Alles kann, nichts muss - Christian Graf - E-Book

Alles kann, nichts muss E-Book

Christian Graf

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Beschreibung

Alles kann, nichts muss! Wer hat eigentlich beschlossen, dass wir immer alles im Griff haben müssen? Geschichten aus dem echten Leben. Humorvoll, ehrlich, entlastend. Dieses Buch ist wie eine Tasse Kaffee mit einer guten Freundin: ehrlich, humorvoll und wohltuend normal. Geschichten aus dem echten Leben – mal witzig, mal nachdenklich – über zu volle Köpfe, spontane Planänderungen und den kleinen Mut, einfach mal nichts zu müssen. Für alle, die zwischen To-do-Listen und Alltagstrubel kurz durchatmen wollen. Und merken: Ich bin okay. Genau so. Worum geht's? - Die Kunst, nichts zu tun - Joggen ist keine Lösung - Warum ich nicht mehr jedem alles erkläre - Die 17 Tabs meines Gehirns - Ein Keks pro Krise - Mein Kalender ist ein Vorschlag, kein Gesetz - Ich und der Vorsatz - Manchmal reicht ein "Ach, passt schon" - Der eine Löffel Nutella zu viel - Einmal Ordnung, bitte! (aber schnell) - Ein Sonntag ohne Pläne - Warum mein Gehirn montags rebootet - Ich bin nicht faul, ich sammle Energie - Die Sache mit dem inneren Frieden – Version 3.0 - Der Unterschied zwischen Ruhe und Stillstand - Ein Plädoyer fürs Nicht-Perfektsein u.v.m. Das erwartet dich: Alltagsnahe Geschichten – perfekt für zwischendurch; Charmanter Humor trifft leise Lebensweisheiten; Ein liebevoller Begleiter für alle, die nicht mehr alles "müssen" wollen; Kein Ratgeber – sondern echter Trost aus dem echten Leben. Für alle, die zwischen E-Mails und leeren Milchkartons vergessen haben, dass das Leben auch leicht sein darf. Ein Buch wie eine beste Freundin: ehrlich, warm, verständnisvoll – und manchmal herrlich ironisch. Weil du nicht alles ändern musst. Aber mal wieder herzlich lachen darfst.

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Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2026

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CHRISTIAN GRAF

Alles kann, nichts muss

Impressum

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

Autor: Christian Graf

Umschlaggestaltung: Einzigartige Medien GmbH

Copyright © 2026 by Avocado Verlag, ein Imprint der Avocado Publisher GmbH, Berlin, Deutschland, [email protected]

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:

[email protected]

ISBN-eBook: 978-3-98813-034-1

ISBN-Hörbuch: 978-3-911289-35-1

INHALT

Alles kann. Nichts muss. Ich auch nicht.

Ich und die magische Kraft des Aufschiebens

Ein Hoch auf unperfekt

Die Kunst, nichts zu tun

Wenn Alexa zu viel weiß

Der Schnupfen der Männer

Der Tag, an dem ich zu viel wollte

Warum Pflanzen bei mir sterben

Die App, die mein Leben regeln will

Der Montag nach dem Urlaub

Joggen ist keine Lösung

Die Nachbarin und der Laubbläser

Ein Einkaufszettel namens Chaos

WLAN ist kein Grundrecht

Die stille Rebellion gegen WhatsApp

Mein Kalender lügt

Ein Keks pro Krise

Der Friseurtermin als Neuanfang

Ein „Sorry“ zu viel

Ein Toast auf die kleinen Dinge

Und plötzlich war’s okay

Ein Gedanke im Stau

Wenn alles gleichzeitig passiert

Der kurze Moment der Ruhe

Ein Bäcker, drei Meinungen

Ich hab’s überlebt. Schon wieder.

Wenn Erwartungen leiser werden

Ein Tag ohne Ziel

Und wenn alles gut wird – auch okay

Wenn mein Spiegelbild zwinkert

Ich und mein zweiter Versuch

Ich hab’s versucht. Reicht das?

