Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Mehr als 200 Jahre lang war die SOL, das Fernraumschiff von Terra, auf seiner ziellosen Reise durch die Tiefen des Alls isoliert gewesen, bis Atlan in Kontakt mit dem Schiff kommt. Die Kosmokraten haben den Arkoniden entlassen, damit er sich um die SOL kümmert und sie einer neuen Bestimmung zuführt. Jetzt schreibt man an Bord des Schiffes den Mai des Jahres 3792, und der Arkonide hat trotz seines relativ kurzen Wirkens auf der SOL bereits den Anstoß zu entscheidenden positiven Veränderungen im Leben der Solaner gegeben - ganz davon abgesehen, dass er gleich nach seinem Erscheinen die SOL vor der Vernichtung rettete. Inzwischen hat das Generationenschiff viele Lichtjahre zurückgelegt, und die Solaner haben in dieser Zeit viele Konflikte mit Gegnern von innen und außen mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Unter Breckcrown Hayes, dem neuen High Sideryt, bahnt sich nun eine weitere Stabilisierung und Normalisierung an Bord an. Allerdings sorgen unerwartete Ereignisse immer wieder für Unruhe. Drahtzieher dieser Ereignisse ist ein Gegner, mit dem es die Solaner schon wiederholt zu tun bekamen. Wie dieser Gegner vorgeht, das berichtet DER ÜBERLEBENDE ...
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 127
Veröffentlichungsjahr: 2012
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Nr. 559
Der Überlebende
Das Schicksal der Pers-Oggaren
von Peter Griese
Mehr als 200 Jahre lang war die SOL, das Fernraumschiff von Terra, auf seiner ziellosen Reise durch die Tiefen des Alls isoliert gewesen, bis Atlan in Kontakt mit dem Schiff kommt.
Die Kosmokraten haben den Arkoniden entlassen, damit er sich um die SOL kümmert und sie einer neuen Bestimmung zuführt. Jetzt schreibt man an Bord des Schiffes den Mai des Jahres 3792, und der Arkonide hat trotz seines relativ kurzen Wirkens auf der SOL bereits den Anstoß zu entscheidenden positiven Veränderungen im Leben der Solaner gegeben – ganz davon abgesehen, dass er gleich nach seinem Erscheinen die SOL vor der Vernichtung rettete.
Inzwischen hat das Generationenschiff viele Lichtjahre zurückgelegt, und die Solaner haben in dieser Zeit viele Konflikte mit Gegnern von innen und außen mehr oder weniger unbeschadet überstanden.
Unter Breckcrown Hayes, dem neuen High Sideryt, bahnt sich nun eine weitere Stabilisierung und Normalisierung an Bord an. Allerdings sorgen unerwartete Ereignisse immer wieder für Unruhe.
Fastrap – Erster Seher der Pers-Oggaren.
Wysterein – Fastraps Schüler.
Ülstrapp – Fastraps Gegenspieler.
Morjana – Regierungspräsidentin von Vasterstat.
Auxonia – Morjanas Tochter.
Ux, Perse und Pors
In der fernen Vergangenheit ...
Die kugelförmige Galaxis stellte in der Palette von Sternensystemen des Universums nichts Besonderes dar. Sie war nicht einmal besonders groß. Ganze 54.000 Lichtjahre betrug ihr Durchmesser.
Sie trug auch sonst keine auffälligen Merkmale. Nur dreizehn Kugelsternhaufen begleiteten die Struktur aus etwas über zwölf Milliarden Sternen im Halo. Es existierte ein mitteldichter Kern, der aber nur eine geringe energetische Aktivität besaß. Längst war alle Urmaterie in den Sternen und Planeten aufgegangen.
Einer dieser Sterne, eine gelbe Sonne, wurde später von dem intelligenten Leben, das auf dem ersten Planeten des Systems entstanden war, Auxon genannt. Das Volk selbst verstand sich als die Pers-Oggaren, und ihre Milchstraße bezeichneten sie als Pers-Mohandot.
Die nächste andere Galaxis, die die Pers-Oggaren entdeckten, war ein unregelmäßiges Gebilde von noch unscheinbarerem Charakter als Pers-Mohandot. Sie fand sich in einer Entfernung von 2,2 Millionen Lichtjahren. Die Pers-Oggaren nannten sie All-Mohandot, und das war zu einer Zeit gewesen, zu der sie nur davon träumten, einmal zu dieser irregulären Kleingalaxis gelangen zu können.
