Aneks Verdacht - Dietrich Schilling - E-Book

Aneks Verdacht E-Book

Dietrich Schilling

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Beschreibung

Vor vielen Jahren habe ich in einem alten Reiseführer eine handschriftliche Notiz meines Großvaters entdeckt. Sie wies darauf hin, dass er vor fast 100 Jahren eine Reise nach Burma und Thailand unternommen hat. Diese Reise, so erzählt es die Familie, hat seine Persönlichkeit entscheidend verändert. Aber niemand konnte mir sagen, was es war, das seine Persönlichkeit verändert hat. Und so habe ich mich, ein halbes Jahrhundert später, selbst auf den Weg gemacht, um das Rätsel zu lösen.

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Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Dietrich Schilling, Jahrgang 1945, hat nach seinem Germanistik-Studium fast 40 Jahre lang als Hörfunk-Redakteur beim NDR gearbeitet. Er ist verheiratet und lebt als freier Autor in Hamburg.

Inhaltsverzeichnis

1: Ein Zettel

2: An die Hand genommen

3: Nicht allein

4: Keine Angst!

5: Das Foto

6: Dazugehören

7: Überall

8: Kein Flug

9: An jedem Ort

10: Nathapong

11: Eine Ahnung

12: Chiang Mai

13: Anek

14: Zu jeder Zeit

15: Wo du bist, kann das Glück warten

16: Gut zu reisen ist besser als anzukommen

17: Die Wahrsagerin

18: Ratlos

19: Der Brief

1

Ein Zettel

Ein kleines Stückchen Papier hat mein ganzes Leben verändert.

Ich weiß, wie kühn diese Behauptung ist. Aber es stimmt. Und dafür bin ich bin dankbar.

***

Der Zettel, um den es geht, war aus einem Buch gerutscht, das ich beim Entstauben meines Bücherregals in die Hand genommen hatte. Wahrscheinlich hatte er als Lesezeichen gedient. Aber es standen auch ein paar Wörter darauf. Sie waren mit der Hand geschrieben, doch ich konnte sie nicht lesen. Die Schrift war stark ausgebleicht und zudem in Sütterlin verfasst. Aufgesetzt hatte sie mein Grossvater, es war eindeutig seine Handschrift. Und das Büchlein stammte aus seinem Besitz. Es war die ‚Weltreise‘, Erster Teil, Zweite Auflage, aus der Reihe ‚Meyers Reisebücher‘. Erschienen 1912 in Leipzig und Wien. Ein handliches, sorgfältig aufgemachtes Exemplar in goldgeprägtem Ledereinband. Ein kleines bibliophiles Kunstwerk, das mein Grossvater bestimmt sehr geschätzt hat. Auch wenn er über den ein oder anderen Satz des Büchleins vermutlich genau so gestolpert ist wie ich. Es empfahl sich nämlich selbst als ‚Vorkämpfer‘ zur ‚Ausbreitung deutschen Wesens in fernen Ländern‘.

Nein, ich konnte nicht lesen, was auf dem Zettel stand. Aber ich wollte es wissen. Meine Neugierde war geweckt. Also fertigte ich eine Kopie an und schickte sie meiner Freundin Ulrike, die Sütterlin noch entziffern kann. Als ich ein paar Tage später ihre Übertragung in lateinische Buchstaben in der Hand hielt, erschien sie mir im ersten Augenblick kryptisch. Doch dann, nach langem Rätseln, begriff ich, was da mit einigen Lücken zu lesen war: ‚R ngu , Ba g o , Chia Ma . Die Tatsache nämlich, dass das Büchlein ein Reiseführer war und ‚Vorderindien wie Hinterindien, Birma, Straits Settlements, Siam, Indochina’ etc. einbezog, machte es mir einfach, und so hatte ich die Wörter schnell entziffert. Sie hießen: ‚Rangun, Bangkok, Chiang Mai‘. Orte, die, seit ich Bücher lese, wie ein unwiderstehlicher Zauber auf mich gewirkt haben.

Es stand aber noch mehr auf dem Zettel, auf der anderen Seite. Nur zweieinhalb Zeilen. Aber wir vermuteten, dass sie mindestens so aufschlussreich waren wie die Ortsnamen. Die einzelnen Wörter quetschten sich nämlich eng aneinander auf dem bisschen Papier, so, als sei meinem Großvater jedes von ihnen wichtig, keines verzichtbar gewesen. Doch leider waren auch diese Zeilen fast vollständig verblasst. Selbst nach tagelangem Kopfzerbrechen war meine Freundin nicht in der Lage, einen klaren Sinn darin zu erkennen. „Es geht wohl um irgendetwas, das er entdeckt hat“, vermutete sie, „irgendetwas, das er nicht für möglich gehalten hätte. Hier“, sie zeigte mit der Spitze ihres Bleistiftes auf ein einzelnes Wort, „das heißt wohl ‚entdeckt’. Und das hier“, ihr Bleistift machte einen kleinen Sprung, „das heißt ‚nicht‘ und das hier ‚möglich gehalten’, da bin ich einigermaßen sicher. Aber alles darum herum, das ist beim besten Willen nicht mehr lesbar.“ Später ergänzte sie, es sei denkbar, dass diese letzten Aufzeichnungen erst nach der Reise entstanden seien; bei genauem Hinsehen könne man auf die Idee kommen, dass sie mit einem anderen Stift geschrieben seien.