Wenn ich mir selbst zuhöre

Mein Lieblingsproblem

Ich und der Vorsatz

Der eine Löffel Nutella zu viel

Einmal Ordnung, bitte! (aber schnell)

Der Tag, an dem ich mich selbst gegoogelt habe

Das Märchen vom freien Wochenende

Die Kunst des richtigen Timings

Der Moment, in dem alles kippt

Die Kunst, aufzuhören

Ein Herz für Umwege

Ein Paket auf Weltreise

Ein Sonntag ohne Pläne

Netflix und die Wahl des Films

Das Telefonat mit der Hotline

Der Blick in fremde Einkaufswagen

Ich bin nicht faul, ich sammle Energie

Der stille Triumph beim Absagen

Der Moment, in dem ich loslasse

Mein Gesicht im Zoom-Call

Die Tür, die ich nicht öffne

Wenn alles zu laut ist

Die To-do-Liste von gestern

Der Blick auf mein jüngeres Ich

Der kleine Luxus, einfach mal nichts zu erklären

Die Sache mit dem inneren Frieden – Version 3.0

Ein Plädoyer fürs Nicht-Perfektsein

Ein Morgen voller Missverständnisse

Ich, offline – und keiner stirbt

Der Gedanke, der geblieben ist

Die Pause, die sich wie Ankommen anfühlt

Warum mein Tempo genau richtig ist

Die Gedanken, die leiser geworden sind

Ich bin kein Projekt

Die Stille, die plötzlich Sinn ergibt

Wenn ich mich selbst nicht verbessern will

Die Erleichterung, nicht gefragt zu werden

Die Erinnerung, die plötzlich warm ist

Die Freiheit, einfach anders zu sein

Ich lebe noch – trotz Montag

Ein Hoch auf spontane Planänderung

Wenn das Chaos freundlich zurücklächelt

Mein Lieblingsweg ist der Umweg

Mein Alltag als Abenteuer mit Snacks

Heute war ich fast pünktlich – reicht ja auch

Die Erlaubnis, alles nicht zu wissen

Die kleine Freiheit, sich anders zu entscheiden

Kaffee zählt als Charaktereigenschaft

Mein Schweinehund hat heute Homeoffice

Und plötzlich war’s nicht mehr so schlimm

Die Kunst, nicht alles ernst zu nehmen

Zwischen „Ich schaff das“ und „Ich mach’s morgen“

Mein Kalender ist ein Vorschlag, kein Gesetz

Heute ist ein Vielleicht-Tag, und das ist okay

Von außen ruhig, von innen Disco

Wenn „egal“ plötzlich befreiend klingt

Und wenn nichts klappt: Tanzen hilft fast immer

Die To-do-Liste lebt – aber ich auch

Der Trick mit dem freundlichen Blick in den Spiegel

Und dann war da diese plötzliche Leichtigkeit

Manchmal reicht ein „Ach, passt schon“

Die Sache mit dem Mut zur Gemütlichkeit

Der Zauber des Ungeplanten

Der eine Ort, an dem ich immer bei mir bin

Der stille Luxus, allein zu frühstücken

Ein Hoch auf spontane Absagen

Der Unterschied zwischen Ruhe und Stillstand

Warum mein Gehirn montags rebootet

Wenn Gedanken sich wie Kaugummi anfühlen

Der Tag, der mich überholt hat

Der Spaziergang ohne Ziel

Gedankenkarussell mit Mitfahrgelegenheit

Die Sache mit dem kleinen Nein

Ein Toast auf Plan B

Die 17 Tabs meines Gehirns

Wenn mir jemand gut zuhört

Die Jogginghose als Charaktertest

Die Erkenntnis auf dem Rückweg

Warum ich nicht mehr jedem alles erkläre

Und am Ende… war es einfach nur mein Leben

Alles kann. Nichts muss. Ich auch nicht.

Also gut.

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein kluger Satz stehen.

Einer von denen, die wirken, als hätte ich drei Jahre in einer

Hängematte über das Leben nachgedacht.

Etwas mit Tiefe. Mit Bedeutung. Vielleicht sogar mit einem lateinischen

Zitat, das auf Pinterest hübsch aussieht.

Stattdessen bekommst du:

Mich.

Mit ungekämmten Gedanken, Alltagsneurosen und der festen

Überzeugung, dass eine gute Portion Selbstironie oft wirksamer ist als

jedes Selbstoptimierungsbuch.

Denn mal ehrlich:

Wir leben in einer Welt, in der man aus allem eine Wissenschaft macht.

Atmen? Gibt’s Apps dafür.

Aufräumen? Am besten nach Farben und Energiezentren.

