Astronomie in Nürnberg - Gudrun Wolfschmidt - E-Book

Astronomie in Nürnberg E-Book

Gudrun Wolfschmidt

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Beschreibung

"Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland wie eine Sonnen unter Mond und Sternen. Nürnberg ist ja sozusagen das Auge und Ohr Deutschlands." Auf die Bedeutung der Stadt Nürnberg in Mittelalter und in der Frühen Neuzeit weist nicht nur dieser Ausspruch von Luther (1530) hin, sondern auch die Einschätzung von Regiomontan, der Nürnberg als quasi centrum Europae bezeichnete. Hier sollen die astronomischen Aktivitäten in Nürnberg diskutiert werden, Bücher, Instrumente und Sternwarten. Berühmte Namen prägen die Entwicklung wie Regiomontan und Bernhard Walther im 15. Jahrhundert, Johann Schöner oder Georg Hartmann im 16. Jahrhundert sowie Eimmart und seine Mitarbeiter im 17. und 18. Jahrhundert.

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Seitenzahl: 549

Veröffentlichungsjahr: 2010

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Astronomie in Nürnberg

Nuncius Hamburgensis

Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften

Band 3

Gudrun Wolfschmidt (Hg.)

Astronomie in Nürnberg

Hamburg: tredition science 2010

Nuncius Hamburgensis

Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften

Hg. von Gudrun Wolfschmidt,

Bereich Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Technik,

Department Mathematik, Universität Hamburg

ISSN 1610-6164

Diese Reihe „Nuncius Hamburgensis“

wird gefördert von der Hans Schimank-Gedächtnisstiftung.

Dieser Titel wurde inspiriert von „Sidereus Nuncius“ und von „Wandsbeker Bote“.

Astronomie in Nürnberg. Anläßlich des 500. Todestages von Bern-hard Walther (1430–1504) Mitte Juni 2004 und des 300. Todestages von Georg Christoph Eimmart (1638–1705) am 5. Januar 2005. Hg. von Gudrun Wolfschmidt.

Nuncius Hamburgensis – Beiträge zur Geschichte der Naturwissen-schaften, Band 3. Hamburg: tredition science 2010.

Abbildung auf dem Cover vorne: Komet über Nürnberg (1577)

( c⃝Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)

Frontispiz: Beobachtung mit Sextanten auf der Eimmartschen Sternwarte(Rost, J. L.:Astronomisches Handbuch, Nürnberg 1718, Tafel IV)

Titelblatt und Abbildung auf dem Cover hinten:

Eimmartsche Sternwarte auf der Vestnertorbastei

(Doppelmayr, J. G.:Atlas novus coelestis, Nürnberg 1742)

Bereich Geschichte der Naturwissenschaften,

Mathematik und Technik der Universität Hamburg

Bundesstraße 55 – Geomatikum, D-20146 Hamburg

http://www.math.uni-hamburg.de/spag/ign/w.htm

Dieser Band wurde gefördert von der Schimank-Stiftung und vom Cauchy-Forum Nürnberg.

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertungist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere fürVervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verar-beitung in elektronischen Systemen.

ISBN 978-3-86850-609-9 – c ⃝2010 Gudrun Wolfschmidt. Printed in Germany.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Astronomie in Nürnberg 11

Astronomie in Nürnberg – oder der Versuch einer würdevollen Erinnerung und

eines wünschenswerten Neuanfangs

Günter Löffladt und Pierre Leich, Cauchy Forum Nürnberg 12

Grußwort von Uwe Lemmer, Planetarium Nürnberg 15

1 Astronomie in Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus

Gudrun Wolfschmidt19

1.1 Mittelalterliche astronomische Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . 19

1.1.1 Astrolab . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19

1.1.2 Die Instrumente des Cusanus . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

1.2 Regiomontans Instrumente und Bernhard Walthers Sternwarte . . . . 23

1.2.1 Instrumente Regiomontans . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

1.2.2 Regiomontan und Bernhard Walther (1430–1504) . . . . . . . 32

1.3 Welt im Umbruch, um 1500 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

1.3.1 Buchdruck und Verlagswesen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 1.3.2 Kunst der Renaissance und die Entdeckung der Perspektive . 36 1.3.3 Humanismus und Reformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

1.3.4 Umbrüche in Pharmazie und Medizin . . . . . . . . . . . . . . 42

1.3.5 Zeitalter der Entdeckungsreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

1.4 Astronomisches Weltbild und Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . 49

1.4.1 Veröffentlichung von Copernicus De revolutionibus in Nürn-

berg 1543 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

1.4.2 Astronomische Instrumente im 16. Jahrhundert . . . . . . . . 52

1.4.3 Publikation von Tychos Astronomiae instauratae mechanica . 54

1.5 Sonnenuhren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

1.5.1 Dürers Sonnenuhr-Konstruktion . . . . . . . . . . . . . . . . . 56

1.5.2 Nürnberger Kompaßmacher und Klapp-Sonnenuhren . . . . . 57

1.5.3 Ringsonnenuhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61

1.5.4 Barocke Sonnenuhren – Skaphe, Becher- und polygonale Son-

nenuhr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62

1.5.5 Sonnenuhren in Nürnberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

1.6 Räderuhren und astronomische Uhren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

1.6.1 Nürnberger Stunden versus gleichlange Stunden . . . . . . . . 68

6Inhaltsverzeichnis

1.6.2 Turmuhren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 1.6.3 Astronomische Uhren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

1.6.4 Tischuhren – Erfindung des Federantriebs . . . . . . . . . . . 74 1.6.5 Peter Henlein – Die Erfindung der Taschenuhr . . . . . . . . . 77

1.7 Kartographie – Sternkarten und Himmels-Globen . . . . . . . . . . . 78

1.7.1 Kalender und Flugblätter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

1.7.2 Albrecht Dürers (1471–1528) Sternkarten 1515 . . . . . . . . . 80

1.7.3 Johannes Schöner – Himmelsgloben des 16. Jahrhunderts . . . 82

1.8 Die Universität Altdorf und die Instrumente des Praetorius . . . . . . 84

1.8.1 Gelehrtenschule Altdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 1.8.2 Die Nürnberger Akademie (1578) und die Universität in Alt-

dorf (1622–1809) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84

1.8.3 Johannes Praetorius (1537–1616) und seine Instrumente . . . 86 1.8.4 Die Altdorfer Sternwarte (1657) 1711 . . . . . . . . . . . . . . 89

1.8.5 Altdorfer Professoren (Mathematik, Physik und Astronomie),

1576 bis 1704 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

1.9 Die Eimmartsche Sternwarte und die instrumentelle Ausstattung . . . 92

1.9.1 Die Eimmartsche Sternwarte, 1678 bis 1757 . . . . . . . . . . 92

1.9.2 Die Instrumente der Eimmartschen Sternwarte, 1678 bis 1757 94 1.9.3 Eimmartsche Karten und Globen . . . . . . . . . . . . . . . . 98

1.9.4 Maria Clara Eimmart . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

1.9.5 Direktoren der Eimmartschen Sternwarte, 1678 bis 1757 . . . 101 1.9.6 Peter Kolb (1675–1726), Afrikaforscher und Astronom . . . . . 101

1.10 Astronomie der Barockzeit in Nürnberg . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

1.10.1 Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658) . . . . . . . . . . . . . 104 1.10.2 Sternwarte und Instrumente von Johann Philipp Wurzelbau . 106 1.10.3 Beobachtung der Sonne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 1.10.4 Mayers Monddistanzen und Mondskugel (Globus Lunae To-

biae Mayeri) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111

1.11 Himmelsgloben und Kartographie der Barockzeit . . . . . . . . . . . 113

1.11.1 Johann Baptist Homann – Homannsche Offizin, 1702 bis 1848 113 1.11.2 Johann Gabriel Doppelmayr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 1.11.3 Johann Ludwig und Johann Philipp Andreae . . . . . . . . . . 119 1.11.4 Mitarbeiter der Homannschen Offizin . . . . . . . . . . . . . . 120

1.12 Astronomie in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Nürnberg . . . . 121

1.13 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122

1.14 Quellen- und Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124

2 Die Bedeutung von Regiomontans Ephemeriden für die Entdeckung Amerikas

Uta Lindgren145

2.1 Nautische Orientierung und Kartographie mit und ohne Ephemeriden 145

2.2 Andere Hilfsmittel zur nautischen Orientierung . . . . . . . . . . . . 152

2.3 Die Aura der Genauigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153

2.4 Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154

Inhaltsverzeichnis7

3 War Bernhard Walther, Nürnberger astronomischer Beobachter des 15. Jahr-

hunderts, auch ein Theoretiker?

