Bodybuilding für die Seele - Peter Michael Dieckmann - E-Book

Bodybuilding für die Seele E-Book

Peter Michael Dieckmann

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  • Herausgeber: Goldmann
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2010
Beschreibung

Der Weg zu emotionalem und spirituellem Wachstum – ein humorvoller Erfahrungsbericht

Muskeln verkümmern, wenn wir sie nicht beanspruchen. Das gilt aus Sicht des Reiki-Meisters Peter-Michael Dieckmann in einem ganzheitlichen Sinn auch für die Kräfte unserer Seele. Mitreißend und humorvoll schildert Dieckmann, wie wir unsere seelischen Kräfte achten, pflegen und trainieren können und wie Dankbarkeit, Zuversicht und Liebe daraus erwachsen. Anhand von Alltagsbeispielen zeigt der Autor, wie man seelische Energie aufbaut. Und dank seiner Glaubwürdigkeit überträgt sich diese positive Haltung unmittelbar auf den Leser. Meditationstexte und Übungsvorschläge verstärken den Praxisnutzen.

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Seitenzahl: 303

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Inhaltsverzeichnis
Buch
Autor
Titel
Widmung
Zum Beginn
Der Umgang mit dem Buch – Kleine Trainingslehre
Kapitel I – Achtsamkeit
Frag dich: Was ist mir wichtig?
Stolpersteine
Bilder und Gefühle
Die Zehn Gebote – Techniken der Achtsamkeit
Im Land der Achtsamkeit
Kapitel II – Dankbarkeit
Frag dich: Bin ich dankbar?
Sinn oder Fülle
Ich will jammern und mich beklagen …
Die Agentur des Göttlichen
Ich habe euch nur Engel gesandt
Wenn du möchtest, darfst du dankbar sein
Kapitel III – Wahrhaftigkeit
Frag dich: Wie sehe ich mich?
Die Augen der anderen
Innere Wahrheit – äußere Wahrheit
Wahrheit und Verantwortung
Ja!
Du bist deiner Wahrheit, dir selbst und deinem Leben treu geblieben
Kapitel IV – Sehnsucht
Frag dich: Wenn mein Leben jetzt zu Ende wäre
Wegweiser der Seele
Führe uns nicht in Versuchung
Vom Suchen und Finden oder »Give me five!«
Karma – Sehnsucht statt Passion
Reinkarnation
Dein Auftrag
Kapitel V – Leidenschaft
Frag dich: Hat es sich gelohnt?
Hingabe statt Anziehung
Gott ist mit den Tüchtigen
Trennung und Leiden
Blind Date
Kapitel VI – Entschlossenheit
Frag dich: Welche Entscheidungen habe ich getroffen?
Schlüssel für das Himmelreich
Wenn du dich entscheidest, siehst du die Tür
Der Kraftpunkt ist die Gegenwart
Wege und Ziele
So sei es
Kapitel VII – Leichtigkeit
Frag dich: Was fällt mir schwer, was fällt mir leicht?
Folge deiner Bestimmung
Die magische Einstellung
Loslassen
Vom rechten Zeitpunkt
Und immer geht es weiter
Kapitel VIII – Sanftmut
Frag dich: Spüre ich Härte, spüre ich Sanftheit?
Sanftmut und Gerechtigkeit
Perfektion und (Un-) Vollkommenheit
Ein Weg zu mir selbst
Selig sind die Sanftmütigen
Kapitel IX – Zuversicht
Frag dich: Freue oder fürchte ich mich?
Werde vollkommen hoffnungslos
Fürchtet euch nicht
Engel für einen Tag
Ich kümmere mich darum
Kapitel X – Glaube
Frag dich: Welche Gesetze bestimmen mein Leben?
Glaube des Herzens
Gott
Das Geheimnis des Glaubens
Die Seele spricht
Kapitel XI – Einverständnis
Frag dich: Bin ich einverstanden?
Gefühlslandschaften
Ich bin nicht immer einverstanden
Friede sei mit dir
Der Beobachter
Das Jüngste Gericht
»Ich bin einverstanden!«
Kapitel XII – Liebe
Frag dich: Was erschaffe ich? Was mache ich?
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst
Verkauf niemals deine Seele
»Und wenn er wirklich wiederkäm«
Selbstliebe – Nächstenliebe
Danksagung
Kontakt
Copyright
Buch
Muskeln verkümmern, wenn wir sie nicht beanspruchen. Das gilt aus Sicht des Reiki-Meisters Peter Michael Dieckmann in einem ganzheitlichen Sinn auch für die Kräfte unserer Seele. Mitreißend und humorvoll schildert Dieckmann, wie wir unsere seelischen Kräfte achten, pflegen und trainieren können und wie Dankbarkeit, Zuversicht und Liebe daraus erwachsen. Anhand von Alltagsbeispielen zeigt der Autor, wie man seelische Energie aufbaut. Und dank seiner Glaubwürdigkeit überträgt sich diese positive Haltung unmittelbar auf den Leser. Meditationstexte und Übungsvorschläge verstärken den Praxisnutzen.
Autor
Peter Michael Dieckmann, 1961 in Duisburg geboren, ist Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei und war viele Jahre Zielfahnder. Als »harter Junge« eines Mobilen Einsatzkommandos zählten für ihn nur Fakten, mitunter sogar die Fäuste. Zu seiner eigenen Überraschung entdeckte er in Reiki-Seminaren die eigene Sensibilität. Heute veranstaltet Peter Michael Dieckmann als Reikilehrer Seminare und Workshops. Er wohnt mit seiner Frau Karina im Ruhrgebiet.
