Bald sind wir zu viert … - Patricia Vandenberg - E-Book

Bald sind wir zu viert … E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Dr. Laurin ist ein beliebter Allgemeinmediziner und Gynäkologe. Bereits in jungen Jahren besitzt er eine umfassende chirurgische Erfahrung. Darüber hinaus ist er auf ganz natürliche Weise ein Seelenarzt für seine Patienten. Die großartige Schriftstellerin Patricia Vandenberg, die schon den berühmten Dr. Norden verfasste, hat mit den 200 Romanen Dr. Laurin ihr Meisterstück geschaffen. Patricia Vandenberg ist die Begründerin von "Dr. Norden", der erfolgreichsten Arztromanserie deutscher Sprache, von "Dr. Laurin", "Sophienlust" und "Im Sonnenwinkel". Sie hat allein im Martin Kelter Verlag fast 1.300 Romane veröffentlicht, Hunderte Millionen Exemplare wurden bereits verkauft. In allen Romangenres ist sie zu Hause, ob es um Arzt, Adel, Familie oder auch Romantic Thriller geht. Ihre breitgefächerten, virtuosen Einfälle begeistern ihre Leser. Geniales Einfühlungsvermögen, der Blick in die Herzen der Menschen zeichnet Patricia Vandenberg aus. Sie kennt die Sorgen und Sehnsüchte ihrer Leser und beeindruckt immer wieder mit ihrer unnachahmlichen Erzählweise. Ohne ihre Pionierarbeit wäre der Roman nicht das geworden, was er heute ist. Jill Martens war in der Prof. -Kayser-Klinik die Patientin, der momentan die meiste Fürsorge galt. Ja, man konnte sagen, dass sich eine Weile sogar alles um sie gedreht hatte. Schreckliche Erlebnisse verbanden sie und Dr. Leon Laurin, von denen Jills Großmutter Carla Boerden erst nach ihrer Rückkehr von der Weltreise, die sie mit ihrem Lebensgefährten Willie de Moers gemacht hatte, erfuhr. Carla Boerden war eine vitale Frau, der man ihre siebzig Lebensjahre nicht ansah. Zwei Ehen mit sehr kreativen Männern hatten sie ständig in Trab gehalten. Aus der ersten Ehe stammte Dorothy, Jills Mutter, die mit einem amerikanischen Fabrikanten verheiratet gewesen war, der sehr früh starb. Aus der zweiten Ehe mit Professor Boerden stammte der Sohn Sebastian, der es schon in jungen Jahren zum Industriemanager gebracht hatte. Von einer seiner Reisen hatte er seine Frau Caroline mitgebracht, die ein sanftes Wesen hatte und das Herz ihrer Schwiegermutter im Sturm gewann. Für Carla war es ein gewaltiger Schock, als sie – erfüllt von interessanten und herrlichen Erlebnissen – zu Hause ankam und die Geschichte hören musste, die ein wahrhaft spannender Krimi war. Aber da ihre Enkelin Jill eine der Hauptpersonen in diesem Krimi war, konnte sie die Tränen nicht unterdrücken. »Man hat sie entführt und gefangen gehalten?«, stöhnte sie. »O Gott, aber wann das?« Es war nicht einfach für Caroline und Sebastian, ihr alles beizubringen, und wenn sie auch Dorothy schonen wollte, so reagierte Carla doch sehr zornig. »Dieses törichte Ding, wird sie denn nie vernünftig? Sie hatte das Glück, einen anständigen, guten Mann zu bekommen, muss sie sich da mit einem Gangster einlassen?« »Man kann sich in den Menschen täuschen, Ma«, sagte Sebastian begütigend.