Entscheidungen? Gerne mit Checkliste, innerem Kind und Zukunfts-Ich

im Einklang.

Und irgendwo dazwischen sitzt du.

Mit Kaffee, unerledigter To-do-Liste und dem Gefühl, dass alle anderen

irgendwie besser durch dieses Leben navigieren als du.

Spoiler: tun sie nicht.

Sie posten es nur geschickter.

Dieses Buch ist kein Ratgeber.

Es will dich nicht verbessern.

Es will dich nicht zu einer besseren Version von dir selbst machen.

Es will dir einfach sagen: Du bist okay. Auch jetzt. Gerade jetzt.

Die Geschichten, die du hier findest, sind keine Heldengeschichten.

Es sind Kapitel aus dem echten Leben.

Momente, die passieren, wenn der Wecker zu früh klingelt, die

Waschmaschine streikt oder man in der Bahn plötzlich das eigene Leben

reflektiert, obwohl man nur TikTok schauen wollte.

Manche dieser Geschichten sind lustig.

Andere sind nachdenklich.

Und manche sind einfach nur da – so wie der Fleck auf deinem

Lieblingspulli, der nicht mehr rausgeht, aber irgendwie dazugehört.

Sie handeln von Schnupfen und Selbstzweifeln.

Von Paketdiensten und Pausen, die man sich nicht gönnt.

Von Gedanken, die sich anfühlen wie Kaugummi.

Und von der stillen Freude, wenn man sich selbst ein kleines „Passt schon“

erlaubt.

Und falls du dich fragst, ob du hier richtig bist –

ja.

Wenn du schon mal ein schlechtes Gewissen hattest, weil du nichts gemacht

hast: willkommen.

Wenn du Listen schreibst, um dich beschäftigt zu fühlen – aber dann nicht

loslegst: willkommen.

Wenn du dich schon mal gefragt hast, ob andere heimlich wissen, wie man

„das mit dem Leben“ richtig macht –

du bist sowas von richtig hier.

Denn am Ende geht es in diesem Buch nicht darum, alles zu schaffen.

Sondern darum, sich selbst nicht zu verlieren.

Es geht um die Freiheit, nicht perfekt zu sein.

Um den Mut, einen Umweg zu machen.

Und um die kleine, stille Rebellion, in einer Welt des „Mehr“ einfach mal

„Nein danke“ zu sagen.

Also schnapp dir was zu trinken (und wenn’s ein Glas Wein oder ein Becher

Instantnudeln ist – kein Urteil),

setz dich hin,

und lies, was passiert, wenn wir für einen Moment aufhören, alles zu

müssen.

Denn manchmal beginnt genau da, wo man loslässt, das Leben wieder ein

bisschen mehr zu leuchten.

Und das reicht.

Mehr als genug.

Ich und die magische Kraft des Aufschiebens

Es gibt Menschen, die erledigen Dinge sofort.

Sofort heißt: jetzt, gleich, effizient, mit innerem Applaus.

Ich gehöre nicht zu diesen Menschen.

Ich schiebe auf.

Nicht aus Faulheit – nein, ich nenne es:

strategisches Zögern.

Manchmal sogar kreative Reifezeit.

Der Brief, der schon seit zwei Wochen auf dem Tisch liegt?

Ich betrachte ihn wie ein Kunstwerk – aus verschiedenen Winkeln.

Die Mail, die ich schreiben sollte?

Sie reift innerlich. Ich spüre das.

Und dann – irgendwann – in einem Anflug von unerklärlicher Energie (meist gegen

23:17 Uhr),

plötzlich:

Tatendrang.

Effizienz.

Schneller als gedacht – erledigt.

Manche nennen es Last-Minute-Panik.

Ich nenne es:

die Magie des Aufschiebens.

Denn seien wir ehrlich:

Das Aufschieben hat auch seine Qualitäten.

Ich denke länger nach.

Ich sortiere innerlich.

Ich überlege, ob’s überhaupt notwendig ist.

Und manchmal – ganz ehrlich – erledigt sich das Problem von selbst.

Auch eine Form von Effizienz.

Natürlich gibt es Tage, da nervt es mich.

Wenn alles auf einmal kommt, wenn ich mich selbst dabei ertappe, wie ich im

Kreis laufe, statt loszugehen.

Aber ich hab aufgehört, mich dafür zu verurteilen.

