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Ein sprechendes Boot, eine erzählende Hand, ein Brunnen, der eine eigene Sicht der Dinge hat: Heidemarie Langer überrascht durch ungewöhnliche Erzählperspektiven. Ihre Blickkontakte schließen altbekannte Jesusgeschichten wie den von der Sturmstillung oder von der Frau am Brunnen neu auf. Ergänzt durch die Originalgeschichten entsteht ein Bibellesebuch der besonderen Art: Für Gläubige und Ungläubige, für Gemeinde, Hauskreis oder für biblische Momente Zuhause.
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Seitenzahl: 97
Veröffentlichungsjahr: 2013
Heidemarie Langer
Blickkontakte
Ungewöhnliche Begegnungen mit Jesus
© KREUZ VERLAG
in der Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2013
Alle Rechte vorbehalten
www.kreuz-verlag.de
Umschlaggestaltung: Verlag Herder
Umschlagmotiv: © INFINITY – Fotolia.com
ISBN (E-Book) 978-3-451-80015-3
ISBN (Buch) 978-3-451-61225-1
für dich
Inhalt
Vorwort
Die Geschichten
Das Wirken Jesu beginnt
Der Gruß
Die Stimme
Die Mutter
Die Dienenden
Symbole und Heilungen
Das Haus
Der Baum
Das Wasser
Der Schrei
Die Finger
Die Fürbitte
Heilungen am Sabbat
Der Sabbat
Der Blick
Der Glaube
Die Hand
Gleichnisse Jesu
Der Boden
Das Erbe
Der Teig
Die Erde
Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger
Die Mitte
Der Jünger
Die Schwester
Die Füße
Kraftquellen Jesu
Das Schiff
Das Gewand
Worte
Der Wille
Das Licht
Der Zorn
Brot, Wein und Lebensdurst
Die Körner
Die Reben
Der Brunnen
Das Ende des Wirkens Jesu, sein Tod und seine Auferstehung
Der Duft
Das Kreuz
Der Stein
Die Liebende
Nach der Auferstehung Jesu
Odem Heiliger Geist
Die Leitungskraft
Die Hirtin
Statt eines Nachworts
Verzeichnis der Bibeltexte
Inspirationen
Dank
Vorwort
»Alles wirkliche Leben ist Begegnung« – sagt Martin Buber in seinem Buch »Ich und Du«.
Es ist dieser Wunsch nach lebendiger Begegnung, der mich dazu bewegt, seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Menschen biblische Erzählungen zu entdecken.
Ihre Weisungen und Weisheiten können uns nahekommen, ihre menschheitlichen Themen und Fragen uns ansprechen. Auch können uns bestimmte Motive, Elemente, Symbole einer Erzählung mit ihren Eigenschaften, ihrem »inneren Wissen« begegnen.
Sie sind es, die in diesem Buch neben Personen besonders zur Sprache kommen.
Im Geschehen der Veränderungen und Verwandlungen wirken sie mit.
So erzählt ein Schiff die Geschichte der Sturmstillung. Ein Baum hört Jesus mit einem Gelehrten sprechen. Körner entdecken die Worte vom Brot des Lebens. Ein Schrei spürt die Heilung eines Menschen. Wasser erlebt Verwandlungen. Eine verdorrte Hand spricht von ihrer Heilung.
Vielleicht sind die Erzählungen lebendige Beispiele für eine alte geistliche Weisheit, die besagt, das Geschehen Gottes, das Göttliche, unter uns Menschen und auch in allen Dingen zu suchen.
Bewusst offen nenne ich Jesus in meinen Erzählungen den Begegnungen geschieht, in anderer und neuer Weise aufleuchten zu lassen.
Nun sind die Geschichten bei Ihnen.
Mit Ihrem Augenmerk, Ihrem Blickwinkel, Ihrem jeweiligen Interesse und Ihrer Lebenssituation werden Sie sie lesen und, so hoffe ich, gespannt darauf sein, was Sie anspricht.
Mit und auch ohne Bibelkenntnis werden Sie die Erzählungen neu entdecken.
Vielleicht haben Sie Interesse, weitere und andere Übersetzungen der biblischen Geschichten zu erkunden.
Mit meinen Erzählungen möchte ich dazu anregen, die beschriebenen elementaren Motive auch im eigenen Alltag zu entdecken; in freier Zeit, im Urlaub, vielleicht im Gehen und Pilgern.
Ich wünsche Ihnen beim Lesen viel Freude!
Heidemarie Langer
Die Geschichten sprechen:
Einmal sind wir geschehen. Und das Geschehen
war so bedeutsam, dass es immer weiter erzählt
wurde, immer wieder und weiter.
Dann haben uns Menschen aufgeschrieben.