Als mein Grossvater die rätselhaften Notizen gemacht hat, es muss Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre gewesen sein, war er um die 40 Jahre alt. Etwa genauso alt wie ich war, als der Zettel aus dem Reiseführer zu Boden trudelte. Und das ist jetzt auch schon wieder eine zeitlang her. Aber noch vom selben Tag an, als meine Freundin von einer ‚Entdeckung‘ gesprochen hatte, die er gemacht hatte, wollte ich unbedingt wissen: Was hat er damit gemeint?

***

Mein Grossvater Wilhelm war ein besonderer Mensch. Er stammte aus einer gutbürgerlichen Familie. Er sah gut aus, wie meine Großmutter nie müde wurde zu betonen; wenn sie das tat, verklärte sich ihr Gesicht stets in Glückseligkeit. Doch er muss in seinen frühen Jahren ein ungewöhnlich zurückgezogenes Leben geführt haben.

Er hat sich damals, wie erzählt wird, nie wohl gefühlt in großer Gesellschaft und offizielle Termine gemieden, wann immer er konnte. Das verstand niemand, denn es gab keinen erkennbaren Grund dafür: er war wohlerzogen und humanistisch gebildet. Sein Benehmen nahezu vollendet. Der Oberlippen-Schnauzer stets kurz und akkurat gestutzt. Sein britisch-diszipliniertes, höfliches Auftreten angenehm, wenn auch eine Spur distanziert. Aus dem Wenigen, das ich später, als er längst tot war, über ihn erfahren konnte, ging hervor, dass er anderen gegenüber oft scheu und zurückhaltend, ja: manchmal unbegreiflich abweisend gewirkt haben muss. Irgendjemand, ich weiß nicht mehr wer, hat sogar von Ängstlichkeit gesprochen; Großvater habe sich einmal selbst dahingehend geäußert. Er sprach bedächtig und überlegt. Und immer schien es, als suche er sorgsam nach den richtigen Worten, als wolle er alle und alles um sich herum verlangsamen.

Wie mir seine Kinder berichteten, ist er von sich aus nur selten auf jemanden zugegangen. Umgekehrt ‚übersah‘ er gerne die offiziellen Einladungen zu Soirees, die er trotz seiner überall bekannten Scheu regelmäßig erhielt. Meine Mutter erzählte mir, dass er solche Gelegenheiten oft im letzten Augenblick absagt hat. Er versuchte sie zu vermeiden, wann immer er konnte. Dass er sich danach manchmal tagelang in seiner Bibliothek verschanzt hat und mit niemandem sprechen wollte, weil er genau wusste, dass er falsch gehandelt hat. Aber er konnte nicht anders. Er konnte sich einfach nicht arrangieren mit den Regeln gesellschaftlicher Gepflogenheiten. Irgendetwas muss ihn daran gehindert haben. Seine Frau, meine Großmutter, hat arg darunter gelitten.

Selbst der Familie gegenüber wirkte er manchmal zurückhaltend. Bei bestimmten Gelegenheiten konnte man den Eindruck gewinnen, als gehöre er gar nicht dazu, etwa, wenn sich bei einem Wiedersehen alle begrüßten und aufgeregt das Neueste zu erzählen wussten; dann stand er oft allein und wusste nichts zu sagen. Doch unter dieser Distanz ausstrahlenden Oberfläche muss er später eine tiefe Fähigkeit zur Empathie entwickelt haben, von der besonders ich profitierte. Er nahm teil an allem, was mich beschäftigte. In seiner Gegenwart ging es mir gut. Er nahm sich viel Zeit für mich. Ich fühlte mich liebevoll geleitet von ihm, beschützt. Umsorgt von seinem Wissen, seiner Ruhe und der Bescheidenheit, die er ausstrahlte.

