. Dies hier ist meine wahre Identität. Ich bin frei. Ich bin ein König! Endlich ist mein Fragen zu Ende. Befreit und wie berauscht kreise ich einige Male um die Bergspitze und flieg bis zum Abend.
Wenn das meine Mutter sehen könnte! Sie hat mich als Adlerjunge zur Welt gebracht. So hat es mir der Adler erzählt. Aber etwas ist schief gelaufen, so dass ich in den Hühnerhof gebracht wurde und mich benahm wie diese Hühner. Danke, Herr Adler, dass du mich zu meiner wahren Berufung ermutigt und geführt hast.
Was für ein Tag! Meine Träume sind wahr geworden. Nie mehr zurück in diesen armseligen Hühnerstall!1
Spüren Sie die Sehnsucht, die in dieser Geschichte zum Ausdruck kommt? Haben Sie auch schon davon geträumt, fliegen zu können? Über alle Schwierigkeiten erhaben zu sein? Den Sturm nicht fürchten zu müssen?
Folgende Fragen kommen bei uns immer wieder an die Oberfläche:
„Wozu bin ich hier?Zu was bin ich geschaffen? Lebe ich gemäß meiner Berufung?”
1 Eine ähnliche Geschichte wird von Leonardo Boff in Der Adler und das Huhn erzählt: Patmos Verlag, 2. Auflage 1998. Diese Geschichte stammt anscheinend aus Afrika.
Ganz einfach. Viele von uns fliegen zu tief, geben sich mit dem Mittelmäßigen ab und erreichen nicht das, was unser Schöpfer sich mit uns gedacht hatte. Er wollte nämlich, dass wir leiten. Zuerst, dass wir selbst von Gott geleitet werden, dann uns selbst leiten, und dann auch andere, indem wir mit einem guten Vorbild vorangehen. Er will, dass wir prägen.
In Ihnen stecken Leiterqualitäten, die entdeckt werden müssen und die von größter Bedeutung sind für Ihre Generation!
Ob Sie schon einmal darüber nachgedacht haben, welche Merkmale einen Leiter ausmachen? Und ob Sie dabei auch daran gedacht haben, dass in Ihnen ein Leiter stecken könnte? Vielleicht halten Sie es nicht für möglich, aber in Ihnen stecken Leiterqualitäten, die entdeckt werden müs sen und die von größter Bedeutung sind für Ihre Generati on!
An was denkt Gott überhaupt, wenn er uns auffordert zu leiten? Meint er damit nur diejenigen, die in einer leitenden Position sind, oder könnte er auch mich meinen? Mich, der ich jeden Tag an der Arbeit meine Pflichten ausführe? Mich, der ich Zuhause bestrebt bin, die Kinder mit Liebe und Konsequenz zu erziehen?
Werden Leiter geboren, gemacht, entwickelt oder sind sie einfach ein Produkt von Umständen? Ist Führung nur für einzelne reserviert, für die Elite, für einen besonderen Schlag Menschen, der mit einem Leiter-Gen gesegnet ist? Oder kann aus jeder Person ein Leiter hervorgehen?
Über solche Fragen wird schon seit Jahrtausenden diskutiert. Ich hoffe, dass dieses Buch Sie ermutigt, ihre Grenzen weiter zu stecken als bisher. Ich wünsche Ihnen eine Vision dessen, was Sie bewirken können, wenn sie sich vom Adler inspirieren lassen. Vielleicht kann es Sie herausfordern, indem Sie erkennen, dass Sie als Adlertyp geschaffen worden sind, geschaffen, um zu leiten. Sie entdecken und entfalten dieses Leiterpotential. Gott hat es Ihnen gegeben und wird Ihnen dabei helfen. Er ist der über allem stehende Leiter des Universums und der Ursprung aller Weisheit und Führung. Und er will uns als Adler zu ihm emporsteigen sehen.
