ALS ALLES BEGANN - Der Urknall fand nicht statt! - Rolf Ulrich Kramer - E-Book

ALS ALLES BEGANN - Der Urknall fand nicht statt! E-Book

Rolf Ulrich Kramer

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Beschreibung

TIEFSTE DIMENSIONEN DES WISSENS Wie entsteht Existenz? Wer schafft Leben und Welten? Vielen Menschen gilt als Antwort: das war der Urknall. Ganz anders sehen es seit Urzeiten die Legenden und Märchen vieler Völker. Ihnen zufolge entstand die Welt nicht durch ein physikalisches Zufallsereignis, sondern wurde durch Magie oder Gesang aus dem Nichts geschöpft. Unsere Tiefenerinnerungen sagen uns ähnliches. Im Versuch, Sinn und Zweck des eigenen Lebens zu begreifen, stoßen Tausende Menschen in ihren MindWalking-Sitzungen auf große und größte Zusammenhänge. Auch die Entstehungsgeschichte des Universums und von Existenz überhaupt erschließt sich. Demzufolge ist unsere Welt nicht durch einen Urknall entstanden, sondern auf spiritueller Grundlage. Sie wurde buchstäblich ins Leben gerufen – und wird es immer noch, denn auch heute noch entsteht Existenz permanent aus dem Nichts heraus. Wie Geist zu Materie werden kann und welche Grundgesetze dabei zum Tragen kommen, davon handelt dieses Buch im ersten Teil. Der zweite Teil vergleicht die Legenden zur Schöpfungsgeschichte mit den ähnlich märchenhaft klingenden MindWalking-Befunden. Wir alle haben als geistige Wesen eine Rolle dabei gespielt, sei sie klein oder groß. Wir tun es immer noch. Welche Verantwortung damit einhergeht, wird in diesem Buch deutlich gemacht. Leserstimmen: • "Die Erkenntnisse aus vielen tausenden Stunden geistiger Erkundungsreisen in wenigen Gesetzmäßigkeiten zusammengefasst. Damit wird eine neue Sicht auf die Welt nicht nur greifbar, sondern auch besprechbar. Ein Fundament für wirksames und befreiendes Training, Coaching und Management!" • „Wie ist unsere Welt entstanden? Wer oder was sind wir? Welches Potenzial steckt in uns? Das steckt für mich da drin.“ • „Alle Phänomene und Komponenten von Existenz und Bewusstsein werden hier erklärt. Besonders die Entstehung von Lebewesen hat mich berührt, gerade dass Pflanzen und Tiere eine Persönlichkeit haben weit über das Biologische hinaus.“ • „Wie das Universum und der ganze Rest verkorkst wurde. Und wie wir es anhand der Gesetze des Seins wieder in Ordnung bringen können.“ • „Erhellende Fakten, um sich selbst näher zu kommen und sich und sein Umfeld zu kapieren.“ • „Die Urmutter aller Science-Fiction-Filme mit ihrem Kampf zwischen Gut und Böse.“

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1. Auflage Dezember 2021

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Rolf Ulrich Kramer

ALS ALLES BEGANN

Der Urknall fand nicht statt!

MindWalking-Erkenntnisse zur Entstehung von Leben und Welten

OSIRIS Verlag

DER AUTOR:

Rolf Ulrich Kramer, Dipl.-Psych., ist mit internationalem Kundenkreis in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmensberatung tätig.

Er unternahm mehrjährige Reisen um die Welt per Anhalter, besuchte zahlreiche Seminare im außeruniversitären Bereich und übte sich intensiv in Yoga und verschiedene Meditationsformen.

Unter dem Warenzeichen MINDWALKING hat Kramer eine nicht-wertende, lösungsorientierte Methode der Bewusstseinsentwicklung geschaffen, die ausschließlich auf persönlichem Erleben und Erkennen beruht.

Kramer hat dazu eine Anzahl von Büchern und Artikeln publiziert. Hervorzuheben sind dabei die Bücher „Die Atlantis-Protokolle“, „MindWalking“, „Lebenserfolg“ und „Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“.

Er lebt mit Frau, Tochter und Hund in einem Dorf an der Weser.

Rolf Ulrich Kramer freut sich über Zuschriften.

Mehr bei www.mindwalking.de und auf YouTube.

Den Lektoren sei gedankt: Thomas Arnhold, Anna Kramer, Dr. Markus Novak, Annemarie Dämon und Beate Kürsteiner

Zum Gendering: Der Autor wählt aus Gründen des unbehinderten Leseflusses die traditionelle männliche Form. Er würde es begrüßen, würden Autorinnen in ihren Büchern die weibliche Form verwenden. So entstünde Vielfalt und niemand würde benachteiligt. Selbstverständlich gilt alles in diesem Buch Gesagte gleichermaßen für Damen und Herren wie auch für beliebige andere geschlechtliche Zuordnungen.

Inhaltsverzeichnis

Cover

Titel

Impressum

Das Buch im Überblick

TEIL EINS

DIE MEDITATIONEN: LEIB UND SEELE, GEIST UND WELT

Ursprung: Woher wir stammen

Berufung: Wozu wir unterwegs sind

Bewusstsein: Wie groß unser Geist ist

Wahrnehmen und Wissen: Allwissenheit für alle

Intuition: Zugang zur höchsten Ebene

Spiel: Woher das Karma kommt

Beziehung: Wir sind alle tolle Telepathen

Ethik: Wieso wir böse werden können

Gelassenheit: Damit lässt sich alles lösen

Erinnerung: Im Internet der Wesen

Wahnsinn: Wenn der Geist gestört ist

Emotionen: Wieso es auch mal in den Keller gehen kann

Seele und Leib: Wer sorgt für unser Wohlbefinden?

TEIL ZWEI

DIE KOSMOGONIE: ENTSTEHUNG DER WELT

Auf der Suche nach der letzten Wahrheit

Die spirituelle Schöpfung der Welt

Weltauflösung geplant

Eine parallele Schöpfung: Atlantis

Rebellion gegen die Schöpfung

Was aus den Göttern wurde

Zurück ins Licht

ANHANG

Die Prinzipien auf einen Blick

Quellen / Bücherliste

Das Buch im Überblick

Der Autor über den Autor

Als ich 1976 mein Psychologiestudium abschloss, hatte ich zwar viel gelesen und gelernt, von Geist und Seele aber war nie die Rede gewesen. Das galt als unwissenschaftlich. Von Gespenstern und Dämonen, schwarzer und weißer Magie, Telepathie, vergangenen Leben und wie es nach dem Tod weitergeht – davon hörte man kein Wort. Genau das aber interessierte mich. Ich litt unter nichts, brauchte keine Therapie, war einfach neugierig. Da kamen mir die Schriften der hinduistischen, buddhistischen und taoistischen Weisen aus Indien, China und Japan gerade recht. Parallel zum Studium stürzte ich mich auf sie und verfiel dem Zauberwort „Erleuchtung“. Was wussten die im Osten, das wir im Westen nicht wussten, nicht einmal ahnten?

Nicht nur von den Geheimnissen asiatischer Philosophie war man in jenen Jahren fasziniert, sondern auch von Haschisch und LSD, beides fabelhafte neuen Drogen, die weit mehr zu bieten hatten als der biedere Alkoholrausch. Ungeahnte Bewusstseinszustände eröffneten sich, eine ganze neue Kultur entstand: Hippies, Woodstock, Rock ‘n Roll. Man verknotete sich in die damals noch argwöhnisch beäugten Verrenkungen namens Yoga, saß Tag für Tag stundenlang auf der Matte festgenagelt in Meditation, erfühlte die Chakren und spürte Kundalini durchs Rückgrat schießen. Ich machte alles mit, hatte fabelhafte Licht- und Energieerlebnisse – aber mehr war es nicht. Der ersehnte Durchbruch zu jenen, in fernöstlichen Weisheitsschriften verheißenen allerhöchsten Zuständen wollte sich nicht einstellen. Ewigkeit, Transzendenz, Gott – wo war das zu finden?

Gerüstet mit meinem Psychologie-Handwerkszeug sowie meinen neu erworbenen Ideen zur Unsterblichkeit des Geistes und der Seelenwanderung tat ich mich mit Gleichgesinnten zusammen und machte mich auf die Suche. Gesprächstherapie nach Carl Rogers, die Assoziationstechnik des C. G. Jung, Gestaltpsychologie, verhaltenstherapeutische Prinzipien, Tiefenpsychologie – wenn man sie nur richtig kombinierte, geriet man ganz ohne Hypnose in fremdartiges psychisches Neuland hinein. Man stieß auf vergangene Leben, außerkörperliche Wahrnehmungen und transpersonale Verknüpfungen mit astralen Welten. In diesen Bereichen, so erwies sich bald, liegen die traumatischen Geschehnisse verborgen, welche das Verhalten eines Menschen bleibend prägen. Sie in Erinnerung zu rufen und nachzuerleben brachte Erleichterung und Erlösung. Und es brachte Erkenntnisse über ungeahnte Welten und Wesen.

