Antigone - Sophokles - E-Book

Antigone E-Book

- Sophokles

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Beschreibung

Antigone bestattet ihren gefallenen Bruder, einen Landesverräter, und widersetzt sich damit dem Verbot des Königs. In Sophokles' Tragödie geraten Gesetz und Gewissen in einen tödlichen Konflikt. Klassenlektüre und Textarbeit einfach gemacht: Die Reihe »Reclam XL – Text und Kontext« erfüllt alle Anforderungen an Schullektüre und Bedürfnisse des Deutschunterrichts: * Schwierige Wörter werden am Fuß jeder Seite erklärt, ausführlichere Wort- und Sacherläuterungen stehen im Anhang. * Ein Materialienteil mit Text- und Bilddokumenten erleichtert die Einordnung und Deutung des Werkes im Unterricht. * Natürlich passen auch weiterhin alle Lektüreschlüssel, Erläuterungsbände und Interpretationen dazu! E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

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Seitenzahl: 121

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Sophokles

Antigone

Tragödie

Übersetzung von Kurt Steinmann

Herausgegeben von Mario Leis und Nancy Hönsch

2016 Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

E-Book-Konvertierung: pagina GmbH, Tübingen

Made in Germany 2017

RECLAM ist eine eingetragene Marke der Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart

ISBN 978-3-15-960885-3

ISBN

Inhalt

PersonenAntigonePrologos (1–99)Parodos (100–161)1. Epeisodion (162–331)1. Stasimon (332–375)2. Epeisodion (376–581)2. Stasimon (582–625)3. Epeisodion (626–780)3. Stasimon (781–800)4. Epeisodion (801–943)1. Teil: Der Kommos (806–882)Kommos2. Teil: 883–9434. Stasimon (944–987)5. Epeisodion (988–1114)5. Stasimon (1115–1154)Exodos (1155–1353)1. Teil: 1155–1182; 1183–1245; 1246–12562. Teil: Der Kommos (1257–1353)Anhang1. Zur Textgestalt2. Anmerkungen3. Sophokles: Leben und ZeitZeittafel4. Die antike Tragödie4.1 Die Ursprünge der Gattung4.2 Struktur der Tragödie5. Stoffgeschichte der Antigone5.1 Der mythologische Hintergrund: Der Fluch der Labdakiden5.2 Ort der Handlung: Theben5.3 Antike Spuren des Mythos6. Rezeptionsgeschichte6.1 Ein Überblick6.2 Johann Wolfgang Goethe6.3 Georg Wilhelm Friedrich Hegel6.4 Felix Mendelssohn Bartholdy6.5 Alfred Döblin6.6 Peter von Matt6.7 Kurt Steinmann7. LiteraturhinweiseHinweise zur E-Book-Ausgabe

[5]Personen

ANTIGONE

ISMENE

CHOR THEBANISCHER GREISE

KREON

EIN WÄCHTER

HAIMON

TEIRESIAS

EIN BOTE

EURYDIKE

ZWEITER BOTE

[7]Prologos (1–99)

Vor dem Königshaus in Theben, noch vor Tag. Aus dem Palast treten Antigone und Ismene.

ANTIGONE. Ismene, Schwester, gleichem Mutterleib entstammt!

Kennst du nur eines der von Ödipus entsprungnen Leiden,

das Zeus uns beiden nicht im Leben noch erfüllt?

Denn da ist nichts an Schmerz und nichts, was Ate wirkt,

5und nichts an Schande und Missachtung, das ich nicht

in deinen und in meinen Nöten hab gesehn.

Und jetzt – was ist dies wieder – wie man sagt – für ein Erlass,

den jüngst des Heeres Führer an die ganze Stadt ergehen ließ?

Hast du’s vernommen, weißt es oder merkst du nicht,

10wie auf die Freunde Unheil zukommt von den Feinden?

ISMENE. Zu mir ist keine Kunde über unsre Freunde,

Antigone, gekommen, weder bittere noch frohe,

seit wir beraubt sind, beide, beider Brüder,

die, einer durch des andern Hand, an einem Tage fielen.

