Ben - Unersättlich! (Erotik, gay, bi) - Benjamin Larus - E-Book

Ben - Unersättlich! (Erotik, gay, bi) E-Book

Benjamin Larus

0,0

Beschreibung

Ein Tag in der Stadt wird für Ben wieder ein Tag voller sexueller Eskapaden - mit Männlein und Weiblein, und das nicht nur einmal ... Er ist einfach unersättlich! Die Titel aus der Reihe "Ben" in chronologischer Reihenfolge: Ben – Heißer Dreier, Teil 1-6 Ben – Umzug mit Ausziehen, Teil 1-4 Ben – Grenzenlos geil, Teil 1-4 ("Einsam, bi-sam, dreisam") Die hemmungslosen Sieben, Teil 1-7 Dienstverhältnis, Teil 1-6 Schamloses Treiben Vernasch mich! (Vernaschen 1) Vernasch uns! (Vernaschen 2) Heiß auf dich! (Vernaschen 3) Ben – Unersättlich!

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 154

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Impressum

„Ben – Unersättlich!“ von Benjamin Larus

herausgegeben von: Club der Sinne®, Hinstorffstr. 110, 19412 Brüel, Dezember 2020

zitiert: Larus, Benjamin: Ben – Unersättlich!, 1. Auflage 2020

© 2020

Club der Sinne®

Inh. Katrin Graßmann

Hinstorffstr. 110

19412 Brüel

www.Club-der-Sinne.de

[email protected]

Stand: 01. Dezember 2020

Gestaltung und Satz: Club der Sinne®, 19412 Brüel

Coverfoto: © Serge Lee/shutterstock.com

Covergestaltung: Club der Sinne®

Dieses eBook ist urheberrechtlich geschützt.

Weitere eBooks von Benjamin Larus finden Sie hier:

https://www.club-der-sinne.de/index.php?manufacturers_id=57

Weitere erotische Literatur zum Sofortdownload finden Sie unter

www.Club-der-Sinne.de oder www.Dirty-Talk-Stories.com

Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden und volljährig.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Benjamin Larus

Inhaltsverzeichnis

5.50 Uhr

7.00 Uhr

7.33 Uhr

8.49 Uhr

9.06 Uhr

11.26 Uhr

13.10 Uhr

14.28 Uhr

15.02 Uhr

15.27 Uhr

16.02 Uhr

16.31 Uhr

17.56 Uhr

22.57 Uhr

Weitere eBooks von Benjamin Larus finden Sie hier:

5.50 Uhr

Als der Wecker piepste und mich damit aus tiefsten Träumen riss, schlug ich gewohnheitsgemäß mit dem Handteller obendrauf, um die Schlummerschaltung zu betätigen. Ich wollte mir noch ein paar Minuten unter der flauschigen Bettdecke gönnen, zumal ich mich heute von den starken Armen meines Liebsten umklammert fühlte und diesen Zustand möglichst lange hinauszögern wollte – jedoch merkte ich sofort, dass etwas nicht stimmte.

Da war zunächst die Tatsache, dass durch die Jalousien weniger Licht in mein Zimmer fiel als zur üblichen Weckzeit. Da wir seit Tagen einen wolkenlosen Himmel hatten, musste es also deutlich früher sein als sonst. Außerdem fühlte ich mich von Guidos Brustkorb unsanft in Richtung Bettkante geschubst, anstatt dass er mich noch einmal liebevoll an sich gezogen hätte – er, der einer morgendlichen Kuschelorgie sonst niemals abgeneigt war.

„Pst!“, zischte er mir ins Ohr und drückte gleichzeitig das Knie gegen meinen Schenkel. „Mach den Wecker richtig aus und steh auf! Nicht noch mal einschlafen!“

Ich grunzte unwillig und ließ meine Hand unter der Bettdecke nach hinten wandern. Zielsicher schlossen sich meine Finger um Guidos großen, warmen Schwanz, der um diese Zeit natürlich genauso voll aufgepumpt war wie mein eigener.

