Angst vor so viel Glück - Laura Martens - E-Book

Angst vor so viel Glück E-Book

Laura Martens

0,0

Beschreibung

Dr. Baumann ist ein echter Menschenfreund, rund um die Uhr im Einsatz, immer mit einem offenen Ohr für die Nöte und Sorgen seiner Patienten, ein Arzt und Lebensretter aus Berufung, wie ihn sich jeder an Leib und Seele Erkrankte wünscht. Seine Praxis befindet sich in Deutschlands beliebtestem Reiseland, in Bayern, wo die Herzen der Menschen für die Heimat schlagen. Der ideale Schauplatz für eine besondere, heimatliches Lokalkolorit vermittelnde Arztromanserie, die ebenso plastisch wie einfühlsam von der beliebten Schriftstellerin Laura Martens erzählt wird. »Halt, halt, Franzl, nicht so eilig!« Dr. Eric Baumann kostete es einige Mühe, seinen Hund daran zu hindern, so naß, wie er durch den Spaziergang geworden war, in die Küche zu stürmen, um sofort nach seinem Freßnapf zu sehen. Er griff nach dem Handtuch, das Katharina Wittenberg schon bereitgelegt hatte. Sorgfältig trocknete er ihn ab. »So, jetzt noch die Hinterpfoten, Franzl«, sagte er. »So ein feiner Hund wie du darf nicht den ganzen Schmutz ins Haus tragen.« Franzl kümmerte der Schmutz wenig, den er von draußen hereinbrachte. Kaum hatte ihn Eric freigegeben, rannte er in die Küche und vergrub die Schnauze im Freßnapf. »Halb verhungert wie immer«, bemerkte Katharina Wittenberg lachend. »Mann könnte wirklich meinen, wir würden dir nichts zu fressen geben.« »Ganz sicher steht irgendwann der Tierschutzverein vor unserer Tür und fordert Rechenschaft.« Eric wusch sich die Hände am Spülbecken und setzte sich an den Tisch. »Was gibt es Neues im Tegernseer Tal, Katharina?« fragte er, als er sah, daß seine Haushälterin bereits einen Blick in die Zeitung geworfen hatte. Katharina schenkte Kaffee ein. »Wolfgang Strecker aus Gmund hat eine Heiratsanzeige aufgegeben«, erwiderte sie.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2020

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Der Arzt vom Tegernsee – 55 –Angst vor so viel Glück

Laura Martens

»Halt, halt, Franzl, nicht so eilig!« Dr. Eric Baumann kostete es einige Mühe, seinen Hund daran zu hindern, so naß, wie er durch den Spaziergang geworden war, in die Küche zu stürmen, um sofort nach seinem Freßnapf zu sehen. Er griff nach dem Handtuch, das Katharina Wittenberg schon bereitgelegt hatte. Sorgfältig trocknete er ihn ab. »So, jetzt noch die Hinterpfoten, Franzl«, sagte er. »So ein feiner Hund wie du darf nicht den ganzen Schmutz ins Haus tragen.«

Franzl kümmerte der Schmutz wenig, den er von draußen hereinbrachte. Kaum hatte ihn Eric freigegeben, rannte er in die Küche und vergrub die Schnauze im Freßnapf.

»Halb verhungert wie immer«, bemerkte Katharina Wittenberg lachend. »Mann könnte wirklich meinen, wir würden dir nichts zu fressen geben.«

»Ganz sicher steht irgendwann der Tierschutzverein vor unserer Tür und fordert Rechenschaft.« Eric wusch sich die Hände am Spülbecken und setzte sich an den Tisch. »Was gibt es Neues im Tegernseer Tal, Katharina?« fragte er, als er sah, daß seine Haushälterin bereits einen Blick in die Zeitung geworfen hatte.