Bei sonntäglichen Mittagessen mit seinen Kindern und Enkeln achtete er stets darauf, dass nicht er das beste Stück Fleisch bekam. Und immer, wenn er mit der Familie zusammensaß, sorgte er für etwas Unerwartetes, Neues. Häufig erzählte er Geschichten über winzige Insekten und unscheinbare Pflanzen, und zwar so spannend, dass ich sie nie vergessen habe. Dass er die Gesellschaft anderer gemieden hätte oder gar ängstlich gewesen sei, so wie Großmutter und seine Kinder es bezeugt hatten - daran kann ich mich nicht erinnern. Aber ich habe ihn ja auch erst nach seiner großen Reise gekannt. Leider starb er viel zu früh, ich war erst 12 damals.

Auch Oma Hilde war ‚besonders’, jedoch in einem ganz anderen Sinn als Grossvater. Sie war nur Erzieherin, wie sie immer wieder betonte. Aber alle wussten, wie gerne sie ein glanzvolles, mondänes Leben geführt hätte. Unentwegt hielt sie Ausschau nach entsprechender Geselligkeit, immer in der Hoffnung, dass Grossvater sie vielleicht doch einmal begleiten würde. Am liebsten wäre sie jeden Abend in großer Garderobe auf ein rauschendes Fest gegangen. Doch die unerklärliche Scheu ihres Mannes, ohne dessen Begleitung das damals unmöglich war, verhinderte es.

Künstler oder andere gesellschaftlich bedeutende Menschen gehörten nicht zu ihrem eigenen Bekanntenkreis. Sie musste sich also mit einer unternehmungslustigen Clique von Freundinnen begnügen. Das tat sie, oft enttäuscht, aber ohne jemals ein Wort darüber zu verlieren. Sie lud zum Tee und wurde eingeladen. Sie organisierte Bridge-Runden und regelmäßige, gemeinsame Besuche in der Badeanstalt. Sie war außerordentlich großzügig mit allem, was sie hatte, grundsätzlich hilfsbereit und fast immer gut aufgelegt. Die Enkel, ich war der älteste, umsorgte sie liebevoll, mit herzlicher Wärme. Was wir brauchten, bekamen wir von ihr. Nur das stille, zurückgezogene Leben, dass Grossvater führte, das passte nicht zu ihr. Ich habe mich oft gefragt, was diese beiden Menschen zusammengeführt hat.

Grossvater, hieß es, schien sich selbst genug. Er lebte bescheiden in einer Welt, deren Grenzen er, wann immer er konnte, selbst zog. Er liebte es, sich fern von allem städtischen Getöse in der Natur aufzuhalten, durch die Wälder zu streifen und die Pflanzen auf den Wiesen buchstäblich unter die Lupe zu nehmen. Man hat ihn dabei beobachtet, wie er, in seinem grauen Anzug flach auf dem Erdboden liegend, minutenlang durch das Vergrößerungsglas auf eine unscheinbare Blüte starrte. Oder wie er mit angehaltenem Atem kleinste Lebewesen betrachtete, die scheinbar schwerelos über das Wasser eines Teiches huschten.

Warum er unter seinen Enkelkindern vor allem mich ins Herz geschlossen hatte, weiß ich nicht. Vielleicht hat er gespürt, dass ich ihm ähnlich war. Ich war schüchtern, nahm meine Umgebung aber aufmerksam wahr. Ich erinnere mich, dass meine Volksschullehrerin, Fräulein Graf, mich für letzteres oft lobte, mich aber genau so oft ermunterte, mutiger zu sein und mir mehr zuzutrauen. Da ich selber kein Defizit spürte, nahm ich mir ihren Rat aber nie zu Herzen.

Mein Grossvater jedenfalls suchte oft meine Begleitung. Seine tiefe Zuneigung zu mir spürte ich besonders intensiv, wenn wir beide allein waren, entweder auf Streifzügen zu Tieren und Beeren, wie er es nannte, oder auch im Haus beim Vorlesen von Geschichten oder ganzen Büchern. Dann saß ich immer auf seinem Schoß. Das war ein besonderes Privileg.

Irgendwann aber muss es einen Grund, ein Motiv oder zumindest einen Auslöser gegeben haben, der ihn buchstäblich aus seinem stillen Leben hinaus in die Welt getrieben hat. Davon zeugten später die vielen Brieffreunde, die er bis zu seinem Tod hatte, lebendige, treue Beziehungen in weit entfernte Länder. Einmal fand er sogar Post aus Südafrika im Briefkasten, die gar nicht an ihn adressiert war. Der Postbote entschuldigte sich am nächsten Tag damit, dass er nur auf die exotischen Briefmarken geschaut und gedacht habe, dass diese Sendung für niemand anderen als für Grossvater gewesen sein konnte. Das war durchaus glaubhaft, denn niemand in der weiteren Nachbarschaft führte eine so rege internationale Korrespondenz wie er.

