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Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis. Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird. Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen. In diesen Bereich ist auch das SOL-Beiboot FARTULOON verschlagen worden. Die Korvette unter dem Kommando von Bjo Breiskoll gerät in das System der Jakater, auf die Welt der Negativen. In nahezu aussichtsloser Lage erfolgt dann die Versetzung JENSEITS DER SCHOCKFRONT ...
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Veröffentlichungsjahr: 2012
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Nr. 652
Jenseits der Schockfront
Auf der Welt der Negativen
von Peter Griese
Es geschah im April 3808. Die endgültige Auseinandersetzung zwischen den Kräften des Positiven, hauptsächlich repräsentiert durch Atlan und die Solaner, und zwischen Anti-ES und seinen unfreiwilligen Helfern, vollzog sich in Bars-2-Bars, der künstlich geschaffenen Doppelgalaxis.
Dieser Entscheidungskampf geht überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wird gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agieren wird.
Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen und sich mit deren Rätseln und Schrecken auseinanderzusetzen.
Sythorn – Emulator der Jakater.
Hulda Huld – Die Dimensionstheoretikerin dreht durch.
Bjo Breiskoll – Kommandant der FARTULOON.
Insider – Der Extra bleibt energisch.
Tyma und Horazz
Ich bin Sythorn, der Emulator meines Volkes, der Jakater.
Ich bin dazu verdammt, ein theoretisch endloses Leben zu führen, denn eine Kraft erhält mich, die ich selbst nicht verstehe. Es ist die gleiche Kraft, der ich meine Entstehung verdanke. Sie erwächst aus den bösen Wünschen und Gefühlen der Wesen meines Volkes. Aus einigen Milliarden Negativ-Bewusstseinsinhalten hat sich ein winziges Fragment abgelöst. Alle Bruchteile zusammen bilden die Kraft meiner Zeugung und Existenz.
Es ist eine fragwürdige Existenz, die nur davon lebt, der letzte Rest des Guten zu sein. Es ist die Existenz eines Emulators, eines Wesens, das gezwungen ist, das Positive zu verkörpern und zu erhalten.
Es steckt wohl eine Laune der Natur hinter meiner Existenz, denn objektiv betrachtet entbehrt sie eines tieferen Sinns. Was soll ein einzelner erwachsener Jakater gegen die erdrückende Übermacht von all den bösen Seelen ausrichten?
Irgendwann werde ich mich töten, so wie es meine Vorgänger gemacht haben. Ich weiß, dass ich das kann. Und ich werde durch meinen Tod eine der bösen Seelen mitnehmen. Mehr kann ich nicht tun, denn so schreiben es die unbegreiflichen Gesetze meines Daseins vor. Mehr haben auch meine Vorgänger nicht erreicht. Vielleicht hatten auch sie schon die Hoffnung, die auch mir bleibt. Nach meinem Tod wird ein neuer Emulator entstehen und den Weg in die Festung finden. Oder er sucht sich einen anderen Wirkungsort. Ich kann nur hoffen, dass dies ein Emulator sein wird, der mehr Kraft besitzt als ich, einer, dem es gelingt, die Macht des Negativen zu brechen. Mir ist das nie gelungen, und in der restlichen Spanne meines Lebens wird es mir auch nicht mehr gelingen.
Ich bin so alt, dass ich meine Jahre nicht mehr zählen kann. Vielleicht wäre es richtiger gewesen, schon früher den Tod zu suchen. Aber da war immer der tiefe Wunsch, mit dem Jak-System die Schockfront zu durchbrechen und der Namenlosen Zone zu entfliehen. Der Wille dazu ist noch heute vorhanden, aber einen Weg zu realisieren, was mir die Träume befehlen, gibt es nicht.
Ich habe also versagt. Das mag daran liegen, dass ich selbst Methoden verwendet habe, die eigentlich in das Umfeld des Negativen gehören. Aber was hätte ich anders tun sollen?
Besteht meine Aufgabe nur darin, das ewige Ungleichgewicht zwischen Gut und Böse in meinem Volk zu überwachen? Das wäre sinnlos, denn die negativen Kräfte werden stets überwiegen.
