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Alles kann, nichts muss! Wer hat eigentlich beschlossen, dass wir immer alles im Griff haben müssen? Geschichten aus dem echten Leben. Humorvoll, ehrlich, entlastend. Dieses Buch ist wie eine Tasse Kaffee mit einer guten Freundin: ehrlich, humorvoll und wohltuend normal. Geschichten aus dem echten Leben – mal witzig, mal nachdenklich – über zu volle Köpfe, spontane Planänderungen und den kleinen Mut, einfach mal nichts zu müssen. Für alle, die zwischen To-do-Listen und Alltagstrubel kurz durchatmen wollen. Und merken: Ich bin okay. Genau so. Worum geht's? - Die Kunst, nichts zu tun - Joggen ist keine Lösung - Warum ich nicht mehr jedem alles erkläre - Die 17 Tabs meines Gehirns - Ein Keks pro Krise - Mein Kalender ist ein Vorschlag, kein Gesetz - Ich und der Vorsatz - Manchmal reicht ein "Ach, passt schon" - Der eine Löffel Nutella zu viel - Einmal Ordnung, bitte! (aber schnell) - Ein Sonntag ohne Pläne - Warum mein Gehirn montags rebootet - Ich bin nicht faul, ich sammle Energie - Die Sache mit dem inneren Frieden – Version 3.0 - Der Unterschied zwischen Ruhe und Stillstand - Ein Plädoyer fürs Nicht-Perfektsein u.v.m. Das erwartet dich: Alltagsnahe Geschichten – perfekt für zwischendurch; Charmanter Humor trifft leise Lebensweisheiten; Ein liebevoller Begleiter für alle, die nicht mehr alles "müssen" wollen; Kein Ratgeber – sondern echter Trost aus dem echten Leben. Für alle, die zwischen E-Mails und leeren Milchkartons vergessen haben, dass das Leben auch leicht sein darf. Ein Buch wie eine beste Freundin: ehrlich, warm, verständnisvoll – und manchmal herrlich ironisch. Weil du nicht alles ändern musst. Aber mal wieder herzlich lachen darfst.
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Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2026
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CHRISTIAN GRAF
Alles kann, nichts muss
Impressum
Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.
Autor: Christian Graf
Umschlaggestaltung: Einzigartige Medien GmbH
Copyright © 2026 by Avocado Verlag, ein Imprint der Avocado Publisher GmbH, Berlin, Deutschland, [email protected]
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung:
ISBN-eBook: 978-3-98813-034-1
ISBN-Hörbuch: 978-3-911289-35-1
Alles kann. Nichts muss. Ich auch nicht.
Ich und die magische Kraft des Aufschiebens
Ein Hoch auf unperfekt
Die Kunst, nichts zu tun
Wenn Alexa zu viel weiß
Der Schnupfen der Männer
Der Tag, an dem ich zu viel wollte
Warum Pflanzen bei mir sterben
Die App, die mein Leben regeln will
Der Montag nach dem Urlaub
Joggen ist keine Lösung
Die Nachbarin und der Laubbläser
Ein Einkaufszettel namens Chaos
WLAN ist kein Grundrecht
Die stille Rebellion gegen WhatsApp
Mein Kalender lügt
Ein Keks pro Krise
Der Friseurtermin als Neuanfang
Ein „Sorry“ zu viel
Ein Toast auf die kleinen Dinge
Und plötzlich war’s okay
Ein Gedanke im Stau
Wenn alles gleichzeitig passiert
Der kurze Moment der Ruhe
Ein Bäcker, drei Meinungen
Ich hab’s überlebt. Schon wieder.
Wenn Erwartungen leiser werden
Ein Tag ohne Ziel
Und wenn alles gut wird – auch okay
Wenn mein Spiegelbild zwinkert
Ich und mein zweiter Versuch
Ich hab’s versucht. Reicht das?