Damit begann eine Erlebnis- und Abenteuerreise, die viele Jahre später die Bezeichnung MindWalking erhielt. Meine ursprünglichen Fragen nach Vergangenheit und Zukunft, nach dem Sinn des Seins und dem Wesen des Göttlichen haben damit nicht nur für mich ihre Klärung gefunden. Viele sind diesen Weg ganz oder teilweise mitgegangen. Jeder hat einen Beitrag geleistet; ohne sie wäre das vorliegende Werk nicht entstanden. Ihnen allen danke ich.

Ein paar Worte zu MindWalking

MindWalking vollzieht sich vor allem als Sitzung zwischen einem Sitzungsleiter und einem Sitzungspartner. Der Sitzungspartner hat ein Problem und geht seinen Gedanken und Erinnerungen nach, um es zu lösen. Der Sitzungsleiter stellt Fragen und macht sich Notizen. Als Endergebnis werden Zusammenhänge erkannt, die zur Problemlösung führen und das Leben leichter machen.

MindWalking versteht sich weder als Therapie oder Heilung noch als geistig-seelischer Abenteuertrip. Mit Hilfe von Beobachten und Beschreiben geistiger Eindrücke stellt der Sitzungspartner verloren gegangene Fähigkeiten wieder her, optimiert Lebensumstände und erkennt Sinn und Ziel des Lebens, überschaut Herkunft und Zukunft.

Zumindest vordergründig geht es um solche pragmatischen Ziele. Weit wesentlicher jedoch ist das Abstellen der Gedankenmühle, der inneren Geschwätzigkeit, des endlosen Stimmengeplappers, von dem sich viele Menschen enorm gestört fühlen. Als höheres, endgültiges Ergebnis von MindWalking stellt sich ein Zustand von Seelenruhe und geistigem Frieden ein, ähnlich wie ihn auch die Meditationsdisziplinen des fernen Ostens anstreben. In den Worten des großen Patanjali, um 300 vor Christus: „Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.“ 1

MindWalking kann man als Sitzungspartner von einem Sitzungsleiter als „Duo-Sitzung“ erhalten oder nach entsprechender Ausbildung bei sich zu Hause „solo“ betreiben. Als ein Akt der Mentalhygiene und der psychischen Gesunderhaltung kann Solo-MindWalking zur lebensbegleitenden Aktivität werden. Es kommt ganz darauf an, wie hoch die Decke ist, nach der man sich strecken möchte. Der eine ist rasch zufrieden, die Neugier des anderen hingegen unersättlich. Im ersteren Fall hätte man nach wenigen Stunden sein Ziel erreicht, im letzteren wäre man Jahre und Jahrzehnte beschäftigt.

Bewusstseinserweiterung kennt keine Grenzen, und insbesondere in dieser Hinsicht steht MindWalking in der Tradition geistiger Schulung in Ost und West. Geistige Befreiung geht nicht mit einem Fingerschnippen. Mit jeder Sitzung sind wir ein wenig entlasteter und ein wenig erleuchteter – ob am Ende der Reise die vollkommene Erleuchtung stehen wird, können wir nicht sagen. Das Ende der Fahnenstange, die sich mit MindWalking anbietet, hat noch keiner erreicht.

Häufig kommt bei MindWalking-Sitzungen ein Hautwiderstandsmessgerät zur Anwendung, häufig auch GSR genannt (Galvanic Skin Response meter). Seine Rückmeldungen intensivieren und beschleunigen die Sitzung. Das bei MindWalking verwendete Modell trägt den Markennamen mindwalker2 und wird hier auch so genannt werden.

Der Ablauf von MindWalking-Sitzungen mit ihren oft erstaunlichen Erinnerungsinhalten lässt sich in mehreren meiner Bücher nachlesen. Auf sie wird gelegentlich mit folgenden Abkürzungen verwiesen: MWU, „MindWalking – Unbelastet in die Zukunft“; LVO, „Lebenserfolg! – Vision und Organisation“; HJTB, „Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt“; APR, „Die Atlantis-Protokolle“.

Um langweilige Wiederholung zu vermeiden, soll es im vorliegenden Buch weniger um Sitzungsinhalte gehen, sondern vielmehr um das Weltbild, das sich bei der Sitzungsarbeit im Lauf der Jahrzehnte aufgebaut hat.

Wollen wirklich alle glücklich sein?

MindWalking beruht auf zwei Grundannahmen. Die erste: „Alle geistigen Wesen streben nach uneingeschränkter Freiheit, grenzenloser Glückseligkeit und unendlichem Bewusstsein“. Die zweite: „Eine Wahrheit erkennen wirkt befreiend“.

Beide Grundannahmen sind weder bewiesen noch überhaupt beweisbar. Um zu wissen, was alle Wesen denken, müsste man alle Wesen befragt haben, was jedoch unmöglich ist. Zwar verhalten sich diejenigen Wesen, mit denen wir bei MindWalking in Interaktion treten, diesen Grundannahmen entsprechend, indessen heißt das nichts weiter, als dass sich eben genau solche Wesen von MindWalking angesprochen fühlen. Ob es auch andere geben mag – solche, die nicht nach uneingeschränkter Freiheit, grenzenloser Glückseligkeit und unendlichem Bewusstsein streben, oder solche, die sich nach Erkennen einer Wahrheit nicht befreit fühlen –, lässt sich daher nicht sagen.

Will wirklich jeder die Wahrheit wissen?

Nun zur zweiten Grundannahme: „Eine Wahrheit erkennen wirkt befreiend“. Das weiß eigentlich jeder aus eigener Erfahrung. Hat man einen Zusammenhang begriffen oder eine Ursache erkannt, so ruft man „aha!“ und fühlt sich erleichtert und befreit. Dieser Effekt tritt selbst dann ein, wenn es sich um eine unschöne Wahrheit handelt. Ungewissheit und Lüge bewirken Spannung, Erkennen der Wahrheit löst Spannung auf.

Das gilt für den Kriminalpolizisten genauso wie für den Psychotherapeuten. Ersterer befasst sich mit der Korrektheit von Ort, Zeit, Ablauf, Beteiligten und Motiven, bei Letzterem kommt noch hinzu das Erkennen und Würdigen von Emotionen und Beziehungen. Darüber hinaus gilt dieser Grundsatz auch in einem höheren, religionsphilosophischen Sinn. In den Worten des Jesus Christus: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt (…), dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh. 8, 31-32). Das dürfte für alle Religionen gelten.

Was ist Wahrheit? Und welche Wahrheit befreit? Das, was jemand als wahr annimmt, als wahr anerkennt, das ist seine Wahrheit. Wahrheit ist die abschließende Erkenntnis einer Person zu der von ihr erfassten Wirklichkeit. So kommt jeder zu seiner eigenen Wahrheit.

Die Dimensionen dieser Wahrheitssuche sind selbstverständlich von Fall zu Fall verschieden. Dem Kriminalpolizisten geht es um die Rekonstruktion eines Verbrechens, dem Therapeuten um das Bereinigen von Beziehungen, dem Philosophen um letzte Antworten zum Sinn von Leben und Welt. Zum Abschluss der Suche entsteht Gewissheit, vorausgesetzt, die Auseinandersetzung war entsprechend gründlich und erfolgte auf Grundlage von Wahrhaftigkeit und Gewissenhaftigkeit. Gewissheit geht einher mit dem Gefühl der Befreitheit.

Der Ergänzungssatz zu „Wahrheit befreit“ würde lauten: „Wenn es befreiend wirkt, muss es auch wahr sein“. Das ist von größter Bedeutung für die Auswertung von MindWalking-Sitzungen. Wenn nämlich Menschen über Jahrzehnte hinweg in ihren Sitzungen unabhängig voneinander ohne Suggestion oder Einschulung rein subjektiv zu vergleichbaren Erinnerungen und Einsichten kamen und sich dadurch befreit fühlten, so handelt es sich um eine intersubjektive Erscheinung. Das wiederum verwiese auf eine objektive Wahrheit. Salopp gesagt: „Da muss mal was gewesen sein, wenn die alle davon reden.“

Das MindWalking-Fundament: siebenundachtzig Prinzipien

Ausgangspunkt des Teil 1 sind die „MindWalking-Prinzipen“: siebenundachtzig Lehrsätze, die das philosophische und methodische Fundament von MindWalking bilden. Sie stellen das Destillat dar aus den Erkenntnissen und Erfahrungen, die meine Sitzungsleiter-Kollegen und ich in Tausenden von Sitzungen mit Hunderten von Sitzungspartnern über vier Jahrzehnte hinweg gemacht haben.

Die Vielfalt der Beziehungen zwischen Leib, Seele, Geist, Gott und Welt ist Gegenstand der MindWalking-Prinzipien. Wir Menschen auf dieser Erde erleben uns als ein Gebinde aus Körper, Geist und Seele, und manche fühlen sich darüber hinaus mit einer göttlichen Ebene verbunden. Sie spüren das ganz authentisch von sich aus und nicht etwa, weil eine etablierte Religion es ihnen vorschriebe.

Drei wirkende Ebenen sind da permanent miteinander verwoben: unten die menschliche, körperliche, erdbezogene, darüber die Ebene der nicht-verkörperten geistigen Wesen mit ihren Interaktionen, und ganz oben die transzendentale Zone des Göttlichen. Diese althergebrachte Sichtweise hat sich bei MindWalking bestätigt.