Tarack, mein erster Leibroboter, schwebt in meiner Nähe. Er bringt die tägliche Menge an Nahrungsstoffen, die er in mein Peripheriesystem einfließen lässt. Während der Nahrungsaufnahme spüre ich die neuen Impulse. Sie kommen von weit draußen, von jenseits der Schockfront. Sie eilen ihrem Zeitpunkt des tatsächlichen Erscheinens voraus, so dass noch genügend Freiheit bleibt, sich darauf einzustellen.
Tarack wartet, denn er weiß, dass ich ihn stets in ein kurzes Gespräch verwickle.
»Neuigkeiten?«, frage ich ihn knapp.
»Die Macht des Bösen zerbröckelt mehr und mehr. Deine Maßnahmen zeigen die langersehnten Erfolge. Natürlich wird es noch eine Weile dauern, bis sich eine durchgreifende Änderung ergibt.«
Er lügt, das weiß ich, obwohl er auch die Wahrheit sagt. Die bösen Mächte werden beständig reduziert. Dieser Vorgang verläuft jedoch so behutsam, dass ein Ende noch gar nicht absehbar ist. Tarack will mich nur trösten und aufmuntern. Er stammt von einem der früheren Emulatoren her, und der hat ihm diesen Geist eingegeben.
Ich gebe keine Antwort, denn plötzlich erreicht mich ein weiterer Impuls aus der nahen Zukunft. Sein Inhalt ist sehr deutlich, viel deutlicher als der jenes Doppelimpulses, der von jenseits der Schockfront kam. Es liegt auf der Hand, dass alle Impulse miteinander in Verbindung stehen.
Es ist besser, sage ich mir, Tarack und die anderen Maschinenhelfer frühzeitig über das zu informieren, was auf sie zukommt.
»Tarack«, sage ich langsam. »Eine Veränderung nähert sich der Welt der Jakater. Ich spüre sie weit außerhalb der Schockfront unseres Sonnensystems. Auch vernahm ich einen weiteren Informationsimpuls, der für euch Roboter von großer Wichtigkeit ist.«
»Was besagt es, Emulator?«
Der zentrale Antigravschacht der FARTULOON lag im Halbdunkel. Nur die schwache Nachtbeleuchtung war eingeschaltet, und das war gerade soviel Licht, dass Bjo Breiskoll die Wände und den Einstieg erkennen konnte. Bei seiner stark ausgeprägten Fähigkeit, auch bei Nacht etwas zu sehen, hatte er keine Orientierungsschwierigkeiten.
Es war eine künstliche Nacht, die die 60-Meter-Korvette erlebte. Eine wirkliche Nacht gab es für die 60 Mann der Besatzung höchst selten. Sie alle waren an das Leben in der SOL gewöhnt, wo SENECAS Zeitgeber bestimmten, wann Tag und wann Nacht war. Aber die SOL war weit entfernt – unendlich weit, im wahrsten Sinn des Wortes. Die FARTULOON befand sich nun seit gut einem Monat vollkommen abgeschnitten von der SOL in einem Raumgebiet, über das man nur wenig wusste und das man die Namenlose Zone nannte. Nach allem, was man bisher festgestellt hatte, gab es keinen Weg zurück in das heimatliche Universum.
Bjo ließ sich durch die Feststellung nicht entmutigen, denn schließlich war man von dort gekommen. Und ein universelles Gesetz des Kosmos besagte, dass jeder Vorgang umkehrbar war.
Andererseits war es nicht zu vermeiden, dass die Stimmung an Bord auf einem Nullpunkt angekommen war. Es war nicht nur die Isolation von der SOL und dem gewohnten Raum, die das bewirkte. Vor allem war es die scheinbar trostlose Leere der Namenlosen Zone. Für normale Solaner gab es hier weder etwas mit den Augen zu sehen, noch etwas mit den Normal- oder Hyperortungen zu entdecken.