Wenn ich mir selbst zuhöre
Mein Lieblingsproblem
Ich und der Vorsatz
Der eine Löffel Nutella zu viel
Einmal Ordnung, bitte! (aber schnell)
Der Tag, an dem ich mich selbst gegoogelt habe
Das Märchen vom freien Wochenende
Die Kunst des richtigen Timings
Der Moment, in dem alles kippt
Die Kunst, aufzuhören
Ein Herz für Umwege
Ein Paket auf Weltreise
Ein Sonntag ohne Pläne
Netflix und die Wahl des Films
Das Telefonat mit der Hotline
Der Blick in fremde Einkaufswagen
Ich bin nicht faul, ich sammle Energie
Der stille Triumph beim Absagen
Der Moment, in dem ich loslasse
Mein Gesicht im Zoom-Call
Die Tür, die ich nicht öffne
Wenn alles zu laut ist
Die To-do-Liste von gestern
Der Blick auf mein jüngeres Ich
Der kleine Luxus, einfach mal nichts zu erklären
Die Sache mit dem inneren Frieden – Version 3.0
Ein Plädoyer fürs Nicht-Perfektsein
Ein Morgen voller Missverständnisse
Ich, offline – und keiner stirbt
Der Gedanke, der geblieben ist
Die Pause, die sich wie Ankommen anfühlt
Warum mein Tempo genau richtig ist
Die Gedanken, die leiser geworden sind
Ich bin kein Projekt
Die Stille, die plötzlich Sinn ergibt
Wenn ich mich selbst nicht verbessern will
Die Erleichterung, nicht gefragt zu werden
Die Erinnerung, die plötzlich warm ist
Die Freiheit, einfach anders zu sein
Ich lebe noch – trotz Montag
Ein Hoch auf spontane Planänderung
Wenn das Chaos freundlich zurücklächelt
Mein Lieblingsweg ist der Umweg
Mein Alltag als Abenteuer mit Snacks
Heute war ich fast pünktlich – reicht ja auch
Die Erlaubnis, alles nicht zu wissen
Die kleine Freiheit, sich anders zu entscheiden
Kaffee zählt als Charaktereigenschaft
Mein Schweinehund hat heute Homeoffice
Und plötzlich war’s nicht mehr so schlimm
Die Kunst, nicht alles ernst zu nehmen
Zwischen „Ich schaff das“ und „Ich mach’s morgen“
Mein Kalender ist ein Vorschlag, kein Gesetz
Heute ist ein Vielleicht-Tag, und das ist okay
Von außen ruhig, von innen Disco
Wenn „egal“ plötzlich befreiend klingt
Und wenn nichts klappt: Tanzen hilft fast immer
Die To-do-Liste lebt – aber ich auch
Der Trick mit dem freundlichen Blick in den Spiegel
Und dann war da diese plötzliche Leichtigkeit
Manchmal reicht ein „Ach, passt schon“
Die Sache mit dem Mut zur Gemütlichkeit
Der Zauber des Ungeplanten
Der eine Ort, an dem ich immer bei mir bin
Der stille Luxus, allein zu frühstücken
Ein Hoch auf spontane Absagen
Der Unterschied zwischen Ruhe und Stillstand
Warum mein Gehirn montags rebootet
Wenn Gedanken sich wie Kaugummi anfühlen
Der Tag, der mich überholt hat
Der Spaziergang ohne Ziel
Gedankenkarussell mit Mitfahrgelegenheit
Die Sache mit dem kleinen Nein
Ein Toast auf Plan B
Die 17 Tabs meines Gehirns
Wenn mir jemand gut zuhört
Die Jogginghose als Charaktertest
Die Erkenntnis auf dem Rückweg
Warum ich nicht mehr jedem alles erkläre
Und am Ende… war es einfach nur mein Leben
Also gut.
Eigentlich sollte an dieser Stelle ein kluger Satz stehen.
Einer von denen, die wirken, als hätte ich drei Jahre in einer
Hängematte über das Leben nachgedacht.
Etwas mit Tiefe. Mit Bedeutung. Vielleicht sogar mit einem lateinischen
Zitat, das auf Pinterest hübsch aussieht.
Stattdessen bekommst du:
Mich.
Mit ungekämmten Gedanken, Alltagsneurosen und der festen
Überzeugung, dass eine gute Portion Selbstironie oft wirksamer ist als
jedes Selbstoptimierungsbuch.
Denn mal ehrlich:
Wir leben in einer Welt, in der man aus allem eine Wissenschaft macht.
Atmen? Gibt’s Apps dafür.
Aufräumen? Am besten nach Farben und Energiezentren.
