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Wenn wir jemand gern haben und die Beziehung zu ihm vertiefen wollen, was tun wir dann? Ganz klar, wir reden mit ihm oder ihr und suchen das Gespräch: Wir hören zu, fragen nach und wollen uns mitteilen. Genauso ist es auch bei Gott: Weil er uns liebt und eine persönliche Beziehung zu uns haben will, redet er mit uns. Wir können Gott nicht sehen und nicht anfassen, aber wir können mit ihm reden und auf ihn hören – durch die Stimme des Heiligen Geistes. Das gilt sowohl für uns als einzelne Christen wie auch für Gemeinden. Denn dort, wo wir auf Gott hören, öffnen wir uns für seine Gegenwart und sein Wirken. Im Gespräch mit ihm schließen wir uns an seine Kraft an und an das Leben in Fülle, das er uns verheißt. Das Buch enthält im Anschluss an jedes Kapitel geistliche Übungen, die helfen sollen, allein oder in Gruppen das hörende Gebet einzuüben.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2022
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ARND KISCHKEL
Auf Gottes Stimme hören
ÜBER DIE WACHSAMKEIT DES GLAUBENS
GLORYWORLD-MEDIEN
1. E-Book-Auflage 2022
© 2006 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de
Alle Rechte vorbehalten
Bibelzitate sind, sofern nicht anders gekennzeichnet, der Lutherbibel, rev. Fassung von 1984, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1987, entnommen.
Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.
Satz: GloryWorld-MedienFoto: Copyright © istockphoto.com / Dan BannisterCover: Vision C, www.vision-c.de
ISBN (epub): 978-3-95578-126-2
ISBN (Druck): 978-3-936322-26-2
1 Einführung
2 Vertraut mit Jesus
3 In der Stille
4 Wachstum und Befähigung
5 Begabung und Auftrag
6 Loslassen und empfangen
7 Ein Überwinder sein
8 Formen des Gebets
9 Ein Kind Gottes sein
10 Auf ungewohnten Wegen
11 Die Gabe der Prophetie
12 Das Angesicht Jesu
13 Zur Praxis des hörenden Gebets
Wenn wir jemand gernhaben und die Beziehung zu ihm vertiefen wollen, was tun wir dann? Ganz klar, wir reden mit ihm oder ihr und suchen das Gespräch: Wir erzählen etwas von uns selbst; wir sagen dem anderen etwas, was ihn ermutigt und ihm Freude macht; wir hören ihm zu, fragen nach, wie es ihm geht; d. h. wir wollen uns mitteilen …
Genauso ist es auch bei Gott: Weil er uns liebt und eine persönliche Beziehung zu uns haben will, redet er mit uns. Wir können Gott nicht sehen und nicht anfassen, aber wir können mit ihm reden und auf ihn hören – durch die Stimme des Heiligen Geistes. Für mich ist das Reden Gottes etwas ganz Kostbares, wodurch ich in besonderer Weise erfahre, dass Gott lebt und an mir persönlich interessiert ist. Im Hören auf Gottes Stimme merke ich, dass er mein Inneres kennt, dass er ganz genau versteht, was in mir vorgeht und dass ich ihm nicht gleichgültig bin: Er sagt mir genau das, was ich wirklich brauche! Es ist nicht immer bequem, aber absolut heilsam und gut.
Gott ist von den ersten Seiten der Bibel an ein redender Gott! Das sehen wir, wenn wir an Adam und Eva im Garten Eden denken, als sie noch in der ungestörten Beziehung zu Gott waren und in großer Vertrautheit mit ihm redeten. Diese ungetrübte Beziehung ging durch den Sündenfall verloren, aber Gott redete weiterhin zu einzelnen Menschen: zu Noah, Abraham, Mose, den Propheten usw.
Unendlich oft heißt es in der Bibel: „Der Herr sprach ...“ Gott spricht auch heute zu uns! Er möchte sein geschriebenes Wort immer wieder lebendig machen, es uns ganz persönlich für eine bestimmte Lebenssituation zusprechen. Zum Beispiel sagt das geschriebene Wort Gottes (logos): Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende (Matthäus 28,20). Das aktuell gesprochene Wort Gottes (rhema) spricht es uns ganz persönlich zu: „Ich bin jetzt in dieser Situation bei dir. Ich werde dich nicht verlassen.“ Beides ist wichtig! Dann gibt es außerdem Situationen, in denen wir Gottes spezielle Leitung brauchen.
