Atlan 659: Bio-Imitatoren - Peter Griese - E-Book

Atlan 659: Bio-Imitatoren E-Book

Peter Griese

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Beschreibung

Es geschah im April 3808. Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Atlan und seinen Helfern auf der einen und Anti-ES mit seinen zwangsrekrutierten Streitkräften auf der anderen Seite ging überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wurde gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agiert. Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen. Als Atlan im Juni 3808 wieder zur SOL zurückkehren will, gelingt das nicht. Die MJAILAM, sein Expeditionsraumschiff, gerät in große Schwierigkeiten beim Zusammentreffen mit dem Planetoiden des Schreckens, und der Ausbruch aus der Falle fordert Schiff und Crew alles ab. Anschließend stößt Atlan auf die BIO-IMITATOREN ...

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 659

Bio-Imitatoren

Die Wiederentdeckung der Lichtquelle

von Peter Griese

Es geschah im April 3808. Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen Atlan und seinen Helfern auf der einen und Anti-ES mit seinen zwangsrekrutierten Streitkräften auf der anderen Seite ging überraschend aus. Die von den Kosmokraten veranlasste Verbannung von Anti-ES wurde gegenstandslos, denn aus Wöbbeking und Anti-ES entsteht ein neues Superwesen, das hinfort auf der Seite des Positiven agiert.

Die neue Sachlage ist äußerst tröstlich, zumal die Chance besteht, dass in Bars-2-Bars nun endgültig der Friede einkehrt. Für Atlan jedoch ist die Situation alles andere als rosig. Der Besitz der Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, ohne die er nicht den Auftrag der Kosmokraten erfüllen kann, wird ihm nun ausgerechnet durch Chybrain vorenthalten. Ob er es will oder nicht, der Arkonide wird verpflichtet, die Namenlose Zone aufzusuchen.

Als Atlan im Juni 3808 wieder zur SOL zurückkehren will, gelingt das nicht. Die MJAILAM, sein Expeditionsraumschiff, gerät in große Schwierigkeiten beim Zusammentreffen mit dem Planetoiden des Schreckens, und der Ausbruch aus der Falle fordert Schiff und Crew alles ab.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide macht einen bedeutsamen Fund.

Insider – Der Kowallek handelt eigenwillig.

Fasto – Ein Materietaucher.

Minander – Alles-Chef der Quibbirger.

Polisar – Wissenschaftler der Bio-Imitatoren.

Kormath

1.

Das Filigran strahlte aus sich heraus, denn nur so war es erkennbar. Es gab in der unendlichen Weite kein Objekt, das ihm Licht verliehen hätte. Die Namenlose Zone besaß für normale Sinne weder Licht noch Schatten, weder Materie noch Energie.

Das Filigran schien das zu wissen, denn es leuchtete stärker, als es sich seinem Ziel näherte. Das Ziel war ein unansehnlicher Materiebrocken, der seine Schockfront verloren hatte. Die dunklen Löcher in dem unregelmäßigen, etwa zehn Kilometer durchmessenden Brocken unterschieden sich kaum von der eigentlichen Materie. Nur der schwache Widerschein, den das Filigran erzeugte, ließ erkennen, dass der Kleinplanetoid einer durchlöcherten Kartoffel glich und entfernt an einen Schwamm erinnerte.

Das Filigran besaß eine exakte Kugelform, wenn man es aus einer gewissen Entfernung betrachtete. In Wirklichkeit befand sich jedoch nur in seinem Mittelpunkt ein faustgroßer und dichter Körper. Die schillernden Fäden, die von dieser kleinen Kugel ausgingen und sich mehrfach verzweigten, ließen jedoch den Eindruck entstehen, dass es sich bei dem seltsamen Körper um eine fast zwei Meter dicke Kugel handelte. Die feinen Bewegungen der bunten Fäden waren kaum festzustellen.

Langsam senkte sich das Filigran auf den Planetoiden herab. Es bewegte sich mehrfach in seitlicher Richtung, als suche es etwas Bestimmtes. Der kleine Himmelskörper zeigte jedoch keine Bewegung und kein Anzeichen von Leben. Die Fäden wechselten erneut ihre Farben. Ein Schauer der Regenbogenfarben wich einem Glitzern funkelnder Goldtöne. Für einen Moment schien es, als bestünde der Kugelkörper aus winzigen Kristallen, die sich zu bizarren Fäden geformt hatten. Dann erlosch alles Licht, und auch die dürftigen Reflexe des Planetoiden erstarben.

