Australien? Australien! - Tino Schrödl - E-Book

Australien? Australien! E-Book

Tino Schrödl

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Beschreibung

Für den fünfzehnjährigen Meo verlief das Leben bisher recht gemächlich. Damit ist nun Schluss, denn seine Eltern wollen mit ihm eine Rundreise durch Australien unternehmen. Die Reise soll Meo für das Land begeistern, in das seine Eltern bald mit ihm ziehen wollen. Zum Glück hat er seine pummelige Freundin Odette dabei, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Dabei bringt sie ihn jedoch mehr als einmal in die Bredouille. Ausgerechnet im Kakadu-Nationalpark verirren sich die beiden auch noch und müssen sich fortan allein durchschlagen - vom äußersten Norden Australien bis in den Süden nach Melbourne. Der Trip wird zum Abenteuer ihres Lebens …

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Veröffentlichungsjahr: 2014

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Über dieses Buch

Australien – verlockende Weite, ein Hauch von Abenteuer und das Versprechen von großer Freiheit? Nicht so für Meo. Der 15-Jährige liebt sein ruhiges und überschaubares Leben. Als seine Eltern mit ihm demnächst nach Australien ziehen wollen, ist er alles andere als begeistert, lässt sich aber zu einer Rundreise in den Sommerferien überreden. Immerhin, seine pummelige Freundin Odette darf mit! Doch dann verirren sich Meo und Odette im Kakadu-Nationalpark und müssen sich fortan allein vom äußersten Norden Australiens bis ganz in den Süden durchschlagen. Das Abenteuer ihres Lebens beginnt …

Inhalt

1. Ein paar Dinge über mich2. Mein Tag3. Peng!4. Und tschüss!5. Abflug6. Ankunft in Melbourne7. Jetlag8. Durch Australien9. Im Kakadu-Nationalpark10. Allein im Park!11. Nachts im Park12. Wir sehen uns in Melbourne!13. Schlechtes Gewissen14. Ein Ort, der so heißt wie ein Mädchen15. Auf der Straße nach Süden16. Drei Amigos17. Begegnung mit Jesus18. Buschorangen und anderes Tierfutter19. Hunger und noch ein paar weitere Probleme20. Odette kippt um und ich werde gebissen21. Maddy!22. Auf der Ranch23. Lehrstunden24. Ein neues Leben25. Krank!26. Rodeo!27. Dinge, die verloren sind28. Ende einer langen Reise29. Abschied!

1. Ein paar Dinge über mich

Mein Name ist Meo – nicht Mio, sondern Meo, um das gleich mal klarzustellen. Es gibt Lehrer an meiner Schule, die mich seit Jahren kennen und das immer noch nicht wissen. Mein Leben verlief bisher relativ ereignislos, um nicht zu sagen unspektakulär. Manche würden es vielleicht als langweilig empfinden. Für mich jedoch ist es genau das Richtige. Ich liebe Struktur und Ordnung, und alles, was meinen gewohnten Tagesablauf durcheinanderbringt, ist für mich der reine Horror.

Ich bin 15 Jahre alt, gehe in die neunte Klasse. Meine Heimatstadt ist relativ klein, fast schon ein Dorf, obwohl die Einwohner das nicht gern hören. Es klingt ihnen zu provinziell. Sie möchten gerne Weltbürger, zumindest Großstädter oder wenigstens Städter sein. Dabei kennt hier jeder jeden. Was unter anderem dazu führt, dass ich kaum Freunde habe. Denn so wie sich die coolen Kids alle untereinander kennen, wissen sie auch, wer nicht »dazugehört«, beziehungsweise, wer ihrer nicht würdig ist. Und ich falle genau in diese Kategorie. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Vielleicht bin ich zum Teil auch selber schuld daran. Ich interessiere mich nun mal nicht für die meisten Dinge, die sie interessieren. Oder umgekehrt: Ich mag Dinge, die sie hassen. Schule zum Beispiel. Welcher Schüler mag schon Schule, wurde ich mal gefragt. Ich mag sie. Tut mir leid, aber so ist es nun mal. Ich lese gern Bücher, gehöre zu den wenigen Schülern, die nie ihre Hausaufgaben vergessen, bereite mich auf Klassenarbeiten vor und habe die meisten Dinge auch noch im Kopf, wenn ich danach gefragt werde. Dabei bin ich nicht besonders wählerisch. Ich mag alles: Mathe, Deutsch, Englisch, Chemie, Biologie. Nur Zeichnen kann ich nicht und ich weiß auch nicht, wie ich mir das beibringen soll. Als ich neulich versuchte, ein Pferd zu malen, dachten alle, es wäre eine Bohrinsel.

