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Es geschah im Dezember des Jahres 3586, als Perry Rhodan mit seinen Gefährten die SOL verließ und zur BASIS übersiedelte, nachdem er den Solgeborenen das Generationenschiff offiziell übergeben hatte. Die neuen Herren der SOL sahen sich somit endlich in die Lage versetzt, ihre Wünsche zu realisieren. Sie trennten sich von der Menschheit, um ihre eigenen Wege zu gehen und ihre ureigenen Ziele zu verfolgen. Sie betrachteten den Weltraum als ihren eigentlichen Lebensbereich und das Schiff als ihre Heimat - und die meisten von ihnen scheuten davor zurück, das Schiff zu verlassen und einen Himmelskörper zu betreten. Seit der Zeit, da die SOL unter dem Kommando der Solgeborenen auf große Fahrt ging und mit unbekanntem Ziel in die Tiefen des Sternenmeeres verschwand, sind mehr als zweihundert Jahre vergangen, und kein Terraner hat in der Zwischenzeit etwas vom Verbleib des Generationenschiffs gehört. Im Jahr 3791 ist es jedoch soweit - und ein Mann kommt wieder in Kontakt mit dem verschollenen Schiff. Dieser Mann ist Atlan, der Arkonide, der, wie schon so oft in seinem langen Leben, eine Mission durchzuführen hat, die ihm alles abverlangt. Die Kosmokraten entlassen Atlan, damit er sich um die SOL kümmert. Die erste Gruppe von Solanern, mit denen Atlan an Bord Kontakt aufnimmt, sind DIE TERRA-IDEALISTEN ...
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Seitenzahl: 136
Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 501
Die Terra-Idealisten
Der Arkonide im Chaos der SOL
von Peter Griese
Es geschah im Dezember des Jahres 3586, als Perry Rhodan mit seinen Gefährten die SOL verließ und zur BASIS übersiedelte, nachdem er den Solgeborenen das Generationenschiff offiziell übergeben hatte.
Die neuen Herren der SOL sahen sich somit endlich in die Lage versetzt, ihre Wünsche zu realisieren. Sie trennten sich von der Menschheit, um ihre eigenen Wege zu gehen und ihre ureigenen Ziele zu verfolgen. Sie betrachteten den Weltraum als ihren eigentlichen Lebensbereich und das Schiff als ihre Heimat – und die meisten von ihnen scheuten davor zurück, das Schiff zu verlassen und einen Himmelskörper zu betreten.
Seit der Zeit, da die SOL unter dem Kommando der Solgeborenen auf große Fahrt ging und mit unbekanntem Ziel in die Tiefen des Sternenmeeres verschwand, sind mehr als zweihundert Jahre vergangen, und kein Terraner hat in der Zwischenzeit etwas vom Verbleib des Generationenschiffs gehört.
Im Jahr 3791 ist es jedoch soweit – und ein Mann kommt wieder in Kontakt mit dem verschollenen Schiff. Dieser Mann ist Atlan, der Arkonide, der, wie schon so oft in seinem langen Leben, eine Mission durchzuführen hat, die ihm alles abverlangt. Die Kosmokraten entlassen Atlan, damit er sich um die SOL kümmert.
Atlan – Der Arkonide im Chaos der SOL.
Valara Brackfaust – Anführerin der Terra-Idealisten.
Ludewigh Loorn – Ein erklärter Mystos-Gegner.
Hadar Calliman – Ein SOL-Farmer.
Edo
»Imperium-Alpha liegt im Außendeck 17, Halle B-23. Beginn 22 Uhr«, flüsterte Argan U in gebrochenem Interkosmo.
Der junge Buhrlo-Mann Candyr Hartz nickte. Seine Augen flackerten unruhig, denn er war sich nicht sicher, ob der Puschyde die Wahrheit sagte. Er konnte gar nicht vorsichtig und misstrauisch genug sein, denn schon so manche Versammlung der Terra-Idealisten war verraten worden.