Jesus ist gekommen, um uns wieder in die ursprüngliche Beziehung mit dem Vater zurückzuführen, die durch den Sündenfall verloren gegangen ist. Es ist deshalb jetzt nicht mehr wie im Alten Testament einigen wenigen Propheten vorbehalten, auf Gottes Stimme zu hören, sondern als Gottes Kinder dürfen wir alle seine Stimme hören. Seit Pfingsten steht das Geschenk des Heiligen Geistes jedem offen, der an Jesus glaubt. Je mehr wir uns vom Heiligen Geist füllen und regieren lassen, umso leichter ist es für uns, auf die Stimme Gottes zu hören.
Denn der Heilige Geist ist es, durch den wir Gottes Stimme hören können (Apostelgeschichte 2,16ff). Manche Christen bekommen durch die Gabe der Prophetie, Weissagung und Erkenntnis (1. Korinther 12-14) die Fähigkeit, in besonderer Weise Gottes Stimme zu hören. Wir dürfen uns nach diesen Gaben ausstrecken (1. Korinther 14,1).
Wie können wir also das hörende Gebet lernen? Es ist ein Wachstumsprozess, es immer mehr zu erwarten und zu erfahren, dass wir Gottes Stimme wirklich hören können. Wir können es miteinander in der Gemeinde einüben.
Eine wichtige Frage ist noch, wozu wir es lernen wollen, auf Gott zu hören? Was sind unsere Beweggründe? Möchten wir vor allem eine Entscheidungshilfe bekommen in den offenen Fragen und Herausforderungen unseres Lebens?
Der ursprüngliche Sinn, Gottes Stimme hören zu können, geht noch darüber hinaus. Ich muss da an den Apostel Paulus denken, wie er den Korinthern schreibt: Jetzt habe ich euch vieles erklärt über die verschiedenen Aufgaben im Reich Gottes und die Gaben des Geistes, die euch für diesen Dienst gegeben sind. Aber nun will ich euch einen Weg zeigen, der weit über das hinausgeht: Das Allerwichtigste ist die Liebe! Ohne Liebe sind die besten Gaben nichts (vgl. 1. Korinther 12 u. 13).
Der erste und wichtigste Beweggrund, auf Gottes Stimme zu hören, ist, dass wir Gottes Herz kennen lernen. Da geht es nicht um ein intellektuelles Begreifen, sondern um eine existentielle Beziehung, gekennzeichnet von Liebe, Hingabe, Vertrauen, Sehnsucht und Zusammensein.
So ist das Hören auf Gottes Stimme letztlich keine Methode, kein Rezept, sondern ein Beziehungsgeschehen! Es kann ganz leicht zwischen Gott und uns fließen, wenn die innere Verbindung zwischen uns offen und unser Herz aufnahmebereit ist. Es ist nicht kompliziert, sondern es geht eher um ein kindliches Vertrauen, eine Erwartungshaltung der Liebe und Hingabe an Gott.
Je mehr wir dem Heiligen Geist in uns Raum geben, umso leichter können wir seine Stimme hören. Deshalb ist es gut, wenn wir uns immer wieder bewusst unter die Leitung des Heiligen Geistes stellen, uns von ihm abhängig machen, uns ihm anvertrauen und zur Verfügung stellen.
Gott sehnt sich nach einer sehr persönlichen und konkreten Beziehung zu Ihnen und mir. Eine solche Beziehung ist aber keine Einbahnstraße: Sie bedeutet, das Leben miteinander zu teilen, einander zuzuhören, sich aneinander zu freuen sowie Gemeinschaft miteinander zu haben und zu suchen, ohne dabei eigennützige Ziele zu verfolgen. Auch wenn wir als Menschen die Bedürftigen bleiben und ihn nicht anders als mit bedürftiger Liebe lieben können.