Diese Brieffreundschaften kamen mir wieder in den Sinn, als ich den Zettel mit ‚Rangun, Bangkok, Chiang Mai‘ in Händen hielt. Seine Kinder, meine Mutter, meine Tante und mein Onkel, die damals alle noch lebten, bestätigten mir, dass ihr Vater um das Jahr 1930 herum eine lange Reise nach Südostasien unternommen hat. Meine Mutter, das älteste der Kinder, konnte sich noch gut daran erinnern, dass die Familie und alle, die ihn kannten, seine Vorbereitungen dazu mit Kopfschütteln beobachtet hatten; sie alle konnten nicht glauben, was er plante. Dieser scheue, so zurückhaltende Mann wollte allein auf eine so große Reise gehen? In eine ihm völlig unbekannte Welt, wo er doch selbst zu Hause so vielem aus dem Weg ging? Hatte er keine Angst? Doch es gab nicht den geringsten Grund an seiner Entschlossenheit zu zweifeln, das erzählte mir meine Mutter noch Jahrzehnte später. Man musste - dieses Wort gebrauchte sie und drückte damit wohl eine gewisse Fassungslosigkeit aus - ‚zur Kenntnis nehmen‘, wie er sich bei der Zusammenstellung seines Gepäcks eng an die Ratschläge seines Reiseführers hielt. Mit manchen Abstrichen allerdings. Die empfohlene ‚Herrenkleidung‘ zum Beispiel, die etwa einen Gehrock, einen Smoking und einen Frack vorsah, lehnte er ab. Auch der ‚unentbehrliche Kabinenkoffer‘ kam für ihn nicht infrage. „Ich nehme nur mit, was ich selbst tragen kann“, soll er gesagt haben. Ich persönlich vermute, dass es ihm vor allem darum ging, unauffällig zu reisen und aufzutreten.

Doch von einer besonderen Entdeckung, die er auf seiner Reise gemacht hätte, wusste niemand etwas. Allerdings gab mir meine Mutter, ohne es zu ahnen, einen wichtigen Hinweis. Sie erzählte nämlich, dass Grossvater von dieser Reise ganz verändert zurückgekehrt sei. Gefragt, worin diese Veränderung bestanden habe, antwortete sie: er sei ihr plötzlich viel mehr ein Vater gewesen. Auch andere hätten von größerer Nähe zu ihm gesprochen.

Nach und nach ging mir auf, dass die kleine Anmerkung meiner Mutter etwas zu tun haben könnte mit der Entdeckung, von der Ulrike gesprochen hatte. Ich ging der Sache nach. Doch viel mehr, als meine Mutter mir erzählt hatte, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Onkel und Tante, seine beiden anderen Kinder, waren zum Zeitpunkt der Reise noch viel zu jung. Aber auch sie erinnerten sich daran, dass ihre Mutter, Oma Hilde, mehrfach geäußert habe, dass Wilhelm - wörtlich - ‚wie verwandelt’ von der langen Expedition, wie sie es nannte, zurückgekommen sei. Er sei zugänglicher geworden, habe sich viel leichter auf etwas Neues eingelassen. Von der Scheu, die er häufig anderen Menschen gegenüber gezeigt habe, sei nur mehr wenig zu spüren gewesen. Er sei sogar, ganz anders als früher, von sich aus auf sie zugegangen und habe Beziehungen angeknüpft. Was nicht bedeutete, dass er seine Bescheidenheit verloren hatte, seine Unaufdringlichkeit. Er sei aber deutlich selbstsicherer gewesen als vor der Reise, neugieriger, habe unbefangener gehandelt. Großmutter, so erinnerte sich meine Mutter, habe sogar erzählt, dass nach der Reise ein Feuer in ihm gebrannt habe.

Ein Feuer?

Als ich mir das vorstellte: der stille, scheue Großvater und dann das Feuer, das plötzlich in ihm gebrannt hat, von dem Augenblick an konnte ich nicht mehr zurück. Irgendetwas drängte mich. Ich fühlte so etwas wie eine Verpflichtung herauszubekommen, was mit ihm geschehen war. Was hatte ihn nach Südostasien gezogen? Kann es nur der Reiseführer gewesen sein, den er vielleicht zufällig in die Hand bekommen hatte und der so genaue Hinweise für eine individuelle Reise enthielt?

Viel wichtiger noch war mir aber die Frage: Was hatte ihn so verändert?

Ich zerbrach mir den Kopf auf der Suche nach Erklärungen. Und weil ich selbst nichts besaß von ihm außer einem Barometer, das Großmutter mir nach seinem Tod als Erinnerung an ihn geschenkt hatte, stürzte ich mich auf alles, was in ein oder anderer Hinsicht noch mit ihm in Verbindung stand und mir irgendeinen Hinweis geben könnte. Doch da war nicht mehr viel, nur ein paar Möbelstücke und Bücher, die er seinem Sohn hinterlassen hatte. Ohne konkrete Erwartungen, einfach, weil ich nichts besseres wusste, sichtete ich diese Bücher. Ich blätterte sie eines nach dem anderen durch allein in der Hoffnung, auf irgendetwas zu stoßen, das mir weiterhelfen könnte.

