Bayna - Manou Fines - E-Book

Bayna E-Book

Manou Fines

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Beschreibung

Welchen Wert hat das Herz einer multikulturellen Frau für die politische Situation? Darf sie wütend sein, machtvoll und aufrichtig lieben oder soll sie lieber etwas von sich sterben lassen? Bayna bedeutet auf Arabisch "Dazwischen" und ist ein Homonym zum deutschen "Beinah". Ausgehend von den Ländern Deutschland und Algerien beschreiben die vorliegenden (Text-)Gedichte den kulturellen Zwischenraum, aus dem die Dichterin unter Schmerzen des Verlusts und mit Freude über das Beständige erwachsen ist. Gefühle sind freilich nicht dazu da, politisch korrekt zu sein: Sie unterliegen unterschiedlichen Witterungslagen und lernen im Zyklus der Jahreszeiten das zu formen, für das sie hier sind. Somit ist Bayna die Blüte der kulturellen Bestäubung mediterraner und europäischer Gesellschaften an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit und bleibt aufgrund seiner Universalität ein immer wiederkehrendes, leidenschaftlich diskutiertes Thema unseres Zeitgeistes.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 46

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Für meine Eltern. Auf dass unsere Wunden heilen und wir unsere Ahnen erlösen.

Für meine Kinder. Auf dass kein Schweigen euch in die Wiederholung drängt und ihr euren eigenen Weg entdeckt.

Triggerwarnung

Die hier vorgestellten Gedichte behandeln sozial und politisch sensible Themen wie Feminizide, Kriegsgewalt und -verbrechen, Naturkatastrophen, Symptome posttraumatischer Belastungsstörung und Entwurzelung, die unangenehme Gefühle und körperliche Reaktionen hervorrufen können. Besonders die Gedichte Die Brücke, Frauenmord ist keine Kultur, Tacheles reden, Trümmer, Halt, Damona, Probieren geht über Studieren, Binti sind nicht für empfindliche Leser geeignet.

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

IN DEN LÄNDERN

Länderliebe

Die verlorene Stadt

Schnee und Terror

Schwarzes Jahrzehnt

Süße Träume

Die Brücke

Frauenmord ist keine Kultur

Tacheles reden

Samtaugen

Trümmer

IN DER FAMILIE

Muttersprache

Augen zu

Reise in der Küstenbahn

Sicherheitsnadel

Halbe Herzen, zwei Seelen

Halt

Damona

Wunsch

Poetische Haltung

Nicht Mutterseelenallein

IN MIR

Meine Zeit

Kombinationen

Les 23 infusions

Verzweiflung

Bruch

Probieren geht über Studieren

Ich bin ich

Drei Vögel

Binti

Neu

ÜBER DIE AUTORIN

VORWORT

Wieviel Freiheit steckt in mir? Welche kulturellen Aspekte dominieren und möchte mir eine meiner Kulturen etwa die Freiheit zum Ausleben der anderen rauben? Muss ein Teil von mir sterben, damit ich woanders akzeptiert werde? Mit Bayna erzähle ich meinen ganz persönlichen Weg auf der Spur zu meiner Mehrkultur. Kulturelles Bewusstsein ist selektiv und es steht auch immer die Frage nach der Echtheit im Raum: Ist man als multikulturelle Person überhaupt echt oder weder das eine, noch das andere? Wer bestimmt das und wieso glaubt man dem Anderen und nicht der Person selbst, die diese Kulturen in sich vereint?

Vielleicht, weil wir nur das, was wir vermissen, erst dann zurückholen und leben können, wenn wir das fehlende Element auch benennen können; wenn wir uns in der Interaktion mit dem Anderen an uns selbst annähern dürfen. Denn alleine sind wir bekanntlich für uns selbst ein blinder Fleck. Vielmehr bemuttern oder bevatern wir den Einen oder die Andere und schließen brüderlich oder schwesterlich Freundschaft. Wir nehmen das ungefragt an, was man uns als Kultur präsentiert. Mit dem, was uns umgibt und sich manifestiert jedoch, wachsen wir kulturell zusammen, weil unsere Identitätsstiftung, unsere Beziehungen und unsere gesamtgesellschaftlichen Kulturen dynamisch im Austausch zueinander stehen.