Zunächst bestimmte die eigene Geschichte das Handeln dieses Volkes. Sie erforschten ihr eigenes Sonnensystem. Außer der Heimatwelt Vasterstat gab es noch drei weitere Planeten, die in nur wenig größeren Umlaufbahnen die Sonne Auxon umkreisten. Ihre Namen waren Purseldat, Mersondon und Falldot. Alle drei Welten standen noch so nahe an Auxon, dass die Besiedlung einfach und ohne größere Probleme verlaufen konnte, als man den Schritt in den Raum gewagt hatte.
Das Auxon-System blühte auf, als man erstmals andere Sonnensysteme erreichte und Kolonialwelten aufbauen konnte. Es dauerte für kosmische Maßstäbe nur eine lächerlich kurze Zeitspanne, bis die Pers-Oggaren überall in Pers-Mohandot ihre Stützpunkte errichten konnten. Der ganze Prozess verlief friedlich und ohne große Störungen. Wo man auf andere intelligente Wesen stieß, versuchte man sich zu verständigen. Wenn dies nicht gelang, dann zogen sich die Pers-Oggaren diskret wieder zurück.
Das geistige Zentrum blieb Vasterstat. Nur hier konnten sich die Pers-Oggaren entwickeln, die später einmal die weitere Geschichte entscheidend beeinflussen sollten.
Noch während der Erforschung der eigenen Galaxis stießen Raumschiffe nach All-Mohandot vor. Man fand intelligente Völker, die jedoch biologisch völlig anders waren. Sie ähnelten meistens den merkwürdigen, zweibeinigen Roxharen, die man in Pers-Mohandot getroffen hatte. Der Kontakt mit All-Mohandot war nur von kurzer Dauer, aber er war äußerst fruchtbar für die dortigen Völker, die erst am Beginn ihrer technischen Evolution standen. Insbesondere die Pluuh und die Ysteronen wurden von dem Wissen, das die Pers-Oggaren hinterließen, in ihrer Entwicklung beschleunigt. Die Besucher aus Pers-Mohandot jedoch zogen sich bald wieder auf ihren eigenen Lebensbereich zurück.
Dort gab es genügend intelligente Völker, mit denen man in friedlichem Beieinander lebte. Für die Pers-Oggaren war es nichts Ungewöhnliches, dass die meisten beherrschenden Lebensformen eigentlich dem tierischen Dasein entwachsen waren. Sie sahen darin weder einen Vorteil, noch einen Nachteil. Auch leiteten sie für sich daraus keine Privilegien her, nur weil ihre natürlichen Vorfahren so etwas wie Pflanzen gewesen sein mussten. Aber die ganze Geschichte der Pers-Oggaren war nun einmal grotesk und einmalig wunderbar zugleich.
Sie war es bis zu dem Tag, an dem das Unheil über Pers-Mohandot kam.
Vorher jedoch entstand in der geistigen Blütezeit von Vasterstat etwas anderes. Hier regierte das Volk aus Pflanzenabkömmlingen sein gewaltiges Reich mit Güte und Geschick. In dieser Urzelle der positiven Kräfte bildete sich damals eine kleine Gruppe von Pers-Oggaren heraus, die ihre geistigen Fühler weit in die Zukunft strecken konnten. Diese Pers-Oggaren bestimmten letztlich, was die Führung beschloss, denn sie genossen das Vertrauen des ganzen Volkes.
Man nannte sie die Seher ...
*
Der Mann, der auf einem der höchsten Gipfel der Berge der Ewigkeit stand, bewegte sich keinen Millimeter. Sein Blick war hinabgerichtet in das Tal, wo gewaltige Wolkenbänke einander jagten.
Nichts rührte sich an seinem Körper. Ein unbefangener Beobachter hätte glauben können, dass es sich um den Stumpf eines alten, knorrigen Baumes handelte, der die Wurzeln tief in die Decke aus ewigem Schnee und Eis gekrallt hatte. Andererseits war dieses Bild widersinnig, denn in solchen Höhen hätte kein Baum wachsen können.
