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Er begegnet den Zeitnomaden - und erkennt die Gefahr für Ammavol Auf den Stützpunkten der USO, den Planeten des Solaren Imperiums und den übrigen Menschheitswelten schreibt man Anfang Dezember des Jahres 2842 - eines Jahres, dessen erste Hälfte äußerst turbulent verlief, wie die vorangegangenen Ereignisse eindeutig bewiesen. Jetzt herrscht in der Galaxis relative Ruhe. Der Aufbau des Solaren Imperiums geht kontinuierlich voran. Von den üblichen Geplänkeln und Reibereien an den Grenzen des Imperiums abgesehen, gibt es nach der erfolgreichen Ausschaltung des Plasma-Mutanten gegenwärtig keine Schwierigkeiten für die Menschen und die mit ihnen verbündeten Sternenvölker. Man hat also allen Grund, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. So glaubt man wenigstens, denn man weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts von einem Ereignis, das sich, obwohl es sich fern von der Erde und in ferner Vergangenheit abspielte, in zunehmendem Maße auch auf die Menschheit selbst auszuwirken beginnt. Alles begann in dem Augenblick, da ein fremdes Sternenvolk die Grenze der Dimensionen überschritt, sich aus den Fesseln der Körperlichkeit löste und zu Zeitnomaden wurde. Die programmierten Urgene blieben jedoch als Erbe der Zeitnomaden in diesem unserem Universum zurück. Seit undenklichen Zeiten im All treibend, erreichen einige den Bereich des Solaren Imperiums. Und eines von ihnen findet Kontakt zu einem Menschen - einen POSITIV-KONTAKT ...
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 123
– Im Auftrag der Menschheit Band 113 –
Der Positiv-Kontakt
Er begegnet den Zeitnomaden – und erkennt die Gefahr für Ammavol
von Hans Kneifel
Auf den Stützpunkten der USO, den Planeten des Solaren Imperiums und den übrigen Menschheitswelten schreibt man Anfang Dezember des Jahres 2842 – eines Jahres, dessen erste Hälfte äußerst turbulent verlief, wie die vorangegangenen Ereignisse eindeutig bewiesen.
Jetzt herrscht in der Galaxis relative Ruhe. Der Aufbau des Solaren Imperiums geht kontinuierlich voran. Von den üblichen Geplänkeln und Reibereien an den Grenzen des Imperiums abgesehen, gibt es nach der erfolgreichen Ausschaltung des Plasma-Mutanten gegenwärtig keine Schwierigkeiten für die Menschen und die mit ihnen verbündeten Sternenvölker.
Man hat also allen Grund, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. So glaubt man wenigstens, denn man weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts von einem Ereignis, das sich, obwohl es sich fern von der Erde und in ferner Vergangenheit abspielte, in zunehmendem Maße auch auf die Menschheit selbst auszuwirken beginnt.
Alles begann in dem Augenblick, da ein fremdes Sternenvolk die Grenze der Dimensionen überschritt, sich aus den Fesseln der Körperlichkeit löste und zu Zeitnomaden wurde.
Lelle Salgouz – Ein Mann begegnet den Zeitnomaden.
Kervania Reallah und Meinja Idrak – Lelles Lebensgefährtinnen.
Plantez Garvarenz – USO-Spezialist auf Ammavol.
Pasqua – Planetarer Rat von Ammavol.
Bruno
Nimm eine Handvoll Staub, und wirf ihn weit von dir!
Intelligenten Staub, Sporen, Keime ...
Dies war damals geschehen, in der fernen Vergangenheit, ausgehend vom Planeten Toulminth im Ovendeno-System.
Einunddreißig verschiedene Wesen, millionenfach reproduziert, waren damals als kosmischer Staub auf die lange Reise ohne Ziel und ohne begründete Hoffnung auf eine vorläufige oder endgültige Heimstatt geschickt worden. Der Bernaler Possert Egk Flangkort und dreißig seiner fähigsten Kollegen, Wissenschaftler und Künstler hatten sich in kosmischen Staub verwandelt.
