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Nun gibt es eine Sonderausgabe – Dr. Norden Extra Dr. Norden ist die erfolgreichste Arztromanserie Deutschlands, und das schon seit Jahrzehnten. Mehr als 1.000 Romane wurden bereits geschrieben. Für Dr. Norden ist kein Mensch nur ein 'Fall', er sieht immer den ganzen Menschen in seinem Patienten. Er gibt nicht auf, wenn er auf schwierige Fälle stößt, bei denen kein sichtbarer Erfolg der Heilung zu erkennen ist. Immer an seiner Seite ist seine Frau Fee, selbst eine großartige Ärztin, die ihn mit feinem, häufig detektivischem Spürsinn unterstützt. Auf sie kann er sich immer verlassen, wenn es darum geht zu helfen. »Wie lange sind Sie nun schon bei uns in der Firma?« Obwohl Lars Bergmann die Akte seines Mitarbeiters genau kannte, stellte er diese taktische Frage und blickte sein Gegenüber mit unverhohlener Geringschätzung an. »Seit beinahe zwei Jahren. Wie Sie wissen, habe ich mich in dieser Zeit bis zum Abteilungsleiter emporgearbeitet«, erklärte Rainer Tauber mit belegter Stimme. Vor Aufregung war sein Mund trocken, die Zunge klebte an seinem Gaumen. »Das ist mir bekannt. Wir waren in der Tat sehr zufrieden mit Ihren Leistungen. Leider konnten Sie an den Erfolg der Vergangenheit aber nicht anknüpfen.« Bergmann ließ sich diese Worte sichtlich auf der Zunge zergehen. »Seit geraumer Zeit beobachten wir einen eklatanten Umsatzrückgang. Wie können Sie sich die schlechten Zahlen erklären?« »Da gibt es viele Gründe. Zum einen waren zahlreiche Mitarbeiter erkrankt. Meine Abteilung war selten vollzählig. Und die Konkurrenz ist gewachsen. Die Zeiten sind härter geworden.« »Sicherlich haben Sie eine Strategie erarbeitet, mit der Sie dem Umsatzrückgang entgegenwirken können, nicht wahr?«, fragte Bergmann erbarmungslos weiter. Rainer Tauber zuckte zusammen.
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Seitenzahl: 121
Veröffentlichungsjahr: 2023
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»Wie lange sind Sie nun schon bei uns in der Firma?« Obwohl Lars Bergmann die Akte seines Mitarbeiters genau kannte, stellte er diese taktische Frage und blickte sein Gegenüber mit unverhohlener Geringschätzung an.
»Seit beinahe zwei Jahren. Wie Sie wissen, habe ich mich in dieser Zeit bis zum Abteilungsleiter emporgearbeitet«, erklärte Rainer Tauber mit belegter Stimme. Vor Aufregung war sein Mund trocken, die Zunge klebte an seinem Gaumen.
»Das ist mir bekannt. Wir waren in der Tat sehr zufrieden mit Ihren Leistungen. Leider konnten Sie an den Erfolg der Vergangenheit aber nicht anknüpfen.« Bergmann ließ sich diese Worte sichtlich auf der Zunge zergehen. »Seit geraumer Zeit beobachten wir einen eklatanten Umsatzrückgang. Wie können Sie sich die schlechten Zahlen erklären?«
»Da gibt es viele Gründe. Zum einen waren zahlreiche Mitarbeiter erkrankt. Meine Abteilung war selten vollzählig. Und die Konkurrenz ist gewachsen. Die Zeiten sind härter geworden.«
»Sicherlich haben Sie eine Strategie erarbeitet, mit der Sie dem Umsatzrückgang entgegenwirken können, nicht wahr?«, fragte Bergmann erbarmungslos weiter.
Rainer Tauber zuckte zusammen.