Und dennoch gab es hier Sterne, wie die drei Buhrlos Serbal Gnygg und die Geschwister Erik und Eresa Teppelhoff bewiesen hatten. Es war eine unbegreifliche Tatsache, dass die Buhrlos Sterne sahen. Die Weltraummenschen, die durch eine Laune der Natur dem Vakuum angepasst waren, sie allein waren in der Lage, die so genannten Schockfronten zu erkennen, hinter denen sich Sonnen und Planeten verbargen.
Sie hatten vor wenigen Tagen einen solchen Planeten aufgesucht und denkbar schlechte Erfahrungen gemacht. Mit Mühe und Glück war man dem System der Tirktreser entkommen. Die Erfahrungen, die Bjo dabei gewonnen hatte, waren auch nicht erbaulich. Das dort lebende Volk war alles andere als ein interessantes Objekt, um der FARTULOON den Rückweg zur SOL zu zeigen. Es war noch ärmer dran als die 60 Solaner, denn kein Tirktreser war in der Lage, jene unsichtbar machende Wand zu durchdringen. Andererseits hatte dieser Punkt den Solanern keine Schwierigkeiten bereitet, nachdem das System von den Buhrlos entdeckt worden war. Das war eine Tatsache, für die es keine ausreichende Erklärung gab.
Teppelhoff-Effekt, so hatten die Wissenschaftler der FARTULOON die entdeckte besondere Fähigkeit der Buhrlos genannt. Warum die Gläsernen dazu in der Lage waren, hatten sie jedoch auch nicht sagen können.
Bjo Breiskoll betrat den Antigravschacht, und automatisch flammte die normale Beleuchtung auf. Der Sog nach oben stellte sich ein und trug den Katzer langsam in die Höhe. Bjo hatte keine Eile. Jerge Minhester versah mit Vorlan Brick den Wachdienst in der Zentrale, und eine Flugetappe war erst für den folgenden Tag vorgesehen. Die FARTULOON stand relativ bewegungslos im Raum.
Nach den üblen Erfahrungen bei den Tirktresern hatte Bjo davon abgesehen, aufs Geratewohl weiter Sonnen anzufliegen. Auch die Positronik der Korvette hatte davor gewarnt, denn allem Anschein nach gab es in der Namenlosen Zone nur kriegerische und verdorbene Völker, die durch den ungeklärten Mechanismus der Schockfronten daran gehindert wurden, ihre Heimatsysteme zu verlassen.
Wenn Breiskoll seine empfindlichen Mutantensinne öffnete, so spürte er die Leere der Namenlosen Zone als eisige Kälte, die ihm das Blut in den Adern gefrieren lassen wollte. In der Nähe der Welten hinter den Schockfronten spürte er jedoch noch etwas anderes. Er konnte es nicht genau beschreiben, aber es war einfach etwas grundsätzlich Schlechtes oder Negatives.
Er sprach nur mit Federspiel über diese Empfindungen, denn bei den Nichtmutanten würde er mehr Unruhe erzeugen als Verständnis gewinnen. Für ihn als Kommandanten waren diese Wahrnehmungen aber Grund genug, diese Schockfronten nicht zu durchqueren.
Seit diesen niederschmetternden Erkenntnissen konzentrierte sich Bjo ganz darauf, etwas Positives zu empfangen. Bislang war das noch nicht gelungen, obwohl man die Nähe von über zehn Sonnen aufgesucht hatte, die durch den Teppelhoff-Effekt ausgemacht worden waren.
Auch jetzt beachtete der Katzer nur diese Wahrnehmungen, die jedoch im Augenblick nur schwach zu empfangen waren. Das mochte daran liegen, dass man zu weit von dem nächsten Sonnensystem entfernt war, oder aber daran, dass seine Mutantenfähigkeit Schwankungen unterlag.