Sie trieben, groß wie mittelgroße Kristalle, im Weltraum dahin.
Schweigend und sehr schnell, schneller als der driftende kosmische Staub und das sich ausbreitende Wasserstoffgas.
Die geistige Reife der Wesen, alle ihre Fähigkeiten, ihre grundsätzliche Friedfertigkeit und die hohe Vernunft ... das alles war in diesen Ur-Genen vereinigt. Es waren winzige Extrakte eines Volkes, das seine Zustandsform verändert hatte und für normale Augen hatte verschwinden lassen.
Ur-Gene ...
Wie Laich in einem warmen Teich oder die Pflanzensporen, die der Wind mit sich nahm, mit ihnen einen halben Planeten umrundete und sie dann in fremde jungfräuliche Erde fallen ließ, so drifteten die Millionen und aber Millionen der Gene durch das All. Vom Punkt ihres Ausstreuens aus bewegte sich ihr Strom nicht mehr linear weiter, sondern begann sich aufzufächern wie ein Schrotschuss.
Jahre vergingen langsam; Jahre sind nur Sekunden in der langsamen Uhr des Weltalls, die nach Jahrmillionen zählt.
Jahrzehnte und Jahrhunderte verstrichen ohne jedes Ereignis, was die Sporen betraf.
Die Sporen, jene phantastischen Ur-Gene, besaßen keinerlei Bewusstsein. Sie wussten nichts von sich und ihrem Zustand. Erst dann, wenn sie ein lebendes Wesen berührten, würden sie sich entwickeln wie Viren oder wie Kristalle in einer geeigneten Lösung.
Sie trieben weiter.
Mehr und mehr fächerte sich der riesige Schwarm winzigster Einheiten auf.
Einige Hunderte Sporen stürzten irgendwann in eine Sonne und wurden verbrannt.
Andere wurden von toten leeren Monden eingefangen und blieben dort liegen – voller Möglichkeiten, die vermutlich niemals genützt werden konnten.
Andere wieder senkten sich langsam auf Planeten nieder, die von exotischen Wesen und merkwürdigen Tieren besiedelt waren. Was geschah dort? Man würde es niemals erfahren.
Aber – wer war daran interessiert, die Art der Bernaler in ihrer dreidimensionalen Daseinsform überleben zu lassen?
Flangkort?
Egk Flangkort war längst tot und vergessen, untergegangen im Strom der Zeit, Bestandteil einer mehr als phantastischen Zustandsform.
Oder etwa nicht?
*
Lelle wusste, dass seine Zeit noch lange nicht gekommen war. Aber er wusste mit einer eigentümlichen, beharrlichen Sicherheit, dass jede Stunde ihren Mann brachte. Für ihn gab es diese Stunde noch nicht. Noch nicht!
Als er seinen runden Schädel aus dem eiskalten Wasser der Quelle hob und durch den Vorhang aus kristallklaren Wassertropfen blickte, sah er das Bild, das er seit Jahren fast jeden Morgen sah, und dieses Bild war so schön, dass es fester Bestandteil seines Herzens und seiner Gedanken geworden war.
»Kervie!«, rief er.
Lelle hatte eine dunkle Stimme, die bis in den letzten Winkel der Höhle reichte.
»Ja, was gibt's?«, rief Kervania Reallah zurück, die ältere der beiden Frauen.
»Heute machst du das Frühstück«, rief Lelle und strich das Haar aus der Stirn zurück.
»Bin schon dabei!«
Elftausend Meter südlich der Stadt Quandvec ging der sandige Strand in ein Gewirr aus Hochflächen, Wäldern und Bergen über. Ein terrassenförmiger Felsabsturz war vor geologischen Zeiträumen vom Wasser ausgewaschen und in ein System von Kavernen verwandelt worden. Die Höhle mit den fünfzehn Nebenhöhlen, die Lelle Salgouz mit seinen beiden Frauen bewohnte, befand sich fünfzig Meter über den sanft auslaufenden Brandungswellen.
