Atlan 650: Die Namenlose Zone - Peter Griese - E-Book

Atlan 650: Die Namenlose Zone E-Book

Peter Griese

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Beschreibung

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen, scheint außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn ihm wurde die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrags entzogen: das Wissen um die Koordinaten dieses Raumsektors. Doch Atlan gibt nicht auf! Um sich die verlorenen Koordinaten wieder zu besorgen, scheut der Arkonide kein Risiko. Mit den Solanern folgt er einer Spur, die das Generationenschiff gegen Ende des Jahres 3807 Terrazeit schließlich nach Bars-2-Bars führt, in die aus zwei miteinander verschmolzenen Galaxien bestehende Sterneninsel. Hier, in dieser Doppelgalaxis, kommt es auch Ende April 3808 zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern. Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird. Für Atlan ist damit die Jagd nach den Koordinaten noch längst nicht zu Ende. Er muss in DIE NAMENLOSE ZONE ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 650

Die Namenlose Zone

Der Weg der negativen Völker

von Peter Griese

Die Verwirklichung von Atlans Ziel, in den Sektor Varnhagher-Ghynnst zu gelangen, um dort den Auftrag der Kosmokraten zu erfüllen, scheint außerhalb der Möglichkeiten des Arkoniden zu liegen. Denn ihm wurde die Grundlage zur Erfüllung seines Auftrags entzogen: das Wissen um die Koordinaten dieses Raumsektors.

Doch Atlan gibt nicht auf! Um sich die verlorenen Koordinaten wieder zu besorgen, scheut der Arkonide kein Risiko. Mit den Solanern folgt er einer Spur, die das Generationenschiff gegen Ende des Jahres 3807 Terrazeit schließlich nach Bars-2-Bars führt, in die aus zwei miteinander verschmolzenen Galaxien bestehende Sterneninsel.

Hier, in dieser Doppelgalaxis, kommt es auch Ende April 3808 zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern.

Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide dringt in die Namenlose Zone ein.

Chybrain – Atlans Gesprächspartner.

Frank Turvey – Gewaltherrscher der Ranter.

Der Merb-Tunk – Diktator der Merboler.

Mebbystar und Thele

1.

»Es gibt Erfolge, über die man sich nicht so recht freuen kann«, sagte ich leise zu Tyari.

Meine Gefährtin saß mir gegenüber in einem bequemen Sessel. Durch die halb geöffnete Tür drangen leise Geräusche aus den anliegenden Wohnbereichen von SOL-City zu uns herein. Mit dem Auszug der mit KING abgewanderten Mitglieder meines Teams kehrten hier Veränderungen ein.

Die Frau, die nicht ohne Grund mir so ähnlich war, schwieg lange. Ihre Blicke wirkten beruhigend, zeigten sie doch, dass sie inneren Anteil an meinen Überlegungen nahm.

»Du hast die Koordinaten trotz der Lösung des Anti-ES-Problems nicht bekommen.« Sie nickte. »Das muss bitter sein, denn so entsteht der Anschein, dass deine ganzen Bemühungen letztlich keinen Sinn hatten.«

»Einen Sinn hatten sie bestimmt.« Ich stand auf und schloss die Tür. »Meine persönlichen Ziele können nicht stets mit dem in Einklang stehen, was die Mächte jenseits der Materiequellen wollen. Sie haben ihr Ziel erreicht. Die Gefahr, die einst von Anti-ES ausging, ist für immer gebannt.«

»Was auch dein Verdienst ist«, versuchte mich Tyari aus meiner nicht gerade begeisterten Stimmung zu reißen.

»Verdienst hin, Verdienst her.« Ich konnte meinen Unmut nicht verbergen, und ich wollte das auch nicht. »Auf den Verdienst kommt es gar nicht an. Und wenn dem so wäre, gebührt es allen Solanern von Breck bis zum letzten Mann. Das Problem liegt tiefer.«

»Ich weiß. Du suchst die verlorenen Koordinaten auch nur, weil es die Kosmokraten wollen. Dein ganzes Wirken erfolgt letztlich nur aufgrund von Gedanken, die sie dir eingegeben haben.«

»Das mag sein«, gab ich zu. »Ich empfinde sie aber als meinen eigenen Willen.«

»Für einen Außenstehenden ist das ein völlig belangloser Unterschied, für mich auch.«

Sie hatte Recht, sagte ich mir. Aber wie konnte ich jemand diesen Zwiespalt meiner Gefühle mitteilen? Wahrscheinlich gar nicht. Ich empfand mich nicht als Marionette – und doch war ich es irgendwie.