Richard L. Kremer157

4 Die offiziellen Nürnberger Kalenderschreiber

Klaus Matthäus185

4.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

4.2 Kalender für Aderlaß . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186

4.3 Die Nürnberger Kalendariographen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188

4.4 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195

5 Finsternisse über Nürnberg – 1050–2050

Eckehard Schmidt197

5.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197

5.2 Eintausend Jahre Sonnenfinsternisse über Nürnberg . . . . . . . . . . 198

5.3 Berechenbarkeit und Vermarktung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200

5.4 Finsternistabellen des Regiomontanus . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200

5.5 Sonnenfinsternisbeobachtungen von Eimmart und Wurzelbau . . . . . 203

5.6 Die Totalitätszone der Sonnenfinsternis von 1706 . . . . . . . . . . . . 205

5.7 Tobias Mayer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

5.8 Die Sonnenfinsternis von 1793 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

5.9 Die nächste totale Sonnenfinsternis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211

5.10 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211

6 Die Eimmart-Sternwarte in Nürnberg

Hans Gaab213

6.1 Überblick über die Geschichte der Eimmart-Sternwarte . . . . . . . . 213

6.1.1 Die erste Nürnberger Sternwarte? . . . . . . . . . . . . . . . . 213

6.1.2 Das Gründungsdatum der Sternwarte . . . . . . . . . . . . . . 214

6.1.3 Die Lage der Sternwarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214

6.1.4 Die ersten zehn Jahre Sternwartenbetrieb 1678 bis 1688 . . . . 215

6.1.5 Der Sternwartenbetrieb 1689 bis zum Tod Eimmarts 1705 . . 216 6.1.6 Der Brief an Martin Knorre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 218

6.1.7 Der Sternwartenbetrieb unter Johann Heinrich Müller 1705

bis 1709 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220

6.1.8 Der Sternwartenbetrieb unter Johann Gabriel Doppelmayr 1710

bis 1750 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222

6.1.9 Das Ende des Sternwartenbetriebs 1751 . . . . . . . . . . . . . 223

6.2 Die Bedeutung der Eimmart-Sternwarte . . . . . . . . . . . . . . . . 225

6.2.1 Wissenschaftliche Arbeiten auf der Eimmart-Sternwarte . . . . 225

6.2.2 Die Assistenten der Eimmart-Sternwarte . . . . . . . . . . . . 226

6.2.3 Die Eimmart-Sternwarte, die erste Volkssternwarte der Neuzeit?227

6.2.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228

8Inhaltsverzeichnis

6.3 Astronomische Beobachtungen im Briefwechsel von Kirch und Eim-

mart – Anhang von Klaus-Dieter Herbst, Jena . . . . . . . . . . . . . 229

6.4 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230

6.5 Archivalien und Manuskripte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233

7 Georg Christoph Eimmart als Künstler – Die Camera obscura als Erbe

Doris Gerstl235

7.1 Das familiäre Umfeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235

7.2 Die Camera obscura . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236

7.3 Das Oeuvre Georg Christoph Eimmarts . . . . . . . . . . . . . . . . . 237

7.4 Die Nürnberger Kunstakademie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237

7.5 Die Kooperation mit David Klöcker von Ehrenstrahl . . . . . . . . . 238

7.6 Zur Charakteristik von Eimmarts Oeuvre . . . . . . . . . . . . . . . . 243

8 Der Nachlaß des Georg Christoph Eimmart in der Nationalbibliothek in St. Pe-

tersburg

Inge Keil251

8.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251

8.2 Der Briefwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253

8.3 Der Inhalt der 57 Bände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257

9 Die Nürnberger Mondkarten

Ronald Stoyan261

9.1 Die Mondkarte von Georg Christoph (1638–1705) und Maria Clara

Eimmart (1676–1707) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 261 9.1.1 Georg Christoph Eimmart und seine Sternwarte . . . . . . . . 261

9.1.2 Die astronomischen Beobachtungen von der Vestnertorbastei . 262

9.1.3 Die Eimmartsche Mondkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264

9.1.4 Maria Clara Eimmart und die Mondzeichnungen . . . . . . . . 264

9.1.5 Spurensuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267

9.1.6 Vater oder Tochter? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268

9.2 Die Mondkarte von Tobias Mayer (1723–1762) . . . . . . . . . . . . . 268

9.2.1 Der Lebenslauf bis Nürnberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269

9.2.2 Das Längenproblem . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269

9.2.3 Die Mondkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270

9.2.4 Der Lebenslauf nach Nürnberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272

9.3 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272

10 Erhard Weigel (1625–1699) und die Armillarsphäre für Eimmarts Observato-

rium in Nürnberg

Reinhard E. Schielicke275

10.1 Hinweise auf die Armillarsphäre

für Eimmarts Observatorium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275 Inhaltsverzeichnis9

10.2 Erhard Weigel –

barocker Erzvater der deutschen Frühaufklärung . . . . . . . . . . . . 278 10.2.1 Leben und Wirken Weigels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 10.2.2 Weigel als Hochschullehrer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 10.2.3 Weigels Erfindungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 10.2.4 Weigels Reisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282

10.3 Weigels Armillarsphären und Globen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283

10.3.1 Huldigung Weigels durch Georg Arnold Burger . . . . . . . . . 285

10.4 Wesentliche Quellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287

11 Ein Kartograph als Astronom im Schatten des Halbmondes: Johann Christoph

Müller (1673–1721)

Antal András Deák (Esztergom, Ungarn)289

11.1 In Nürnberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289

11.1.1 Die Studienjahre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289 11.1.2 Einige Nürnberger, die in unserer Geschichte vorkommen . . . 290

11.2 In Ungarn (im Schatten Marsiglis) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290

11.2.1 Mitarbeiter des Verfassers der Donau-Monographie . . . . . . 290 11.2.2 Der Kartenzeichner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291 11.2.3 Der Astronom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 291

11.3 Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297

12 Johann Philipp von Wurzelbau (1651–1725) – von wo aus hat er beobachtet?

Willi Deinzer299

12.1 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303

13 Johann Leonhard Rost – »Romanist« und Astronom

Hans Gaab, Olaf Simons305

13.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 305

13.2 Bürgerlicher Hintergrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 307

13.3 Alias Meletaon studentischer Romanautor, Leipzig 1708/1709 . . . . 309

13.4 Zwischen asiatischen Romanen und dem großen Roman von einhei-

mischen Materien: Jena 1709–1712 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314

13.5 Heimkehr und schrittweiser Ausstieg aus dem Romangeschäft, Nürn-

berg und Altdorf 1712–1715 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 320

13.6 Astronom und Mathematiker, Nürnberg 1715–1727 . . . . . . . . . . 324

13.7 Streit um das Osterfest . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326

13.8 Tod und Nachruhm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328

13.9 Bibliographie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330

14 Johann Gabriel Doppelmayer (1677–1750)

Siegfried Kett333

14.1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 333

14.2 Doppelmayers Elektrizitätslehre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 334

10Inhaltsverzeichnis

14.3 Leben und Werk von Johann Gabriel Doppelmayer . . . . . . . . . . 337

14.4 Doppelmayer als Karten- und Globenmacher in der Homannischen

Offizin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340

14.5 Bedeutung Doppelmayers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340

14.6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342

Programm der Tagung in Nürnberg 2.–3. April 2005 345

Referenten und Autoren 349

Abbildungsverzeichnis 359

Nuncius Hamburgensis 366

Personenindex 371

Geschichte der Astronomie in Nürnberg –

Nürnberger Astronomische Gesellschaft (NAG) 383

Abbildung 0.1:

Eimmartsche Sternwarte auf der Vestnertorbastei in Nürnberg

Delsenbach, Johann Adam:Nürnberger Prospecten, anderer Theil(Nürnberg 1716).

Vorwort11

Vorwort

„Nürnberg leuchtet wahrlich in ganz Deutschland

wie eine Sonnen unter Mond und Sternen.