Von Peter Michael Dieckmann sind bei Arkana ebenfalls erschienen:Wenn zwei sich treffen in meinem Namen (33723)Ich bin berührt – Reiki oder die Schule des Lebens (21807)
Für Karina
Die Muskeln der Achtsamkeit brauche ich, um den jetzigen Augenblick nicht zu verpassen.
Die Muskeln der Dankbarkeit brauche ich, um die Geschenke meines Lebens wertzuschätzen.
Die Muskeln der Wahrhaftigkeit brauche ich, um mir selbst und meinem Leben treu zu bleiben.
Die Muskeln der Sehnsucht brauche ich, um die Bestimmung meines Lebens zu erkennen.
Die Muskeln der Leidenschaft brauche ich, um es mit mir und meiner Freude ernst zu meinen.
Die Muskeln der Entschlossenheit brauche ich, um »glückliche« Entscheidungen zu treffen.
Die Muskeln der Leichtigkeit brauche ich, um die Hürden auf meinen Wegen zu überwinden.
Die Muskeln der Sanftmut brauche ich, um meinen Gefühlen ohne Rüstung zu begegnen.
Die Muskeln der Zuversicht brauche ich, um das Licht in der Dunkelheit des Unbekannten zu sehen.
Die Muskeln des Glaubens brauche ich, um die Berge zu versetzen, die meinem Glück im Wege stehen.
Die Muskeln des Einverständnisses brauche ich, um meine Zweifel in Vertrauen zu verwandeln.
Die Muskeln der Liebe brauche ich, um ohne Bedingung, ohne Rechtfertigung und ohne Kompromiss
glücklich zu sein.
Zum Beginn
Früher kannte ich nur den Körper aus Fleisch und Blut. Heute weiß ich, dass der Mensch mehr als nur einen Körper hat. Der materielle ist umgeben von diversen Lichtkörpern, die man in der Regel nicht sehen, aber spüren kann. Diese Lichtkörper bilden die Aura. In manchen, zumeist östlichen Traditionen hat jeder von ihnen einen Namen. Da gibt es den Astral-, den Mentalkörper und so fort. Eine dieser feinstofflichen Hüllen wird »Emotionalkörper« genannt. Und so wie der materielle verfügt auch er im übertragenen Sinne über Muskeln. Die Muskeln der Gefühle. Es gibt Muskeln des Ärgers und solche der Gelassenheit, Muskeln der Traurigkeit und der Freude. Es gibt Muskeln des Vertrauens und der Angst. Und es gibt die Muskeln des Glücks; denn auch Glück ist ein Gefühl.
Die Muskeln wollen eingesetzt werden. »Use it or lose it«, lautet ein Wahlspruch, der besagt, dass die Muskeln verkümmern, wenn sie nicht mehr beansprucht werden. Wer jemals seinen Arm im Gipsverband tragen musste, weiß, wie schnell ein Muskel schrumpfen kann. Ebenso verhält es sich mit Gefühlen. Werden Gefühle zu lange unterdrückt, verliert man die Fähigkeit, sie in sich hervorzurufen. Als Kriminalbeamter habe ich viele Straftäter erlebt, die kein Mitgefühl für andere empfinden konnten, weil sie nie gelernt hatten, sanfte Gefühle in sich zu entwickeln. Umso ausgeprägter war bei ihnen die Fähigkeit, die »harten« Emotionen in sich zu pflegen. Sie konnten (jäh)zornig und wütend sein, spürten einen starken Willen, andere zu bekämpfen und zu besiegen, und vermochten oft körperliche Tantalusqualen zu ertragen. Ich habe Schläger kennengelernt, die vermeintlich schmerzunempfindlich waren. Sie alle wurden bereits in der Kindheit von ihren Eltern geschlagen. Je mehr das Kind weinte, desto heftiger wurde es verprügelt. Um sich zu schützen, musste es lernen, den Schmerz und das Weinen in sich zu unterdrücken. Damit verbunden verschwand ebenso die Fähigkeit, das Leid anderer zu fühlen. Weil sie sich selbst gegenüber nicht einfühlsam sein durften, konnten sie später ebenso anderen gegenüber kein Mitgefühl empfinden.
Auch die Muskeln des Emotionalkörpers verkümmern, wenn sie nicht mehr eingesetzt werden. Habe ich die Muskeln der Freude zu lange vernachlässigt, kann ich mich an meinem Leben nicht erfreuen. Sind meine Muskeln des Glücks zu schwach, kann ich mein Glück nicht fassen. Das Gewicht Fortunas ist zu schwer für mich. Es gibt viele Beispiele von Menschen, die zwar reich und gesund, aber dennoch nicht glücklich sind. Sie haben es verlernt. Sie haben die Muskeln des Glücks in sich verkümmern lassen. »Use it or lose it.«
Die gute Nachricht ist: Jeder Muskel, der verkümmert ist, kann auch wieder aufgebaut werden. Keiner verschwindet. Ebenso kann ein Mensch jederzeit damit beginnen, seine verkümmerten Emotionalmuskeln zu regenerieren. Dafür ist es nie zu spät. Jeder besitzt die Fähigkeit, Freude, Traurigkeit, Wut, Dankbarkeit, Verzweiflung, Angst und Liebe in sich zu spüren. Und ebenso hat jeder Mensch das Potenzial, glücklich zu sein. Doch sind viele nicht in der Lage, dieses Reservoir in sich ganz auszuschöpfen. Vielleicht stehen Glaubenssätze im Wege, Prägungen aus der Kindheit, religiöse Vorstellungen, die sie daran hindern. »Wer hoch hinauswill, fällt tief«, »Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach« und dergleichen einschränkende Sprüche mehr lehren die Kinder, nicht zu viel zu wollen. Zufriedenheit reicht aus, Glück gilt als Anspruch, der beinah schon anmaßend sei. Und so, wie Muskeln sich verkleinern, wenn man sie nicht bewegt, nimmt die Fähigkeit ab, glücklich zu sein, wenn man sie nicht »anwendet«.