Zur Entstehung der MindWalking-Prinzipien

Angeregt wurden die Ausarbeitung der MW-Prinzipien durch eine Diskussion des Autors mit Prof. Mike King anlässlich einer Tagung der British Psychological Society, Transpersonal Section, im Jahr 2005 in Scarborough, England. Die detaillierte Ausarbeitung der Sätze wurde 2007 in einer einwöchigen Klausur unter Teilnahme von einem Dutzend MindWalking-Trainer vorgenommen. 2019 erfolgte zum Zweck der Überarbeitung eine weitere einwöchige Klausur mit teilweise anderen Personen. Trotz des dazwischen liegenden Zeitraums von zwölf Jahren kam es zu keiner inhaltlichen Änderung. Nach wie vor erwiesen sich die Prinzipien als stichhaltig und funktional. Lediglich einige Formulierungen wurden der Klarheit halber geglättet und die Reihenfolge neu geordnet. Damit reduzierte sich die Anzahl der Sätze von ehemals hundert auf nun siebenundachtzig.

Die Formulierung der MindWalking-Prinzipien orientiert sich an der Operationalen Philosophie von Anatol Rapaport3 und den philosophischen Forderungen von R. G. Collingwood hinsichtlich einer logisch fundierten Arbeitsweise.4

Wohlgemerkt ist keins dieser Prinzipien in Stein gemeißelt. Jedem wäre der Vorspann vorauszuschicken: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand …“. Es könnte sich also alles noch ändern, sobald entsprechende Beobachtungen gemacht werden.

Teil 1: Meditationen zu Leib und Seele, Geist und Welt

Bekanntlich heißt Meditieren nicht nur „stundenlang konzentriert im Lotussitz verharren“, sondern kann auch bedeuten „seine Gedanken schweifen lassen und Erkenntnisse gewinnen“. Genau das geschieht hier.

Je länger man die Dimensionen des Geistes ausleuchtet, desto zahlreicher die Erkenntnisse zu Gott und Geist, Leib, Seele und Welt. In diesem Beziehungsgeflecht stehen wir alle, und davon handelt Teil 1, die „Meditationen“. Ausgehend von den MW-Prinzipien unternehme ich als Autor ausgedehnte philosophische Spaziergänge durch die reale und astrale Welt, und der Leser ist herzlich eingeladen, mich zu begleiten.

Teil 2: Die spirituelle Entstehung des Kosmos

Reisen bildet, so heißt es, und das gilt auch für Reisen durch die geistige Welt. Sie führen zu einem neuen Bild der Welt. Obwohl MindWalking selbst keine Weltanschauung ist, sondern lediglich eine Methode, führt deren Anwendung dennoch unvermeidbar zu neuen Sichtweisen. Im Vergleich gesprochen ist MindWalking nichts weiter als ein Dosenöffner. Hat man so einen Dosenöffner erst einmal vierzig Jahre lang benutzt, so wie ich es getan habe, und die oft überraschenden Inhalte unzähliger Dosen zur Kenntnis genommen, so kommt man nach einer Weile nicht umhin, Ähnlichkeiten, Gleichheiten und Unterschiede zu entdecken. Ohne dass man es möchte, entsteht eine zutiefst persönliche Weltanschauung. Es ist, als enthielte jede dieser geöffneten Dosen einen Splitter oder eine Scherbe. Setzt man sie nur richtig zusammen, so wie die Altertumsforscher das bei ihren Ausgrabungen tun, wird eine Vase draus.

Ein Beispiel dafür gibt mein Buch „Die Atlantis-Protokolle“. Dort sind Sitzungserinnerungen an die Zerstörung der Erde zusammengestellt, eine in vielen Volkslegenden bezeugte globale Katastrophe, im Alten Testament erwähnt als „Sintflut“. Die Vielzahl der von MindWalking erweckten Erinnerungen fügte sich über die Jahre zusammen zum Gesamtbild eines prähistorischen Ereignisses. Die Methode kann nichts dafür; es geschieht von selbst. Ungewollt stößt der Sitzungspartner darauf.

Über die Atlantis-Katastrophe und ihre Vorgeschichte hinaus fördert MindWalking noch tiefere, viel weiter zurückliegende Erinnerungen zutage. Sie verdichten sich zu einem Epos von der Entstehung des Kosmos durch spirituelle Kräfte - lange, bevor es zum Urknall kam. Diese riesige Zeitspanne ist Thema von Teil 2.

Eine Empfehlung an den Leser

Am besten, Sie lesen erst Teil 1 und dann Teil 2. So mancher Leser möchte vielleicht am liebsten gleich mit Teil 2 einsteigen, weil er mehr Spaß und Spannung verspricht als der vermutlich langweilige Teil 1 mit seinen philosophischen Meditationen. Schon, schon. Nur ist manches in Teil 2 nicht verständlich ohne Teil 1. Viele Wörter und Konzepte, da in Teil 1 geklärt, werden in Teil 2 ohne erneute Erklärung verwendet. Das kann zur Verwirrung führen. Deswegen: am besten erst Teil 1; das ist das Fundament. Davon abgesehen, steckt auch Teil 1 voller Spaß und Spannung!

TEIL 1, DIE MEDITATIONEN: LEIB UND SEELE, GEIST UND WELT

Ursprung: Woher wir stammen

Dieses Kapitel behandelt den Aktionsablauf als grundlegende Gesetzmäßigkeit des Seienden.

1.Das grenzenlose Potenzial, welches alle Möglichkeiten des Seins beinhaltet und aus dem alles Seiende entsteht, heißt Allbewusstsein oder auch Allsein.

Lauter schwierige Wörter …

Gleich zu Beginn jede Menge anspruchsvoller Begriffe? Leider geht es nicht anders. Klären wir sie einen nach dem anderen:

Der Begriff Potenzial bedeutet, abgeleitet von einem lateinischen Wort für „können“: das, was sein könnte oder was man können könnte; das, was möglich ist. Es ist der Zustand des Wissens um Möglichkeiten, der Zustand vor jeglicher Aktion. Zum Beispiel könnte man seinen rechten Zeigefinger heben oder es bleiben lassen. Man hat das Potenzial zum Heben des Fingers, es ist einem möglich; man weiß das. Hebt man seinen Finger dann, so hat man sein Potenzial durch die Tat unter Beweis gestellt. Die Behauptung einer Möglichkeit („ich könnte es tun“) wurde zur Tatsache („ich habe es getan“).

Weiß man um seine Möglichkeiten, so ist man sich ihrer bewusst. Ähnlich wie das Potenzial ein Zustand ist, ist auch Bewusstsein einer, nämlich der Zustand bewussten Seins oder „wissenden Seins“. Bewusstsein ist kein absoluter Zustand, kein „ganz oder gar nicht“, sondern es hat Abstufungen vom hochgradig bewussten Sein über das weniger bewusste Sein bis hinunter zum nicht-bewussten Sein. Ein Stein zum Beispiel hat ein physisches Sein, denn er ist da, er liegt dort auf dem Acker, aber dessen ist sich der Stein nicht bewusst. Somit verfügt er nicht über Bewusstsein. Weder hat er sinnliche Wahrnehmung, noch denkt er über sich selbst nach.

Zustände, ob Wissen oder Bewusstsein, haben keinen Ort, keine Gestalt und keine Farbe, man kann weder drauf zeigen noch sie anfassen. Deswegen sind sie transzendental zu nennen. Transzendental kommt von lat. transcendere, hinüberschreiten, und bedeutet „jenseitig“. Was transzendental ist, liegt jenseits aller Dimensionen und Grenzen, jenseits von Zeit und Raum und jeglicher Messbarkeit.

Mit und ohne Dimensionen

Dimension bedeutet Ausdehnung oder Ausmaß. Die messbare Welt hat Dimensionen. Für die menschliche Orientierung im Raum reichen Länge, Breite, Höhe und Dauer aus. Eine gedachte Strecke von A nach B ist eindimensional; eine gedachte Fläche mit den Ecken A, B und C ist zweidimensional. Dieselbe Fläche als ein Blatt Papier ist bereits dreidimensional, denn das Blatt verfügt über eine Höhe. Weil ein Blatt Papier nicht ewig hält, existiert es in der Zeit, ist also vierdimensional. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Dimensionen, beispielsweise Temperatur, Farbigkeit, Geräuschpegel, Helligkeit usw. Wie viele man hinzu nimmt, hängt davon ab, was man erfassen will. Jede Dimension verläuft in Abstufungen von minimal bis maximal.

Dimensionen kennzeichnen die messbare Welt, in der wir leben, das Diesseits. Das Allbewusstsein hingegen ist jenseits des Messbaren, jenseits aller Grenzen, eben „transzendental“. Im Unterschied zum persönlichen Bewusstsein ist das Allbewusstsein kein variabler Zustand. Das Allbewusstsein ist fortwährendes Potenzial, ununterbrochen, unendlich, grenzenlos. Weil es sich nicht mit Bezug zu irgendetwas messen oder ermessen lässt, ist es nicht „relativ“, sondern absolut. Das kommt von lat. absolutus, losgelöst, und bedeutet „frei von Makeln, Fehlern, Bedingtheiten, Maßstäben“.

