Bist du noch heilig, großer Gott? - Michael Pies - E-Book

Bist du noch heilig, großer Gott? E-Book

Michael Pies

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Beschreibung

Angesichts der rasant steigenden Zahl an Kirchenaustritten und stetig sinkender Zahlen an Messbesuchern und Priesteramtskandidaten wird der Ruf lauter, die Heilige Katholische Kirche solle noch moderner werden, sich den veränderten gesellschaftlichen Umständen anpassen und endlich den muffigen Mantel alter konservativer Werte abschütteln, um gesellschaftlich wieder in die Mitte zu rücken. Was heißt es allerdings überhaupt, katholisch zu sein, der katholischen Kirche anzugehören? Droht nicht der Verlust der von Christus fundamentierten Wahrheit und vor allem der langsam fortschreitende Verlust der Heiligkeit der Kirche, sollten tiefgreifende Anpassungen an einen wie auch immer gearteten Zeitgeist erfolgen? Der Theologe Michael Pies stellt deshalb die Frage: »Bist du noch heilig, großer Gott?« und erläutert unter anderem die Grundlagen der Katholischen Kirche, das Mysterium des Glaubens und die Bedeutung der Sakramente.

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Seitenzahl: 157

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Michael Pies

BIST DU NOCH HEILIG, GROSSER GOTT?

Patrimonium-Verlag 2020

Michael Pies

BIST DU NOCH

HEILIG, GROSSER GOTT?

Die Bedeutung und Ursprünge des Heiligen als Grundlage des katholischen Glaubens

Impressum

1. Auflage2020

© Patrimonium-Verlag

In der Verlagsgruppe Mainz

Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germany

Erschienen in der Edition »Patrimonium Theologicum«

Patrimonium-Verlag

Verlagsgruppe Mainz

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.patrimonium-verlag.de

Gestaltung, Druck und Vertrieb:

Druck & Verlagshaus Mainz GmbH

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.verlag-mainz.de

Abbildungsnachweis (Umschlag):

unter Verwendung von https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Erschaffung_Adams

Druckbuck:

ISBN-10: 3-86417-144-X

ISBN-13: 978-3-86417-144-4

E-Book:

ISBN-10: 3-86417-155-5

ISBN-13: 978-3-86417-155-0

Dieses Buch ist dem Heiligen Geist gewidmet,

dem Schöpfer Geist, der uns immer wieder hilft,

ihn, als 3. Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit,

vom weltlichen Zeitgeist zu unterscheiden.

Heilig bist Du großer Gott, Heilig Herr Gott Zebaoth Zeugen Deiner Herrlichkeit, Himmel sind und Erde. Lob und Preis durch alle Zeit, Dir o Höchster, werde.

Der da kommt vom ewgen Thron, er sei hoch gepriesen, Ewig sei dem Gottessohn, Dank und Ehr erwiesen.

Vorwort

Modernisierung, Anpassung an die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse und Loslösung von den alten konservativen Bestandteilen, dies ist – kurz zusammengefasst – der Aufruf an die Heilige Katholische Kirche in den letzten Jahren gewesen, um ihrem Mitglieder- und Bedeutungsschwund Herr zu werden und wieder in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens zu rücken. Der Druck der Öffentlichkeit und natürlich auch der Medien auf diese unsere Kirche ist gewaltig und so gilt Papst Franziskus als der Hoffnungsträger für eine neue, moderne, offene und angepasste Kirche. Aber ich denke, dass hier Vorsicht angebracht ist und wir mit unserer katholischen Kirche nicht in einen Strudel reingerissen werden dürfen, der sie zwar mehr gesellschaftsfähig macht, aber der unter Umständen den Verlust der von Christus fundamentierten Wahrheit bedeuten kann und vor allem den langsam voranschreitenden Verlust ihrer »Heiligkeit«. Gerade diese Heiligkeit und das Bewusstsein dafür hat in der Kirche und bei ihren Gläubigen in den letzten Jahren spürbar nachgelassen. Es hat ein schleichender Prozess eingesetzt, den man durchaus als Profanisierung, also Verweltlichung, bezeichnen kann. Wenn die Wünsche nach Wegfall des Zölibats, Frauenpriestertum, Wiederverheiratung Geschiedener und alle diese fast täglich in den Medien auftauchenden Forderungen irgendwann durchgesetzt werden sollten, dann wird man nicht mehr von der von Christus gegründeten Heiligen Katholischen Kirche sprechen können, denn dann ist der Verlust des Heiligen endgültig und die Heilige Katholische Kirche hat diesen Status, den ihr Gottes Sohn geschenkt hat, unwiderruflich verloren. Von daher ist es mir ein großes Anliegen, den Begriff der Heiligkeit in diesem Buch zu erörtern, die Wurzeln dieser Heiligkeit zu erläutern und den Gläubigen die Bedeutung des Heiligen noch einmal ans Herz zu legen.