„Mmh, ich will lieber noch ein bisschen deinen …“

„Nix, nix!“, beharrte er und versuchte, sich mir zu entziehen. Ich spürte allerdings an einem dankbaren Zucken, wie sehr sein bestes Stück meine Berührung genoss. „Du hast mir gestern Abend extra eingeschärft, ich soll dich bloß nicht weiterschlafen lassen. Du musst heute auch früh raus!“

Die Betonung lag auf auch, da er als Handwerker das frühe Aufstehen gewöhnt war und es nur allzu oft vorkam, dass er, wenn er bei mir übernachtete, die Wohnung in der Morgendämmerung verlassen und mich alleine im warmen Bett zurücklassen musste.

„Du hast heute was vor, schon vergessen?“, flüsterte er mir liebevoll ins Ohr, und ich war schlagartig hellwach.

„Ach, Scheiße!“

Jetzt konnte ich trotz meines Wärmebedürfnisses nicht schnell genug die Bettdecke zurückschlagen und mich auf die Kante schwingen, denn siedend heiß fiel mir wieder ein, warum ich mich sputen musste: Ich musste beizeiten an einer ganz bestimmten Adresse in Frankfurt sein und Opernkarten in Empfang nehmen.

Guido schaute amüsiert zu, während ich plötzlich wie aufgescheucht durch die kleine Wohnung fegte, in aller Eile Kaffeewasser aufsetzte und mich nebenher in ausgehfertigen Zustand brachte. Mein kleines Badezimmer war sicher nicht dafür konstruiert, dass zwei Personen gleichzeitig dort ihre Morgentoilette erledigten, aber irgendwie schafften wir es, auch wenn ständig einer dem anderen beim Rasieren, Waschen und Zähneputzen im Weg war.

„Ach, du bist einfach zu groß und zu breit!“, bemerkte ich ungeduldig, als ich etwa versuchte, über Guidos breite Schultern hinweg mein Spiegelbild zu erhaschen, während er sich über das Waschbecken beugte, um sich die Zähne zu putzen.

„Und das da ist auch zu groß für mein kleines Bad“, fügte ich hinzu, als er an mir vorbeidrängte und sein immer noch halbsteifer Schwanz dabei meine Hüfte streifte.

„Leck mich!“, gab er gelassen zurück.

„Gerne. Heut Abend, ist das okay?“

Für einen liebevollen Schubser und einen anschließenden, kurzen, aber leidenschaftlichen Kuss war trotz allem Zeit.

„Raus jetzt, ich muss aufs Klo!“

Murrend ließ mich Guido alleine, und als ich nach verrichtetem Geschäft wieder in den Flur trat, hatte er sich bereits angezogen und werkelte in der Küche.

„Für mich nur ein Kaffee zum Wachwerden!“, rief ich ihm vom Zimmer aus zu, während ich mich eilig anzog. „Ich frühstücke heute ja auswärts.“

Meine Klamotten für den heutigen Tag hatte ich bereits gestern Abend ausgesucht und bereitgelegt. Die Auswahl war mir nicht ganz leichtgefallen. Am Abend sollte es nämlich in die Oper gehen, trotzdem wollte ich tagsüber – zudem an meinem freien Tag – nicht in Abendgarderobe herumlaufen. Inzwischen war ich als Besucher des Opernhauses routiniert genug, um zu wissen, dass festliche Kleidung dort keinesfalls Pflicht war, dennoch wollte ich nicht unbedingt in Jeans erscheinen. Nicht nur im Hinblick auf gesellschaftliche Konventionen, sondern auch für mich selbst: Wagners Tannhäuser hatte mir vor etwa einem Jahr eine neue Welt eröffnet, und heute Abend nun stand sein Lohengrin auf dem Spielplan, eine Oper, von der mein Mentor Sebastian behauptete, sie sei mindestens ebenso fesselnd. Diesen feierlichen Moment wollte ich mit dem gebührenden Respekt begehen, und der sollte sich auch in einem zumindest gepflegten Äußeren ausdrücken. Ich hatte mich also für ein schönes, weißes Hemd mit raffiniertem Stehkragen entschieden, dazu würde ich eine modische, eng geschnittene Hose in hellem Sandton sowie ein dunkelblaues Jackett tragen. Als Accessoire hatte ich mir ein Halstuch bereitgelegt, da es jetzt, auf dem Weg zum Bahnhof, noch sehr frisch sein würde, wiewohl für den Tag über zwanzig Grad angekündigt waren. Ein Rucksack wäre für meinen tagsüber benötigten Krimskrams wie Lesestoff, Kondome et cetera am praktischsten gewesen, der aber passte nicht ganz zu meinem eher eleganten Auftreten, zumal er Hemd und Jackett womöglich unschön verknittert hätte. Ich hatte daher alles in eine lederne Umhängetasche gepackt.