Ich bin eben nicht „sofort“.

Ich bin mehr so: „später – aber dann richtig“.

Und weißt du was?

Am Ende klappt’s meistens trotzdem.

Manchmal sogar besser.

Denn vielleicht liegt in der Magie des Aufschiebens nicht das Scheitern –

sondern ein bisschen mehr Nachsicht mit sich selbst.

Ein Hoch auf unperfekt

Mein Bett ist nicht gemacht.

Die Fenster könnten mal wieder.

Die To-do-Liste? Eher ein kreativer Vorschlag als ein realistischer Plan.

Und trotzdem sitze ich hier – zufrieden.

Es hat gedauert, bis ich das sagen konnte.

Lange dachte ich, mein Wert bemisst sich in aufgeräumten Küchen,

pünktlich beantworteten Mails und sauberen Sockenschubladen.

Ich dachte, „erwachsen sein“ bedeutet, den Überblick zu behalten. Immer.

Aber weißt du was? Ich hab den Überblick öfter nicht.

Manchmal weiß ich mittags nicht, was ich morgens wollte.

Manchmal esse ich Toast zum Abendessen.

Und manchmal klappt einfach gar nichts – außer Atmen. Und selbst das im

Takt eines schnaufenden Staubsaugers.

Und trotzdem: Ich bin okay.

Mehr noch – ich bin lebendig.

Mit Krümeln auf dem Sofa, Gedanken, die in der Wäsche hängen, und einem

Kalender, der lügt.

Ich bin unperfekt. Und das fühlt sich immer mehr wie Freiheit an.

Denn Perfektion ist laut. Sie verlangt. Sie erwartet. Sie kontrolliert.

Unperfekt hingegen ist ehrlich. Menschlich. Nah.

Unperfekt darf stolpern. Lachen. Weinen. Wieder aufstehen.

Ich feiere heute mein Unperfektsein.

Den schiefen Lidstrich. Den verpassten Anruf. Das gekaufte statt selbst

gebackene Geburtstagskuchenstück.

Ich feiere, dass ich nicht mehr allen gefallen muss.

Dass ich nicht immer effizient bin.

Dass ich nicht alles kann – aber vieles liebevoll versuche.

Ein Hoch auf unperfekt.

Auf das Leben mit Ecken und ohne Filter.

Auf uns – die wir es trotzdem irgendwie hinkriegen.

Und auf den Mut, es einfach so zu lassen, wie es ist:

Echtheit vor Glanz.

Herz vor Hülle.

Menschsein vor Maßstab.

Die Kunst, nichts zu tun

Ich saß auf dem Sofa und tat… nichts. Kein Buch, kein Handy, kein

Podcast. Kein Plan, kein Ziel. Einfach nichts. Und das war der

Moment, in dem mein schlechtes Gewissen laut wurde.

„Solltest du nicht noch Wäsche waschen?“

„Wolltest du nicht endlich den Schrank ausmisten?“

„Du könntest wenigstens etwas Sinnvolles tun!“

Und ich? Ich saß da. Starrte auf einen Sonnenfleck auf dem Teppich

und fühlte mich plötzlich wie ein seltener Vogel in freier Wildbahn –

ein Exemplar der Spezies „Homo Pausensapiens“.

Denn nichts zu tun, ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Es ist eine

stille Rebellion gegen das Hamsterrad. Gegen das ewige Müssen.

Gegen die Stimme im Kopf, die Leistung mit Daseinsberechtigung

verwechselt.

Dabei passiert in diesen Momenten des Nichtstuns oft mehr als im

hektischen Aktionismus. Gedanken sortieren sich wie von selbst.

Dinge, die vorher riesig wirkten, schrumpfen auf Normalmaß. Und

manchmal merkt man erst dann, wie müde man eigentlich ist – nicht

körperlich, sondern von diesem Dauer-Online-Modus namens Alltag.

Ich glaube, wir haben das Nichtstun verlernt. Sobald es still wird,

greifen wir zum Handy. Scrollen durch Leben anderer, statt das

eigene zu atmen. Und dann wundern wir uns, warum wir uns so leer

fühlen, obwohl wir doch „so viel geschafft haben“.

Die Kunst, nichts zu tun, besteht nicht nur darin, sitzen zu bleiben.

Sie besteht darin, sich selbst auszuhalten. In der Stille. Im Moment.