Und auch wenn ein Kind nichts über seine Herkunftskultur oder zweite Kultur weiß, gibt es einen leeren, innerpsychischen Raum in ihm, der darauf wartet, gefüllt zu werden. Gibt man ideologische Weltanschauungen hinzu, die die erste Kultur über die zweite hat, adoptiert es eine verzerrte Sichtweise von sich selbst. Es bleibt ihm dann die Wahl: Integriert es sich in eine isolierte Subkultur (sofern es noch andere derselben Kultur im Umkreis gibt) oder begibt es sich selbst auf die Suche, folgt jeder noch so kleinen Spur, um sich seine Kultur aus eigener Kraft wieder anzueignen?

Um diese Entwurzelung zu vergeben, müssen wir sie mit dem Herzen verstehen, betrauern, bevor wir die gekappten Stümpfe wieder behutsam in fruchtbare Erde einpflanzen. Dies ist anspruchsvolle Arbeit, denn eine kulturelle Identität ist immer auch dynamisch und muss sich nach außen hin beweisen. Es reicht nicht aus, sich irgendetwas zusammenzubasteln und dann allen zu verkünden, dass sie falsch lägen und man selbst im Recht sei. Denn eine Kultur bringt mehrere Strömungen und Identifikationsmöglichkeiten mit sich. Als multikulturelle Person wird man authentisch seine ganz persönliche Mischung vorleben, verteidigen und manchmal auch anhand kultureller Symbolik und Empfindung erklären.

Im Grunde geht es darum, aufeinander zuzugehen. Das Unterrichten der eigenen Multikulturalität ist ein Mehrwert für alle: Zum Einen für die Person, die wenig davon versteht, zum Anderen aber auch eine wertvolle Auseinandersetzung für die Identitätskonstruktion der erklärenden Person, da man die eigene Stellung als Vermittler zwischen den Kulturen anzunehmen lernt. Kultur ist also unbedingt sozial, aber nicht zwangsläufig politisch, religiös oder im Sinne unseres kapitalistischen Systems verkaufsfähig und rentabel: Sie ist das, was wir tun, wie wir denken, womit wir fühlen und weshalb und wie wir die Menschen um uns herum verstehen. Sie kultiviert zuerst uns und dann wir sie.

Kultur entsteht im Geist, in der Seele und im Herzen: Sie spricht mit Routinen, künstlerischem Ausdruck und in einer oder mehreren Sprachen das aus, mit was und wie man in seiner Umwelt existieren möchte. Kultur ist der Umgang, der uns zu einem bestimmten Maß zusammenhält. Kultur ist somit universal und gleichzeitig in seiner Erscheinungsform einzigartig.

Beinahe wäre ich zu gleichen Teilen Deutsch-Algerisch gewesen, wenn es mir die politischen Umstände nicht verwehrt hätten. Welchen Wert hat das Herz einer multikulturellen Frau für die politische Situation? Darf sie wütend sein, machtvoll und aufrichtig lieben oder soll sie lieber etwas von sich sterben lassen? Bayna bedeutet auf Arabisch Dazwischen und ist ein Homonym zum deutschen Beinah. Ausgehend von den Ländern Deutschland und Algerien beschreiben meine Gedichte den kulturellen Zwischenraum, aus dem ich unter Schmerzen des Verlusts und mit Freude über das Beständige erwachsen bin. Gefühle sind freilich nicht dazu da, politisch korrekt zu sein : Sie unterliegen unterschiedlichen Witterungslagen und lernen im Zyklus der Jahreszeiten das zu formen, für das sie hier sind. In meinem Fall eine europäisch-mediterrane Blume in Frauengestalt. Somit ist Bayna die Blüte der kulturellen Bestäubung mediterraner und europäischer Gesellschaften an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit und bleibt aufgrund seiner Universalität ein immer wiederkehrendes, leidenschaftlich diskutiertes Thema unseres Zeitgeistes.

Beinah oder Bayna ist aber vielleicht auch die letzte Maxime bei der interkulturellen Aushandlung, da es in allem, was den lebendigen Menschen betrifft, keine Perfektion und somit keinen Stillstand gibt : Im Dazwischen drücken wir die Mehrkultur dynamisch aus und ehren unser aller Existenz, die sich stets weiterentwickeln wird.

Manou Fines

Januar 2026