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Ein Klub, der die Geheimisse anderer Menschen sammelt? Als Phil von seinem heimlichen Schwarm Mona gefragt wird, ob er ihrem Geheimklub beitreten möchte, glaubt er zunächst an einen schlechten Scherz. Doch Mona und ihre Freunde meinen es ernst - und für Phil ist es die perfekte Gelegenheit, endlich mehr Zeit mit Mona zu verbringen. Aber je mehr Phil versucht, Mona näherzukommen, desto mehr entzieht sie sich ihm, und Phil wird das Gefühl nicht los, dass sie und ihre Freunde etwas vor ihm verbergen. Und ist es wirklich eine gute Idee, den verhassten Geschichtslehrer auszuspionieren? Was wie ein Spiel beginnt, droht immer mehr außer Kontrolle zu geraten, denn Geheimnisse sind machtvoll und zerstörerisch …
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Veröffentlichungsjahr: 2015
Ein Geheimnis, das man nicht wissen möchte, ist wie ein Geschenk, das man nicht haben will. (Sprichwort) Geheimnisse sind die Würze unseres Lebens. (anderes Sprichwort)
Ein Klub, der die Geheimisse anderer Menschen sammelt? Als Phil von seinem heimlichen Schwarm Mona gefragt wird, ob er ihrem Geheimklub beitreten möchte, glaubt er zunächst an einen schlechten Scherz. Doch Mona und ihre Freunde meinen es ernst – und für Phil ist es die perfekte Gelegenheit, endlich mehr Zeit mit Mona zu verbringen. Aber je mehr Phil versucht, Mona näherzukommen, desto mehr entzieht sie sich ihm, und Phil wird das Gefühl nicht los, dass sie und ihre Freunde etwas vor ihm verbergen. Und ist es wirklich eine gute Idee, den verhassten Geschichtslehrer auszuspionieren? Was wie ein Spiel beginnt, droht immer mehr außer Kontrolle zu geraten, denn Geheimnisse sind machtvoll und zerstörerisch …
1. Jedes Klubmitglied darf jeden Tag zu jeder Zeit in den Klub kommen. Es dürfen keine Klubfremden mitgebracht werden, ohne dass die Mitglieder dem vorher zugestimmt haben.
2. Über den Klub darf außerhalb des Klubs nicht mit Fremden gesprochen werden.
3. Jedes Mitglied ist verpflichtet, regelmäßig ein Geheimnis einzubringen. Hierbei ist es bis zu dreimal möglich, sich von einem anderen Mitglied vertreten zu lassen.
4. Jedes Mitglied muss dem Klub mindestens ein Geheimnis verraten, das ihn selber betrifft. Dies dient zur Sicherung und zur Wahrung der gesammelten Geheimnisse.
5. Jedes weitere Geheimnis darf nicht das Mitglied selbst mehr betreffen, sondern muss von einem Menschen aus seiner Umgebung stammen.
6. Jedes Mitglied verpflichtet sich zur absoluten Ehrlichkeit. Der Klub ist nicht verpflichtet, den Wahrheitsgehalt des Geheimnisses zu überprüfen.
7. Alle Mitglieder verpflichten sich, über das Geheimnis Stillschweigen zu bewahren.
8. Das Geheimnis darf niemals gegen seinen Träger oder einen anderen Menschen verwendet werden.
9. Die Mitglieder verpflichten sich, niemals Geheimnisse über andere Mitglieder zu verraten.
10. Neue Mitglieder dürfen nur nach Zustimmung aller anderen Mitglieder aufgenommen werden.
»Philipp?« Der Lehrer blickt nach unten ins Klassenbuch, während er die Anwesenheitsliste durchgeht. Er wartet. In der Klasse herrscht Ruhe. Schließlich blickt der Lehrer auf.
»Philipp?«, ruft er noch einmal, genervt wegen der in seinen Augen unnötigen Verzögerung.
Immer noch keine Reaktion.
Er kratzt sich unschlüssig am Kinn. »Philipp Martens?«
Ich hebe den Arm.
