Bambi stiftet ein Familienglück - Patricia Vandenberg - E-Book

Bambi stiftet ein Familienglück E-Book

Patricia Vandenberg

0,0

Beschreibung

IM SONNENWINKEL ist eine Familienroman-Serie, bestehend aus 75 in sich abgeschlossenen Romanen. Schauplatz ist der am Sternsee verträumt gelegene SONNENWINKEL. Als weitere Kulisse dient die FELSENBURG, eine beachtliche Ruine von geschichtlicher Bedeutung. Der Sonnenwinkel ist eine Zusammenfassung der kleinen Orte Erlenried und Hohenborn, in denen die Akteure der Serie beheimatet sind. Die einzelnen Folgen behandeln Familienschicksale, deren Personen wechseln, wenn eine Handlung abgeschlossen ist. Im Mittelpunkt, jedoch als Rahmenhandlung, stehen die immer wiederkehrenden Hauptpersonen, die sich langsam weiterentwickeln. So trennt den ersten und letzten Roman in etwa ein Jahrzehnt. Professor Werner Auerbach war sehr erschrocken, als er seine Frau, in Tränen aufgelöst, in der Küche sitzend vorfand. Das war ein höchst seltener Anblick. »Ingelein, was ist denn?« fragte er beklommen. »Bambi muß in die Klinik! Ihr müssen die Mandeln herausgenommen werden!« kam es bebend über ihre Lippen. »Aber, mein Liebes, davon geht doch die Welt nicht unter. Das ist doch heutzutage eine Bagatellsache«, sagte er tröstend. Sie sah ihn durch einen Tränenschleier empört an. »Allein daß Bambi in die Klinik muß, ist keine Bagatellsache!« ereiferte sie sich. »Mein armes Kleines! Sogar streng bemessene Besuchszeiten haben sie auf der Kinderstation.« Werner Auerbach nahm beruhigend Inges Hand. »Wie ich dich kenne, mein Schatz, wirst du solche strengen Vorschriften rigoros oder diplomatisch durchbrechen«, erklärte er aufmunternd. »Und wie ich unsere Bambi kenne, wird sie das Bestmögliche aus diesen Tagen machen.« So ganz einerlei war es ihm natürlich auch nicht, daß der kleine Liebling der ganzen Familie Auerbach solches erdulden mußte, aber er wollte seine Frau nicht noch mehr betrüben.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 71

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Im Sonnenwinkel – Neue Edition – 17 –Bambi stiftet ein Familienglück

Patricia Vandenberg

Professor Werner Auerbach war sehr erschrocken, als er seine Frau, in Tränen aufgelöst, in der Küche sitzend vorfand. Das war ein höchst seltener Anblick.

»Ingelein, was ist denn?« fragte er beklommen.

»Bambi muß in die Klinik! Ihr müssen die Mandeln herausgenommen werden!« kam es bebend über ihre Lippen.

»Aber, mein Liebes, davon geht doch die Welt nicht unter. Das ist doch heutzutage eine Bagatellsache«, sagte er tröstend.

Sie sah ihn durch einen Tränenschleier empört an. »Allein daß Bambi in die Klinik muß, ist keine Bagatellsache!« ereiferte sie sich. »Mein armes Kleines! Sogar streng bemessene Besuchszeiten haben sie auf der Kinderstation.«

Werner Auerbach nahm beruhigend Inges Hand. »Wie ich dich kenne, mein Schatz, wirst du solche strengen Vorschriften rigoros oder diplomatisch durchbrechen«, erklärte er aufmunternd. »Und wie ich unsere Bambi kenne, wird sie das Bestmögliche aus diesen Tagen machen.«

So ganz einerlei war es ihm natürlich auch nicht, daß der kleine Liebling der ganzen Familie Auerbach solches erdulden mußte, aber er wollte seine Frau nicht noch mehr betrüben.

Und einerlei war es auch Bambi nicht, sich von ihren Lieben zu trennen.

Mit stiller Duldermiene hatte sie es eben den Großeltern berichtet, die im Nebenhaus wohnten.

»Raus müssen die blöden Mandeln«, sagte sie. »Dr. Riedel meint, das muß sein, weil sie streuen. Was sie streuen, weiß ich nicht mehr. Weißt du es, Opi?«

»Bakterien«, erklärte Magnus von Roth.