Was bedeutet eigentlich »heilig«?

Wie in dem oben zitierten Lied des Gotteslobes, benutzen wir in den Feiern der Katholischen Kirche ständig, oft nur mehr unbewusst, dieses wunderbare Wort »heilig«. Denn der von uns angebetete und zu verehrende Gott besitzt ohne Anfang und Ende diesen Status der Heiligkeit und Sein göttlicher Sohn, Jesus Christus, Teil der Heiligen Dreifaltigkeit, hat den Status der Heiligkeit auch als Fundament in die Heilige Katholische Kirche gelegt. Von daher sollten wir uns mal Gedanken machen, was das Wort »heilig« eigentlich bedeutet und welcher Ursprung dahintersteckt. Die Heiligkeit Gottes ist leider heute in vielen christlichen Kreisen ein nur noch sehr selten behandeltes Thema. In den Predigten wird nicht mehr besonders häufig darüber gesprochen, und Literatur über dieses Thema der Heiligkeit ist rar geworden. Man hört sehr viel über die Güte und die unendliche Liebe Gottes, aber nicht alles, was wir darüber hören, ist wirklich auch in der Bibel begründet. Das liegt daran, dass man Gott immer mehr eine humanistische, stets tolerante und menschliche Liebe zuschreibt und hierbei die Heiligkeit Gottes irgendwie ausblendet, die doch das zentrale Merkmal seines Wesens ist, viel essentieller als die Liebe. Fakt ist auch, dass in zahlreichen modernen Bibelübersetzungen ins »heutige« Deutsch der doch etwas unbequeme Begriff der »Heiligkeit« so gut wie gar nicht mehr vorkommt. Man ersetzt ihn einfach durch alternative, weniger provozierende Eigenschaften.

Ich halte es gerade bei dem derzeitigen Zustand der Katholischen Kirche für enorm wichtig, dass wir uns als Katholiken bewusst mit dieser Heiligkeit Gottes beschäftigen und sie tiefer zu ergründen suchen. Wenn wir die Heiligkeit Gottes als Seine absolute Wesenseigenschaft nicht begreifen, dann können wir eigentlich auch seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit nicht richtig verstehen.

Logischerweise beginnen wir diesen Versuch des Verstehens des »Heiligen« in der Bibel, denn nur in der Heiligen Schrift konnte Gott sich in seiner Heiligkeit offenbaren. Viele Bibelstellen sagen von Gott direkt aus, dass er heilig ist. Jes 6,3: »Und einer rief dem anderen zu und sprach: ›Heilig, Heilig, Heilig ist der Herr der Heerscharen, die ganze Erde ist erfüllt von seiner Heiligkeit!‹« Oder Ps 99,3: »Loben sollen sie Deinen Namen, den großen und furchtgebietenden ›Heilig ist Er‹«. Das bedeutet, dass Heiligkeit zuallererst eine Wesenseigenschaft von Gott alleine ist. Sie steht in Verbindung mit moralischer Reinheit und Makellosigkeit, mit der vollkommenen Gerechtigkeit und der Liebe Gottes, die als eine Flamme Jahwes dargestellt wird (Hld 8,6), verzehrend, brennend, rein und vollkommen gut. Die beschriebene Heiligkeit Gottes wird dann auch negativ abgegrenzt als Kontrapunkt zu allen Dingen, die böse, unrein und sündig sind. Lev 10,10: » Damit ihr einen Unterschied macht zwischen dem Heiligen und dem Unheiligen, zwischen dem Unreinen und Reinen.« Heilig, Sanctus oder »Holy« im Englischen z.B. bezeichnet von der Wortbedeutung her etwas Besonderes und Verehrungswürdiges und stammt sprachhistorisch vom Wort »Heil« ab. Man kann dies noch entdecken im Begriff »heil« als etwas Unversehrtes und Ganzes. Gerade im Englischen ist die Verbindung von »whole« (vollständig und komplett) zu »holy« (heilig) sehr gut zu erkennen.