Die Frage ist, wo suchen wir solche Leiter? Oft schauen wir auf andere und denken nicht, dass wir vielleicht dabei auch selbst gemeint sein könnten. Jeder von uns ist berufen, auf irgendeinem Gebiet eine Führungsrolle zu übernehmen! Alle, wirklich alle, können in ihrer Umgebung einen positiven Einfluss im Leben anderer Menschen ausüben. Dort, wo wir uns selbst verändern lassen, werden wir unweigerlich etwas in unserem Umfeld bewirken. Deshalb ist die Selbstleitung, sich selber führen, von ungeheurer Wichtigkeit und auch Voraussetzung, um effektiv nach außen zu wirken. Gott arbeitet an unserem Sein – von innen nach außen.
Gott arbeitet an unserem Sein – von innen nach außen.
Um was geht es in diesem Buch? Wir sind aufgerufen, unser von Gott geschenktes Potential als Leiter zu erkennen, kontinuierlich zu wachsen und uns in das Bild von Jesus Christus umgestalten zu lassen. Wir dienen anderen, indem wir der Menschheit etwas Dauerhaftes hinterlassen. Wir stellen uns aber auch dem Auftrag, den Leiter in anderen zu sehen, sie zu fördern, zu entwickeln und auszubilden. Es ist mein Wunsch, dass auch Sie dem Ruf folgen und die Verantwortung wahrnehmen, in andere zu investieren und sie zu geistlichen Leitern heranzubilden.
Leitung fängt schon in der Familie an, sie zeigt sich in erfolgreicher Elternschaft, sie drückt ihre eigentliche Wesensart im Dienen aus, leitet mit viel Liebe ein Team und investiert in die nächste Generation. Auch in unserer so verworrenen multikulturellen Gesellschaft sind Leiter gefragt.
Ist es nicht demütigend zu erkennen, dass Gott uns berufen hat in seiner Kraft und durch seinen Geist, dem geistlichen Niedergang in der Welt zu begegnen. Der allmächtige Gott braucht seine Geschöpfe. Gott könnte es eigentlich selber tun, aber er will sich menschlicher Schwachheit bedienen, um sein Reich zu bauen. Sind Sie bereit dazu?
Gott ist mehr an unserer Herzensstellung interessiert als an unserem Wissen und Tun.
Gott entwickelt Leiter auf Lebenszeit. Er gebraucht verschiedene Situationen und Menschen, um Sie in einen Leiter umzuformen. Jeder Leiter kann markante und entscheidende Ereignisse in seinem Leben abrufen, durch die er geformt wurde. Oft waren es die weniger angenehmen Zeiten oder sogar schmerzvolle Erfahrungen, die ihn zur nächsten Reifestufe brachten. Wir werden in den folgenden Kapiteln immer wieder darauf zurückkommen: Gott ist mehr an unserer Herzensstellung interessiert als an unserem Wissen und Tun. Er formt unseren Charakter, unsere Einstellung, unsere Persönlichkeit.
Gott ist daran gelegen, uns aus einem nutzlosen Klumpen Ton in ein Gefäß nach seinem Willen umzugestalten. Das Bild aus der Töpferwerkstatt, die Jeremia besuchte, zeigt, dass Gott, wenn er damit nicht zufrieden ist, ein neues Gefäß aus dem Ton formt, bis es genauso aussieht, wie er es haben will (Jeremia 18,1-4). Er verwandelt unsere Persönlichkeit für seine Zwecke. Vielleicht werden wir für zukünftige Zeiten vorbereitet.
Die Bibel sagt voraus, dass im Laufe des Weltgeschehens die Zeiten nicht einfacher werden. Im Gegenteil. Auch wenn wir uns freuen, dass da und dort auf der Welt Erweckungen sind, vor allem im globalen Süden, und wir auch bei uns geistliche Aufbrüche erwarten und erbeten, so müssen wir uns auf härtere Zeiten einstellen.
Außerdem sollst du wissen, Timotheus, dass in den letzten Tagen der Welt schwere Zeiten kommen werden. (2. Timotheus 3,1)
Natürlich können wir uns darüber streiten, ob diese Zeiten schon gekommen sind oder noch ausstehen. Jedenfalls weisen im Westen in unserer Gesellschaft die Tendenzen eindeutig weg von Gott. Deshalb braucht es umso mehr christliche Leiter, die einen klaren Kurs haben, denn je dunkler die Welt wird, desto heller muss das Licht leuchten.