»Benachrichtige Lamina Floter.« Obwohl Argan U nur 1,50 Meter groß war, brauchte er sich nicht zu recken, denn der Buhrlo maß selber nur 1,58 Meter.
Candyr Hartz blickte dem Puschyden nach, als dieser davoneilte. Eigentlich war Argan U ein treuherziges und gutmütiges Wesen. Er sah aus wie ein kleiner geschuppter Bär. Die Schuppen, die wie breite Haare den ganzen Körper bedeckten, waren orangefarben. Er gehörte zu den Extras, wie alle Lebewesen an Bord der SOL genannt wurden, die nicht von den Menschen abstammten.
Argan U war eigentlich unfreiwillig unter den Solanern. Vor 19 Jahren war er auf seinem Heimatplaneten Cur-Cur U von einer Gruppe Pyrriden aufgegriffen und auf die SOL verschleppt worden. Wahrscheinlich hatten die Pyrriden gar nicht bemerkt, dass Argan ein intelligentes Lebewesen war. Mit seinen kurzen Armen und Beinen und den großen, traurigen Augen wirkte er eher possierlich.
Der Buhrlo hatte den Extra schon gekannt, bevor er ihn unter den Terra-Idealisten wiedersah. Argan fiel nicht nur durch sein ungewöhnliches Aussehen auf. Er schleppte fast ständig ein kleines Gerät an einem breiten Plastikband mit sich herum. Es handelte sich um eine Destillieranlage, die ihm vor Jahren ein Techniker der SOL gebaut hatte. Argan U bereitete damit eine besondere Art von Zuckerwasser zu, die er als Nahrung dringend benötigte.
Als der Puschyde etwa zwanzig Meter von Candyr entfernt war, blickte er sich um. Da kein anderer Solaner in dem Gang zu sehen war, zog er schnell einen Schreibstift zwischen seinen Körperschuppen hervor und kritzelte etwas an die seitliche Schottwand. Dann eilte er davon, so schnell ihn seine Stummelbeine trugen. Das Destilliergerät wippte an seiner Hüfte.
»Lamina benachrichtigen«, murmelte Candyr. Der außergewöhnlich schmächtige Junge schlenderte langsam den Gang entlang. Als er an die Stelle kam, an der Argan U etwas an die Wand geschrieben hatte, hielt er kurz an.
TERRANER GEHÖREN NACH TERRA, stand dort in großen Lettern. Der Buhrlo hatte schon viele solcher Schmierparolen innerhalb der SOL gesehen. Sie kamen sozusagen aus seinen eigenen Reihen, denn er selbst zählte sich zum harten Kern der Terra-Idealisten.
Er dachte nicht darüber nach, wie widersinnig es war, dass er, ein Buhrlo, einer der durch körperliche Mutation dem Weltraumleben angepasst war, selbst Sehnsucht nach einem festen Boden unter den Füßen hatte. Vielleicht war es nur Terranie, die ihn angesteckt hatte. Vielleicht war es aber auch ein vererbter Drang, der trotz seiner Buhrlo-Haut überstark in den Vordergrund trat. Er war sich der Widersinnigkeit nicht bewusst, denn für ihn schied ein Leben auf einem Planeten in jedem Fall aus. Er brauchte den freien Weltraum, auch wenn es nur für Stunden am Tag war.
Bei Argan U lag die Sache ganz anders. Er hatte nichts mit den Menschen gemeinsam. Dennoch gehörte er zu den eifrigsten Verfechtern der Idee, auf einen Planeten, am besten zur Erde, zurückzukehren.
Vielleicht, so mutmaßte Candyr, hoffte sich Argan dadurch an den Solanern zu rächen, die ihn von Cur-Cur U entführt hatten.