Wir sprechen hier also von etwas Vollständigem, Makellosem und Unversehrtem, etwas Perfektem und Idealem. Das führt zum religiösen Begriff des Heiligen als einer Eigenschaft, die nur Gott zukommt, der höchsten Instanz und dem Heiligen aller Heiligen. Heilig ist in seiner Form ein Begriff, der in den Bereich der göttlichen Existenz gehört und gottgeweihte Dinge umfasst, wohingegen der Mensch und sein irdisches Dasein in die profane oder weltliche Sphäre gehören. Auch hier gibt das lateinische Wort »profanum« eine entscheidende Hilfe, denn es bedeutet nicht nur »weltlich«, sondern ursprünglich auch »vor dem oder außerhalb des Heiligtums, des ›Fanums‹, stehend«. Damit ist eine entscheidende Aussage getroffen. Hier wird auf zwei Pole verwiesen, die sich gegenüberstehen und auf zwei Sphären hinweisen: die heilige, göttliche Sphäre und die profane, außerhalb des Heiligen stehende, weltliche Sphäre.

Gott und das Heilige auf der einen und der Mensch und das Weltliche auf der anderen Seite, doch war das immer so und wird es auf immer und ewig so bleiben? Ist es gottgewollt, dass diese zwei Welten sich so gegenüberstehen und gibt es keine Möglichkeit, von menschlicher Seite in diesen heiligen Bereich zu gelangen? Nur durch göttliche Offenbarung, durch sein göttliches Wirken in die profane Welt hinein, kann sich auch hier auf der Erde diese Heiligkeit des Schöpfers zeigen und aufleuchten. Gott hat sich keineswegs in die himmlischen Sphären zurückgezogen und Barrieren aufgebaut, um seine Heiligkeit zu schützen und für immer und ewig der verborgene heilige Gott zu bleiben. Es gibt, auf den ersten Blick unsichtbar, Verbindungslinien zwischen Himmel und Erde. Die Verbindung ist da und wird auch immer bleiben.

Wenn wir die Schöpfungsgeschichte in der Genesis etwas näher betrachten, verstehen wir vielleicht auch, dass Gottes Plan bezüglich der Heiligkeit ursprünglich auch den Menschen umfasste. Aber dazu mehr im nächsten Kapitel. Heilig ist nicht automatisch der, der ohne Sünde ist, sondern der, der von Gott, wie oben schon erwähnt, in den göttlichen Wirkungsbereich oder die göttliche Sphäre hineingezogen wurde und den Übergang aus dem Profanen heraus in diese Sphäre schon geschafft hat. Daran orientiert sich das Vorbild der Heiligen, die wir verehren. Denn der Heilige ist nicht aus sich heraus heilig, sondern nur, weil Gott heilig ist. Heilig in diesem Sinne bedeutet die Zugehörigkeit zu Gott und seiner Heiligkeit. Denn was Gott gehört, ist heilig, und wer zu Gott gehört, ist ebenfalls heilig.

Nehmen wir als Beispiel die heilige Stadt Jerusalem, denn sie war, ist und wird immer die Stadt Gottes sein. Oder Jesus Christus, der »der Heilige« als Sohn Gottes ist und bei der biblischen Begegnung mit dem Kranken in Kapharnaum von den bösen und hier »unheiligen Geistern« als »der Heilige Gottes« bezeichnet wird. Denn die Heiligkeit Gottes hat in für uns unbegreiflicher Art und Weise in Jesus Christus Menschengestalt angenommen und Christus hat uns damit das Tor zurück zur Heiligkeit geöffnet, damit wir wieder in das Licht und die Liebe Gottes gelangen. Teil dieser Heiligkeit ist natürlich auch der Heilige Geist, der die Heiligkeit Gottes und Jesu Christi schöpferisch ausdrückt und mit Liebe verbreitet. Doch nun gehen wir ganz an den Anfang der Schöpfung zurück und betrachten diese Heiligkeit der Schöpfung aus ihrem Ursprung heraus.