Das Filigran hatte etwas entdeckt. Aber es war nicht das, wonach es suchen musste.

Unsicherheit befiel es, denn dieser Fall war von seinem Auftraggeber nicht vorhergesehen worden. Es gab keine Verhaltensanweisung für die ungewöhnliche Bewegung.

Das Erlöschen des Eigenlichts war nichts anderes als eine automatische Schutzreaktion. Das sich Bewegende war fremd. Es stimmte nicht mit den Impulsen überein, die im Zentrumskörper auf ein passendes Echo warteten.

Dennoch glitt das Filigran langsam weiter. Es fühlte sich wieder sicherer, denn das, was sich dort bewegte, konnte nichts sehen.

Kantige Felsen glitten an dem Filigran vorbei. Halb verschüttete Krater und Schlünde rissen wie hungrige Tiere ihre gähnenden Mäuler weit auf. Die Sensoren im Zentrumskörper registrierten dies auch ohne Licht.

Dort war wieder die Bewegung!

Nun übermannte die Neugier das Filigran. Vielleicht handelte es sich doch um ein Objekt, das die geschickt hatten, nach denen er suchen musste. Es glitt näher heran und begann wieder schwach zu strahlen. Sofort erstarb die Bewegung. Aber nun spürte das Filigran das echte Leben. Es hatte sich mit seiner letzten Vermutung also doch nicht geirrt. Es musste sich um ein Mitglied derer handeln, nach denen er forschte.

Ein halbkugelförmiger Kopf schoss plötzlich vor ihm empor. Der lange Körper, der ihm folgte, steckte zu einem Teil im Gestein des Planetoiden, so dass das Filigran ihn nicht sofort bemerkt hatte. Ein breites Maul öffnete sich weit, in dem eine gespaltene Zunge zuckte.

Dann packten mehrere Greifarme nach dem Kugelkörper und umschlangen ihn.

Panik befiel das Filigran. So konnten doch die nicht handeln, denen es helfen sollte!

Die Pranken waren mächtig. Wenn das Filigran nicht im letzten Augenblick seine Körpersubstanz verhärtet hätte, wäre es schon jetzt zerquetscht worden.

Der Körper seines Gegners glitt nun zur Gänze aus dem Fels. Er besaß die Form einer dicken Schlange, deren Haut im Widerschein des immer heller strahlenden Filigrans grüne Töne annahm. Mehrere schwarze Zickzacklinien zogen sich vom Kopf über den Rumpf bis zum Schwanz.

»Aufhören!«, stieß das Filigran in der Sprache hervor, die ihm auf diesen Weg mitgegeben worden war. »Ich komme als Freund.«

Das Schlangenwesen reagierte nicht. Die Atmosphäre war hier zu dünn, als dass es etwas hätte verstehen können.

Dann schnappte das Maul gierig zu.

Das Filigran lud seine Spitzen mit elektrischer Energie auf und ließ diese auf den Gegner überspringen. Grelle Blitze zuckten durch das Vakuum, fraßen sich in den Leib der dicken Riesenschlange und zerbröckelten den umgebenden Fels.

Endlich ließ das Wesen von dem Filigran ab. Es machte einen Sprung in die Höhe, drehte sich halb über die Oberfläche und stürzte dann mit dem Kopf voran auf den Fels zu.

Das Filigran erwartete einen harten Aufprall, aber das geschah zu seiner Verwunderung nicht. Die zehnbeinige, Schlange tauchte elegant in das Gestein ein, als sei dieses keine feste Materie sondern eine Flüssigkeit. Sekunden später war sie mit rudernden Pranken verschwunden.

Das Filigran erholte sich schnell von dieser Überraschung. Es aktivierte seine Sinne wieder, aber sein Gegner hatte sich schon zu weit entfernt, als dass es ihn noch hätte spüren können.

»Darauf hast du mich nicht vorbereitet, mein Herr!«, sagte das Filigran zu sich selbst. »Darauf nicht! Vielleicht kannst du mir jetzt verraten, wie ich mein Ziel finden soll?«

Es bekam keine Antwort, denn der, der es geschickt hatte, befand sich unendlich weit entfernt an einem anderen Ort der Namenlosen Zone.