Andererseits war der Puschyde zu naiv und einfältig, um solche raffinierten Gedanken aus sich heraus zu entwickeln. Er war leicht beeinflussbar und konnte kaum eine Bitte abschlagen. Dass er dadurch oftmals in schwierige Situationen geriet, störte sein einfaches Gemüt nicht.
Während Candyr Hartz noch sinnend vor dem Spruch an der Wand stand, hörte er Schritte hinter sich. Da er oft seinen Gedanken nachhing und lieber melancholischen Überlegungen folgte, als sich um das wirre Geschehen um ihn herum zu kümmern, drehte er sich nicht einmal um. In der SOL ging so vieles drunter und drüber, und er konnte es nicht ändern.
Erst als er eine Hand auf seiner schmalen Schulter fühlte, wurde ihm die Gegenwart wieder bewusst.
»Heh, Buhrlo«, dröhnte eine Männerstimme hinter ihm. »Hast du das an die Wand geschmiert?«
Langsam drehte sich Candyr um. Dabei streifte er die Hand von seiner Schulter.
Vor ihm stand ein vierschrötiger junger Solaner in einem silbernen, hochglänzenden Metallfolienanzug. Candyr kannte Aksel von Dhrau, den Chef der gefürchteten Vystiden, wie die Brüder der zweiten Wertigkeit genannt wurden, nur flüchtig. Mit einer Körpergröße von 1,85 Metern überragte der Vystide den Buhrlo bei weitem.
»Ich, ein Buhrlo, soll so etwas geschrieben haben?«, fragte Candyr und bemühte sich, harmlos auszusehen.
»Ich traue niemand«, antwortete Aksel von Dhrau arrogant. Dem Vystiden-Chef ging der Ruf nach, ein eiskalter Denker und hervorragender Techniker und Kämpfer zu sein. Wie er trotz seiner nur 28 Jahre in diese sehr wichtige Position gekommen war, war Candyr ein Rätsel. Er sagte sich aber, dass es nur an den ausgeprägten Fähigkeiten von Dhraus liegen konnte. Die Vystiden nahmen gleich hinter den zehn Brüdern der ersten Wertigkeit, den Magniden, eine wichtige Kontrollfunktion innerhalb der SOLAG wahr. Sie waren durch ihre Herzlosigkeit und Erbarmungslosigkeit berüchtigt.
»Ein Buhrlo kann auf einem Planeten auf die Dauer nicht existieren«, fuhr Candyr Hartz fort, der von dem stechenden Blick des Vystiden nervös wurde.
In der Begleitung von Dhraus befanden sich zwei Männer und zwei Frauen. Sie trugen Kampfkombinationen in einem stählernen Blauschwarz. Auch diese Figuren hatte Candyr schon gesehen, obwohl man munkelte, dass das ganze Korps der Vystiden nur aus 400 oder 500 Personen bestehen sollte. Die Blauschwarzen waren die Haematen, die ausführenden Organe aus dem Kreis der Vystiden. Einem Offizier der Vystiden, wie es der Chef Aksel von Dhrau war, traf man noch seltener. Terranie hatte einmal erwähnt, es gäbe nur 26 von ihnen, die zur Hälfte Männer und Frauen waren.
»Lass ihn in Ruhe, Chef«, sagte einer der Haematen. »Du siehst doch, er ist ein Buhrlo.«
»Halt den Mund!«, fauchte von Dhrau den Haematen an. Dann wandte er sich an den Gläsernen: »Wie heißt du?«
»Candyr Hartz«, antwortete der gelassen. Seine innere Unruhe konnte er geschickt verbergen, denn jeder Solaner war es gewohnt, Pressionen ausgesetzt zu werden. »Buhrlo, Wohnstatt Deck 117 in der SZ-1, 17 Jahre alt, keine Bestrafungen oder laufende Verfahren, besondere Neigungen: Nachdenken und andere in Ruhe lassen ...«
»Werde nicht frech, Glasmann.« Der Vystide versetzte dem kleinen Buhrlo einen Schlag mit der Faust an den Oberkörper, so dass dieser gegen die Wand taumelte. Dann drehte er sich zu den Haematen um und winkte diesen. Wortlos setzte er seinen Weg fort, und seine Helfer trotteten hinter ihm her. Einer drehte sich noch einmal um und drohte Candyr mit der geballten Faust.