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Dr. Laurin – 183 –Bald sind wir zu viert …

… aber noch niemand ahnt die Gefahr für das ungeborene Kind

Patricia Vandenberg

Jill Martens war in der Prof.-Kayser-Klinik die Patientin, der momentan die meiste Fürsorge galt. Ja, man konnte sagen, dass sich eine Weile sogar alles um sie gedreht hatte. Schreckliche Erlebnisse verbanden sie und Dr. Leon Laurin, von denen Jills Großmutter Carla Boerden erst nach ihrer Rückkehr von der Weltreise, die sie mit ihrem Lebensgefährten Willie de Moers gemacht hatte, erfuhr.

Carla Boerden war eine vitale Frau, der man ihre siebzig Lebensjahre nicht ansah. Zwei Ehen mit sehr kreativen Männern hatten sie ständig in Trab gehalten. Aus der ersten Ehe stammte Dorothy, Jills Mutter, die mit einem amerikanischen Fabrikanten verheiratet gewesen war, der sehr früh starb.

Aus der zweiten Ehe mit Professor Boerden stammte der Sohn Sebastian, der es schon in jungen Jahren zum Industriemanager gebracht hatte. Von einer seiner Reisen hatte er seine Frau Caroline mitgebracht, die ein sanftes Wesen hatte und das Herz ihrer Schwiegermutter im Sturm gewann.

Für Carla war es ein gewaltiger Schock, als sie – erfüllt von interessanten und herrlichen Erlebnissen – zu Hause ankam und die Geschichte hören musste, die ein wahrhaft spannender Krimi war. Aber da ihre Enkelin Jill eine der Hauptpersonen in diesem Krimi war, konnte sie die Tränen nicht unterdrücken.

»Man hat sie entführt und gefangen gehalten?«, stöhnte sie. »O Gott, aber wann das?«

Es war nicht einfach für Caroline und Sebastian, ihr alles beizubringen, und wenn sie auch Dorothy schonen wollte, so reagierte Carla doch sehr zornig.

»Dieses törichte Ding, wird sie denn nie vernünftig? Sie hatte das Glück, einen anständigen, guten Mann zu bekommen, muss sie sich da mit einem Gangster einlassen?«

»Man kann sich in den Menschen täuschen, Ma«, sagte Sebastian begütigend. »Dieser Cliff Sanders hatte ein Auftreten, das viele täuschte – und sogar vorsichtige Menschen.«

»Aber er wollte an ihr Geld heran, und weil das nicht ging, wollte er unsere kleine Jill erpressen. Habe ich das richtig verstanden?«

»Nicht ganz, Ma«, warf Caroline ein. »Du sollst dich erst beruhigen, dann wirst du es genau erfahren.«

»Willie wird alle Hebel in Bewegung setzen und alle seine Verbindungen spielen lassen, um diese Bande hinter Gitter zu bringen!«, sagte Carla wütend. »Es muss eine Bande sein. Einer allein kann das nicht durchziehen. Ich bin nicht so dumm, dass ich mir das einreden lasse. Ich will alles wissen bis ins kleinste Detail. Aber zuerst will ich Jill sehen. Dorothy kommt später an die Reihe, aber sie wird wohl schon ahnen, dass ich nicht sanft mit ihr umspringen werde.«

Das ahnte Dorothy Callog allerdings, und sie war gar nicht darauf erpicht, ihrer Mutter schon am ersten Tag der Rückkehr zu begegnen. Sie erging sich immer noch in Selbstvorwürfen, obwohl Ben Landfors, der schon ein alter Freund ihres verstorbenen Mannes gewesen und ihretwegen aus Amerika nach München gekommen war, sich alle Mühe gab, sie zu trösten und aufzumuntern. Aber Jills Zustand war immer noch nicht so stabil, dass man ganz zuversichtlich sein konnte.

