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Ben und Maria fahren im Herbst zur Berghütte am Almsee, um dort Urlaub zu machen. Doch welche Rolle spielt die schwarze Katze? Nur ein böses Omen? Was hat sie mit Bens Vergangenheit zu tun? Warum fasst er keine Waffen an?
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Seitenzahl: 31
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Jo Jansen
Bis dich die schwarze Katze frisst
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Bis dich die schwarze Katze frisst
Impressum neobooks
Maria wartete mit dem Landrover im Schatten der alten Platane, wie sie es ausgemacht hatten. Sie freute sich auf den Urlaub mit Ben in der Berghütte seines Onkels. Sie hatte, wie Ben es ihr aufgetragen hatte, eingekauft und seinen Wagen aufgetankt. Maria war stolz darauf, dass man sich auf sie verlassen konnte.
Ben öffnete die Beifahrertür, warf die Sporttasche und den Rucksack auf den Rücksitz, drückte der Fahrerin einen flüchtigen Kuss auf die Wange und sagte betont lässig:
„Auf geht's! Die Berge warten.“
„Ja Benny-Schatz.“ Lächelnd startete Maria den Motor und fuhr los. Ben zog das schwarze Kapuzenshirt aus und warf es nach hinten, auf die Sporttasche. Er atmete tief durch und antwortete:
„Ach, Maria-Schatz. Auf dich kann man sich verlassen.“
Ja, dachte er, auf dich ist Verlass. Du kannst kochen, putzen und Sex mit dir ist besser, als allein Pornos zu gucken. Das sind drei gewichtige Gründe, dich mitzunehmen. Eine Schönheit bist du zwar nicht – klein, pummelig und unscheinbar. Du hast so ein durchschnittliches Gesicht, dass es mir nie gelingt, aus dem Gedächtnis dein Bild vor Augen zu rufen. Genau darum bist du perfekt. Bald werde ich mich nicht mehr an dich erinnern.
Es war Freitagnachmittag, Chaos auf allen Straßen der Stadt. Maria nahm den Weg durch die Wiesen und das ausgetrocknete Flussbett. So konnten sie mit dem Geländewagen den Stau vermeiden. Zudem meldete der Verkehrsfunk Straßensperren an den Ausfallstraßen, nachdem in der Altstadt eine Bank überfallen worden war. Ben strich sich über seinen Dreitagebart und schüttelte den Kopf:
„Was bin ich froh, diesem Wahnsinn für ein paar Wochen entfliehen zu können. Nur die Berge, Du und ich.“ Er tätschelte Marias Knie, was sie mit einem weiteren Lächeln erwiderte, ohne dabei den Blick von der Straße zu wenden. Sie fuhr konzentriert und vorsichtig.
Abgeerntete Obstplantagen kündigten den nahenden Winter an. Ab und zu hing ein einzelner, rot glänzender Apfel in der Spitze eines Baumes.
„Schau mal Benny-Schatz, der Apfel dort sieht aus wie eine rot glänzende Weihnachtsbaumkugel.“ Maria strahlte still vor sich hin. Sie liebte Weihnachten. Vielleicht würde Ben mit ihr dann wieder zur Berghütte fahren? Im Winter, wenn alles tief verschneit lag und das Holz im Kamin lustig knisterte, musste es dort urgemütlich sein.
Weihnachten … Auch über Bens Gesicht zog ein träumerisches Grinsen. Dieses Jahr werde ich ein ganz besonderes Fest feiern. Palmen statt Tannenbaum. Cocktails am Strand statt Betriebsweihnachtsfeier. Und schöne Mädchen statt ...
Das Heulen einer Polizeisirene riss Maria aus ihren Tagträumen. Auch Ben schreckte erstaunt auf.
„Huch, du warst wohl eingenickt?“, fragte Maria.
Immer muss sie alles kommentieren, dachte Ben.
Maria wunderte sich, hier, am Fuße der Berge, von einem Streifenwagen mit Blaulicht überholt zu werden. Schulterzuckend trat sie auf die Bremse, als das Polizeifahrzeug kurz vor ihnen langsamer wurde und in seinem Heckfenster ein grelles STOP aufleuchtet.
„Du bist ja ganz blass, ist dir nicht gut?“ Marias Stimme klang besorgt, als sie zu Ben hinübersah, der seltsam gekrümmt in seinem Sitz kauerte. Bevor er antworten konnte, stand einer der beiden Polizisten neben der Fahrertür des Landrovers und klopfte an die Scheibe.
„Guten Tag die Dame und der Herr, alles in Ordnung?
„Guten Tag Herr, ähm, Wachtmeister?“ Maria blickte leicht verunsichert zu dem Beamten, da ihr nicht einfallen wollte, wie man einen Streifenpolizisten korrekt anspricht.