Katharina schenkte Kaffee ein. »Wolfgang Strecker aus Gmund hat eine Heiratsanzeige aufgegeben«, erwiderte sie. »Sieht aus, als würde es ihm langsam ernst.«

Eric wunderte das nicht. Er kannte den Bauern gut, weil dessen Mutter seit Jahren an Angina pectoris litt und zu seinem Patientinnen gehörte. Bei den Streckers handelte es sich um ordentliche Leute, der Hof stand gut da, Wolfgang sah auch nicht schlecht aus, trotzdem war es ihm bisher nicht gelungen, eine Frau zu finden. Die meisten Mädchen und Frauen zogen sich sofort zurück, wenn sie erfuhren, daß er einen Hof besaß und seine Mutter pflegebedürftig war.

»Wollen wir hoffen, daß er Erfolg hat«, meinte er und griff nach einem Brötchen.

»Ich muß heute vormittag etwas in der Stadt erledigen«, sagte Katharina, während sie eine Brezel mit Butter bestrich. »Bei dieser Gelegenheit möchte ich gleich Maria und Natalie besuchen.« Ihr Gesicht umhuschte ein Lächeln. »Ich habe die Kleine erst gestern gesehen, dennoch kann ich es kaum erwarten, sie in den Armen zu halten. Es ist so ein wundervolles Gefühl. Lach nicht, Eric, es ist, als wäre mir in meinem Alter noch ein Kind geschenkt worden.«

»Unsere Natalie ist ein bezauberndes kleines Wesen«, meinte Eric. Er dachte daran, wie am Heiligen Abend plötzlich eine hochschwangere, junge Frau vor ihrer Tür gestanden hatte. Wenig später hatte er sie von einem Mädchen entbunden. Da Maria La Marca an einer schweren Bronchitis litt, war ihm nichts anderes übriggeblieben, als sie und ihr Töchterchen ins Krankenhaus einweisen zu lassen. Sie hatten beschlossen, beide vorläufig bei sich aufzunehmen. Als Maria sie gefragt hatte, ob sie die Paten ihrer kleinen Tochter werden wollten, hatten sie sofort zugestimmt.

»Ich kann es gar nicht mehr erwarten, bis wir am Samstag den Stubenwagen kaufen gehen. Mal sehen, ob ich auch schon heute etwas Hübsches für die Kleine finde.«

»Vergiß nicht, auch für Maria etwas mitzubringen.«

»Ich werde daran denken«, versprach Katharina und warf Franzl, der treuherzig zu ihr aufschaute, ein Stückchen Wurst zu.

Tina Martens, eine der beiden Sprechstundenhilfen Dr. Baumanns, hatte Urlaub. Und auch die Krankengymnastin Franziska, die eine Woche vor Weihnachten Manfred Kessler geheiratet hatte, war noch nicht von ihrer Hochzeitsreise zurückgekehrt.

So befand sich nur Barbara Schneider in der Praxis, als Eric kurz nach acht durch die Verbindungstür trat. Sie wünschte ihm einen guten Morgen und schien bester Laune zu sein. Lachend erzählte sie ihm, daß es ihr am Vorabend gelungen war, ihren Vater zu überreden, endlich seinen Kleiderschrank auszuräumen und etwas Neues anzuschaffen.

»Sie müssen zugeben, bei einem so stadtbekannten Geizhals, wie es mein Vater ist, ist das ein nicht geringer Erfolg, Doktor Baumann«, meinte die junge Frau.

»Sie können sich auf beide Schultern klopfen, Barbara«, bestätigte der Arzt. Wie es aussah, nahm Guido Schneider langsam Vernunft an. Durch seinen Geiz hatte er sich ein schweres Magenleiden zugezogen. Erst, seit er sich in psychotherapeutischer Behandlung befand und sich auch Barbara, für die er früher nie Interesse gezeigt hatte, um ihn kümmerte, ging es langsam aufwärts.

»Das neue Jahr scheint wirklich gut anzufangen.« Sie schaute aus dem Fenster in den verschneiten Garten hinaus. »Sehen Sie nur, wie sich die Vögel um das Futterhäuschen drängen.«

»Sieht aus, als würden sie eine Party geben«, scherzte der Arzt und ging in sein Sprechzimmer.

