Atlan 698: Die Rettung ANIMAS - Hans Kneifel - E-Book

Atlan 698: Die Rettung ANIMAS E-Book

Hans Kneifel

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Beschreibung

Im Jahr 3818 wird Atlan aus seinem Dasein als Orakel von Krandhor herausgerissen. Sein neuer Einsatzort ist die Galaxis Alkordoom, wo eine Entwicklung im Gang ist, die das weitere Bestehen der Mächte der Ordnung in Frage stellt. Bereits die ersten Stunden von Atlans Aufenthalt in Alkordoom, wo man das Jahr 5000 des Erleuchteten schreibt, zeigen auf, wie gefährlich die Situation ist. Der Arkonide hätte längst sein Leben verloren, hätten die Celester, nach Alkordoom entführte Terra-Abkömmlinge, oder ANIMA, das von den Kosmokraten ausgesandte Raumschiff, nicht zugunsten Atlans eingegriffen. In seinem Bestreben, mehr über die Zusammenhänge in Alkordoom zu erfahren, speziell im Hinblick auf die so genannten Facetten und deren Lenker, den so genannten Erleuchteten, ist unser Held bereits große Risiken eingegangen, wie seine gewagten Unternehmen beweisen. Kein Wunder daher, dass Atlan immer wieder in Schwierigkeiten gerät, wie etwa in Yog-Mann-Yogs Gefangenschaft oder in den Bann der Plasmaparasiten, aus dem er nur durch die Samariter von Alkordoom befreit werden kann. Als seine Retter selbst in Not geraten, ist Atlan selbstverständlich als Helfer zur Stelle. Anschließend nimmt er mit der VIRGINIA, dem Schiff der Celester, wieder die Suche nach seinem Raumfahrzeug auf. Es geht um DIE RETTUNG ANIMAS ...

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Nr. 698

Die Rettung ANIMAS

Der Kampf um das lebende Raumschiff

von Hans Kneifel

Im Jahr 3818 wird Atlan aus seinem Dasein als Orakel von Krandhor herausgerissen. Sein neuer Einsatzort ist die Galaxis Alkordoom, wo eine Entwicklung im Gang ist, die das weitere Bestehen der Mächte der Ordnung in Frage stellt.

Bereits die ersten Stunden von Atlans Aufenthalt in Alkordoom, wo man das Jahr 5000 des Erleuchteten schreibt, zeigen auf, wie gefährlich die Situation ist. Der Arkonide hätte längst sein Leben verloren, hätten die Celester, nach Alkordoom entführte Terra-Abkömmlinge, oder ANIMA, das von den Kosmokraten ausgesandte Raumschiff, nicht zugunsten Atlans eingegriffen.

Die Hauptpersonen des Romans

Atlan – Der Arkonide auf der Suche nach ANIMA.

Kalpers und Monter Otoul, Hapet Minorr und Korasch Nyp – Jordobaner der jungen Generation.

Der Promaut – Beherrscher der Jordobaner.

ANIMA – Das lebende Raumschiff versteckt sich.

Dhonat

1.

Das gelbleuchtende Panzerwesen hinterließ, als es aus dem grobkörnigen Sand kletterte, einen unregelmäßigen Trichter. Einzelne Körner fielen zurück in den Mittelpunkt. Die kräftigen Scheren schoben graue Steine zur Seite. Das Wesen kroch durch die Schwärze des Schattens unterhalb einer Basaltwand, drehte sich unschlüssig hin und her und richtete dann die Greifscheren auf die massigen Kanten. Unter den Werkzeugen splitterte der Fels. Ein Loch bildete sich im Basalt.

Die Oberflächenschwerkraft von Desertstone war weit höher als die gewohnte Norm. Fast überall sah der graue Planet nicht anders aus als an dieser Stelle. Blendend gelbrotes Licht einer fast waagerechten Meteoritenbahn zuckte auf und verbrannte Teile der Giftatmosphäre.

Ein Sturmstoß raste heran und wirbelte Unmengen Staub auf. Das fahle Licht der Sonne wurde verdunkelt. Steinsplitter, die aus dem Loch im Basalt rieselten, wurden weggeschleudert.

Das Panzerwesen verstärkte das Leuchten seines Körpers, kletterte senkrecht am Stein herunter, durch den Staub und näherte sich dem schweren Raumanzugsstiefel.

Ich machte mehrere Schritte geradeaus und sagte mir, dass es wahrscheinlich sinnlos war, hier auf Desertstone nach ANIMA zu suchen.

Hier oder an anderen Stellen. Die Chancen sind überall gleich gut oder schlecht, sagte der Logiksektor.

Ich war sicher, dass auch ANIMA mich suchte, falls das lebende Raumschiff mit Dhonat und dem Beiboot KORALLE noch existierte.

In meinem schweren Schutzanzug, dessen Außenmikrophone das schrille Heulen des Windes ebenso übertrugen wie das Krachen und Knirschen, mit dem jenes gelbleuchtende Tier die Steine zerbrach, als wären es dünne Kristalle. Was hatte uns hier hergebracht?

Nicht mehr als ein Gerücht. Neben meinen Ohren knackte es leicht; Ariens Stimme fragte:

»Probleme, Atlan?«

»Nicht mehr als sonst«, antwortete ich und regulierte die Antigravanlage auf einen angenehmen Wert ein. Der starke Scheinwerfer in meiner Hand flammte auf und durchdrang die Staubschichten.

»Kommst du zurecht? Sollen wir nicht doch einen Gleiter ausschleusen?«

»Danke, nein. Es ist ein Vergnügen, in einer so angenehmen Natur spazieren zu gehen.«

Ich wandte mich kurz um. Hinter mir stand unübersehbar groß die VIRGINIA. Wir hatten diese unbedeutende Welt in der Nähe des Doomhirn-Systems angeflogen. Wir wurden gesucht und verfolgt. Unsere Landung war – wir waren wenigstens davon überzeugt – nicht beobachtet worden.

Und warum antwortet ANIMA nicht auf Hyperfunkrufe?, fragte der Extrasinn.

Niemand hatte dafür eine Erklärung, die uns zufriedenstellte. Ich verließ das kleine Plateau, auf dem die VIRGINIA gelandet war, und kletterte einen Abhang hinunter. Der Staubschleier riss auf, vor der Sichtscheibe des Helms lagen die unregelmäßigen Felsgruppierungen. Dahinter sollte sich angeblich ANIMA verbergen.

Ich machte größere Schritte. Meine Augen durchforschten die bizarre Landschaft aus dunklen Felsnadeln und noch dunklerem Schatten. Wenn ANIMA tatsächlich hinter den scharfkantigen und löchrigen Felsnadeln lag, dann bedeutete dies, dass sie sich erholen musste. Auch dass sie inzwischen »gestorben« sein könnte, darüber hatten wir gesprochen. Ich konnte es nicht glauben.

Auf alle Fälle hatten wir während des Anflugs einen deutlichen Impuls angemessen und die Flugbahn verfolgen können. Sie hatte uns hierher geführt. Die Größe und die Form entsprachen denen des lebenden Raumschiffs. Ich vermisste ANIMA auf eine ganz eigentümliche Weise, und ich brauchte sie, um nach dem MEMORIUM zu suchen.

Ich kämpfte mich zweihundert Schritte weit durch neue, dichtere Staubmassen. Immer wieder stürzten winzige Gesteinsbrocken aus dem interplanetarischen Raum in die Gashülle von Desertstone.

»Hier Polo«, hörte ich Traugotts Stimme. »Schon was gefunden?«

»Nein«, sagte ich ebenso wortkarg.

Hinter einigen Felsen, die wie dreidimensionale Messerklingen aus dem staubbedeckten Boden ragten, sah ich tatsächlich eine Fläche, die wie die normale Haut ANIMAS wirkte; silbergrau und metallisch. Die Felsen waren höher als fünfzig Meter. Sie bildeten eine konvex geschwungene Barriere vor mir. Noch hatte ich rund hundert Meter zu gehen. Ein Blick in den Himmel über dem leblosen, öden Land ließ erkennen, dass Desertstone eine Welt der dauernden Stürme war.

Eine leichte Erschütterung ließ den Boden beben.

»Achtung, Atlan! Wir messen erhöhte Häufigkeit von Einschlägen«, sagte Morrisson leise. »Beeile dich.«

»Verstanden.«

Möglicherweise hatte Desertstone einmal einen Mond gehabt, der von kosmischen Gezeitenkräften zu Steinbrocken zerrieben worden war. Jetzt endeten die meisten Brocken verglühend in der Gashülle.

Ich watete durch den mehr als knöcheltiefen Staub. Rechts und links ragten die riesigen Steine auf. Erst aus der Nähe erkannte ich, dass sie nicht wirklich scharfkantig waren, sondern dass der ewige Sturm ihre Kanten abgeschmirgelt und gerundet hatte.

Sieh geradeaus! Metallglänzende Rundung!, rief das Extrahirn.

Ich ließ immer wieder den starken Scheinwerfer aufblitzen. Er zeigte mir den Zickzackweg entlang der Felsflanken. Hier tobte der Sturm mit weitaus geringerer Wucht, und das hatte zur Folge, dass ich nach zehn Schritten in eine riesige Staubwolke gehüllt war, die ich selbst aufgewirbelt hatte. Ich streckte den rechten Arm aus, berührte mit den metallverstärkten Fingerteilen die Wand und tastete mich weiter. Ich war fast blind und sah den superstarken Lichtstrahl nur als fahles Leuchten.

Endlich weiteten sich die Felsen wieder. Ich wartete, bis sich der Staub gesetzt hatte oder weggeweht war.

»Ich bin nicht sicher«, sagte ich und schilderte, was ich sah. »Es ist möglicherweise ANIMA. Aber selbst in ihrem erbärmlichsten Zustand würde sie mich jetzt spüren und irgend etwas unternehmen.«

Die Felsen waren in einem unregelmäßigen Kreis angeordnet, dessen Durchmesser etwa dreihundert Meter betrug. Auf mich wirkte dieses zufällige Geländemerkmal wie eine mythologische Stätte, die ein Geheimnis enthielt.

Nicht ganz in der Mitte der staubgefüllten Mulde, zwischen den mehr als zweihundert Steinzähnen, lag eine flachgedrückte Kugel. Kein Stäubchen haftete an der silbermetallischen Außenhaut. Tatsächlich erwartete ich, dass sich ein Spalt öffnen oder eine natürliche Leiter hervorschieben würde. Es geschah nichts, als ich durch den tiefen Staub wie durch zähen Sumpf watete und die Hülle anleuchtete.

»Sollen wir dich abholen, Atlan?« Richardson war voller Besorgnis. Er hörte wahrscheinlich nur meine Atemzüge und die wenigen Geräusche der Anzugsinnenversorgung.

»Nein. Ich stehe dreißig Meter vor etwas, das wie das Schiff aussieht«, erwiderte ich. Ein furchtbarer Verdacht kam in mir hoch. Das war ANIMA, und sie war tot. Dhonat erstickt, verhungert, verdurstet. Die KORALLE eingeschlossen. Ich ging weiter, zögernd und unsicher. Schließlich stand ich direkt vor der glatten Wandung und legte die Hand dagegen.

Eine Art reiner Instinkt sagte mir, als meine Finger eine nachgiebige, federnde Masse ertasteten, dass es nicht ANIMA war.

Langsam versank meine Hand in dem weichen, schwammartigen Gewebe. Noch nicht ein einziges Mal während der langen Zeit, in der wir zusammengewesen waren, hatte sich irgendein beliebiger Teil des lebenden Schiffes so angefühlt.

Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich schweigend. Meine Gedanken richteten sich ins Innere dieser unregelmäßigen Kugel von rund fünfunddreißig Metern Durchmesser.

Nichts. Schweigen. Keine Reaktion!

Nach einer Weile zog ich die Hand wieder heraus. Sie war bis zum Ellenbogen in der weichen Materie versunken. Am Anzug haftete ein hauchdünner Film, der ein wenig glänzte. Staub schlug sich darauf nieder und klebte fest.

Ich griff nach der Waffe, stellte einen nadelfeinen Strahl ein und feuerte einen kurzen Strahlerschuss in das Loch hinein, das sich in einer quälend langsamen Bewegung zu schließen begann. Das Material schmorte sofort, löste sich auf wie Kunststoffschaum, und die Energiebahn hinterließ einen langen Schusskanal. Ich schüttelte leicht den Kopf und sagte:

»Hört ihr mich?«

»Was hast du herausgefunden?«

Ich warf einen letzten Blick auf das seltsame Ding vor mir, drehte mich herum und ging zurück.

»Es ist nicht das lebende Raumschiff«, sagte ich. Während ich weitersprach, meldete sich wieder der Extrasinn.

Du hast Recht. Es ist nicht ANIMA. Aber was ist es sonst?

»Ich komme so schnell wie möglich zurück. Macht alles startbereit. Jemand hat sich, ohne es zu wollen, einen Scherz erlaubt.«

»Wir verstehen nicht ganz ...!«

Ich sagte, dass dieses »Ding« so groß wie ANIMA war, so aussah und auf den ersten Blick sicher so gut wie identisch. Dann, als ich in konkretere Einzelheiten ging, glaubten sie es mir. Im Hintergrund der Unterhaltung hörte ich halblaute Befehle.

»Eine Nachbildung also?«, fragte aufgeregt Sandra McMooshel.

»Wer und warum? Nachbildung«, fragte Arien dagegen. »Wer sollte ANIMA kopieren? Ich sehe keinen Grund für ein solches Vorgehen.«

Ein neuer Meteorit zog eine blendende Flammenspur. Ich ging, so schnell ich konnte, in den zugewehten Resten meiner Spur zurück zum Schiff. Es stand mit eingeschalteten Scheinwerfern da und bildete in dieser Öde einen Punkt der Sicherheit.

»Ich weiß es auch nicht besser«, sagte ich. »Es ist sicher eine Zufälligkeit. Obwohl ich ungern an solche Zufälligkeiten glaube.«

Die Crew, knapp vierzig Celester, teilte meine Enttäuschung. Ich wartete, bis sich die Schleusentüren geschlossen hatten, reinigte den Raumanzug in der Strahlen- und Dekontaminierkammer und öffnete ihn dann.

Die VIRGINIA startete so behutsam und schnell, wie sie gelandet war. Wir hatten kein Ziel – wenigstens keines, das etwas mit ANIMA zu tun hatte.

Schließlich saß ich in der Hauptzentrale, hielt einen Becher warmen Kaffee in den Händen und sah zu, wie Mycara sich mit Ariens Schläfenhaaren beschäftigte.

»Wir fliegen mit dir durch dick und dünn, wie bekannt«, sagte Richardson halblaut. »Aber wohin?«

»Das Ding dort scheint aus einem synthetischen Plasmastoff zu bestehen«, erinnerte ich und schilderte genau, was ich herausgefunden hatte. »Wir könnten es mit einem einzigen Schuss auflösen.«

»Was unsere mühsam gewonnene Tarnung aufdecken würde«, widersprach Arien. Ich nickte.

»Also behalten wir als Arbeitshypothese, dass diese Kugel zufällig wie ANIMA aussieht. Es könnte sein, dass es jemanden gibt, der uns in eine Falle locken will. Trotzdem – daran glaube ich nicht recht. Warten wir also vorläufig weiter auf einen Hyperruf ANIMAS. Wenn sie noch existiert, wird sie wissen, dass ich lebe und nach ihr suche.«

»Wie lange soll diese passive Phase dauern?«

»Ist ein Tag zu lange?«, fragte ich zurück. Ich wollte die Geduld der Celester nicht überfordern. Zufrieden entgegnete der Feuerwehrmann:

»Geht in Ordnung. Eine vernünftige Zeitspanne. Wir werden den nächsten Planeten anfliegen, der unbelebt sich hier in der Gegend herumtreibt.«

»Und dort wieder einen solchen Klumpen finden?«, fragte ich spöttisch.

»Alles ist möglich in Yog-Mann-Yogs östlichem Reich. Denke daran, dass biologische Züchtungen sein Hobby sind.«

2.

Kalpers Otoul stützte sein Kinn in die Hand, sog mit geschlossenen Augen an dem Mundstück der Kühldampfpfeife und ließ den aromatischen Dampf tief in seine Lungen eindringen.