»Du wirst es erleben, wie sie mich fertig macht, Ben«, sagte Dorothy verzweifelt. »Für sie zählt sowieso nur Sebastian.«

»Das redest du dir ein, Dotty. Meine Güte, wir sind doch alle keine Kinder mehr, die an Mutters Rockzipfel hängen müssen. Deine Mutter ist auch eine selbstständige Frau, die ihr Leben gemeistert hat.«

»Aber sie hat es verstanden, sich wieder einen reichen Lebensgefährten zu suchen.«

»Nun, wenn du nur darauf aus bist, Dotty, würde es dir auch gelingen, aber du warst ja so überzeugt, dass Sanders was Besonderes ist.«

»Jetzt hackst du auch auf mir herum.«

»Du musst es dir schon gefallen lassen, dass man die Wahrheit sagt, und du solltest dir dieser auch bewusst sein.«

»Ist ja gut, du weißt doch, was ich mir für Vorwürfe mache.«

»Aber sie werden nicht dadurch gemildert oder gar aus der Welt geschafft, wenn du anderen auch Vorwürfe machst.«

»Das will ich ja nicht. Aber Mama hat doch auch zuerst an sich gedacht, als sie sich mit Willie zusammentat.«

»Warum auch nicht? Ihre Kinder waren erwachsen, und sie ist ja schließlich auch nicht gefragt worden, als ihr – du und Sebastian – euch für einen Partner entschieden habt. Wäre es dir lieber, sie hätte dich finanziell beansprucht oder gar erwartet, dass du dich um sie kümmerst?«

»So ist sie doch gar nicht. Nie und nimmer hätte sie das erwartet.«

»Dann hast du allen Grund, froh und dankbar zu sein, eine solche Mutter zu haben. Ich kenne nämlich andere Fälle.«

Dorothy schwieg. Sie fühlte sich mal wieder beschämt.

»Es ist ja auch scheußlich, dass Mama allen Grund hat, mir Vorwürfe zu machen«, murmelte sie nach einer Weile.

»Warte doch mal ab, ob sie dir welche macht, Dotty.«

Er nahm ihre Hände und sah sie aufmunternd an. »Ich weiß, dass es für dich eine schwierige Situation ist, Dotty, aber vordringlich ist Jill, und ich meine, so wird auch deine Mutter denken.«

»Wenn du nur Recht behieltest«, sagte sie leise.

Ben nahm sich vor, mit Carla zu sprechen. Aber zuerst mussten sie abwarten, was Carla sich nun vorgenommen hatte.

*

Carla war in Begleitung von Willie und Caroline zur Prof.-Kayser-Klinik gefahren. Caroline hatte Jill schon mehrmals besucht.

Bevor sie aber die Klinik betraten, wollte Carla, die in allem sehr gründlich war, nochmals bestätigt haben, was sie über Jill und Jerry erfahren hatte.

»Also, sie sind rechtmäßig verheiratet, ja?«

»Und sie haben auch die Absicht, es zu bleiben. Aber ich sollte dir wohl doch sagen, dass Jill schwanger ist, Mama.«

»Sie ist schwanger und hat diese Tortur überstanden?«, murmelte Carla. »Gott im Himmel, was müssen das für Gangster gewesen sein. Ich bin außer mir!«

»Ich sollte dir noch etwas sagen, Mama«, fuhr Caroline fort. »Dr. Laurin war auch entführt worden. Sicher können dir andere das alles besser erzählen, und du wirst es wohl auch von Dr. Laurin genauer erfahren, aber ich möchte dich doch darauf vorbereiten, dass du einiges noch nicht weißt.«

»Und sicher sehr viel Unangenehmes. Aber jetzt bin ich schon auf alles gefasst, wenn nur Jill diese schlimme Geschichte gut übersteht.«

Aber sie betrat die Prof.-Kayser-Klinik doch mit sehr gemischten Gefühlen.

Ohne Weiteres durfte auch Carla Boerden nicht zu ihrer Enkelin. Jill war die bestbewachte Patientin, und das musste auch so sein. Man konnte ja nicht wissen, ob Sanders oder Ritter nicht noch Komplicen hatten, die auf eigene Faust versuchen würden, an das große Geld heranzukommen.