15Und seit vergangne Nacht die Streitmacht der Argeier

zurück sich zog, weiß ich nichts weiter mehr,

nicht, was mein Glück vergrößert noch mein Leid.

ANTIGONE. Ich konnt’s mir denken! Drum beschied ich dich

vors Hoftor, dass du es alleine hörst.

20ISMENE. Tief wühlt dich sichtlich auf die neue Kunde.

ANTIGONE. Hat Kreon nicht den einen unsrer beiden Brüder

des Grabs gewürdigt und dem andern schmählich es versagt?

Eteokles, sagt man, hat er, wie’s die Ordnung will,

nach Recht und Brauch geborgen in der Erde,

25[8]so dass er drunten bei den Toten Ehr genießt.

Doch Polyneikes’ Leiche, der so kläglich fiel,

– es sei den Bürgern ausgerufen, heißt es – solle keiner

im Grabe bergen und bejammern, nein, man lass

29ihn unbestattet, unbeweint, den Beutevögeln

als leckern Vorrat, wenn sie ihn erspähn, zum Fressgenuss.

Und solches, sagt man, hat der brave Kreon dir

und mir – ich sag: auch mir – verkündet,

und hierher kommt er, um es denen, die’s nicht wissen,

34genau zu künden; er erachte diese Sache keineswegs

für eine Nichtigkeit, nein, jedem, der so etwas tut, dem sei

hier in der Stadt der Tod durch Steinigung durchs Volk bestimmt.

So steht’s für dich, und bald wirst du beweisen,

ob du im Wesen vornehm oder schlecht, trotz edler Eltern.

ISMENE. Was könnt ich, Arme, wenn es denn so steht,

40sei’s lösend, sei es knüpfend, dazu tun?

ANTIGONE. Ob du mit mir dich mühn und handeln willst, erwäg!

ISMENE. Bei welch riskanter Tat? Wo denkst du hin?

ANTIGONE. Ob du den Toten bergen willst im Bund mit meiner Hand?

ISMENE. So willst du ihn begraben, was der Stadt doch untersagt?

45ANTIGONE. Ja, meinen Bruder – und den deinen, auch wenn du

dich weigerst! Niemals zeiht mich einer des Verrats.

ISMENE. Verwegne! Wo doch Kreon es verbietet?

ANTIGONE. Er hat kein Recht, mich von den Meinen fernzuhalten.

ISMENE. Weh mir! Bedenke, Schwester, wie der Vater uns

50berüchtigt und verhasst zugrunde ging,

nachdem er selbstenthüllter Frevel wegen

[9]die beiden Augen selber sich zerstach mit eigner Hand,

wie dann die Mutter und die Frau – zwei Worte braucht’s! –

sich schimpflich nahm das Leben mit geflochtnem Strick,

55und wie zum dritten dann die beiden Brüder an dem einen Tag,

einander tötend, die Unselgen, ein gemeinsam

Verhängnis sich bereitet mit zum Wechselmord erhobner Hand.

Und nun wir zwei, die wir allein noch übrig sind: bedenk,

wie wir aufs schlimmste enden, wenn wir dem Gesetz

60zum Trotz der Herrscher Machtgebot umgehn.

Nein, zu bedenken gilt es, einmal, dass wir Frauen sind

und drum nicht gegen Männer kämpfen können;

und dann, dass wir beherrscht von Stärkern sind

und so auf dieses hören müssen und noch Härteres.

65Drum also bitt ich die, die drunten sind,

mir zu verzeihn, da ich dazu gezwungen werd,

und füg mich denen, die im Staat das Sagen haben. Denn

zu tun, was alle Maße sprengt, hat keinen Sinn.

ANTIGONE. Ich fordre dich nicht auf, und wolltest du es irgendwann

70noch tun, nicht wirktest du mit mir zur Freud!

Nein, denk du nur, wie’s gut dir scheint! Doch ihn

begrab ich. Schön ist mir nach solcher Tat der Tod.

Lieb werd ich bei ihm liegen dann, dem Lieben,

nach frommer Freveltat; denn länger ist die Zeit,

75da denen drunten ich gefallen muss als denen hier.