Nach und nach trafen die ersten Patienten ein. Für jeden hatte Barbara ein freundliches Wort. In den wenigen Wochen, die sie für Dr. Baumann arbeitete, hatten die Patienten sie bereits ins Herz geschlossen. Selbst Lina Becker, die nur selten an anderen Leuten einen guten Faden ließ, war des Lobes voll über sie.

An diesem Morgen hatte auch Hanna Schad einen Termin. Barbara erschrak, als sie die Patientin sah. Innerhalb der letzten drei Wochen schien Hanna nicht nur abgenommen zu haben, sondern auch regelrecht körperlich verfallen zu sein. Hätte sie nicht gewußt, daß die Patientin erst achtundvierzig war, hätte sie Frau Schad für bedeutend älter gehalten.

Hanna wünschte ihr müde einen guten Morgen. »Ich habe einen Termin zum EKG und zur Blutsenkung«, sagte sie.

»Bitte, nehmen Sie einen Augenblick im Wartezimmer Platz«, bat Barbara. »Ich rufe Sie dann auf.« Besorgt sah sie Hanna an. »Fühlen Sie sich nicht wohl?«

»Nicht sonderlich«, gestand Hanna. »Mir ist in letzter Zeit immer so schwindlig, und schon bei der geringsten Anstrengung bekomme ich kaum noch Luft. Manchmal ist es, als würde ein Reifen meine Brust zusammenschnüren.« Sie hob die Schultern. »Vermutlich das Wetter. Was sollte es auch sonst sein? Ich kann mir nicht vorstellen, ernstlich krank zu sein.«

Barbara verzichtete darauf, ihr zu antworten. Sie war überzeugt, daß Hannas Beschwerden nicht nur am Wetter lagen. Kaum waren die beiden weiteren Patienten, die sie zu einer Blutsenkung erwartet hatte, eingetroffen, rief sie den ersten ins Labor und bat ihn, den Ärmel hochzukrempeln.

Da Tina Martens im Urlaub war, übernahm es Dr. Baumann, bei Hanna Schad ein EKG zu machen. Auch er hatte auf den ersten Blick erkannt, daß seine Patientin kränker zu sein schien, als sie annahm. Als sie vor Weihnachten telefonisch den Termin mit ihm vereinbart hatte, hatte sie nur von leichten Herzbeschwerden gesprochen.

»Wie sieht es aus, Doktor Baumann?« erkundigte sich Hanna, nachdem sie sich wieder angezogen hatte und ihm am Schreibtisch gegenüber saß. Sie zwang sich zu einem Lächeln. »Mein Herz ist doch in Ordnung, oder?«

Dr. Baumann atmete tief durch. »Laut Ihrem EKG sind Sie ernstlich krank, Frau Schad, und es wird am besten sein, wenn ich Sie zu einem Herzspezialisten überweise. Er kann differenziertere Untersuchungen vornehmen als ich.«

»Wie krank?« Hanna richtete sich kerzengerade auf. »Ist es etwas Schlimmes?«

»Diese Frage kann ich Ihnen leider noch nicht beantworten, aber so wie es aussieht, ist es keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen könnte.« Er lächelte ihr zu. »Wir haben uns einige Zeit nicht mehr gesehen. Erzählen Sie mir, wann sind bei Ihnen die ersten Herzbeschwerden aufgetreten?«