Um meinen körperlichen Zustand zu verbessern, könnte ich auf die Idee kommen, in einem Fitnessstudio anzurufen, Muskeln zu bestellen und anschließend auf der Couch in meinem Wohnzimmer auf die Lieferung zu warten. Meine Bestellung würde aber allenfalls ein Schütteln des Kopfes auslösen. Denn das Fitnessstudio vermag mir nur die Gewichte und Geräte zur Verfügung zu stellen, mit denen ich trainieren kann.
Auch das Leben schickt mir kein Glück nach Hause. Es liefert mir Situationen und Begegnungen, mit denen ich glücklich oder unglücklich werden kann. Reichtum ist ebenfalls ein Gewicht, das erst gehoben werden muss, und auch der Traumpartner wird mich vor Herausforderungen stellen, die ich zu bewältigen habe. Die Ereignisse in meinem Leben sind die Gewichte, die mir das Fitnessstudio der Seele zur Verfügung stellt. Ich kann alles beim Universum ordern: Reichtum, Gesundheit, meinen Traumpartner, mein Traumhaus und so fort. Doch bleibt die Frage, ob diese Bestellungen, sofern sie denn geliefert werden, mich auch glücklich machen. Wenn ich nicht fähig bin, in meinem Inneren das Glück zu fühlen, werden mich auch die Lieferungen nicht glücklich machen können. Und wenn ich fähig bin, das Glück in mir zu fühlen, stellt sich die Frage, ob ich manche Bestellungen dann noch brauche.
Aufträge an universelle Lieferdienste werden auf Basis des Gesetzes der Anziehung abgewickelt. Gedanken wirken wie Magnete. Ich ziehe die Ereignisse an, die ich gedanklich ausstrahle. Das Rezept für ein glückliches Leben scheint somit simpel zu sein: Ändere ich meine Gedanken, ändern sich auch meine Erfahrungen. Techniken der Anziehung zielen jedoch auf das Glück, das von außen kommen soll. Die Hingabe hat diese Erwartung nicht. Die Zielrichtung der Hingabe ist die innere Freude. Sie verlangt kein Glück, sondern sie erschafft es.
Im Jahr 2008 stellten viele Menschen beim Blick auf ihre Finanzen verblüfft (und manche ruiniert) fest, dass ihr Vermögen über kein stabiles Fundament verfügte. Sie hatten ihr wirtschaftliches Haus offenbar auf Sand gebaut, denn ihr Geld war quasi über Nacht wie vom Erdboden verschluckt und auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ihre Kapitalanlagen wurden wertlos, weil sie durch keinen festen Wert begründet waren. Insbesondere in den neunziger Jahren lautete ein vorherrschender Glaubenssatz in der Finanzwelt, dass (nur) Geld weiteres Geld produzieren könnte. Menschen, die es noch mit Arbeit versuchten, wurden von den meisten Spekulanten mit einem milden Lächeln bedacht.
Wenn nicht viele Arbeitnehmer später in den Sog der Finanzkrise hineingezogen worden wären, um ihren Arbeitsplatz hätten fürchten und auch noch die Zeche bezahlen müssen, hätten sie, wie es in dem Sprichwort heißt, zuletzt am besten lachen können. Es ist nicht das Geld, das den Wert hervorbringt, vielmehr ist es umgekehrt: Das Geld ist Ausdruck des Wertes. Ebenso verhält es sich mit den Bestellungen beim Universum: Sie werden erst durch die Gefühle wertvoll. Der Wert entsteht im Menschen selbst. Auch Glück braucht ein Fundament. Wer die – bestellten oder unbestellten – Lieferungen des Universums in das Gefühl »Glück« verwandeln möchte, benötigt die Fähigkeit, in sich Wert zu fühlen. Ein Mensch ohne inneres Selbstwertgefühl wird immer Wertlosigkeit empfinden, gleich, was er von der Außenwelt bekommt.
Das Wort »Glück« kann sich auf ein Ereignis, einen Umstand oder auf ein Gefühl beziehen. Der Begriff ist in diesem Sinne doppeldeutig. Er kann Äußeres wie Inneres umschreiben. Ein Mensch kann durchaus Glück haben und dennoch in seinem Inneren unglücklich sein. Wer die »äußere« Fortüne für sich nicht erkennt, kann sie in sich nicht spüren. Daher fällt es mir leichter, von der »Freude« zu sprechen. Freude kommt immer von innen. Und ein Mensch, der sich freut, ist im gleichen Moment auch glücklich. Was uns oft den »Spaß« verdirbt, sind Ärger und Sorge. Der Ärger ist nach hinten, auf Vergangenes, gerichtet, die Sorge ist nach vorn, zur Zukunft hin, orientiert. Die Freude ist auf den Augenblick fokussiert und daher vergänglich. Man kann sie nicht festhalten, ebenso wie man den Augenblick nicht fixieren kann. Ärger und Sorge hingegen haften in der Zeit. Deshalb scheint es oft so, als seien sie unsere ständigen Begleiter. Das Hier und Jetzt ist eine ernsthafte Bedrohung von Ärger und Sorge. Zugleich ist das Hier und Jetzt der Lebensraum der Freude.