Das Filigran senkte sich in eine kleine Felsspalte herab und verankerte sich dort. Dann begann es zu überlegen, was es tun sollte.

*

Eine Woche war seit der geglückten Flucht der Space-Jet MJAI-B mit Brons Thermeck vergangen, und noch immer zeigte sich keine Spur von der sehnlichst erwarteten Hilfe durch die SOL. Wir hockten noch immer in der MJAILAM, die wiederum in dem löchrigen Kleinplanetoiden steckte, den Uster Brick »Schwammkartoffel« genannt hatte.

Unser Kreuzer ähnelte mehr einem Wrack als einem Raumschiff. Er war eingekeilt zwischen Felsbrocken. Die wenigen Ausgänge zur Oberfläche waren entweder so verschüttet, dass wir sie mit den uns verbliebenen Hilfsmitteln auch in absehbarer Zeit nicht öffnen konnten, oder sie hatten sich durch die Ereignisse um die Zentrale des seltsamen 225-Page so verengt, dass unser Schiff nicht mehr hineinpasste.

Die MJAI-A war kaum noch zu reparieren. Die MJAI-B hatte uns ein paar letzte Informationen vor dem vermutlichen Passieren des Junk-Nabels zukommen lassen, die unsere Hoffnungen noch mehr getrübt hatten.

Immerhin herrschte in Schwammkartoffel nach dem Ausschalten der Roboter und ihrer Zentrale mit 225-Page wieder Ruhe. Fasto, den wir den Hungrigen genannt hatten, musste noch leben. Aber er traute sich wohl nicht mehr in unsere Nähe. Das andere Lebewesen von Schwammkartoffel, Donku, der Verspielte, hatte einen tragischen Tod gefunden.

Ich fragte mich, wovon Fasto nun leben würde, denn seine Nahrungsquellen, seltsame Pilzkulturen, die im Halbvakuum gediehen, mussten bei den Auseinandersetzungen auch zerstört worden sein.

Wir unternahmen dennoch kaum noch Exkursionen nach draußen. Der Fels von Schwammkartoffel war brüchig, und überflüssigen Gefahren gingen wir lieber aus dem Weg. Außerdem gab es an Reparaturarbeiten noch auf lange Zeit genug zu tun. Es war in zweifacher Hinsicht fraglich, ob diese Maßnahmen überhaupt noch einen Sinn hatten. Zum einen war es ungewiss, ob wir es überhaupt schaffen würden, die MJAILAM wieder flottzumachen. Zum anderen war es selbst dann unklar, ob wir ohne erneute Schäden Schwammkartoffel würden verlassen können.

Die Reserven an Material waren denkbar knapp. In vielen Fällen mussten wir uns mit Notbehelfen über die Schwierigkeiten hinwegsetzen. Besonders schwerwiegend war dabei, dass die MJAILAM-Positronik auch deutliche Schäden zeigte. Wir vermochten nicht festzustellen, woran das lag. Gefährlich war diese Tatsache nicht, denn vor jeder Fehlhandlung schaltete eine separate Kleinpositronik, die Hage Nockemann mit dem Großrechner verbunden hatte, diesen ab. Die Kleinpositronik überprüfte jeden Befehl auf seine Richtigkeit und auf seinen Sinn. In Zweifelsfällen wurde einer aus der Führungsschicht um Entscheidung gefragt. All das führte zu erheblichen Verzögerungen und zu wiederholten Ausfällen in den beiden kleinen Werkstätten der MJAILAM.

Dennoch versuchten die meisten Solaner die verzweifelte Situation zu vergessen, indem sie in die Reparaturarbeiten stürzten. An der niedergeschlagenen Stimmung änderte das jedoch wenig.

Wir saßen ziemlich hoffnungslos in der Klemme. Eine reale Aussicht auf eine Befreiung mit eigenen Mitteln gab es nicht. Und wenn man uns von der SOL aus helfen wollte, so hätte das längst geschehen sein müssen. Diese Ungewissheit kam zu unserer eigenen hinzu. Wir wussten nicht, was wirklich mit dem Junk-Nabel, der Übergangsstelle aus der Namenlosen Zone in das Normaluniversum und damit zu unserer Heimat SOL, und mit dem Generationenschiff selbst geschehen war.