„Schick, wie immer“, kommentierte Guido grinsend meinen Auftritt in der Küche. „Pass nur auf, dass du dich jetzt nicht noch bekleckerst und dich noch mal umziehen musst!“

Meinen Klamotten-Spleen pflegte mein Liebster stets mit einem gewissen, wohlwollenden Amüsement zu betrachten. Natürlich, als ein Kerl, der auch noch in der ausgeleiertsten Jogginghose oder in fleckiger Monteurs-Kombi zum Anbeißen aussah, hatte er leicht Spötteln!

Im Moment saß er breitbeinig auf einem der beiden Barhocker an meinem Wandtisch und löffelte sein Müsli in Jeans und T-Shirt, genauso, wie ich ihn gestern Abend abgeschleppt hatte. Zum Niederknien!

„Nun setz dich wenigstens noch einen Moment her, deine Hummeln im Hintern sind ja nicht auszuhalten zu der frühen Stunde!“, seufzte er kopfschüttelnd, als ich im Stehen meinen Kaffee schlürfte.

„Keine Zeit“, erwiderte ich angespannt. „Ich muss den Regionalexpress um siebenunddreißig kriegen!“

Er blickte gelassen auf die Wanduhr.

„Das packst du locker“, stellte er schulterzuckend fest. „Lass hier nur alles stehen, ich schließe dann ab. Und jetzt triffst du erst mal diesen Murat?“

„Ja, in seiner Tanzschule. Die fahren heute irgendwohin auf Gastspiel oder so, deshalb muss es so früh sein. Die Karten hat er erst gestern bekommen.“

„Und dann geht’s zum Frühstück zu unseren Mädels? Wie ich dich beneide!“

An dem Funkeln in seinen schönen, grauen Augen erkannte ich, dass er jetzt voller Verliebtheit an Judith dachte. Nun, mir ging es kaum anders!

„Du siehst sie dann ja heute Abend auch“, erinnerte ich ihn. „Bloß nicht vergessen, allerspätestens um halb sechs müssen wir aus dem Haus!“

„Ich hoffe, sehr viel früher da zu sein!“, verkündete er und grinste in einer anzüglichen Weise, die mich zu einer Ermahnung zwang:

„Aber verausgabe dich nicht zu sehr! Nicht, dass ihr mir in der Oper einschlaft!“

„Du hast mir gar nichts zu sagen“, frotzelte er zurück. „Verausgabe du dich bloß nicht zu sehr mit deinem Murat …“

„Was, was! Er gibt mir die Karten, und das war’s!“

„… und mit der alten Vollendorf!“

Ich schluckte. Ich mochte es nicht, wenn er so über mein Ex-Chefin sprach.

„Ach was!“, wehrte ich halbherzig ab. „Ich denke, sie wird mich zum Essen einladen, und wir reden ein bisschen über alte Zeiten.“

„Ja, ja!“, seufzte mein Liebster unbeeindruckt. Dann deutete er auf die Uhr.

„Ich glaube, jetzt musst du aber wirklich los!“

„Verdammt, ja!“

Ich knallte meinen Humpen auf den Tisch, legte im Flur Jackett und Halstuch an und schnappte meine Tasche. Ein letzter Blick in den Spiegel, ein herzlicher, aber leider etwas flüchtiger Kuss auf den Mund meines Geliebten, dann fiel auch schon die Wohnungstür hinter mir ins Schloss, und ich hastete die Treppen hinunter.

