Alice im Wunderland - Lewis Carroll - E-Book

Alice im Wunderland E-Book

Lewis Carroll

0,0

Beschreibung

"Fantasie ist die einzige Waffe im Krieg gegen die Wirklichkeit" Die junge, clevere Alice kann ihren Augen und Ohre kaum trauen, als eines Tages ein sprechendes Kaninchen an ihr vorbei eilt. Sie verfolgt das seltsame Wesen bis an dessen Bau und fällt in die Tiefe. Unten ankommen stellt sie fest, dass sie in ein sonderbares Land voller bizarrer Gestalten und absonderlicher Kreaturen geraten ist – und erlebt wunderbare Abenteuer, wie man sie nur erträumen kann … Lewis Carrolls "Die Abenteuer von Alice im Wunderland" ist sein bekanntestes und beliebtestes Buch, ein amüsantes und gleichsam nachdenklich machendes Werk, das Groß und Klein gleichermaßen begeistert.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 136

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Lewis Carroll

DIE ABENTEUERVONALICE IM WUNDERLAND

ROMAN

Titel der englischen Originalausgabe:ALICE‘S ADVENTURES IN WONDERLAND

1. AuflageVeröffentlicht durch denMANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYKFrankfurt am Main 2018www.mantikore-verlag.de

Copyright © der deutschsprachigen AusgabeMANTIKORE-VERLAG NICOLAI BONCZYKText © Lewis Carroll

Deutschsprachige Übersetzung: Jan EnselingLektorat & Korrektorat: Anja KodaSatz: Karl-Heinz ZapfIllustrationen: Hauke KockCovergestaltung: ALFIE & Matthias Lück

VP: 222-144-01-08-1118

eISBN: 978-3-96188-083-6

DIE ABENTEUERVONALICE IM WUNDERLAND

Lewis Carroll

Den ganzen gold‘nen Nachmittag,Von Wogen sanft gerührt;Sind beide Ruder ungeschicktVon Ärmchen schwach geführt,Und Händchen zeigen vage an,Wohin die Reise führt.

Ach, grausam‘ Drei! Zu solcher Stund‘,Unter Wettern wie ein Traum,Bitten um Märchen vom Atem zu schwach,Der regt eine Feder kaum!Doch kann eine ärmliche Stimme nichtDrei Zungen sich schaffen Raum.

Gebieterisch die Prima sprichtEdikt »dies sei Beginn«.In sanfteren Ton Sekunda hofft:„Darin gibt es Unsinn!«Und selten hat die TertiaUnterbrechung im Sinn.

Nun denn, in Stille so erreicht,Sehn sie das Bild so klar,Wie‘s Traumkind durch Lande streiftMit neuen, wilden Wundern da,Sie spricht mit Vögeln und Getier …Sie halten’s halb für wahr.

Wie immer, während die Geschicht‘Des Geistes Quell versiegt.Und der Erzähler müd‘ versucht,Dass dort das Thema liegt.»Beim nächsten Mal zu End …« »Es ist‘s!«,Je frohe Stimm‘ obsiegt.

So wuchs die Mär vom Wunderland:So langsam, Wend‘ für Wende,Erzählt wurd‘ sonderbar Geschehen …Hin bis zu ihrem Ende.Die Mannschaft froh, zur Heimat geht,Unter der Sonnenwende.

Alice! Mit kindlicher ErzählungUnd mit der sanften HandLeg‘ sie, wo Träume sind verbundenZur Erinn‘rung mystisch Band,Wie’s Pilgers trockne Blumentracht,Gepflückt in fernem Land.

Inhalt

KAPITEL I DEN KANINCHENBAU HINAB

KAPITEL II DER TEICH AUS TRÄNEN

KAPITEL III EIN WAHL-RENNEN UND EINE LANGE ERZÄHLUNG

KAPITEL IV DAS KANINCHEN SCHICKT EINEN KLEINEN BILL

KAPITEL V EIN RAT VON EINER RAUPE

KAPITEL VI SCHWEIN UND PFEFFER

KAPITEL VII EINE VERRÜCKTE TEEGESELLSCHAFT

KAPITEL VIII DER KROCKETPLATZ DER KÖNIGIN

KAPITEL IX DIE GESCHICHTE DER SCHEINSCHILDKRÖTE

KAPITEL X DIE HUMMER-QUADRILLE

KAPITEL XI WER HAT DIE KÜCHLEIN GESTOHLEN?