Dieses Buch will dazu anregen und Mut machen, das Hören auf Gottes Stimme einzuüben in einer Herzenshaltung, die Gott um seiner selbst willen liebt, verehrt und anbetet. Denn gut und leicht wahrnehmen und hören kann ich dort, wo ich fasziniert, aufmerksam, ja verliebt bin. Ich kann es dort, wo ich Vertrauen gewonnen habe und so die Reaktion des anderen erwartungsvoll auf mich zukommen lassen kann.
Der Ort, an dem wir auf Gott hören, braucht außerdem einen gewissen Schutz gegenüber äußeren Einflüssen. Es ist ein Ort, der für mich und Jesus reserviert ist, wo ich gespannt bin, was ich als Nächstes mit ihm entdecke, worauf er mich aufmerksam macht, wohin er mich führt. In vielem ist dies ähnlich der Situation, wenn Regen auf einen Boden fällt, der schon nach ihm dürstet. Die Erde wird ganz weich und feucht, und neues Leben regt sich in ihr und entfaltet sich.
Die kleinen geistlichen Übungen am Ende jedes Kapitels möchten eine Hilfe sein, diese Haltung des Empfangens einzuüben. Es besteht auch die Möglichkeit, sie so oder ähnlich in Gruppen oder Hauskreisen miteinander auszuprobieren. Durch die Übung des füreinander „Hörens“ in den verschiedenen Lebenssituationen kann man sich gut Rückmeldung geben, gemeinsam lernen oder auch Korrektur erfahren. Auch kann man die Vielfältigkeit entdecken, in der der Heilige Geist zu uns reden möchte. Er kann uns z. B. an ein Bibelwort oder an ein Lied erinnern. Er kann in unsere Gedanken hineinsprechen oder uns ein inneres Bild schenken. Über all dem dürfen wir auf die Zusage Jesu vertrauen:
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen (Johannes 10,27+28).
Wenn ein Mensch auf einer Parkbank sitzt, dann lässt er für einen Moment einmal alle seine unmittelbaren Ziele los und entspannt sich ein wenig. Vielleicht scheint sogar die Sonne, von der er sich dann bescheinen lassen kann.
Jesus Christus möchte für unser ganzes Leben ein Hirte sein, der auf solch einer Bank schon auf uns wartet. Wir können uns vorstellen: Er sitzt schon da und wir können zu jeder Zeit, in der es uns möglich ist, in seine Gegenwart kommen und einfach loslassen.
Wie bei allen Abläufen des Tages gehört dazu auch eine Entscheidung: Ja, ich möchte ganz regelmäßig meine gewohnten Termine unterbrechen und mich mit meinem besten Freund, Jesus, treffen. Ich möchte ganz in Ruhe mit ihm über alles reden. Ich möchte auf ihn hören und ich möchte seine Gaben empfangen.
Das Beste an einer solchen Zeit mit Jesus ist eigentlich gar nicht unbedingt das, was im Einzelnen gesprochen wird. Das Schönste ist einfach, dass er da ist.
Wenn Kinder im Garten mit Wasser spielen, dann nehmen sie vielleicht einen Gartenschlauch in die Hand, um sich damit einmal kräftig zu bespritzen. Oder sie waten durch einen knietiefen Tümpel. Und vielleicht sind sie auch einmal so ausgelassen, dass sie sich einen Eimer voll Wasser einfach über den Kopf schütten.
Die Bibel gebraucht für den Heiligen Geist auch das Bild von den Strömen lebendigen Wassers, die von unserem Leib fließen sollen. Wenn das so sein soll, dann müssen wir in den gemeinsamen Zeiten mit Jesus mit diesem Wasser in Berührung kommen. Und so können wir uns vorstellen, dass Jesus etwas von diesem Wasser nimmt, sobald wir auf der gemeinsamen „Bank“ angekommen sind und uns damit berührt, besprengt oder sogar überschüttet.
Je mehr wir von der Kraft des Heiligen Geistes erfüllt sind, umso mehr sind wir innerlich bereit, mit Jesus einen Weg des Gebetes zu gehen, der von echter Kommunikation geprägt ist. Wir tragen im Gebet unsere Anliegen vor, und wir nehmen uns Zeit, in der Stille auf ihn zu hören, auf das, was er uns sagen möchte.