»Selbstverständlich gibt es verschiedene Denkansätze. Welches Konzept wir allerdings in Zukunft verfolgen werden, ist noch nicht klar.«
»Sie sollten sich so bald wie möglich Klarheit verschaffen, mein lieber Tauber«, gab Bergmann zurück. »Es gibt einige Mitarbeiter, die interessante Ideen haben und nur darauf warten, sie an Ihrer Stelle in die Tat umzusetzen. Wir haben uns doch verstanden?«
»Natürlich, Herr Bergmann«, erklärte Tauber atemlos. Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn, sein Herz schlug schnell vor Aufregung. »Geben Sie mir einen Monat Zeit. Dann werden wir Erfolge haben, von denen Sie bislang nur träumten.«
»Ich gebe Ihnen vierzehn Tage. Auf Wiedersehen, Herr Tauber.«
»Aber …«, wollte Rainer widersprechen, aber für Lars Bergmann war das Gespräch damit beendet. Er nickte seinem Mitarbeiter zu, um sich sofort anderen Dingen zuzuwenden. Sein Terminkalender war übervoll und für solch lästigen Gespräche war im Grunde genommen keine Zeit.
Rainer Tauber blieb nichts anderes übrig, als das Büro seines Chefs zu verlassen. Mit grimmiger Miene kehrte er an seinen Schreibtisch zurück und versuchte, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Aber was er auch anstellte, stets spürte er das Damoklesschwert über sich schweben. Konzentration war unter diesen Umständen unmöglich. Was sollte mit ihm und seiner Familie, seinem aufwendigen Lebensstil werden, wenn er seine Arbeit verlor? Allein die Schmach, der Nachbarschaft sein Versagen zu zeigen, verursachte ihm ein beinahe körperliches Unbehagen.
»Was ist denn mit dir los?«, fragte Rainer Taubers Kollege Ken Keaton kurze Zeit später, als er mit einem Anliegen in dessen Büro kam. Rainer überlegte kurz. Ken war einer der Ersten, mit denen er in der Firma Bekanntschaft geschlossen hatte. Nach anfänglichem Beschnuppern waren die beiden schnell Freunde geworden, und der Junggeselle war oftmals in dem feudalen Bungalow der Taubers zu Gast. Rainer konnte ihm seine Sorgen guten Gewissens anvertrauen.
»Bergmann will mich feuern, wenn ich nicht innerhalb von zwei Wochen eine Umsatzsteigerung vorweisen werde.«
»Das kann er doch nicht machen!«, rief Keaton überrascht aus.
»Nicht so laut!« Rainer Tauber legte den Finger mahnend auf die Lippen. »Schließlich soll es nicht die ganze Firma erfahren.«
»Tut mir leid. Aber hör mal, er kann dir nicht einfach kündigen. Immerhin hast du eine Frau und zwei Kinder. Da gibt es andere, die vor dir zur Verantwortung gezogen werden müssen.«
»Du weißt doch, dass es heutzutage im Geschäftsleben keine Sicherheit mehr gibt. Er zahlt mir eine Abfindung, und schon bin ich weg vom Fenster. Das geht von heute auf morgen. Da wird nicht viel Federlesen gemacht.«
»Mit deiner Qualifikation würde ich mir mal keine großen Sorgen machen. Selbst wenn Bergmann dich loswerden will, findest du doch überall sehr schnell eine neue Arbeit.«
»Darauf würde ich mich nicht verlassen. Schon beim letzten Mal war ich über ein Viertel Jahr arbeitslos. Und jünger werde ich auch nicht«, seufzte Rainer und stützte verzweifelt den Kopf in die Hände. »Ich kann mich nur zu gut an diese drei Monate erinnern. Und ich sage dir, eine solche Schande will ich nicht noch einmal erleben.«
»Wirf die Flinte nicht gleich ins Korn. So weit wird es nicht kommen. Wenn du willst, setzen wir uns morgen Vormittag zusammen und erarbeiten ein Konzept für Bergmann. Dem wird noch Hören und Sehen vergehen«, fand Ken Keaton tröstende Worte und setzte ein freundschaftliches, aber undurchsichtiges Lächeln auf.
Rainer warf dem Kollegen einen dankbaren Blick zu.