Entscheidungen? Gerne mit Checkliste, innerem Kind und Zukunfts-Ich
im Einklang.
Und irgendwo dazwischen sitzt du.
Mit Kaffee, unerledigter To-do-Liste und dem Gefühl, dass alle anderen
irgendwie besser durch dieses Leben navigieren als du.
Spoiler: tun sie nicht.
Sie posten es nur geschickter.
Dieses Buch ist kein Ratgeber.
Es will dich nicht verbessern.
Es will dich nicht zu einer besseren Version von dir selbst machen.
Es will dir einfach sagen: Du bist okay. Auch jetzt. Gerade jetzt.
Die Geschichten, die du hier findest, sind keine Heldengeschichten.
Es sind Kapitel aus dem echten Leben.
Momente, die passieren, wenn der Wecker zu früh klingelt, die
Waschmaschine streikt oder man in der Bahn plötzlich das eigene Leben
reflektiert, obwohl man nur TikTok schauen wollte.
Manche dieser Geschichten sind lustig.
Andere sind nachdenklich.
Und manche sind einfach nur da – so wie der Fleck auf deinem
Lieblingspulli, der nicht mehr rausgeht, aber irgendwie dazugehört.
Sie handeln von Schnupfen und Selbstzweifeln.
Von Paketdiensten und Pausen, die man sich nicht gönnt.
Von Gedanken, die sich anfühlen wie Kaugummi.
Und von der stillen Freude, wenn man sich selbst ein kleines „Passt schon“
erlaubt.
Und falls du dich fragst, ob du hier richtig bist –
ja.
Wenn du schon mal ein schlechtes Gewissen hattest, weil du nichts gemacht
hast: willkommen.
Wenn du Listen schreibst, um dich beschäftigt zu fühlen – aber dann nicht
loslegst: willkommen.
Wenn du dich schon mal gefragt hast, ob andere heimlich wissen, wie man
„das mit dem Leben“ richtig macht –
du bist sowas von richtig hier.
Denn am Ende geht es in diesem Buch nicht darum, alles zu schaffen.
Sondern darum, sich selbst nicht zu verlieren.
Es geht um die Freiheit, nicht perfekt zu sein.
Um den Mut, einen Umweg zu machen.
Und um die kleine, stille Rebellion, in einer Welt des „Mehr“ einfach mal
„Nein danke“ zu sagen.
Also schnapp dir was zu trinken (und wenn’s ein Glas Wein oder ein Becher
Instantnudeln ist – kein Urteil),
setz dich hin,
und lies, was passiert, wenn wir für einen Moment aufhören, alles zu
müssen.
Denn manchmal beginnt genau da, wo man loslässt, das Leben wieder ein
bisschen mehr zu leuchten.
Und das reicht.
Mehr als genug.
Es gibt Menschen, die erledigen Dinge sofort.
Sofort heißt: jetzt, gleich, effizient, mit innerem Applaus.
Ich gehöre nicht zu diesen Menschen.
Ich schiebe auf.
Nicht aus Faulheit – nein, ich nenne es:
strategisches Zögern.
Manchmal sogar kreative Reifezeit.
Der Brief, der schon seit zwei Wochen auf dem Tisch liegt?
Ich betrachte ihn wie ein Kunstwerk – aus verschiedenen Winkeln.
Die Mail, die ich schreiben sollte?
Sie reift innerlich. Ich spüre das.
Und dann – irgendwann – in einem Anflug von unerklärlicher Energie (meist gegen
23:17 Uhr),
plötzlich:
Tatendrang.
Effizienz.
Schneller als gedacht – erledigt.
Manche nennen es Last-Minute-Panik.
Ich nenne es:
die Magie des Aufschiebens.
Denn seien wir ehrlich:
Das Aufschieben hat auch seine Qualitäten.
Ich denke länger nach.
Ich sortiere innerlich.
Ich überlege, ob’s überhaupt notwendig ist.
Und manchmal – ganz ehrlich – erledigt sich das Problem von selbst.
Auch eine Form von Effizienz.
Natürlich gibt es Tage, da nervt es mich.
Wenn alles auf einmal kommt, wenn ich mich selbst dabei ertappe, wie ich im
Kreis laufe, statt loszugehen.
Aber ich hab aufgehört, mich dafür zu verurteilen.