Nürnberg ist ja sozusagen das Auge und Ohr Deutschlands.“

(Martin Luther, 1530)

Auf die Bedeutung der Stadt Nürnberg in Mittelalter und in der Frühen Neu-

zeit weist nicht nur dieser Ausspruch von Martin Luther (1530) hin, sondern auch die Einschätzung von Johannes Regiomontan, der Nürnberg als quasi centrum Eu-ropae bezeichnete. In diesem Buch sollen die Aktivitäten in Nürnberg im Bereich der Astronomie diskutiert werden, dazu gehören die Publikationen, u. a. die Kalen-der, aber auch die hier hergestellten Instrumente. Besonders erwähnenswert ist der Druck des Hauptwerks von Nikolaus Copernicus De revolutionibus 1543 in Nürnberg.

Schon im Spätmittelalter zeigte sich diese Bedeutung der Stadt an der Tatsache,

daß Nikolaus von Kues [Cusanus] (1401–1464) hier seine Bücher und Meßinstrumen-te kaufte. Berühmte Namen prägen die Entwicklung der Astronomie in Nürnberg wie Regiomontan und Bernhard Walther im 15. Jahrhundert, Johann Schöner oder Georg Hartmann im 16. Jahrhundert sowie Eimmart und seine Mitarbeiter im 17. und 18. Jahrhundert. Ferner sollen auch die verschiedenen Beobachtungsstätten oder Sternwarten in Nürnberg vorgestellt werden.

Anläßlich des 500. Todestages von Bernhard Walther (1430–1504) im Juni 2004

und des 300. Todestages von Georg Christoph Eimmart (1638–1705) am 5. Januar 2005 wurde im April 2005 eine Fachtagung zum Thema „Astronomie in Nürnberg“ im Nicolaus Copernicus Planetarium veranstaltet. Tagungsleitung und Organisati-on geschah in Zusammenarbeit von Hans Gaab, Pierre Leich, Günter Löffladt und Gudrun Wolfschmidt. Dieses Buch mit den Beiträgen zahlreicher Autoren bietet in 14 Kapiteln einen guten Überblick über die astronomischen Aktivitäten in Nürn-berg im Laufe der Jahrhunderte. Zum Jahr der Astronomie 2009 wurden weitere Informationen zusammengetragen.1

Gudrun Wolfschmidt

1 Hinzuweisen ist besonders auf die ausgezeichnete Internetseiten der Nürnberger Astro-

nomischen Gesellschaft (NAG): „Astronomie in Nürnberg – das Astronomieportal in

der Region“http://www.naa.net/ain/geschichte.asp. Vgl. auch die neue Publikation:

Gaab et al.: Astronomie in der Metropolregion, 2009. Ferner wurde ein Astronomie-

weg und ein Sonnenuhrenweg für Nürnberg erstellt, der auch online verfügbar ist:http:

//www.naa.net/ain/astronomieweg/Astronomieweg_Nuernberg.pdfundhttp://www.naa.

net/ain/sonnenuhrenweg/Sonnenuhrenweg_Nuernberg.pdf.

12Astronomie in Nürnberg

Astronomie in Nürnberg – oder der Versuch einer

würdevollen Erinnerung und eines wünschenswerten

Neuanfangs

Grußwort von Günter Löffladt und Pierre Leich,

Cauchy Forum Nürnberg (CFN) e. V.,

Interdisziplinäres Forum für Mathematik und ihre Grenzgebiete

Erfreulich und zweifellos gewinnbringend ist es gelegentlich, wenn mehrere Ereignisse gleichzeitig auftreten und gewisse Infrastrukturen mit gleicher Zielrichtung vorhan-den sind. Zu dieser Erkenntnis kam ohne Zweifel auch 1471 jener Mann, der in einem Brief an einen Freund schrieb:

„Denn ich habe mir die Stadt Nürnberg kürzlich zum dauernden Wohn-

sitz gewählt, zum einen weil es dort sehr qualitätsvolle Geräte gibt, vor

allem astronomische Instrumente, derer sich die gesamte Sternenkunde

bedient, zum anderen weil man von dort aus leicht den Umgang mit ge-

lehrten Männern pflegen kann, wo auch immer diese leben. Denn wegen

der Weltläufigkeit seiner Kaufleute wird dieser Ort gewissermaßen als

das Zentrum Europas betrachtet.“

Kein Geringerer als der berühmte Astronom und unbestritten größte Mathemati-ker seines Jahrhunderts Johannes Regiomontanus formulierte diese Worte in einem Brief an den Erfurter Universitätsrektor Christian Roder, um seinen Umzug nach Nürnberg zu begründen. Mit Regiomontanus beginnt zweifellos die wissenschaftliche Blütezeit Nürnbergs. In den folgenden drei Jahrhunderten war Nürnberg, die alte Reichsstadt, das Quasi Centrum Europae für Mathematik, Astronomie und Kar-tographie. Namen wie Bernhard Walther, Johannes Werner, Paul Pfinzing, Erhard Etzlaub, Albrecht Dürer, Johannes Schöner trugen den Ruf der Stadt in die Welt hinaus.

Aber auch im handwerklichen Bereich, verknüpft mit dem wissenschaftlichen In-

strumenten- und Globenbau, nahm Nürnberg eine führende Position in Europa ein. Martin Behaim, der 1493 einen berühmten Globus baute und Georg Hartmann der Mathematiker und Globenmacher seien hier nur genannt. Die Nürnberger Kom-passmacher waren ebenfalls in aller Welt geschätzt und ihre Erzeugnisse, Sonnenuh-ren aus Elfenbein, überall begehrt. Die geistige Aufgeschlossenheit, sowie die graphi-schen und drucktechnischen Hochleistungen eines Johannes Koberger und Johannes Petreius ermöglichten es, dass in Nürnberg herausragende Druckerzeugnisse erschei-nen konnten. Erinnert sei nur an das epochale Werk der Schedelschen Weltchronik von dem Arzt Hartmann Schedel, sowie die Veröffentlichungen des italienischen Ma-thematikers Girolamo Cardano oder das Grundlagenwerk von Nicolaus Copernicus De revolutionibus im Jahr 1543.

Günter Löffladt und Pierre Leich: Grußwort13

Ein ganz besonderer Impuls ging noch einmal mit der Gründung des ersten deut-

schen Gymnasiums – dem Gymnasium zu St. Egidien – im Jahr 1526 aus, das auf Anregung des Praeceptors Germaniae Philipp Melanchthon gegründet worden ist. Aus der Idee dieser Hohen Schule entstand dann auf Nürnbergischem Gebiet in Altdorf 1575 ein Gymnasium, das 1578 zu einer Akademie erhoben wurde und schließlich 1622 Universitätsrang erhielt. Diese Nürnbergische Universität in Altdorf, die fast 200 Jahre bestand, zählte berühmte Professoren aus den unterschiedlichsten Forschungsgebieten zu ihrem Lehrkörper. Erinnert sei nur an die berühmten Mathe-matiker Johannes Praetorius, Daniel Schwenter, sowie an die Astronomen und Ma-thematiker Johann Christoph Sturm und Abdias Trew. Der zuletzt genannte Trew wurde 1636 nach Altdorf berufen und errichtete dort – etwa 1638 – das erste Obser-vatorium auf Nürnberger Gebiet. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der Nürnberger Rat seinen Professoren freigestellt hatte, ob sie die kopernikanische oder die ptolemäische Theorie lehrten. Kein Wunder also, dass in solch einer geistig freien und fruchtbaren Atmosphäre mathematische Ideen reifen, sowie astronomische Forschung sich entwickeln konnten. Die Bedeutung Nürnbergs als Wissenschaftsme-tropole ist also das Resultat von vielen einzelnen und dennoch verknüpften Personen und Ereignissen auf engstem Raum.

Die Astronomie in Theorie und Praxis war ohne Zweifel von der Mitte des 15. Jahr-

hunderts bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts in Nürnberg die beherrschende Na-turwissenschaft.

Grund genug, sich also mit der Nürnberger Astronomiegeschichte und seinen Ak-

teuren wie Johann Leonhard Rost, Johann Gabriel Doppelmayr, Johann Philipp von Wurzelbau, Johann Christoph Müller, Conrad Heinfogel, Maria Clara Eimmart zu beschäftigten. Aber es sind zwei andere Wissenschaftler, die unsere besondere Aufmerksamkeit in diesem Zeitraum erfordern, Bernhard Walther (1430–1504) und Georg Christoph Eimmart (1638–1705).

Bernhard Walther, der aus Memmingen nach Nürnberg kam, war Schüler des

großen Regiomontanus. Im Rahmen seiner astronomischen Arbeiten befasste er sich mit Planetenmessungen und der Zeiteinteilung. Nach dem Kauf des späteren Albrecht-Dürer-Hauses richtete er in diesem ab 1501 eine Beobachtungsstation ein. Ein besonderer Verdienst von Walther war auch nach dem Weggang von Regio-montanus, dass er dessen Bücher und Geräte, die in Nürnberg verblieben waren, sammelte und somit für die Nachwelt erhielt.