»Das würdest du für mich tun? Ich kann nur sagen, du bist ein echter Freund, Ken.«
»Natürlich bin ich das. Wann sehen wir uns also?«
»Sagen wir gegen elf Uhr bei uns zu Hause. Ich sage Amanda Bescheid, dass sie Sushi kommen lassen soll.«
»Hmm, Sushi, das liebe ich über alles.« Ken nickte zufrieden. Wieder war ein Vorwand gefunden, um einen weiteren Tag in Gesellschaft der bezaubernden Amanda Tauber zu verbringen und noch dazu nach allen Regeln der Kunst mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt zu werden. Mit knappen Worten erledigte er das geschäftliche Anliegen, das ihn zu Rainer Tauber geführt hatte, ehe er mit einem heiteren Lied auf den Lippen das Büro verließ. Soviel Grund Rainer zur Sorge hatte, so unbeschwert war das Leben von Ken, und er machte keinen Versuch, diese Tatsache vor dem Kollegen und vermeintlichen Freund zu vertuschen.
*
Mit einem flauen Gefühl im Magen blieb Rainer Tauber in seinem Büro zurück. So sehr er auch versuchte, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, so wenig wollte es ihm gelingen.
Er brauchte wohl eine Aspirin-Tablette. Er legte den Stift beiseite, fuhr den Computer herunter und löschte das Licht. Da es Freitag nachmittag war, hatten die meisten Kollegen das Haus bereits verlassen, allesamt fröhlich und mit vielversprechenden Plänen für das Wochenende. Auch Rainer hatte mit seiner Familie einen Ausflug geplant. Doch daraus sollte nun nichts werden. Es gab Wichtigeres, als die Ansprüche seiner Familie zu erfüllen.
Als er die breite Einfahrt zu dem noblen Bungalow hochfuhr, den er vor einigen Jahren gebaut hatte, wurde er bereits von seiner strahlend schönen Frau erwartet.
»Liebling, schön, dass du endlich da bist.« Amanda beugte sich über ihn und gab ihm einen Kuss. Dann musterte sie ihn mit einem eingehenden Blick. »Was ist denn mit dir? Du wirkst so bedrückt.«
Rainer, der selbst nach vielen Ehejahren bei jedem Treffen wieder betört war von der Schönheit seiner Frau, haderte einen Augenblick mit sich.
»Ich hatte viel Arbeit heute, nichts weiter«, brachte er die Wahrheit jedoch nicht über die Lippen. »Und ich habe eine schlechte Nachricht.«
»Welche denn?«
»Aus dem Ausflug in den Vergnügungspark wird leider nichts. Ken und ich müssen morgen einige geschäftliche Unterlagen durcharbeiten.«
»Die Kinder werden enttäuscht sein«, bemerkte Amanda spitz.
»Ich weiß, und es tut mir unendlich leid. Du könntest alleine mit Kathrin und Florian fahren.«
»Nein, davon halte ich nichts. Du weißt doch, wie anstrengend die beiden sind. Nun ja, mir wird schon etwas einfallen, womit ich sie trösten kann. Ken kommt, sagtest du? Wenn er zu Mittag bleibt, könnte ich Sushi kommen lassen. Die Haushälterin hat morgen frei und ich möchte euch mit meinen Kochkünsten verschonen.«
»Sushi war auch meine Idee. Wie gut wir uns doch verstehen«, schwärmte Rainer, verliebt wie am ersten Tag. Amanda war seine Traumfrau. Seine große Liebe, um die er lange geworben und hart gekämpft hatte, bis sie ihm endlich ihr Herz geöffnet hatte. Doch auch nach vielen Jahren Ehe war er sich ihrer niemals ganz sicher. Stets hatte er das Gefühl, um ihre Liebe kämpfen, sich ihrer würdig erweisen zu müssen. Die Unsicherheit verließ ihn nie. An manchen Tagen brachte ihn dieses Gefühl beinahe zur Verzweiflung. Er sehnte sich nach nichts mehr als nach Ruhe und Beständigkeit, nach einem Ende des ewigen Kampfes. An besseren Tagen genoss er jedoch diese Unsicherheit und bildete sich ein, dass sie das Rezept seiner beständigen Leidenschaft und ihrer krisenlosen Ehe war.
»Was ist denn? Warum starrst du mich so an?« Die barsche Stimme von Amanda holte Rainer rasch wieder in die Wirklichkeit zurück.