Es fällt schwer, immer völlig im Augenblick zu leben. Nur wenige Menschen schaffen es. Aber jedem kann es zeitweise gelingen. Mit Hilfe von meditativen Übungen. Viele glauben, Meditation bedeute, lange und still dazusitzen. Das kann durchaus so sein. Doch ist das Spektrum meditativer Techniken sehr viel größer. Ich bin ein regelrechter Fan kurzer Übungen, die nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen und mir wirksam in meinem Alltag helfen können.
Ich habe nie meditiert, um erleuchtet zu werden, die Schwingung der Erde anzuheben oder ähnlich hochtrabende Ziele zu erreichen. Ich nutze die Techniken, um mich an meinem Leben erfreuen zu können. Und falls dieser Planet die Absicht haben sollte, seine Schwingung zu erhöhen, kann ihm meine alltägliche Freude vielleicht dabei helfen. Das Glücksgefühl eines jeden Menschen ist in der Lage, die Welt zum Positiven hin zu verändern. Ebenso wie die Verletzung eines Menschen die Welt zum Negativen hin beeinflussen kann. Freude, die aus Letzterem geboren wird, ist wahrhaft »Schadenfreude«. Ein Mensch, der traumatisiert wird, verliert ein Stück seiner Freude. Ist die Verletzung zu groß, verschwindet sie. Sie muss in mir lebendig bleiben, damit sie im Außen wirken kann. Dennoch darf sie niemals zu meinem Anspruch werden. Wenn ich die Vergänglichkeit des Augenblicks akzeptiere, bejahe ich damit zugleich die Vergänglichkeit der Freude. Auch die anderen Gefühle gehören zu meinem Leben dazu. Doch ich kann darauf vertrauen, dass auf jeden Augenblick ein nächster folgt, der wieder das Potenzial der Freude in sich trägt.
Ab und zu stelle ich mir die Seele als einen Kontinent mit vielen Ländern vor. Jeder Mensch reist mit seinem Ichbewusstsein durch die Nationen seiner Seele. Das Ich ist immer auf der Reise. Niemals wird es ihm gelingen, sich dauerhaft niederzulassen. Das ist eine traurige wie frohe Botschaft zugleich. Traurig deshalb, weil wir uns gern immer dort aufhielten, wo es angenehm und schön ist. Froh deshalb, weil die Botschaft uns von dem Anspruch befreit, immer dort sein zu müssen, wo es angenehm und schön ist. Wir brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir mal wieder woanders sind, uns in einem Land unserer Seele aufhalten, in dem wir nicht (nur) Freude und Glück, sondern (auch) Angst und Traurigkeit empfinden. Weil es uns von der Meinung befreit, spirituell unterentwickelt zu sein, da wir es immer noch nicht schaffen, ständig ausgelassen, zufrieden, bewusst zu sein. Nicht der Aufenthalt an einer Stelle, sondern die unentwegte Reise ist das Ziel des (ewigen) Lebens. Nach dem Aufbruch erfolgt die Ankunft, und nach der Ankunft folgt der Aufbruch. Je intensiver ich das erleben kann, desto erfüllter ist mein Leben.
Niemand hat mir vor meiner Geburt gesagt, dass es einfach werden würde. »Dieser Weg wird kein leichter sein«, lautete vielmehr die Botschaft. Ich muss mutig sein, entschlossen und leidenschaftlich. Ich bin selbst verantwortlich für mein Leben, für mein Glück. Ich allein muss auf die Fragen meines Lebens antworten.
Dieses Buch verspricht keine einfachen Rezepte. Die beschriebenen Übungen sind ein Muskeltraining für die Seele. Die Kapitel sind die Stationen, an denen ich trainieren kann. An diesen Stationen schule ich die Fähigkeiten, die ich brauche, um mit mir und meinem Leben glücklich zu werden.
Der Umgang mit dem Buch – Kleine Trainingslehre
Dieses Buch richtet sich an Sportler wie Nichtsportler gleichermaßen. Ich war in meinem Leben beides. Ich habe in meiner Jugend Fußball gespielt, später habe ich Kraftsport betrieben. Über zehn Jahre lang suchte ich mindestens viermal in der Woche die örtliche »Muckibude« auf. Diese Zeit ist lange vorbei. Mittlerweile beschränken sich meine sportlichen Aktivitäten auf meine tägliche Reiki-Übung (dabei sind zumindest meine Hände in Bewegung) und ein bis zwei Spaziergänge pro Woche. Es könnte mir zugegebenermaßen nicht schaden, auch heute ein wenig mehr Sport zu treiben. Dafür bin ich nicht mehr einseitig auf meinen Körper fixiert. Ich gehöre nicht mehr zu den Gesundheitsaposteln, die sportliche Aktivität als eine unverzichtbare Voraussetzung für das körperliche und seelische Wohlgefühl betrachten. Heute weiß ich, dass man mehr als nur Körperkraft investieren muss, um mit sich selbst und dem Leben in Einklang zu sein.