Im Jahr 1678 – also über anderthalb Jahrhunderte später – errichtete Georg Chri-

stoph Eimmart, der Astronom, der Mathematiker, der Künstler auf der Vestnertor-bastei, nördlich der Burg, die erste Sternwarte in Nürnberg, die mit Unterbrechung bis 1751 existierte. Pflegte man bislang Wissenschaft und Bildung hinter verschlos-senen Türen und hohen Mauern zu betreiben, so war es zumindest ein Novum für die Astronomie, dass Eimmart sein Observatorium auch für die interessierte Öffent-lichkeit öffnete und junge Menschen in die Astronomie einführte, die dann später oftmals selber wichtige Beiträge zu dieser Wissenschaft lieferten.

An diese großartige Vergangenheit möchte nun ein Projekt anknüpfen, das zum

einen die Erinnerung an diese großartige Zeit wachruft und zum andern gleichzeitig 14Astronomie in Nürnberg

das Interesse an der Astronomie und deren Geschichte neu belebt. Grundidee dieses Projektes ist es, an dem Ort der ehemaligen „Eimmart-Sternwarte“ auf der Vestner-torbastei einige markante nachgebaute ehemalige Beobachtungsinstrumente wieder aufzubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein besonderes Anliegen dabei ist die wissenschaftliche und didaktische Begleitung in Form von Fachveran-staltungen zur Astronomie und deren Geschichte. Konkreter Anstoß im Jahr 2004/05 war für eine derartige Fachveranstaltung der 500. Todestag von Bernhard Walther und der 300. Todestag von Georg Christoph Eimmart.

Der Anfang war viel versprechend und äußerst ermutigend, denn diese erste Ver-

anstaltung zum Thema „Astronomie in Nürnberg“ wurde international wahrgenom-men und im Ergebnis ein voller Erfolg. Mit Freude konnten die Veranstalter – der „Arbeitskreis Astronomiegeschichte in der Astronomischen Gesellschaft“ und das „Cauchy-Forum-Nürnberg“ – Referentinnen und Referenten aus den USA, Ungarn, Holland und Österreich begrüßen. In mehr als 25 Referaten quer durch die Nürn-berger Astronomiegeschichte und darüber hinaus wurden personenbezogene, ide-engeschichtliche und problemgeschichtliche Themen behandelt. Aber auch fachwis-senschaftliche Themen kamen nicht zu kurz. Schwerpunktmäßig befassten sich die Referate einmal mit der Zeit um 1500, hier wurden u. a. die Leistungen von Regio-montanus, Bernhard Walther, Johannes Werner und Johannes Schöner beleuchtet. Der zweite, kleinere Schwerpunkt galt der Eimmart-Sternwarte und ihren Mitarbei-tern.

Ein besonderes Anliegen dieser Fachveranstaltung war es auch, einen möglichst

breiten Teilnehmerkreis anzusprechen und deshalb wurde versucht außer Fachwis-senschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern, auch Lehrkräfte und interessierte Laien als Zuhörer zu gewinnen. Die Themenvielfalt und die hohe Qualität der Beiträge zwingen geradezu über den Teilnehmerkreis hinaus, auch andere an der Astronomie Interessierte daran teilnehmen zu lassen. Wir haben uns deshalb entschlossen diese Beiträge in einem Tagungsband zu veröffentlichen. Darüber hinaus hoffen wir auch, in der breiten Öffentlichkeit das Interesse für Astronomiegeschichte zu wecken.

Für die Zukunft ist fest daran gedacht, dieses zarte Pflänzchen „Astronomie in

Nürnberg“ auf unterschiedlichste Art und Weise weiter zu pflegen und zu entwickeln, um auch der Verwirklichung des „Eimmart-Projekts“ und damit einem zentralen Gedanken „Astronomie und Öffentlichkeit im Dialog“ näher zu kommen.

Wir wünschen deshalb diesem Band eine weite Verbreitung und viele interessierte

Leserinnen und Leser.

Uwe Lemmer: Grußwort15

Grußwort von Uwe Lemmer, Planetarium Nürnberg

„Astronomie in Nürnberg“, das ist ein großes Thema! Gestatten Sie mir, dass ich in meinem Grußwort zur Tagung auf diesen Ort, das Planetarium, eingehe und einen gedanklichen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft schlage. Ich möchte erläutern, warum mich die Beschäftigung mit der Nürnberger Astronomiegeschichte zuversichtlich stimmt.

Das Auf und Ab der Astronomie im Laufe der Geschichte lässt sich ein Stück

weit auch an der Entwicklung des Planetariums absehen. Ich sollte besser sagen: der beiden Planetarien, denn dieses Nicolaus-Copernicus-Planetarium ist bereits das zweite Sternentheater in Nürnberg.

Das erste Nürnberger Planetarium wurde in der frühen Sturm-und-Drang-Periode

der Planetariumsgeschichte im letzten Drittel der 1920er Jahre errichtet. Mit 23 Me-tern Kuppeldurchmesser und 450 Sitzplätzen war es riesig. Doch schon die Eröffnung am 10. April 1927 war bereits ein Politikum, weil die Baukosten überschritten wur-den und das Gebäude architektonisch als nicht besonders gelungen galt. Das markan-te Kennzeichen eines jeden Planetariums, die riesige Projektionskuppel, wurde aus angeblich „städtebaulichen Gründen“ durch einen zylindrischen Umbau fast völlig verdeckt. So bekam das eigenartige Bauwerk am Rathenauplatz im Volksmund die Spitznamen „Neuer Gaskessel“ und „Versunkene Glocke“. Aber es kam noch schlim-mer, denn der Betrieb begann zu einer Zeit, da das Land in die Weltwirtschaftskrise hineinschlidderte, was in den 1930er Jahren einen Zusammenbruch der Besucherzah-len auslöste. Das endgültige Ende des Planetariums besiegelte dann die Machtüber-nahme der Nationalsozialisten. Gauleiter Julius Streicher verunglimpfte es wegen seines angeblich „synagogalen“ Baustils, organisierte eine umfassende Propaganda gegen die Einrichtung und ließ den Betrieb im Jahre 1933 einstellen. Im Folgejahr wurde das Gebäude abgerissen. Heute erinnert noch nicht einmal ein Gedenkstein an diesen düsteren Vorgang der Stadtgeschichte. Das technische Herzstück des Pla-netariums, der große Zeiss-Projektor, überlebte den Bombenhagel des Krieges im Kunstbunker unter der Nürnberger Burg und konnte später reaktiviert werden.

Die 1931 errichtete Sternwarte auf dem Rechenberg hatte zunächst weniger Pro-

bleme. Sie überlebte den Krieg und wurde erst 1945 von der einheimischen Bevöl-kerung zerstört und geplündert.

Damit hier nicht der Eindruck von unzivilisierten Franken entsteht, die band-

schatzend astronomische Einrichtungen zugrunde richten, muss angemerkt werden, dass die Rolle des damaligen Leiters von Planetarium und Sternwarte, Wilhelm Hart-mann, höchst unglücklich gewesen ist. Es ist heute nicht mehr nachvollziehbar, ob es ein Lavieren mit den Machthabern war oder ob er von persönlichen Überzeugungen getrieben wurde, jedenfalls war Hartmann in Aktivitäten von Nazi-Esoterikern invol-viert, die in der Öffentlichkeit ein ziemlich verzerrtes Bild von der Arbeit der Stern-warte zeichneten. Wie ausführliche Recherchen von Edgar Wunder ergaben, enga-gierte sich Hartmann freiwillig oder unfreiwillig intensiv mit ideologisch-esoterischen 16Astronomie in Nürnberg

Themen des sog. „Ahnenerbes“. Darüber hinaus entwickelte er als Astronom (!) ei-ne zunehmende Sympathie für die Astrologie, wodurch die Sternwarte in dieser Zeit einen Großteil ihres Charakters als populäre astronomische Bildungseinrichtung ver-lor. Beim Zusammenbruch des NS-Staates entlud sich in der Bevölkerung vielleicht auch der Unmut gegen die okkulten Machenschaften, mit denen sich die Arbeit der Nürnberger Sternwarte im Dritten Reich verband.