Wir müssen uns auf härtere Zeiten vorbereiten. Dietrich Bonhoeffer erlebte mit der Kirche den Anfang des Dritten Reichs, und er musste mit Bedauern feststellen, dass sie nicht darauf vorbereitet war. Sind wir vorbereitet? Hat es in unseren Gemeinden und Kirchen genug Christen mit Tiefgang und Reife?
Zur Zeit Hesekiels hielt Gott Ausschau nach Menschen, die in den Riss treten und mutig führen konnten.
Ich hielt Ausschau nach einem unter ihnen, der die Mauer schließt und vor mir für das Land in die Bresche springt, damit ich es nicht zerstöre, aber ich fand niemanden. (Hesekiel 22,30)
Gott fand niemanden. Es wäre jammerschade, wenn Gott das von unserer Zeit auch sagen müsste. Er hat seit Beginn der Menschheitsgeschichte die Methode gewählt, durch menschliche Werkzeuge, zum Teil ganz schwache, zu leiten.
Was Gott von uns erwartet und wie wir unseren Auftrag als Verantwortungsträger – als Leiter – ausüben können, werden wir in den folgenden Kapiteln näher betrachten.
Wir werden uns vom Charakter des Adlers inspirieren lassen, diesem König der Lüfte, wie er zu Recht genannt wird. Auch in der Bibel wird der Adler an mehreren Stellen erwähnt. Es ist faszinierend, die Eigenschaften des Adlers näher zu betrachten und sich darüber Gedanken zu machen, warum man ihm diesen Namen gegeben hat. Wer hat sich nicht schon mal gewünscht, fliegen zu können, zu schweben wie ein Adler? Dazu sind wir berufen!
1.Wie stark verbinden Sie das Wort „Leiter” mit Menschen, die eine leitende Position und einen Titel in einer Organisation haben?
2.Sehen Sie sich im Moment als Leiterpersönlichkeit?
„Alles steht und fällt mit guter Führung” sagt Leadership-Ex-perte, John Maxwell. Sie ist unentbehrlich für die Zeit, in der wir leben. Es gibt viele Nachfolger, Mitläufer, Lehrer, Vorgesetzte, Geschäftsführer und Manager, aber wenige sind wirkliche Leiter.
„Alles steht und fällt mit guter Führung”.
John Maxwell.
Leiten? Ich? Ja, wirklich. Wer würde sich schon irgendwie hervortun wollen und für sich in Anspruch nehmen, Leiter genannt zu werden. Ich? Leiter? Hört sich doch etwas arrogant und anmaßend an, oder? Dies trifft doch nur bei den wenigen Top Managern, den Betriebs- oder Gemeindeleitern zu. Aber ich? Ich führe doch nicht viele Menschen? Und schon gar nicht in einer Gruppe von Christen. Hat nicht Jesus selbst gesagt, dass er nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Matthäus 20,28)? Darf ein aufrichtiger Christ es überhaupt wagen, sich Leiter nennen zu wollen?
Und überhaupt, das deutsche Wort „Führer” hat sowieso einen üblen Beigeschmack in Deutschland. Ich will doch nicht nationalsozialistisch wirken. Von diesem Führer haben wir in der Schule viel gehört und auf alten Filmen, mit Marschmusik unterlegt, gesehen. So sehr sich das deutsche Volk vor dem zweiten Weltkrieg nach einem Führer gesehnt hat, der ihm aus seiner Not helfen und ihm Sinn und Führung geben konnte, so sehr wurde das System vom Führen in den Nachkriegsjahren verabscheut und deshalb total vernachlässigt. Und so leiden wir heute noch unter einem Führertrauma. Leider wird das Wort „Führer” nur noch mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht. Aus diesem Grund wird heute hauptsächlich das modernere Wort „Leiter” oder „Leitung” gebraucht, was gleichbedeutend zu Leadership ist.
Gute Leiter dienen anderen und führen sie zur Reife.