»Warum meldest du dich nicht gleich?«
»Weil mein Name Phil ist, nicht Philipp.«
»Verstehe.« Säuerlich runzelt er die Stirn, nur ganz kurz, jedoch lange genug, um damit alles zu sagen.
Ich weiß genau, was er denkt: wieder einer mit so einem bekloppten Namen. Warum nennen die Eltern ihn nicht Philipp, wie es richtig wäre? Ich glaube, wir werden nicht besonders gut miteinander auskommen, Herr Walter und ich. Dabei ist heute gerade mal der zweite Tag an der neuen Schule. Zumindest für mich und einen ganzen Haufen anderer Schüler. Ein paar von ihnen feixen jetzt. Sollen sie doch, das bekommen sie umsonst.
Mona grinst nicht. Sie lässt überhaupt keine Reaktion erkennen, sondern sortiert weiter die Stifte in ihrer Tasche, während sie sich geistesabwesend immer wieder eine Haarsträhne hinter das Ohr streicht.
Warum ist sie mir bisher nie aufgefallen? Und warum tut sie es jetzt? Sie sieht heute kaum anders aus als vor den Ferien. Immer noch dieselben haselnussbraunen Haare, die grünen Augen, der schmale, stets leicht zusammengekniffen wirkende Mund. Sie ist nicht wirklich schön, nicht süß oder niedlich, eher spröde. In diesem Sinne ist sie vielleicht doch schön, zumindest würden einige sie vielleicht als schön bezeichnen. Anmutig, trifft es eher, würde ich sagen, wenn man den Begriff heute überhaupt noch verwenden kann. Sie erinnert mich ein wenig an Galadriel, die Elbenkönigin aus den Herr-der-Ringe-Filmen, ohne die Ohren natürlich, und dass ihre Haare eben braun sind. Galadriel empfanden ja auch viele als schön, obwohl sie nicht mein Fall war. Aber seit ich schräg hinter Mona sitze, also seit gestern, muss ich immer wieder zu ihr schauen und ihr glattes, glänzendes Haar und die makellose, leicht schimmernde Haut bewundern, wenn sie an den Seiten und der Rückseite ihres Halses unter dem Haar hervorblitzt. Sie hat einen wirklich langen Hals, ein wenig wie ein Schwan. Und genau wie ein solcher wirkt sie unnahbar. Als wäre sie nicht von dieser Welt oder würde sich nicht dafür interessieren, was um sie herum passiert. Wie sie dasitzt und gedankenverloren ihre Stifttasche einräumt, könnte ich mir gut vorstellen, dass sie selbst durch ein Feuer laufen könnte, ohne auch nur von den Flammen berührt zu werden. Sie würde sich einfach nicht um sie scheren. Apropos Feuer: Vielleicht haben ja der Brand und all die daraufhin einsetzenden Ereignisse meinen Verstand benebelt?
Obwohl es erst wenige Wochen her ist – es passierte in den Osterferien –, kommt es mir vor, als wäre das Feuer in einem früheren Leben passiert. So viel ist zwischendurch geschehen, so viel Chaos und Verwirrung, dass ich die Hälfte von dem, was am Tag des Feuers gewesen ist, schon wieder vergessen habe. Obwohl ich es nie wirklich gesehen habe, allenfalls ein paar träge qualmende Säulen, die in den trüben Vormittagshimmel hinaufstiegen, habe ich merkwürdigerweise ausgerechnet davon ein klares Bild vor Augen. Ich sehe die grellen Flammen, wie sie in der Dunkelheit nach allem greifen, was sie bekommen können, und davon gesättigt in den schwarzen Nachthimmel steigen, ihn erhellen und zu dem Tag machen, der in Wirklichkeit erst Stunden später folgen sollte. Es ist ein Funkenflug wie beim Hexenfeuer in der Walpurgisnacht, genauso laut, knisternd und panisch, und von einer gewaltigen zerstörerischen Kraft.