KAPITEL XII ALICES BEWEIS

KAPITEL I

DEN KANINCHENBAU HINAB

Alice wurde allmählich müde davon, neben ihrer Schwester am Ufer zu sitzen und nichts zu tun zu haben: Ein- oder zweimal hatte sie in das Buch geblickt, das ihre Schwester las, doch waren keine Bilder oder Unterhaltungen darin, »und welchen Sinn hat ein Buch«, dachte Alice, »ohne Bilder und Unterhaltungen?«

Also überlegte sie für sich selbst (so gut sie es vermochte, denn der heiße Tag machte sie schläfrig und träge), ob das Vergnügen, eine Kette aus Gänseblümchen zu machen, es der Mühe wert war, aufzustehen und die Gänseblümchen zu pflücken, als plötzlich ein Weißes Kaninchen mit rosa Augen an ihr vorbeilief.

Dies war nicht allzu bemerkenswert; auch hielt es Alice für nicht so ungewöhnlich, als sie das Kaninchen zu sich selbst sagen hörte: »Oh je! Oh je! Ich komme zu spät!« (Als sie nachher darüber nachdachte, kam ihr in den Sinn, dass sie sich darüber hätte wundern sollen, doch zu diesem Zeitpunkt erschien alles recht natürlich.) Doch als das Kaninchen tatsächlich eine Uhr aus seiner Westentasche zog und darauf blickte und dann weitereilte, sprang Alice auf die Füße, denn es traf sie der blitzartige Gedanke, dass sie niemals zuvor ein Kaninchen gesehen hatte, das eine Westentasche besaß, geschweige denn eine Uhr, die es dort herausziehen konnte, und da sie vor Neugier brannte, rannte sie querfeldein hinter ihm her und kam gerade noch rechtzeitig, um zu bemerken, dass es in einem großen Kaninchenbau unter der Hecke verschwand.

Einen Augenblick später folgte Alice ihm hinunter und überlegte nicht einmal, wie in aller Welt sie wieder hinausgelangen sollte.

Der Kaninchenbau war ein ganzes Stück gerade wie ein Tunnel und fiel dann plötzlich ab: so plötzlich, dass Alice keinen Moment Zeit hatte, daran zu denken, sich selbst zu bremsen, bevor sie merkte, dass sie in einen sehr tiefen Schacht stürzte.

Entweder war der Schacht wirklich tief, oder sie fiel sehr langsam, denn sie hatte viel Zeit, als sie hinabflog, um sich umzublicken und sich zu fragen, was als Nächstes geschehen würde. Zuerst versuchte sie, nach unten zu blicken und zu erkennen, wo sie landen würde, aber es war zu dunkel, um irgendetwas zu erkennen. Dann blickte sie zu den Seitenwänden des Schachtes und bemerkte, dass sie voller Schränke und Bücherregale waren. Hier und da bemerkte sie Landkarten und Bilder, die an Haken hingen. Als sie daran vorbeikam, nahm sie ein Einmachglas aus einem der Regale; es war mit »ORANGENMARMELADE« beschriftet, doch zu ihrer großen Enttäuschung war es leer. Sie wollte das Einmachglas nicht fallenlassen, da sie fürchtete, sie würde jemanden umbringen, also brachte sie es fertig, es wieder in eines der Regale zu stellen, als sie daran vorbeitrieb.

»Nun«, dachte Alice bei sich, »nach so einem Sturz wird mir das Herunterfallen auf Treppen wohl nichts mehr ausmachen! Daheim werden sie mich alle für sehr tapfer halten! Also, ich würde nichts davon erwähnen, selbst wenn ich vom Dach des Hauses fiele!« (Was vermutlich der Wahrheit entsprach.)

Hinab, hinab, hinab. Würde dieser Sturz denn niemals enden? »Ich frage mich, wie viele Meilen ich bisher gefallen bin?«, sagte sie laut. »Ich muss mich allmählich dem Zentrum der Erde nähern. Mal sehen: Das wären viertausend Meilen in die Tiefe, glaube ich …« (Denn, seht ihr, Alice hatte vielerlei Dinge während ihres Unterrichts in der Schule gelernt, und obwohl es keine besonders gute Gelegenheit war, ihr Wissen unter Beweis zu stellen, weil niemand da war, der ihr zuhörte, war es eine gute Übung, es zu wiederholen.) »… Ja, diese Strecke müsste stimmen … doch dann frage ich mich, auf welchem Breitengrad und Längengrad ich geraten bin?« (Alice hatte keine Ahnung, was Breitengrad bedeutete, noch Längengrad, dachte aber, es wären hübsche große Worte zum Aussprechen.)

