Bange Ahnung - Patricia Vandenberg - E-Book

Bange Ahnung E-Book

Patricia Vandenberg

0,0

Beschreibung

Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. Dr. Mit ernster Miene betrachtete Dr. Norden die Befunde der Patientin, die er nun erwartete. Er war unentschlossen, was er ihr sagen sollte. Zum Überlegen blieb ihm jedoch keine Zeit mehr. Dagmar Trebitz betrat das Sprechzimmer. Mit einem charmanten Lächeln reichte sie Dr. Norden die Hand. Sie schien sich keinerlei Sorgen zu machen. Wer hätte auch nur vermuten können, was schwarz auf weiß auf Dr. Nordens Schreibtisch lag, wenn er diese Frau sah. Fünfundvierzig Jahre war Dagmar Trebitz, eine schlanke, elegante Frau, sehr gepflegt ohne übertriebenes Make-up, eine Lady vom Scheitel bis zur Sohle. Ihre großen graublauen Augen waren fragend auf den Arzt gerichtet. »Was gucken Sie denn so ernst?« fragte sie heiter. Man hätte nicht sagen können, daß diese Heiterkeit gespielt wirkte. »Ich weiß doch, daß bei mir einiges durcheinandergeraten ist, also heraus mit der Sprache.« Sie war nie wehleidig gewesen, sie konnte alles überspielen, was sie plagte. Sie war eine Frau mit ungeheurer Selbstbeherrschung. Dr.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2022

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Dr. Norden Extra – 54 –Bange Ahnung

Patricia Vandenberg

Mit ernster Miene betrachtete Dr. Norden die Befunde der Patientin, die er nun erwartete. Er war unentschlossen, was er ihr sagen sollte. Zum Überlegen blieb ihm jedoch keine Zeit mehr.

Dagmar Trebitz betrat das Sprechzimmer. Mit einem charmanten Lächeln reichte sie Dr. Norden die Hand. Sie schien sich keinerlei Sorgen zu machen.

Wer hätte auch nur vermuten können, was schwarz auf weiß auf Dr. Nordens Schreibtisch lag, wenn er diese Frau sah. Fünfundvierzig Jahre war Dagmar Trebitz, eine schlanke, elegante Frau, sehr gepflegt ohne übertriebenes Make-up, eine Lady vom Scheitel bis zur Sohle.

Ihre großen graublauen Augen waren fragend auf den Arzt gerichtet.

»Was gucken Sie denn so ernst?« fragte sie heiter. Man hätte nicht sagen können, daß diese Heiterkeit gespielt wirkte. »Ich weiß doch, daß bei mir einiges durcheinandergeraten ist, also heraus mit der Sprache.«

Sie war nie wehleidig gewesen, sie konnte alles überspielen, was sie plagte. Sie war eine Frau mit ungeheurer Selbstbeherrschung.

Dr. Norden kannte sie gut. Er wußte auch, daß sie im Grunde gar nicht wissen wollte, was die Blutuntersuchung ergeben hatte, aber nach außenhin tat sie immer so, als könne sie nichts erschüttern.

»Sie sollten sich einer sehr gründlichen klinischen Untersuchung unterziehen, Frau Trebitz. Ich habe in meiner Praxis leider nicht die Möglichkeiten, eine genaue Diagnose zu stellen.«

Sie merkte, wie schwer es ihm fiel, die richtigen Worte zu finden und sah ihn wieder forschend an.

»Dann ist es also ernst«, sagte sie ruhig, aber jetzt klang ihre Stimme doch etwas gepreßt. »Eine klinische Untersuchung über mehrere Tage? Ich hasse Krankenhäuser, aber da mein alter Freund Bentorf nach München berufen wurde, werde ich mich dazu aufraffen. Was wird er wohl sagen, wenn ausgerechnet ich zu seinen ersten Patientinnen in seinem neuen Wirkungskreis gehören werde.«

Sie spielte ihre Beklemmung lächelnd herunter. »Sie haben doch sicher gehört, daß Martin Bentorf Chefarzt in der Uni-Klinik geworden ist.«

»Er hat die Professur also angenommen«, sagte Dr. Norden. »Das freut mich. Ich habe ihn vor drei Jahren auf dem Chirurgenkongreß kennengelernt. Diese Begegnung hat großen Erinnerungswert für mich.«

»Sie haben ja auch die gleiche Einstellung«, sagte Dagmar.

»Wollen Sie sich selbst mit ihm in Verbindung setzen?« fragte Daniel Norden zögernd.

Sie lächelte. »Ich treffe ihn heute abend, aber ob es ihm gefällt, mich als Patientin zu betrachten? Man wird sehen. Sie werden ja sicher auch mit ihm sprechen und ihm all das sagen, was Sie mir nicht sagen wollen. Ich will es auch gar nicht hören, solange noch Zweifel offen sind«, fügte sie rasch hinzu.