Streber nennen sie mich, Langweiler, Spießer.

Um dieses Bild zu vervollständigen, bin ich auch im Sport eine absolute Niete. Das kommt wohl daher, weil ich eher klein geraten bin. Und besonders stark bin ich ebenfalls nicht, was mir meist egal ist, weil ich sonst nicht darauf angewiesen bin. Nur in Sport fällt es eben auf, wenn wir irgendwelche blöden Wettkämpfe machen müssen. Ich hasse dieses Fach. Allein dieses ständige Umziehen vor und nach der Stunde ist mir zuwider. Und dann dieser Gestank. Alle riechen nach Schweiß, und die meisten scheinen es nicht einmal zu merken. Die gesamte Umkleide riecht nach dem Unterricht wie ein Affenkäfig. Aus diesem Grund versuche ich, mich immer so wenig wie möglich zu bewegen. Die anderen meinen, ich würde den Schlagball werfen wie ein Mädchen. Dabei versuche ich nur, mit so wenig Kraftaufwand wie möglich über die Runden zu kommen. Rennen kann ich nur, wenn ich verfolgt werde. Da bin ich dann schnell wie der Blitz. Wenn mich wieder einer verkloppen will. Ansonsten absolute Fehlanzeige.

Neulich musste ich zum ersten Mal in meinem Leben in einem Fußballtor stehen. Ich hatte keine Ahnung, wie groß so ein Tor ist, wenn man einmal drinsteht. Unser Vertretungssportlehrer dachte, uns eine Freude machen zu können, indem er uns die ganze Stunde Fußball spielen ließ. Dabei hasse ich Fußball! Mit Herrn Ritter, unserem offiziellen Sportlehrer, gibt es eine stille Übereinkunft, dass ich mich bei Spielen an den Spielfeldrand setzen kann. Dieser Vertretungstyp kannte diese Übereinkunft aber nicht und ließ auch nicht mit sich diskutieren. Er bestand darauf, dass ich mitspielte, was nicht nur für mich, sondern auch für die anderen Jungs eine total peinliche Situation war. Niemand wollte mich in seinem Team haben und sie mussten schließlich um mich losen. Als ich dann im Tor stand, ließ ich den Ball tatsächlich nur einmal rein, den anderen hielt ich. Mit dem Kopf. Genauer gesagt mit dem Gesicht und das auch nur versehentlich. Einen Augenblick sah ich nur Sterne und hatte das Gefühl, dass meine Ohren hinten am Kopf zusammengeklatscht sein mussten, so sehr hatte es gezwiebelt. Aber zumindest sicherte ich meiner Mannschaft damit ein Unentschieden, was dann wiederum okay war. Zu Hause recherchierte ich erst mal im Internet, ob die Gehirnzellen bei einem starken Aufprall durcheinandergewirbelt werden können oder es andere Schäden nach sich zieht. Die ermutigendste Erkenntnis war, dass dabei gar nichts passieren kann. Die schlimmste hingegen, dass man von nun an blöde werden und das ein Leben lang bleiben könnte.