Vielleicht sagt er: „Meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn, ich möchte dich noch viel mehr an mein Herz ziehen. Spürst du, wie es für dich schlägt und wie es mit denen fühlt, die in Gefahr sind, verloren zu gehen? Lass los und lehne dich an meine Brust an, dann empfängst du diese Liebe. Wie ein Feuer wird sie in dir brennen, und es wird dir leichtfallen, andere Menschen zu lieben.“
Im Gleichnis vom verlorenen Sohn war der jüngere Sohn an einem Punkt angelangt, wo er sich nach seinem Vaterhaus zurücksehnte. Er war bereit, dort als Tagelöhner zu dienen und den Vater um Vergebung zu bitten. Und auch der Vater feierte mit seinem Sohn ein Fest der Versöhnung. Nur der ältere Sohn haderte und wollte zunächst seinem Bruder nicht vergeben.
Dieses Gleichnis macht sehr nachdrücklich deutlich, dass wir ohne Schritte der Versöhnung nicht in die Fülle einer vertrauten Beziehung zu unserem himmlischen Vater gelangen können. Und ohne diese Vertrautheit werden wir niemals sein Reden zu uns klar vernehmen können.
Die Liebe, die er uns schenkt, fließt gewissermaßen durch uns hindurch, bis sie übersprudelt und nicht mehr an sich halten kann. Dann müssen wir einfach von Jesus weitererzählen und engagieren uns für ihn.
Wenn ich mich noch nicht so überfließend fühle, kann ich versuchen, mich zu entspannen. Dann kann ich mir bewusst machen, dass der Heilige Geist in mein Herz ausgegossen ist und in mir lebt. Den Platz, an dem ich gerade versuche, zur Ruhe zu kommen, kann ich mit der Hand Gottes vergleichen, die mich tragen möchte, und vielleicht stelle ich mir vor, dass Jesus mir ein Kreuz auf die Stirn zeichnet.
In unserem christlichen Lebenszentrum Wörnersberger Anker bieten wir gelegentlich in Gottesdiensten oder Seminaren eine Segnung mit Salbung an. Dabei wird jedem, der es möchte, mit ein wenig Salböl ein Kreuz auf die Stirn oder auch in die Hände gezeichnet.
Wenn wir das hörende Gebet einüben, verbindet sich damit ebenfalls ein Schritt in eine neue Ebene der Verantwortlichkeit. Übergebe ich mein Leben und mit ihm auch meine Selbstbestimmtheit noch einmal neu dem Herrn? Darf er mich als ein „geheiligtes Gefäß“ in seinem Heiligtum füllen und benutzen?
Gehe ich bei jeder wichtigen Entscheidung – allein oder mit anderen – in die Stille, um seinen Rat zu suchen? Und bleibe ich hier ganz geduldig, treu und beharrlich, bis ich wirklich etwas empfangen habe?
Dann wird deutlich, dass ich nicht nur „Herr“ sage, sondern dass ich Jesus wirklich als Herrn in allen wichtigen Situationen meines Lebens haben möchte. Ich werde immer bereiter, mich seinem Willen zu unterstellen, und werde dadurch Autorität und Vollmacht empfangen.
Dabei geht es auch um einen wichtigen Aspekt meiner Berufung. Wenn ich Jesus die Frage stelle, welche meiner Gaben besonders zum Einsatz kommen sollen, was er für mich vorbereitet hat und wie er mich gebrauchen will, dann besteht bei dieser Frage immer auch die Gefahr, dass es noch sehr um meine Selbstverwirklichung geht. Ich verknüpfe meine Identität womöglich noch zu sehr mit dem, was mir Jesus aufträgt, und nicht mit Jesus selbst.
Wenn Jesus mir einen Auftrag gibt, dann geht es jedoch zuerst immer darum, in einer bestimmten Form die Botschaft des Evangeliums zum Ausdruck zu bringen. Um diese Botschaft weitersagen zu können, brauche ich ein volles Herz, das nicht verzagt ist und sich nicht zurückzieht, sondern offensiv den Plan Gottes zu erfüllen sucht.
Immer wieder stehen wir vor größeren oder kleineren Lebensentscheidungen. Wird mir der Rat meines Herrn dabei zur wichtigsten Hilfe? Breiten Sie einmal eine anstehende Entscheidung vor Gott aus. Schreiben Sie auch Ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen auf. Notieren Sie das Für und Wider.