7.00 Uhr

Für gewöhnlich fuhr ich etwas später diese Strecke. Außerdem war das heutige Fahrgefühl schon deswegen ein anderes, weil ich einer besseren Verbindung wegen den Regionalexpress gewählt hatte, während ich sonst die etwas langsamere S-Bahn zu nehmen pflegte und dafür am Frankfurter Hauptbahnhof nicht mehr umsteigen musste.

Trotzdem unterschied sich meine Umgebung nicht wesentlich von der an anderen Tagen: müde, großenteils geradezu missmutige Gesichter von verschlafenen Pendlern, die zu einer mehr oder weniger befriedigenden Arbeit in die Stadt fuhren. An anderen Tagen musste auch ich mich zu ihnen zählen, heute aber war ein besonderer Tag.

Mein musikbegeisterter Freund Sebastian hatte mich schon seit Monaten auf die seiner Ansicht nach überfällige und für mich gewiss unvergessliche Neuproduktion dieser Oper eingestimmt, sodass ich die heutige Aufführung mit der gebotenen Feierlichkeit und Aufnahmebereitschaft genießen wollte. Anstatt im direkten Anschluss an einen anstrengenden Tag im Geschäft wollte ich ausgeruht und entspannt im Publikum Platz nehmen – immerhin würde der Abend insgesamt fast fünf Stunden dauern. Im Austausch mit einem der unbeliebten Samstage hatte ich mir also den heutigen Donnerstag komplett freigenommen. Mit dem Näherrücken des ersehnten Abends allerdings hatte sich der Tagesplan Stück für Stück verdichtet.

Zunächst einmal gestaltete sich die Besorgung der Karten nicht ganz unkompliziert. Ich musste mich belehren lassen, dass Opern von Wagner sich trotz ihrer Länge und ihres Anspruchs beim Publikum offenbar doch solcher Beliebtheit erfreuen, dass deren Aufführungen stets bald nach Beginn des Vorverkaufs ausverkauft sind. Sebastian selbst besaß ein Premierenabonnement, hatte die erste Vorstellung daher schon am letzten Sonntag genießen können und durch seine anschließende Begeisterung meine Erwartungen nochmals hochgeschraubt. Dass ich nun nicht nur eine, sondern sogar vier Karten für den heutigen Abend in Empfang nehmen würde, hatte ich indirekt ebenfalls Sebastian zu verdanken: In Form seines Freundes Murat, der als Statist an vielen Aufführungen der Oper Frankfurt mitwirkte, hatte er Zugang zu den sogenannten Einreichkarten, die Mitwirkende für ihre Freunde und Verwandten beantragen konnten. Da diese allerdings bei praktisch ausverkauften Vorstellungen selten eine Aussicht auf Genehmigung hatten, zumal wenn der Antragsteller ausgerechnet in dieser Produktion gar nicht selbst mitwirkte, musste der Teufelskerl wahre Wunder vollbracht haben, um gleich vier der heiß begehrten Pappzettel zu ergattern. Tatsächlich hatte auch bis gestern ein Fragezeichen hinter der ganzen Sache gestanden, dann aber hatte ich doch den erhofften Bescheid bekommen. Nun war es aber so, dass Murat ausgerechnet heute in aller Frühe mit einer Truppe aus seiner Tanzschule irgendeine Fahrt zu einer Aufführung in Norddeutschland unternahm und die einzige Möglichkeit zu einer Übergabe somit am frühen Morgen bestand. Aber dieses Opfer war ich bereit zu bringen nach allem, was der Süße für mich getan hatte.

Jetzt darf jeder dreimal raten, für wen die vier Eintrittskarten bestimmt waren. Richtig! Jene Einladung zum Abendessen vor bereits zwei Monaten hatte Guidos und mein Leben entscheidend verändert, sodass zumindest ich mir mittlerweile schon gar nicht mehr richtig vorstellen konnte, wie dieses ohne Judith und Rebecca ausgesehen hatte.