Nach dem Kriegsende war in Nürnberg jedenfalls erst einmal die Astronomie zum

Erliegen gekommen. Das Planetarium abgerissen, die Sternwarte verwüstet – das hätte das Ende für die Astronomie in Nürnberg sein können. Ich möchte hier nicht weiter auf die Einzelheiten der Nachkriegsentwicklungen eingehen, denn Edgar Wun-der hat dies in einer Artikelserie, die zwischen 2001 und 2004 im Regiomontanus-boten veröffentlicht wurde, ausführlich nachvollzogen. Um es kurz zu machen: Es war nicht das Ende. Sternwarte und Planetarium wurden erneuert bzw. neu gebaut. Das Planetarium entstand in kleinerer und bescheidener Form hier am Nürnberger Plärrer. Und das Ringen ums Geld, manchmal sogar der Kampf gegen die Schlie-ßung, erinnern mich irgendwie an eine rekurrierende Nova: Phasen der Ruhe werden unterbrochen von heftigen Ausbrüchen.

Ich denke, wir werden im Laufe dieser Tagung stets daran erinnert werden, dass

sich diese episodischen Entwicklungen mit alternierenden Hoch- und Tiefpunkten bis in die Zeiten der Renaissance zurückverfolgen lassen. Erst wird etwas aufgebaut, dann geht das Geld aus und einer Phase des Verfalls folgt die Schließung. Und ei-nige Zeit später beginnt es irgendwo anders wieder von neuem. Es scheint so, als sei die Astronomie in Nürnberg trotz schwerer Rückschläge und Zeiten der Absti-nenz einfach nicht totzukriegen. Immer wieder tauchten Menschen auf, die sich für diese Wissenschaft interessierten und Geld oder Engagement in die Förderung der zugehörigen Einrichtungen steckten. Die Geschichte der Burg-Sternwarte von Ge-org Christoph Eimmart ist dafür geradezu prototypisch und repräsentiert eine von vielen Episoden dieser Entwicklung.

Trotz der aktuellen Finanzkrise der Städte und Kommunen, die auch am heutigen

Nürnberger Planetarium nicht halt macht, bin ich daher optimistisch für die Zu-kunft. Die Sternwarte auf dem Rechenberg ist so populär und modern wie nie zuvor und das Planetarium erfreut sich einer so großen öffentlichen Sympathie, dass die Bekanntgabe von Schließungsplänen im Jahre 2004 einen großen Sturm der Entrü-stung in der Bevölkerung auslöste, der dieses fatale Vorhaben politisch unmöglich machte. Und selbst wenn es tatsächlich einmal zu einer Schließung käme, bin ich mir sicher, dass sich früher oder später wieder jemand findet, der die Tradition fortsetzt und den nächsten Anlauf wagt. Die Astronomie ist in Nürnberg zutiefst verankert und die Nürnberger werden die Astronomie nicht im Stich lassen. Das ist der Grund, warum mich die Beschäftigung mit der Nürnberger Astronomiegeschichte so zuver-sichtlich stimmt.

Uwe Lemmer: Grußwort17

Abbildung 0.2:

Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg,

Projektor Modell V

18Astronomie in Nürnberg

Abbildung 1.1:

Ptolemaios mit einem Quadranten am Schönen Brunnen (1396)

(„Astronomie“ von den „Sieben Freien Künsten“)

Foto: Gudrun Wolfschmidt

Astronomie in Nürnberg – Zentrum des

Instrumentenbaus

Gudrun Wolfschmidt

Die Höhepunkte der Astronomie in Nürnberg vom Mittelalter bis in die Barockzeit sollen hier überblicksartig dargestellt werden. Dabei werden Konstruktion, Funktion und Anwendung astronomischer Instrumente diskutiert. Nürnberg entwickelte sich (neben Augsburg) in der Renaissance zu einem Zentrum der Herstellung wissen-schaftlicher Instrumente.1 Der Schwerpunkt liegt in diesem Kapitel auf Instrumen-ten, die in Nürnberg hergestellt wurden oder hier in Quellen beschrieben werden.

1.1 Mittelalterliche astronomische Instrumente

Zur Ortsbestimmung am Himmel verwendeten schon Hipparch und Ptolemaios Tri-quetrum (Dreistab), Quadrant und Armillarsphäre – Instrumente, die sich bis in die Barockzeit finden.

In Nürnberg gab es nach dem Handwerkerverzeichnis von 1363 unter 1217 Mei-

stern 353 Metallbearbeiter, darunter 16 Goldschmiede. Erst ab 1442 werden Zirkel-schmiede (Hersteller wissenschaftlicher Instrumente) gesondert aufgeführt. Ab 1484 werden zudem Kompaßmacher (Sonnenuhrhersteller) genannt (vgl. Abb. 1.26, S. 58).

1.1.1 Astrolab

Das wichtigste astronomische Instrument des Mittelalters ist das Astrolab. 2 Seinen Ursprung hat das Astrolab in der vor-islamischen Epoche. Es wurde in der Zeit von 150 v. Chr. bis 150 n. Chr. von griechischen Astronomen entwickelt. Im isla-mischen Kulturkreis erreichte das Astrolab einen Höhepunkt der Entwicklung. Ab

1 Besonders grundlegend sind die Werke von: Zinner, Ernst: Astronomische Instrumente, 1957.

Dreier, Franz Adrian: Winkelmessinstrumente, 1979. Turner, Anthony J.: Early Scientific In-

struments, 1987. North 1997. Turner, Gerhard L’E.: Scientific Instruments 1500–1900, 1998.

Heilbron 2005.

2 Thorndike 1950. Borst 1989.

20Astronomie in Nürnberg

Abbildung 1.2:

Islamisches Astrolab, Ahmad Ibn Muhammad al-Naqqâsh, Saragossa, 1079/80

(Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, WI 353)

Foto: Gudrun Wolfschmidt

dem Hochmittelalter im 10./11. Jahrhundert lernten das christlich-lateinische Eu-ropa durch islamische Gelehrte in Spanien die antiken astronomischen Instrumente wie auch das Astrolab kennen. Das Astrolabium ist eine Kombination aus drehbarer Sternkarte, Visierinstrument zur Winkelmessung und astronomischem Rechenschie-ber. Es handelt sich also um ein multifunktionales Instrument zur Höhenmessung, Zeitbestimmung, Ermittlung der Auf- und Untergangszeiten und vieles mehr. Das Astrolab kann nicht nur benutzt werden, um die Höhe eines Sterns, der Sonne, des Mondes und anderer Planeten zu bestimmen, sondern auch die Höhe von Bergen oder die Tiefe von Brunnen und vieles mehr.

Zur Konstruktion muß eine stereographische Projektion der Himmelssphäre vom

Pol auf die Äquatorebene durchgeführt werden. Die Kreise der Deklination erschei-nen auf den Platten des Astrolabs, während sich die Sterne auf dem Spinnennetz befinden.

∙ Auf einer Einlegescheibe, konstruiert für eine bestimmte geographische Breite,

sind Höhen- und Azimutlinien des Horizontsystems abgebildet.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus21

∙ Darüber ist eine kunstvoll durchbrochene Scheibe, die Rete, drehbar um die

Mittelachse und mit den wichtigsten Fixsternpositionen sowie dem Tierkreis

(Ekliptik) gelegt.

∙ Ein schwenkbares Lineal (Alhidade) mit zwei Visiervorrichtungen, Dioptern,

auf der Rückseite des Instruments ermöglicht die Messung von Höhenwinkeln

von Gestirnen.

∙ Verschiedene Stunden- und Datumsskalen erlauben den universalen Einsatz

des Astrolabiums bei Aufgaben der Positions- und Zeitbestimmung in der

Astronomie, Astrologie und Vermessungskunde.