Für ihn gab es kaum noch Zweifel, so gern er die Befunde auch in Frage gestellt sehen wollte. Er fragte sich, wie stark Dagmar Trebitz’ Psyche wirklich war.

*

Abends sprach er mit seiner Frau Fee darüber. Fee war zuerst erschrocken, aber dann meinte sie, daß es für eine Operation wohl noch nicht zu spät sei.

»Es ist ja nicht nur der Uterus, es ist auch ihr Herz, Fee. Aber sie nimmt es gelassen hin.«

»So wird es nicht sein. Sie zeigt nur nicht, wie es in ihrem Innern aussieht. Wenn man bedenkt, was diese Frau alles durchgemacht hat…«

Über ihr Leben dachte an diesem Abend auch Dagmar Trebitz nach, hatte sie doch das Gefühl, an einer Wende zu stehen, nachdem sie die Praxis von Dr. Norden verlassen hatte.

Sie war allein in dem wunderschönen Haus, das sie ganz nach ihrem Geschmack eingerichtet hatte.

Vor zwanzig Jahren hatte sie den Fabrikanten Bernhard Trebitz geheiratet. Sie war als Modezeichnerin in seiner Firma für Damenkonfektion angestellt, und er war auf sie aufmerksam geworden, weil sie nicht nur bildhübsch, sondern auch sehr talentiert war. Er legte Wert darauf, daß auch eine schöne Frau Leistung erbrachte. Erfolg und Geld waren für ihn die Hauptsache, aber er war auch ein gutaussehender Mann. Dagmar bewunderte ihn, weil er sein Unternehmen innerhalb kurzer Zeit zu einem führenden in der Modebranche gemacht hatte. Und sie trug mit dazu bei. Sie waren ein gutes Team, und es hätte keine ernsthaften Differenzen zwischen ihnen gegeben, wenn da nicht Nina gewesen wäre, die Tochter aus seiner ersten kurzen Ehe, die mit dem Unfalltod seiner Frau ein dramatisches Ende gefunden hatte. Als Nina ein niedliches kleines Mädchen war, ging noch alles gut, denn sie war die meiste Zeit einer Kinderfrau und den Hausangestellten überlassen, weil es auch für Bernhard Trebitz wichtiger war, daß Dagmar ihre Energie und ihren Einfallsreichtum der Firma widmete. Als Nina heranwuchs, wurde sie zu einem immer größer werdenden Problem. Schon als Teenager gab es durch sie ständig irgendwelchen Ärger, und wenn ihr Vater ihr Vorhaltungen machte, reagierte sie mit Aggressionen, die zu schlimmsten Befürchtungen Anlaß gaben.

Dagmar mischte sich in die Erziehung nicht ein, aber sie wehrte sich ihrer Haut, wenn sie angegriffen wurde. Das trug nicht zu einem wenigstens einigermaßen erträglichen Zusammenleben bei.

Nina wurde in ein vornehmes Internat gesteckt, nach zwei Monaten wurde sie nach Hause geschickt mit einer vernichtenden Kritik. Bernhard Trebitz wurde seiner Tochter nicht Herr, und so erfuhr Dagmar, daß Ninas Mutter genauso gewesen sei. Aber sie hatte eine große Mitgift in die Ehe gebracht. Das wußte Nina und spielte es bei jeder Gelegenheit aus, vor allem auch gegen Dagmar. So beschloß Bernhard, ihr genau den Betrag, den ihre Mutter in die Ehe eingebracht hatte, anzulegen, sie sollte darüber nach seinem Tode frei verfüngen können. Auch sonst hatte er genaue Verfügungen getroffen, da er ein sehr korrekter Mann war. Und wenn er auch keiner heißen Gefühle fähig war, so hatte er Dagmar sehr schätzen gelernt und empfand für sie eine tiefe Bewunderung und Verehrung, weil sie ihre ganze Kraft für die Firma einsetzte und nicht das Luxusleben einer reichen Frau führte.

Niemand hatte damit gerechnet, daß er ganz plötzlich an einem Herzinfarkt sterben würde, mitten in der Arbeit, an seinem Schreibtisch, kurz vor Ninas einundzwanzigstem Geburtstag. Der Auslöser dafür mochte wohl die Nachricht gewesen sein, daß Nina wegen Drogenbesitzes mit ihrer Clique in einem Nachtlokal verhaftet worden war. Er konnte ihr nicht mehr helfen, er hätte es wohl auch nicht gewollt, und Dagmar half ihr auch nicht. Sie war zu tief getroffen, daß der Mann, der ihr ein so guter Partner gewesen war, diesen Schock nicht überlebte. Dr. Norden hatte ihn schon mehrmals gewarnt, mehr auf sein Herz zu achten, aber er hatte sich stark gefühlt und man hatte ihm auch nichts angemerkt. Genausowenig merkte man jetzt Dagmar an, daß ihre Gesundheit einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt war.