Man braucht also kein Vorkämpfer für Leibesübungen zu sein, um im »Fitnessstudio« der Seele trainieren zu können. Und gerade Sportmuffeln bietet das Buch eine gute Argumentation. Sie können auf den Rat wohlmeinender Mitmenschen, sie mögen sich doch (mehr) körperlich betätigen, mit ruhigem Gewissen antworten: »Ich trainiere täglich.« Und auf die Nachfrage »In welcher Disziplin?«: »Glück.«
In jeder Sportart gibt es Grund- und spezielle Übungen, ein Basis- und ein Aufbautraining. Im Angebot sind konditionelle, technische und taktische Trainingseinheiten. Es gibt spezielle Maßnahmen für die Arme, für die Beine, für die Brust, den Rücken und so weiter. Dennoch ist keine Muskelgruppe von den anderen zu trennen. Alle Körperteile sind miteinander verbunden und gleichermaßen wichtig. Ebenso verhält es sich mit den Glücksmuskeln. Folgende Grundsätze des körperlichen Krafttrainings gelten auch für das Bodybuilding der Seele:
Regelmäßigkeit: Ein kontinuierliches Training ist effektiver als ein einmaliges. Die Wirkung entsteht (auch) durch Beständigkeit.
Ganzheitlichkeit: Die Muskeln bilden zusammen eine Einheit. Wer nur eine Körperhälfte trainiert, gerät irgendwann in Schieflage.
Erholungsphasen: Das Training sollte so lang wie nötig und so kurz wie möglich sein. Wer zu viel trainiert, übersäuert die Muskeln.
Die Übungen können von jedermann ohne Vorkenntnisse angewandt werden. Zwar mag man das Buch auch einfach nur lesen, ohne die Übungen durchzuführen, dennoch empfehle ich, sie auszuprobieren. Es reicht nicht (immer), den Sinn einer Übung intellektuell zu erfassen. Ihre Botschaft sollte das Herz erreichen. Dabei gilt: Man kann nichts falsch machen. Jeder tue es auf seine Weise. Es gibt keine Kriterien für das Gelingen. Wichtig ist nur die Bereitschaft, sich auf sie einzulassen. Nicht mehr und nicht weniger. Heute wird man eine Übung so empfinden, morgen anders. Grundsätzlich sollte man sie spielerisch angehen. Das bedeutet, es zwar ernst zu meinen mit sich und der Übung, dabei aber keinen Ehrgeiz zu entwickeln. Ehrgeiz schadet nur. Die Übungen sollen im Alltag (nach)wirken und dürfen nicht selbst zum Lebensinhalt werden. Man kann mit Meditation keine Ziele erreichen, es gibt keine Maßstäbe, mit deren Hilfe man eine Ergebniskontrolle betreiben könnte. Es geht immer nur um die jeweilige Erfahrung des Übenden, und diese verändert sich von Tag zu Tag.
Kapitel I
Achtsamkeit
Ein alter Massai-Krieger saß mit seinen Enkeln am Lagerfeuer. Der Alte sagte nach einer Weile des Schweigens: »Wisst ihr, im Leben ist es oft so, als ob zwei Löwen im Herzen miteinander kämpften. Einer der beiden ist rachsüchtig, aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend.«
»Welcher der beiden gewinnt denn den Kampf?«, fragte eins der Kinder.
»Der Löwe, den man füttert«, antwortete der Alte.
Anonym
Im Jahr 2007 gab Joshua Bell ein Konzert in einer U-Bahn-Station in Washington. 45 Minuten lang spielte der weltberühmte Geiger auf seiner Stradivari. Der Washington Post zufolge liefen in der Zeit 1070 Menschen an dem vermeintlich unbekannten Straßenmusiker vorbei. Davon blieben sechs für einen kurzen Moment stehen. Der eine oder andere Passant warf achtlos einen Dollar in den Hut. Joshua Bell füllt regelmäßig die Konzertsäle dieser Welt. Die Eintrittspreise sind für viele unerschwinglich. Dieses Konzert in der Washingtoner Metro war umsonst. Doch niemand nahm es wahr.
Ich gebe zu, dass mir das auch hätte passieren können. Oft laufe ich blind durch die Welt und bemerke die tollsten Sachen nicht, nur weil ich gerade etwas anderes für wichtiger halte. Die Wertung der Wichtigkeit lenkt meine Achtsamkeit. Die Einschätzung der Bedeutsamkeit obliegt jedoch nicht dem Verstand, sondern dem Gefühl. Die Lenkung der Achtsamkeit ist keine Sache des Kopfes, sondern des Herzens. Der Verstand kann zwar entscheiden, dies oder jenes sei wichtig. Er kann Prioritätenlisten erstellen. Wenn das Herz die Bedeutung aber nicht empfindet, dann wird es nichts mit der Achtsamkeit. Das ist der Grund, weshalb so viele Neujahrsvorsätze scheitern. Die meisten Vorsätze sind Verordnungen des Verstandes. Der wahre Regent aber ist das Herz.
Die Protagonisten des Herzens sind »Liebe« und »Angst«. Sie sind die Hauptdarsteller im Theater des Lebens. Die Scheinwerfer beleuchten immer den Bühnenabschnitt, auf dem sich einer der beiden Hauptdarsteller befindet. Wo Liebe und Angst sich aufhalten, leuchtet das Licht der Achtsamkeit. Was ich von Herzen liebe, bedeutet mir viel. Es ist mir so wichtig, dass ich darauf achte. Wenn ich vor etwas Angst habe, bedeutet mir das, was ich für gefährdet halte, viel. Ich habe Angst, dass verletzt werden könnte, was für mich bedeutsam ist. Es ist mir so wichtig, dass ich darauf achte. Die Angst zeigt mir, was ich liebe. Ein Mensch in Todesangst spürt in diesem Moment, dass er das Leben liebt. Achtsamkeit ist mehr als Wahrnehmen. Achtsamkeit ist eine Form der Wertschätzung.