»Es tut mir leid, mein Herz. Ich war gerade in Gedanken.«
»Das habe ich gemerkt. Komm lieber herein und begrüße die Kinder.«
»Wo stecken die beiden Rabauken denn?«
»Kathrin sieht sich eine Kindersendung an, und Florian spielt sein neues Computerspiel.«
»Müssen die Kinder denn immer vor einem Bildschirm sitzen?«, fragte Rainer müde und stellte seine Aktentasche an ihren Platz. »Flo hat doch so ein schönes Fahrrad zum Geburtstag bekommen. Ich habe nicht gesehen, dass er schon einmal damit unterwegs war.«
»Es hat ein paar Kratzer abbekommen und nun will er es nicht mehr benützen. Er hat Angst, von seinen Freunden verspottet zu werden. Du weißt doch, wie sensibel er ist«, erklärte Amanda ernsthaft.
»Manchmal frage ich mich, ob dieses Umfeld hier wirklich das Beste für unsere Kinder ist. Ein wenig mehr Normalität hatte ich mir schon gewünscht.«
»Was ist heutzutage schon normal? Hat nicht jedes Kind inzwischen einen Computer im Zimmer stehen, einen Gameboy und einen eigenen Fernseher? So ist das nun einmal«, widersprach Amanda vehement. »Und nachdem ich nicht möchte, dass unsere Kinder Minderwertigkeitskomplexe bekommen, weil sie nicht mithalten können, müssen wir ihnen eben all das ermöglichen, was die anderen auch haben.«
»Ich weiß nicht. Irgendetwas läuft meiner Ansicht nach grundlegend falsch«, seufzte Rainer, während er durch den Flur des Bungalows in Richtung der Kinderzimmer wanderte. Amanda war an seiner Seite.
»Das kannst du leicht behaupten, wenn du den ganzen Tag nicht zu Hause bist«, ließ ihre gereizte Antwort nicht auf sich warten.
Rainer, der nicht die Kraft und den Willen hatte, sich auf eine Diskussion einzulassen, hob beschwichtigend die Hände.
»Schon gut, mein Liebling. Wir wollen nicht streiten. Geh du und ruhe dich aus von deinem anstrengenden Tag mit den Kindern. Ich werde ihnen inzwischen schonend beibringen, dass wir morgen nicht in den Park fahren können.«
Mit diesem Vorschlag erklärte sich Amanda einverstanden, und Rainer betrat das Zimmer seines neunjährigen Sohnes Florian. Wie gebannt starrte der Junge auf den Bildschirm seines Computers und nahm den Vater gar nicht wahr.
»Hallo Flo, was spielst du denn da?«, fragte Rainer leise, um ihn nicht zu erschrecken.
Trotzdem fuhr der Junge mit einem unwilligen Ausruf herum.
»Musst du mich so erschrecken? Jetzt habe ich einen wichtigen Punkt verloren«, herrschte er seinen Vater zornig an.
»Tut mir leid, aber du hast mein Klopfen nicht gehört. Willst du mir nicht erst einmal guten Tag sagen, bevor du mich schimpfst?«
»Tag«, leistete der Junge der Aufforderung unwillig Folge und wandte sich sofort wieder seinem Spiel zu.
»Wie war es heute in der Schule?«
»Ganz okay.«
Rainer seufzte.
Er hatte immer davon geträumt, einmal einen Sohn zu haben, mit dem er all das erleben konnte, was ihn als Kind so fasziniert hatte. Aber Florian zeigte kein Interesse für Kaulquappen und Fahrradtouren durch raues Gelände. Und auch Zelten war unter seinem Niveau. So hatte sich Rainer schließlich damit abgefunden, sich in puncto Freizeitgestaltung an die Familien der Nachbarschaft anzupassen. Auch wenn ihm das, ganz im Gegensatz zu Amanda, schwerfiel.
»Ich habe eine schlechte Nachricht für dich. Morgen können wir nicht in den Vergnügungspark fahren. Ich habe eine wichtige Besprechung mit einem Kollegen.«
Wie erwartet zog diese Neuigkeit einen weiteren Zornesausbruch nach sich.