Ich legte größten Wert darauf, dass alle intakten Funkempfänger pausenlos auf Empfang standen. Denn es stand für mich fest, dass wir ohne Hilfe von draußen hier umkommen würden. In diesem Punkt stimmte meine Meinung mit der des Extrasinns ausnahmsweise völlig überein. Und auch darüber, dass ich diese Ansicht besser für mich behielt, um nicht für noch mehr Unsicherheit zu sorgen.

Ansonsten befasste sich der Logiksektor sehr ausführlich mit Überlegungen zu unserem eigentlichen Gegner in der Namenlosen Zone, den ich kaum kannte. Ich verwies die Gedanken des Extrasinns in den Bereich der Spekulationen, was sich dieser energisch verbat. Was nützte es mir, mich in dieser Lage mit einem Feind zu befassen, wenn wir schon so gut wie absolut ausgeschaltet waren? Nichts!

Gab es die organischen Weltraumzecken wirklich oder nicht? Der Extrasinn ging davon aus, dass sie identisch waren mit den Pagen und dass sie Lebewesen waren, die Roboter nach ihrem körperlichen Vorbild bauten. Einen schlüssigen Beweis konnte er jedoch nicht liefern. Die Zukunft würde zeigen, was der Wahrheit entsprach. Wenn wir noch eine Zukunft besaßen!

Gemeinsam mit Tyari kontrollierte ich die Schicht an den Hyperfunkempfängern. Aus den Lautsprechern kam nicht einmal das gewohnte statische Rauschen, denn auch das fehlte weitgehend in der Namenlosen Zone.

Meine Gedanken glitten kurz zurück in jene Zeit, die ich nur durch Wöbbekings Reinkarnationserlebnisse durchlebt hatte. Damals hatte ich die Namenlose Zone kennen gelernt, als es mir zumindest zunächst misslungen war, zu den Kosmokraten zu gelangen. Mein Wissen um diese Zeit, die etwa dreizehn Jahre umfasste, war groß, aber dennoch lückenhaft. Wöbbeking hatte mich nur die Phasen erleben lassen, die wirklich von Bedeutung waren.

Die Erinnerungen waren dennoch überwältigend. Der Planetoid von Anti-ES, Schwammkartoffel entfernt ähnlich, die Grenzwächter, die Basis des Ersten Zählers, die Zounts und ihre Neutralschweber, der andauernde Überlebenskampf, in dem Chybrains Entstehung rätselhaft wie so vieles eingebettet war, das unklare Ende mit dem vermeintlichen Verlassen der Namenlosen Zone in Richtung der Kosmokraten, alles Meilensteine, die eine kosmische Szene umrissen, die immer noch Geheimnisse für mich und meine jetzigen Begleiter und Freunde bereithielt.

Wo mochte Chybrain jetzt stecken? Seine Motive waren mir hinreichend deutlich geworden. Dennoch akzeptierte ich sein Handeln nicht. Er besaß die Koordinaten von Varnhagher-Ghynnst, jenem Ziel, das mir die Kosmokraten genannt hatten. Dort hatte ich meine eigentliche Aufgabe zu erfüllen! Nicht hier! Nicht in der scheinbaren Leere der Namenlosen Zone!

»Du wirkst beunruhigt, Liebster.« Tyari schob ihren Arm unter meinen und zog mich zu sich heran.

»Es ist nichts.« Ich versuchte zu lächeln, aber es gelang mir wohl nicht so recht. »Manchmal gerate ich ins Träumen.«

»Über die Vergangenheit?«

Sie war eine ausgezeichnete Telepathin, aber sie schnüffelte meine Gedanken nie aus, außer wenn Not am Mann war. Ich schätzte auch das an ihr. Wie so vieles. In meiner unmittelbaren Nähe wäre es ihr sicher ein Leichtes gewesen, sich in meine Gedanken zu drängen, obwohl ich mentalstabilisiert und gegen telepathische Ausspähung fast immun war.

Ich nickte. »Über die Vergangenheit. Die kenne ich fast vollständig. Die Zukunft kenne ich nicht.«

»Es wird Hilfe von der SOL kommen.«

»Es muss Hilfe von dort kommen.« Ich zog sie fort von den Frauen und Männern an den Überwachungsempfängern. »Sonst sind wir bald ... ach, lassen wir das. Was macht Fasto? Spürst du ihn noch? Lebt er noch?«

Sie merkte, dass ich das Thema wechseln wollte, und sie ging sofort darauf ein.

