Amor und Psyche - Apuleius - E-Book

Amor und Psyche E-Book

Apuleius

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Beschreibung

Dieses eBook: "Amor und Psyche" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Apuleius (123/170) war ein antiker Schriftsteller, Redner und Philosoph (Mittelplatoniker). Seinen andauernden Ruhm verdankt er seinem Hauptwerk, dem lateinischen Roman Metamorphosen, auch bekannt als Der goldene Esel, der zur Weltliteratur gezählt wird. Die Interpretation des Romans, der wegen seiner Vielschichtigkeit zahlreiche Rätsel aufgibt, gehört zu den schwierigsten Aufgaben der Klassischen Philologie. Nachdem Charite entführt worden ist, erzählt ihr die alte Haushälterin der Räuber, um sie von ihrem Leid abzulenken, die Geschichte vom Gott Amor und der Königstochter Psyche, deren Name das griechische Wort für "Seele" ist. Psyche ist die jüngste und schönste der drei Töchter eines Königs. Wegen ihrer außerordentlichen Schönheit wird sie wie die Göttin Venus verehrt und sogar für eine Verkörperung der Göttin gehalten, was den Neid der Venus erregt. Venus beauftragt ihren Sohn Amor, dafür zu sorgen, dass sich die sterbliche Rivalin in den verächtlichsten und unglücklichsten aller Männer verliebt. Wegen Psyches außerordentlicher Schönheit wagt es niemand, um ihre Hand anzuhalten; im Gegensatz zu ihren älteren Schwestern bleibt sie allein. Der König befragt dazu das Orakel des Gottes Apollon. Der Gott gibt Anweisung, das Mädchen als Braut zu schmücken und auf einen Gebirgsfelsen zu stellen; dann werde ein schreckliches Untier herbeifliegen und sie zur Frau nehmen. Traurig folgen ihre Eltern dem Orakelspruch. Das Monster erscheint aber nicht, sondern ein sanfter Wind trägt Psyche hinab ins Tal, wo sie einschläft.

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Seitenzahl: 61

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Apuleius

Amor und Psyche

Übersetzer: Apuleius
e-artnow, 2014
ISBN 978-80-268-0974-6

Inhaltsverzeichnis

Erstes Kapitel: Psyches Verurteilung
Zweites Kapitel: Die bösen Schwestern
Drittes Kapitel: Der Sündenfall Psyches
Viertes Kapitel: Venus und Amor
Fünftes Kapitel: Die Wanderungen Psyches
Sechstes Kapitel: Psyches Prüfungen
Siebentes Kapitel: Psyches Erlösung
Anmerkung des Uebersetzers