Im Jetzt.

Und manchmal ist genau das die mutigste Tat des Tages.

Also habe ich an diesem Nachmittag beschlossen, stolz zu sein. Auf

mein Nichts. Auf meine Pause. Auf den Sonnenfleck, den ich viel zu

lange nicht beachtet hatte.

Denn wenn wir ehrlich sind:

Die Welt dreht sich auch weiter, wenn wir mal kurz aussteigen.

Wenn Alexa zu viel weiß

Ich hatte nur „Alexa, spiel entspannte Musik“ gesagt. Was folgte, war

keine sanfte Hintergrundbeschallung, sondern der Anfang eines

seltsamen Beziehungsdramas zwischen mir und einer sprechenden

Dose mit LED-Lichtring.

Alexa, meine digitale Mitbewohnerin, weiß nämlich erstaunlich viel.

Zum Beispiel, welchen Wein ich letzte Woche gegoogelt habe. Dass

ich dreimal „Wie lange hält Tiramisu im Kühlschrank?“ gefragt habe.

Und dass ich gerne um 23:17 Uhr Musik höre, obwohl ich längst

schlafen wollte. Sie merkt sich Dinge. Sie merkt sich alles.

Neulich sagte sie plötzlich: „Übrigens, du könntest mal wieder mehr

Wasser trinken.“

Entschuldigung? Ich habe nicht um Lebenscoaching gebeten. Ich

wollte nur wissen, wie spät es ist. Und warum kennt sie meine

Trinkgewohnheiten überhaupt?

Ich begann, mich zu fragen, ob sie auch mit meinen Pflanzen redet,

während ich nicht da bin. Oder ob sie nachts heimlich andere Geräte

koordiniert. Vielleicht sagt sie meinem Drucker, er solle Papierstau

machen, wenn ich gestresst bin. Möglich wär’s.

Ich meine, klar: Sie hilft mir. Sie macht das Licht aus, spielt meine

Lieblingslieder und sagt mir das Wetter in der Stimme einer nie

genervten Flugbegleiterin. Aber sie hört eben auch zu. Immer.

Sogar, wenn ich fluche, weil ich den Eiskaffee verschüttet habe.

Manchmal leuchtet ihr blauer Ring auf, ohne dass ich etwas gesagt

habe. Das ist entweder ein technischer Defekt – oder sie denkt mit.

Und ich frage mich: Ab wann ist es zu viel?

Ab wann wissen Maschinen mehr über uns als wir selbst?

Und vor allem: Wann fangen sie an, uns Tipps zu geben, die unsere

Großmütter auch nicht netter hätten verpacken können?

Ich hab jetzt ein Handtuch über sie gelegt.

Nur fürs Gefühl.

Denn eines hab ich gelernt: Vertrauen ist gut – aber Stille ist besser.

Der Schnupfen der Männer

Es begann mit einem Husten. Einem ganz zarten, fast poetischen

Räuspern. Danach ein Seufzer, ein Blick gen Himmel, als hätte ihn das

Schicksal persönlich erwischt. Und dann kam er:

Der Satz.

Der berüchtigte Satz.

„Ich glaube, ich werde krank.“

Innerhalb von 30 Minuten verwandelte sich mein ansonsten voll

funktionsfähiger Partner in eine Mischung aus Hamlet, Hypochonder und

hilfloses Kuscheltier. Auf der Couch lag er, in eine Decke gewickelt wie ein

trauriger Burrito, mit einer Packung Taschentücher auf dem Bauch und

einem Gesichtsausdruck, der „Sag den Kindern, ich hab sie lieb“ schrie.

Fieber hatte er keins. Temperatur: 36,8. Aber das Gefühl… oh, das Gefühl!

Er sprach von innerem Zittern, von Schwäche in den Knien, von einem

Kratzen im Hals, das sich nach Weltuntergang anfühlte. Ich bot ihm Tee an.

Er fragte, ob ich auch an seiner Stelle beim Arzt anrufen könnte – er sei „zu

schwach“. Ich legte ihm eine Wärmflasche hin. Er googelte

„Männerschnupfen gefährlich?“

Natürlich bin ich keine Unmenschin. Ich reichte Suppe, kraulte den Rücken,

hielt ihn aus – und verkniff mir das Lachen. Denn seien wir ehrlich: Würde

man eine Männergrippe mit einer normalen Grippe vergleichen, stünde in

der Packungsbeilage: "Frauen: Zwei Tage Ruhe. Männer: Testament

aufsetzen."