»Ausgerechnet heute muss ich in die Stadt!«, murmelte Lelle verärgert. Er mochte die Siedler nicht, mitsamt ihren zusammenbrechenden Bauwerken und ihrer ängstlichen Arroganz. Aber das beruhte auf Gegenseitigkeit: Die Bewohner der Stadt Quandvec mochten Lelle nicht, mitsamt seiner Wolfshundzucht, seinen beiden Frauen und seinen wilden Reden.
»Bring Wasser mit!«, schrie Meinja aus ihrer Höhle heraus.
»In Ordnung!«, brüllte Lelle. Einige Hunde begannen laut zu kläffen. Wenn er, Lelle, es richtig überdachte, dann mochte er auch die Hunde nicht. Aber sie bildeten seine wirtschaftliche Grundlage und vermehrten sich redlich.
Lelle, ein breitschultriger Mann von hundertzweiundachtzig Zentimetern Größe, für sein Alter mit mehr als zwei Zentnern Gewicht viel zu schwer und aufgeschwemmt, bewegte sich schwerfällig. Er nahm einen Kunststoffeimer, hielt ihn unter den Strahl der sprudelnden Quelle und wartete geduldig, bis der Eimer voll war. Dann schleppte er ihn über die Stufen nach oben. Er selbst hatte mindestens fünfhundert Stufen mit dem Strahler aus den Felsen geschnitten; nach oben, nach unten zum Strand, nach den verschiedenen Ausgängen dieses Systems aus Bäumen, Felsen und kleinen Schluchten.
Endlich stand Lelle vor der glattgeschliffenen Steintafel, die ihnen als Tisch diente. Ein paar ausrangierte Sessel aus einer Schiffskombüse waren mit schweren Schrauben in Kunststoffankern in den Steinklötzen befestigt, die um den Tisch herumstanden. Der Boden dieser ersten Wohnhöhle war von dunkelrotem Moos bewachsen. Es war alles nicht sehr komfortabel, aber hier waren sie frei von den schrecklichen Folgen zusammenbrechender Gebäude.
»Guten Morgen!«, krächzte Lelle. »Gut geschlafen?«
Er tätschelte Kervania, die gerade den Tisch deckte. Meinja hob die Kaffeekanne vom Herd und stellte sie in die Mitte des Tisches.
»Es ging. Die Hunde waren verdammt unruhig!«, stellte Kervania fest. »Sicher haben sie wieder ein Beben gespürt.«
»Es sind keine Beben!«, beharrte das jüngere Mädchen Meinja. »Etwas anderes, das niemand kennt.«
»Meinetwegen!«, knurrte Lelle und setzte sich in seinen Sessel. »Ich habe Hunger.«
Seit Jahren hauste er hier. Zuerst war Kervania gekommen; eine junge, recht hübsche Frau, wie er ein Sonderling, der sich nur weit abseits der Gesellschaft sicher und wohl fühlen konnte.
Zusammen hatten sie mit der Zucht der Wolfshunde angefangen, Lelle mit seinen großen, fleischigen Händen und seinen schadhaften Zähnen. Schließlich hatte Kervie eines Tages das Mädchen mitgebracht, das man aus einem Raumschiff hinausgeworfen hatte. Sie begannen damals, die Höhlen und Nebenhöhlen einigermaßen gemütlich einzurichten. Inzwischen fühlten sie sich hier wohl. Sogar die Hunde fühlten sich wie im Paradies.
»Du fährst heute in die Stadt?«, fragte Meinja. Immer, wenn sie Lelle ansah, fragte sie sich, was sie zu diesem schwerfälligen Koloss mit den wulstigen Lippen hinzog. Vielleicht war es das Fehlen einer jeden anziehenden Eigenschaft? Sie wusste es nicht.