»Ja, Baktierien.« Bambi nickte eifrig. »Die wandern dann im Körper rum und verursachen alle möglichen Krankheiten.«

Sie hatte sich bei Dr. Riedel, der auch im Sonnenwinkel wohnte, schon eingehend informiert.

Bambi wollte lieber alles ganz genau wissen, bevor sie sich in eine solche Klinik begab, mit der die Familie bisher keine allzuguten Erfahrungen gemacht hatte.

Das ging zwar nicht gegen die Ärzte, aber wenn mal jemand von ihnen in die Klinik mußte, war es immer gleich recht schlimm gewesen.

So war es bei Ricky, der älteren Auerbach-Tochter, Entbindung und auch vorher schon bei der Blinddarmoperation ihres jungen Ehemannes Fabian nicht ohne Komplikationen abgegangen.

Magnus und Teresa von Roth waren demzufolge auch recht bedrückt. Aber als Bambi das merkte, machte sie sich stark.

»Es dauert ja nicht lange«, erklärte sie tapfer. »Ich brauche auch nur eine Woche im Krankenhaus zu bleiben. Eigentlich mag ich Mandeln im Kuchen recht gern, aber die im Hals sind scheußlich, und sie schmecken auch nicht gut. Und schlucken kann man auch nicht richtig, wenn sie entzündet sind.«

»Aber wenn sie dann raus sind, wird es dir um so besser gehen, und sie können auch keine Bakterien mehr streuen«, stellte Magnus von Roth fest. »Du bist ja unsere tapfere Bambi.«

Na, gar so tapfer war sie auch wieder nicht, denn daß sie von allen weg sollte, trieb ihr schon Tränen in die Augen.

»Ich werde euch bloß so ganz schrecklich vermissen«, sagte sie leise. »Ich war doch noch nie weg.«

Magnus von Roth schneuzte sich erst einmal ausgiebig. Es ging ihm sehr nahe, daß Bambis sonst so strahlende Augen so traurig blickten. Teresa von Roth schaute minutenlang zum Fenster hinaus.

»Wir werden dich jeden Tag besuchen, mein Schätzchen«, bemerkte sie.

»Das geht doch nicht, weil man nicht jeden Tag rein darf«, erklärte Bambi niedergeschlagen. »Nur an Besuchstagen, und dann auch nur von drei bis fünf. Die sind schon sehr streng.«

Dr. Riedel hatte sie anscheinend schon gut vorbereitet, damit sie nicht gar zu enttäuscht war.

»Aber was sein muß, muß eben sein«, seufzte sie, »ich will ja nicht richtig krank werden von den Bakterien.«

»Das ist sehr vernünftig, mein Kleines«, äußerte Magnus von Roth. »Telefonieren werden wir ja können.«

»Ja, das können wir«, nickte sie. »Ich muß nämlich ganz viel reden, wenn die Mandeln raus sind. Und dann soll ich auch nicht allein sein im Zimmer. Na, ich bin gespannt, ob es wenigstens ein nettes Kind ist.«

Inge Auerbach war nicht so recht einverstanden, daß Bambi kein Einzelzimmer bekommen sollte, denn sie hätte ihre Tochter dann doch öfter besuchen können. Aber das hielt Dr. Riedel nicht für ratsam. Die Zeit würde ihr bestimmt schneller vergehen, wenn sie Gesellschaft hätte, meinte er.

So standen die nächsten Tage unter dem Schatten der bevorstehenden Operation, und demzufolge herrschte eine sehr bedrückte Stimmung im Sonnenwinkel, auch unter Bambis Spielgefährten.

Keiner konnte ahnen, welche Folgen Bambis Aufenthalt in der Klinik für einige Menschen haben sollte.

*

Der vierzehnjährige Hannes war still und blaß, als der aufregende Tag nahte.

»Wenn sie dich piesacken, kriegen sie es mit mir zu tun!« sagte er grimmig zu seiner kleinen Schwester. »Ich schreibe dir auch jeden Tag, Bambi.«

»Aber schön deutlich in Druckbuchstaben, damit ich es auch selber lesen kann«, erwiderte sie. Das konnte sie nämlich schon, wenn die Worte nicht zu schwer waren, obgleich sie noch nicht zur Schule ging.

Bambi war nicht nur ein bezauberndes Kind, sondern für ihr Alter auch ungewöhnlich intelligent. Und geliebt wurde sie, wo immer sie mit ihrem bezwingenden Charme in Erscheinung trat.

Werner und Inge Auerbach begleiteten sie in die Klinik. Für sie war es ein schwerer Gang, aber Bambi hatte sich ganz fest vorgenommen, ihnen das Herz nicht schwerzumachen.