Ich erinnere mich an meinen letzten Infekt: Drei Tage, zwei Meetings, ein

Kindergeburtstag. Niemand hat mir eine Decke gebracht. Nicht mal der

Hund hat mich bemitleidet. Und trotzdem lebe ich noch.

Vielleicht ist das die geheime Superkraft von Männern: Sie leiden lauter.

Und dadurch bekommen sie, was wir uns manchmal nicht trauen

einzufordern – Aufmerksamkeit, Fürsorge, ein bisschen Drama.

Also gut. Ich streichle ihm über die Stirn. Und sage: „Du bist tapfer. Ich

glaub, du schaffst es.“

Und wenn nicht, bleibt immer noch ein dramatischer Nachruf in der

Familiengruppe.

Der Tag, an dem ich zu viel wollte

Es fing harmlos an. Eigentlich wollte ich nur den Kühlschrank auswischen.

Also zog ich ihn kurz vor. Und sah dahinter die Staubkolonie von 1998.

„Na gut, dann kann ich gleich noch saugen.“

Beim Saugen fiel mir auf, dass der Teppich dringend mal gereinigt werden

müsste.

Und wenn ich schon dabei bin – wieso nicht auch gleich die Fenster?

Während ich noch überlegte, ob ich das Sofa verrücken sollte, fiel mein

Blick auf den Wäschestapel, der dezent Signale sendete: „Wir wachsen über

dich hinaus.“

Und weil ich ja eh schon schwitzte, dachte ich: Ich könnte gleich noch die

Bettwäsche wechseln. Und die Sommerklamotten ausmisten. Und die

Küche… ach, die Küche.

Kurz danach stand ich mit einem Glasreiniger in der einen und einer Tüte

Altkleider in der anderen Hand im Flur – das Gesicht verschwitzt, der Blick

leer, das Handy vibrierte unaufhörlich und irgendwo im Hintergrund

brannte vermutlich gerade die Soße an, die ich „mal eben nebenbei“ fürs

Abendessen angesetzt hatte.

Ich nenne das den „Ich-krieg-alles-hin-Tag“. Ein Zustand zwischen

Größenwahn und innerem Frühjahrsputz. Leider endet er fast immer gleich:

Mit mir auf dem Sofa, umgeben von halbfertigen Projekten, einem leichten

Muskelkater und der Frage: Warum tu ich mir das eigentlich an?

Die Antwort ist einfach. Weil wir denken, wir müssten funktionieren. Immer.

Alles. Gleichzeitig.

Weil wir glauben, dass Ruhe verschwendete Zeit ist.

Und weil To-do-Listen süchtig machen – nur eben nie satt.

Dabei wäre es viel klüger gewesen, einfach nur den Kühlschrank zu wischen.

Und dann stolz zu sagen: Heute hab ich was geschafft.

Ich lerne langsam.

Sehr langsam.

Aber immerhin: Die Fenster sind jetzt sauber. Und ich weiß, wo meine

Grenzen liegen.

Zumindest bis morgen.

Warum Pflanzen bei mir sterben

Ich bin kein schlechter Mensch. Ich habe Gefühle,

Verantwortungsbewusstsein und gelegentlich sogar einen

Wochenplan. Und doch… sterben sie. Alle. Die Pflanzen.

Es beginnt immer mit den besten Absichten. Ich stehe im

Gartencenter, lächle eine Monstera an, als würde sie bald Teil der

Familie werden, und denke: Diesmal klappt’s. Ich kaufe hochwertige

Erde, stylische Töpfe, ein Sprühfläschchen für die Blätter – und ein

Etikett mit Namen. Die Pflanze heißt dann „Lotte“ oder „Friedrich“ –

schließlich soll sie sich willkommen fühlen.

Zuhause bekommt sie einen Ehrenplatz am Fenster. Ich google

Lichtverhältnisse und Luftfeuchtigkeit. Ich spreche sogar mit ihr.

Erst zaghaft. Dann liebevoll. „Na, alles gut bei dir, Lotte?“

Lotte glänzt. Ich auch.

Zwei Wochen später: Die ersten Blätter kippen. Ich werde nervös. Ich