Zu meiner Verwunderung musste ich nicht lange nachforschen: Mir fiel nämlich bald auf, dass zwei englische Autoren mit beinahe all ihren Romanen und Geschichten in Grossvaters Nachlass vertreten waren: Somerset Maugham und Joseph Conrad. Maugham natürlich mit seiner zauberhaften Geschichte von Prinzessin September, die er in nur einer Nacht, krank auf den Tod, schon halb im Delirium, im Oriental-Hotel in Bangkok geschrieben haben soll. Und mit einem völlig zerlesenen Buch, das so aussah, als hätte Grossvater es immer wieder zur Hand genommen. Es war „The Gentleman in the Parlour“, in dem Maugham seine Reise von Rangun nach Haiphong beschreibt. Die Seiten waren völlig abgegriffen, sie drohten auseinanderzufallen. An manchen Stellen befanden sich jedoch kurze, handschriftliche Notizen; ein paar Ortsangaben und Transportmöglichkeiten waren unterstrichen oder mit Bleistift etwas an den Rand geschrieben. Zu meinem Erstaunen nicht auch in Sütterlin, sondern in lateinischen Buchstaben. Diese Anmerkungen konnten nur von Grossvater stammen. Und als ich überprüfte, wann der ‚Gentleman‘ erstmals erschienen war, las ich: im Januar 1930. Also etwa zu dem Zeitpunkt, als mein Grossvater seine eigene Reise unternommen hatte! Ich hatte nicht den geringsten Zweifel, dass der englische Schriftsteller ihn inspiriert hatte. Und mein impulsiver Gedanke war: warum nicht auch mich? Wie wäre es, auf Grossvaters Spuren zu reisen? Und herauszubekommen, was ihn so verändert hat?

Als ich so dachte, fast noch im selben Augenblick, schrak ich schon zurück. Nein, ich wäre niemals der Richtige für so ein Unternehmen. Ich musste genau wissen, worauf ich mich einließ. Meine Stärke war das Planen, das Organisieren, die Übersicht. Oft bis ins Detail und zu pedantisch, wie meine Familie behauptet. Doch all das würde mir nicht viel nützen in einer Welt, deren Regeln und Gesetze ich nicht kannte. Worauf könnte ich mich dort verlassen? Was hätte ich an zuverlässigen Rahmenbedingungen? Fahrpläne? Reisebüros? Auskunftsstellen?

Die Idee schien mir zunächst also völlig absurd, ja: ungeheuerlich. Dann erinnerte ich mich aber an meine Volksschullehrerin und ihre Aufforderung, mir mehr zuzutrauen. „Die Angst, die du manchmal hast, ist gut“, hatte sie mich oft gemahnt, „sie warnt dich vor etwas Gefährlichem. Sie schützt dich. Sie passt auf dich auf. Aber sie kann dich auch lähmen und verhindern, dass du etwas Neues kennenlernst. Nur wenn du dich fragst, warum und wovor du Angst hast, kannst du klug und vernünftig mit ihr umgehen.“

Damit hatte sie zweifellos recht. Doch es blieb die Frage: Was sollte ich ausgerechnet in Südostasien?

Wie alle Jungen in meinem Alter hatte ich natürlich Bücher mit abenteuerlichen Geschichten gelesen. Manche davon spielten im Fernen Osten. Und wie oft hatte ich geträumt, ein gefürchteter Held zu sein, der mit allen Gefahren des Dschungels fertig wird. In meiner Phantasie sah ich Bilder, die mir Schauer über den Rücken jagten: Urwälder, in denen Würgeschlangen in den Ästen hängen und versteckt auf Beute lauern, reißende, schäumende Flüsse mit Stromschnellen, die nicht zu überwinden sind, in brütender Sonnenhitze vertrocknende Landschaften, Menschen, deren Sprache ich nicht verstehe und die mich feindlich anstarren. Zugleich aber hatte ich schon immer einen eigenartigen Reiz gespürt, etwas völlig Neues kennenzulernen. Mich selbst auf die Probe zu stellen. Aus meinem Alltag auszuscheren und Unbekanntes zu entdecken. Grossvater hatte das schließlich auch gemacht. Und das in einer Zeit, als es noch keine Flugverbindungen überallhin gab. Unter weit schwierigeren Umständen.