Erst als die Vystiden um die nächste Ecke gebogen waren, richtete sich Candyr auf. Er atmete tief durch und setzte dann seinen Weg fort.
Er musste Lamina Floter finden und ihr von dem Treffen der Terra-Idealisten am heutigen Abend berichten.
Candyr Hartz war unzufrieden. In den wenigen Jahren, die er jetzt lebte, hatte er nur chaotische Verhältnisse erlebt. Die SOL glich einem Tollhaus. Die SOLAG mit dem High Sideryt an der Spitze beherrschte praktisch das ganze Schiff. Es gab nur wenige Freiheiten für den einzelnen Solaner, und die konnte er meistens nur deswegen wahrnehmen, weil in dem Durcheinander der Führungsschichten mit den sechs Klassen der Brüder der Wertigkeiten auch oft der eine nicht wusste, was der andere tat.
In den letzten Tagen waren neue Gerüchte aufgetaucht. Angeblich befände sich die SOL in einer großen Gefahr. Etwas Genaues über das drohende Unheil war jedoch noch nicht durchgesickert. Candyr beschloss, die Führerin der Terra-Idealisten, Valara Brackfaust, bei dem heutigen Treffen nach diesen Gerüchten zu befragen. Terranie, wie sich Valara Brackfaust nannte, war stets am besten informiert. Sie besaß auch angeblich Nachrichtenverbindungen in den Mittelteil der SOL und in die SZ-2, was allen Solanern normalerweise verboten war.
Er traf Lamina Floter in einem Aufenthaltsraum, der dicht unter ihren Wohntrakts lag. Mit der Buhrlo-Frau fühlte sich Candyr sehr verbunden. Sie teilte seine sentimentale und melancholische Art voll und ganz. Die beiden brauchten nicht viel miteinander zu sprechen, sie verstanden sich meisten ohne viele Worte.
Da auch mehrere Ferraten in dem Raum waren, und da man sich vor den Brüdern der sechsten Wertigkeit hüten musste, machte Candyr ein unauffälliges Zeichen. Wie zufällig hob er den Zeigefinger seiner linken Hand. Normalerweise benutzten die Buhrlos diese Zeichensprache nur dann, wenn sie draußen im freien Weltall waren, weil dort keine andere Verständigungsmöglichkeit gegeben war.
Der erhobene Zeigefinger bedeutete Aufpassen, ich will etwas mitteilen.
Lamina erhob sich und folgte Candyr auf den Gang.
»Es schleichen verdächtig viele Brüder herum«, sagte Candyr leise. »Eben bin ich sogar dem Vystiden-Chef Aksel von Dhrau begegnet. Vorsicht kann also nicht schaden.«
Lamina nickte nur stumm. Viele Worte lagen ihr nicht.
»Terranie hat zu einer Konferenz in Imperium-Alpha einberufen«, fuhr Candyr fort. Er nannte den Ort und die Uhrzeit.
»In Ordnung Terraner Candyr Hartz.« Lamina lächelte. Sie gehörte zu den fanatischsten Verfechtern der Ideen der Terra-Idealisten. Sie machte auch kein Geheimnis daraus, dass sie in den eigenen Reihen nur Valara Brackfaust und Candyr Hartz traute. Der High Sideryt und seine Schergen von der SOL-Arbeitsgemeinschaft hatten überall ihre Spitzel. Schon mehrere Treffen (oder Konferenzen, wie die Terra-Idealisten sagten) waren aufgeflogen. Lamina erinnerte sich noch gut daran, dass der High Sideryt vor Chart Deccon, eine Frau namens Tineidbha Daraw, einmal eine erfolgreiche Strafexpedition gegen die Terra-Idealisten durchgeführt hatte, bei der sie beinahe auch gefasst worden wäre.