Dr. med. Claus Ritter war wahrhaftig keine Zierde seines Berufsstandes gewesen, und es gab viele Ärzte, die heilfroh waren, dass er nicht mehr lebte. Er war der Drahtzieher gewesen, der all diese schrecklichen Geschehnisse eingeleitet hatte. Es war einer jener tragischen Zufälle gewesen, dass Cliff Sanders zu dieser Clique stieß, die sich ihr Geld auf den verschiedensten Gebieten verdiente, die allesamt nicht seriös waren.

Ritter war Arzt gewesen, aber einer mit anrüchiger Lebensweise. Ein Gynäkologe, der sich überwiegend damit bewies, dass er Eingriffe machte, die andere ablehnten.

Er war ins Gerede gekommen durch einen Todesfall. Dr. Laurin hatte in dem Gremium gesessen, das ihm dann Berufsverbot auferlegte. Aber nur auf Leon Laurin hatte sich dann Ritters Hass und Rachsucht gerichtet, weil Dr. Laurin zu den Ärzten gehörte, die hohes Ansehen genossen.

Von Dr. Laurin erfuhr Carla nun genau, was sich jüngst ereignet hatte.

Fassungslos lauschte Carla. »Es war ein Kollege von Ihnen, der Sie entführen ließ?«

»Als Kollegen möchte ich ihn nicht bezeichnen, aber unter Ärzten gibt es eben auch schwarze Schafe, und wenn man ihnen auf die Schliche kommt, suchen sie einen Schuldigen, bevor sie ihre Schuld einsehen.«

»Aber er kannte Jill doch nicht. Oder wusste er, dass sie bei Ihnen gewesen war?«

»Nein, das wusste er zum Glück nicht, und Sanders wusste es auch nicht. So konnte ich mich mit Jill durch Gesten und Blicke verständigen, und ich bin sehr froh, dass sie so geistesgegenwärtig reagierte und ich erklären konnte, dass sie gar nicht schwanger sei.«

»Warum das?«, fragte Carla verwirrt.

»Weil ich ausersehen war, bei ihr eine Schwangerschaftsunterbrechung vorzunehmen. Ihr Kind sollte nicht zur Welt kommen, und daran wollte man dann mir die Schuld zuschieben. Nicht gerade klug überlegt, aber immerhin stand auch mein Leben auf dem Spiel, wie möglicherweise auch Jills, wenn ich nicht eine kluge Frau hätte, die einen Hinweis geben konnte, wer hinter dieser Entführung steckte.«

»Und meine Tochter Dorothy hat diesen Verbrecher nicht durchschaut«, stöhnte Carla Boerden. »Ich werde sie mal richtig ins Gebet nehmen. Es ist einfach unglaublich, dass sie so wenig Menschenkenntnis besitzt. Aber glücklicherweise hat ja Mac, ihr leider früh verstorbener Mann, geahnt, wie leicht sich Dorothy täuschen lässt, und hat deshalb dieses Testament gemacht, in dem er Dorothy nur als Vorerbin einsetzte. Ohne Jills Einwilligung kam sie an keine größere Summe heran, als Jill volljährig wurde.« Sie hielt fast erschrocken inne, weil ihr blitzartig die Erkenntnis kam, warum Jill entführt worden war.

»Ist es etwa so, dass dieser Sanders so an das große Geld herankommen wollte?«

»So ist es, und dazu wollte man noch ein paar Millionen für meine Freilassung. Aber sie hatten beide zu hoch gepokert, Sanders wie auch Ritter. Zuerst hatten sie Jerry krankenhausreif geschlagen und betäubt, und so waren sie an Jill herangekommen. Und dann spielte auch noch eine Frau namens Cassy Calvert eine Rolle.«

»Nie gehört, aber es mag ein Glück sein, wenn man mit solchen Kreaturen nicht in Berührung kommt.«

Dann lernte sie Jerry kennen, der gerade aus Jills Zimmer kam. Freilich musterte sie nun auch ihn misstrauisch, aber dann erklärte sie lächelnd, dass sie mit ihm einverstanden sei.