Jenseits des physikalisch Messbaren

Von Menschen sagen wir, sie seien in diesem oder jenem Bewusstseinszustand. Wir unterscheiden also zwischen einem menschlichen Wesen und seinem Zustand des Bewusstseins. Anders gesagt, ein Wesen ist nicht Bewusstsein, sondern hat Bewusstsein. Bewusstsein hat somit einen Träger, nämlich ein Wesen, das sich als Ich begreift. Im Unterschied dazu gilt für das Allbewusstsein: es ist ein Bewusstsein ohne Träger, ein absolutes, transzendentales Potenzial, das aus sich selbst heraus seiend ist. Es ist ein Sein jenseits aller Individualität, gleichzeitig jedes individuelle Sein enthaltend.

Nicht nur Wissen und Bewusstsein sind Zustände, sondern auch Glück oder Gesundheit. Auch Glück und Gesundheit haben weder Länge, Breite, Höhe noch Dauer, denn sie sind nicht physisch vorhanden. Lediglich potenziell sind sie vorhanden; sie stellen eine Möglichkeit des Erlebens dar. Dass wir Glück nur für einen bestimmten Zeitraum spüren und manchmal mehr und manchmal weniger, das liegt an uns, nicht etwa am Glück selbst. Glück ist als Potenzial gegeben, ob wir es spüren oder nicht. In welchem Ausmaß wir Glück real erleben, das ist unsere Sache, dafür kann das Glück nichts.

Zustände wie Bewusstsein oder Glück lassen sich subjektiv erfassen im Sinne von „heute mehr bzw. weniger als gestern“. Es gibt hier also durchaus ein Mehr-oder-weniger, doch hat es keine physikalische Messbarkeit im Sinne von Gramm oder Zentimetern.

Maya: mitten im Messbaren

Ob Streichholzschachtel oder physikalisches Universum, beide nehmen Raum ein und existieren in der Zeit, denn sie halten nicht ewig. Ohne Dimensionen kein Raum, sondern Leere. Mit „Leere“ ist nicht etwa gemeint: ein Raum mit nichts drin, ein leerer Raum, sondern: eine Unendlichkeit, in der mit Hilfe von Dimensionen keinerlei Raum abgesteckt ist.

In „Dimension“ steckt das lateinische Wort dimetire, wovon sich „abmessen“ und „Meter“ ableiten. Dahinter wiederum steckt maya, ein Begriff aus dem Sanskrit, der archaischen indischen Sprache.5Maya, das ist die messbare Welt, in der wir leben, die wir sinnlich erfahren und vermessen und deswegen „Realität“ nennen. Abgeleitet von dem lateinischen Wort res, was Ding bedeutet, ist es die Welt der Dinge. Weil in der messbaren Welt alle möglichen Kräfte miteinander und gegeneinander wirken, handelt es sich um einen Ort des Wirkens: um die „Wirklichkeit“.

Jenseits der messbaren Welt des maya ist die Grenzenlosigkeit des Potenzials, die „Fülle des Nichts“. Die Christen bezeichnen es als „die göttliche Allmacht“, die Hindus nennen es Brahman, die Schüler des Lao-tse Tao. Die Buddhisten kennen keinen gesonderten Begriff dafür, sondern umschreiben es mit: „Vollkommenheit der Weisheit, frei von Konzepten, ungeboren, ungehindert, Essenz des Raumes; Sphäre der Aktivität zeitlosen Gewahrseins, selbsterkennend und unterscheidend.“6 Platon, ein Philosoph des antiken Griechenland, nannte es den „unbewegten Beweger“.

Wir leben mit Blick auf die Zukunft

Der Zustand „Bewusstsein“ hat eine Besonderheit, denn er verfügt über zwei Abteilungen. Erstens kann man sich dessen bewusst sein, was mal war und was gerade ist; zweitens kann man sich dessen bewusst sein, was sein könnte. Ersteres wäre ein Bewusstsein des faktisch Geschehenen und Gegebenen, Letzteres ein Bewusstsein der Möglichkeiten, des Potenzials.

Wird das Potenzial aktiviert, so entsteht eine Welt wirkender Kräfte: die Wirklichkeit. Ein einfaches Beispiel auf physischer Ebene: ich könnte mir eine Tasse Kaffee machen. Eine pure Idee wäre das, ein visionärer Blitzgedanke, ein Bewusstsein des Möglichen. Nun setze ich die Idee in die Tat um, lasse die entsprechenden Kräfte wirken, und siehe da: eine Tasse Kaffee ist Wirklichkeit geworden. Mit Länge, Breite, Höhe, Dauer, Ort, Temperatur, Geschmacks- und Genussdimensionen.

Nun einige Beispiele für die spirituelle Ebene: man könnte eine Erinnerung aufrufen, sich die Zukunft ausmalen, telepathischen Kontakt mit einem lieben Menschen aufnehmen. Man könnte. Tut man es dann wirklich und faktisch, so erschafft man mentalenergetische Bilder und Interaktionen. Sie haben Dichte, Dauer und Intensität, ganz in Parallele zur physischen Ebene.

Indem wir wissen, was wir tun könnten, planen wir den morgigen Tag und die nächste Woche. Wir leben im Jetzt mit Blick auf die Zukunft.

Feinstofflich oder grobstofflich – also wie nun?

Drei Begriffe wurden oben genannt: „physisch“, „spirituell“ und „mentalenergetisch“. Zur Förderung von Klarheit und Logik der Darstellung sind sie sorgfältig auseinanderzuhalten. Mit „physisch“ ist gemeint der materielle, mit den fünf Sinnen des Körpers wahrnehmbare Bereich. Mit „spirituell“ ist gemeint: das, was wir als Geistwesen tun. Wenn wir uns auf Erinnerungen und Vorstellungen konzentrieren oder uns telepathisch betätigen, betreiben wir einen Kraftaufwand; wir agieren „mentalenergetisch“, so das MindWalking-Fachwort. Der spirit setzt Mentalenergie ein. Umgangssprachlich verwendet man häufig die Wörter „grobstofflich“ für das Physische und „feinstofflich“ für das Mentalenergetische.

Ein Sitzungsbeispiel: Kontakt ganz nah am Jenseits

Das oben Gesagte mag wie ein metaphysisches Gebräu nach asiatischer Rezeptur riechen, als hätte der Autor schnell mal Hinduismus, Buddhismus und Taoismus in einen Topf geworfen, kurz umgerührt, ein paar altehrwürdige christliche Begriffe wie „Diesseits“ und „Jenseits“ drunter gemixt und diese laue Suppe schließlich als angeblich innovative MindWalking-Philosophie serviert. Oder?

Dem ist nicht so. Die diesbezügliche Literatur war mir, dem Autor, zwar lange vor der Ausarbeitung von MindWalking bekannt, doch wie sich das Transzendentale „anfühlen“ würde, davon hatte ich nicht die geringste Ahnung. Tatsächlich handelt es sich hier um eine der vielen Entdeckungen, die wir bei MindWalking machten und Jahre später in Form der MindWalking-Prinzipen festhielten.

Wie es dazu kam: In 2004 gab mir Bernd eine Sitzung zu einem von mir gewählten Thema, also der übliche Einstieg. Es kam zum telepathischen Kontakt mit einem körperlos umhergeisternden Wesen, auch dies nicht unüblich. Um solch ein Wesen von seinem Leid oder seiner Bösartigkeit zu erlösen, je nachdem, würde man es normalerweise zu dem Urerlebnis zurückführen, mit dem Leid oder Bösartigkeit begannen, in der Regel ein Geschehnis von extremer Überwältigung oder gar spiritueller Vernichtung. In diesem Fall war es jedoch anders. Das Wesen fühlte einen tiefen Seelenschmerz wegen Verlustes der Urheimat. Als das Wesen mir diese Urheimat beschrieb, übermittelte sich mir so etwas wie ein Chor aus Tausenden von Stimmen. Jede sang ihr Lied und doch waren alle im Einklang, ein Singen ohne Beginn und Ende, ein Auf und Ab einander durchwebender Stimmen ohne jede Selbstbehauptung, ohne jedes Sich-Vordrängen. Alle in vollendeter Harmonie, ein Lichtraum mit unzähligen schwebenden, singenden Lichtern.

Es erinnerte an die Madrigalchöre mittelalterlicher Mönche, wo sich jede Stimme mal hebt, mal senkt, jedoch keine je dominant wird. Deswegen nannten Bernd und ich diesen neu entdeckten Bereich die „Madrigalwelt“ – eine Welt, wo es durchaus Einzelne gab, diese sich aber nicht getrennt voneinander fühlten, sondern sich als ein Ganzes begriffen, als ein Wir, dass kein Ich kennt.

Dort, in jener „Zone“, sah das angesprochene Wesen seine Heimat – so schien es zunächst. Dann aber zeigte sich, dass seine wahre Heimat noch eine Etage höher lag, noch jenseits dieses harmonischen Wir – und nach freudvollem Nacherleben dieses seines Ursprungs löste sich das Wesen von mir und dieser Welt und entschwand in die Seligkeit. Ihm dorthin zu folgen war selbstverständlich unmöglich, denn die Seligkeit ist kein Ort, sondern der in Satz 1 beschriebene transzendentale Zustand. Die Sitzung selbst verlief sozusagen „ganz nah am Jenseits“, denn das Jenseits selbst lässt sich aus den oben angeführten Gründen nicht erfassen.