Der Ursprung der Heiligkeit

in der Schöpfungsgeschichte

Ein wirklich auf den ersten Blick schwer zu durchschauendes Werk ist die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments. Für viele Theologen und Exegeten ist der Ursprung des göttlichen Werkes der Schöpfung nur noch ein Mythos, eine Legende und der Versuch von Menschen, den Ursprung des Menschen und der Welt in einem biblischen Rahmen zu erklären. Doch wenn man auch nicht jede Passage in der Genesis wörtlich nehmen darf und es wirklich märchenhafte Teile zu geben scheint, verbirgt sich in diesen Textpassagen das unendliche Geheimnis und der natürlich für den Menschen sehr schwer zu verstehende Beginn menschlichen Daseins als Ebenbild Gottes in göttlicher bzw. heiliger Sphäre.

Genesis 1,26: »Und Gott sprach: ›Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alle Tiere des Feldes und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht.‹« Oder Gen. 1,27: »Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib.«

Ich belasse es im Moment bei diesen entscheidenden Passagen, um aus diesem wunderschönen Text den göttlichen Willen und den göttlichen Auftrag des Menschen herauszustellen. Zu Beginn des Textes findet sich die so oft gelesene Passage, die aber auch den Exegeten und Theologen viele Probleme bereitet. »Lasset uns Menschen machen«.

Dieses »Uns« verwirrt natürlich, wenn man in diesem Zusammenhang vom Schöpfergott spricht, wenn wir uns aber hier schon langsam der Heiligen Dreifaltigkeit annähern, dann könnten wir im Moment diese Passage einfach nur zur Kenntnis nehmen und es erst mal dabei belassen. Also, Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis. Das bedeutet, dass wir alle – jeder Mensch auf dieser Erde – in sich das Bild trägt, das Gott sich nach Seinem göttlichen Plan ursprünglich vom Menschen vorgestellt hat. Und klar ist, dass dies gewiss kein rein physisches Abbild, sondern etwas viel Großartigeres ist. Gott, der ja reiner Geist und körperlose Heiligkeit ist, hat kein Gesicht, keine Gestalt und keine Körperlichkeit. Er ist Wesen und Licht, und daher trägt auch der irdische Mensch ein Abbild in sich, das nicht körperlich, sondern geistig ist und mit dem Tod nicht verwesen kann. Dies hat unser Schöpfergott in uns Menschen verankert und quasi in dem Augenblick, wo er den ersten Menschen aus dem Ackerboden oder Schlamm erschaffen hat, ihm in sein Angesicht eingehaucht und damit eine Geistseele verschafft. Dieses göttliche Geschenk war nur dem Menschen und keinem anderen Geschöpf zugedacht, dies war die göttliche Zielvorstellung der Gottebenbildlichkeit.

»Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.« Ein wahrlich wunderbarer ehrfurchtgebietender Gedanke, der so ergreifend und göttlich ist, dass uns die Schöpfungsidee unser ganzes Leben begleiten und uns niemals wieder abweichen lassen sollte vom eingeschlagenen Weg zurück zum Schöpfer. Diese Gottähnlichkeit existiert also in uns durch einen übernatürlichen, unkörperlichen und natürlich ewigen Geist, den wir alle in uns haben. Wir sind zwar in diesem, für den einen kurzen, den anderen längeren, irdischen Leben in diesen irdischen Körper eingeschlossen, aber der göttliche Geist in uns wartet und ersehnt auch mit aller Kraft die Wiedervereinigung mit Seiner göttlichen Ursprungsquelle. Denn dadurch kann er endlich wieder gemeinsam mit Seinem Schöpfergott in Frieden, Freude, Freiheit und natürlich vor allem in der Liebe existieren. Man muss sich diese Gedankenkonstruktionen immer wieder klar und bewusst machen, um überhaupt den Sinn unseres menschlichen Lebens nur annähernd verstehen zu können. So hat der liebende Schöpfergott unsere Heiligkeit verankert, denn wenn wir Sein göttliches Abbild repräsentieren sollen, müssen wir natürlich als seine Ebenbilder auch mit dieser Heiligkeit bekleidet sein.