Wenn ich etwas bewusst ignoriere, dokumentiere ich, wie gering ich den Wert schätze. Bewusste Ignoranz ist eine Form der Achtsamkeit, die sich als Unachtsamkeit verkleidet. Ich tue so, als sei mir das, was ich ignoriere, nicht wichtig. Doch das Gegenteil ist der Fall: Es ist mir wichtig, damit keinen Kontakt zu haben. Mit meiner bewussten Ignoranz will ich mir beweisen, dass ich mit dem Objekt meiner (Un-)Achtsamkeit nichts zu tun habe. Weil Ignoranz in Wahrheit Achtsamkeit ist, wirkt auch sie anziehend. So kann es geschehen, dass ich immer wieder genau mit den Themen konfrontiert werde, mit denen ich nicht in Berührung kommen möchte. Um im Theater zu bleiben: Das Ignorierte tritt aus dem dunklen Backstage-Bereich heraus und legt an der hellsten Stelle der Bühne ein kleines Tänzchen hin. Es will einfach nur Aufmerksamkeit; und je mehr sie ihm verweigert wird, desto häufiger und störender springt es ins Rampenlicht. Sobald ihm die Beachtung geschenkt wird, die es verdient, hört es auf, das Stück zu stören. Wenn ich akzeptiere, dass auch dieses Thema zu meinem Leben gehört, wird es mich nicht mehr belästigen. Ich muss ihm einen Platz auf der Bühne zuweisen, darf es nicht mehr nur hinter den Vorhang verbannen.
Wenn ich nicht gerade auf Seminarreise bin, sitze ich bei jedem Heimspiel meines Lieblingsvereins MSV Duisburg auf der Tribüne. Leser, die ein wenig Ahnung vom Fußball haben, wissen, dass es nicht immer ein Vergnügen ist, ein MSV-Fan zu sein. In der einen Saison zittert man um den Aufstieg, in der nächsten um den Abstieg. Nicht umsonst schrieb jemand im Fanforum des Internets: »Gott sprach zu den Steinen: Möchtet ihr MSV-Fans werden? Die Steine antworteten: Nein, dafür sind wir nicht hart genug.«
Karina und ich haben zwei Dauerkarten für die MSV-Arena. Zu allem Überfluss sitzen in der Saison, während ich diese Zeilen schreibe, zwei Zuschauer in der Reihe hinter uns, die das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute lautstark kommentieren. Sie haben an allem etwas auszusetzen, wissen alles besser und schimpfen, was das Zeug hält. Zwei Giganten in der Disziplin des negativen Denkens. Oft weiß ich nicht, ob ich mich mehr über das schlechte Spiel meiner Mannschaft oder über die dummen Sprüche der beiden Weltmeister hinter mir ärgern soll. Sie wären vermutlich nicht mal in der Lage, einen Verein der untersten Amateurspielklasse schadlos durch eine Saison zu bringen. Und vor jedem Spiel nehme ich mir vor, das Geschwätz der beiden zu überhören. Doch je mehr ich versuche, sie zu ignorieren, desto nerviger empfinde ich sie.
Es gibt verschiedene Techniken des Loslassens. Eine davon ist das Schreiben. So habe ich mir gerade meinen Ärger über die beiden Krakeeler im Stadion im wahrsten Sinne des Wortes ab-geschrieben.

Frag dich: Was ist mir wichtig?

Worauf richte ich meine Achtsamkeit?
Wo schaue ich hin? Und wo schaue ich weg?
Achte ich meinen Körper?
Achte ich meine Seele?
Achte ich mich?
Achte ich meine Nächsten?
Achte ich meine Umwelt?
Achte ich andere?
Achte ich meine Arbeit?
Achte ich meine Hobbys?
Achte ich meine Träume?
Nun sieh:
Was dir wichtig ist, verdient deine Achtsamkeit.
Wenn du wichtig bist, verdienst du Achtsamkeit.
Wenn dein Körper wichtig ist, verdient er deine Achtsamkeit.
Wenn deine Seele wichtig ist, verdient sie deine Achtsamkeit.
Wenn die anderen wichtig sind, verdienen sie deine Achtsamkeit.
Wenn deine Nächsten wichtig sind, verdienen sie deine Achtsamkeit.
Wenn deine Umwelt wichtig ist, verdient sie deine Achtsamkeit.
Wenn deine Arbeit wichtig ist, verdient sie deine Achtsamkeit.
Wenn deine Hobbys wichtig sind, verdienen sie deine Achtsamkeit.
Wenn deine Träume wichtig sind, verdienen sie deine Achtsamkeit.

Stolpersteine

Vor einigen Jahren stürzte ich eines Morgens die Treppe in unserer Wohnung hinunter. Wie an jedem Werktag war ich um fünf Uhr aufgestanden und wollte mich in die obere Etage begeben. Dort befinden sich unser Büro und der Meditationsraum. Ich hatte die Treppe zur Hälfte erklommen, als mir eine unserer Katzen auf dem Weg zum Frühstück entgegenkam. Die Futterstelle ist in der Küche. Da sich noch kein Futter in den Schalen befand, beschloss ich – herzensgut, wie ich nun mal bin -, umzukehren und die Schalen aufzufüllen. In Rekordzeit war ich wieder im Wohnzimmer. Während ich mit den Füßen nach vorn hinabsegelte, führte mein Rücken detailliert Protokoll, indem er jede einzelne Stufe berührte. Ich landete nicht nur unten, sondern auch … im Jetzt.