Jenseitskontakte mehren sich

Es blieb nicht bei diesem einzigen Erlebnis. Wie als habe sich ein Vorhang gehoben, der einen Blick hinter die Kulissen gestattet, einen Blick auf den unendlichen Raum hinter der Bühne, traf ich in der Folge immer wieder auf Wesen, die den Verlust der Urheimat beklagten, ihren Weg dorthin zurück fanden und einem eine Ahnung vermittelten, wie es sich „dort“ anfühlt. Immer mehr hörten und spürten wir in unseren Sitzungen von diesem transzendentalen Zustand, immer vielseitiger wurden die Berichte. Selbstverständlich machten ebenfalls wir selbst in unseren Solositzungen die Erfahrung, wie sich das Nichts „anfühlt“ – was selbstverständlich eine paradoxe Ausdrucksweise ist, denn weder fühlt sich das große Nichts irgendwie an, noch lässt sich die Ahnung vom Nichtsein in Worte fassen.

Unsere Sprache ist zu sehr auf Dinglichkeit, Aktion und Kräftespiel bezogen, um einen Zustand jenseits von Dinglichkeit, Aktion und Kräftespiel zu beschreiben. Allenfalls „Glückseligkeit“ träfe einigermaßen zu, im Sanskrit sat-chit-ananda: glückseliges bewusstes Sein, womit allerdings nicht das abgegrenzte, existierende Sein des erlebenden Individuums gemeint ist, sondern das Teilhaben am Zustand des Allseins. Allein Musik und Poesie wären die angemessenen Ausdrucksmittel hierfür, weit besser als die Sprache eines Sachbuches.

2.Das Allbewusstsein vermag sein Potenzial in Form von Gedanken zu aktivieren. Dadurch geschieht Veränderung.

Welches „Wort“ sprach Gott?

In Satz 1 hieß es, das Allbewusstsein sei sich seiner selbst bewusst. Dieses Bewusstsein ist allumfassend, allgegenwärtig und allwissend. Indem es allwissend ist, weiß es, dass es ist und wie es ist, und es weiß, dass es weiß und was es weiß. Doch kein totes Nichts ist es, keine statische, leere Ereignislosigkeit. Vielmehr verfügt das Allbewusstsein über die Möglichkeit der Gestaltung. Aus der „Fülle des Nichts“ gestaltet sich die Fülle des Etwas. Das ist mit Satz 2 gemeint (wie sich diese Gestaltung vollzieht, folgt in späteren Sätzen; wie es „historisch“ ablief, ist Thema von Teil 2).

Indem das Allbewusstsein auf höchster abstrakter Ebene über die Möglichkeit verfügt, Potenzial zu aktivieren, verfasst es Gedanken. Damit bewirkt das Allbewusstsein Veränderung. Die Gedanken des Allbewusstseins haben die Form eines Postulats: „Es möge sein“. Etwa so wie der biblische Gott, als der sagte: „Es werde Licht“. Damit verfasste er den abstrakten Gedanken „Licht“. Über einige weitere Gedanken entstand so aus dem Nichts ein Etwas, nämlich die Welt, in er wir leben (behauptet das Alte Testament).

Das Allbewusstsein tritt demnach in Erscheinung in Form bestimmter Gedanken. Somit erschafft nicht Gott selbst die Welt, sondern lässt sie erschaffen mit Hilfe bestimmter Gedanken, griechisch logos. Logos wird von Martin Luther im Johannes-Evangelium mit „Wort“ übersetzt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ (Joh. 1,1-3). Das hat sich uns mit MindWalking bestätigt, wie sich im weiteren Verlauf dieser Prinzipien und in Teil 2 zeigen wird.

Gott? Oder das Göttliche?

Es versteht sich von selbst, dass Johannes mit „Gott“ hier keinen auf Wolken daher segelnden Muskelprotz mit wallendem Bart meint, wie von Michelangelo an der Decke der Sixtinischen Kapelle verewigt. Vielmehr bezieht sich der Evangelist auf das Göttliche als ein Prinzip, verstanden im Sinn von Allbewusstsein. Dieses Göttliche ist weder ein Er noch eine Sie, sondern vielmehr ein Es, zum Glück also geschlechtsneutral: das Göttliche. Im weiteren Text wird es gleichbedeutend mit Allbewusstsein verwendet.

Vermögen ist noch lang kein Tun

Wenn es oben in Satz 2 heißt, das Allbewusstsein vermöge Gedanken zu verfassen, so wird ihm damit eine Fähigkeit zugeschrieben, derer es sich nach Gutdünken bedienen könnte – oder auch nicht. Denn „vermögen“ bedeutet: Man könnte etwas tun oder auch nicht.

Zur Unterscheidung: Mit „Fähigkeit“ ist der Zustand vor dem Tun gemeint, die Anlage für ein Tun. „Fertigkeit“ hingegen bezeichnet den Vollzug des Tuns sowie dessen Qualität, ob es locker geht, flott, mühsam, unbeholfen, was auch immer. Nur über die Demonstration von Fertigkeit wird eine Fähigkeit glaubhaft.

Das trifft für das Allbewusstsein genauso zu wie für uns geistige Wesen, denn für das transzendentale Potential gelten die gleichen Gesetzmäßigkeiten wie für den spirituellen Bereich von uns Geistwesen. Mit einem Gedanken beginnt es. Er ist Ausgangspunkt für Veränderung. „Veränderung“ bedeutet, man wünscht, es möge etwas anders sein, als es gerade ist – aber auch, es möge etwas geben im Unterschied zu nichts, und ebenso, es möge nichts geben im Unterschied zu etwas.

Wissen kann keiner sehen

Mit Gedanke ist im MindWalking-Fachjargon grundsätzlich gemeint: der reine, abstrakte Begriff. Nicht gemeint ist „in Wörtern, Sätzen oder Bildern denken“, „sich Gedanken machen“ oder „an jemanden oder etwas denken“. Da würde man sich auf etwas Bestimmtes konzentrieren, da hätte man Erinnerungs- oder Vorstellungsbilder. Beides wären mentalenergetische Vorgänge, denn sie erfordern einen geistigen Kraftaufwand. Hingegen sind Gedanken in ihrer reinen, abstrakten Form zwar aktiviertes Potenzial, jedoch nicht in mentalenergetischer Form, denn sie sind weder Bilder noch innerer Monolog.

Gedanken sind der abstrakte Ausgangspunkt für Veränderungen im physischen und mentalenergetischen Bereich. Die Sache vollzieht sich auch hier auf den schon genannten drei Ebenen: oben das Abstrakte, dazwischen das Spirituelle, unten das Physische. Denkt man beispielsweise an einen Apfel, so beginnt dieser Vorgang mit einem Begriff. Man weiß, was ein Apfel ist, man kennt Äpfel, man hat sie tausendfach erlebt. Dadurch hat man sich einen Begriff geformt. Nur weil man den hat, kann man überhaupt an einen Apfel denken. Umgekehrt hätte man ohne Erlebnisse mit Äpfeln keinen Begriff von ihnen und könnte deswegen auch nicht an sie denken. (Statt „Begriff“ wird in diesem Buch häufig „Konzept“ verwendet, das sich aus dem lateinischen Wort für Begreifen ableitet; beide Wörter bedeuten also dasselbe.)

Der Begriff „Apfel“ ist kein Vorstellungs- oder Erinnerungsbild und schon gar kein konkreter physischer Apfel zum Reinbeißen. Vielmehr ist er als Begriff ganz oben angesiedelt, auf der höchsten Ebene, der abstrakten. „Abstrakt“ kommt von lat. abstractus, „weggezogen“. Das Abstrakte ist „weggezogen“ vom Konkreten. Das Konkrete wiederum ist etwas „Verdichtetes“, lat. concretus.

Auf abstrakter Konzept-Ebene enthält der Begriff „Apfel“ sämtliche möglichen Äpfel. Eine Etage tiefer, auf der mentalenergetischen Ebene, wird es konkreter, da findet sich das Vorstellungsbild von einem ganz bestimmten Apfel oder die Erinnerung daran. Der sinnlich wahrnehmbare Apfel schließlich, in den man reinbeißen kann, existiert auf der physischen Ebene. Er ist konkret. Kurz gesagt: abstrakter Gedanke, geistiges Bild und physische Realität sind auf drei unterschiedlichen Ebenen lokalisiert.

Die abstrakte Ebene steht „oberhalb“ der energetischen Verwirklichung; deswegen kann man sie nicht „sehen“, sondern nur wissen. Wissen ist abstrakt. Ein Vorstellungs - oder Erinnerungsbild hingegen ist schon konkreter, das kann man mit dem geistigen Auge tatsächlich sehen. Nicht nur die eigenen mentalen Bilder kann man sehen, sondern auch die anderer Personen; so konkret sind diese manchmal. Den physischen Apfel schließlich, den kann man mit den körperlichen Sinnen sehen, abtasten, riechen und schmecken.