Vielleicht noch ein paar Einzelheiten zu meiner häuslichen, beziehungsweise familiären Situation. Ich lebe natürlich immer noch bei meinen Eltern und die sind auch tatsächlich verheiratet, was bei mindestens der Hälfte meiner Klassenkameraden nicht der Fall ist. Entweder sind deren Eltern nie verheiratet gewesen oder sie sind es inzwischen nicht mehr. Meine Erzeuger bilden eine mehr oder weniger rühmliche Ausnahme. Wenn sie überhaupt meine Erzeuger sind. Von Zeit zu Zeit hege ich da ernste Zweifel.

Zu sagen, ich würde bei meinen Eltern leben, trifft es daher auch nur zu Hälfte. Im wörtlichen Sinn. Eigentlich leben nämlich nur meine Mutter und ich zusammen. Mein Vater befindet sich die meiste Zeit auf Reisen. Er ist Vertreter für Staubsauger. Allerdings nicht so einer, der von Tür zu Tür rennt und einsamen Hausfrauen so ein Teil andreht. Nein, er reist in der ganzen Welt umher, ist mal in Amerika, mal in Japan und mal in Afrika unterwegs, um Staubsauger zu verkaufen. Ich glaube, in der Staubsaugerbranche ist er ein großes Tier.

Deshalb lebe ich hauptsächlich mit meiner Mutter zusammen. Die meiste Zeit hocken wir auf dem Sofa vor dem Fernseher. Ich bin ein leidenschaftlicher Sofasitzer und könnte das den ganzen Tag lang machen, genau wie meine Mutter. Dabei ist es mir egal, ob es vor der Tür stürmt, schneit oder dreißig Grad sind. Schon als Kind war ich nur ungern draußen. Bewegung an der frischen Luft interessiert mich nun mal nicht. Wahrscheinlich, weil ich mich nicht gern schmutzig mache. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich dreckige Hände, schwarze Fingernägel oder Flecken auf den Sachen habe. Damit bin ich wohl der Traum jeder Mutter, zumindest meiner Mutter. Und sie dankt es mir, indem sie mir vor dem Fernseher Gesellschaft leistet und mich in regelmäßigen Abständen mit Kalorien und Kohlenhydraten in Form von Kakao, Würstchen oder Schokolade versorgt. Ein super Leben! Ich glaube sogar, dass wir das eigentliche Ehepaar sind. Sollte ich eines Tages mal heiraten, sollte meine Frau genau wie meine Mutter sein.

2. Mein Tag

Mein Tag verläuft in ziemlich geregelten Bahnen. Anders würde ich es auch nicht aushalten. Und ich kann fuchsteufelswild werden, wenn mir etwas Unvorhergesehenes in die Quere kommt. Gott sei Dank wissen das die meisten Menschen in meiner Umgebung und lassen mich mein Ding machen.

Mein Wecker klingelt wochentags jeden Morgen um halb sieben. Es ist ein Radiowecker, und wenn er losplärrt, beginnen gerade die Nachrichten. Danach höre ich genau ein Lied, springe dann aus dem Bett, direkt unter die Dusche. Zähneputzen und waschen, anziehen, Bett machen. Für alles brauche ich jeweils fünf Minuten, sodass ich fünf vor sieben beim Frühstück sitze. Um zehn nach sieben klingelt Odette, dann sind wir spätestens um sieben Uhr fünfundzwanzig in der Schule. Ich hasse es, wenn sie zu spät kommt, was Gott sei Dank bisher nur zwei Mal in zwei Jahren vorgekommen ist. Viel schlimmer war es, als sie eine Zeit lang ein Mädchen mitschleppte, das neu am Gymnasium war und in unserer Straße wohnte. Ich bin fast ausgeflippt und wollte dieses Mädchen auf keinen Fall jeden Morgen vor meiner Tür sehen. Aber Odette hat sich daran überhaupt nicht gestört. Und wäre dieses Mädchen nicht zu doof fürs Gymnasium gewesen und von allein wieder verschwunden, wer weiß, ob Odette und ich jetzt noch miteinander reden würden.