Als fanatische Vorkämpferin benutzte Lamina bei jeder Gelegenheit den besonderen Jargon, den Terranie von ihren Mitstreitern verlangte. Dazu gehörte, dass man die geheimen Treffpunkte Imperium-Alpha nannte, und dass man sich mit dem Zusatz Terraner vor dem eigentlichen Namen ansprach.
Mit Candyr verband sie auch, dass sie die beiden einzigen Buhrlos aus der SZ-1 waren, die zur eigentlichen Gruppe der Terra-Idealisten gehörten. Terranie behauptete, dass es in der ganzen SOL etwa 5000 Menschen waren, die ihre Ideen vertraten. Die überwiegende Mehrzahl bestand sicher nur aus Mitläufern und Sympathisanten, aber die Bewegung nahm ständig an Bedeutung zu.
»Bis heute Abend in Imperium-Alpha«, sagte die 26-jährige Buhrlo-Frau, als sie sich trennten. »Und denke, daran.«
Sie hob zwei Finger der rechten Hand. In der Buhrlo-Zeichensprache bedeutete das Vorsicht! Gefahr!
Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel. Kleine Wolken kringelten sich über einer schneebedeckten Bergkette. Davor lag ein See mit tiefblauem Wasser. Ein paar Segelboote glitten über die Oberfläche. Lachende und fröhliche Menschen in bunten, kurzen Anzügen standen darin.
Leise, einschmeichelnde Musik untermalte die Szene, die Frieden und Ruhe ausstrahlte.
Majestätisch und völlig lautlos schwebte ein riesiges Kugelraumschiff herab. Über dem See schwenkte es zur Seite und glitt auf ein großes, ebenes Gelände zu, wo es landete. Ringsum standen hohe Gebäude mit blitzsauberen Wänden und Fenstern. Kleine, bunte Gleitfahrzeuge flitzten dicht über dem Boden auf das gelandete Raumschiff zu. Menschen kamen sich entgegen, schüttelten sich die Hände und umarmten sich. Auf Hochglanz polierte Roboter trugen die Gepäckstücke zu einer Antigravplattform und fuhren damit zu den nahen Gebäuden.
Die Gesichter der Menschen waren deutlich zu sehen. Sie strahlten Zufriedenheit und Gelassenheit aus, aber auch Tatkraft und Selbstbewusstsein.
»Es ist geschafft«, sagte eine sonore Männerstimme. »Wir konnten den abstürzenden Mond einfangen und auf eine stabile Umlaufbahn bringen. Die Menschen auf Tarment sind alle Sorgen los.«
Ein großer Mann mit stahlblauen Augen trat auf die Ankömmlinge zu und begrüßte sie. Er trug die schlichte, lindgrüne Kombination der Raumfahrer. Was er sagte, konnte man nicht hören, aber sein Gesichtsausdruck spiegelte Zufriedenheit wider.
Dann eine andere Szene. Wie überdimensionale Bäume ragten Wohnblocks in die Höhe. In den breiten Straßenschluchten tummelten sich Fahrzeuge aller Art in sieben übereinanderliegenden Ebenen. Zwischen den einzelnen Wohnblocks wuchsen Bäume in saftigem Grün.
Menschen eilten hin und her, verschwanden in den Häusern oder in den Eingängen zu den Untergrundbahnen.
Dann stand die Sonne als tiefroter Ball über dem Horizont und tauchte die Landschaft und die Häuser in ein eigenartig warmes Licht.
Das Gesicht einer lachenden Frau wurde übergroß sichtbar. Neben ihr balgten sich ein kleiner Junge mit seiner etwas älteren Schwester um ein robotisches Spielzeug.