Irgendwann begann sie erneut. »Ich frage mich, ob ich direkt durch die Erde hindurchfallen werde! Wie komisch es sein wird, unter den Menschen hervorzukommen, die mit dem Kopf nach unten herumspazieren! Es sind Antipathien, glaube ich …« (Sie war recht froh, dass diesmal niemand zuhört, denn dieses Wort klang überhaupt nicht richtig.) »… Aber ich werde sie fragen müssen, wie der Name des Landes ist, weißt du. Entschuldigung, Madame, ist dies Neuseeland oder Australien?« (Und sie versuchte, einen Knicks zu machen, während sie sprach – stellt euch vor zu knicksen, während ihr durch die Luft hinabsegelt! Glaubt ihr, ihr könntet es fertigbringen?) »Und für was für ein dummes kleines Mädchen sie mich halten wird, dass ich frage! Nein, fragen wird nichts bringen: Vielleicht sehe ich es irgendwo geschrieben.«

Hinab, hinab, hinab. Es gab nichts weiter zu tun, also fing Alice alsbald wieder an zu reden. »Ich glaube schon, dass Dinah mich heute Abend vermissen wird!« (Dinah war die Katze.) »Ich hoffe, sie denken daran, ihr zur Teezeit eine Untertasse mit Milch hinzustellen. Meine liebe Dinah! Ich wünschte, du wärst mit mir hier unten! Es fliegen leider keine Mäuse durch die Luft, fürchte ich, aber vielleicht fängst du eine Fledermaus, und das ist fast das Gleiche wie eine Maus, weißt du? Aber ich frage mich: Fressen Katzen überhaupt Fledermäuse?« Und da wurde Alice recht schläfrig und sagte immer wieder auf träumerische Art bei sich: »Fressen Katzen Fledermäuse? Fressen Katzen Fledermäuse?«, und gelegentlich: »Fressen Fledermäuse Katzen?«, denn seht ihr, da sie keine der Fragen beantworten konnte, machte es keinen Unterschied, wie sie sie stellte. Sie spürte, dass sie einschlummerte, und begann gerade zu träumen, dass sie mit Dinah Hand in Hand spazieren ging und in ernstem Ton zu ihr sagte: »Also, Dinah, sag mir die Wahrheit: Hast du jemals eine Fledermaus gefressen?«, als sie plötzlich – Rumsbums! – auf einen Haufen aus Stöcken und trockenen Blättern fiel, und der Sturz war vorbei.

Alice war kein bisschen verletzt, und sie sprang augenblicklich auf die Füße: Sie sah nach oben, doch über ihrem Kopf war es dunkel. Vor ihr lag ein langer Gang, und das Weiße Kaninchen war immer noch zu sehen, als es dort entlangeilte. Es gab keinen Augenblick zu verlieren: Wie der Wind lief Alice los und kam gerade rechtzeitig, um es sagen zu hören, als es um die Ecke bog: »Ach, bei meinen Ohren und Schnurrhaaren, wie spät es doch wird!« Sie war knapp hinter ihm, als es um die Ecke bog, doch das Kaninchen war nicht mehr zu sehen: Sie fand sich in einem langen, niedrigen Korridor wieder, der von einer Reihe aus Laternen erhellt wurde, die von der Decke hingen.

Der Korridor war voller Türen, doch alle waren verschlossen; und als Alice den Gang auf der einen Seite hinauf- und auf der anderen wieder hinuntergegangen war und jede Tür ausprobiert hatte, ging sie traurig in der Mitte entlang und fragte sich, wie sie wieder hinausgelangen sollte.

Plötzlich kam sie zu einem dreibeinigen Tisch, der ganz aus Glas bestand: Darauf lag nichts, außer einem goldenen Schlüssel, und Alice‘ erster Gedanke war, dass er vielleicht zu einer der Türen im Gang passte. Doch, ach! Entweder waren die Schlösser zu groß oder der Schlüssel war zu klein, aber in jedem Falle würde er keine von ihnen öffnen. Beim zweiten Rundgang jedoch stieß sie auf einen niedrigen Vorhang, den sie zuvor nicht bemerkt hatte, und dahinter befand sich eine kleine Tür, die ungefähr fünfzehn Zoll hoch war: Sie probierte den kleinen goldenen Schlüssel im Schloss, und zu ihrer großen Freude passte er!