Während unser Verstand immer im Gestern und Morgen herumirrt, kämpfen unsere Gefühle an der Front des Augenblicks. Schmerz ist ein Gefühl. Durch ihn landen wir wieder im Augenblick. Das ist die vielleicht einzige positive Nebenwirkung des Schmerzes. Wenn ich mich mit meiner Achtsamkeit zu lange in der Vergangenheit oder Zukunft aufgehalten habe, bringt mich der Schmerz wieder dorthin, wo das wahre Leben stattfindet: in die Gegenwart.
Mein Rücken und Steiß waren stark geprellt, doch Gott sei Dank war nichts gebrochen. Ein positiver Nebeneffekt war, dass sämtliche Rückenwirbel wieder eingerenkt wurden. Meine chronischen Schulterschmerzen waren wie weggeblasen. Dafür tat nun mein unterer Rücken weh. Natürlich stellte ich mir die Frage, was der Sturz mich hatte lehren sollen. War ich zu hochmütig geworden? Hatten meine geistigen Helfer beschlossen, mich von meinem selbst erbauten Thron hinunterzuwerfen? Oder hatten sie mir einfach nur Ruhe verordnet? Doch solche Fragen sind müßig. Die Antwort liegt immer in den Gefühlen. Ich hatte ein wenig Angst, es könnte ein Lendenwirbel gebrochen sein. Das hätte bedeutet, dass ich in der nächsten Zeit keine Seminare, Meditationsabende und Vorträge hätte leiten können. Durch die Angst bemerkte ich erneut, wie wichtig mir diese Arbeit ist. Sie erhielt nun wieder die Achtsamkeit, die sie verdient. Da jetzt nicht mehr die Schulter, sondern der untere Rücken Schmerzen bereitete, befand ich mich mit meinen Gefühlen wieder an der Basis meines Körpers. Ich war verbunden mit dem Teil von mir, der mich trägt.
Ich erkläre den Teilnehmern meiner Seminare, insbesondere denen, die sich in der Ausbildung zum Reiki-Lehrer befinden, dass man die guten spirituellen Lehrer (auch) an ihrer Bodenständigkeit erkennen kann. Am Fuße der Treppe erfüllte ich zumindest dieses Kriterium wieder. Ich stürzte, weil ich die Bodenhaftung und zugleich die Anbindung nach oben verloren hatte. Ich hatte nicht mehr auf meine innere Stimme gehört, die mich in den letzten Wochen vergeblich auf die vorhandenen Schätze in meinem Leben hinweisen wollte. Denn bis nunmehr auf einen geprellten Rücken war alles in meinem Leben in Ordnung. Damals wie heute lebte ich mit meiner lieben Frau und vier tollen Katzen in einer schönen Wohnung mitten im Grünen, wir alle waren kerngesund, die Veröffentlichung meines zweiten Buchs stand in wenigen Monaten bevor, und meine Seminare waren weitestgehend ausgebucht. Ich hätte der glücklichste Mensch der Welt sein können. Doch in Gedanken plante ich eine noch bessere, noch glücklichere Zukunft. Ich wollte hoch hinaus. Doch das Glück kann niemand in der Zukunft finden. Man findet es nur in der Gegenwart.
Wir sind oft »gedankenverloren«, das heißt, wir verlieren uns in Hirngespinsten, statt auf die Stimme unseres Körpers zu hören. Der Körper zeigt an, dass etwas in unserem Leben nicht stimmt, wir gegen eine Wahrheit verstoßen. Statt die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, zweifeln unsere Gedanken die Warnung des Körpers an. Wenn sie nicht mehr zweifeln können, suchen sie nach einer Strategie, den Körper umzustimmen.
Die Einnahme von Tabletten ist einfacher als die Änderung eines Lebensumstands oder einer Verhaltensweise. Meistens wollen wir so weitermachen wie bisher, jedoch ohne von unserem Körper belästigt zu werden. Zumindest glauben wir, dass wir das wollen. Der Körper aber sagt, was die Seele wirklich will. Der Körper ist immer in der Gegenwart. Die Gedanken hingegen beschäftigen sich zumeist mit der Vergangenheit oder der Zukunft. Sie sind nicht dort, wo der Körper ist. Wir sind oft geteilt in Denken und Handeln, in Denken und Sein. Wir sind dann nur halb präsent. Das Gefühl der absoluten Gegenwärtigkeit stellt sich ein, wenn wir die Vergangenheit und die Zukunft für den Augenblick vergessen. Das ist die Wirkung der Meditation.
Wenn ein Mensch zu lange unachtsam ist, legt ihm das Leben Steine in den Weg. In dem Moment des Stolperns denkt er nicht mehr, sondern fühlt (wieder). Er verlässt seinen Kopf und nimmt Kontakt zum Herzen auf, das ihn ein weiteres Mal darauf hinweisen kann, was wirklich wichtig ist. Die Stolpersteine zeigen an, dass der Mensch innehalten und sich wieder neu ausrichten soll.
Die Benediktiner pflegen einen alten Klosterbrauch. Beim Schlagen der Kirchturmuhr zu jeder vollen Stunde unterbrechen die Mönche ihre Arbeit, und die Gespräche verstummen. Die einen nutzen den Moment für ein kurzes Gebet, andere hören in sich hinein. In diesen Momenten der inneren Stille kann sich der Mensch auf das Wesentliche und Wichtige rückbesinnen. Auch außerhalb der Klostermauern könnte man diese Meditationstechnik praktizieren. Dafür lasse man sich zu jeder vollen Stunde von seinem Handy oder seiner Armbanduhr alarmieren. Wenn der »Weckruf« der Seele erfolgt, unterbreche man die jeweilige Tätigkeit und halte inne. Zwar wird nicht jeder Berufstätige diese Übung in seinen Arbeitsalltag integrieren können, aber es lohnt sich bestimmt, sie an arbeitsfreien Tagen einmal auszuprobieren.