Jerry litt noch immer psychisch unter dem Geschehen. Es hatte ihn auch äußerlich verändert. Die ersten Falten hatten sich eingegraben in seinem Gesicht, schmal war es geworden und sehr ernst.

»Kann ich jetzt zu Jill?«, fragte Carla.

»Ja, gewiss«, erwiderte Dr. Laurin. »Aber nicht an das Geschehen rühren. Sie kann sich an manches nicht erinnern.«

»Sie denkt nur an das Baby«, erklärte Jerry.

»Wann soll es denn kommen?«, fragte Carla.

Jerry sah Dr. Laurin ängstlich fragend an.

»Es wird noch dauern«, erwiderte der Arzt, »in etwa fünf Monaten, wenn nichts dazwischenkommt.«

»Ist das zu fürchten?« Carlas Stimme zitterte.

»Bisher hat Jill mehr gelitten als das werdende Kind, denn das entwickelt sich, aller Unbill zum Trotz, ganz normal. Jetzt kommt es darauf an, dass Jills Gesamtzustand sich bessert. Der Schock sitzt noch zu tief, und nun kommen langsam die Erinnerungen, die sie quälen.«

»Ich werde sie schon aufmuntern«, sagte Carla zuversichtlich. »Ich bin kein Jammerlappen. Ich sehe auch nicht alles schwarz. Hoffen kann ich nur, dass meine leichtsinnige Tochter sich nicht selbst bejammert.«

»Das tut sie nicht«, warf Jerry ein. »Natürlich macht sie sich Vorwürfe, aber die machen sich meine Eltern auch, weil sie meinen, sich falsch verhalten zu haben. Mittlerweile verstehen wir uns alle aber schon sehr gut, und ich hoffe, dass Sie da keine Ausnahme machen werden.«

»Die werde ich machen, wenn du nicht sofort das Sie weglässt«, sagte Carla. Sie legte die Hand auf seinen Arm. »Schau, Jerry, ich sollte auch in mich gehen. Ich schwirre in der Welt herum, ahnungslos, ohne mir Gedanken zu machen, dass zu Hause auch etwas schiefgehen könnte. Und wir waren gar nicht zu erreichen, weil wir ja dauernd unterwegs waren.«

»Wir wollen aber nicht gegenseitig aufrechnen, was wir unterlassen oder falsch gemacht haben«, sagte Jerry. »Wenn ich Jill nicht allein gelassen hätte, wäre das sicher nicht passiert. Und wenn wir nicht heimlich geheiratet hätten, wäre Sanders nicht nach München und in diese Gesellschaft gekommen. Und es gibt auch noch andere Dinge, die unterlassen worden wären. Wir können nur froh sein, dass Jill geholfen werden kann.«

»Wird sie ganz gesund werden, Herr Dr. Laurin? Können wir ihr helfen?«, fragte Carla.

»Aber sicher. Liebe ist immer die beste Medizin, und das Gefühl der Geborgenheit gibt Kraft. Ich habe das auch dankbar empfunden, als ich wieder zu Hause sein durfte.«

»Wurde ein hohes Lösegeld gefordert?«, fragte Carla.

»Gefordert schon, aber es brauchte nicht mehr bezahlt zu werden, weil alles vorher aufflog. Dazu trug auch ein tüchtiger Polizeibeamter bei, der sehr schnell gehandelt hat.«

Dann konnte Carla endlich zu Jill, deren Augen ganz weit wurden, als sie ihre Granny erkannte. Ja, sie wurde sofort erkannt, obwohl Jill sie schon lange nicht mehr gesehen hatte.

Viel zu lange, wie Carla jetzt dachte, aber daran gab sie sich die Schuld, denn sie hätte ja auch öfter mal nach Amerika fliegen können, anstatt in andere ferne Länder.