»Ich habe ihn lange nicht mehr gespürt. Du weißt ja, dass er meistens nur sehr schwer zu registrieren ist. Da er sich nicht mehr in unserer Nähe blicken lässt, stellt er keine Gefahr dar.«

»Er muss doch einen Bärenhunger haben. Donkus Vorratssack konnte er nicht ergattern. Ob er jetzt Steine frisst?«

»Wohl kaum.« Sie lachte. »Sein Metabolismus verträgt kein Gestein, sagt Blödel.«

»Blödel! Der weiß auch nicht alles. Auch wenn Nockemann hier eine Hochleistungsmaschine gezüchtet hat.«

»Gebaut«, korrigierte sie mich.

»Sein Bioplasma wurde gezüchtet.« Ich merkte plötzlich, dass ich fast streitsüchtig war.

Ursache ist der klaustrophobische Zustand, mischte sich der Extrasinn ein.

Kümmere du dich lieber um Pagen und Zecken!, gab ich lautlos zurück. Tatsächlich schwieg mein zweites Bewusstsein daraufhin.

»Sein Plasma wurde gezüchtet. Stimmt.« Tyari zog mich zum Ausgang der Funkzentrale. »Aber nicht von Hage.«

»Das ist doch Wortklauberei!«, brauste ich auf.

Sie blieb stehen und sah mich ernst an.

»Ich glaube«, schmollte sie dann, »ich lasse dich jetzt besser allein. Vielleicht ruhst du dich ein wenig aus.«

Dann drehte sie sich von mir ab und schritt durch das Schott.

Idiot!, erklärte der Logiksektor.

Sie schritt mit erhobenem Haupt durch den Korridor auf den Antigravschacht zu, der zu unserer Kabine führte. Ich wartete darauf, dass sie sich einmal umdrehte, aber das tat sie nicht.

Ich kämpfte mit mir. Sollte ich ihr folgen und mich entschuldigen? Waren meine Nerven wirklich so überreizt?

Klaustrophobie, Untätigkeit, bemerkte der Extrasinn.

Es war ein Glück, dass der Antigravschacht in die entgegengesetzte Richtung gepolt war und die Benutzerlampe signalisierte, dass Tyari warten musste. Jemand kam aus den unteren Decks nach oben.

Ich schlenderte gemächlich durch den Korridor, bis ich neben ihr stand.

»Also gut, mein Herz«, kam es über meine Lippen. »Ich mache eine Pause, aber nicht allein.«

»Eine wirkliche Ruhepause muss man allein machen«, widersprach sie. »Ich habe Hage und Joscan versprochen, ihnen bei den Reparaturen der Positronik zu helfen. Vielleicht kann ich ein paar Gedanken der Plasmamasse erkennen, die uns bei der Fehlersuche helfen.«

Ich wollte schon wieder aufbegehren, aber ich hörte mich sagen:

»Auch gut. Ich ruhe allein.«

»Danke«, antwortete sie und setzte ihr Lächeln wieder auf. Dann legte sie mir ihre Hände auf die Brust, drückte mir einen Kuss auf die Wange und meinte: »Es ist wirklich besser für dich und für mich.«

»Was?«, fragte jemand neben mir.

Erst jetzt bemerkte ich, dass Insider aus dem Antigravschacht getreten war. Der vierarmige Extra war einer der wenigen an Bord, dem die Ausnahmesituation kaum etwas auszumachen schien. Er feixte mich herausfordernd an.

»Nichts.« Ich winkte ab.

»Um so besser.« Der Kowallek blickte zu mir hoch. »Ich habe eine Bitte.«

»Heraus damit!«

»Ich möchte nach draußen. Manchmal ist es ganz gut, wenn man allein ist.«

»Klaustrophobie?«, fragte ich und versuchte eine verständnisvolle Miene auf mein Gesicht zu zaubern.

»Vielleicht.« Sein ohnehin schon grünes Gesicht wurde noch grüner. »Ich brauche Abwechslung.«

»Genehmigt. Aber sei vorsichtig. Du weißt, dass diese Riesenschlange, der gefräßige Fasto, dort herumgeistert. Und nimm eine vernünftige Ausrüstung mit.«