Kunstvoll und voller Hingabe haben uns die
Schreibenden in Worte geformt
und uns zueinandergefügt.
Seither lesen uns viele Menschen.
Viele sind berührt und meinen, bessere
Geschichten könne es nicht geben;
kein Wort dürfe verändert werden.
Andere nehmen uns auseinander und rätseln,
beraten, was an uns echt sei,
was später hinzugefügt und damit zweitrangig sei.
Sie durchsuchen uns nach Historie und bewerten
das jeweilige Interesse des Schreibenden.
Es ist schon erstaunlich, was sie alles entdecken.
Manchmal wundern wir uns, was sie aus uns
herausholen und wie sie darüber streiten, wer nun
recht habe mit seiner Entdeckung.
Immer einmal wieder erwägen wir, was uns dies
bedeutet.
In jedem Fall aber finden wir es gut, dass sie uns
nicht beiseitelegen wie etliche andere, die kein
Interesse mehr an uns Alten haben.
Manche nehmen unsere Motive auf und schreiben
ganze Romane dazu,
Gedichte, szenische Gestaltungen.
Das hält uns lebendig.
Wie gut, dass wesentliche Gedanken von uns
weitergehen. Wie könnten sie auch verloren sein!
Andere lesen uns und fragen sich, welche Hinweise
sie für ihr Leben bekommen.
Sie begegnen uns mit ihrem jetzigen Leben und
ihren Fragen. Sie spielen uns und lassen uns in
ihnen wohnen. Mit dem, was sie für sich selbst und
miteinander finden, erzählen sie uns weiter und
verwandeln sich – und uns.
Da leben wir auf.
Der Gruß spricht:
Meist freuen sich die Menschen, wenn ich ihnen
geschehe.
Sie erleben sich als angesehen, nehmen lebendige
Begegnung wahr.
Wenn ich unerwartet geschehe, kann es sein, dass
die Menschen an mir erschrecken.
So war es, als mich ein Engel sprach.
Nun bin ich in einem Engel sicherlich eine
besonders starke Kraft.
Allein der Klang –
Der alte Priester, dem ich damals geschah, fiel vor
Furcht zu Boden.
Natürlich wusste er aus den Schriften vom Engel.
Doch nun war er leibhaftig mit seinem Licht
gegenwärtig. Nun geschah ich.
Das traf ihn ins Mark.
Gar die folgenden Worte des Engels, die
Wirklichkeit werden sollten.
Der alte Priester brauchte lang, um mich
anzunehmen, den Gruß.
Und ich wirkte.
Ich wirkte auch, als der Engel zu einer jungen Frau
hereinkam.
Auch sie erschrak an mir.
Doch sie nahm mich bald auf und brachte mich zu
ihrer Verwandten.
Als sich die beiden Frauen sahen, geschah ich, und
die Kinder in ihrem Leib hüpften vor Freude.
Ich wirkte und wirke immer weiter – in jeder
Begegnung.
Wenn die Menschen »Grüß Gott« zueinander
sagen,
merke ich, dass die Kraft des Engels dabei
mitschwingen will.
Gewiss auch im »Adieu« und im »Tschüss«.
Verheißung der Geburt Johannes des Täufers
Da erschien ihm ein Engel des Herrn,
der zur Rechten des Rauchopferaltars stand.
Zacharias erschrak, als er ihn sah,
und Furcht überfiel ihn.
Doch der Engel sagte zu ihm:
Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Gebet
ist erhört worden.
Lukas 1, 11–13
Verheißung der Geburt Jesu
Er trat bei ihr ein und sagte:
Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.
Sie erschrak über das Wort und sann nach, was
dieser Gruß bedeuten solle.
Der Engel sagte zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria;
denn du hast bei Gott Gnade gefunden …
Lukas 1, 28–30
Begegnung zwischen Maria und Elisabet
Maria machte sich in diesen Tagen auf und eilte in eine Stadt
im Gebirge von Judäa. Sie trat in das Haus des Zacharias und
begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem
Leib; Elisabet wurde vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit
lauter Stimme:
Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!
Woher wird mir dies zuteil, dass die Mutter meines Herrn zu
mir kommt?
Denn als der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, hüpfte
das Kind vor Freude in meinem Leibe.
Lukas 1, 39–44
Die Stimme spricht:
Wenn ein Mensch ans Licht der Welt kommt, bin
ich von Anbeginn bei ihm.
Ich erstarke in seiner Sprache und werde immer
mehr zu einer wesentlichen Kraft seines Lebens.
Als Stimme bin ich dem Inhalt verbunden, den der
Mensch spricht, und übertrage, wie er innerlich zu
diesem steht, wie er es meint.
Ebenso bin ich der Beziehung zu den anderen
verbunden, zu denen der Mensch spricht.
Ich mittle Inhalt, Gesinnung und Beziehung.