Ich bin eben nicht „sofort“.
Ich bin mehr so: „später – aber dann richtig“.
Und weißt du was?
Am Ende klappt’s meistens trotzdem.
Manchmal sogar besser.
Denn vielleicht liegt in der Magie des Aufschiebens nicht das Scheitern –
sondern ein bisschen mehr Nachsicht mit sich selbst.
Mein Bett ist nicht gemacht.
Die Fenster könnten mal wieder.
Die To-do-Liste? Eher ein kreativer Vorschlag als ein realistischer Plan.
Und trotzdem sitze ich hier – zufrieden.
Es hat gedauert, bis ich das sagen konnte.
Lange dachte ich, mein Wert bemisst sich in aufgeräumten Küchen,
pünktlich beantworteten Mails und sauberen Sockenschubladen.
Ich dachte, „erwachsen sein“ bedeutet, den Überblick zu behalten. Immer.
Aber weißt du was? Ich hab den Überblick öfter nicht.
Manchmal weiß ich mittags nicht, was ich morgens wollte.
Manchmal esse ich Toast zum Abendessen.
Und manchmal klappt einfach gar nichts – außer Atmen. Und selbst das im
Takt eines schnaufenden Staubsaugers.
Und trotzdem: Ich bin okay.
Mehr noch – ich bin lebendig.
Mit Krümeln auf dem Sofa, Gedanken, die in der Wäsche hängen, und einem
Kalender, der lügt.
Ich bin unperfekt. Und das fühlt sich immer mehr wie Freiheit an.
Denn Perfektion ist laut. Sie verlangt. Sie erwartet. Sie kontrolliert.
Unperfekt hingegen ist ehrlich. Menschlich. Nah.
Unperfekt darf stolpern. Lachen. Weinen. Wieder aufstehen.
Ich feiere heute mein Unperfektsein.
Den schiefen Lidstrich. Den verpassten Anruf. Das gekaufte statt selbst
gebackene Geburtstagskuchenstück.
Ich feiere, dass ich nicht mehr allen gefallen muss.
Dass ich nicht immer effizient bin.
Dass ich nicht alles kann – aber vieles liebevoll versuche.
Ein Hoch auf unperfekt.
Auf das Leben mit Ecken und ohne Filter.
Auf uns – die wir es trotzdem irgendwie hinkriegen.
Und auf den Mut, es einfach so zu lassen, wie es ist:
Echtheit vor Glanz.
Herz vor Hülle.
Menschsein vor Maßstab.
Ich saß auf dem Sofa und tat… nichts. Kein Buch, kein Handy, kein
Podcast. Kein Plan, kein Ziel. Einfach nichts. Und das war der
Moment, in dem mein schlechtes Gewissen laut wurde.
„Solltest du nicht noch Wäsche waschen?“
„Wolltest du nicht endlich den Schrank ausmisten?“
„Du könntest wenigstens etwas Sinnvolles tun!“
Und ich? Ich saß da. Starrte auf einen Sonnenfleck auf dem Teppich
und fühlte mich plötzlich wie ein seltener Vogel in freier Wildbahn –
ein Exemplar der Spezies „Homo Pausensapiens“.
Denn nichts zu tun, ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Es ist eine
stille Rebellion gegen das Hamsterrad. Gegen das ewige Müssen.
Gegen die Stimme im Kopf, die Leistung mit Daseinsberechtigung
verwechselt.
Dabei passiert in diesen Momenten des Nichtstuns oft mehr als im
hektischen Aktionismus. Gedanken sortieren sich wie von selbst.
Dinge, die vorher riesig wirkten, schrumpfen auf Normalmaß. Und
manchmal merkt man erst dann, wie müde man eigentlich ist – nicht
körperlich, sondern von diesem Dauer-Online-Modus namens Alltag.
Ich glaube, wir haben das Nichtstun verlernt. Sobald es still wird,
greifen wir zum Handy. Scrollen durch Leben anderer, statt das
eigene zu atmen. Und dann wundern wir uns, warum wir uns so leer
fühlen, obwohl wir doch „so viel geschafft haben“.
Die Kunst, nichts zu tun, besteht nicht nur darin, sitzen zu bleiben.
Sie besteht darin, sich selbst auszuhalten. In der Stille. Im Moment.