»Die Hunde waren also unruhig?«, erkundigte sich Lelle. Er kaute an einem zähen Stück Brot, auf das er eine daumendicke Scheibe Wildbret-Schinken gelegt hatte. Sie alle hier lebten nur zum Teil von den Erzeugnissen, die sie in der Stadt kaufen konnten.
»Ja. Besonders Sasunn röchelte. Aber die Jungen sind noch nicht da. Es dauert noch einige Tage.«
Sasunn war mehr ein weiblicher Wolf als ein Wolfshund. Ihre Instinkte waren geradezu mörderisch unzivilisiert. Aber ihre Welpen, von Lelles harter Hand abgerichtet, erzielten in der halbmondförmigen Stadt sehr gute Preise. Der Planet war jung erschlossen, und ein Jagdhund wurde immer benötigt, besonders ein guter Hund mit noch unverdorbenen Instinkten und einer guten Ausbildung.
»Ich weiß«, murmelte Lelle. »Also kann ich beruhigt in die Stadt fahren?«
»Ja, natürlich! Vergiss nicht die Energiezellen für unsere Geräte!«
»Nein!«
Es war einer der rund dreihundert schönen Morgen, der einen noch schöneren Tag verhieß. Über dem Wasser des südlichen Ozeans lag ein leichter Dunst. Die Sonne, die zwei Handbreit über dem Wasser stand, leuchtete blutrot, fast ein wenig purpurn durch den Nebel. In einer Stunde würde sich die Luft geklärt haben und dann gab es den ganzen Tag nichts anderes als einen ultramarinblauen Himmel, ohne eine Wolke, eine lähmende Hitze am Mittag und den Rest des Tages einen kühlenden auflandigen Wind.
Die Menge der Arbeit, die jedes Mitglied dieser etwas problematischen Dreier-Gemeinschaft zu tun hatte, war fast konstant. Auf der Basis der eigenen Unvollkommenheit, multipliziert mit drei, ließ sich ein wenig typisches Leben führen, aber in seiner gewollten Primitivität war es für diese kleine Gruppe ein glückliches Leben. Zurück zur Natur – aber in wohldosierter Entfernung zu einem praktischen Arzt und zum Raumhafen der Kolonie.
Aber da gab es natürlich eine Reihe Gefahren, die man nicht ignorieren durfte. Lelle brachte als erster die Rede darauf.
»Wenn die Hunde unruhig sind«, sagte er und warf drei Stücke Zucker in den höllisch schwarzen, fast bitteren Kaffee, »dann gibt es meistens in der Stadt einen schweren Gebäudeschaden.«
»So ist es, Lelle!«, sagte Meinja und sah hinaus auf die dunstige See. Der wilde Glanz der roten Sonne flutete durch die Höhle. Die Sonne stand im Osten und leuchtete auch den letzten Winkel aus.
»Ich glaube«, sagte Lelle langsam und nachdenklich, »dass auf diesem Planeten eine fürchterliche Gefahr zukommt.«
»Gefahr, Lelle?«, echote Kervania. Ihre dunkelbraunen Augen sahen ihn skeptisch an.
»Gefahr, richtig!«, murmelte er. »Diese Gefahr greift nach uns allen.«
»Wie meinst du das?«, fragte Meinja Idrak leise. Sie zog die Schultern hoch und sah plötzlich aus wie ein hilfloser Vogel.
»So wie ich es meine«, bestätigte Lelle und sah hinüber zum Bord aus Felsgestein, auf dem die Flaschen standen, gefüllt mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Es war hochprozentiger Alkohol, aus den Wurzeln destilliert, die es im Umkreis dieser Felsen gab.