Und ich verweise in diesen Überlegungen und Gedankengängen nochmal auf die obigen ursprünglichen Versuche, dem Begriff der Heiligkeit näher zu kommen. Wir haben von etwas Idealem und Unversehrtem gesprochen, also etwas in höchstem Masse Perfekten oder besser »Vollkommenen«. Gott ist in Seiner Heiligkeit auch die nach menschlichen Maßstäben unvorstellbare Vollkommenheit. Damit erscheint es für den Menschen eine schon fast unlösbare Aufgabe zu sein, Gott zu »ähneln«. Denn da wir auch nur schwerlich in der Lage sind, überhaupt zu erklären, wer oder was Gott eigentlich ist, wird die Aufgabe, Ihm ähnlich zu sein, schon fast unlösbar. Da Gott die absolute Fülle ist von allem, was existiert, kann unser kleiner menschlicher Verstand diese göttlichen Eigenschaften nie völlig identifizieren. Gott ist die Quelle allen Lebens und jeglicher Existenz. Er ist quasi die Verkörperung des Lebens, das Alpha und das Omega, er ist alles und in allem, er ist die Vollkommenheit in der Vollkommenheit. Und diese wahre und ewige göttliche Vollkommenheit kann natürlich nicht von dieser Welt sein, aber der Keim dieser Heiligkeit und Vollkommenheit ist in jedem Menschen, und dieser kann uns auch befähigen, uns dieser Heiligkeit zumindest wieder anzunähern. Heiligkeit bedeutet also, derart von Gottes Licht erfüllt zu werden, dass alle irdische Finsternis immer mehr zurückgedrängt wird, und man so zur vollkommenen Harmonie des irdischen Lebens mit dem von Gott ursprünglich geplanten Seinszustand des Menschen gelangt. »Heilig« ist dann die vollkommene Übereinstimmung mit der alles lenkenden und leitenden Schöpfungskraft des Lebens. Und Gott ist, wie im Kirchenlied oben schon zitiert, tatsächlich auch »dreimal« heilig. Wie soll man sich das nun vorstellen?

Gott ist deswegen »dreimal« heilig, weil Er auch die drei wesentlichen Bestandteile der oben genannten Vollkommenheit in sich verkörpert, die da sind:

a) die absolute Macht,

b) die vollendete Liebe

und

c) die vollendete Weisheit.

a) Im klassischen spirituellen Sinne ist Macht die Fähigkeit, innerhalb des göttlichen Heilsplans Änderungen zu erwirken. Nur Gott besitzt diese absolute Macht, weil er jede Einzelheit seines eigenen göttlichen Heilsplans jederzeit uneingeschränkt ändern kann. Er besitzt diese Macht, zu erschaffen, zu heiligen, unwirksam zu machen und wieder neu zu erschaffen. Er ist der Ursprung aller Macht gegenüber jeglicher Existenz, ewigwährend und zu allen Zeiten. Alles ist nur von Seinem göttlichen Willen abhängig und Seiner göttlichen Macht.

b) Gott schöpft und erschafft durch die vollendete Liebe. Er erlöst durch die vollendete Liebe und Er heiligt ebenso durch diese, denn die Liebe ist die Essenz des Göttlichen Lebens und durch sie wird alles Erschaffene in Stand gehalten und durchflutet. Ohne Liebe ist alles nichts, erst die Liebe gibt allem Sinn und Leben.

c) Die göttliche Weisheit ist die Fähigkeit Gottes, auf vollkommene Weise alles zu umfassen und zu durchschauen. Dadurch ist dieser Schöpfergott in der Lage, innerhalb der Komplexität dieser Seiner Schöpfung, deren sämtliche Teile und Elemente miteinander in Harmonie zu bringen. Daraus ergibt sich dann in diesen gegenseitigen Beziehungen und Wechselwirkungen eine Entwicklung, die jedem einzelnen Seiner Elemente das Heil als Teil der göttlichen Heiligkeit bringt. Das ist die allumfassende Weisheit, als Komponente des dreimal heiligen Gottes.