Die Menschen merken es, wenn alles
zusammenpasst, und nennen es »stimmig«.
In Johannes bin ich eine besondere Kraft.
Nicht, dass ich eine überragende Qualität in ihm
wäre – das nicht.
Das Besondere ist, dass er voll und ganz mit mir
zusammenlebt und mit mir eins ist.
Wenn die Menschen Johannes fragen, wer er sei,
sagt er, er sei ich: die Stimme.
Und es ist so.
Er steht ganz in seiner Aufgabe, in den Inhalten
früherer Weisungen zu leben
und sie den heutigen Menschen zu vermitteln.
Fest begründet lebt er in vielen alten Botschaften,
die er im Jetzt zum Klingen bringt:
»Wendet euch um, wendet euch zu dem hin, was
Leben fördert und was das Leben mit euch vorhat.
Wendet euch dem Kommenden hin!«
Meine Kraft in ihm mittelt die Zeiten ins Jetzt.
Ich, die Stimme, mittle, was war und was ist –
und weise auf darüber Hinausgehendes hin,
das noch nicht ist – und das dennoch schon jetzt
aufleuchtet: das Kommende.
Es tönt durch mich hindurch – und geschieht vor
allem in der Stille, die Johannes oftmals nach mir
entstehen lässt.
Dann merke ich, wie ich mich im Echo als Klang
entfalte und wie in der weiter sich öffnenden Stille
eine kaum hörbare und doch zu erlauschende
Ahnung auf das Kommende hin geschieht.
Wie sehr liebe ich diese Zukunfts-Musik.
Johannes der Täufers über sich selbst
Das ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage:
Wer bist du?
Da bekannte er und leugnete nicht; er bekannte:
Ich bin nicht der Messias.
Sie fragten ihn:
Was dann? Bist du Elija? Er sagte:
Ich bin es nicht.
Bist du der Prophet? Er antwortete:
Nein.
Da fragten sie zu ihn:
Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben,
Antwort bringen. Was sagst du über dich selbst?
Er sagte:
Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jesaja gesagt hat.
… Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt, der nach
mir kommt …
Johannes 1, 19–23.26
Er verkündete: Ich habe euch mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit Heiligem Geist taufen.
Markus 1,8
Die Mutter spricht:
Ich denke, dass seine Zeit gekommen ist, nun auch
öffentlich zu wirken.
Ich sehe, dass er zögerlich ist. Er wehrt meinen
Hinweis ab.
Er will seine Zeit selbst bestimmen.
Er ist so.
Wenn ich es bedenke, habe ich über die Jahre
immer besser verstanden, dass er so ist. Das war
beileibe nicht einfach für mich und für uns.
Als er zwölf war und wir als Familie in Jerusalem
waren, blieb er auch nach den Gebeten im Tempel.
Wir wussten nicht, wo er war, und suchten ihn. Als
wir ihn fanden, sagte er, dass er im Hause seines
Vaters sein müsse.
Da begriffen wir, dass er uns innerlich verlassen
hatte und in seine Bestimmung ging.
Mehr und mehr Raum nahm er sich, um in der
Lehre zu wachsen.
Wir begleiteten ihn, auch wenn er häufig allein ging
und andere fand,
die bei ihm sein wollten.
Er ging in seinen Weg.
Doch ist jetzt nicht die richtige Zeit gekommen,
dass er öffentlich wirksam wird?
Ich finde: Es passt gut, denn wir sind auf einer
Hochzeit und der Wein ist ausgegangen. Man stelle
sich vor: eine Hochzeit ohne Wein!
Ich denke, ich werde den Raum für sein Wirken
vorbereiten.
War das nicht immer meine Aufgabe gewesen?
Ich werde den Dienern sagen, dass sie das tun
sollen, was er ihnen sagen wird.
Und dann werde ich mich zurücknehmen. Ganz.
So wie der alte Wein ausgeht – ausgehen muss –,
denn der neue ist da.
Die Hochzeit in Kana
Und am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana in Galiläa,
und die Mutter Jesu war dort. Aber auch Jesus und seine
Jünger waren zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, sagt die Mutter Jesu zu ihm:
Sie haben keinen Wein mehr.
Und Jesus sagt zu ihr: Was hat das mit dir und mir zu tun,
Frau? Meine Stunde ist noch nicht da.
Seine Mutter sagt zu den Dienern: Was immer er euch sagt,
das tut.
Es standen dort aber sechs steinerne Wasserkrüge, wie es die
Reinigungsvorschriften der Juden verlangen, die fassten zwei
bis drei Maß. Jesus sagt zu ihnen: Füllt die Krüge mit Wasser!
Und sie füllten sie bis oben.
Und er sagt zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt dem
Speisemeister davon. Und sie brachten es.
Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, das zu Wein