»Wie meinst du es?«
»Seit einiger Zeit fallen einzelne Gebäude zusammen«, erklärte Lelle. Er sagte den Mädchen damit nicht mehr, als sie selbst bereits genau wussten. »Niemand kann sich erklären, warum das passiert. Es gab Tote und Verwundete. Und ich sage euch ...«
Lelle stand auf, schüttete seine fast leere Kaffeetasse um und holte zu einer weitreichenden, prophetischen Geste aus. Er schien noch immer unter dem Einfluss des gestern genossenen Alkohols zu stehen.
»... sage euch, dass dies unerklärliche Dinge sind. Ich hebe den Kopf und blicke um mich. Und ich sehe einen Planeten, von dem die Siedler in panischer Flucht davonlaufen. Alles, was Menschenhand erschuf, sinkt nieder in den Staub und wird vernichtet.
Nur wir und unsere Hunde bleiben übrig. Und die Olbiawurzeln.«
Kervania erkundigte sich vorsichtig:
»Bist du noch etwas betrunken, Lelle?«
Er maß sie mit einem durchdringenden Blick und begann, in der Haupthöhle hin und her zu gehen.
»Keineswegs! Ich weiß, was ich weiß!«, sagte er dröhnend.
Er war ein Mann von rund fünfeinhalb Jahrzehnten terranischer Rechnung. Als er, hoch aufgerichtet und mit weitgreifenden Schritten, durch die Höhle lief, immer zwischen dem Mauerwerk des Eingangs und den Treppen der hinteren Höhlen hin und her, ähnelte er einer biblischen Gestalt. Ihm fehlte nur ein langes Gewand und ein langer Bart. Eindeutig war ihm die Gabe der weitschweifigen Überredungskunst gegeben.
»Wir sind Ausgestoßene!«, rief er anklagend. »Wir sind Opfer der Gesellschaft und ihrer unbarmherzigen Art, nur das Genormte zu akzeptieren! Wir leben nicht nur am Rand der Stadt, sondern auch außerhalb des Bewusstseins der Bewohner von Quandvec! Wir ängstigen die Bewohner, weil wir frei sind und alles das tun, was sie tun möchten.
Sie fürchten uns, weil wir eine fremde Lebensform verkörpern! Sie begreifen uns nicht! Sie halten uns für Ausgestoßene, weil sie nicht in der Lage sind, uns zu begreifen. Neid ist ihr einziges Werkzeug!
Ich sage euch, eines Tages werden wir allein übrigbleiben, wenn dieser Planet in Trümmer gefallen ist.«
Er machte eine Pause, holte tief Atem und blickte direkt in die rote Sonne, die sich immer höher schob. Langsam lösten sich die Nebel über dem Wasser auf. In der Ferne leuchteten die weißen Gebäude der Stadt, die den Namen ihres Architekten trug.
»Ich glaube, ich muss gehen!«, sagte er. »Am Vormittag handelt es sich in Degoschus Laden besonders gut.«
Kervania Reallah bemerkte trocken:
»Vergiss nicht – wir haben bei Degoschu ein bemerkenswertes Guthaben!«
Er grinste breit; seine wulstigen Lippen verzogen sich und gaben seine hässlichen Zähne frei.
»Das Guthaben ... richtig! Ich weiß genau, was ich kaufen muss!«
Degoschu verkaufte für ihn und die beiden Mädchen die Hunde. In den letzten Monaten hatte er zwanzig ausgebildete Hunde verkauft, das ergab einen hübschen Batzen Verrechnungseinheiten.
»Habt ihr Sonderwünsche? Nicht zu viele, denn ...!«, brummte Lelle Salgouz.
Meinja, die jüngere Frau, gab ihm einen zerknitterten Zettel.
»Hier steht, was ich brauche!«, sagte sie leise. »Ich brauche es wirklich, Lelle!«
»Ich kann's mir denken!«, knurrte er. »Und du, Kervie?«
Auch von ihr bekam er einen Zettel, auf dem neun Posten vermerkt waren. Er steckte beide Zettel missmutig ein; es bedeutete Mehrausgaben, die ihm alles andere als angenehm waren.