Nicht ich bestimmte, was geschah. Die unbekannten Mächte waren es. Zweifellos waren deren Ziele generell positiv. Von diesem Gesichtspunkt aus kam ich in keinen Gewissenskonflikt.

Auch diese Schlussfolgerung entbehrt einer gewissen Logik. Nun mischte sich auch noch mein Logiksektor in das Gespräch. Oder hast du vergessen, dass du schon vor Jahrhunderten für deine Aufgaben ausgewählt worden bist? Es ist sicher, dass ES dir deinen speziellen Zellschwingungsaktivator auf Geheiß der Kosmokraten aushändigte. Schon damals wurdest du für deine Lebensaufgabe konditioniert.

»Wenn alles von den Kosmokraten gelenkt wäre«, erklärte ich laut, »dann muss auch Chybrains Entstehung und seine Eigenwilligkeit einen Sinn haben, der mein Vorstellungsvermögen übersteigt.«

»Unwahrscheinlich«, kommentierte Tyari. »Aber nicht ganz auszuschließen.«

»Es ist doch ein Widerspruch. Einerseits geben sie mir ein Ziel, nennen es Varnhagher-Ghynnst, geben mir die Koordinaten und die Aufgabe mit der SOL in diesen Raumabschnitt zu gelangen. Und dann sabotieren sie dieses Vorhaben.«

»Nicht die Kosmokraten sabotieren es. Du bist etwas verwirrt. Es waren einfach negative Mächte, die sich dir in den Weg stellten. Und zweifellos umfasst dein Auftrag etwas mehr als den Komplex Varnhagher-Ghynnst. Du hast selbst gesagt, dass du das schon sehr früh erkannt hast.«

»Ist Chybrain denn negativ?«, brauste ich auf. Im gleichen Moment bereute ich die heftige Reaktion. »Schließlich ist er jetzt der Räuber der Koordinaten.«

»Es wird schon seinen Sinn haben«, meinte Tyari. Sie tastete zwei Heißgetränke aus dem Automaten und streckte mir einen Becher entgegen. Ich nahm ihn an und stellte ihn achtlos auf den Tisch.

Gut, es war durch das Zusammenspiel aller Beteiligten gelungen, die negative Superintelligenz Anti-ES zu etwas Neuem zu verwandeln, das keine Bedrohung mehr darstellte. KING, wie sich diese umgewandelte Macht nun nannte, hatte sich darüber hinaus freiwillig für eine uns unbekannte Aufgabe anwerben lassen, die sicher zum Vorteil aller positiven Strömungen war. Er hatte ohne Zögern der Bitte Folge geleistet, die ihm der geheimnisvolle Parzelle übermittelt hatte.

Ich wusste nicht, wer oder was Parzelle war, aber das spielte keine Rolle. Jedoch verglich ich ihn mit Wesen wie Laire oder Samkar, also solchen, die den Kosmokraten sehr nahe standen. Etwas Konkretes war von diesen nur selten zu erfahren gewesen. Wenn sich dieser kleine Hominide als »Gesandten Termentiers« bezeichnete, so konnte das viel bedeuten. Es konnte auch heißen, dass Termentier der Name eines Kosmokraten war.

Eine gewagte Folgerung, der ich mich nicht vorbehaltlos anschließe, protestierte der Extrasinn. Du nimmst automatisch an, dass die Kosmokraten Einzelwesen sind wie du oder jemand anders. Einen Beweis dafür besitzt du aber nicht.

Ich verzichtete auf eine Entgegnung und hing weiter meinen Gedanken nach.

Das Erreichte war nicht nur wegen der noch immer verlorenen Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst unbefriedigend. Die Zahl der Opfer – nicht nur aus dem Kreis der Solaner – war einfach zu groß. Es wollte mir nicht in den Sinn, dass dies alles nur geschehen war, um die Umwandlung von Anti-ES in KING zu bewerkstelligen. Zählten die einzelnen intelligenten Wesen in den Augen der Kosmokraten so wenig?