3.Verfasst das Allbewusstsein einen Gedanken, so entsteht ein Aktionsablauf.

Man macht sich’s gerne schön

Ein Aktionsablauf besteht aus den Komponenten Start-Aktion-Stopp. Man hat ein Ziel, startet das Auto, fährt los, kommt an, stoppt das Auto. Den Beginn markiert ein Gedanke. Damit Aktion in Gang kommt, bedarf es der Energie, der wirkenden Kraft. Was dabei als Resultat herauskommt, ist eine neue physische oder mentalenergetische Konfiguration von Teilen oder Teilchen oder die Veränderung einer schon bestehenden: das Auto steht an einem anderen Ort.

Ein simples Beispiel aus dem menschlichen Leben: man wünscht die ewige Unordnung in der Küche nicht länger zu ertragen. „Ordnung“ wäre damit der gedanklich angestrebte Idealzustand. Die Lösung wäre ein Geschirrschrank. Den baut man entweder selbst oder kauft einen. In beiden Fällen nimmt man ein Sein an, das eines Tischlers oder das eines Käufers. Zwecks Realisierung muss man nun etwas tun. Man setzt Muskel- und Maschinenkraft ein, aktiviert also sein Energiepotenzial, um das Möbel zu bauen oder zu transportieren. Was man dann am Ende hat, ist ein in die Küche schön eingepasster Geschirrschrank.

Hat man aber auch die Ordnung? Wenn nicht, erfolgt ein weiterer Aktionsablauf: der Esstisch muss woanders hin. Und so weiter und so fort, bis endlich die ersehnte Ordnung hergestellt ist. Ein Aktionsablauf nach dem anderen.

Vom Geist in die Materie

Anstelle von Start-Aktion-Stopp könnte man genauso gut sagen: Absicht-Kraft-Ergebnis oder Sein-Tun-Haben. Es läuft auf dasselbe hinaus. Ebenfalls könnte man sagen: Gedanke-Energie-Materie. Denn das Ergebnis eines Aktionsablaufs ereignet sich unausbleiblich auf physischer Ebene. Ein abstrakter Gedanke realisiert sich zum guten Schluss in den Dimensionen Länge, Breite, Höhe, Dauer. Der schöpferische Gedanke eines Malers verdichtet sich zum Bild, der eines Musikers zur Komposition und der eines Tischlers zum Küchenschrank. Yoga und Massage finden mit physischen Körpern auf realen Matten oder Liegen statt. Egal wo man hinschaut, es beginnt im Geist und endet in der Materie. Selbst das Vorstellungsbild, was sich jemand geistig ausmalt, ist ein aus verdichteter Mentalenergie geformtes vierdimensionales Gebilde (davon später mehr).

Woher die Welt, in der wir leben?

Damit ein Aktionsablauf in Gang kommt, braucht es ein verursachendes Sein. Ein solches verursachendes Sein sind nicht nur wir, wenn wir uns Küchenschränke ausdenken, sondern selbstverständlich auch das göttliche Allbewusstsein. Auf dem Umweg über absichtsvolle Gedanken erschafft es Welten, zum Beispiel diese hier, in der wir leben. Es wirkt schöpferisch. Wie es das tut, wird sich in späteren Sätzen erschließen. Wieso es das tut, wissen wir nicht.

Genauso wenig, wie wir wissen, wieso das Göttliche Welten erschafft, erschließt sich uns, warum sie ein Ende haben sollen. Offensichtlich unterwirft sich das Allbewusstsein einem Aktionsablauf. So zumindest erscheint es uns bei MindWalking, und ganz ähnlich sehen es Hinduismus, Taoismus und Christentum. Laut Neuem Testament (im Unterschied zum Alten) wird die Welt beendet sein, sobald alle Seelen ihren Weg zum „Vater im Himmel“ zurückgefunden haben. Der Hinduismus kennt einen göttlichen Aktionsablauf in Form von Erschaffen-Erhalten-Auflösen:

Brahman, das universelle Sein, teilt sich auf in die drei Aspekte Brahma (ohne n), der Schöpfer – Vishnu, der Erhalter – Shiva, der Auflöser. Durch deren Interaktion entstehen und vergehen die von Brahman postulierten Welten. Laut Lao-tzu wiederum ist es das das Tao, welches die Welt zum Werden und Vergehen bringt. Dies geschieht durch Verdichtung des Ch ´i, etwa wie Dampf zu Wasser wird und Wasser zu Eis gefriert. Dadurch entstehen die Dinge. Durch Zerstreuung vergehen sie wieder, so wie Eis schmilzt und zu Wasser wird. Die Bewegung des Tao ist die Rückkehr. Es „fließt“ zurück in die Leere seines Ursprungs (wújí).7

Folglich umfasst ein Aktionsablauf auf der Ebene des Allbewusstseins sowohl das Erschaffen wie auch das Entschaffen einer Welt. Auf menschlicher Ebene hingegen wären dies zwei aufeinander folgende Aktionsabläufe: im ersten erschafft man etwas, weil man es gerne haben will, im zweiten wird es abgebaut oder zerstört und anschließend entsorgt, weil man es nicht mehr haben will. Beides vollzieht sich auf physischer, grobstofflicher Ebene, insofern lediglich Partikel von A nach B verschoben werden. Im gängigen materialistischen Weltbild gilt Einsteins Formel E=mc2: Energie kann in Materie umgewandelt werden und umgekehrt. Entweder es entstehen Atome aus Energie, oder aber man zertrümmert Atome und Energie entsteht. Will heißen: auf physischer Ebene wird nicht entschaffen, sondern lediglich umgeschichtet. Hingegen wäre auf der Ebene des Allbewusstseins nur das Entschaffen gültiger Abschluss eines Aktionsablaufs. Damit hätte sich das Ende einer Welt vollzogen: aus dem Nichts, Brahman, vollzieht sich über Brahma die Schöpfung und damit die Welt der wirkenden Kräfte und ihre Fortdauer, Vishnu, die sich anschließend über Shiva zurück ins Nichts auflöst. (Wie sich das Entschaffen genau vollzieht, kommt in späteren Sätzen.)

4.Ein Aktionsablauf ist erst dann endgültig abgeschlossen, wenn Erfüllung eingetreten ist oder er als nicht mehr notwendig erachtet wird.

Wie lange läuft das Hamsterrad?

Zwischen dem Gedanken zu Beginn und der materiellen Ausführung am Ende ist eine Spannungsdynamik gegeben: man möchte den Gedanken umgesetzt wissen und ist gespannt darauf, ob es so werden wird, wie man es sich zu Anfang gedacht hat. Nehmen wir als Beispiel einen Bäcker. Kommen die Brötchen so knusprig aus dem Ofen, wie er sich das vorgestellt hat? Leider nicht immer. Es kann schief gehen, und auch das ist ein Ergebnis. Leider erfolgt auf jedes Tun unweigerlich ein Ergebnis, egal , wie es ausfallen mag. Auch muffelige oder verkohlte Brötchen sind ein Ergebnis. Man kann einfach nichts tun, ohne dass nicht auch irgendetwas dabei herauskäme. Aber „irgendetwas“ reicht einem nicht; vielmehr möchte man einen bestimmten Zustand in selbst festgelegter Perfektion hergestellt sehen. Das ist der Auslöser für nicht nur einen Aktionsablauf, sondern für viele, eben bis der erwünschte Zustand erreicht ist. Das wäre die Erfüllung.

Kurz, ein Aktionsablauf beruht auf der Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll, anders gesagt: auf der Differenz zwischen einem idealen Haben (im Geist) und dem realen Haben (in der Welt). Die Dinge sind nicht immer so, wie wir es gerne hätten, deswegen unternehmen wir Schritte zur Verbesserung (siehe LVO).

Wer also ernsthaft eine Vorstellung vom idealen Brötchen hätte, dem bliebe nichts anderes übrig, als sie so oft und immer wieder zu backen, wie er eben braucht, um seinem Ideal nahe zu kommen. So lange läuft das Hamsterrad. Ein Aktionsablauf nach dem anderen. Bis es denn „gut“ ist.

Ende gut, alles gut

In der Volksweisheit „Ende gut, alles gut“ steckt genau diese Wahrheit. Geht es nämlich gut aus, so hat sich ein Wunsch erfüllt. Das Getane entschwindet aus dem Sinn, außer wenn gelegentlich einmal die Sprache drauf kommt, und dann erscheint es einem als freudige Erinnerung. Falls aber etwas schief ging, denkt man ewig darüber nach.

Gut ist ein Ende auch in dem Fall, wenn ein Projekt wegen veränderter Umstände nicht mehr erforderlich ist. Hörte beispielsweise ein Spaziergänger einen Ertrinkenden um Hilfe rufen, und entdeckte er – während er schon seine Kleidung abwirft, um sich ins Wasser zu stürzen – ein Rettungsboot mit Kurs auf den Verunglückten, so würde er seine mutige Rettungsaktion guten Gewissens abbrechen dürfen.

Entfällt die Notwendigkeit der Optimierung eines Habens, dann braucht es auch kein Tun und Sein mehr. Der Aktionsablauf fällt in sich zusammen. Im obigen Beispiel: wo keiner am Ertrinken ist, braucht auch keiner Retter sein.