»Ist gut!«, bemerkte Salgouz. »Ich bin am frühen Nachmittag wieder zurück.«
Kervania bemerkte kurz angebunden:
»Aber nach Möglichkeit nüchtern, ohne Beulen im Gleiter und ohne blaue Flecken.«
»Du wirst dich eines Tages noch um Kopf und Kragen geredet haben!«
»Und du vielleicht um eine gute Köchin«, sagte die zweiunddreißigjährige Frau nicht ohne Sarkasmus. »Versuche, nicht unter fallende Trümmer zu kommen, Lelle!«
»Keine Sorge. Unkraut vergeht nicht!«, bemerkte er.
Er blieb einen Augenblick im Ausgang der Höhle stehen, raffte ein paar Taschen zusammen und schien nachzudenken. Sein rotgeädertes Gesicht legte sich dabei in tiefe Querfalten. Unsicher und unschlüssig blickten seine tiefliegenden grauen Augen umher. Dann nickte er und begann, die vielen Treppenstufen abwärts zu steigen.
*
Nicht ganz zehn Minuten später steuerte Lelle Salgouz seinen zerschrammten und verbeulten Gleiter entlang des feuchten Strandes in die Richtung auf Quandvec. Meistens fand er das Leben, das er hier führte, gut. Aber in der letzten Zeit war er alles andere als sicher.
Während er den Lastengleiter steuerte, hatte er Zeit, über alles nachzudenken. Obwohl das Denken nicht gerade seine erklärte Stärke war, fand er doch heraus, dass er recht hatte. Der Planet war von einer Krankheit befallen, die ihn mit Pockennarben verunzierte. Rätselhafte Dinge gingen vor. Die Bewohner lebten in Angst und Schrecken vor dem lautlosen Terror, der wahllos zuschlug.
Was gebaut worden war und über den Erdboden hinausragte, schien schon mit Baubeginn dem Untergang geweiht zu sein.
Wie eine unsichtbare Faust, die aus dem Nichts zuschlug, erfasste eine heimliche und bislang völlig unbekannte Kraft einzelne Gebäude und ließ sie zusammenfallen. Sie zerbröckelten und sanken in sich zusammen und, wenn diese Kraft in ihrer Wirkung nachließ oder aufhörte, gab es nichts anderes mehr als einen Haufen von Schutt. Aus diesem Schutt schleppten sich die Verwundeten, und die kommunalen Arbeitskommandos bargen die Toten. Wie eine ansteckende Krankheit schienen diese Zusammenbrüche die Stadt Quandvec erfasst zu haben – niemand entkam ihnen.
Der Planet Ammavol lag im Ammuses-System, 23.120 Lichtjahre von Terra entfernt. Der Planet war schön, aber herb; seine Schönheit und der Umstand, dass aus ihm eine blühende Kolonialwelt werden konnte, hielt die rund fünfzehntausend Kolonisten in Atem: Sie waren überzeugt, eine zweite Erde gefunden zu haben – mit den artspezifischen Unterschieden.
Allein die um fünf Prozent geringere Oberflächenschwerebeschleunigung schien, auf vorsichtig-trügerische Weise, das Leben leichter zu machen. Der Tag dauerte achtundzwanzig Stunden und vierundzwanzig Minuten, und die mittlere Temperatur bewegte sich um siebenundzwanzig Grad Celsius. Man hatte beim ersten Plan der Besiedelung davon Abstand genommen, die Siedler über den gesamten Planeten zu verstreuen, und einem Architekten den Auftrag gegeben, an dem riesigen Strand des südlichen Ozeans eine einzige, große Stadt zu bauen. Verglichen mit den terranischen Ansiedlungen war sie klein, aber höchst modern:
