Auf ewig - Charlotte Enders - E-Book

Auf ewig E-Book

Charlotte Enders

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Beschreibung

Psychogramm eines Mörders. In einer Stadt nahe Köln geschieht ein entsetzliches Verbrechen. Eine Familie wird ausgelöscht. Verantwortlich dafür zeichnet sich ein eiskalter Killer, der sich zurück holt, was ihm gehört. Nur eine Person lässt er am Leben, Kaja, die Frau, die er einst geliebt hat. Mit ihr will er ein neues Leben beginnen, fern jeder Realität. Für sie hat er ein Haus gekauft und für seine Zwecke umgebaut. Nun soll sie ihm folgen. Psychothriller

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Charlotte Enders

Auf ewig

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Auf ewig

BookRix GmbH & Co. KG 80331 München

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

Alle Rechte liegen bei der Autorin Charlotte Enders.

Kopieren, auch teilweise, nicht erlaubt.

 

Facebook: Charlotte Enders

Instagram: charlotteenders3152

Web. charlotteenders.jimdofree.com

 

Umschlaggestaltung:

Verantwortlich für das umwerfende Cover zeichnet sich:

Coverdesign und Umschlaggestaltung

Florin Sayer-Gabor

www.100covers4you.com

 

 

Alle Titel bei Amazon erhältlich als Taschenbuch oder e-book.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Psychogramm eines Mörders

 

 

In einer Stadt nahe Köln geschieht ein entsetzliches Verbrechen.

Eine Familie wird ausgelöscht.

Verantwortlich zeichnet sich ein eiskalter Killer, der sich zurück holt, was ihm gehört.

Nur eine Person überlebt das Massaker – Kaja, die Frau, die er einst geliebt hat.

Mit ihr will er ein neues Leben beginnen, fern jeder Realität.

Etan hat ein Haus gekauft und für seine Zwecke umgebaut.

Nun soll sie ihm folgen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn leis der Wind

dein Haus berührt,

die Blätter von den Zweigen zaust,

dir über deine Wangen streicht

und dir dein Haar aufbauscht,

flüstert dir etwas zu

ganz sacht,

hörst du es …

hörst du es …?

Charlotte Enders

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Charlotte Enders

 

 

Auf ewig

Thriller

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kapitel 1

Etan

Sie sitzt mir gegenüber, ein wenig schwerfällig vielleicht. Sie hat nicht allzu viel an, im Grunde genommen gar nichts.

Sie schweigt, lächelt nicht. Ihr Mund ist ein kleines O, ihre Augen stumpf. Ihr blondes Haar ist zerzaust, kein Wunder, nach dem, was wir hatten.

Aus der Wunde oberhalb ihrer Schläfe tritt fast kein Blut, was mich enttäuscht. Ich habe es mir anders vorgestellt. Üppiger. Schauriger.

Mein Blick ruht unentwegt auf ihr. Sie ist so schön. In diesem Zustand gefällt sie mir fast besser als noch vor einer Stunde. Da war sie nämlich gar nicht hübsch.

Das Kreischen, als ich mir ihre Tochter vornahm. Ihren Sohn. Und dann, so ein Drama, auch noch ihren Mann.

Der zu spät kam, aus Gründen, die sich mir nicht erschließen. Da war – fast – schon alles vorbei. Nur sie und das Mädchen waren übrig, die Frau, die ich einmal mehr geliebt habe als alles andere, und deren Tochter.

Kaja.

Engel nannte ich sie früher. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Sie ist zart, geht und wirkt wie ein Engel. Es ist nicht schwer, sie zu lieben. Ihre Hüften, ihr Gang, ihre Ausdrucksweise, die Augen, das Haar – ich mochte einfach alles an ihr. Sogar ihren Zorn.

Ich liebte es, wenn sie wütend auf mich war und ich sie wieder einfing, an mich presste und mit Küssen zum Schweigen brachte. Wenn ihre Augen blitzten und sie nach mir zu schlagen versuchte, ihr Körper jedoch etwas anderes verriet – ach, herrlich.

Letztendlich war ich immer der Sieger in unserem kleinen Spiel – bis zu dem Tag, an dem sie aus meinem Leben verschwand.

Wortlos.

Ohne Vorwarnung.

Ohne jede Kommunikation.

Sie einfach weg war.

Das muss ein Mann erst einmal verkraften.

Wie sollte ich weiterleben ohne meinen Kaja-Engel?

Jetzt sitzt sie hier, mir gegenüber und starrt mich an. Ich genieße diesen Augenblick mit allen Sinnen, sauge ihre Nähe tief in mich auf. Lange musste ich darauf verzichten.

Ich stehe auf, gehe zu ihr und spiele mit ihren Locken. Sie kann sich ja nicht wehren. Streife ihr das Haar über die Schulter und küsse ihren Hals, dort, wo sie immer so empfindlich war.

„Kaja“, sage ich leise. „Das hast du nicht erwartet, nicht wahr? Dass ich noch einmal eine solch große Rolle in deinem Leben spielen würde. In all den Jahren habe ich nie aufgehört, dich zu lieben. Nun wirst du mich nicht mehr verlassen. Wir bleiben zusammen, für immer. Wir beide, du und ich ...“, ich tippe auf ihre Schulter, „ … gehören zusammen. Auf ewig.“

Sie antwortet nicht, rührt keinen Muskel, verzieht nicht das Gesicht. Mein Engel steht unter Schock.

Ich werde sie noch eine Zeit lang da sitzen lassen, drapiert wie eine Puppe. Zeit, die ich brauche, um mich von dieser Kraftanstrengung zu erholen.

Weglaufen kann sie nun nicht mehr.

Also setze ich mich ihr wieder gegenüber, zünde mir eine Zigarette an und betrachte sie durch den Rauch, der aufsteigt.

Sobald ich wieder kräftig genug bin, trage ich sie nach oben in das besudelte Bett, damit sie es bequemer hat. Vielleicht wechsle ich die Laken. Vielleicht auch nicht, um den Effekt zu steigern.

Um die Leichen mache ich mir keine Sorgen. Bevor sie anfangen zu riechen, löse ich sie in Salzsäure auf und spüle sie den Abfluss hinunter. Ich habe genügend von dem Zeug bei mir. Hoffe ich.

Dann gibt es nurmehr Kaja und mich.

Ich schließe die Augen, lasse die letzten Stunden noch einmal Revue passieren. Jedes einzelne Detail.

Kapitel 2

Sie erkannte mich sofort, auch wenn ich jetzt die Haare anders trug und besser gekleidet war als früher.

„Etan.“

Das Wort erstarb auf ihren Lippen, bevor sie es richtig aussprechen konnte, weil ich ihr das, was so kühl und griffig in meiner Hand lag, unter die Nase hielt.

Sie hinein drängte in den Vorraum und die Tür hinter mir schloss. Schließlich mochte ich kein Aufsehen erregen, selbst wenn der nächste Nachbar ein paar Meter entfernt und hinter dichten Hecken verborgen lag.

Kaja wurde nicht sofort hysterisch, das kam erst später. Im ersten Moment starrte sie abwechselnd in die Mündung und in mein Gesicht.

„Was …?“

„Kein Laut“, zischte ich. „Wenn dir dein Leben lieb ist, verstanden?“

Sie nickte wie in Trance.

Sie war noch immer bildhübsch. Zart wie eine filigrane Pflanze und sehr begehrenswert. Zumindest für mich. An meinen Gefühlen für sie hatte sich in der Zwischenzeit nichts verändert.

„Die Kinder?“, fuhr ich sie an.

Sie brauchte eine weitere Aufforderung, bevor sie mit dem Finger auf die Treppe deutete, die nach oben führte.

Weil ich sie wehrlos brauchte, band ich ihr die Hände auf dem Rücken zusammen. „Lass dir keine Dummheiten einfallen.“

Wild schüttelte sie den Kopf. Ihre Locken flogen, kitzelten mich im Gesicht. So sehr ich ihr Haar mochte, wusste ich es in diesem Moment nicht richtig zu schätzen.

Ich drängte sie rückwärts, verschaffte mir einen Überblick über das Haus, in dem ich noch nie vorher war.

Der Flur, die Essecke, das offene Wohnzimmer, die Küche. Alles solide, gut bürgerlich. Von ihrem Mann keine Spur.

„Dein Mann?“

Sie hob die Schultern.

„Okay. Lass uns keine Zeit vertrödeln und nach oben gehen. Aber vergiss nicht, kein Laut. Solltest du den Mund aufmachen, bist du tot.“

Vermutlich nahm sie an, dass ich vorhatte, sie auszurauben. Mich auf diese Weise an ihr zu rächen. Sie versuchte die gefesselten Hände zu ringen, ich achtete nicht darauf. Sie würde noch genug Gelegenheit bekommen, die Hände zu ringen. Und nicht nur das.

„Schlafzimmer?“, wisperte ich, als wir oben waren. Kaja deutete auf eine Tür. Ich öffnete sie vorsichtig, dann stieß ich sie vor mir her. Bis ans Bett. Dort brachte ich sie zum Stolpern. Sie knallte mit dem Kopf gegen einen Bettpfosten, verkniff sich aber den Schmerzensschrei.

Möglich, dass sie dachte, dass ich gleich mit ihr anfangen würde, aber das hob ich mir bis zum Schluss auf.

Erst einmal musste ich sie sichern. Und zwar so, dass sie mir unter keinen Umständen entwischen würde. Dafür hatte ich eigentlich Handschellen mitgebracht, aber die waren nutzlos, weil es keine Vorrichtung an ihrem Bett dafür gab.

Mir blieb nichts anderes übrig, als die Damenstrümpfe zu verwenden. Reißfest, aber dehnbar, passend für meine Zwecke. Ich bog ihr die Arme über den Kopf und band sie fest, anschließend die Beine. Dabei kam ich ihr sehr nahe und stieß ein hungriges Knurren aus. Ihr Anblick auf einem Bett machte mich nach wie vor geil. Es war genau wie früher. Doch ich beherrschte mich. Erst musste ich ihr beweisen, wie ernst es mir war.

Ihren Mund ließ ich unangetastet – sie sollte schreien dürfen. Falls ihr das nicht im Hals stecken blieb.

Danach glitt ich lautlos über den Flur und holte die Kinder. An dem Jungen hatte ich kein Interesse, aber das Mädchen war hübsch wie seine Mutter. Ich rechnete nach. Sie musste jetzt vierzehn sein.

Beide waren starr vor Schreck und schwer zu manövrieren.

Ich wies sie an, sich vor das Bett zu knien. Zuerst erschoss ich den Jungen, dann machte ich mich über das Mädchen her. Sie zappelte wie ein Fisch, es kostete enormen Aufwand, ihr die Jeans bis an die Knöchel zu ziehen.

Das Kreischen der beiden Frauen war unerträglich. Mir platzte fast das Trommelfell. Kaja gebärdete sich wie eine Verrückte, suchte verzweifelt, sich zu befreien.

Ich drückte den Kopf des Mädchens solange nach unten, bis zumindest von ihr nurmehr ein ersticktes Gurgeln zu hören war. Sie atmete zu schnell und würde hyperventilieren, aber das war egal, weil sie ohnehin nicht mehr lange genug am Leben sein würde, um daran zu ersticken.

Ich platzierte sie so, dass sie ihrer Mutter ins Gesicht sehen konnte, während ich mich über ihr bewegte. Ziemlich grob, zugegeben.

Um Kajas Qualen auf die Spitze zu treiben, riss ich den Kopf des Mädchens immer wieder in die Höhe und steckte ihr den Lauf in den Mund.

Das Blut, das Kreischen, die sich steigernden Schreie – all das erregte mich ungemein. Ein Taumel ergriff und rüttelte mich. Das Gefühl unbegrenzter Macht brachte mein Blut auf den Siedepunkt.

All die Opfer, die ich gebracht hatte, um an diesen Punkt zu kommen, waren es wert gewesen, jedes einzelne von ihnen.

Abwechselnd starrte ich auf den Hinterkopf des Mädchens und in Kajas Gesicht und fühlte mich großartig.

Zu dumm, dass Kajas Mann gerade in diesem Moment die Tür aufriss, etwas Unverständliches brüllte und auf mich losging. Mit einer ruckhaften Bewegung zog ich die Pistole aus dem Mund des Mädchens, zielte und schoss.

Er wurde von den Füßen gerissen und rückwärts geschleudert. Eine Blutfontäne spritzte gegen die Wand, hinterließ grausige Spuren, als er wie in Zeitlupe daran herunter rutschte.

Danach jagte ich dem Mädchen eine Kugel in den Kopf. In meinem Eifer erwischte ich Kaja an der Schläfe – alles ging viel zu schnell – jedoch nicht so, dass sie daran starb.

Natürlich benutzte ich einen Schalldämpfer, mir lag nicht daran, die Nachbarn auf den Plan zu rufen.

Durch meine Gliedmaßen raste ein Feuer, das mich von innen heraus verzehrte. Ich sah nur noch rot, überall.

Und Kaja. Meinen blonden Engel.

Bleich, mit einem rötlichen Rinnsal am Kopf und vom Blut ihrer Tochter besudelt. Wieder knurrte ich wie ein Tier. Nichts hielt mich mehr auf. Ich zückte das Messer, das ich für Notfälle bei mir trug und schnitt ihr die Kleider vom Leib.

Das Mädchen schubste ich vom Bett, der Junge war leblos davor zusammen gesunken.

In dem Rausch, in dem ich mich befand, sah ich nur noch ein Ziel: Kaja.

Ihre Schreie waren verstummt. Ganz offensichtlich hatte der Schock ihr die Stimme geraubt.

Alles, was zwischen uns stand, war ausgeräumt. Nun gehörte sie mir.

Ich umklammerte meinen Schwanz, der wie ein Stein in meiner Hand lag und jagte ihn tief in sie hinein. Unsägliche Glücksgefühle überschwemmten mich.

Kaja schrie nicht, diesmal nicht. Ungehindert und von allem Unrat befreit stieß ich solange in sie, bis mein Atem versagte.

Später zog ich sie an meine Brust und erzählte ihr, wie ich mir unser zukünftiges Leben vorstellte. Sie schien mit allem einverstanden.

Kapitel 3

„Ist dir kalt?“, frage ich sie und stecke mir eine neue Zigarette an. Es gefällt mir, sie zu beobachten, zu lange hat mir ihr Anblick gefehlt.

Dieses sich-gegenüber-sitzen an einem Tisch, sich miteinander austauschen.

Wie ein neu geborener Engel wirkt sie auf mich.

Sie antwortet nicht. Ihr Blick ist immer noch starr. Ich lege die Füße auf den Tisch und betrachte meine Stiefel. Ich bin angezogen, sie nicht.

Langsam lässt die Anspannung nach und wohlige Wärme breitet sich in mir aus. Ich habe mein Ziel erreicht, und das, ohne Kaja zu töten, obwohl ich diese Möglichkeit in Betracht gezogen hatte.

Meistens kommt es sowieso anders als man denkt, wenn man einen Mord plant. In diesem Fall – mehrere. Zu viele Unwägbarkeiten können sich einem in den Weg stellen, Dinge, die nicht planbar sind. Es ist gut gelaufen – meines Erachtens. Ich habe, was ich will und das ist sie.

Mein Magen meldet sich. Kein Wunder, nach diesem Kraftakt. Mit der Zigarette in der Hand gehe ich hinüber in die Küche und öffne den Kühlschrank.

Kaja hat gut vorgesorgt, jedes Fach ist belegt.

„Willst du auch was?“, rufe ich ihr zu, erhalte aber keine Antwort. Ich öffne eine Packung und nehme mir zwei Würstchen. Das wird für´s Erste genügen.

Ich werfe einen zusätzlichen Blick in ihre Vorratskammer, auch sie gut bestückt. Eine gewisse Zeit können wir also zusammen verbringen, ohne das Haus verlassen zu müssen.

Die abgebrannte Zigarette werfe ich in den Ausguss.

„Ich bin froh, dass wir endlich allein sind“, rufe ich nach nebenan und beiße in das Würstchen. Gute Qualität. Kaja kauft wohl nicht im Supermarkt ein, wahrscheinlich verdient ihr Mann genug.

„Nach all den Jahren“, füge ich hinzu. Ich gehe zurück zu ihr, kauend.

„Und Raum genug haben für eine Aussprache. War längst fällig. Weißt du eigentlich, wie sehr ich mich nach diesem Moment gesehnt habe, Engel? Wie viel ich dafür tun musste, um dir so nahe zu kommen? Ich wette, du hast keine Ahnung. Aber du warst es mir wert. Immer schon. Nein, bedanke dich nicht, ist schon in Ordnung. Ich hab es ja gern getan.“

Ich lache, etwas kindisch. „Dafür esse ich jetzt deinen Kühlschrank leer. Falls du Hunger hast, sag es ruhig. Ich werde mich um dich kümmern. So wie früher, weißt du noch?“

Ich mustere sie eingehend. Mein Blick gleitet an ihrem Körper auf und ab. Der schlanke Hals. Die Brüste, rund und fest. Schmale Taille, wohl geformte Hüften, schlanke Beine.

Und wieder hinauf. Das blonde Haar, die blauen Augen, lange Wimpern. Stupsnase, schöne Lippen, regelmäßige Züge. Kaja ist perfekt.

Mein Verlangen nach ihr schwappt erneut hoch.

„Vielleicht solltest du doch etwas essen, bevor es in die nächste Runde geht. Das, was du eben mitansehen musstest, kostet eine Menge Energie.“

Jetzt zuckt etwas in ihrem Gesicht, ein Nerv, ein Muskel.

„Sobald ich einigermaßen fitt bin. Du denkst doch nicht, dass das schon alles war, nein? Zwischen uns und unserer Zukunft steht nun nichts mehr. Ich hoffe, du bist bereit für dein neues Leben.“

Fast schüchtern gestehe ich: „Du musst das verstehen. Ich habe dich so lange nicht gehabt. Das ging viel zu schnell dort oben. Ich war richtig abgehoben. Beim nächsten Mal halte ich länger durch.“

Ich habe ihren Mann ausgelöscht, einen Mann, der sie ohnehin nicht verdient hat. Kaja verdient einen richtigen Mann – mich.

Ich nehme die Pistole auf, schaue in den Lauf. „Herrlich, das Gesicht deines Mannes. Als er begriff, dass ich seine Tochter vögelte und du, Süße, dabei zusehen musstest. War das nicht ein erhebender Moment?“

Kaja sagt nichts, doch der Nerv zuckt wieder. Das einzige Zeichen, dass sie noch am Leben ist. Folgerichtig ein Zeichen dafür, dass sie mich hört, meine Worte versteht.

Ich denke nicht, dass ihre Wunde tief ist oder verarztet werden muss. Die Blutung hat aufgehört, fängt bereits an zu trocknen. Ein Streifschuss.

Die Würstchen sind vertilgt, ich rauche wieder. Meine Beine sind noch immer zittrig, ich muss mich in Geduld üben, bevor es weiter geht. Ob ihr bewusst ist, wie sehr ich sie will? Wie sehr ich mich nach ihr verzehrt habe?

Das Objekt meiner Begierde so nahe zu wissen, kühlt mich nicht gerade ab.

Da kommt mir eine Idee. Warum die ganze Arbeit allein machen?

Möglich, dass ihr das nicht passt. Früher mochte sie es. Zeit, es herauszufinden.

Ich binde sie vom Stuhl los, zerre sie hinüber zu meiner Sitzgelegenheit. Sie sträubt sich nicht, steht wohl weiterhin unter Schock. Schlaff ist sie, als wäre ihr Rückgrat gebrochen.

Dann öffne ich meine Hose und ziehe sie über meinen Schoß.

Sie seufzt nicht, stöhnt nicht, lässt es einfach geschehen. Zu meinem Leidwesen bewegt sie sich auch nicht. Mit beiden Händen greife ich in ihr Haar, biege ihren Kopf zurück. Presse meine Lippen auf die Ader an ihrem Hals und spüre es pochen. Dort und in meinen Lenden.