So aber ist Odette bis heute meine beste und einzige Freundin – abgesehen von Qualle, meinem Kaninchen. Da Qualle allerdings schon sechs Jahre alt ist und Zwergkaninchen nur etwa acht Jahre alt werden, wird Odette in absehbarer Zeit wirklich meine einzige Freundin sein. Ich glaube, ich bin auch ihr einziger Freund. Mit Odette will sonst keiner was zu tun haben, weil sie fett ist. Außer Odette kenne ich kein anderes Mädchen, das Odette heißt. Ich habe sie mal gefragt, woher ihre Eltern diesen Namen haben. Sie wusste es auch nicht so genau, meinte sich aber zu erinnern, dass ihre Mutter mal was von einem Buch erzählt hat, in dem eine Prinzessin Odette hieß. Vielleicht hatten ihre Eltern das im Sinn, als sie ihre Tochter so nannten. Dummerweise ist an Odette nichts hübsch und schon gar nicht prinzessinnenhaft. Ich denke, sie will es auch gar nicht sein. Rein äußerlich gleicht sie eher einem Orca als einer Odette. Ich bin mir sogar sicher, dass sie nicht ein Malin ihrem Leben mit Puppen gespielt hat. Sie trägt immer den gleichen Schlabberpulli und spielt am liebsten Videospiele am PC, World of Warcraft und solches Zeug. Sie ist also ein harter Hund. Und weil sie so eine imposante Erscheinung ist, habe ich in ihrer Gegenwart niemals Angst und fühle mich immer sicher. Dafür helfe ich ihr dann auch bei den Hausaufgaben. Es ist also ein Geben und Nehmen, eine perfekte Symbiose.

Aber ich schweife ab. Ich hatte von meinem Tagesablauf erzählt. Also Schule. Meistens bin ich gegen zwei Uhr nachmittags zurück. In der Regel komme ich direkt nach Hause, lese die Zeitung, zumindest den Lokalteil, und mache danach Hausaufgaben. Am Dienstag gehe ich dann immer in die Bibliothek und höre mir jedes Mal an, wie die alte Bibliothekarin jammert, dass immer weniger Schüler bei ihr vorbeischauen würden und die Tage einer Bücherei wohl gezählt seien. Niemand würde mehr lesen. Womit sie zweifellos recht hat. Aber ich bin gern dort. Manchmal sitze ich nur da und starre aus dem Fenster in den Park, in dem die anderen Jungs Fußball spielen oder Tischtennis. Wenn ich keine Lust zum Lesen habe, blättere ich wahllos in alten Bildbänden, am liebsten in denen über das Mittelalter. Ich mag Ritter und alles, was damit zu tun hat. Ich habe sogar noch eine alte Ritterburg von Playmobil zu Hause, die ich schon ein paar Mal wegwerfen wollte. Dann habe ich es aber doch nie fertiggebracht. Wenn ich mir eine Zeit aussuchen dürfte, in der ich leben wollte, wäre das die Zeit der Ritter. Warum das so ist, fragt ihr? Darum.

Jeden Donnerstag fahre ich mit meiner Mutter zum Einkaufen, am Freitag räume ich mein Zimmer auf. Eigentlich räume ich jeden Tag mein Zimmer auf, aber am Freitag schrubbe ich es richtig durch und mache den Käfig von Qualle sauber. Sagte ich schon, dass ich Angst vor Krankheiten habe? Bisher musste ich erst einmal in meinem Leben in einem Krankenhaus liegen. Es war ein Albtraum. Damals war ich fünf und im Winter mit meinem Schlitten gegen einen Laternenpfahl geknallt. Das Ergebnis war eine Gehirnerschütterung, die mich für zwei Wochen ins Krankenhaus zwang. Es hat dort gestunken wie die Pest, zum einen wegen der ganzen Medikamente und dem Bohnerwachs, mit dem sie den Boden wischten. Zum anderen wegen dem Kind, das mit in meinem Zimmer lag und sich ständig einpinkelte. Ich habe diesen Jungen gehasst und ihn zur Strafe nachts mit Popeln beworfen. Gegen den Geruch geholfen hat das natürlich nicht.