Denn dort lieg ich für immer; aber du, hältst du’s für richtig,

entehre das, was bei den Göttern hoch in Ehren steht!

ISMENE. Auch ich versag ihm Ehre nicht, jedoch der Bürgerschaft

zum Trotz zu handeln, sehe ich mich außerstand.

80[10]ANTIGONE. Du nimm denn dies zum Vorwand! Ich jedoch, ich geh,

ein Grab dem liebsten Bruder aufzuwerfen.

ISMENE. Weh mir, wie bin in Angst ich um dich Ärmste!

ANTIGONE. Um mich sei dir nicht bang! Bring dein Geschick ins Lot!

ISMENE. Verrat zumindest keinem diese Tat,

85verbirg sie im Geheimen, und auch ich will’s tun!

ANTIGONE. Nein, posaun es aus! Weit mehr noch hass ich dich,

wenn du’s verschweigst, wenn du’s nicht allen kündest!

ISMENE. Du hast ein heißes Herz bei schaurig kalten Dingen.

ANTIGONE. Doch weiß ich: So gefall ich, wem am meisten ich gefallen muss.

90ISMENE. Wenn du’s nur könntest! Aber, was unmöglich, strebst du an.

ANTIGONE. Erst wenn’s an Kraft mir mangelt, wird’s ein Ende haben.

ISMENE. Das, was unmöglich, soll man gar nicht erst erjagen!

ANTIGONE. Wenn du so redest, hass ich dich,

und als zu Recht Verhasste wirst du bei dem Toten liegen.

95Allein, so lass mich denn und meinen Unverstand

dies Ungeheure leiden! Denn erleiden werd ich nie

so Schlimmes, dass nicht ehrenvoll mein Tod!

Antigone ab nach der Seite.

ISMENE. Nun, wenn es dir so recht erscheint, so geh! Und wisse dies:

Verrückt zwar gehst du, doch die Lieben liebend auf die rechte Art.

Ismene zurück in den Palast.

[11]Parodos (100–161)

CHOR.

[Str. 1 100Strahl der Sonne! Du schönstes

Licht, das dem siebentorigen Theben

je ist aufgegangen zuvor:

Endlich bist du erschienen, o goldenen

Tages Auge, über der Dirke

105Fluten hinwandelnd,

und den Mann mit dem weißen Schild,

der von Argos in voller Rüstung heranschritt,

jagtest du fort, dass er flüchtend davonstob

mit scharf einschneidendem Zügel.

110Ihn hatte gegen unser Land geführt

Polyneikes, der aufbrach aufgrund entzweienden

Streits; jener aber, schrill schreiend

wie ein Adler, kam hochher geflogen ins Land,

es bedeckend mit schneeweißen Schwingen,

115mit vielen Waffen

und rosshaarbuschigen Helmen.

[Gegenstr. 1Und stand über den Dächern,

mit blutlechzenden Lanzen rings

umgierend den siebentorigen Mund;

120und er zog ab, noch ehe mit unserem Blut

er die Backen gefüllt und eh noch

die Bekränzung der Türme

der Pechfackeln Feuer ergriff.

Solch ein Getöse des Ares

125wucherte ihm um den Rücken, ein hart erfochtener Sieg

des entgegenkämpfenden Drachens.

Denn Zeus hasst großer Zunge Geprahle

über die Maßen, und da er sie sah

[12]in gewaltigem Strome sich nahen

130in übermütigem Stolz auf des Goldes Geklirr,

da stieß er mit dem Blitzstrahl hinab ihn,

der oben am Ziel, auf den Schranken der Mauern,

zum Siegesjubel schon anhob.

[Str. 2Taumelnd hinunter auf die widerhallende Erde stürzte

135er, in der Hand die Fackel, der in wütendem Ansturm

bakchisch rasend heranschnob

mit der Wucht der widrigsten Winde.

Doch es kam anders,

und anderen teilte anderes zu mit harten Schlägen Ares, der große,

140der siegbefördernde Helfer.