»Das liegt schon Monate zurück. Ich habe es nicht weiter ernstgenommen«, antwortete Hanna. »Sie wissen ja, wie das ist. Man hat ständig im Haushalt zu tun. Außerdem helfe ich manchmal in einer Bäckerei aus, um etwas dazuzuverdienen. Und da ist natürlich auch der große Garten… Mein Mann ist der Meinung, ich könnte glücklich sein, nicht Tag für Tag wie er zur Arbeit gehen zu müssen, also sollte ich nicht darüber klagen.« Nervös zupfte sie an ihrem Pullover. »Meistens wird es acht, bis ich zur Ruhe komme. Richtig ausspannen kann ich auch dann nicht, weil mein Mann meistens noch irgendwelche Wünsche hat.« Sie verzog das Gesicht. »Es war ein Fehler, ihn so zu verwöhnen. Er rührt nicht einen Finger im Haushalt.«

»Und warum ändern Sie das nicht?«

»Ich habe es versucht. Holger sieht nicht ein, warum er mir helfen sollte. Er macht oft den Eindruck, als würden sich seine Gedanken nur um sich selbst drehen. Manchmal…« Sie schaute betreten auf ihre Hände. »Ich sollte das alles nicht sagen. Es ist unrecht meinem Mann gegenüber. Ich weiß, daß er mich liebt, dennoch…«

Davon war auch Dr. Baumann überzeugt. Er kannte Holger Schad. Die ganze Familie gehörte zu seinen Patienten. Gleichzeitig wußte er jedoch, daß es sich bei Hannas Mann um einen krassen Egoisten handelte, der immer zuerst sich selbst sah. Er konnte sich durchaus vorstellen, daß Holger Schad noch nicht einmal bemerkt hatte, wie elend sich seine Frau fühlte.

»Was ist mit Ihren Kindern, Sarah und Michael? Können sie Ihnen nicht ein wenig Arbeit abnehmen?«

»Sarah hilft mir im Haushalt, soweit sie mir helfen kann«, antwortete Hanna. »Sie wissen ja, daß sie bei einer Versicherung in München arbeitet und meistens erst abends gegen sieben zurückkommt. Da ist sie natürlich auch fix und fertig, aber sie wäscht ab. Und samstags kümmert sie sich um viele Dinge.« Sie strich ihren Rock glatt. »Was Michael betrifft, er wird dieses Jahr sein Abitur machen und kämpft um eine Belobigung.« Sie schüttelte den Kopf. »Nein, ich möchte nicht, daß er mir über Gebühr hilft. Das könnte ich nicht verantworten.«

»Trotzdem müssen Sie eine Lösung finden, Frau Schad, so geht es jedenfalls nicht weiter.« Eric tippte mit dem Zeigefinger auf das EKG. »Wie es aussieht, werden Sie sich in Zukunft sehr schonen müssen.«

»Ich werde mit meinem Mann reden«, versprach sie. »Es bleibt mir gar nichts anderes übrig. Ich merke ja selbst, wie meine Kräfte immer mehr nachlassen. Manchmal denke ich, daß ich auch Julians Tod noch nicht überwunden habe, obwohl seitdem fünf Jahre vergangen sind.« Sie schüttelte den Kopf. »Kann man den Tod eines siebenjährigen Buben überhaupt vergessen? In meinen Alpträumen sehe ich noch immer, wie man Julian aus dem See gezogen hat. Ich frage mich, ob es meine Schuld gewesen ist. Hätte ich ihm nur nicht gestattet, mit seinen Freunden am Wasser zu spielen.«

»Sie können einen siebenjährigen Buben nicht festhalten, Frau Schad.« Eric stand auf und trat zu ihr. »Sie trifft am Tod Ihres Sohnes keine Schuld.« Er nahm ihre Hand. »Auf jeden Fall müssen wir etwas für Sie tun. So geht’s nicht weiter. Ich werden veranlassen, daß Sie gleich am Donnerstag von Professor Neufert untersucht werden. Bitte, nehmen Sie noch ein paar Minuten im Wartezimmer Platz, während ich den Termin für Sie vereinbare.«

Hanna Schad stand auf. »Danke, Doktor Baumann.« Sie bückte sich nach ihrer Handtasche und verließ das Zimmer. Jede ihrer Bewegungen drückte ihre innere Erschöpfung aus.

Sie wirkte absolut ausgebrannt.