Dabei erfuhr ich eigentlich erst am nächsten Morgen, besser gesagt am nächsten Vormittag, davon. Meine Mutter kam in mein Zimmer gestürzt und riss mich aus dem Schlaf. »Hast du schon gehört: Eure Schule ist abgebrannt.«
Hast du schon gehört? Dieser Satz war wieder typisch für meine Mutter. Wie sollte ich denn davon gehört haben, wenn sie mich eben erst aus dem Bett holte? In diesem Moment kam ich aber nicht dazu, mir darüber Gedanken zu machen. Es fiel mir erst später wieder ein, als sich die Aufregung allmählich zu legen begann. Viele Dinge sind mir erst später wieder eingefallen.
Ich stürzte ungewaschen und ungekämmt aus dem Haus direkt aufs Fahrrad. Als ich bei der Schule ankam, wimmelte es dort von Menschen. Die Feuerwehr war mit vier Löschfahrzeugen angerückt, die Polizei mit mindestens drei Streifenwagen. Noch eine Menge weiterer Leute stand herum, manche davon wichtig, die meisten aber nur, um zu gaffen. Ich wartete darauf, dass jemand herkommen und uns zum Weitergehen auffordern würde. So wie man es aus dem Fernsehen kannte. »Geht weiter, Leute! Hier gibt es nichts zu sehen.«
Was übrigens niemals der Wahrheit entspricht. Denn warum sollte man stehen bleiben, wenn es nichts zu sehen gibt? Es kam aber niemand. Wahrscheinlich waren sie alle überfordert, zu perplex, um richtig reagieren zu können. Die Autos standen wild in der Gegend herum, völlig unkoordiniert; gerade ein Löschfahrzeug stand so dicht bei der Schulwand, dass zwei Feuerwehrmänner von der ausgefahrenen Leiter aus mit einem Schlauch ins Innere zielen konnten. Es war der Chemieraum, aus dem noch immer einige Rauchwolken drangen. Auf der gesamten Fensterfront waren die Scheiben herausgebrochen, die Splitter und Scherben lagen im Gras vor der Schule, wobei ich nicht sagen konnte, ob das durch die Hitze passiert oder von der Feuerwehr nachträglich verursacht worden war. An den Chemieraum grenzte der Biologieraum; auch dort fehlten Scheiben, und ich fragte mich, ob die vielen Exponate, die dort lagerten, die Käfer und Schmetterlinge, die Gräser und Blüten, die in Alkohol eingelegten Küken, Frösche und Ratten wohl ebenfalls mit verbrannt waren. Da, wo die Flammen nach draußen gedrungen waren, war die Hauswand geschwärzt, sah nun alt und ranzig aus. Überhaupt erinnerte die Schule an einen Bombenangriff.
»Vielleicht war das ein Terroranschlag«, schlussfolgerte dann auch jemand.
Ein anderer antwortete: »Sicher! Wenn die Terroristen die Stadt angreifen, werden sie bestimmt an unserer Schule damit beginnen.«
Ich lief ein wenig herum und entdeckte ein paar Leute aus meiner Klasse. Auch dort blühten bereits die Spekulationen.
»Vielleicht ist ja irgendwas im Chemieraum explodiert«, meinte Bastian Konrad, der von Chemie ungefähr so viel verstand wie meine Mutter, nämlich gar nichts. »Irgendeine Flüssigkeit, eine Säure oder so was.«
»Ganz bestimmt«, pflichtete ihm Sandra Hoffmann bei, die immer alles wusste. »In den Osterferien, nachts, na klar.«
»Hast du eine bessere Idee?«
Hatte sie ausnahmsweise nicht. Niemand hatte eine. Die ganze Sache war komisch. Und rätselhaft. Ich entdeckte etwas Blaues am Boden, das seltsam leuchtete, und stieß mit dem Schuh dagegen. Dann bückte ich mich und zog einen blauen Ohrring unter dem Sand hervor. Er bestand aus drei im Sonnenlicht funkelnden Steinen, und für einen Moment gab ich mich der Illusion hin, dass es vielleicht Diamanten wären. Ich schaute mich um, entdeckte aber niemanden, dem der Ohrring zu gehören schien. Dafür sah ich einen dicken Mann, der mich rücklings gegen ein Auto gelehnt aufmerksam beobachtete. Ich steckte den Ohrring ein und lief weiter.