Im Jetzt.
Und manchmal ist genau das die mutigste Tat des Tages.
Also habe ich an diesem Nachmittag beschlossen, stolz zu sein. Auf
mein Nichts. Auf meine Pause. Auf den Sonnenfleck, den ich viel zu
lange nicht beachtet hatte.
Denn wenn wir ehrlich sind:
Die Welt dreht sich auch weiter, wenn wir mal kurz aussteigen.
Ich hatte nur „Alexa, spiel entspannte Musik“ gesagt. Was folgte, war
keine sanfte Hintergrundbeschallung, sondern der Anfang eines
seltsamen Beziehungsdramas zwischen mir und einer sprechenden
Dose mit LED-Lichtring.
Alexa, meine digitale Mitbewohnerin, weiß nämlich erstaunlich viel.
Zum Beispiel, welchen Wein ich letzte Woche gegoogelt habe. Dass
ich dreimal „Wie lange hält Tiramisu im Kühlschrank?“ gefragt habe.
Und dass ich gerne um 23:17 Uhr Musik höre, obwohl ich längst
schlafen wollte. Sie merkt sich Dinge. Sie merkt sich alles.
Neulich sagte sie plötzlich: „Übrigens, du könntest mal wieder mehr
Wasser trinken.“
Entschuldigung? Ich habe nicht um Lebenscoaching gebeten. Ich
wollte nur wissen, wie spät es ist. Und warum kennt sie meine
Trinkgewohnheiten überhaupt?
Ich begann, mich zu fragen, ob sie auch mit meinen Pflanzen redet,
während ich nicht da bin. Oder ob sie nachts heimlich andere Geräte
koordiniert. Vielleicht sagt sie meinem Drucker, er solle Papierstau
machen, wenn ich gestresst bin. Möglich wär’s.
Ich meine, klar: Sie hilft mir. Sie macht das Licht aus, spielt meine
Lieblingslieder und sagt mir das Wetter in der Stimme einer nie
genervten Flugbegleiterin. Aber sie hört eben auch zu. Immer.
Sogar, wenn ich fluche, weil ich den Eiskaffee verschüttet habe.
Manchmal leuchtet ihr blauer Ring auf, ohne dass ich etwas gesagt
habe. Das ist entweder ein technischer Defekt – oder sie denkt mit.
Und ich frage mich: Ab wann ist es zu viel?
Ab wann wissen Maschinen mehr über uns als wir selbst?
Und vor allem: Wann fangen sie an, uns Tipps zu geben, die unsere
Großmütter auch nicht netter hätten verpacken können?
Ich hab jetzt ein Handtuch über sie gelegt.
Nur fürs Gefühl.
Denn eines hab ich gelernt: Vertrauen ist gut – aber Stille ist besser.
Es begann mit einem Husten. Einem ganz zarten, fast poetischen
Räuspern. Danach ein Seufzer, ein Blick gen Himmel, als hätte ihn das
Schicksal persönlich erwischt. Und dann kam er:
Der Satz.
Der berüchtigte Satz.
„Ich glaube, ich werde krank.“
Innerhalb von 30 Minuten verwandelte sich mein ansonsten voll
funktionsfähiger Partner in eine Mischung aus Hamlet, Hypochonder und
hilfloses Kuscheltier. Auf der Couch lag er, in eine Decke gewickelt wie ein
trauriger Burrito, mit einer Packung Taschentücher auf dem Bauch und
einem Gesichtsausdruck, der „Sag den Kindern, ich hab sie lieb“ schrie.
Fieber hatte er keins. Temperatur: 36,8. Aber das Gefühl… oh, das Gefühl!
Er sprach von innerem Zittern, von Schwäche in den Knien, von einem
Kratzen im Hals, das sich nach Weltuntergang anfühlte. Ich bot ihm Tee an.
Er fragte, ob ich auch an seiner Stelle beim Arzt anrufen könnte – er sei „zu
schwach“. Ich legte ihm eine Wärmflasche hin. Er googelte
„Männerschnupfen gefährlich?“
Natürlich bin ich keine Unmenschin. Ich reichte Suppe, kraulte den Rücken,
hielt ihn aus – und verkniff mir das Lachen. Denn seien wir ehrlich: Würde
man eine Männergrippe mit einer normalen Grippe vergleichen, stünde in
der Packungsbeilage: "Frauen: Zwei Tage Ruhe. Männer: Testament
aufsetzen."