Du nimmst also an, höhnte der Extrasinn, dass die Kosmokraten Augen besitzen?

Es gab auch ein logisches Argument, überlegte ich weiter, dass nicht alles stimmen konnte. Die Qualen, die die Solaner erleiden mussten, die Verluste, die Ängste und Nöte und alles, was sich an Begleiterscheinungen ergeben hatte, bewirkten, dass ich den Auftrag der Kosmokraten vielleicht doch nicht erfüllen konnte. Der »Sieg« über Anti-ES hatte wenig Freude und Begeisterung ausgelöst. Eher sprach man in den Fluren und Kantinen davon, dass seit meinem Erscheinen auf der SOL diese von einer Gefahr in die andere gestolpert war. Es war zwar letztlich gelungen, das Generationenschiff vor dem Untergang zu bewahren. Die Wunden, die geschlagen worden waren, vernarbten jedoch nicht so schnell.

Anders war es da mit der Erinnerung an die vergangenen Zeiten der SOLAG-Diktatur. Diese Geschehnisse wusste man natürlich noch, aber sie waren nicht mehr von Bedeutung. Über sie sprach kaum noch jemand. Es erfüllte mich daher mit Sorge, dass ein aufkeimender Unwille festzustellen war, der sich eigentlich gegen meine Person richtete.

Ich zweifelte nicht daran, dass ich auf heftigen Widerstand stoßen würde, wenn ich die Solaner aufforderte, mit der SOL in die Namenlose Zone zu fliegen, um dort nach Chybrain oder den Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst zu suchen. Das Feuer, das die Kosmokraten in mir entfacht hatten, loderte mit unverminderter Stärke weiter. Der Teil davon, der auf die Solaner übergesprungen war, war nun jedoch am Erlöschen. Ich wusste nicht, wie ich die Begeisterung erneut wecken konnte. Ich war mir nicht einmal darüber im Klaren, ob ich das überhaupt versuchen sollte.

Es gab einen Weg in die Namenlose Zone. Der Junk-Nabel war die einzige Übergangsstelle aus dem normalen Universum in diesen doch weitgehend unbekannten Sektor. Die Untersuchungen der letzten 36 Stunden hatten bestätigt, was Chybrain uns hatte wissen lassen. Der Nabel war hinreichend stabil. Genau gesagt, würde er für mindestens 100 Tage aktiv bleiben. Mir war also eine Frist gesetzt. Und diese Zeitspanne war so kurz, dass es mir kaum gelingen würde, die Solaner dazu zu motivieren, mit ihrem Heimatschiff durch den drei Kilometer durchmessenden Nabel in einen unbekannten Raum zu fliegen.

Immerhin kümmerten sich die Spezialisten der SOL weiterhin intensiv um das äußere Geschehen. Ich wurde mit allen Informationen versorgt, was vor allem daran lag, dass ich den High Sideryt Breckcrown Hayes auf meiner Seite hatte. Breck war nicht nur loyal. Er glaubte auf seine Weise an eine Zukunft seines Volkes. Insbesondere lag ihm am Herzen, dass die Solaner eine Aufgabe hatten. Die Vergangenheit hatte bewiesen, dass das Fehlen einer Konfrontation zum inneren Verfall führte.

Auf dem Tisch neben dem achtlos abgestellten Getränk lag ein Stoß Folien der neuesten Ortungsergebnisse. Ich hatte sie überflogen, und so wusste ich, was sich draußen tat.

Die übergreifenden Intelligenzen von Bars und Farynt, Tyar und Prezzar, waren wieder in ihren Sterneninseln aufgefangen. Sie hatten ihre alte Kraft nach der schier endlosen Gefangenschaft in dem Stern Junk wiedergewonnen. Deutlich zeigte sich das an der Eigenbewegung der Doppelgalaxis Bars-2-Bars.

Bars und Farynt begannen sich zu trennen. Jede Sterneninsel driftete mit zunehmender Geschwindigkeit von der anderen weg. Sicher würde es noch Jahre dauern, bis sich dies allen verdeutlichte. Den genauen Messungen der solanischen Spezialisten tat sich diese Erkenntnis aber schon jetzt kund.