5.Das Allbewusstsein erstrebt den Abschluss von Aktionsabläufen, damit der transzendentale Zustand vor Beginn aller Aktionsabläufe wieder hergestellt ist.

Gottes Spiel ist lila

Nach allem, was sich uns bei MindWalking in unseren Sitzungen erschlossen hat, scheint das Göttliche alles zu unternehmen, um die von ihm ins Leben gerufene Schöpfung wieder aufzulösen, damit alles zurückkehre in den Ausgangszustand statischer Harmonie (wie es dabei im Einzelnen zuging, ist Gegenstand von Teil 2).

Gab es zuvor je ein reines Nichts ohne jegliche Welt, eine unterschiedslose Leere? Wir wissen es nicht. Wir, die Geschöpfe, können allenfalls bis zu unserem eigenen Ursprung zurückdenken. Wir vermögen uns zu erinnern, wie dieser verlief. Was sich das Göttliche dabei gedacht haben mochte, als es diese ganze Welt ins Leben rief, das können wir allenfalls ahnen. Es scheint aber, als fände das Göttliche größtes Vergnügen am Erschaffen und Entschaffen von Welten. Im Sanskrit kennt man dafür den Begriff lila: das Spiel des Göttlichen mit sich selbst.

Nicht nur das Göttliche hat’s gerne gemütlich

Nicht nur das Göttliche erstrebt Harmonie durch den finalen Abschluss von Aktionsabläufen, auch wir geistige Wesen tun das. Vor jeglichem Beginn sind wir heiter und entspannt. Indem wir an nichts denken, leiden wir unter keiner Erfüllungsnot. Deshalb haben wir keinerlei Stress. Wir befinden uns im Zustand göttlicher Gelassenheit. Dann schießt uns eine Idee durch den Kopf: man sollte mal wieder den Rasen mähen! Zweifellos ein schöpferischer Gedanke zur Umgestaltung der existierenden Welt. Und schon ist Spannung entstanden. Der momentane Zustand entspricht schließlich nicht dem angestrebten Ideal eines Englischen Rasens. Dazu müsste man das Sein eines Gärtners annehmen wollen, zumindest für den infrage stehenden Zeitraum, müsste das dazugehörige Tun durchführen wollen und das zu erwartende Haben vorausschauend definieren. Und schon schießt einem durch den Kopf: Ob sich der Rasenmäher überhaupt in Gang setzen lässt (ist da überhaupt Benzin drin?), verbunden mit der Frage, ob man zur gegebenen Uhrzeit überhaupt Rasenmähen darf (ist heute nicht außerdem Feiertag?), gekoppelt mit dem Zweifel, ob sich das denn überhaupt schon lohnt (könnte ruhig noch ein paar Tage länger wachsen, oder?). Konflikte ohne Ende.

Ein Aktionsablauf, und sei er auch nur geplant, bringt Stress mit sich. Was aber wünschen wir uns? Erfüllung und damit Rückkehr in den transzendentalen Zustand heiterer Gelassenheit, welchen wir aufgaben, als wir auf die Idee kamen, den Rasen zu mähen. Dazu bleibt nur, es mit gutem Erfolg zu tun – oder es leichten Herzens bleiben zu lassen. So oder so, unsere heitere Gelassenheit wollen wir wieder haben, nur darauf kommt es uns an.

Berufung:

Wozu wir unterwegs sind

Dieses Kapitel handelt davon, wie wir als individuelle geistige Wesen entstehen.

6.Ein vom Allbewusstsein verfasster Gedanke erscheint als individuelles geistiges Wesen oder auch Geistwesen. Dieses hat eigenes Bewusstsein und ist sich seiner selbst bewusst.

Ausgerechnet wir ein Ebenbild des Göttlichen?

Wie im vorigen Abschnitt angedeutet, plumpst die Welt nicht als fertiges Werkstück aus dem göttlichen Allsein heraus, sondern entsteht auf dem Umweg über bestimmte Gedanken davon, was sein soll. Diese Gedanken entstehen aus dem Potenzial des Allseins und erleben sich als selbstständiges Sein.

Die vom Allgeist hervorgebrachten Einzelgeister kennzeichnen dieselben Merkmale wie seinen Schöpfer: nämlich ein Bewusstsein, das sich seiner selbst bewusst ist, ein reflektierendes Bewusstsein. Diese besondere geistige Qualität ist mit dem Ausdruck „Geistwesen“ angesprochen. Individuell sind Geistwesen deswegen zu nennen, weil jeder von uns unteilbar ist und damit einzigartig (von lat. individuus, „unteilbar“).

Wie jeder Zustand ist auch unser Bewusstseinszustand, das Ausmaß unseres Bewusstseins von Moment zu Moment also, Schwankungen unterworfen. Im Unterschied zum Allbewusstsein verfügen wir als Geistwesen nicht in kontinuierlichem Gleichmaß über vollkommen bewusstes Wissen und vollkommen bewusste Wahrnehmung. Dessen fähig sind wir wohl, aber leider hapert es gelegentlich mit der Fertigkeit. Damit, in dieser unserer Unvollkommenheit, sind wir nicht ganz ein Ebenbild des Göttlichen, sondern eben nur fast.

Indem wir uns vom Allbewusstsein als getrennt erleben und uns als Ich bezeichnen, ist ein Träger von Bewusstsein entstanden. Das Allbewusstsein ist zu beschreiben als „Bewusstsein ohne Träger“ (Satz 1), das geistige Wesen hingegen begreift sich als Träger von „eigenem“ Bewusstsein – dies umso mehr, je weiter es sich vom Allsein abgetrennt sieht.

Was sind wir denn nun – Wesen oder Seelen?

Warum wir bei MindWalking „Geistwesen“ verwenden statt des vielerorts gebräuchlichen Begriffs „Seele“ hat folgenden Grund: Wesen ist gleichbedeutend mit „Sein“. „Anwesend“ oder „abwesend“ bedeutet „jemand ist da bzw. nicht da“. „Ich bin“ heißt genau genommen „ich bin seiend“ oder eben „ich bin ein Wesen“.

Laut Wörterbuch ist ein Wesen „das Seiende in seiner besonderen, charakteristischen Ausprägung und im Unterschied zu anderem Seienden“. „Wesentlich“ an einem Ding ist seine Kernfunktion, seine Bestimmung, das also, für was es hergestellt wurde: man schöpft mit dem Löffel, spießt mit der Gabel, schneidet mit dem Messer. „Wesentlich“ am Löffel ist das Schöpfen. Natürlich könnte man auch mit einem Messer schöpfen oder mit einer Gabel schneiden, doch entspräche dies nicht dem Wesen dieser Werkzeuge.

Ein Wörtersalat

In der Regel sagt man ohne jedes Zögern „ich bin ein Wesen“ und „ich habe eine Seele“. Das eine ist man, das andere hat man. Der Notruf SOS bedeutet Save Our Souls, rettet unsere Seelen. Wer aber rettet uns, die geistigen Wesen? Dann wiederum heißt es: „Sie ist eine so gute Seele.“ Oder: „Er ist die Seele des Betriebs.“ Schon in Luthers Bibelübersetzung werden Geist und Seele häufig austauschbar verwendet. „Seele“ ist mit zahlreichen und oft widersprüchlichen Bedeutungen belegt (eine Begriffsstudie findet sich in MWU). Zudem scheint es sich eher auf ein Energiephänomen als einen immateriellen Geist zu beziehen. Deswegen verwenden wir „Seele“ bei MindWalking nicht, sondern sagen durchgängig „Geistwesen“.

Selbstbewusstsein ist was ganz Spezielles

Wieso der Zusatz: „Ein Geistwesen hat eigenes Bewusstsein und ist sich seiner selbst bewusst“? Weil darin die Unterscheidung zu Tieren und Pflanzen liegt. Die verfügen zwar über Wahrnehmung, haben jedoch kein Bewusstsein in dem Sinn, dass sie über sich selbst nachdächten. Sie grübeln nicht, sinnieren nicht, tun sich selbst nicht leid, suchen nicht Selbsterkenntnis. Wir Geistwesen hingegen verfügen über ein Bewusstsein unserer selbst, ein sich selbst reflektierendes Bewusstsein. Wir erleben uns als separat zum Körper. Tiere und Pflanzen aber sind eins mit ihrem Körper. Deswegen sind sie unfähig, Suizid durchzuführen oder auch nur zu erwägen (mehr dazu im Kapitel „Seele und Leib“).

7.Der Prozess der Entstehung eines geistigen Wesens heißt Ursprung.

Aus der Einheit in die Dualität

Das Heraustreten eines Wesens aus dem Potenzial des Allseins ins individuelle Sein, diesen seinen ersten, allerersten Sprung, bezeichnen wir als Ursprung. Der Prozess vollzieht sich in mehreren Abschnitten. Ganz zu Beginn erlebt sich das Wesen als Teil eines umfassenden Lichtes, ohne Anfang, ohne Ende und auf keine Weise strukturiert oder gegliedert. Der Wahrnehmende fühlt sich nicht als ein vom Licht unterschiedenes Ich. Vielmehr ist er, obzwar Wahrnehmender, eins mit dem Licht.