Sie hielt Jills Hände. Und die Kranke lächelte. »Du bist wieder zu Hause, Granny, wie froh ich bin.«

»Es tut mir sehr leid, dass ich nicht da war, als du mich besuchen wolltest, Jill. Caroline hat es mir erzählt. Gefällt sie dir?«

»Ja, sehr, Granny. Und Dotty hat jetzt auch eine andere Einstellung. Du darfst nicht mehr böse mit ihr sein.«

»Ich bin nicht böse, aber ich sage immer meine Meinung, Kleines, und mit Dotty bin ich wirklich nicht ganz zufrieden.«

»Sie mit dir aber auch nicht, Granny. Das darfst du ihr aber nicht übel nehmen. Du hast nur das Glück, dass du einen anständigen Lebensgefährten bekommen hast. Aber Dotty wird jetzt bestimmt vernünftig, weil Ben auf sie aufpasst.«

»Wer ist Ben?«, fragte Carla gleich misstrauisch.

»Ben Landfors, Sandras Vater. Du weißt doch, dass er mit Daddy befreundet war.«

»Und warum hat sich Dotty nicht gleich an ihn gehalten?«

»Lieber Gott, er war verheiratet, und sie waren Freunde. Und dann kam diese Versuchung.«

»Na, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, aber ich werde mich eigehend mit Dotty darüber unterhalten. Sie soll lieber erst einmal in sich gehen und Ordnung in ihr Leben bringen. Das muss ich allerdings auch, denn jetzt geht bei mir viel durcheinander.«

»Dotty ist immer noch naiv, Granny. Sie lässt sich zu sehr täuschen. Aber vielleicht ist das auch Torschlusspanik.«

»Liebe Güte, wenn ich das sagen würde … Aber ich habe es auch nie gedacht, Kleines. Gut, wenn man einen Mann findet, mit dem man sich versteht, wenn man die gleichen Interessen hat.«

»Dotty dachte eben auch, dass du Sebastian lieber hättest als sie, und deswegen wollte sie sich nicht aufdrängen.«

»So ein Schmarrn, mit Verlaub gesagt. Sebastian täte auch gut daran, sich mehr um seine Frau zu kümmern und weniger um seine Karriere. Caroline ist sehr viel allein, und deshalb natürlich froh, bei mir wohnen zu können. Sie ist ein lieber Mensch.«

»Caroline hätte sicher gern Kinder«, sagte Jill. »Weißt du eigentlich, dass ich ein Baby bekommen werde?«

»Es wurde mir gesagt.«

»Deshalb muss ich mich schonen. Es war alles sehr aufregend. Hast du auch schon was erfahren?«

»Ja, einiges.«

»Dr. Laurin ist ein wundervoller Arzt und Mensch, Granny. Ich habe ihm mein Leben zu verdanken, und auch mein Baby wird das hoffentlich sagen können.«

»Wir werden sehr auf dich aufpassen, Jill.«

Jerry hatte den Atem angehalten, denn so offen hatte Jill noch nie über sich, über das Baby und Dr. Laurin gesprochen.

»Ich kann mich nicht an alles erinnern, Granny, aber mir hilft ja auch keiner weiter«, klagte die Patientin.

»Weil es besser ist, wenn du dich selbst erinnerst, Jill«, warf Jerry ein. »Es könnte doch sein, dass man etwas Falsches sagt, und dann meinst du, es sei so gewesen, und es hakt sich fest.«

»Vielleicht will ich mich auch an manches gar nicht erinnern.«

»Dann muss es auch nicht sein. Die Hauptsache ist, dass du uns erkennst, dass du dich an das erinnerst, was wichtig für uns ist.«

»Das Baby, zuallererst das Baby. Ich habe gedacht, dass es mir gehört, wenn du mich verlassen würdest, Jerry.«

»Aber ich werde dich niemals verlassen, Jill. Ich war nur zu sehr darauf bedacht, dir alles bieten zu wollen, was du gewöhnt bist, sodass ich nicht daran dachte, wie viel wichtiger es ist, dass wir zusammen sind.«

»Ich habe ja auch dazu beigetragen, Jerry«, sagte Jill, »weil ich wollte, dass du alles erreichst, was du dir vorgenommen hast.«