Bonhoeffer
Um noch kurz im dritten Reich zu bleiben: Dietrich Bonhoeffer hat schon ziemlich bald erkannt, dass das „Führer-Prinzip” im Gegensatz zu dem stand, was er selbst unter Leitung verstand. Er war mehr daran interessiert, die Aufmerksamkeit der Leute von sich und seiner Persönlichkeit weg auf seine Überzeugungen und Ideen zu lenken. Hitlers Führer-Prinzip war im tiefsten Sinne das krasse Gegenteil: autokratisch, selbstglorifizierend und niemandem untertänig. Bonhoeffer widersetzte sich diesem Führungsprinzip. Wahre Leitung bezieht seine Autorität von Gott. Früher wurde Führung in Form von Lehrer, Staatsmann und Vater ausgedrückt, nun wurde sie zu einer unabhängigen Figur. Für Bonhoeffer war eines klar: gute Leiter dienen anderen und führen sie zur Reife. Sie begegnen ihren Nachfolgern auf Augenhöhe, wie Eltern das bei ihren Kindern tun, indem sie die Kinder leiten und dieselben wiederum zu verantwortlichen Eltern erziehen. Ein anderes Wort für Leitung wäre demnach Jüngerschaft.
Verstärkt durch die 1968er Generation, die Friedensbewegung und die antiautoritäre Erziehung vertiefte sich eine Abneigung oder zumindest Skepsis gegen jede Autorität. Man will doch nicht beherrscht und bestimmt werden. Man hat doch endlich die ganzen Eingrenzungen der Vergangenheit abgeschüttelt, man ist doch nun frei. In den 80er Jahren wurden Teams immer populärer und dieses System konnte seither seine Effektivität ziemlich beweisen. Allerdings wurde mit der Zeit festgestellt, dass es in Teams zu Orientierungslosigkeit und Bestimmungslosigkeit kommen kann. Teammitglieder haben gemerkt, dass es nach wie vor unerlässlich ist, Leiter zu haben, Leute, die Verantwortung tragen, der Organisation eine Vision geben, sie überzeugend vermitteln können, und die mit ihren gottgegebenen Gaben der Menschheit dienen.
Wo man hinschaut, entdeckt man ein Leitervakuum. Viele schrecken zurück, Verantwortung zu übernehmen und anderen mit ihren von Gott geschenkten Gaben zu dienen. Wie schon erwähnt sind Führungsaufgaben nicht für eine besondere Elitegruppe reserviert. Die Geschichte zeigt, dass Leiter ganz gewöhnliche Menschen waren, die unter ungewöhnlichen Umständen ihr verborgenes Potential bis zum letzten Tropfen ausschöpften, die in ihrem Charakter gefestigt waren und das Vertrauen der Leute gewannen. Hat Gott nicht gerade das Schwache und Geringe auserwählt, um das vor den Augen der Menschen Starke, Erfolgreiche zu erniedrigen (1. Korinther 1,27)?
Wir leben in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, in der solche Leiter dringend benötigt werden, christliche Leiter, die nach biblisch fundierten, ethischen und moralischen Prinzipien leben. Wir brauchen Leiter, die nicht einfach die gängigen Ideen von Businessmanagern der Geschäftswelt und von Psychologen übernehmen, die etwas tiefer in die Seele und das Herz des Menschen sehen, grundlegende geistliche Prinzipien erkennen und in ihrem Leben und Dienst anwenden.
Deshalb steht die Frage immer noch im Raum, ob es für Christen angebracht ist, sich mit der Frage der Leitung auseinanderzusetzen und Leitung anzustreben. Gewiss, wenn es um persönliche Ehre, um Geltung und Ruhm geht, wenn man dadurch über andere herrschen will, dann ist es eigennützig und deshalb unangebracht. Petrus weist die Gemeindeleiter klar darauf hin, nicht über die Menschen zu herrschen (1. Petrus 5,3). Wenn es aber darum geht, sein Leben auf die bestmögliche Weise für das Wohl des Nächsten einzusetzen und der Förderung des Reiches Gottes zu dienen, dann ist der Wunsch nach Leitung ein gesunder Antrieb im Leben und absolutförderlich. Motivierte Menschen, die in einer dienenden Gesinnung leiten wollen, werden es auch effektiver tun können als solche, die nur ihre Pflicht erfüllen.