Dann war Nacht, und ein Lichtermeer flammte über der Stadt. Die Musik wurde rhythmischer und lauter, aber die Klänge waren angenehm. Sie vermittelten in einer anderen Sprache die Gefühle der Menschen.
Die Töne wurden noch einmal leiser, als an dem dunklen Nachthimmel die schmale Sichel des Mondes auftauchte. Die Sterne glitzerten ungewohnt stark und in allen Farben.
Dann verblasste alles, und die Musik erstarb.
*
Das Licht flammte auf, als der Film zu Ende war.
»Hübsch«, sagte Argan U etwas einfältig. Er saß links von Candyr Hartz. Auf der anderen Seite des Buhrlos hockte Lamina Floter mit verträumtem Blick. Ihre Augen waren noch immer auf die Leinwand gerichtet.
Valara Brackfaust erhob sich aus der vordersten Reihe. Vor der Leinwand war ein kleines Pult aufgebaut. Darauf lag ein fußballgroßer Gegenstand, der von einem Brokattuch bedeckt war.
Zu diesem Pult ging die Frau. Sie griff in die Tasche ihrer Kombination und holte ein faustgroßes, stacheliges Tier hervor. Das war Piex, ihr ständiger Begleiter seit vielen Jahren. Piex ähnelte einem jungen Igel. Tatsächlich besaß er eine stachelige Haut, jedoch waren diese Stacheln dunkelgrün. Valara hatte ihn vor Jahren auf einem Planeten gefunden, als die SOL eine Zwischenlandung durchgeführt hatte, um Rohstoffe aufzunehmen. Seit dieser Zeit bestand ein treues Verhältnis zwischen der Solanerin und dem Extra.
Piex ließ sich nur von seiner Herrin anfassen. Wenn jemand anders ihn berühren wollte, sträubten sich seine Stacheln, und er rollte sich ein. Die Freundschaft hatte für die Frau einen unschätzbaren Vorteil, denn Piex verfügte über einen ausgeprägten Instinkt. Wenn seiner Herrin Gefahr drohte, so machte er sich auf eine recht eigentümliche Art und Weise bemerkbar. In seiner Ruhestellung bevorzugte er eine senkrechte Wand. Wenn Gefahr im Verzug war, ließ er sich einfach zu Boden fallen.
Valara hängte den kleinen Kerl seitlich an das Pult. Sie wartete eine Weile, um den gezeigten Film auf die anwesenden Terra-Idealisten wirken zu lassen.
Trotz ihrer untersetzten und etwas zu fülligen Figur war Valara eine aparte und anziehende Erscheinung. Was ihr an letzter Geistesschärfe fehlte, ersetzte sie durch bedingungslose Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Sie war 36 Jahre alt und ohne feste Bindung an einen Mann. Ihr Lebensziel war die Verbreitung der Ideen der Terra-Idealisten, und das waren letztlich ihre eigenen Gedanken. Auf einen Nenner gebracht, war das Ziel die Rückkehr zur Scholle eines Planeten, am besten die Rückkehr zur Erde.
»Terraner«, begann sie bedächtig zu sprechen. Große und viele Worte lagen ihr nicht. Sie überzeugte durch einfache und sachliche Aussagen. Damit konnte sie ihre Anhänger durchaus mitreißen. »Ich habe euch, meine engsten Freunde, hier hergebeten, um euch diesen Film von der Erde zu zeigen. Glaubt mir, es war ein hartes Stück Arbeit, ihn in meine Hände zu bekommen. Ohne Terraner Argan U hätte ich es nicht geschafft.«
Die Widersinnigkeit der Bezeichnung des Extras merkte sie nicht. Schließlich hatte der Puschyde die Erde noch nie gesehen, und zu den Menschen hatte er nur ein dürftiges Verhältnis. Valara Brackfaust bestand aber darauf, dass jeder ihrer Gruppe mit Terraner, sie selbst mit Terranie,