Der Antrieb bei allen Werken Gottes ist Sein Wille, der alles in Gang setzt. Aber der Kraftstoff, der dafür sorgt, dass Sein Wille die Dinge hervorbringt und erschafft, ist Seine unendliche Liebe. Diese für uns unvorstellbare Liebe des Schöpfers ist die Trägerin allen Lebens und enthält jegliche schöpferische und umwandelnde bzw. formende Kraft. So wie Gott der Anfang alles Erschaffenen ist, stellt Seine Liebe die wahre und einzigartige schöpferische Kraft dar. Sie ist das Feuer direkt aus dem Herzen Gottes, jenes Feuer, das nur Licht und Wärme verbreitet und die ganze Schöpfung läutert und erfüllt. Die wahre und vollkommene Liebe ist die Wirkkraft Seiner göttlichen Majestät und durchdringt jede Faser der Schöpfung. Alles ist von Gott ausgegangen und jegliches Geschöpf ist ein Wunderwerk Seiner Liebe. Und als die Krönung Seiner Schöpfung hatte Er uns Menschen vorgesehen. Die beiden ersten Menschen sollten über die Schöpfung auf Erden herrschen und Gottes Heiligkeit über die Erde in vollkommener Liebe und Harmonie strömen lassen. Sie sollten an sämtlichen Herrlichkeiten des Göttlichen Lebens teilhaben, unter der Bedingung des strikten Gehorsams gegenüber Gottes Vorschriften. Das Juwel, der Abschluss seines göttlichen Wunderwerkes, sollte der Mensch als Sein göttliches Ebenbild sein. Dieser sollte laut göttlichem Plan in einem vollkommenen Stande Seiner eigenen göttlichen Heiligkeit geboren werden. Wären die ersten Menschen Ihm treu geblieben und hätten sie die ihnen vom Schöpfer verliehene Heiligkeit treu bewahrt, dann wäre jede Bewegung, jede Entwicklung in und zwischen Gottes Geschöpfen in einem vollkommenen Gleichgewicht und in vollkommener Harmonie mit Gottes Plan geblieben.

Aber von Anfang an war die menschliche Freiheit ein Bestandteil des göttlichen Schöpfungswillens. Gott wollte keine Marionette erschaffen, sondern das menschliche Ebenbild sollte erhabener sein als alle anderen Geschöpfe und es sollte denken und frei handeln und entscheiden können. Durch diese göttliche Entscheidung lief der Mensch Gefahr, durch seine ihm eingeräumte Freiheit an der Heiligkeit Schaden zu nehmen und den göttlichen Glanz zu verlieren. Und so nahm das Verhängnis seinen Lauf. Kehren wir nach diesen Gedanken über Gott und die Grundsätze der Heiligkeit zur Genesis zurück, und zwar zum Sündenfall.

Die Folgen des Sündenfalles

Genesis 3ff. beschreibt ausführlich den Sündenfall der ersten beiden Menschen: Der Verstoß gegen Gottes Gebot, vom »Baum der Erkenntnis von Gut und Böse« zu essen. »Eva nahm von seinen Früchten und aß, sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er aß«. (Gen 3,6) Die von Gott dem Menschen bewusst geschenkte Freiheit des persönlichen Handelns wird durch die Verführung der Schlange zum Negativen benutzt und der Absturz des Menschen aus der göttlichen Heilssphäre erfolgt. In ganz einfacher und bildhafter Sprache versucht die Bibel hier, die allererste Sünde der ersten Menschen darzustellen, und die damit verbundenen verhängnisvollen Folgen.

Die verführerische Schlange ist das Symbol für das Böse, seine Macht und Gefahr. Der besagte Baum des Lebens und der Erkenntnis von Gut und Böse versinnbildlicht die nur Gott zustehenden Eigenschaften der Unsterblichkeit und des göttlichen Allwissens. Es ist damit ein menschlicher Eingriff in die göttliche Machtsphäre erfolgt. Und dies hat fatale ewige Folgen für diese beiden ersten Menschen und alle Menschen, die danach noch geboren werden.