Wegen Nina hatte sie genug aushalten müssen. Da jagte ein Skandal den anderen. Sie hatte ihr Erbe ausgezahlt bekommen, und Dagmar hatte ihr die elterliche Villa ganz überlassen. Sie hatte sich den modernen Bungalow gekauft. Sie hatte längst ein eigenes Vermögen erarbeitet, darauf hatte Bernhard streng geachtet, denn er ahnte, daß Nina ihr Schwierigkeiten machen würde. Aber er hatte nicht damit gerechnet, daß sich Dagmar einmal so früh allein ihrer Haut wehren mußte. Dagmar hätte gern ein eigenes Kind gehabt, aber jetzt war sie froh, daß sie keines bekommen hatte. Nina hätte ihm das Leben zur Hölle gemacht, wie sie es immer wieder bei Dagmar versuchte, aber sie zeigte sich ihr gewachsen.

Sie war nicht in diesem Wohlstand aufgewachsen. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie zwölf Jahre alt war und sie wurde hin und her geschubst zwischen Vater und Mutter, und bei beiden bekam sie nur Schuldzuweisungen für den anderen gesagt. Sie hatte frühzeitig mehr oder weniger selbst für sich sorgen müssen und dabei einen großen Ehrgeiz entwickelt. Sie wußte um ihre Begabung, oft genug wurde es ihr gesagt, und sie hatte glänzende Zeugnisse vorzuweisen, als sie ins Berufsleben eintrat.

Sie hatte jede Chance wahrzunehmen gewußt und genützt, und als Bernhard Trebitz dann sein Interesse für sie zeigte, war das der Sprung nach oben für sie geworden.

So sehr war sie in diesen Reminiszenzen versunken gewesen, daß sie erschrocken aufsprang, als ihr Blick auf die Uhr fiel. Bereits neunzehn Uhr, und in einer Stunde sollte Martin Bentorf hiersein. Sie mußte noch alles vorbereiten.

*

Nina Trebitz hatte es lange Zeit gemieden, überhaupt nur an Dagmar zu denken. Ihre Haßgefühle gegen ihre Stiefmutter, sie betonte diese Bezeichnung bei jeder Gelegenheit, beruhten vor allem darauf, daß sie Dagmar im Grunde beneidete, weil sie so attraktiv und erfolgreich war und überall mit Anerkennung überschüttet wurde.

An diesem Tag hatte sie zufällig in einem Journal eine Großaufnahme von Dagmar gesehen. In dem Artikel stand, daß sie das Unternehmen ihres verstorbenen Mannes an die Spitze gebracht hätte und eine Umsatzsteigerung von über zwanzig Prozent erzielte.

Nina dagegen hatte ihr Erbe fast vergeudet. Sie hatte in den fast sechs Jahren nie einen Euro verdient, hatte das Geld nur verschleudert und vergeblich gehofft, sich einen reichen Mann angeln zu können. Kein Verhältnis, das sie einging, war von langer Dauer. Bald war sie durchschaut worden, und so bekam sie nun schon Torschlußpanik. Drogen und Alkohol hatten ihre Spuren hinterlassen, und aus dem einstmals bildhübschen Mädchen war eine verlebte ordinäre Frau geworden.

Ihr Elternhaus war heruntergekommen, hatte schon die verschiedensten Männer und Frauen beherbergt. Es war ein ständiges Kommen und Gehen gewesen, das in der Nachbarschaft unliebsames Aufsehen erregte, und oft hatte die Polizei vor der Tür gestanden.

Jetzt wurde ihr Geld knapp und die sogenannten Freunde zogen sich zurück, als es keine rauschenden Partys mehr gab. Der Bankdirektor, der mit ihrem Vater befreundet gewesen war, hatte ihr ernsthaft klargemacht, wie es um ihre Finanzen stand und daß sie mit einem Kredit nicht mehr rechnen könnte. Nun kam bei ihr doch das heulende Elend, und sie begann nachzudenken, wie sie sich aus dem Dilemma retten könnte.

Die Firma! Schließlich war es die Firma ihres Vaters, und wenn sie auch keinerlei Anspruch darauf geltend machen konnte, da sie ihr Erbteil bekommen hatte, überlegte sie doch, wie sie bei Dagmar Entgegenkommen erzeugen könnte.

Nina ging durch das große Haus. Es herrschte eine Unordnung, die man schon als Chaos bezeichnen konnte, und ab und zu dachte sie schon daran, wie es früher hier ausgesehen hatte. Jetzt bekam sie nicht mal mehr eine Haushaltshilfe. Es hatte sich herumgesprochen, wie sie mit den Angestellten umgesprungen war, und finanziell konnte sie sich kaum noch eine ständige Kraft leisten.

Lange Zeit hatte ihr das Chaos nichts ausgemacht, da war sie immer benebelt gewesen und total abgestumpft, aber nach der letzten Entziehungskur hatte sie sich fest vorgenommen, Ordnung in ihr Leben zu bringen, da sie deutlich zu spüren bekam, daß sie zur Außenseiterin geworden war.

Daß sie reumütig einen Versöhnungsversuch bei Dagmar unternehmen wollte, konnte man nicht sagen, sie hoffte nur, daß Dagmar sich großzügig erweisen würde, wenn sie überzeugend erklärte, daß sie eine Stellung suche.

Aber was für Kenntnisse hatte sie denn schon? Sie betrachtete sich im Spiegel und mußte sich eingestehen, daß sie als Model kaum noch in Frage käme. Früher war sie auch fotogen gewesen, aber schließlich konnte sie sich ja wieder in Form bringen. Immerhin war sie wenigstens kritisch genug, um sich einzugestehen, daß ihre besten Jahre wohl vergeudet waren.

Manchmal hatte sie ja moralische Anwandlungen, vor allem dann, wenn sie hörte, wie andere über sie redeten. Zufällig hatte sie kürzlich aufgefangen, wie Rolf Henning, mit dem sie mal eng befreundet war, abfällig über sie sagte, daß sie eine verkommene Alkoholikerin sei. Das war ihr unter die Haut gegangen.

Sie hatte es nicht zur Kenntnis nehmen wollen, aber dann war es ihr doch klargeworden, daß sie gemieden wurde, nicht nur von den Schmarotzern, die nichts bei ihr holen konnten, sondern auch von den Bekannten, die sie als Tochter von Bernhard Trebitz akzeptiert hatten. Sie war eine gute Partie gewesen und umschwärmt worden – wie lange war das schon her?

Sie blickte sich um, sah den Verfall in allen Räumen. Aber dann kam ihr ein Gedanke. Das Grundstück war groß, und das Haus konnte man renovieren. Sie konnte es verkaufen. Darüber wollte sie mit Dagmar sprechen. Sie konnte ihr sagen, daß es zu groß für sie sei und sie lieber eine Wohnung haben wollte. Sie wollte sich auch bald mit einem Makler unterhalten, was für einen Preis sie verlangen konnte.

Vor allem mußte sie ihren Kopf freibekommen und ihren Verstand zusammenhalten. Es ging um Sein oder Nichtsein, das hatte sie endlich begriffen.

*

Bei Dagmar klappte alles wie am Schnürchen, auch wenn sie wenig Zeit für Vorbereitungen hatte. Sie hatte gelernt zu organisieren, und auch, nicht fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Sie hatte auch beim Bau dieses Hauses darauf geachtet, daß alles praktisch angelegt wurde, und als Martin Bentorf kam, wirkte sie kein bißchen abgehetzt oder überanstrengt.

Er dagegen sah müde aus. Er begrüßte sie mit einem Handkuß, sie küßte ihn auf beide Wangen, und ein heller Schein flog über sein schmales Gesicht.

»Du siehst umwerfend aus, Dagmar, schöner denn je, wie machst du das bloß?«

»Übertreib es nicht, sonst mußt du dich später korrigieren«, sagte sie leichthin. »Ich freue mich, daß wir uns endlich einmal wiedersehen, Martin.«

»Wie lange ist es her seit dem letzten Mal? War es nicht in Hamburg?«

»Genau, vor sieben Jahren. Ich kam mit Bernhard von Stockholm. Es war unsere letzte gemeinsame Reise.«

Als sie ihn ansah, kam es ihr in den Sinn, wie zwei so verschiedene Männer wie Martin und Bernhard zu Freunden werden konnten. Schulfreunde, hatte Bernhard kurz und bündig erklärt. Aber sie hatten sich nie ganz aus den Augen verloren. Dagmar hatte nie mehr Kontakt zu Schulfreundinnen gehabt. Ab und zu hatte sie mal eine oder die andere zufällig getroffen, aber sonst war nichts gewesen.

An diesem Abend sprachen sie zum ersten Mal darüber, wie es zu dieser Männerfreundschaft gekommen war, nachdem sie die Schule hinter sich gelassen hatten, denn ihre Wege hatten doch weit auseinander geführt.