1.1.2 Die Instrumente des Cusanus

Nikolaus von Kues [Cusanus] 34 (1401–1464) studierte in Heidelberg, Padua und Köln Theologie und kanonisches Recht. Als Doktor des Kirchenrechts stieg Cusanus 1448 zum Kardinal auf. Er wirkte auf dem Basler Konzil (1439), auf Reichstagen, Für-stenzusammenkünften und bei der Einigung mit der griechisch-orthodoxen Kirche in Konstantinopel (1437). Im Auftrag des Papstes unternahm er eine Legationsreise auf dem Maulesel von Rom über Wien, Deutschland bis in die Niederlande. Da-nach wurde er zum Fürstbischof von Brixen ernannt. Cusanus war nicht nur ein großer Humanist, Rechtsgelehrter und Kirchenmann, sondern auch Philosoph und Naturforscher. In Padua hatte Cusanus den berühmten Arzt und Astronomen Paolo Toscanelli (1397–1482) kennengelernt, der ihn in die Mathematik und Astronomie einführte. Auf dem Basler Konzil 5 stellte er eine Schrift zur Kalenderreform vor (De correctione calendarii), wo er auf die Probleme Julianischen Kalenders und der damit zusammenhängenden Osterdatumsberechnung hinwies.6 Cusanus war der be-deutendste Philosoph des 15. Jahrhunderts. Als Erster hat er die Unendlichkeit der Welt gelehrt. Bei seinem Aufenthalt in Konstantinopel sammelte er antike (unter anderem auch arabische) Schriften zur Astronomie und konzipierte sein wichtigstes Werk De docta ignorantia (Über die gelehrte Unwissenheit), in dem er seine An-schauung über kosmische Bewegung niederlegte (1440 vollendet in Kues).

Die folgenden vier Instrumente haben sich im St.-Nikolaus-Hospital in Bernkastel-

Kues erhalten.78 Die ersten drei genannten Instrumente zusammen mit 16 Büchern kaufte Cusanus während einer Teilnahme am Reichstag in Nürnberg 1444 für 38 rheinische Gulden.

3 Lübke 1964. Pilz 1977, S. 52–54.

4 Cusanus wurde unter dem Namen Cryfftz (Krebs) in Bernkastl-Kues an der Mosel geboren. Seine

Erziehung zum Geistlichen begann in Deventer/Holland bei den „Brüdern vom gemeinsamen

Leben“.

5 Hier kaufte Cusanus den Almagest des Ptolemaios nebst 13 weiteren astronomischen Werken

zum Preis von 38 Gulden.

6 Erst Papst Gregor XIII. griff diese Reformvorschläge wieder auf und führte die Reform 1582

durch.

7 Bellitto 2004.

8 Hartmann 1919.

22Astronomie in Nürnberg

Abbildung 1.3:

Instrumente des Cusanus in der Stiftsbibliothek:

Astrolab, Torquetum, hölzener und kupfener Himmelsglobus

Das Astrolabium mit einem Durchmesser von 18 cm stammt von etwa 1240. Das

Torquetum (Turketum), um 1434 (Alter bestimmt nach der Lage des Frühlings-punktes), wurde für die Nürnberger Polhöhe angefertigt, also nicht aufgrund einer Bestellung des Kardinals.9 Es gibt übrigens insgesamt nur zwei mittelalterliche Tür-kengeräte;10 das älteste ist das von Cusanus. Das Torquetum von 1487, Hans Dorn (1430/40–1509), Wien 1487, befindet sich heute in der Jagiellonischen Universität

in Krakau; es wurde für Martin Bylica von Olkusz (∼1434–1493), Hofastronom des ungarischen Königs Matthias Corvinus, hergestellt. Das Torquetum ist ein relativ seltenes Instrument (vgl. S. 28 und S. 88). Der große hölzene Himmelsglobus (Durch-messer 27 cm) stellt die älteste deutsche Himmelskugel dar, älter als der von Johan-nes Stöffler um 1493 angefertigte, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindliche, Himmelsglobus. Der Globus ist weiß gestrichen und die Sternbilder in Tinte daraufgemalt, die Sterne als rote Lack-Punkte. Er wurde eventuell am böhmi-

9 Als Hersteller wurde folgender Instrumentenmacher genannt: Nikolaus von Heybech (∗1370) aus

Erfurt. Hudson, Giles M.: Torquetum. In: Bud/Warner 1998, S. 624.

10 Turner 1987, S. 17.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus23

schen Königshof in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts hergestellt. Die Kugel für den kupfernen Himmelsglobus (Durchmesser 17 cm) hatte Cusanus eventuell in Itali-en gekauft (allerdings ohne Sterne); das Gestell entstand in Brixen und dort begann Cusanus auch mit der Eingravierung der Sterne, deren Koordinaten er bestimmt hatte.

1.2 Regiomontans Instrumente und Bernhard Walthers

Sternwarte

Regiomontanus11 oder Johannes Müller (Königsberg in Franken 1436–1476 Rom) studierte in Leipzig und Wien, wo er Schüler von Georg Peurbach (1423–1461) war. Dieser führte ihn in die mathematischen Grundlagen, die astronomische Beobach-tungstechnik und die Herstellung von Instrumenten ein.

Abbildung 1.4:

Links: Johannes Regiomontanus (1436–1476) mit Astrolab

Rechts: Das Geburtshaus des Johannes Regiomontanus (1436–1476)

im fränkischen Königsberg (Salzmarkt 6)

Links: Schedelsche Weltchronik (Nürnberg 1493). Rechts: Wolfschmidt 1976.

Regiomontan begleitete Kardinal Bessarion (1403–1472), der ihn zur Übersetzung

des Almagest angeregt hatte, nach Rom und stand bis 1465 in dessen Diensten. 1467 folgte Regiomontan einer Einladung von Erzbischof Johann Vitéz (1445–1471) von Esztergom nach Ungarn, wo er an der neugegründeten ungarischen Universität

11 Zinner 1938, 2. Aufl. 1968. Wolfschmidt 1976. Zinner 1990. Hamann 1993. Mett 1996. Wolf-

schmidt 1998.

24Astronomie in Nürnberg

Preßburg (Bratislava, heute Slowakei) lehrte. Als Bibliothekar des Königs Matthi-as Corvinus (1443–1490) erarbeitete er in Buda(pest) verschiedene mathematische Tafelwerke (Tabula primi mobilis 1514).

Abbildung 1.5:

Finsternis-Kalender von Johannes Regiomontanus (1436–1476)

Regiomontan:Deutscher Kalender(Nürnberg 1474). Foto: Gudrun Wolfschmidt

1471 kehrte Regiomontan in seine fränkische Heimat zurück; als Begründung dafür

gab er an, daß er nur in Nürnberg geeignete Mitarbeiter für seine geplante Neuge-staltung der Himmelskunde finden könnte, dazu ausgezeichnete Instrumentenbauer; er bezeichnete Nürnberg als 12„quasi centrum Europae“ . In der Reichsstadt eröff-nete er eine Werkstatt zur Herstellung astronomischer Instrumente und eine eigene Druckerei; er veröffentlichte auch ein Verlagsliste mit seinen geplanten Druckwerken. In seinem lateinischen Kalender hatte Regiomontan bei der Berechnung der Oster-daten nach kirchlichen und astronomischen Verfahren Diskrepanzen aufgezeigt. Dar-aufhin berief Papst Sixtus IV. Regiomontan 1475 nach Rom zur Mitwirkung an der Kalenderreform; aber er verstarb schon im folgenden Jahr.

1.2.1 Instrumente Regiomontans

Nach diesem kurzen Überblick über Regiomontans Leben und astronomisches (ohne sein mathematisches) Werk soll besonders auf seine Tätigkeit als Instrumentenma-cher eingegangen werden.13 Aufgrund der Abweichung gemessener und berechneter

12 Pilz 1977, S. 58–92.

13 Wolfschmidt 1976.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus25

Werte übte Regiomontan Kritik an Werken der Antike und war überzeugt, daß Fort-schritte in der Astronomie, zum Beispiel genauere Planetentafeln, nur durch verbes-serte Beobachtungen und neuere Instrumente erreicht werden können. Regiomontan orientierte sich einerseits an den Instrumenten der Antike und des Mittelalters, z. B. Armillarsphäre und Triquetrum, erdachte aber auch Weiter- und Neuentwicklun-gen. 14

Astrolab

Regiomontan besaß ein arabisches Astrolab von 1298, das neben drei weiteren Astro-labien anderer Hersteller erhalten ist. 1457 beschrieb Regiomontan in Wien die Her-stellung eines Astrolabs. Die für Kardinal Bessarion15 und für ungarischen König Matthias Corvinus hergestellten Astrolabien existieren nicht mehr (letzteres hatte der Kurfürst Friedrich III. von Sachsen 1512 gekauft). Ein Astrolab von Regiomon-tan aus dem Jahr 1468 hat sich im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg erhalten (Durchmesser 280 mm mit gotischen Buchstaben und Zahlen). 1460 stellte Regiomontan ein Gerät mit dem Namen Safea vor; in der endgültigen Form wurde es von Johannes Schöner 1544 veröffentlicht.