Wenn es aber darum geht, sein Leben auf die bestmögliche Weise für das Wohl des Nächsten einzusetzen und der Förderung des Reiches Gottes zu dienen, dann ist der Wunsch nach Leitung ein gesunder Antrieb im Leben und absolut förderlich.
Im bekannten Buch von Patrick Johnstone „Gebet für die Welt” fällt auf, dass es in den meisten Ländern einen Mangel an christlichen Leitern gibt. Es fehlen Menschen mit Tiefgang, die eine Untergrund-Hausgemeinde in China leiten können, die im südlichen Teil von Afrika dem schwärmerischen Geist des Emotionalismus die Stange halten können, die in Papua-Neuguinea dem Geisterglauben entgegentreten und im entchristianisierten Europa den Mut haben, für die Wahrheit aufzustehen und das Licht auf den Leuchter zu stellen, damit die im Dunkeln Irrenden Orientierung finden. Die Gemeinde Gottes steht und fällt mit ihren Leitern, aber in vielen Bereichen fehlt gute Führung.
Die Gemeinde Got tes steht und fällt mit ihren Leitern, aber in vielen Bereichen fehlt gute Führung.
Das ist jedoch keine moderne Mangelerscheinung. Es ist bekannt, dass vor ca. 2700 Jahren der geistliche Abwärtstrend im Volk Israel mit schlechter Führung zu tun hatte. Wegen Widerwillen des Volkes, sich ihrem Gott wieder zuzuwenden, musste der Prophet Jesaja das Gericht Gottes über sie bekannt geben, weil die Anführer das Volk in die Irre geführt hatten (Jesaja 9,16). Jesaja beschreibt die Leiter sehr bildhaft als blinde Wächter und Wachhunde, die nicht bellen können, die sich lieber schlafen legen, träumen und ausnahmslos auf ihren persönlichen Vorteil bedacht sind (Jesaja 56,10-12). Kurze Zeit später bekennt Hesekiel wehmütig, dass die Leiter im Volk wie Hirten sein sollten, diese sich aber nicht um die Herde kümmern und sich nur um ihr eigenes Wohl sorgen (Hesekiel 34,3-4).
Nicht viel besser war es, als Jesus Christus, den wir als besten Leiter kennen werden, seine Spuren in Galiläa und Judäa hinterließ. In Matthäus 23 lesen wir, wie er die geistlichen Führer seiner Zeit mit ziemlich krassen Worten warnen musste. Sie waren blinde Anführer. Wie konnte das gut kommen? Sie waren Leiter, die zwar gut reden konnten, aber deren Handeln das pure Gegenteil bezeugte – heuchlerischer ging es kaum noch. Äußerlich hatten sie sich groß herausgeputzt und sich von anderen als ihre Leiter ehren lassen, aber inwendig waren sie bettelarm. Sie versuchten andere zu leiten, aber sich selber führen konnten sie nicht -im Gegenteil, sie gingen selber in der Irre.
Wenn man den heutigen Trend beobachtet, ist es auffallend, wie viel Wert auf Individualismus gelegt wird. Man will sich selbst verwirklichen, seine Persönlichkeit fördern und fürchtet jegliche Verbindlichkeit. Glück, Spiel, Sport, Wellness und virtuelle Erlebniswelten sind ein paar Schlagwörter der heutigen Zeit. Es bleibt wenig Interesse an guter Leitung, und Autorität klingt bedrohlich. Man will sich lieber nicht festlegen und möglichst niemandem unterordnen.
Leider sieht es in den heutigen kirchlichen und gemeinschaftlichen Kreisen nicht viel besser aus. Christen begnügen sich mit einer Mittelmäßigkeit und sind lieber Zuschauer als aktive Mitarbeiter. Möglichst nichts in die Hand nehmen, um sich nicht damit die Finger zu verbrennen. Wagnisse sind zu riskant.