Kein Luftzug bewegte sich an diesem Tag auf dem Gipfel, der nach menschlichen Maßstäben mehr als zehntausend Meter über dem Meeresspiegel emporragte. Die Temperaturen lagen bei minus 50 Grad, aber all das machte dem Mann, der keine Kleidung oder sonstige Schutzvorrichtungen trug, nichts aus. Er existierte in dieser Unbill durch die Kraft seines Geistes.
Äußerlich war Fastrap nicht anzusehen, dass er ein männliches Wesen war. Die Zeit, in der er auf seinen Armen Blüten erzeugen konnte und in der er regelmäßig die Bestäubungshallen aufgesucht hatte, lag schon eine halbe Ewigkeit hinter dem uralten Seher. Er dachte nicht einmal mehr in seinen Träumen daran, denn sein ganzes Streben galt allein der Zukunft. Die Zeitströmungen, die auf das Kommende hinwiesen, veränderten sich immer wieder. So lebte Fastrap in einem ständigen Drang zu forschen.
Nichts war ewig. Das galt letztlich auch für das, was er über die Zukunft in Erfahrung bringen konnte.
Fastrap war etwa zwei Meter groß, seine Wurzeln nicht mitgerechnet, die etwa 60 Zentimeter lang waren. Er besaß noch 19 Arme, die aus dem oberen Teil des Rumpfes sprossen. Ursprünglich waren es 22 gewesen, aber drei Arme hatte er im Lauf seines langen Lebens verloren.
Sein Körper war runzlig und rau. Er besaß die Form eines Zylinders, der sich nach oben hin nur wenig verjüngte. Dort, wo die Wurzeln in den Rumpf mündeten, war mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern die breiteste Stelle. Man nannte sie das Ruhekissen, weil der Körper sich darauf abstützte, wenn er sich nicht bewegte.
Schlaf kannten die Pers-Oggaren nicht. Die Natur hatte dafür keine Notwendigkeit gesehen und dementsprechend dafür keinen Mechanismus entwickelt.
Im Innern des grauen Körpers reihten sich Milliarden von Zellen aneinander, die das Zentrum hoher geistiger Aktivität waren. Auch jetzt in der totalen Einsamkeit und in der unwirtlichen Kälte arbeiteten diese Zellen mit unverminderter Kapazität.
An der oberen Kante des Körpers, die noch knapp 70 Zentimeter durchmaß, saßen zwei Augen auf kurzen Stielen. Sie ragten ein wenig über den Stamm hinaus und waren sehr beweglich. Fastrap konnte damit, wie natürlich alle Pers-Oggaren, in zwei Richtungen gleichzeitig sehen. Jetzt standen diese Augen wie winzige Erhebungen reglos auf dem Rumpf.
Fastrap benötigte sie im Augenblick nicht, um zu sehen. Die Sinne, die arbeiteten, lagen im Innern seines Körpers.
Die Strahlen der Sonne Auxon hätten ihn geblendet, wenn er offen auf die von Schneekristallen und Gletschern bedeckten Hänge geblickt hätte. Und doch schienen die weißen, glatten Flächen all das auf seinen Geist zu reflektieren, was der alte Seher hören und wissen wollte. Er hatte diesen Ort nicht ohne Grund gewählt, denn seine Fähigkeit, einzelne Phasen der Zukunft zu erfassen, kam hier am besten zur Wirkung.
Der Körper verfügte über genügend Nahrungsvorräte, um noch zwei oder drei Tage in der Wildnis der Berge der Ewigkeit zu überdauern. Erst dann würde Wysterein kommen und ihn abholen, und dann würde er seine Wurzeln wieder in das weiche und warme Erdreich der Felder von Vasterstat senken können, um neue Nährstoffe aufzunehmen.
Die eisige Kälte regte das Zentrum der übergeistigen Aktivität in hohem Maß an. Fastrap benötigte die Ruhe, die Einsamkeit und die Kälte ebenso, wie die spiegelnden Flächen aus ewigem Eis. Nur hier konnte er seine Sinne aus dem Innern seines Körpers voll entfalten.