Wir hatten uns noch mehrere Male zu viert getroffen. Darüber hinaus hatten Rebecca und ich zum Beispiel eine gemeinsame Radtour unternommen, Guido sich mit ihr ein hartes Training in seinem Studio geliefert, und auch mit Judith hatte es einige Treffen und Unternehmungen gegeben, die ich aus Zeitgründen hier gar nicht alle aufführen kann. Vor allem hatte ich es zu schätzen gelernt, auf meinem Heimweg einen kleinen Umweg zu machen, in der gemütlichen Wohnung der beiden vorbeizuschauen und ihre Gastfreundschaft zu genießen. Als Studentin verbrachte Judith im Gegensatz zu ihrer Freundin offenbar viel Zeit in den eigenen vier Wänden, und ihre Leidenschaft für Genüsse jeglicher Art machte jeden Besuch zu einem Fest der Sinne.

Judith hatte schon vor unserem ersten Treffen der klassischen Musik zumindest aufgeschlossen gegenübergestanden, auch schon Oper und Konzertsaal von innen gesehen. Sie wusste Beethoven von Brahms zu unterscheiden und die Alte Oper vom Opernhaus am Willy-Brandt-Platz. Somit hatte sie mich leidenschaftlich dabei unterstützt, den Besuch des Lohengrin als Kulturereignis zu viert anzukurbeln, auch wenn eine mehrstündige Wagner-Oper eine ziemliche Herausforderung für unsere beiden in dieser Hinsicht bislang eher unbeleckten Liebsten darstellen mochte.

So sah also die Planung für heute vor, dass Guido rechtzeitig genug bei Judith und Rebecca eintreffen würde (die Vorstellung war bereits für 18.00 Uhr angesetzt), um dann gemeinsam die U-Bahn zu nehmen. Als sich das mit dem frühen Abholen der Karten abgezeichnet hatte, war es naheliegend gewesen, mich für das anschließende Frühstück bei Judith einzuladen; und tatsächlich sollte sie an diesem Donnerstag auch erst mittags ein Seminar haben. Die Zeit bis zum späten Nachmittag in der Wohnung der beiden alleine zu verbringen, wäre schon damals sicher ohne weiteres möglich gewesen, doch unverhofft hatte sich ein weiterer Programmpunkt ergeben.

Es war nun schon ein Vierteljahr her, dass ich meine neue Arbeitsstelle in einem alteingesessenen Bekleidungshaus auf der Zeil angetreten hatte. Vor entsprechend langer Zeit hatte ich also meiner alten Immobilienfirma den Rücken gekehrt – und damit auch meiner früheren Chefin, die letzten Endes ja doch der Grund für meine Kündigung gewesen war (was ich ihr, rückblickend betrachtet, keinesfalls übelnehme!). Zum Schluss hatte ich befürchtet, dass ich sie schmerzlicher vermissen würde, als es dann tatsächlich der Fall war. Auch ohne Judith und Rebecca hielten mich die täglichen Herausforderungen und Ablenkungen doch so sehr auf Trab, dass ich schlichtweg keine Zeit hatte, mich in Sehnsucht nach unseren heimlichen Abenteuern zu verzehren. Freilich musste ich mich erst wieder daran gewöhnen, dass Arbeit tatsächlich Arbeit war. Jetzt gab es keine Außentouren mehr, in deren Rahmen ich meine Chefin in irgendwelchen leerstehenden Wohnungen vernaschte, keine schnellen Nummern in ihrem Büro oder mit Nadine im Kopierraum – aber so sollte es ja auch sein und so hatte ich es mir nach all den nervenaufreibenden Verwicklungen im letzten Jahr explizit vorgenommen.

Trotzdem machte mein Herz einen unvermittelten Sprung, als eines Abends Ende April noch in der S-Bahn mein Telefon klingelte und ich ihren Namen auf dem Display las. Ich hatte ganz vergessen, dass wir im Vorfeld jener Party im Hause Franziskas einst unsere mobilen Nummern getauscht hatten.

Ich meldete mich möglichst neutral, aber sie dürfte gewusst haben, dass ich wusste.

„Hallo, Herr Schrott!“

„Frau Chefin!“, rief ich verzückt aus, was natürlich Blödsinn war. So hatte ich sie niemals genannt, und überhaupt war es inzwischen überflüssig, sich zu siezen nach allem, was wir schon miteinander angestellt hatten. Aber irgendwie war das wohl uns beiden in Fleisch und Blut übergegangen, und ich will nicht ausschließen, dass sie ebenso wie ich auch einen gewissen Spaß an diesen paradoxen Förmlichkeiten hatte.