Denn sieben Truppenführer an den sieben Toren

aufgestellt, Mann gegen Mann, ließen Zeus,

dem Schlachtenwender, den Zoll all-eherner Waffen,

außer dem furchtbaren Brüderpaar, das einem Vater

145und einer Mutter entstammend, gegeneinander

die beiderseits siegreichen Lanzen schwang

und das Teil gemeinsamen Todes empfing, beide zusammen.

[Gegenstr. 2Aber Nike, die vielgepriesene, kam,

teilend die Freude mit der wagengesegneten Thebe.

150Drum schafft nach den Kriegen,

den jüngst vergangnen, Vergessen,

und alle Tempel der Götter

lasst uns in nachtlangen Tänzen begehen, und Thebens Erderschüttrer des Grundes,

Bakchios, gehe voran!

155[13]Doch dort kommt der König des Landes

Kreon, Menoikeus’ Sohn, der neu zum Herrscher bestellt ist

durch jüngste Fügung der Götter!

Welchen Gedanken wohl wälzt er,

dass er diese Versammlung der Alten außer der Ordnung

160her zur Debatte beschied

durch allen gemeinsamen Ausruf?

1. Epeisodion (162–331)

KREON. Männer! Die Götter haben unsre Stadt, die sie

in schwerem Wogengang erschüttert, sicher wieder aufgerichtet.

Euch aber habe ich, von allen ausgesondert,

165durch Boten herbestellt, weil ich wohl weiß,

wie ihr die Macht von Laios’ Thron stets hochgeachtet

und ihr, als Ödipus die Stadt erhob

und umkam dann, bei seinen und Iokastes Söhnen

verbliebt mit unverrückbar treuem Sinn.

170Seit jene nun in doppeltem Verhängnis

an einem Tage fielen, schlagend und

geschlagen, mordbefleckt durch eigne Hand,

hab ich denn nun die Allmacht und den Thron,

da an Verwandtschaft ich der Nächste bin den Toten.

175Unmöglich aber ist es, zu ergründen jeden Mannes

Charakter, Denkart und sein Wollen, eh er sich

in Herrschaft und Gesetzen als erprobt erweist.

Denn wer als Lenker einer ganzen Stadt

nicht nach den besten Leitgedanken greift,

180sondern aus Furcht vor jemand seinen Mund verschlossen hält,

der gilt mir als grundschlechter Mensch, so jetzt wie je;

und wer gar höher als das eigne Vaterland

[14]die Freunde stellt – dem spreche ab ich jeden Wert!

Denn ich – das wisse Zeus, der allzeit alles sieht –,

185ich schwiege nicht, säh ich das Unheil

den Bürgern nahen statt des Wohlergehns,

und würde nie den Mann, der feind der Stadt,

als Freund erachten, in der Einsicht, dass

nur sie es ist, die uns beschützt, und dass wir nur,

190wenn sie nicht wankt auf unsrer Fahrt, uns Freunde schaffen.

Nach solchen Grundprinzipien will ich fördern diese Stadt.

Dem nun entspricht, was ich die Söhne Ödipus’

betreffend hab den Städtern jetzt verkündet:

Eteokles, der im Kampf für diese Stadt

195gefallen ist, in jeder Hinsicht Bester mit dem Speer:

Ihn berge man im Grab und weih ihm alle Grabesspenden,

die zu den besten Toten kommen in der Unterwelt!

Doch seinen Bruder, Polyneikes mein ich, der

die Vatererde und die Götter unsres Lands,

200zurückgekehrt aus dem Exil, mit Feuers Brand

bis auf den Grund verbrennen und sich am verwandten Blut

satt trinken wollte und den Rest versklaven:

Ihn – so ist es unsrer Stadt verkündet –

soll keiner mit dem Grabe ehren noch beklagen,

205nein, unbestattet lass man seinen Leib zum Fraß

den Vögeln und den Hunden, schmachvoll anzusehn!

So geht mein Denken, und nie wird von mir

der Schlechte mehr geehrt als der Gerechte.

Wer aber wohlgesinnt ist dieser Stadt, der sei,

210ganz gleich, ob tot, ob lebend, stets von mir geehrt!