»Ist ja eh scheußliches Wetter«, meinte sie. »Da fällt es nicht schwer, im Bett zu liegen. November ist kein schöner Monat.«

Ein Arzt kam ihnen entgegen, als sie die Klinik betraten. Er war mittelgroß und schlank und hatte graumelierte Haare. Er war in Gedanken versunken, und diese schienen nicht erfreulicher Natur zu sein.

Bambi ließ ihre wachsamen Blicke umherschweifen und sah, daß eine recht hübsche junge Dame auf ihn wartete.

»Ich melde uns an«, erklärte Werner Auerbach und ging zur Verwaltung.

Bambi blieb mit ihrer Mami in der Halle zurück.

Sie hörte, wie der Arzt und die junge Dame erregt miteinander sprachen.

»Wenn es so weitergeht, Kurt, fahre ich zu meinen Eltern«, sagte die Dame.

»Tu, was du nicht lassen kannst«, erwiderte er. »Was kann ich denn dafür, daß wir so überlastet sind. Es wird besser, wenn Lebrecht zurück ist, Sibylle. Du hast doch gewußt, daß du einen Arzt heiratest.«

»Aber nicht, daß er mehr mit seinem Beruf verheiratet sein würde als mit mir«, entgegnete die Dame, die Bambi nun sehr interessierte, gereizt. »Also dann, ich fahre heute. Denk mal nach, was aus unserer Ehe werden soll.«

Bambi fand es gar nicht nett, wie sie mit ihrem Mann sprach. So etwas war sie nicht gewohnt. Was ihr Papi wohl sagen würde, wenn Mami so mit ihm redete? Ob Mami das auch gehört hatte?

Werner Auerbach kam, und da drehte sich der Arzt gerade um, während seine Frau sich rasch entfernte.

»Professor Auerbach?« fragte der Arzt. »Mein Name ist Bernhold. Dr. Riedel hat mir Ihr Töchterchen schon angekündigt.«

Seine Stimme klang jetzt ruhig und warm. Bambi war sofort bereit, ihn sympathisch zu finden, und ganz bestimmt war nur seine Frau schuld, wenn sie sich nicht verstanden.

Sie hatte zu ihm gleich Vertrauen, und wenn ihr auch bange war, wußte sie es doch gut zu verbergen.

Dr. Bernhold hatte auch Inge Auerbach höflich begrüßt und wandte sich nun Bambi zu.

»Du heißt Bambi, wie ich von Dr. Riedel hörte«, sagte er freundlich.

»Eigentlich Pamela«, erklärte sie, »aber Bambi werde ich gerufen.«

Ein sehnsüchtiger Schimmer war in den grauen Augen des Arztes, als er das reizende kleine Mädchen betrachtete.

»Bambi klingt sehr hübsch«, stellte er fest. »Du hast doch keine Angst vor mir?«

»Vor dir nicht, aber vor den Mandeln schon«, gab Bambi zu.

»Die werden ganz schnell heraus sein«, meinte er aufmunternd. »Morgen um zehn Uhr, gnädige Frau«, fuhr er zu Inge gewandt fort. »Schwester Regine wird sich jetzt um dich kümmern, kleines Fräulein. Sie ist sehr lieb.«

Bambi sah ihn forschend an. Ob er wohl Krach mit seiner Frau hatte, weil er Schwester Regine lieb fand? überlegte sie.

Schwester Regine kam. Sie war jung, blond und zierlich, und ihr Lächeln war wirklich lieb, wie Bambi feststellte. Ein zärtlicher Abschied von ihren Eltern folgte.

»Bin ja bald wieder bei euch, Mami«, sagte sie zuversichtlich. »Arbeite nicht so viel, Papi. Geh lieber mit Mami spazieren. Allerliebste Grüße an Omi und Opi, Ricky und Fabian. Ein Bussi für Henrik und eins für Hannes, wenn er es auch nicht mehr so gern hat. Und alle anderen grüßt auch schön.«

Sie schluckte, winkte und trabte dann an Schwester Regines Hand zu dem Zimmer, das für die nächste Woche ihre Bleibe sein sollte.

»Wir haben nämlich eine große Familie«, erzählte sie, weil nun doch wieder die Tränen kamen. »Und ich habe alle sehr, sehr lieb.«

»Es ist schön, wenn man eine Familie hat«, sagte Schwester Regine.