„Wie geht’s Ihnen in Ihrem neuen Job?“

„Bestens, danke!“

Für einen Moment befürchtete ich, sie könnte mich zurückholen oder womöglich auch nur für eine einmalige Transaktion mein Verkäufertalent in Anspruch nehmen wollen. Aber weit gefehlt. Auf meine Gegenfrage, wie es denn um sie selbst bestellt sei, antwortete sie ebenso überschwänglich.

„Sie werden ja sicher gehört haben, dass es mich tatsächlich nach London verschlagen hat. Zu unserem alten Provinzkaff ein Unterschied wie Tag und Nacht, selbst zu Frankfurt!“

Ich hatte nicht; auch wenn es sie vielleicht enttäuschte, dass ich mich nach meinem Weggang nicht weiter nach ihrer Karriere erkundigt hatte.

„Aber mit Rücksicht auf meine familiären Pflichten habe ich mir eine kleine Wohnung hier genommen. Ende nächster Woche bin ich wieder mal im Lande, und da dachte ich – Sie arbeiten doch jetzt auch in Frankfurt?“

Die Frage traf mich etwas unvermittelt. Ich bejahte mechanisch.

„Na, prima. Wollen Sie sich in der Mittagspause mal mit Ihrer alten Chefin treffen, wie wär’s?“

Leicht verblüfft stellte ich fest, dass ich urplötzlich einen Ständer hatte.

„Klar, warum nicht?“, stotterte ich, um Gleichgültigkeit bemüht.

Als es um die konkrete Planung ging, faselte ich etwas von meinem Wochenplan, den ich erst noch bekommen würde. Ich musste erst einmal nachdenken, was sie akzeptierte.

So viel also zu dem weiteren Programmpunkt für diesen Donnerstag. Die fast lückenlose Planung schien perfekt: Nachdem ich die Opernkarten in Empfang genommen hatte, würde ich mich bei Judith gemütlich an den Frühstückstisch setzen. Ich konnte mir natürlich ausrechnen, dass es nicht beim Frühstücken blieb, aber wir hatten ja reichlich Zeit. Anschließend konnte ich mich in aller Ruhe in die Innenstadt begeben. Um halb zwölf wurde ich dann bei meiner ehemaligen Chefin vorstellig, deren Wohnung sich in einem der älteren, aber immer noch exklusiven Hochhäuser an der Neuen Mainzer Straße befand. Gemeinsames Mittagessen, vielleicht noch ein Kaffee irgendwo unter freiem Himmel (das Wetter versprach sommerlich zu bleiben), dann ging es zurück nach Ginnheim zur Wohnung unseres Traumpaares. Ein bisschen verschnaufen, schließlich zur Krönung des Tages in die Oper. Wunderbar.

Ich lehnte mich behaglich in den Sitz zurück und nahm ein Buch zur Hand, das Sebastian mir als Vorbereitung auf diesen Abend schon vor Wochen geliehen und dringend zur Lektüre empfohlen hatte: einen Kommentar mitsamt Notenbeispielen zur Oper Lohengrin.

Rundum entspannt und in Vorfreude auf einen erfüllenden Tag mit krönendem Abschluss saß ich also lesend zwischen all den gähnenden, unlustigen Pendlern, während der Himmel draußen immer heller, blauer und strahlender wurde. Fast zu perfekt, das Ganze, aber ich fühlte mich trotz der frühen Stunde und meines leeren Magens von einem wärmenden Glücksgefühl durchströmt.

7.33 Uhr

Nachdem ich am Hauptbahnhof umgestiegen war und gut zehn Minuten auf die S-Bahn gewartet hatte, verließ ich diese nur vier Haltestellen später und ließ mich ausnahmsweise ganz faul von den endlos langen Rolltreppen ans Tageslicht befördern. Ich war bestens in der Zeit.

Murat hatte ich natürlich über Sebastian kennengelernt, und zwar am Abend meiner Erweckung, wenn ich die beglückende Tannhäuser