CHORFÜHRER. Dir steht es frei, Sohn des Menoikeus, so zu tun

an dem, der’s übel oder wohl meint mit der Stadt,

[15]und jede Satzung anzuwenden liegt in deiner Macht

auf die, die tot sind, wie auf uns, die leben.

215KREON. Seid mir nun Hüter des Verfügten!

CHORFÜHRER. Bürd einem Jüngern auf zu tragen diese Last!

KREON. Nun, Wachen bei dem Toten sind bestellt.

CHORFÜHRER. Was andres könntest du denn uns damit befehlen?

KREON. Dass ihr es keinem durchgehn lasst, der nicht gehorcht!

220CHORFÜHRER. So töricht ist doch keiner, dass er sterben möchte.

KREON. Ja, in der Tat, dies wär der Lohn! Jedoch mit Hoffnungen

hat die Gewinnsucht Männer oft schon ruiniert.

Ein Wächter tritt auf.

WÄCHTER. Herr, sagen will ich nicht, dass ich ganz atemlos

vor Übereile komm und leicht beschwingten Laufs.

225Denn oft macht ich, um nachzudenken, Halt

und drehte unterwegs mich schon zur Rückkehr um;

denn vieles raunte mir die Seele warnend zu:

»Was eilst du, Ärmster, dorthin, wo dir Strafe droht?

229Du bleibst, Elender, wieder stehen? Und erfährt dies Kreon nun

von einem andern, wie bleibt dir dann Schmerz erspart?«

Dergleichen wälzend kam ich trödelnd langsam nur ans Ziel,

und also wird aus einem kurzen Weg ein langer.

Jedoch am Ende siegte dies: hierher zu kommen

zu dir, und meld ich auch rein nichts, ich sag es doch!

235Mich an die Hoffnung klammernd komme ich,

dass nichts mir widerfährt, was nicht mein Schicksal ist.

KREON. Was ist’s, weswegen du so mutlos wirkst?

WÄCHTER. Ich will zuerst dir sagen, was mich selbst betrifft,

[16]denn nicht getan hab ich’s und sah auch nicht, wer’s tat,

240und unrecht wär’s, wenn ich ins Unheil stürzte.

KREON. Du zielst geschickt und schirmst dich gegen diese Tat

nach allen Seiten ab. Man merkt, du willst uns Unerhörtes melden.

WÄCHTER. Das Ungeheure, nun ja, löst viel Zaudern aus.

KREON. So red doch endlich, troll dich dann und geh!

245WÄCHTER. Ich red ja schon! Den Toten hat soeben einer

bestattet und ist fort, nachdem er trocknen Staub

gestreut hat auf den Leib und heilgen Brauch an ihm geübt, wie’s Pflicht.

KREON. Was sagst du? Welcher Mann hätt tollkühn dies gewagt?

WÄCHTER. Ich weiß es nicht; denn da war keines Pickels Stich

250und keiner Hacke Aushub; spröde war der Boden,

trocken, ohne Riss, von Rädern nicht befahren,

und keine Spur war da von irgendeinem Täter.

Doch als des Tages erster Wächter uns dies wies,

da lag für alle ein unfasslich Wunder vor:

255Der Tote war dem Blick entzogen, nicht begraben zwar,

doch dünn lag Staub auf ihm, wie um Befleckung zu vermeiden.

Und weder eines Raubtiers Spuren zeigten sich

noch eines Hundes, der gekommen und an ihm gezerrt.

Da schwirrten wüste Worte hin und her:

260Ein Wächter fuhr den andern an, und schließlich kam es schier

zu einer Prügelei, und keinen gab’s, uns dran zu hindern.

Denn jeder reihum galt als Missetäter,

doch keiner klar ersichtlich, jeder stritt davon zu wissen ab.

Wir war’n bereit, geglühtes Eisen aufzuheben mit der Hand,

265[17]ein Feuer zu durchschreiten und zu schwören bei den Göttern, dass

wir’s nicht getan noch mitgewusst mit einem, der

die Tat geplant und ausgeführt.