Triquetrum (Dreistab, Regula Ptolemaei) nach Regiomontan

Für den König Matthias Corvinus verfaßte Regiomontan 1470 eine Arbeit über das Triquetrum. Das Gerät besteht aus drei Stäben (Dreistab); an dem senkrechten Stab hängt ein Lot. Beim Triquetrum des Ptolemaios befand sich die Skala auf dem senkrechten Stab. Die Stellung des Stabes mit den Visieren wurde auf dem unte-ren Arm angemerkt, dieser wurde dann zum Ablesen der Markierung an die Stange angelegt. Beim Triquetrum nach Regiomontan dagegen beobachtet der Astronom durch zwei Visiereinrichtungen am oberen, drehbaren Stab einen Stern. Auf der Skala am unteren, drehbaren Stab kann dann der Zenitabstand des Sterns abgelesen werden. Verwendet werden kann das Instrument nicht nur zur Höhenmessung astro-nomischer Objekte, sondern auch im Gelände. Den von Regiomontan hergestellten Dreistab (Länge 2,5 m!) verwendete nach ihm Bernhard Walther in Nürnberg bis 1504 (vgl. Abb. 3.5, S. 163); das Gerät ist aber verschollen.

Jakobsstab (Radius astronomicus)

Der Jakobsstab, dieses einfache (kreuzförmige) Instrument, war mindestens schon im 14. Jahrhundert in Gebrauch. Bekanntlich hat ihn Levi ben Gerson (1288–1344) 1342 beschrieben als Gerät zur Messung des Sonnendurchmessers oder zur Messung von Distanzen, aber nicht, um Koordinaten zu bestimmen. Seine Arbeit wurde ins Lateinische übersetzt und wurde erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekannt. Der Jakobsstab als altes Seefahrerwerkzeug wurde besonders in Portugal,

14 Wattenberg 1980. Willers/Holzamer 1983. Willers et al. 1992. Zinner 1956, 2. Aufl. 1967.15 King 1994.

26Astronomie in Nürnberg

England und in den Niederlanden verwendet. Außer für Astronomie und Navigation war der Jakobsstab auch für geodätische Messungen in Gebrauch.

Abbildung 1.6:

Jakobsstab des Regiomontan – Gebrauch des Jakobsstabs

Den Jakobsstab nutzte Regiomontan zur Kometenbeobachtung, insbesondere 1472.

Damit steigerte Regiomontan die Meßgenauigkeit im Vergleich zur Anwendung von Astrolabien.16 Der Jakobsstab besteht in seiner einfachsten Form aus einem in glei-che Teile der Länge n geteilten Längsstab (Regula), der vor das eine Auge gehalten wird. Darauf läßt sich ein Querstab der Länge 2p so verschieben bis er sich (mittels einer Visiereinrichtung) mit dem Winkelabstand der zu messenden Sterne deckt. Nach Ablesung, am wievielten (m-ten) Teilstrich der Querstab steht, läßt sich der

16 Bernhard Walther, der Schüler Regiomontans, hatte einen Jakobsstab mit 21 Querhölzern von

10 bis 210 Teilen bei einer Stablänge von 1300 Teilen. Johannes Werner verbesserte die schnelle

Anwendbarkeit des Jakobsstabes, indem er statt einer Längenskala auf dem achteckigen Längs-

stab (für acht verschiedene Querstäbe) gleich die Winkel in Grad angab und so die dauernde

Berechnung ersparte.

17 Lootsman 1674.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus27

Armillarsphäre und Meteoroskop

Die Armillarsphäre, von Ptolemaios „Astrolabon“ genannt, war das wichtigste astro-nomische Instrument der hellenistischen Zeit (ab 3. Jahrhundert vor Chr.). Sie war ein Demonstrations- und Meßgerät. Bei der Äquatorialarmille stellt ein System von Ringen zu Demonstrations- oder Meßzwecken die astronomischen Kreise dar (von außen nach innen):

∙ Meridianring (senkrecht stehend)

∙ Deklinationsring (drehbar um die Polachse)

∙ Äquatorring (senkrecht zu beiden, drehbar um die Polachse).

Diese Ringe besitzen Gradeinteilungen von 0∘∘ bis 90.

∙ Weiterer Ring (drehbar um die Polachse).

Abbildung 1.7:

Armillarsphäre und Torquetum nach Regiomontan

Schöner, Johannes: Scripta Regiomontani. Nürnberg 1544.Scripta clarissimi mathematici M.

Joannis Regiomontani, de torqueto, astrolabio armillari, regula magna Ptolemaica, baculoque

astronomico, et observationibus cometarum.

28Astronomie in Nürnberg

1465 verfaßte Regiomontan für Kardinal Bessarion eine Gebrauchsanweisung für

eine Armillarsphäre unter der Bezeichnung Meteoroscopium armillare. Mit einer Visiereinrichtung konnten Koordinaten bestimmt werden, insbesondere auch geo-graphische. Die Beschreibung des Instruments wurde 1514 von Johannes Werner (1468–1522) in Nürnberg veröffentlicht. 18 1544 veröffentlichte Johannes Schöner in Nürnberg Regiomontans Schrift über die Herstellung und Verwendung einer Armille (Astrolabium armille Ptolemaei) unter dem Titel Scripta clarissimi mathematici M. Joannis Regiomontani.

Regiomontans Torquetum (Türkengerät)

Regiomontans Torquetum von 1472 läßt sich in der Idee auf ˇ G¯ abir ibn Aflah von Sevilla, latinisiert Geber Hispalensis, (12. Jahrhundert) zurückführen: Machina col-lectitia Gebri Hispalensis. Dieses Universalinstrument sollte die schon in der Antike verwendeten Instrumente Armillarsphäre und Triquetrum ersetzen. Es handelte sich um eine Art Vorläufer vom Theodoliten, ein Instrument zur Messung von Azimut und Höhe zu geodätischen Zwecken; es hatte aber zusätzlich außer der Horizontschei-be darunter eine Scheibe für die Ekliptik und die Äquatorebene. Mit der Veröffentli-chung Tractatus de torqueto von Franco de Polonia (fl. 1284) wurde das Torquetum als Türkengerät bekannt (Paris 1284). Trotz des Namens „Türkengerät“ ist es nicht islamischen Ursprungs. 1299 wurde es bereits von Peter von Limoges bei der Beob-achtung eines Kometen benutzt.

Regiomontans Torquetum stellte aber eine wesentliche Weiterentwicklung dar –

allein schon durch den klareren Aufbau. Zu erkennen sind von unten nach oben folgende Ebenen:

∙ Horizontebene

∙ Äquatorebene (verstellbar nach geographischer Breite)

∙ Ekliptikebene (Neigung 23 1 ) 2

∙ senkrechter Höhenkreis mit Visiereinrichtung

zur Höhenmessung der Gestirne.

Veröffentlicht wurde die Konstruktion und Funktionsweise des „Torquetums“ von Regiomontan erst später von Johannes Schöner: Scripta clarissimi mathematici M. Joannis Regiomontani, de torqueto, astrolabio armillari, regula magna Ptolemaica, baculoque astronomico, et observationibus cometarum19 (Nürnberg 1544). Durch Re-giomontans Beschreibung verbreitete es sich ab dem 15. Jahrhundert. Man konnte damit nicht nur die Koordinaten der Gestirne in den drei verschiedenen astronomi-schen Koordinatensystemen ermitteln – ein wichtiges Bedürfnis der ptolemäischen Planetentheorie –, sondern umgekehrt bei bekannten Koordinaten auch die Zeit, die

18 Er studierte 1484 in Ingolstadt und von 1493 bis 1497 in Rom. Johannes Werner war Pastor und

Mathematiker. Pilz 1977, S. 132–144.

wohl die vielfältigen Drehmöglichkeiten zum Ausdruck bringen wollte.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus29

größte Tageshöhe oder die Länge des Tagbogens der Sonne. Regiomontans Torque-tum, das er für Erzbischof Vitéz anfertigte, hat sich nicht erhalten.20Regiomontans Ideen griff Peter Apian (1495–1552) auf und lieferte in seinem Instrumentbuch (1533) und im Astronomicum Caesareum (1540) eine detaillierte Beschreibung des Torque-tums.

Abbildung 1.8:

Links: Peurbachs „Quadratum geometricum“, um 1450,

Regiomontans Beschreibung von 1455 veröffentlichte Johannes Schöner 1544.

Rechts: Regiomontans „allgemeines Uhrentäfelchen“

Schöner, Johannes: Scripta Regiomontani. Nürnberg 1544.