»Was passiert denn nun mit uns?«, wollte Bastian wissen. »Geht der Unterricht nach den Ferien normal weiter?«
»In den Räumen kann doch niemand mehr Unterricht machen. Jedenfalls nicht auf absehbare Zeit«, meinte Sandra. »Sie werden uns bestimmt an andere Schulen verteilen. Zumindest bis zum Rest des Schuljahres.«
»Oje, hoffentlich komme ich dann nicht aufs Schiller-Gymnasium«, jammerte Bastian. »Da fahre ich über eine halbe Stunde hin.«
Er hatte Glück und kam nicht aufs Schiller-Gymnasium. Dafür bin ich hier gelandet. Obwohl auch ich über eine halbe Stunde bis hierher brauche. Zumindest mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit dem Fahrrad schaffe ich es in fünfzehn Minuten. Mit mir sind 26 weitere Schüler hierhergekommen, die auf die jeweiligen Klassen verteilt wurden, elf davon in meiner Stufe. Unter ihnen eben Mona, die früher in meine Parallelklasse gegangen ist.
Ich linse auf die Uhr. Die Stunde ist gleich vorbei, endlich. Der Lehrer – wie heißt er gleich noch mal: Herr Walter? – leiert in monotoner Stimme seinen Unterricht herunter. Ich bin mir inzwischen sicher, dass ich ihn nicht leiden kann. Er hat was von einem knorrigen Lurch, ein kleiner Kopf und schmale Schultern. Über der Lippe schimmert der Hauch von einem Bart, den man aber eher als Schatten wahrnimmt. Wie alt mag er sein? Sicher noch keine dreißig. Wahrscheinlich ist dies sein erstes offizielles Jahr als Lehrer und wir die Versuchskaninchen.
Als es klingelt, werfe ich einen Blick zu Mona, die ihren Krempel so schnell in die Tasche wirft, dass man denken könnte, sie wäre auf der Flucht. Als sie aus der Tür geht, habe ich für einen Augenblick das Gefühl, dass sie mir einen kurzen Blick zuwirft. Was wohl reines Wunschdenken ist.
Bis heute hat die Feuerwehr übrigens noch nicht herausfinden können, wie es zu dem Feuer gekommen ist. Sie wissen es einfach nicht. Vielleicht sagen sie es auch nur nicht.
In den ersten Tagen nach dem Brand meinten einige Schüler, dass nun vielleicht die Maifeuer abgesagt würden, die jedes Jahr um diese Zeit auf den Dörfern entfacht werden, um die Geister des Winters zu vertreiben. In unserer Gegend gibt es normalerweise eine ganze Menge davon. Doch die Schwarzseher sollten recht behalten: In diesem Jahr finden nur wenige Maifeuer statt; die meisten wurden aus Respekt vor dem, was in unserer Stadt passiert ist, abgesagt. Was dazu führt, dass sich bei den paar Verbleibenden die Menschen drängen.
Auch ich bin da. Warum auch nicht. Ich kann das, was geschehen ist, durch mein Fernbleiben nicht ungeschehen machen. Vielleicht würde ich so auch etwas Neues über das Feuer in der Schule erfahren. Abends machen mehr Gerüchte die Runde als tagsüber. Und wer weiß – möglicherweise würde ich sogar Mona treffen. In der Schule hatte ich sie bisher noch nicht angesprochen. Was hauptsächlich daran liegt, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll. Vielleicht würde sich ja heute eine Gelegenheit ergeben.
Obwohl die Nacht relativ kühl ist, hält man es kaum länger beim Feuer aus. Die ausgetrockneten Baumstämme und Äste sind fast fünf Meter hoch gestapelt, sodass die Hitze gigantisch ist und man das Gefühl hat, dass einem das Gesicht wegbrennt, wenn man zu nah rangeht. In den Flammen knackt und kracht es in einer Lautstärke, als würde ein Riese durch einen Wald stapfen und alles, was ihm vor die Füße gerät, niedertrampeln.
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