Alice öffnete die Tür und bemerkte, dass sie in einen kleinen Durchgang führt, nicht größer als ein Rattenloch: Sie kniete sich hin und blickte den Durchgang entlang auf den schönsten Garten, den sie jemals gesehen hatte. Wie sehr sie sich doch wünschte, aus dieser dunklen Halle herauszukommen und zwischen jenen Beeten aus bunten Blumen und kühlen Springbrunnen zu spazieren, doch passte nicht einmal ihr Kopf durch den Türrahmen. »Und selbst wenn ich meinen Kopf hindurchbekäme«, dachte die arme Alice, »würde er mir wenig nützen ohne meine Schultern. Ach, ich wünschte, ich könnte mich zusammenziehen wie ein Fernrohr! Ich glaube, ich könnte, wenn ich nur wüsste, wo ich anfangen soll.« Denn, seht ihr, so viele merkwürdige Dinge waren kürzlich geschehen, dass Alice allmählich glaubte, dass tatsächlich nur wenige Dinge wirklich unmöglich waren.

Es schien keinen Sinn zu ergeben, bei der kleinen Tür zu warten, also ging sie zurück zum Tisch und hoffte halb, sie würde einen weiteren Schlüssel darauf finden oder zumindest ein Buch mit Regeln dafür, wie man Leute wie Fernrohre zusammenschob. Dieses Mal fand sie ein Fläschchen darauf (»das sicherlich vorher nicht da war«, dachte Alice), und um dessen Hals hing ein Papieretikett, auf das die Worte »TRINK MICH« in wunderschönen großen Buchstaben geschrieben waren.

Es war gut und schön, »Trink mich« zu sagen, aber die kluge kleine Alice würde dies nicht so hastig tun. »Nein, ich schaue es mir erst an«, sagte sie, »und sehe nach, ob irgendwo ›Gift‹ darauf steht oder nicht«; denn sie hatte viele kleine Geschichten über Kinder gelesen, die sich verbrannten oder von wilden Tieren gefressen wurden und andere unschöne Dinge, nur weil sie sich nicht an die einfachen Regeln erinnerten, die ihre Freunde ihnen beigebracht hatten: Zum Beispiel, dass man sich an einem heißen Schürhaken verbrannte, wenn man ihn zu lange hielt, und dass es für gewöhnlich blutete, wenn man sich mit einem Messer sehr tief in den Finger schnitt. Und sie hatte niemals vergessen, wenn man aus einer Flasche trank, auf der »Gift« stand, würde es einem früher oder später nicht gut bekommen.

Auf dieser Flasche stand allerdings nicht »Gift«, also wagte Alice, davon zu probieren, und fand, dass es gut schmeckte (der Geschmack war eigentlich eine Art Mischung aus Kirschkuchen, Vanillesauce, Ananas, gebratenem Truthahn, Toffee und heißem Weißbrot mir Butter), und trank es bald leer.

»Was für ein seltsames Gefühl!«, sagte Alice. »Ich muss mich wohl zusammenziehen wie ein Fernrohr.«

Und so war es tatsächlich: Sie war nur noch zehn Zoll groß, und ihr Gesicht hellte sich bei dem Gedanken auf, dass sie nun die richtige Größe hatte, um durch die kleine Tür in den herrlichen Garten zu gelangen. Zunächst aber wartete sie noch ein paar Minuten, um festzustellen, ob sie noch weiter schrumpfen würde: Sie fühlte sich deswegen etwas unbehaglich, »denn es könnte damit enden, weißt du«, sagte Alice zu sich selbst, »dass ich ganz ausgehe wie eine Kerze. Ich frage mich, was ich danach wäre?« Und sie versuchte, sich vorzustellen, wie die Flamme einer Kerze ist, nachdem man sie ausgeblasen hat, denn sie konnte sich nicht erinnern, so etwas jemals gesehen zu haben.