20 Im Historisches Museum Bamberg befindet sich ein Torquetum, Monogrammist L.M. (Signatur:

„LMN“ Norimbergensis), um 1600, wohl aus dem Besitz der Seminarschule, gegründet 1586

vom Bamberger Fürstbischof Ernst von Mengersdorf (1583–1591). Pilz 1977, S. 259. Wenige

weitere Exemplare gibt es in Nürnberg, Kassel, Hamburg, München, Dresden, Königsberg und

Brüssel, vgl. S. 88. Eine bekannte Darstellung des Torquetums befindet sich auf dem Gemälde

Die Gesandtenvon Hans Holbein dem Jüngeren, London 1533, vgl. North 2002.30Astronomie in Nürnberg

Geometrisches Quadrat

Peuerbach beschrieb um 1450 ein wichtiges Vermessungsinstrument, das (Quadratum geometricum, publiziert 1516. Hauptsächlich diente das Instrument zur Feldmessung, also zu geodätischen Zwecken, aber auch zur Höhenmessung von Gestirnen. Stellt man es aber bei der Beobachtung senkrecht, so läßt sich damit auch die Zenitdistanz von Himmelsobjekten messen.21 Regiomontans Beschreibung von 1455 veröffentlich-te Johannes Schöner 1544.

Allgemeines Uhrentäfelchen (Quadratum horarium generale)

Regiomontan erfand das „allgemeine Uhrentäfelchen“22 und bezeichnete es als Qua-dratum horarium generale; er lieferte auch eine Beschreibung zum Gebrauch die-ser Sonnenuhr, veröffentlicht im Deutschen Kalender (Nürnberg 1474). Das „allge-meine Uhrentäfelchen“ geht auf die sogenannten Venediger-Schiffchen (Navicula de Venetiis) zurück, Sonnenuhren in Schiffsform. Das Uhrentäfelchen stellt eine viel-seitige Reiseuhr dar, mit der man außer der Tageszeit noch die Sonnenhöhe, Auf-und Untergangszeiten, Dämmerungszeiten für die geographischen Breiten von 30∘ bis 65 ∘ bestimmen kann. Es hatte Wirkung auf instrumentelle Entwicklungen im 16. Jahrhundert: Apian hatte ein ähnliches Instrument, das Quadratum horarium,

1519 veröffentlicht. Johannes Stabius (∼1460–1522) nannte das Gerät Horoscopion omni generaliter congruens climati (Einblattdruck 1512) und ergänzte 1512 weitere Polhöhen und gab die Zahl der Stunden seit Sonnenaufgang an. Das Kurvennetz benützte Apian für sein Horoscopion 1533. Ein „allgemeines Uhrentäfelchen“ mit Sonnenquadrant hat sich in den Kunstgewerbesammlungen der Stadt Bielefeld er-halten. 23

Regiomontans Einfluß auf den Instrumentenbau

Regiomontans Einfluß auf den Instrumentenbau reicht von Max Dorn (1430/40– 1509), der in Wien und Ungarn wirkte, über die Instrumente, die Martin Bylica von Olkusz [Ilkusch] (1434–1494) 1494 der Universität Krakau geschenkt hat, auf wichtige Instrumentenhersteller des 16. Jahrhunderts wie Peter Apian in Ingolstadt. Viele Ideen für seine Instrumente bekam Apian von Regiomontan; beispielsweise auch für das Organum vel rota mobilis genannte Gerät. Apian veröffentlichte ein solches Instrument mit beweglichen Scheiben in seiner Cosmographia (Antwerpen 1533).

21 Peter Apian griff dieses Instrument wieder auf und verbreitete die Idee.22 Zur Mathematik des Uhrentäfelchens siehe Siegfried Müller:

http://www.astro-ab.de/themen/uhrentafelchen/body_uhrentafelchen.htm(Juni 2009).

23 Syndram 1989.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus31

Abbildung 1.9:

Oben: Hauptmarkt, Gemälde von Lorenz Strauch (1524);

Unten: Die Westseite des Hauptmarkts in Nürnberg, der Herrenmarkt (1658), wo die

Großkaufleute ihren Geschäften nachgingen, aber auch bekannte Nürnberger wohnten

(von links nach rechts): (Korn & Berg), „Eislingerhof“ (Bernhard Walther, 1475 bis

1501), Gaststätte „Goldene Gans“, Haus von Martin Behaim (ab 1495), zwei Häuser

weiter Willibald Pirckheimer.

Fotos: Gudrun Wolfschmidt

32Astronomie in Nürnberg

1.2.2 Regiomontan und Bernhard Walther (1430–1504)

Regiomontan besaß ein Haus in der Vorderen Kartäusergasse und eines am Haupt-markt; die Beobachtungen machte er wohl vom Dachgeschoß aus (Hahnenkamm oder Dachhäuslein). 24 In einem Brief von 1471 berichtete Regiomontan, daß er in Nürnberg seine astronomischen Instrumente aufgestellt habe:

Unsere Waffen sollen . . . sein . . . die Geräte des Hipparch und des Pto-

lemäus, die ich schon aus getriebenen Erz anschaulich groß und zur Him-

melsbeobachtung höchst geeignet konstruiert habe.25

Nach dem Tod Regiomontans setzte Bernhard Walther (1430–1504) alleine die Be-obachtungen fort:26

∙ 1487 bis 1501 (ab 1475) in seinem Haus „Eislingerhof“ an der Westseite des

Hauptmarktes (vgl. Abb. 1.9, S. 31)27 am Hauptmarkt 11 (hier konnte er den

Dacherker zur Beobachtung benutzen);

∙28 1501 bis 1504 im (späteren) Dürerhaus, Zistelgasse, heute Albrecht-Dürer-

Straße 39. 1502 ergänzte Walther ein Dachfenster im Südgiebel mit einer Be-

obachtungsplattform (vgl. Abb. 3.1, S. 156); somit kann das Dürerhaus damit

als älteste erhaltene europäische „Sternwarte“ bezeichnet werden; es handelt

sich mindestens um einen dokumentierten Umbau für astronomische Zwecke.29

Bernhard Walther wurde in der schwäbischen Reichsstadt Memmingen geboren

und war 1467 im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit nach Nürnberg gezogen. Seine Griechisch-Kenntnisse und sein Status als Kaufmann30 ermöglichten ihm Eintritt in die Nürnberger Humanistenkreise. Dort lernte er auch Regiomontan 1471 kennen und begann mit ihm astronomische Beobachtungen.

In Nürnberg begann Regiomontan u. a. die Erforschung der Kometen. Zunächst

begann er am 6. März 1472 die Sonnenhöhe mit einem Triquetrum, auch Dreistab genannt, (vgl. Abb. 3.5, S. 163) zu bestimmen. Er beobachtete aber auch die Mond-finsternis vom 2. Juni 1471 nach seiner Rückkehr aus Ungarn sowie den Kometen

24 Mulzer (1969). Pilz 1977, S. 94.

25 Regiomontan: Brief an Christian Roder, Rektor der Universität Erfurt 1471. Zitiert nach Mett

1996, S. 113.

26 Pilz (1970), S. 176–188.

27 Der „Eislingerhof“ befand sich an der westlichen Seite des Hauptmarktes rechts neben der Buch-

handlung Korn & Berg. Daneben befand sich die Gaststätte „Goldene Gans“, dann kam das Haus

von Martin Behaim, ab 1495 wohnte zwei Häuser weiter Willibald Pirckheimer.

28 Großmann/Sonnenberger 2007.

29 Es mußte an der Südfassade eine Giebelmauer hochgezogen werden, um ein„gewergk der astro-

nomey“, ein Fenster mit Gesims, einzubauen. Im Nürnberger Stadtarchiv hat sich sogar der

Vertrag (1502) mit dem Nachbarn Eberhard Kadmer erhalten. Die nächsten Sternwarten waren

in Kassel, eine Altane am Schloß (1560), und Tychos Uraniborg auf der dänischen Insel Hven

(1576), das erste insgesamt als Sternwarte neu errichtete Gebäude.

30 Seit 1469 war er für die Memminger Kaufmannsfamilie Vöhlin in deren Nürnberger Handelshaus

tätig, 1492 als „Faktor“. Die Vöhlins schlossen sich mit den Welsers zusammen in der Vöhlin-

Welser-Gesellschaft (1498 bis 1517), für die Walther auch wirkte, vgl. Gaab 2007.

Gudrun Wolfschmidt: Nürnberg – Zentrum des Instrumentenbaus33