Sie nahmen die Strömungen aus der Zukunft auf, wie sie, bezogen auf seine Jetztzeit, existierten. Sein Verstand verarbeitete die Informationen und versuchte sie gleichzeitig in ein zeitliches Raster einzuordnen. Letzteres bereitete dem alten Pers-Oggaren die größten Schwierigkeiten, denn ein Teil seines Ichs war so weit enteilt, dass er nicht einmal gefühlsmäßig sagen konnte, wo es sich befand. Wenn kein konkreter Hinweis in dem unwirklichen Erleben enthalten war, der einen zeitlichen Bezug beinhaltete, dann blieb Fastrap zur Einordnung in den Ablauf der Geschehnisse nur der Begriff irgendwann.
Wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels löste sich unter den warmen Sonnenstrahlen eine riesige Eisplatte. Sie riss den ewigen Firn mit sich und stürzte mit donnerndem Getöse in die Tiefe. Haushohe Brocken aus Eis führten einen wilden Tanz durch. Krachend schlugen sie aneinander, wirbelten Schneestaub auf und zerkleinerten sich unter der Wucht der Abwärtsbewegung.
Fastrap selbst kümmerte dies alles nicht. Er stand bewegungslos auf dem Gipfel. Nicht einmal die Erschütterungen im Boden, die die Lawine ausgelöst hatte, wurde von ihm registriert. Er setzte seine Suche nach neuen Erkenntnissen unbeirrt fort.
Als sich die Nacht über die Berge der Ewigkeit senkte, hatte sich am äußeren Bild des Alten noch immer nichts verändert. Und als der Morgen anbrach und Auxon seine feuerroten Strahlen über die vereisten Hänge huschen ließ, rührte sich noch immer nichts.
Ein leiser Wind kam auf und versetzte die Arme des Sehers in sanfte Bewegung. Das einzige Utensil, das Fastrap an seinem Körper trug, schlug dumpf gegen den Stamm. Der armlange Metallstab hing an einer Schlaufe eines unteren Armes und baumelte hin und her. Auch das bemerkten die desaktivierten Sinne des Pers-Oggaren nicht, denn gerade jetzt stieß sein losgelöstes Bewusstsein in eine Zeitströmung, die alle bisherigen Erkenntnisse umstieß.
Fastraps Geist entdeckte es. Es war so schauerlich, dass sein Verstand keine Worte fand. Je mehr Informationen er sammelte, desto verwirrter wurde er. Nur eins war klar.
Es musste eine Veränderung im kosmischen Geschehen eingetreten sein, die alle bisherigen Zeitströmungen der Zukunft absurd werden ließ.
Sein Bewusstsein versuchte in die Gegenwart zu fliehen, blieb aber dennoch, gefesselt von dem Unmöglichen, in der Zukunft haften. Nur die Informationen erreichten das normale geistige Zentrum Fastraps.
Auch dieses lehnte sich auf. Was es erfuhr, war zuviel, um es zu verarbeiten oder zu verkraften.
Fastrap sah ein Sonnensystem, und er hatte keinen Zweifel daran, dass in dessen Mittelpunkt der Stern Auxon stand. Er spürte nur noch einen Planeten, und dieser Planet war Vasterstat. Purseldat, Mersondon und Falldot waren nur noch Staub und Trümmerwolken, die langsam von Auxon wegdrifteten.
Den schlimmsten Anblick bot jedoch Vasterstat selbst. Hier gab es kein Leben mehr. Kein Stein lag mehr auf dem anderen. Selbst die Berge der Ewigkeit hatten ihren Anspruch auf diesen Namen verloren, denn tiefe Krater aus glühendem Magma hatten die Hänge gespalten, das Eis aufgelöst und die Felsen bis auf den Grund zerrissen.
Zum ersten Mal seit Tagen zeigte der Pers-Oggare eine äußerliche Regung. Sein mächtiger Körper begann zu schwanken. Das Gehirn wurde mit einer Flut von Vernichtung überschwemmt, die das wandernde Bewusstsein aus der Zukunft holte.
Ruinen, tote Pers-Oggaren, zerstörte Ländereien, brennende Städte, abstürzende Raumschiffe, glühende Hitze, explodierende Feuerhöllen – all das war zuviel für den Seher.
Sein Körper schaltete eine automatische Schutzvorrichtung ein. Er holte das wandernde Bewusstsein gewaltsam aus dieser schauerlichen Zukunftsvision.
Fastrap wurde wieder eins.
Die Erinnerung an das Gesehene aber blieb. Sie schlug mit grausamer Wucht nach dem Mann. Auch die wieder aktivierten Normalsinne konnten nicht verhindern, was nun geschah.