Bei den Tirktresern waren kurzzeitig ein paar positive Impulse aufgetreten. Breiskoll hatte sie aber nur schwach wahrgenommen, ohne daraus auf den Herkunftsort schließen zu können. Wenn er jedoch dem Glauben schenken würde, was er dort erfahren hatte, dann entstammten diese positiven Gedanken einem Tirktreser, der den seltsamen Titel Emulator trug. Was sich wirklich hinter dieser Bezeichnung verbarg, war ein Rätsel geblieben, und es würde wahrscheinlich auch immer eins bleiben, denn das Eresa-Eins-System würde die FARTULOON bestimmt nicht mehr anfliegen.
Noch immer auf die Wahrnehmungen seiner kosmischen Empfindungen konzentriert, sprang Bjo Breiskoll aus dem Antigravschacht. Er schritt auf das Schott zur Hauptzentrale zu, das sich automatisch öffnete. Helles Licht flutete ihm entgegen.
Dass der Kommandantensessel und auch der des Piloten leer waren, bedeutete während der Ruhepause nichts Ungewöhnliches. Als aber ein dumpfer Ruf an seine Ohren drang, war Bjo sofort hellwach. Er schnellte herum und sah dicht vor sich das Gesicht der Dimensionstheoretikerin Hulda Huld.
Im gleichen Moment traf ihn etwas Hartes auf den Hinterkopf und raubte ihm die Sinne.
*
Hulda Huld stand breitbeinig vor Bjo Breiskoll, als dieser erwachte.
Die Solanerin war etwa 100 Jahre alt. Bei der durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 200 Jahren stand sie somit in der Blüte ihres Lebens. Dennoch wirkte sie wesentlich älter.
Der Katzer musterte sie stumm, und die Dimensionstheoretikerin konnte sich ausmalen, dass er jetzt ihre Gedanken durchforschte. Ihre Abwehrkraft gegen die telepathischen Fähigkeiten des Mutanten waren nur schwach.
»Du kannst ruhig in meinen Gedanken schnüffeln, Bjo«, sagte sie. »Es wird nichts an den Tatsachen ändern und auch nicht daran, dass ich das Kommando an mich reißen musste.«
Breiskoll schloss langsam die Augen. Eine andere Reaktion zeigte er nicht.
Hulda strich sich über die altertümlichen Kleider, die sie angelegt hatte. Überhaupt sah sie sehr ungewohnt aus. Ihre Haare hatte sie pechschwarz gefärbt. Die Gesichtshaut war weiß gepudert, so dass sie einen krassen Gegensatz zu der Umrahmung bildeten. Woher sie die alten Kleider bekommen hatte, war unergründlich. Bjo wusste, dass es solche seltsamen Fetzen normalerweise nicht an Bord der FARTULOON gab. Vielleicht hatte sie ein Haushaltsroboter nach Huldas verrückten Plänen angefertigt.
»Du kannst ruhig schweigen, Breiskoll«, stieß sie empört hervor. »Lass deine Leute ruhig in Unwissenheit. Ich werde sie schon aufklären. Wie du siehst, oder nicht siehst, weil du die Augen vor meiner Macht verschließt, haben sich bereits zwölf Besatzungsmitglieder auf meine Seite gestellt. Weitere werden folgen, wenn ich ihnen meinen Rettungsplan unterbreitet habe.«
Der Katzer öffnete die Augen. Bewegen konnte er sich nicht, denn er war kunstgerecht an die Rücklehne eines Kontursessels gefesselt.
Jerge Minhester, der erfahrene Raumfahrer, der als sein offizieller Stellvertreter an Bord galt, war ebenfalls gefesselt. Der Vierundachtzigjährige warf Breiskoll einen bedauernden Blick zu. Der Mutant brauchte nicht die Gedanken des Solaners zu lesen, um zu erfahren, dass dieser auch überrascht und überwältigt worden war.
Auch Vorlan Brick hatte das gleiche Schicksal ereilt. Alle anderen Personen in der Zentrale bewegten sich frei. Außer Hulda Huld waren es acht Männer der Besatzung. Sie hielten ihre Waffen in den Händen und warteten darauf, dass Hulda Huld etwas sagte.