»Das höre ich heute zum ersten Mal«, meinte er skeptisch. »Bist du sicher, dass deine Geräte nicht verrückt gespielt haben?«

»Ganz sicher«, sagte Hapet ruhig. Zwischen seinen Fingern steckte das andere Mundstück. Die Schläuche waren mit einfachen Bajonettverbindungen an die Anlage der Raumfahrerbar angeschlossen.

»Ich glaub's trotzdem noch nicht«, murmelte Kalpers. Hapet warf der jungen Frau hinter dem Bartresen einen funkelnden Blick voll professioneller Leidenschaftlichkeit zu.

»Soll ich es dir vorführen?«

»Das würde mich überzeugen.«

»Wir starten morgen zu einem Versorgungsflug. Lass dich zur BERNSTEIN versetzen.«

»Keine schlechte Idee. Wann startet ihr?«

»In neun Stunden und vierzig Minuten. Deswegen heute auch nur noch ein großes Glas Chir.«

»Ich schließe mich an.«

Die beiden jungen Männer hatten sich in einer der schönsten und interessantesten Raumfahrerbars der Hafenstadt getroffen. Es war eine Art Ritual, das sie vollzogen, wann immer einer von ihnen landete. Heute war Kalpers dran; er zahlte die Zeche. Die Bemühungen seines Freundes und Logenbruders Hapet Minorr, die gutaussehende Frau zu beeindrucken, verfolgte er mit echtem Interesse.

»Wissen es andere Erkenner auch schon?«

»Noch nicht. Dir habe ich es zuerst gesagt. Du solltest natürlich deinen Bruder davon verständigen.«

»Mache ich.«

Die Bar nahm zwei Stockwerke in einem aufgelassenen Raumhafenturm von Ebenenstadt, Jordoban Sieben, ein. Jeder Raumfahrer kannte und besuchte sie. Aus den riesigen Fenstern, die ein kürzlicher Regenguss klar gewaschen hatte, sah man jetzt die Lichter der Stadt, die sich im Wasser des Arnonn widerspiegelten, und natürlich den gesamten Betrieb des Raumhafens. Nach einer Weile meinte Hapet:

»Das war eine ganz merkwürdige Sache. Wir schwebten über den Südpol ein und flogen logischerweise hierher. Mein Kollege hatte vergessen, die Systeme auszuschalten. Ich habe zufällig auf die Bildschirme gesehen.«

»Und dort war der Promaut abgebildet und winkte dir!«

Der Ortungstechniker winkte halb ärgerlich ab.

»Mehr Ernst, bitte. Zufällig schaute ich hin und sah die Struktur des überflogenen Landes. Jorny hatte die Tiefenortung aktiviert gehabt; völlig überflüssig, aber es war ja eine Fehlschaltung. Ich sah die unterplanetarischen Kanäle, die Metalladern der Fernbahnen, einige ausgebaute Höhlen und so weiter. Natürlich kenne ich die Anlagen so gut wie jeder Jordobaner.«

»Natürlich.«

Kalpers, der ältere von zwei Brüdern, hörte jetzt ernsthaft zu.

Der Planet Jordoban, einer von drei bewohnten Welten im Jord-Pana-System, lag im Herrschaftsbereich der Facette Yog-Mann-Yog. Das Leben war alles andere als aufregend. Es ging ihnen allen gut; wer arbeitete, verdiente genügend und konnte sich ein gutes Leben machen. Der Promaut hatte den Staat gut organisiert. Jordoban gedieh prächtig und bot mehr Chancen als viele andere Welten, die von Jordoban-Schiffen angeflogen wurden.

»Weiter!«, sagte Kalpers. Er war hochgewachsen wie alle Mitglieder seiner Familie und trug dunkelbraunes Haar mit zwei orangefarbenen Zierstreifen.

»Also ... als wir gerade über dem Schwemmlandarm des Torquain waren, also über einer gewaltigen Schicht, planetengeschichtlich uralt, sah ich ganz deutlich ein kugelartiges Objekt. Seit Jahrmillionen dürfte dort kein Metall im Boden sein, auf keinen Fall eine so große Masse. Das ist Meeresboden, von einem Urstrom angeschwemmt, der sich nach der letzten planetologischen Umschichtung über Meereshöhe gehoben hat. Klar?«

»Bist du sicher?«, fragte der andere und bestellte endlich die Getränke.