Führungspersonen und Vorbilder – wir brauchen sie dringender denn je!
Wo sind die wirklich geistlichen Leiter geblieben? Solche, die wir als Führungspersonen, Vorangehende und Vorbilder nehmen können? Niemand würde widersprechen – wir brauchen sie dringender denn je!
Schon Salomo musste vor 3000 Jahren bekennen: „Ohne weise Führung geht ein Volk zugrunde” (Sprüche 11,14).
Seit den 1960er Jahren wurden verschiedene Untersuchungen in Gemeinden durchgeführt, um herauszufinden, warum manche Kirchen und Gemeinden wachsen und andere stagnieren oder sogar kleiner werden. In den meisten Fällen zeigte sich, dass die Leitung für die Entwicklung der Gemeinden ausschlaggebend war! Kritiker mögen sagen, dass man dies dadurch zu sehr von Menschen abhängig mache. Aber in der ganzen Menschheitsgeschichte lesen wir, wie Gott durch Menschen wirkt. Er beruft immer die richtigen Personen zur richtigen Zeit an den richtigen Ort. Nur, was wir als Menschen mit diesem Auftrag machen, ist unsere Verantwortung. Die nimmt uns Gott nicht ab. Gott will, dass wir als Leiter effektiv und den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen sind.
1.Was empfinden Sie bei dem Wort „Führer”? Gibt es andere Wörter auf Deutsch, die das englische Wort „leader” und „leadership” besser ausdrücken?
2.Was sind die Hauptgründe für den geistlichen Abwärtstrend im Volk Israel? Schauen Sie bei Jesaja 19,13, Jeremia 50,6 und Hesekiel 34,10 nach.
3.In welchen Bereichen sehen Sie einen Mangel an guten Leitern?
4.Sind Sie bereit zu wachsen, sich weiter durch das Wort Gottes und den Heiligen Geist entwickeln zu lassen und anderen mit dem, was Gott Ihnen geschenkt hat zu dienen – zu leiten?
Wo komme ich her, wer bin ich, wozu bin ich geboren? Diese Fragen beschäftigen jeden Menschen früher oder später. Wer sie beantworten will, kommt an Gott nicht vorbei. Sollten wir ein Zufallsprodukt sein, wäre es sinnlos, den Sinn des Lebens zu suchen, denn Zufall ist eben Zufall und deshalb ohne Sinn. Sind wir aber von einem Schöpfergott erschaffen worden, dann geschah dies zu einem bestimmten Zweck und mit einem Ziel.
Antwort auf diese Fragen finden wir in der Bibel, dem von Gott selbst inspirierten Wort. Dabei werden wir feststellen, dass es Gott mehr um unser Sein geht, als um das, was wir tun. Er ist ständig an der Arbeit, uns zu formen und zu verändern, denn er arbeitet nicht zuerst durch uns, sondern vor allem in uns. Viele angehende Leiter erkennen dies nicht. Sie schauen ständig von außen auf sich und fragen sich, wo sie bei sich Führungsqualitäten finden können, wie sie wohl auf andere wirken, was die anderen von ihnen denken, welche Kurse sie noch besuchen sollten, damit sie zu Führungskräften werden, usw. Diese Schau von Außen ist nicht nur deprimierend, sondern auch wenig hilfreich. Gott arbeitet immer von innen nach außen. Je mehr er an unserem Sein, also in uns arbeiten kann, desto mehr wirkt er dann auch durch uns. Welche Befreiung zu erkennen, dass wir durch den Glauben an Jesus Christus Himmelsbürger geworden sind. Unsere himmlische Staatsbürgerschaft konnten wir uns aber nicht durch eigene Leistungen oder gute Werke verdienen, sondern wir haben sie nur dem Opfertod des Sohnes Gottes zu verdanken. Basierend auf dieser Grundlage will Gott uns verändern, damit wir seinem Sohn, Jesus Christus, ähnlich werden.