Als ich mich an den Gedanken gewöhnt hatte, in seine Fußstapfen zu treten, begann ich detaillierter zu planen. Zunächst zögerlich, nicht wirklich überzeugt von meinem Vorhaben; noch konnte ich ja jederzeit zurück. Und ich will nicht verschweigen: Je länger ich über solch eine Reise nachsann, desto größer wurden meine Zweifel. Immer mehr Fragen tauchten auf, die ich nicht beantworten konnte, sehr konkrete Fragen: Wo würde ich übernachten? Wie würde ich sprachlich zurechtkommen? Besonders aber: Würde ich mich wohlfühlen ‚dort unten‘? Oder könnte es sein, dass ich unter Einsamkeit leide? Würde es mir gelingen, Menschen kennenzulernen? Ist so eine Reise nicht viel zu gefährlich?

Doch seltsam: Im selben Maße, wie mich die Zweifel befielen, wuchs auch die Überzeugung, dass ich etwas versäumen würde. Etwas, das für mich als Person später unwiederbringlich wäre. Und ich fragte mich immer öfter: Wie würde Großvater von mir denken, wenn er von meiner Unsicherheit erführe? Von meiner Zögerlichkeit? Waren solche Gedanken die Ursache dafür, dass ich schließlich nicht mehr zurücktreten konnte von der Verpflichtung, wie ich es für mich genannt hatte?

Langsam, aber stetig gewann mein Plan an Konturen. Er verlor seine anfängliche Absurdität. Und nach einiger Zeit des hin und her Denkens hatte ich kaum noch etwas anderes im Kopf: Ich musste herausfinden, was Grossvater so verändert hatte.

„Wenn du nicht weißt, wonach du suchst, hat das Suchen doch keinen Sinn!“, warnten mich Familie und Freunde. Sie schüttelten den Kopf über meine Idee. „Wo willst du denn anfangen mit deiner Suche? Du weißt doch nicht mal genau, wo dein Großvater gewesen ist und welche Route er genommen hat.“

Aber: zu spät! In einem Moment der Euphorie, in dem ich alles, was auf mich zukommen könnte, in rosigsten Farben sah, hatte ich Nägel mit Köpfen gemacht. Ich wusste, dass ich meinen Ängsten zuvorkommen müsste, wenn aus der Reise etwas werden sollte. Und so hatte ich Flüge nach Bangkok und, nach einer Nacht der Unterbrechung dort, weiter nach Rangun gebucht; dort, vermutete ich, hatte Großvater seine Reise durch Burma und Thailand begonnen.

Nun konnte ich nicht mehr zurück. Ohne es mir klarzumachen, folgte ich bereits seinen Spuren. Und hatte, ohne davon zu ahnen, eine erste Antwort auf meine Fragen.

2

An die Hand genommen

Als sich die Flugzeugtür in Bangkok öffnet, trifft mich ein heftiger Schlag gegen die Brust. Ich muss nach Luft schnappen, reiße eine Hand schützend vor’s Gesicht, stemme mich gegen die unerwartete Welle aus Hitze und weiche taumelnd einen Schritt zurück. Alles um mich herum verschwimmt in blendender Helligkeit, in einem Wirbel aus gleißendem Licht. Die Hände suchen nach einem Halt, während die Gedanken sich überschlagen; wild durcheinander wirbelnd müssen sie sich wieder ordnen und dem Körper hinterher hasten, der längst schon weiter ist. Ein paar lange Sekunden brauche ich zur Orientierung. Erst dann, wie nach einem berauschenden Schwindel, betrete ich unsicher die erste Stufe der Gangway.

Mit solchem Empfang habe ich nicht gerechnet. Durch das Flugzeugfenster hatte ich zwar schon eine Kolonne Arbeiter auf dem Rollfeld beobachtet, deren sehr leichte Bekleidung mir aufgefallen war. Sie hatten Tücher um den Kopf und manche sogar um die Hände gewickelt. Ich war also vorbereitet auf die große Hitze da draußen. Dennoch trifft mich die Wirklichkeit weit brutaler als erwartet. Wie eine Mauer, gegen die ich laufe. Innerhalb weniger Augenblicke verwandelt sie sich allerdings, seltsam genug, in ihr Gegenteil. Sie weicht zurück und öffnet sich. Komm, scheint sie mich aufzufordern, komm doch! Betörend wie eine Sirene lockt sie, wie ein Sog zieht sie mich die Stufen der Gangway hinab. Und plötzlich überfällt mich eine unbeschreibliche Freude, ein wunderbarer Schauer. Die Tropen, jubele ich still in mich hinein, ich bin in den Tropen! Da, wo ich bisher nur in meiner Phantasie gewesen war, von unzähligen Geschichten angeregt. Nie hätte ich es für möglich gehalten, tatsächlich einmal hier zu sein. Und als ich Schritt für Schritt die Stufen weiter hinabsteige, ahnungslos und unbeholfen auf dem Weg in eine andere Welt, klopft wild mein Herz.