Der mächtige Körper taumelte auf seinen Wurzeln über das Eis. Das Augenpaar sah den bodenlosen Abgrund und signalisierte die Gefahr zum Gehirn. Dieses versperrte sich jedoch gegen jede weitere Information. Die Wurzeln schoben sich sinnlos in irgendeine Richtung. Kreuz und quer schlidderte Fastrap über das Eis.
Dann tasteten die ersten Wurzeln in die Leere des Abgrunds. Der Rumpf neigte sich unter der fehlenden Abstützung zur Seite und führte eine Schlingerbewegung durch. Dann verlor der Seher das Gleichgewicht. Im letzten Augenblick erkannte er die Gefahr.
Aus der Sprechknospe zwischen dem Hörsinn erklang ein schauerlicher Schrei. Er drang durch die dünne Luft und brach sich noch an den Gletscherwänden, als Fastrap bereits in die Tiefe segelte. Er riss Schneemassen und Eisbrocken mit sich.
Wieder rollte eine Lawine in das Tal. Sie war nicht so mächtig wie die vom Vortag, aber in ihrem Innern kämpfte ein Wesen um das Überleben.
Wenig später war der letzte Hall verklungen.
In der einsamen Natur der Berge der Ewigkeit
Am Tag der Seher war das Volk von Aust-Tardan früh auf den Beinen. Dieses Ereignis wiederholte sich nur alle einhundert Tage. Es war Feiertag und Festtag zugleich. Niemand brauchte zur Arbeit zu gehen, von dem Regierungsstab einmal abgesehen, denn die Regierungspräsidentin Morjana, die an der Spitze von Vasterstat stand, und ihre Berater tagten ohne jede Pause. Die Verwaltung von über eintausend Kolonialwelten mit all den Problemen, die damit zusammenhingen, erforderte diesen Einsatz.
Aust-Tardan, das Zentrum von Vasterstat, Hauptstadt und Mittelpunkt des politischen und des kulturellen Lebens, hatte an diesem Tag nur eins im Sinn.
Man wollte die neuesten Erkenntnisse der Seher hören.
Schon kurz nach Aufgang der Sonne Auxon wimmelte der Zentralplatz vor dem Regierungsgebäude von Pers-Oggaren.
Aber nicht nur Bewohner der Hauptstadt versammelten sich hier. Aus den umliegenden Städten und Dörfern waren Hunderttausende angereist, um die Botschaften der Seher selbst zu hören. Wer hier keinen Platz fand oder keine Gelegenheit besaß, die Reise in das kulturelle Zentrum der Pers-Oggaren durchzuführen, konnte über die Nachrichtenmedien des Auxon-Systems an dem Geschehen teilhaben. Auch zu den wichtigsten Kolonialwelten wurden die Reden übertragen.
Die Stimmung war seit 100 Tagen angeheizt, denn am vergangenen Tag der Seher hatten die drei wichtigsten Pers-Oggaren dieser kleinen, besonders begabten Gruppe eine gemeinsame Ankündigung gemacht. Diese hielt die Bevölkerung in Atem.
Man hatte ein Loch in der Zeit entdeckt. So hatten die Seher übereinstimmend erklärt. Nur wenige Pers-Oggaren hatten auf Anhieb verstanden, was damit gemeint gewesen war. Fastrap, der Erste Seher, hatte es an den folgenden Tagen mehrfach erklärt.
Es gab eine Zeitzone in der nahen Zukunft, die sich nicht erforschen ließ. Gleichzeitig mit dieser Erkenntnis wurden alle anderen Vorhersagen über den Haufen geworfen, denn die Denker der Pers-Oggaren wussten, dass nur ein zusammenhängendes Bild von der Zukunft einen hohen Grad an Wahrscheinlichkeit besaß. Wahrscheinlichkeit bedeutete gleichzeitig Realisierbarkeit. Noch war es nicht zu spät, um die Geschicke zu lenken oder mit geeigneten Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Zukunft anders aussehen würde, als die Seher sie prognostizierten.
Es war das erste Loch in der Zeit, das die Seher seit über 500 Jahren entdeckt hatten. Zugleich bedeutete es die Sensation für alle Bewohner des Auxon-Systems.