*

Holger Schad fuhr in die Garage und stieg aus. Sein Blick fiel auf einen Eimer mit Kehricht, der neben dem Regal stand, in dem er alles untergebracht hatte, was er so für seinen Wagen brauchte. Ärgerlich runzelte er die Stirn. Wenn er sich nicht um alles selbst kümmerte, wurde in diesem Haus nichts gemacht!

»Hanna! Hanna, wo bist du?« rief er, kaum, daß er das Haus betreten hatte. Er nahm seinen Hut ab und hängte den Mantel an die Garderobe. »Hanna!«

Hanna Schad stieg langsam die Treppe zum Erdgeschoß hinunter. Sie hatte sich ein paar Minuten im Schlafzimmer hingelegt gehabt. »Schön, daß du schon da bist, Holger«, meinte sie. Gewöhnlich kam ihr Mann erst gegen halb sechs nach Hause. Er arbeitete bei der Tegernseer Stadtverwaltung und traf sich nach Dienstschluß oft noch mit Kollegen.

»Sag mal, warum läßt du den Dreckeimer einfach in der Garage stehen?« fragte er, ohne sich erst mit einem Gruß aufzuhalten. »Zustände sind das bei uns.«

»Den Eimer habe ich völlig vergessen«, antwortete sie. »Möchtest du einen Cappuccino?« Sie ging in die Küche.

»Gern.« Er folgte ihr. »Gut, daß morgen frei ist. Ich hätte heute und morgen Urlaub nehmen sollen. Ja, so ist das nun einmal, wenn einem das Pflichtgefühl über alles geht. Leider habe ich Kollegen, die ihre Arbeit nicht so ernst nehmen wie ich.«

Hanna setzte Kaffeewasser auf. »Ich bin am Vormittag bei Doktor Baumann gewesen«, sagte sie und nahm eine Tasse aus dem Schrank.

»Weißt du überhaupt, was du für ein schönes Leben hast, Hanna?« seufzte ihr Mann. »Du mußt nicht jeden Morgen ins Büro und auf die wenigen Urlaubstage warten.« Er lachte. »Für dich ist jeder Tag sozusagen ein Urlaubstag.«

»Du vergißt den Haushalt, den Garten und…«

»Hanna, willst du mir wirklich weismachen, daß das bißchen Haushalt und der Garten mit meinem Job gleichzusetzen sind? Du mußt dich nicht ständig ärgern, weil manche unserer Mitbürger nicht einsehen wollen, daß es nun einmal Gesetze gibt. Du kannst frühmorgens ausschlafen, auch tagsüber mal Fünfe gerade sein lassen. Ich dagegen muß während der Dienstzeit jede einzelne Sekunde auf Draht sein.«

»Du weißt genau, daß ich eine halbe Stunde vor dir aufstehe und mich keineswegs, nachdem du das Haus verlassen hast, noch einmal hinlege«, antwortete seine Frau. »Hast du mir überhaupt zugehört? Ich bin bei Doktor Baumann gewesen, weil ich mich in letzter Zeit nicht wohl fühle.«

»Kannst du mir die Hausschuhe bringen?«

»Warum holst du dir deine Hausschuhe nicht selber, Papa?« fragte Michael Schad von der Tür her. »Warum muß Mama immer springen, wenn du pfeifst?«

»Was fällt dir ein, Michael?« brauste Holger auf. »Ich kann doch wohl erwarten, daß man mich nach der Arbeit ein bißchen verwöhnt. Schließlich bin ich der Ernährer der Familie und rackere mich für euch ab.«

»Auch wenn du unser Ernährer bist, Papa, solltest du dir mal überlegen, was du für eine Haushälterin bezahlen müßtest. Außerdem verdient Mama dazu, oder hast du ihren Job in der Bäckerei vergessen?«

»Das ist nicht mehr als Spielerei!« Holger Schad winkte ab. »Also, wo bleiben meine Hausschuhe?«