»Ach Mensch, und ich hab mich so auf den Ausflug gefreut. Was soll ich denn dann am Montag in der Schule erzählen? Alle anderen fahren fort und erleben was Tolles. Und wir? Wir sitzen wieder mal dumm zu Hause herum.«
»Was soll das denn schon wieder heißen? Immerhin waren wir letztes Wochenende in der Schweiz und davor beim Kart fahren. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir immer etwas vor«, erklärte Rainer und bemühte sich um eine ruhige Stimme. Er hielt nichts von den Eltern, die ihre Sprösslinge mit Schimpfen und Schreien erzogen. »Wir könnten am Sonntag fahren. Oder aber wir unternehmen einen Ausflug in die Natur.«
Florian musterte seinen Vater mit einem abschätzenden Blick.
»Natur? Wie langweilig«, maulte er schlecht gelaunt.
»Dann werden wir uns eben morgen abend zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was wir unternehmen könnten. Und jetzt machst du bitte den Computer aus. Es gibt gleich Abendessen.«
»Ich will aber noch spielen.«
»Du hast gehört, was ich gesagt habe«, beharrte Rainer auf seiner Forderung.
Florian brummte unwillig und wandte sich wieder dem Bildschirm zu. Sein Vater warf ihm einen resignierten Blick zu und verließ schließlich das Zimmer, um seine Tochter Kathrin aufzusuchen. Sie war zwei Jahre jünger als ihr Bruder und sein ganzer Stolz.
»Meine Prinzessin, wie geht es dir?«, fragte Rainer mit schmeichelnder Stimme. Er hatte die Tür einen Spalt breit geöffnet und bestaunte das Profil seiner Tochter, das ihn wie das seiner Frau immer wieder in neue Begeisterung zu versetzen vermochte.
Im Gegensatz zu seinem Sohn Florian schien sich Kathrin über die Rückkehr ihres Vaters ehrlich zu freuen.
»Papa, schön, dass du wieder da bist«, rief sie in heller Freude und lief ihm entgegen. Gerührt schloss Rainer sie in seine Arme und schnupperte an dem seidigen Haar, das ebenso schwarz war wie das ihrer Mutter.
»Prinzessin, ich freue mich auch. Wie geht es dir?«
»Gut. Und morgen fahren wir in den Erlebnispark, hurra! Nur noch einmal schlafen.«
Als er die Freude in Kathrins Augen sah, wurde Rainers Herz noch schwerer, als es ohnehin schon war.
»Ich habe eine schlechte Nachricht. Daraus wird leider nichts. Ich muss morgen mit Ken ein paar Unterlagen durcharbeiten. Es ist wichtig. Aber ich verspreche dir, dass wir das so schnell wie möglich nachholen werden. Vielleicht schon am Sonntag, wenn wir morgen mit unserer Arbeit fertig werden.«
Kathrins Gesicht hatte sich einen Moment lang getrübt. Doch rasch wich die Enttäuschung aus den feinen Zügen.
»Macht nichts. Dann geht Mama bestimmt mit uns einkaufen. Da gibt es eine neue Barbiepuppe, die ich mir wünsche. Komm mal her, bestimmt läuft gleich die Werbung.«
Voller Begeisterung zog Kathrin ihren Vater an der Hand mit sich und drückte ihn auf das kleine Sofa, das vor dem Fernseher in ihrem Zimmer stand. Bunte Bilder flimmerten über den Bildschirm und Rainer hatte Mühe, dem wirren Geschehen zu folgen. Seiner Tochter zuliebe zeigte er sich jedoch geduldig und aufmerksam. »Da siehst du, die will ich haben.« Das kleine Mädchen klatschte in die Hände, als die Werbung ausgestrahlt wurde. Rainer brachte es nicht über das Herz, seinen Missmut zum Ausdruck zu bringen. Er hielt nicht viel von den Plastikfrauen mit den Modelfiguren und den bunten Kleidern. Viel lieber wäre es ihm gewesen, wenn Kathrin mit echten Puppen oder Stofftieren gespielt hätte. Aber offenbar war die Welt, in der seine Kinder lebten, völlig verschieden von der, in der er aufgewachsen war.
Als die Kinder am Abend im Bett waren, machte Rainer den Versuch, trotz all seiner Probleme mit seiner Frau über dieses Verhalten der Kinder zu sprechen.