Ich versuche, den selben Rhythmus zu finden wie ihr Blut. Leider pulsiert es mir zu unregelmäßig. Mein Körper fordert und fordert. Zu viel hat sich angestaut mit den Jahren.

Gefühlsregung bei Kaja? Fehlanzeige. Dafür umso mehr bei mir. Fast noch besser als vorhin. Länger diesmal, intensiver. Bis ich aufschreie und mein Kopf auf ihre Schulter sinkt. Ich rieche sie, schmecke sie, halte sie. Und ich bin glücklich. In einem Haus voller Leichen.

Kapitel 4

Meine Gedanken wandern zurück zu dem Zeitpunkt, an dem ich Kaja kennen lernte. Ich löse mich nicht von ihr, dazu ist mir ihre Gegenwart zu kostbar.

Mein Kopf ruht auf ihrer Schulter, sie bleibt starr.

Das war nicht immer so.

Als ich Kaja kennen lernte, war sie voller Leben. Nicht geltungssüchtig, das nicht, aber sprühend vor Charme, vor Vitalität. Und weich. Eine der bestaussehenden Mädchen ihres Jahrgangs. Zusammen mit Leonie, ihrer Freundin, die, rein äußerlich betrachtet, das krasse Gegenteil zu ihr darstellte. Zwei Aufsehen erregende Frauen, zweifellos.

Hätte ich die Wahl gehabt, wäre sie wahrscheinlich auf Leonie gefallen, aber die hatte ich nicht. Vom ersten Augenblick an war ich von Kaja gefangen und zwar so sehr, dass mir der Atem stockte.

Sofort, als ich sie im Gewirr ihrer Freundinnen entdeckte, fuhr mir durch den Kopf: Engel. So sieht ein Engel aus. Und noch ein Gedanke: Die gehört mir.

So einfach war es allerdings nicht. Damals war sie mit einem Jungen zusammen, etwas älter als sie, in den sie offenbar verschossen war. Der, den sie später geheiratet hat. Mit dem sie eine Familie gegründet hat.

Statt mit mir.

Ihr Techtelmechtel mit Mirko nahm ich nicht ernst. In dem Alter trudelt man noch von Blüte zu Blüte, ganz normal. Machte ich ja ebenso. Alle, die ich kannte.

Ich steckte mich hinter Leonie, eine süße Schwarzhaarige, die zu jener Zeit Single war, und nahm sie ein paar Mal durch. Das konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon gut und so ist es geblieben. Wir haben alle unsere Stärken.

Meine Schwäche aber war Kaja.

Leonie und ich nahmen unsere Affäre nicht ernst, also blieb mir ihr Liebeskummer oder etwaige Vorwürfe erspart. Von ihr wollte ich Auskünfte. Wo Kaja sich herum trieb, wie lange sie schon mit Mirko zusammen war, was sie so machte. Was sie mochte, was nicht.

Ich war berechnend und fragte Leonie immer dann aus, wenn ich sie unter mir hatte. In diesen Momenten war sie bereit, mir alles zu sagen, was ich wissen wollte. Ich glaube, sie hätte mir sogar die PIN ihrer Großmutter verraten, wenn ich sie darum gebeten hätte.

So erfuhr ich Stück für Stück alles, was ich über Kaja wissen wollte.

Sie war Romantikerin.

Kein Problem. Ich sah mich in der Lage, romantisch zu sein bis zum Überdruss.

Sie mochte chinesisches Essen, schwimmen gehen, Kino. Sie betrieb Sport.

Auch kein Thema, weil ich mich selbst sportlich engagierte.

Mit Mirko war sie erst seit drei Monaten zusammen. Leonie behauptete, er sei ein Hohlkopf. Kaja habe ihr anvertraut, dass er sie noch nie befriedigt hätte. Dazu musste ich Leonie allerdings zum Quietschen bringen, bevor sie das rausließ.

Da horchte ich auf. Eine wertvolle Information.

Kaja las gern, traf sich gern mit Freunden.

Genügend Anhaltspunkte, um bei ihr anzuknüpfen.