Zuvor gab es nicht mal einen Wahrnehmenden, da war nur Licht – das aber können wir nur erahnen. Wissen tun wir es nicht, denn ohne Wahrnehmung keine Erinnerung. Wir können lediglich sagen: im frühsten Abschnitt, der uns zugänglich ist, erlebt sich ein Wesen als Wahrnehmender von Licht. Was mag zuvor gewesen sein – ein Nichts? Wir können es nicht einmal erahnen.

Im nächsten Abschnitt kristallisieren sich aus dem Gesamtlicht Funken heraus, Kerzenflämmchen, aus sich heraus leuchtende Lampions. Der Erlebende fühlt sich eingegliedert in Tausende und Abertausende solcher Lampions. Sie alle zusammen sind das Licht. Es gibt nicht die Unterscheidung zwischen hier das Licht und da die Leuchtbällchen; vielmehr sind alle Leuchtbällchen gemeinsam das Licht (diese poetische Ausdrucksweise wird übrigens von Sitzungen angeregt; sie wird von Sitzungspartnern spontan gefunden). Alle zusammen sind sie ein großes leuchtendes Wir.

Im dritten Abschnitt seiner Loslösung ist das Leuchtbällchen an den „Rand“ des Lichtraumes geraten und durchdringt dessen Grenze, ähnlich dem osmotischen Vorgang, wenn ein Wassertropfen ein Blatt Löschpapier durchdringt und auf der anderen Seite heraustropft. Unversehens findet sich das Wesen außerhalb des Lichtes. Das Lichtfeld ist „dort“ und das Wesen „hier“, außerhalb des Lichts, in einer grenzenlosen dunklen Leere (helle Leere gibt es auch, aber gerade diese hier wird in der Regel als dunkel beschrieben).

Hier setzt zum ersten Mal Vergesellschaftung ein. In dieser Leere trifft man auf umherdriftende Andere, denen es ähnlich ergangen ist. Man erlebt sich selbst als Ich und die anderen als Du; es kommt zur Interaktion. Dualität ist entstanden.

Unbegrenztes göttliches Licht doch begrenzt?

Dieser Vorgang ist insofern rätselhaft, als man ja meinen sollte, das Allbewusstsein, sich darstellend als Licht, sei allumfassend. Da wäre zu erwarten, dass der Lichtraum ebenfalls allumfassend zu sein hätte. Indessen stellt sich in allen durch MindWalking bekannt gewordenen Erlebnissen der Lichtraum als bloß „halb unendlich“ dar. Steht man erst mal draußen, geht es von der Grenze aus zur einen Seite hin ewig weiter ins Licht und auf der anderen ewig weiter in die Leere, sei sie dunkel oder hell. Dieses Rätsel hat bislang noch keine Erklärung gefunden. Man könnte spekulieren, dass der Lichtraum als Erscheinungsform des Göttlichen vom Göttlichen in bestimmten Dimensionen postuliert worden sei, doch mehr als Spekulation ist das nicht.

Arbeitsmethodisch sei noch hinzugefügt, dass man dies nicht gezielt ansteuern kann, um mehr herauszufinden. Vielmehr stellt sich diese Erinnerung ein, sobald der Sitzungspartner oder Solist von selbst an diese Erkenntnisse gerät. Es lässt sich nicht aus bloßer Neugierde aufs Programm setzen.

8.Der Gedanke, als welcher ein geistiges Wesen in seine Existenz eintritt, heißt Urauftrag oder auch Urberufung.

Berufen und geschickt

Sobald das Allbewusstsein den reinen, abstrakten Gedanken fasst, dass etwas sein möge, entsteht ein Wesen. Vom Standpunkt des zum Sein erwachenden Wesens fühlt sich dies an wie ein Auftrag, eine Berufung. Das Wesen wird regelrecht ins Sein gerufen oder, anders betrachtet, ins Sein hinausgeschickt (was in Begriffen wie Schicksal und Geschick nachklingt).

Der Urauftrag bestimmt den grundsätzlichen Charakter eines Wesens. In vielen Fällen ist er ganz allgemeiner Natur, wie etwa „bringe Licht!“ Oder „bringe Liebe!“. In anderen Fällen ist er recht spezifisch, wie etwa „sorge in dieser und jener Hinsicht für Ordnung!“

Ein Geistwesen ist sozusagen eine gute Idee des Göttlichen, die zwecks Umsetzung zum Einzelbewusstsein wird. Hierin steckt keineswegs eine hierarchische Abstufung im Sinne von oben Gott der Herr und unten der Mensch als Erdenwurm. Allbewusstsein, Gedanke, Auftrag und Geistwesen sind eins. Diese Auffassung vertritt auch die hinduistische Lehre von der Nicht-Zweiheit, der advaita (von a, nicht, und dvaita, Zweiheit), wie bei Shankara8 oder in der Bhagavad-Gita zu lesen.9 Nichts anderes meinte Christus, wenn er sagt: „Ich bin von Gott ausgegangen und gekommen; denn nicht von mir selbst bin ich gekommen, sondern er hat mich gesandt“ (Joh. 8, 42). Oder, kurz und knapp: „Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir, und ich bin in euch.“ (Joh. 14, 20)

Freier Wille hochgefährlich!

Insofern wir als Geistwesen aus nichts weiter bestehen als einem Gedanken, können wir es nicht anders, als haargenau so zu sein und zu tun wie berufen. Da wir aber über einen eigenen Willen verfügen, steht es uns frei, auch etwas anderes zu tun oder sogar das Umgekehrte. Insofern sich ein Wesen von Anbeginn seiner selbst bewusst ist und kritisch reflektieren kann, vermag es sich durchaus gegen seine Berufung stellen.

Der Begriff dharma aus dem Hinduismus weist in diese Richtung. Dharma bedeutet harmonisches Leben dadurch, dass aller persönlichen Handlungen im Einklang mit der Berufung stehen. Der eine mag dies als Soldat verwirklichen und der andere als Priester; beides ist legitim, solange dies dem Dharma des Betreffenden entspricht. Sofern das aktuell ausgeführte Tun und Haben nicht in Konflikt mit dem Dharma steht, sind keine ethischen Brüche zu verzeichnen. Eine ähnliche Auffassung vertritt Lao-tzu im Tao-te Ching, Vers 14: „Verbleibe im ewigen Tao und gehe gleichzeitig mit der Gegenwart mit.“10

Wer sich gegen seine Berufung wendet, weicht von dem ihm vorgezeichneten Pfad des Göttlichen ab. Damit sündigt er, buchstäblich verstanden, denn „sündigen“ hängt wortgeschichtlich zusammen mit „sich absondern“. Wer sich absondert von seinem Dharma, der sündigt. Dies hat Konsequenzen, denn damit entsteht das, was man im Sanskrit karma nennt: die Tat und deren Folgen.

Selber schuld

Gott sei die Liebe, heißt es. Da wundert es manchen, wieso Gott das Böse in der Welt zulassen kann. Nun, das Göttliche kann den Menschen die Selbstbestimmtheit nicht nehmen, deren Anwendung aber kann zu Irrwegen und Katastrophen führen. Vom Auftrag her war alles gut und liebevoll gemeint, daran ist kein Zweifel, denn immerhin hat sich bislang noch kein Ursprungserlebnis gezeigt, wo jemand zum Bösen berufen worden wäre. Woraus folgt: selbst die heute Bösen waren ehemals Gute. Kein geistiges Wesen wurde je vom Satan geschaffen. Die Wandlung von gut zu böse liegt an den eigenen Verfehlungen.

Ein Sitzungsbeispiel: Zur Liebe berufen

Eine Sitzung vom Frühjahr 2021: „Ich werde abgerufen – da sind Kräfte – ich bin keine Personen oder Figur, bin ein Nichts im Nichts – wie Wasser ist das, wie der Ozean – ich bin das – riesig groß ist das, ich bin ein Teil davon – ein Strömen – alles blau – ich bin es, aber nur ein Teil davon, nicht alles – dann ein Wissen: wie ein Sog. Ich weiß was zu tun ist. Das ist keine Entscheidung. Es teilt sich mir was mit. Es strömt in mich ein. Ein Wissen und eine Kraft. – „Ich bring das Licht rein!“ – Das ist der Auftrag (sie schaudert). Licht. Und Liebe. Und ich weiß im Voraus, dass die da unten das nicht annehmen werden. Dass ich es verlieren werde, aber es wieder finde. – Licht, für die anderen. Ihnen dienen (Schauder). Da hängt viel dran für alle – Bereinigung, rückwärtig, für die Ahnen. Und für die Zukunft. Egal was mir geschieht, mir wird es niemals schaden. Ich bin wie ein Kanal, hellblaues Licht geht durch mich. Der Rest ist nur Hülle. In mir ist Ruhe. Kein Nachdenken. Kein richtig oder falsch. Nur das Hellblaue gilt. Nur das ist gewiss. Und jetzt bin ich hier (sie strahlt). Alles, was dazwischen war, hat jetzt keine Bedeutung mehr. Jetzt bin ich hier (strahlendes Lächeln).“

Noch ein Sitzungsbeispiel: Keine Lust auf Berufung