Auch das war ein Erfolg unseres Handelns, sagte ich mir. Ungezählte Völker sahen wieder eine friedliche Zukunft auf sich zukommen. Die Stagnation der Völker von Bars und Farynt war beendet. Die Kämpfe untereinander waren erloschen. Ich dachte an meine frühere Idee, Friedenszellen zu erzeugen, und empfand etwas Freude.

Eigentlich stimmte alles, abgesehen von der Verfassung meiner Solaner und der undurchschaubaren Eigenwilligkeit Chybrains, der sich mit den Koordinaten in die Namenlose Zone abgesetzt hatte.

Chybrain zwang mich dadurch, entweder mit der SOL oder mit ein paar Beibooten seiner Spur zu folgen. Für die Solaner bedeutete das neue Gefahren, neue Ängste und neue Verluste. Viele von ihnen würden sich dagegen mit allen Mitteln wehren.

Meine Lage war also nicht rosig. Die Freude über den glücklichen Ausgang der Auseinandersetzungen mit Anti-ES war durch ein paar Wermutstropfen getrübt.

Es war eigentlich gleichgültig, was ich als nächstes unternahm. Von irgendwoher würde es Widerspruch geben, und mein angekratztes Image bei den Solanern würde dadurch nur noch mehr ramponiert werden.

»Immerhin bist du mir geblieben.« Ich lächelte Tyari an und dachte dabei an die Freunde, die ich verloren hatte, an Twoxl, Kik, Sanny, Asgard und Argan, und ihr Verlust ließ sich verschmerzen. Sie besaßen eine Zukunft. Mit den Solanern, die bei den Kämpfen ums Leben gekommen waren, sah das gänzlich anders aus.

Auf einer anderen Information berichtete die Schiffsführung vom Fortschritt der Reparaturarbeiten. Die SOL war bei den letzten Auseinandersetzungen mehrmals arg gebeutelt worden. Die Wartungstrupps hatten für mehrere Tage oder gar Wochen Arbeit. Da sich die entstandenen Schäden aber ausnahmslos beheben lassen würden, bestand kein Grund zur Besorgnis.

Ich hatte immer noch einen bitteren Geschmack auf der Zunge, wenn ich an die teilweise unbegreiflichen Kämpfe dachte, die Anti-ES, Wöbbeking, Chybrain, die Penetranz, Tyar und Prezzar nicht zuletzt die SOL und ich sich geliefert hatten. Auch in mir kam keine wirkliche Freude auf, und so konnte ich die Solaner sogar verstehen, die schlicht und einfach die Nase voll hatten.

»Ich gehe zu Hayes«, teilte ich Tyari mit.

»Neue Pläne schmieden?«

»Vielleicht«, wich ich aus. »Kommst du mit?«

Sie nickte und erhob sich. Ticker, der adlerähnliche Riesenvogel vom Arsenalplaneten, der uns ein treuer Verbündeter geworden war, zog nur kurz seinen Kopf aus den Federn. Wahrscheinlich wollte er mir damit zeigen, dass er meine Absicht erkannt hatte, es aber vorzog, Tyari und mich nicht zu begleiten.

Es war ruhig in der SOL, wenn man von den Geräuschen absah, die die Reparaturteams verursachten. Das Hantelschiff stand außerhalb der Planetenbahn von Junk III. Weit und breit zeigte sich keine Bewegung im Weltraum.

Wir gingen die wenigen Meter zu Fuß zur Hauptzentrale. Breckcrown Hayes begrüßte uns lächelnd am Eingang.

»Großer Hausputz«, feixte er, und die Narben in seinem Gesicht bildeten verwirrende Muster. »Zutritt verboten. Gallatan hat sogar mich hinauskomplimentiert.«

»Es ist egal, an welchem Ort wir reden«, sagte ich.

»Du verfolgst ein bestimmtes Ziel mit deinem Besuch«, folgerte Hayes sogleich. Er kannte mich inzwischen so gut, dass ich ihm nichts vormachen konnte. »Welches?«

»Was gibt es an Neuigkeiten?« Ich versuchte es mit einer Ablenkung.