Leonie hakte nach, weshalb ich das alles von ihr wissen wollte. Ich sagte schlicht: „Weil ich verrückt nach ihr bin.“

Leonie lachte mich aus. „Schmink dir das ab. Kaja ist richtig, richtig verschossen in Mirko. Sie hängt an ihm wie ein nasser Sack und umgekehrt. Die beiden kriegst du nicht auseinander. Die reden schon von Zukunft.“

Das stachelte meinen Ehrgeiz erst recht an. Niemand durfte mir Kaja wegnehmen, niemand.

Auch so ein Hohlkopf wie Mirko nicht.

Ich begann, mich in der Sportstätte herumzutreiben, in der ich Kaja wusste. Anfangs nicht immer zur selben Zeit, bis ich heraus bekam, wann sie dort für gewöhnlich anzutreffen war.

Eine Zeit lang starrte ich sie nur an, wie sie auf dem Laufband so richtig Gas gab. Wie ihr Pferdeschwanz hüpfte. Sie sich immer wieder den Schweiß mit einem Handtuch abwischte. Ihre Kleidung war sehr eng anliegend und zeigte eine Menge Haut. Schon das brachte mich an meine Grenzen und ich hatte Mühe, meine Erektion im Zaum zu halten.

Um nicht unangenehm aufzufallen, stemmte ich ein paar Gewichte, behielt sie aber im Auge. In Gedanken suggerierte ich ihr immer wieder, dass sie zu mir gehörte. Unverbrüchlich und für immer. Dass ich der Mann war, den sie brauchte, in vielen Dingen um so vieles besser war als dieser Mirko. In allen.

Manchmal erschrak ich selbst über die Intensität meiner Gefühle zu einem Menschen, mit dem ich noch kein Wort gewechselt hatte.

An jenem Tag sprach ich sie nicht an, beobachtete sie nur. Das Spiel ihrer Muskeln, die Dehnbarkeit ihrer jungen Haut. Den Schweiß, der an ihren Schläfen hinab lief und sich in ihrem Nacken sammelte, hätte ich am liebsten abgeleckt.

Jetzt, da ich wusste, zu welcher Zeit sie trainierte, zeigte ich mich öfter, damit sie sich an meinen Anblick gewöhnte.

Ich wusste, ich hatte einiges zu bieten, rein äußerlich betrachtet. Ich war groß, athletisch gebaut, nicht so sehr, um abstoßend zu wirken, und sah relativ gut aus. Rotbraunes, üppiges Haar, helle Augen. Gute Zähne. Kein Adonis, aber durchaus einen zweiten Blick wert.

Kaja beachtete mich nicht. Dafür sah ich manchmal dabei zu, wie sie von Mirko abgeholt wurde, jedes Mal ein neuer Aufreger für mich.

Was trieben sie jetzt?

Wohin gingen sie?

Zu ihm, zu ihr?

Mirko befriedigt sie nicht, beruhigte ich mich dann. Anscheinend hat er keine Ahnung von Frauen. Länger zusehen wollte ich jedoch nicht. Es wurde Zeit, schwerere Geschütze aufzufahren und die Festung Kaja für mich einzunehmen.

Kapitel 5

Ein Zufall spielte mir in die Hände. An jenem Tag stand Mirkos Auto nicht vor dem Fitness-Center, weshalb ich es vorzog, mein Training vorzeitig zu beenden und draußen auf Kaja zu warten.

Und als sie dann auch noch stolperte und beinahe hinfiel, stand ich bereit, um sie aufzufangen und mitfühlend zu fragen: „Hast du dich verletzt?“

Sie sah hoch, mit vor Verlegenheit leicht geröteten Wangen. Ich stellte mir vor, sie wären von der Liebe mit mir erhitzt.

Sie fand mich ansprechend, was ich am kurzen Aufblitzen ihrer Augen erkannte. Das goss Öl ins Feuer, ich wollte ihr so gern gefallen.

„Ich … nein, ich denke nicht. Danke erst mal.“

Ihr Sportbeutel lag auf dem Boden, ich hob ihn auf. Wieder verfingen sich unsere Blicke.

„Du trainierst öfter hier, stimmt´s?“