Ein vergleichbarer Empfang ist Grossvater bestimmt nicht zuteil geworden. Er hat sich auf einer ungleich längeren Anreise Schritt für Schritt an das tropische Klima gewöhnen können. Ich vermute, dass er sich in Genua, Triest oder gar Neapel eingeschifft hat, wie es sein ‚Meyer’s’ empfahl. Und dann war er wochenlang mit dem Dampfer unterwegs: durchs östliche Mittelmeer, den Suezkanal, das Rote Meer und den Indischen Ozean bis nach Bombay. Von dort über Land quer durch das riesige Indien nach Kalkutta. Und weiter mit einem Dampfer die knapp 800 Seemeilen nach Rangun. Unvorstellbar heute. Wer hat noch so viel Geduld? Und vor allem: Zeit? Mit dem Flugzeug war ich keine 24 Stunden unterwegs. Großvater dagegen hat viele Wochen gebraucht. Aber wer darf wen beneiden? Ist er zu bedauern? Oder habe ich etwas verpasst? Erst in Rangun, in der burmesischen Hauptstadt, würde ich auf seine Spur treffen; im ‚Meyer’s’ ist jedenfalls das Strand-Hotel mit Bleistift angekreuzt und ich gehe davon aus, dass er dort war. Wie ich seine Spur dann aber weiter verfolgen soll, ist mir noch vollkommen schleierhaft. Wo genau soll ich nachforschen? Doch das hat Zeit bis morgen. Jetzt bin ich, kaum glaublich, erst einmal in Bangkok, wenn auch nur für eine Nacht.

Das erste, das mir ins Auge fällt, ist ein Weihnachtsbaum aus Plastik. Und ein riesiger Spruch über dem Gepäckband: „Happy New Year 1984“, steht darauf. George Orwell hat das anders gesehen, als er sein berühmtes Buch schrieb. Doch zu längerem Erstaunen, es war schon Ende Januar und Weihnachten längst vergessen, bleibt keine Zeit. Der Strom der Angekommenen reißt mich mit. Wie ich durch die Passkontrolle und an meinen Rucksack gekommen bin, kann ich später nur bruchstückhaft erinnern.

In der Ankunftshalle geht es zu wie in einem Ameisenhaufen, nur ungleich lauter. Ich tue, was die anderen tun, lasse mich vorwärts schieben und warte mit ihnen, gebe mich, nach wenigen Schritten aufs neue wartend, der Flut ungewohnter Anblicke hin und ziehe irgendwann mein Gepäck vom Laufband. Und dieses Mal, als ich aus dem klimatisierten Empfangsgebäude hinaustrete, bin ich vorbereitet auf die hohe Temperatur. Jedoch nicht auf das, was unmittelbar darauf passiert.

„Guest house?“, schreit mich jemand an und packt mich mit einer Hand am Arm, während die andere nach meinen Rucksack greift. „Very cheap, very clean!“ Was geschieht da? Wer ist das? Der Mann zieht mich einfach hinter sich her. Er hat mich total überrumpelt. Ich weiß nicht, was tun. Sprach- und willenlos lasse ich es geschehen.

Alles geht rasend schnell. Wir drängeln und schieben uns durch ein Gewühl von Menschen. Vorbei an Gesprächsfetzen und Gepäckstücken, an Umarmungen und erschöpften Gesichtern steuern wir auf eine automatische Tür mit Milchglasscheiben zu, die sich pausenlos öffnet und schließt und wieder öffnet.

„Money?“, fragt er mich plötzlich und bleibt abrupt vor einem ‚Money Change‘ stehen. Ach, ja! Während ich einen Hunderter wechsele, wartet er geduldig, aber immer auf Tuchfühlung. Ich darf ihm nicht entkommen!

Draußen hängt ein muffiger, fauliger Geruch in der Luft. Ein unbeschreibliches Gemisch aus Hitze, Feuchtigkeit, Müll, Sumpf und Moder. Es lässt mich nicht mehr los auf dem Weg zum Taxi, für kurze Momente wird es gelegentlich überlagert von herrlich duftenden Wolken aus Garküchen, an denen wir vorbei hasten. Doch ich habe keine Zeit, sie zu genießen. Warum wir so schnell gehen, ja: rennen müssen, begreife ich erst viel später: Weil mein ‚friend‘, wie er sich nennt, mich nicht an einen anderen Taxifahrer verlieren will. Die Konkurrenz ist groß und schläft nicht. „Guest house very good’, beruhigt er mich in regelmäßigen Abständen; selbstverständlich ist ihm klar, wie hilflos, ja: eingeschüchtert ich bin. Doch gerade das muss er nutzen. Darauf kann er keine Rücksicht nehmen, genau darauf baut ja sein Geschäftsmodell.