Der Adler blieb nach seiner „Adoption” vorerst mal im Hühnerhof, weil er nichts von seiner wahren Identität wusste. Er verhielt sich wie ein Huhn. All die Hühnerlektionen über Hackordnung, Nahrungssuche und Gacker-Techniken haben ihn aber seiner wahren Bestimmung nicht näher gebracht. Er war ein Adler, ein König der Lüfte, aber er lebte nicht danach. Es war ihm ja gar nicht bewusst, dass er ein Adler war, und so konnte er sich auch nicht wirklich weiterentwickeln.
Wir Menschen brauchen die richtigen Vorbilder und die passende Umgebung, um unser Potential als Leiter zu entfalten und auszuschöpfen.
So wie der Adler als König der Lüfte geboren wird, aber diese Bestimmung zuerst erkennen und dann auch ausleben muss, versteckt sich in jedem Menschen ein Leiter. Diese Anlage muss aber entfaltet werden, sonst verkümmert sie wie beim Adler. Womöglich hätte der Adler mit den Jahren kaum mehr die Möglichkeit gehabt, fliegen zu lernen, weil seine Flügel es nicht gewohnt waren und verkümmert wären. Der Hühnerhof war einfach nicht die richtige Umgebung für ihn. Wie gut, dass ihn Herr Adler herausgeholt hatte. Auch wir Menschen brauchen die richtigen Vorbilder und die passende Umgebung, um unser Potential als Leiter zu entfalten und auszuschöpfen. Dies heißt nun aber nicht, dass jeder Mensch eine Leitungsposition inne haben muss. Die wenigsten Frauen und Männer werden zu Chefs in einer Firma, nur einige sind Vorsitzende oder haben andere gehobene Positionen. Trotzdem kann jeder in irgendeiner Weise Vorbild sein, andere prägen und Veränderung bewirken. Alle könnten ihre Gaben so einsetzen, dass sie multipliziert werden, indem sie sie anderen zur Verfügung stellen. Dazu werden wir vom Adler inspiriert. Wahre Leiterschaft zeigt sich darin, wenn man sich selbst der Welt zu Diensten stellt.
Wahre Leiterschaft zeigt sich darin, wenn man sich selbst der Welt zu Diensten stellt.
Natürlich, Menschen in leitenden Positionen haben mehr Verantwortung bekommen, dieses wirklich zu tun, und sie haben mehr Möglichkeiten und oft einen größeren Einflussbereich dazu. Aber das ist keine Entschuldigung für diejenigen, die diese besondere Stellung nicht haben. Deshalb ist es wichtig, dass wir das Leiterpotential in uns entdecken und gebrauchen. Wer weiß, was Gott noch daraus entstehen lässt? Die Mutter, die ihren Sohn zur Disziplin erzieht, weiß noch nicht, dass er später ein wichtiger Geschäftsmann wird, der seine Arbeiter fair behandelt und einen großen Einfluss auf sie hat. Der Lehrer, der seinem Schüler exaktes Arbeiten abverlangt, ist sich dabei nicht bewusst, dass dieser Schüler später Flugzeugmechaniker wird und durch sein exaktes Arbeiten verhindert, dass eine Maschine abstürzt. Die Erzieherin, die das kleine Mädchen lehrt, wie man mit neuen Kindern umgeht und mit viel Mitgefühl die Trennung von der Mutter erleichtert, weiß noch nicht, dass dieses Mädchen einmal eine begabte Krankenschwester in einer psychiatrischen Klinik wird und viele Menschen erfolgreich wieder zurück ins normale Leben begleitet.
Ob die Mutter Ben Carsons geahnt hat, dass ihr Sohn eines Tages einer der begabtesten Neurochirurgen werden wird, der vielen Patienten eine zweite Chance zum Leben geben kann? Wäre er dies geworden ohne die liebevolle aber konsequente Erziehung einer Mutter, die daran glaubte, dass ihr Sohn mehr kann als er selbst für möglich hält, die ihre Söhne zum Lesen erzog, obwohl sie selbst nicht lesen konnte, die als alleinerziehende Mutter ihre Kinder in einem Ghetto durchbrachte, die nicht akzeptierte, dass man als Farbige weniger zählen sollte, die immer wieder in psychische Behandlung ging, ohne dass ihre Söhne es geahnt hätten....?