»Wenn du unsere Berichte gelesen hast, weißt du fast alles. Zu ergänzen wäre noch, dass wir die Bewegung des Nabels nun genau vermessen haben. Er läuft in etwa 121 Tagen einmal um Junk. Seine Position nähert sich spiralförmig immer mehr dem Zentralgestirn. In etwa 100 Tagen wird der Nabel in die Schichten von Junk eindringen und dann unpassierbar werden oder sich auflösen. Die Versorgungsstationen befinden sich im Innern der drei Junk-Planeten. Ich sehe davon ab, sie zu erkunden, denn ich verspreche mir nichts davon. Die Technik ist uns zu fremd. Sicher gibt es Schutzmaßnahmen. Unsere Leute würden unnötig in Gefahr geraten.«

Ich zuckte mit den Schultern, denn nach meinen Erlebnissen in der Sonne Junk sehnte ich mich auch nicht mehr danach, diese fremdartigen und sicher nicht ungefährlichen Orte zu betreten.

»Und sonst?«, fragte ich.

»Die SOL passt bequem durch den Nabel.« Breckcrown Hayes seufzte. »Aber das Problem liegt woanders. Meine Solaner haben mir deutlich zu verstehen gegeben, dass sie das nicht wollen. Mir liegen über ein Dutzend Petitionen vor, obwohl noch niemand verlauten ließ, dass die SOL in die Namenlose Zone fliegen würde. Verstehst du mich?«

»Nur zu gut«, gab ich zu. »Die Stimmung an Bord ist weit entfernt von einer Begeisterung. Anti-ES war den Solanern zu fremd. Die Hilfsmittel und -völker, die es einsetzte, waren noch erfassbar. Dass dieses Wesen praktisch verschwunden ist, geht nicht so leicht in die Gehirne der Menschen.«

»Du machst es mir leicht, Atlan. Ich sehe im Augenblick keinen Weg, um dich zu unterstützen. Es ist gut, dass du das einsiehst.«

»Du weißt, dass ich von meinem Plan nicht abweichen werde?«

»Welchem Plan?«

»Die Wiedergewinnung der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst.«

Breckcrown Hayes wartete mit einer Antwort, bis ein paar Solaner, die vorbeigingen, außer Hörweite waren. Er war sichtlich darauf bedacht, keine Unruhe zu schüren.

»Das sehe ich ein«, erklärte er dann. »Doch was hast du konkret ins Auge gefasst?«

»Ich fliege mit der MJAILAM und mit denen, die mich freiwillig begleiten wollen.«

»MJAILAM? Mir ist kein Schiff dieses Namens bekannt.«

»Noch nicht.« Ich lächelte. »Ich werde noch heute den Kreuzer CHYBRAIN umtaufen. Er soll MJAILAM heißen, in Erinnerung an Prezzars Geschöpf, das uns viel geschadet und noch mehr geholfen hat. Dagegen hast du sicher nichts einzuwenden, oder?«

»Einzuwenden habe ich nichts. Das Schiff gehört ja dir. Ich frage mich, wie diese Aktion auf die Solaner wirken wird.«

»Ich habe mich umgehört«, meldete Tyari sich zu Wort. Mit dieser Formulierung umschrieb sie elegant, dass sie in den Gedanken der Menschen geschnüffelt hatte. »Die Reaktion ist vorhersehbar. Viele Solaner identifizieren Atlan und seine engsten Helfer mit den Gefahren, die sie durchstehen mussten. Wenn Atlan also geht, auch wenn es nur vorübergehend ist, werden diese Solaner aufatmen.«

Hayes sah mich gespannt an. Er konnte sich denken, dass mir Tyaris Worte nicht gefielen.

Ich beschloss, ihn von allen Seelenqualen zu befreien.

»Sie hat nicht die ganze Wahrheit gesagt, Breck«, behauptete ich ruhig. »Es wird auch viele Solaner geben, die sich wünschen, dass ich nicht mehr aus der Namenlosen Zone zurückkehre. Es sind schließlich normale Menschen, und denen habe ich schon verdammt viel zugemutet. Die SOL braucht nun eine Phase der Konsolidierung. Die Solaner müssen wieder zu sich und ihren täglichen Sorgen finden. Dann werden sie die Vergangenheit mit anderen Augen sehen.«

»So könnte es sein«, meinte Breckcrown matt. »Wann willst du starten?«