»Du vermisst sicher deine Busenfreunde Federspiel und Insider.« Die Frau lachte überheblich. »Sie wurden in ihren Kabinen überwältigt. Meine Leute bewachen sie. Wenn wir wieder in der SOL sind, bekommt ihr eure Freiheit zurück. Dann dürft ihr euch bei mir bedanken, weil ich euch aus der Gefangenschaft der Namenlosen Zone befreit habe.«
»Du bist eine verrückte Ziege!«, fauchte Vorlan Brick wütend. »Du bist übergeschnappt, und damit bist du noch schlimmer als mein kleiner Bruder Uster. Das will schon etwas sagen!«
»Spar dir deinen Atem, Pilot!« Die Dimensionstheoretikerin fuchtelte mit ihrem Kombistrahler vor seinem Gesicht herum. »Du wirst ihn noch brauchen.«
Sie schritt mit gewichtigen Schritten in der Zentrale auf und ab. Dabei warf sie ihren drei Gefangenen undefinierbare Blicke zu.
Als Bjo Breiskoll seine Scheu überwand und sich in ihre Gedanken einschaltete, erlebte er ein Durcheinander von Gefühlen, Wünschen und Vorstellungen. Klare Feststellungen über Huldas Motive konnte er nicht auf Anhieb treffen. Angewidert kehrte er zu sich selbst zurück.
»Rück endlich mit deinen Plänen heraus«, verlangte er. »Andernfalls gebe ich der Positronik die Anweisung, die Roboter auf dich und deine Helfer zu hetzen. Dass sie auf mich hört, ist dir wohl klar.«
»Pah! Die FARTULOON-Positronik fürchte ich nicht. Sie ist informiert. Sie weiß, dass Jerge Minhester im gleichen Moment stirbt, wenn sie etwas gegen mich unternimmt.«
Breiskoll erkannte, dass die Frau es ernst meinte. Er schwieg.
»Du hast als Kommandant versagt, Breiskoll!« Anklagend streckte Hulda ihren freien Arm auf den Katzer aus. »Dein größter Fehler war, dass du nicht auf meine wissenschaftliche Kapazität vertrauen wolltest. Deshalb kann ich gar nicht anders handeln.«
Allmählich begriff der Mutant, was die Solanerin wollte. Am Vortag hatte Minhester ihm berichtet, dass Hulda einen Plan entwickelt hatte, wie man der Namenlosen Zone entkommen könne. Die einhellige Meinung aller Fachleute und auch die der Bordpositronik war gewesen, diesen Plan als puren Unsinn zu betrachten. Bjo hatte sich daher gar nicht um die Einzelheiten gekümmert.
Hulda war dafür bekannt, dass sie bisweilen geniale Einfälle hatte. Auch als Dimensionstheoretikerin leistete sie Überdurchschnittliches. Allerdings produzierte sie auch oft Irrtümer und falsche Theorien. Das hatte ihr mit Recht den Ruf eingebracht, schrullig und versponnen zu sein.
Die Solanerin galt andererseits als liebenswürdig und harmlos. Dass sie jetzt plötzlich diesen Wandel vollzogen hatte, konnte nur einen Grund haben. Sie kam seelisch mit der absoluten Trennung von der SOL und den fragwürdigen Chancen, je wieder zu ihr zurückkehren zu können, nicht zurecht. Aus den gleichen Gründen hatte sie sicher auch so schnell Anhänger gefunden, die ihr bereitwillig folgten.
Erneut tastete sich Breiskoll in Huldas Bewusstsein. Er suchte etwas Bestimmtes, und er fand es.
Hulda war erfüllt von einem bösen Willen. In ihrem Bewusstsein war etwas vorhanden, das Hass und Verwirrung in gleichem Maß ausdrückte. Ein Gefühl war in ihr freigelegt worden, das bislang in ihrem Unterbewusstsein geschlummert hatte.
Hulda Huld war brandgefährlich, das erkannte Bjo. Er würde sich danach richten müssen.
Die Gedanken der Frau waren ein Gemisch aus wissenschaftlichen Spinnereien, eiskalter Logik und purer Angst. Wenn sich nicht bald etwas Entscheidendes tat, würde sie entweder vollends überschnappen oder zusammenbrechen.