Erstes Kapitel Psyches Verurteilung

Inhaltsverzeichnis

Es war einmal in einer Stadt ein König und eine Königin; die hatten drei schöne Töchter. Zwar war auch der Liebreiz der beiden älteren gross, aber doch von Menschenart, so dass Menschenzungen sie noch zu preisen vermochten. Aber die Jüngste, die war so wunderschön, dass es schier unmöglich wäre, mit der Armut irdischer Sprache ein auch nur annäherndes Bild davon zu geben. So kamen denn gar viele Jünglinge von nah und fern herbei, neugierig gemacht durch die Erzählungen von dem Wunderwerk; ganz versunken in Staunen ob solch übermenschlicher Herrlichkeit beugten sie vor ihr, als wäre sie die Göttin Venus, zum Zeichen ihrer Adoration die Kniee. Schon verbreitete sich durch die benachbarten Städte und Reiche die Kunde, dass die Göttin, die der dunkle Schoss der Meerestiefe geboren und der Tau der schäumenden Wogen genährt, jetzt das Anschauen ihrer Majestät in der Fülle ihrer Gnaden allgemein gewähre und inmitten der Menschen wandle; andre glaubten, dass, wie einst das Meer, so jetzt die Erde, von frischem Himmelstau befruchtet worden und ihrem Schoss eine neue Venus entstiegen sei, die jetzt in der Pracht jungfräulicher Blüten prange. So verbreitete sich von Tag zu Tag ihr Ruf und wanderte über Land und Meer in weite Fernen. Schon wallfahrtete man sogar aus fremden Ländern und über des Oceans Pfade scharenweis zu diesem berühmten Wunder der Welt. Keiner fuhr nach Paphos, keiner nach Knidos oder Kythera, um Venus die Göttin zu schauen. Unbesucht blieben die Feste der Himmelsfürstin, ohne Glanz ihre Tempel; verlassen ihre Pfühle, vernachlässigt die Opferbräuche; kein Kranz schmückte ihre Bildnisse und kalte Asche entweihte die verwaisten Altäre. Nur zu jenem Mädchen stiegen Gebete empor, ein Menschenantlitz wars, in dem man einer Göttin Majestät verehrte; wenn die Jungfrau morgens aus dem Hause trat, rief man Venus, die doch fern war, um Gnade an und veranstaltete Opfer mit Festschmäusen, und wenn sie durch die Strassen wandelte, streute man ihr Blumen und Kränze auf den Weg. Diese masslose Uebertragung himmlischer Ehren auf ein sterbliches Mädchen entfachte die wahre Venus zu grimmigem Zorn; voller Unwillen schüttelte sie ihr Haupt und sprach murrend so zu sich selber: »Also ich, der Welt Urmutter, ich, der Elemente Uranfang, ich, des Erdkreises Herrin soll mit einer Sterblichen meine Hoheitsrechte teilen, meinen geheiligten Namen in den Staub der Erdenwelt treten lassen und abwarten, was bei der gemeinsamen Verehrung meine Stellvertreterin mir übrig lassen wird? als mein Ebenbild soll auf Erden wandeln dürfen ein dem Tod verfallenes Menschenkind? Umsonst wars also, dass mir Paris den Preis der Schönheit vor den beiden grossen Göttinnen zuerkannt und sein unparteiisches Urteil die Bestätigung des Götterkönigs erhalten hat? Doch nein: ihr solls nicht gut bekommen, meine Ehren sich angemasst zu haben: bald soll die unerlaubte Schönheit sie gereun!« Sogleich rief sie ihren Sohn, den Flügelknaben, so einen rechten Tollkopf, der sich in seiner Ungezogenheit nichts aus der Polizeiordnung macht, sondern mit Fackeln und Pfeilen ungestraft bei Nacht durch fremde Häuser streicht, ein nichtsnutziger Störenfried des Familienglücks, überhaupt der richtige Thunichtgut. Diesen Ausbund von Sohn stachelte sie noch obendrein mit Worten auf, führte ihn zu der Stadt und zeigte ihm Psyche: so hiess die Prinzessin. Darauf erzählte sie ihm ausführlich von dieser ihrer Rivalin und sprach bebend vor Zorn: »Inständigst bitt' ich dich bei meiner Mutterliebe, bei deiner Pfeile wonniglichen Wunden, bei deiner Fackel süssem Brand: gewähre deiner Mutter Genugthuung, und zwar volle; schreite streng ein gegen die hochmütige Schönheit; lass sie vor allen Dingen in glühender Liebe zu einem Menschen entbrennen, den das Schicksal zu Schande und Armut verdammt hat, kurz zu einem so Elenden, dass seinesgleichen nicht auf dem ganzen Erdenrund zu finden sei.« Darauf herzte und küsste sie ihren Sohn lang und innig, und eilte zur nahen Küste des brandenden Meeres. Und siehe, eben erst hatten ihre rosigen Sohlen den Schaum der gekräuselten Wogen berührt, als sie sich auch schon auf dem trockenen Meeresspiegel niederlassen konnte; gleich war auch auf ihren blossen Wunsch, als wäre es längst befohlen gewesen, ihr Gefolge dienstbereit zur Stelle: die Nixen im Chor singend, der Hafengott mit seinen bläulichen Bartzotteln, des Oceans Gemahlin, den Schoss von Fischen schwer, und ihr kleiner Sohn, auf einem Delphine reitend; schon tummelten sich auf den Wogen die Scharen der Meertrabanten: sanft blies auf tönender Muschel der eine, ein anderer wehrte mit seidenem Schirm der feindlichen Glut der Sonne, ein dritter hielt einen Spiegel der Herrin vor Augen, andere zogen schwimmend zu zweit den Wagen. So ward Venus auf ihrer Reise zum Ocean begleitet von ihrem Gefolge. Indessen hatte Psyche von all ihrer strahlenden Schönheit keinen Gewinn. Aller Augen ruhten auf ihr, aller Mund pries sie: aber niemand, kein König, kein Prinz, nicht einmal ein Mann aus dem Volke kam mit dem Wunsch, sie zu freien. Sie bewunderten alle die Götterfigur, aber nur wie ein kunstreich gefertigtes Bildnis. Längst hatten sich die beiden älteren Schwestern, deren Schönheit nicht so gross war, dass sie deswegen ins Gerede der Menschen gekommen wären, mit Königen verlobt und glücklich verheiratet. Aber Psyche sass einsam und allein als Jungfrau noch immer zu Hause, weinte bitterlich ob ihrer Verlassenheit – siech am Körper, wund am Herzen –, und hasste ihre Schönheit, die allen wohlgefiel. So kam ihr unglücklicher Vater auf die Vermutung, der Himmel grolle ihr, und befragte aus Furcht vor seinem Zorn das uralte Orakel des Gottes in Milet; mit Opfern und Gebeten erflehte er von dessen Majestät ein Ehgemahl der ungeliebten Jungfrau. Darauf erhielt er ein Orakel, welches also lautete:

»König, stelle die Maid auf des Berges ragenden Gipfel, Düsteren Schmuck des Grabs gieb ihr als bräutlich Gewand. Nimmer erwarte, dir werde zum Eidam ein sterblich Gebor'ner: Grausam ist er und wild, giftig, ein böser Gesell. Hoch zu dem Aether schwebt er, das All sucht heim er mit Plagen, Jegliches Wesen der Welt lähmt er mit Feuer und Schwert. Jupiter selbst erzittert vor ihm, er schreckt die Dämonen, Furchtbar steigt er ins Meer und in die höllische Nacht.«