Ich habe mir geschworen, so was nie wieder durchmachen zu müssen. Bis heute achte ich sehr genau darauf, mir keine Krankheiten einzufangen. Ich ziehe mich immer warm genug an, wasche mir regelmäßig die Hände und vermeide es, ungewaschenes Obst zu essen. Ich möchte sagen, ich habe mein Leben im Griff.

Das heißt, ich hatte es im Griff. Bis jetzt. Und ich wette, wenn ihr an meiner Stelle gewesen wärt, hätte es euch genauso aus der Kurve geschossen.

3. Peng!

Kennt ihr das, wenn jemand sagt, kleine Dinge könnten große Veränderungen bewirken? Oder dass sich große Ereignisse durch kleine Taten ankündigen?

Bei uns kündigt sich diese große Veränderung durch einen harmlosen Satz an, den mein Vater, der gerade mal wieder zu Hause ist, vor dem Abendessen fallen lässt.

»Demnächst gehe ich nach Australien.«

Weder meine Mutter noch ich hatten sonderlich zugehört, als er das sagte. »Ich gehe nach Japan, ich gehe nach Finnland, hierhin, dorthin …« hatten wir alles schon gehört, kannten wir zur Genüge. Kein Grund zur Panik. Noch nicht.

»Ach, wie schön«, meint meine Mutter und fährt fort, den Tisch zu decken. »Wie lange diesmal?«

»Drei Jahre«, erklärt mein Vater und räuspert sich.

»Dann bist du ja ganz schön lange weg.«

»Genau.« Mein Vater nickt und sieht uns nacheinander an, bevor er unsicher zu grinsen anfängt. »Und deshalb möchte ich, dass ihr diesmal mitkommt.«

Peng!

Habt ihr das schon mal erlebt, wenn vor euren Augen alles explodiert und die Welt in tausend Teile zerspringt? Wenn alles zerbricht und ihr das Gefühl habt, dass die Welt um euch herum schwarz wird?

Genau so ein Moment ist das jetzt. Viel hätte nicht gefehlt, und meine Mutter hätte die Gläser vom Tisch geworfen.

»Australien?«

Sonst eine eher laute, aufbrausende und nicht so leicht einzuschüchternde Person, lässt sie sich auf einen Stuhl fallen und schnappt nach Luft. Dabei sieht sie mich Hilfe suchend an, als könnte ich an der Situation etwas ändern. »Essen sie da nicht Hunde?«

Wie gesagt, meine Mutter bezieht den Großteil ihres Wissens aus der Glotze.

»Das ist in China«, berichtigt mein Vater. »In Australien essen sie höchstens Kängurus.«

»Diese süßen, kleinen Tiere?« Meine Mutter ist entsetzt, tut zumindest so.

»So klein sind die nicht«, murmelt mein Vater. Das Grinsen ist aus seinem Gesicht verschwunden. »Die können fast zwei Meter groß werden.«

»Ich esse bestimmt kein Känguru.« Meine Mutter kann sich sehr schnell für etwas entscheiden. »Ich esse ja auch kein Wildschwein.«

»Was hat denn Känguru mit Wildschwein zu tun?«

»Na, dass ich beides nicht esse.« Die Logik meiner Mutter. Vielleicht ist sie auch nur verwirrt. Ein weiterer Hilfe suchender Blick in meine Richtung. Ich verstehe und springe ihr zur Seite.

»Ich auch nicht.«

Ich will auf keinen Fall nach Australien. Nicht dass mein Leben hier besonders aufregend wäre. Aber wie bereits gesagt, brauche ich so was auch gar nicht. Jemand hat mal gesagt: Fürchte dich nicht vor der Veränderung, fürchte dich vor dem Stillstand. Alle Welt hat das als klug und weise empfunden, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Dann müsste ja die Hälfte der Menschen in ständiger Furcht leben. Genieße den Stillstand, dann kann dir nichts passieren. So, finde ich, wird ein Schuh draus.