Nach einer Weile bemerkte sie, dass nichts weiter geschah, und sie beschloss, sofort in den Garten zu gehen; doch, ach, arme Alice! Als sie zu der Tür kam, bemerkte sie, dass sie den kleinen goldenen Schlüssel vergessen hatte, und als sie zum Tisch zurückging, um ihn zu holen, wurde ihr klar, dass sie ihn unmöglich erreichen konnte: Sie konnte ihn deutlich durch das Glas sehen und versuchte ihr Bestes, um an einem der Tischbeine emporzuklettern, aber es war zu glatt. Und als die Versuche sie allzu sehr erschöpft hatten, setzte sich die arme Kleine hin und weinte.

»Nun, es nützt nichts, so zu weinen«, sagte Alice zu sich selbst, und zwar recht scharf. »Ich rate dir, es augenblicklich zu lassen!« Für gewöhnlich gab sie sich selbst immer gute Ratschläge (auch wenn sie diese selten befolgte), und manchmal schalt sie sich selbst so streng, dass es ihr die Tränen in die Augen trieb. Und sie erinnerte sich, dass sie einmal versucht hatte, sich auf das eigene Ohr zu hauen, weil sie bei einer Partie Krocket, die sie gegen sich selbst spielte, geschummelt hatte, denn dieses sonderbare Kind gab gerne vor, zwei Personen zu sein. »Aber gerade nützt es nichts«, dachte die arme Alice, »dass ich so tue, als wäre ich zwei Personen! Es ist ja kaum genug von mir übrig, um daraus eine achtbare Person zu machen!«

Kurz darauf fiel ihr Blick auf ein Glaskästchen, das unter dem Tisch lag: Sie öffnete es und fand darin ein Küchlein, auf dem mit Johannisbeeren wunderschön die Worte »ISS MICH« geschrieben standen. »Nun, ich werde es essen«, sagte Alice, »und wenn es mich größer macht, kann ich an den Schlüssel kommen; und wenn es mich kleiner macht, kann ich unter der Tür hindurchkriechen. Ich gelange also so oder so in den Garten, und mir ist gleich, was passiert!«

Sie aß ein wenig und sagte ängstlich zu sich selbst: »Wohin? Wohin?«, und legte eine Hand auf ihren Kopf, um zu spüren, ob sie wuchs, und war ziemlich überrascht, als sie herausfand, dass sie immer noch dieselbe Größe hatte. Sicher, dies geschieht für gewöhnlich, wenn man Kuchen ist, aber Alice erwartete inzwischen, dass so viele ungewöhnliche Dinge geschahen, dass es recht langweilig und dumm erschien, wenn das Leben auf gewöhnliche Weise weiterging.

Also machte sie sich ans Werk und aß den Kuchen alsbald auf.

KAPITEL II

DER TEICH AUS TRÄNEN

Komischer und komischer!«, rief Alice (sie war derart überrascht, dass sie einen Moment lang vergaß, wie man gutes Englisch spricht). »Jetzt entfalte ich mich wie das längste Fernrohr, das es jemals gab! Auf Wiedersehen, Füße!« (Denn als sie auf ihre Füße hinuntersah, schienen sie beinahe aus dem Blickfeld zu geraten und verschwanden immer weiter.) »Ach, meine armen, kleinen Füße. Ich frage mich, wer euch jetzt Schuhe und Socken anziehen wird, meine Lieben? Sicherlich werde ich es nicht können! Ich werde viel zu weit weg sein, um mich um euch zu sorgen: Ihr müsst allein zurechtkommen, so gut es geht … Aber ich muss nett zu ihnen sein«, dachte Alice, »denn sonst gehen sie vielleicht nicht dahin, wo ich will! Mal sehen: Jedes Weihnachten schenke ich ihnen ein neues Paar Stiefel.«

Und sie machte sich daran zu überlegen, wie sie es anstellen sollte. »Sie müssen verschickt werden«, dachte sie, »und wie lustig es doch scheint – Geschenke an die eigenen Füße schicken! Und wie seltsam die Adresse aussehen wird!

Der ehrenwerte rechte Fuß von Alice

Kaminvorleger

nahe dem Kamingitter

(mit lieben Grüßen von Alice).

Oh je, was ich doch für einen Unsinn rede!«

Gerade da stieß sie mit dem Kopf gegen die Hallendecke: Tatsächlich war sie jetzt mehr als neun Fuß groß, und sofort griff sie nach dem kleinen goldenen Schlüssel und eilte zur Gartentür.