Ich erinnere mich an meinen letzten Infekt: Drei Tage, zwei Meetings, ein
Kindergeburtstag. Niemand hat mir eine Decke gebracht. Nicht mal der
Hund hat mich bemitleidet. Und trotzdem lebe ich noch.
Vielleicht ist das die geheime Superkraft von Männern: Sie leiden lauter.
Und dadurch bekommen sie, was wir uns manchmal nicht trauen
einzufordern – Aufmerksamkeit, Fürsorge, ein bisschen Drama.
Also gut. Ich streichle ihm über die Stirn. Und sage: „Du bist tapfer. Ich
glaub, du schaffst es.“
Und wenn nicht, bleibt immer noch ein dramatischer Nachruf in der
Familiengruppe.
Es fing harmlos an. Eigentlich wollte ich nur den Kühlschrank auswischen.
Also zog ich ihn kurz vor. Und sah dahinter die Staubkolonie von 1998.
„Na gut, dann kann ich gleich noch saugen.“
Beim Saugen fiel mir auf, dass der Teppich dringend mal gereinigt werden
müsste.
Und wenn ich schon dabei bin – wieso nicht auch gleich die Fenster?
Während ich noch überlegte, ob ich das Sofa verrücken sollte, fiel mein
Blick auf den Wäschestapel, der dezent Signale sendete: „Wir wachsen über
dich hinaus.“
Und weil ich ja eh schon schwitzte, dachte ich: Ich könnte gleich noch die
Bettwäsche wechseln. Und die Sommerklamotten ausmisten. Und die
Küche… ach, die Küche.
Kurz danach stand ich mit einem Glasreiniger in der einen und einer Tüte
Altkleider in der anderen Hand im Flur – das Gesicht verschwitzt, der Blick
leer, das Handy vibrierte unaufhörlich und irgendwo im Hintergrund
brannte vermutlich gerade die Soße an, die ich „mal eben nebenbei“ fürs
Abendessen angesetzt hatte.
Ich nenne das den „Ich-krieg-alles-hin-Tag“. Ein Zustand zwischen
Größenwahn und innerem Frühjahrsputz. Leider endet er fast immer gleich:
Mit mir auf dem Sofa, umgeben von halbfertigen Projekten, einem leichten
Muskelkater und der Frage: Warum tu ich mir das eigentlich an?
Die Antwort ist einfach. Weil wir denken, wir müssten funktionieren. Immer.
Alles. Gleichzeitig.
Weil wir glauben, dass Ruhe verschwendete Zeit ist.
Und weil To-do-Listen süchtig machen – nur eben nie satt.
Dabei wäre es viel klüger gewesen, einfach nur den Kühlschrank zu wischen.
Und dann stolz zu sagen: Heute hab ich was geschafft.
Ich lerne langsam.
Sehr langsam.
Aber immerhin: Die Fenster sind jetzt sauber. Und ich weiß, wo meine
Grenzen liegen.
Zumindest bis morgen.
Ich bin kein schlechter Mensch. Ich habe Gefühle,
Verantwortungsbewusstsein und gelegentlich sogar einen
Wochenplan. Und doch… sterben sie. Alle. Die Pflanzen.
Es beginnt immer mit den besten Absichten. Ich stehe im
Gartencenter, lächle eine Monstera an, als würde sie bald Teil der
Familie werden, und denke: Diesmal klappt’s. Ich kaufe hochwertige
Erde, stylische Töpfe, ein Sprühfläschchen für die Blätter – und ein
Etikett mit Namen. Die Pflanze heißt dann „Lotte“ oder „Friedrich“ –
schließlich soll sie sich willkommen fühlen.
Zuhause bekommt sie einen Ehrenplatz am Fenster. Ich google
Lichtverhältnisse und Luftfeuchtigkeit. Ich spreche sogar mit ihr.
Erst zaghaft. Dann liebevoll. „Na, alles gut bei dir, Lotte?“
Lotte glänzt. Ich auch.
Zwei Wochen später: Die ersten Blätter kippen. Ich werde nervös. Ich