»Wir kennen uns dort doch überhaupt nicht aus«, überlegt meine Mutter jetzt. »Und Freunde haben wir dort ebenfalls keine. Wir kennen gar niemanden.«

Nicht, dass wir hier viele Leute kennen würden.

»Wir können endlich wieder als Familie leben«, gibt mein Vater nun zu bedenken. Es klingt ein bisschen wie eine Drohung.

»Da gibt es Schlangen«, erinnert sich meine Mutter. »Und Krokodile. Erst neulich haben sie im Fernsehen gesagt, dass ein Krokodil versucht hat, einen Mann ins Wasser zu ziehen. Und am Strand hat ein Hai einen Surfer angegriffen. Was, wenn uns das auch passiert?«

»Ich halte es für ausgeschlossen, dass ein Hai dich auf einem Surfbrett angreift«, brummt mein Vater hilflos.

»Und woher willst du das wissen?«

Meine Mutter schüttelt den Kopf und starrt stumm ins Leere. Ich glaube, sie versucht sich gerade vorzustellen, wie sie auf einem Surfbrett von einem Hai angegriffen wird. Nur um meinem Vater zu beweisen, dass er unrecht hat.

Als ich abends schlafen gehen will, kommt mein Vater hinter mir her. Er setzt sich zu mir aufs Bett und ich weiß genau, worum es geht.

»Ich will auch nicht nach Australien«, komme ich ihm zuvor.

Er atmet einmal tief durch, als ob er mir etwas ganz Wichtiges zu sagen hätte. »Du warst doch noch nie dort.«

»Ich war auch noch nie am Nordpol und weiß, dass ich da nicht hinwill.«

Keiner weiß, was er sagen soll.

»Du hast Angst, weil du auf eine andere Schule gehen müsstest, oder?«, rät mein Vater. »Und dir andere Freunde suchen müsstest.«

Ich schweige.

»Weißt du«, spricht er weiter, »es gibt im Leben immer wieder Momente, in denen man Entscheidungen treffen muss. Ob sie richtig oder falsch sind, weiß man meist erst hinterher. Wenn man aber nie was wagt, wird man nie irgendwas wissen.«

Darüber muss ich nachdenken.

»Es gefällt mir bestimmt nicht«, bekräftige ich schließlich hilflos.

Mein Vater überlegt. »Ich mache dir einen Vorschlag: Warum fliegen wir in den Ferien nicht hin und schauen uns alles an? Wir machen dort Urlaub. Dann kannst du sehen, ob es dir gefällt. Und Mama auch. Danach entscheiden wir, ob wir hinziehen wollen. Meine Stelle fängt sowieso erst im Herbst an.«

Das klingt leider fair.

»Und wenn nicht?«

»Dann überlegen wir weiter.«

Damit steht er auf und verlässt das Zimmer.

Und jetzt liege ich hier und grüble, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme. In Gedanken versuche ich, mir die Weltkarte vorzustellen. Deutschland – Australien. Das liegt genau auf der anderen Seite der Erde. So weit weg.

In der Nacht träume ich von Australien, zumindest wie ich es mir vorstelle, viel weiß ich ja nicht davon. Im Traum sehe ich Kängurus und Schlangen, Krokodile und Haie. Und zwischendurch immer wieder meine Mutter, die auf einem Surfbrett vorbeipaddelt. Ich glaube, der Hai hat Angst vor ihr.

4. Und tschüss!

Keine Ahnung, wie mein Vater meine Mutter umgestimmt hat, aber am Ende haben sie sich tatsächlich darauf geeinigt, einen Familienurlaub in Australien zu machen, um danach gemeinsam zu entscheiden, ob wir hinziehen oder nicht. Wahrscheinlich wird diese Entscheidung dann genauso einstimmig gefällt, wie die zu diesem Urlaub. Zu dem ich nie wirklich mein Einverständnis gegeben habe. Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl dabei. Bis zuletzt habe ich versucht, meiner Mutter das Land madigzumachen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

»Da essen sie Würmer. Und Maden. Und Schnecken.«

Meine Mutter zog die Nase kraus. »Wie im Dschungelcamp?«

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