Aber warum lasse ich das nur geschehen mit mir? Ich hätte sofort und entschlossen nein sagen sollen, als der Mann, ohne mich zu fragen, nach meiner Hand griff. Noch nie im Leben ist mir so etwas passiert. Er hat mich geradezu überfallen. Aber aus irgendeinem Grund lasse ich es mit mir machen.

Endlich erreichen wir sein Auto. Verwirrt von dem Tempo, in dem alles geschieht, nassgeschwitzt, nach Luft japsend, versuche ich mich zu orientieren. Ist das überhaupt ein Taxi? Ein ordentlich registriertes Taxi? Ich hatte doch gelesen, dass ahnungslose Touristen oft schamlos ausgenommen werden, auch von Taxifahrern, die gar keine sind. Die sich mit ihren privaten Autos anbieten und hinterher maßlos überhöhte Preise verlangen. Und dass es dann zu spät ist und man nichts mehr dagegen unternehmen kann.

Einen Augenblick lang zögere ich. Soll ich wirklich einsteigen? Bin ich gerade dabei, einem Betrüger auf den Leim zu gehen? Wohin will er mich bringen?

Doch mein ‚friend‘ scheint damit gerechnet zu haben; ich bin ja nicht der erste Tourist, den er abschleppt. Alles geht viel zu schnell. Mit sanfter Gewalt drückt er mich hinab auf die Rückbank, in der ich so tief versinke, dass ich glaube fast unmittelbar auf der Straße zu sitzen. Meinen Rucksack deponiert er vorne neben sich. Dann schlägt er die Beifahrertür zu, umkurvt im Eilschritt den Kühler seiner Karosse, wirft sich hinter das Steuer - es ist rechts! - , schlägt auch die Tür auf seiner Seite zu, ergreift zwei blank abisolierte Kabelenden und hält sie kurz aneinander. Funken fliegen, es knistert. Dann vibriert und schüttelt sich das ganze Fahrzeug, und wir schleichen los.

Die Idee zu fragen, wohin wir fahren und wie hoch der Preis dafür ist, verwerfe ich bald. Ich bin zwar zutiefst verunsichert von allem, was mit mir geschieht, aber nicht wirklich unglücklich darüber, dass mir die Entscheidungen abgenommen werden. Das zuerst mulmige, bange Gefühl, das ich hatte, verändert sich mit jedem Meter, den wir unterwegs sind. Ich staune darüber, dass ich so schnell aufgenommen werde in dieses Land. Dass ich wie ungezählte andere in einem Auto sitze und wie selbstverständlich durch diese fremde Stadt fahre. Das helle Licht da draußen und die Sonne, die so herrlich von einem Postkarten-Himmel scheint, unbehelligt von irgendwelchen Wölkchen, nehmen mir schließlich alle Bedenken. Und während wir uns fast bedächtig fortbewegen, auf der rechten Seite fortwährend überholt von anderen Autos, kehrt dieser stille, unbeschreibliche Jubel zurück, den ich bereits auf der Gangway empfunden hatte. So etwas wie ein gleichzeitiges Weinen und Lachen darüber, dass ich es bis hierher geschafft habe. Dass ich tatsächlich in diesem Auto sitze und abwarten kann, was da auf mich zukommt.

Gestern noch 9000 km entfernt von hier, genieße ich den heißen Fahrtwind, der ohne Hindernis ins Auto gelangt; in keinem der Fenster existiert eine Glasscheibe. Male mir einen Moment lang den kalten, grauen, vielleicht verregneten Morgen aus, der gerade in Hamburg aufzieht. Betrachte die Fahrerlizenz, die an der Frontscheibe klebt, und unmittelbar daneben das farblos gewordene Foto eines alten Mannes, ein Mönch wohl. Über dem Rückspiegel hängen goldenen Kettchen und welche aus frischem Jasmin. Sind es die Jasminblüten, die so wunderbar duften?

Zum ersten mal, seit ich in diesem Land bin, komme ich zu mir. Ich taste nach meinem Brustbeutel unter dem Hemd und fühle nach dem Reisepass in der Innentasche des sommerlichen Jacketts. Alles ist an seinem Platz. Der Rucksack auf dem Beifahrersitz, mein Portemonnaie in der Gesäßtasche. Durchatmen. Aber auch neue Beklemmungen! Denn auf beiden Seiten der Straße präsentieren sich hohe Gerüste mit überdimensional großen Filmplakaten, fast alle mit schreiend bunten Grausamkeiten: Blutige Schwerter, gespaltene Köpfe, drohende Geistergestalten.