Wir bringen unseren Kindern bei, die Achtsamkeit auf den Verstand zu richten. Alles sollte wohlüberlegt sein. »Erst denken, bevor man redet, und erst recht, bevor man handelt«, lautet die Devise. Wir lehren sie das, was wir selbst am besten können: Kopflastigkeit. Wir versuchen, den Dingen mit dem Körperteil auf den Grund zu gehen, das vom Grund am weitesten entfernt ist. Dem Grund am nächsten sind die Füße, genauer gesagt, die Fußsohlen. Sie haben den Kontakt zur Basis, zum Fundament. Ich sage nicht, man solle seinen Kopf nicht mehr benutzen. Ich meine nur, wir sollten uns nicht ausschließlich auf ihn verlassen. Wir sollten stattdessen lernen, unsere Ressourcen besser zu nutzen. Wir können weitaus mehr als nur denken. Gefühle sind intensiver als Gedanken. Und oft genug im Leben muss unser Herz ausbaden, was uns der Verstand eingebrockt hat.
Jedes Problem besteht aus den Gedanken der Vergangenheit. Die Lösung des Problems kann nur ein neuer Gedanke sein. Ich brauche eine Idee, wie ich mich von dem Problem befreien kann. Dazu ist es nötig, mich von den alten, problematischen Gedanken zu lösen. Solange ich die alten Gedanken in meinem Kopf hin und her wälze, kann kein neuer Gedanke zu mir kommen. Ideen entstehen nicht durch Nachdenken. Nachdenken ist immer das Nachhalten der vorhandenen Gedanken. Sobald ich diese loslasse, mache ich in meinem Kopf Platz für die neuen.
Das Loslassen der Gedanken geschieht im Schlaf oder aber während einer Ablenkung. Eine Idee zu einem Thema kommt dann, wenn man gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Das, was unbewusst funktioniert, kann man auch bewusst einsetzen. Mit Hilfe meditativer Übungen kann die Achtsamkeit umgelenkt werden.
Die nachfolgende Übung ist eine etwas ungewöhnliche Methode, sich mit einem Thema zu befassen. Es ist eine Herangehensweise, die der Verstand für unmöglich hält. Er kann es nicht fassen, weil er in Sachen »Gefühle« inkompetent ist. Doch lasse man sich davon nicht abhalten, die Übung auszuführen und seine Erfahrungen mit ihr zu machen.
Geh nach draußen, in den Garten, in den Wald, in die Natur. Formuliere in Gedanken deine aktuelle Sorge, dein Problem oder das Thema, das dich zur Zeit beschäftigt. Dann schließ die Augen und lass deine Gedanken los. Lenk deine Achtsamkeit auf deine Fußsohlen. Spür den Boden unter deinen Füßen, spür die Basis, das Fundament. Und dann geh mit geschlossenen Augen los. Konzentriere dich dabei nur auf deine Fußsohlen.
Nach ein paar Schritten öffnest du die Augen und gehst achtsam weiter. Wenn du merkst, dass deine Aufmerksamkeit von den Fußsohlen abdriftet, bleibst du wieder stehen, schließt die Augen und beginnst mit der Übung von Neuem.
Sei dir bewusst: »Ich gehe meiner Sache auf den Grund.«

Bilder und Gefühle

Bilder werden zu Gefühlen: Sehe ich als leidgeprüfter Fan des MSV den Siegtreffer meiner Mannschaft in der letzten Minute des Spiels, fühle ich Freude. Sehe ich (was zugegebenermaßen häufiger vorkommt) den Siegtreffer der gegnerischen Mannschaft, fühle ich Enttäuschung. Das äußere Bild einer Situation lässt in mir ein Gefühl entstehen.
Umgekehrt werden Gefühle auch zu Bildern: Meine am Tag unverarbeiteten Empfindungen werden zu den Motiven meiner Träume. Doch im Wachzustand beeinflussen meine Gefühle ebenfalls die äußeren Bilder. Wenn ich traurig und deprimiert bin, ist die Welt um mich herum grau und trist. Bin ich »in« meiner Freude, sehe ich auch die Welt in bunten Farben. In diesem Sinne kann man sagen: Bilder und Gefühle sind eins.
Auch Worte erzeugen Bilder und Gefühle. Werde ich von einem anderen Menschen kritisiert, entstehen in mir womöglich Empfindungen der Verletzung. Zu der Erinnerung an den Rüffel gesellen sich weitere Bilder. Vielleicht male ich mir aus, wie ich es dem Tadelnden heimzahlen kann, ein Bild der Rache also. Oder ich male mir aus, welche Folgen die Kritik, beispielsweise meines Vorgesetzten, haben kann: Nun werde ich nicht mehr befördert, kann nicht mehr Abteilungsleiter werden, vielleicht verliere ich auch meinen Arbeitsplatz und kann dann mein Haus nicht mehr abbezahlen – und so weiter und so fort. Aufbauende Worte hingegen können in mir zu Bildern der Hoffnung werden: Das Lob des Chefs ruft in mir das Bild des neuen Dienstwagens hervor, den ich nach meiner Beförderung zum Abteilungsleiter später fahren werde.
Eine Zeit lang zog ich jeden Montag und Donnerstag jeweils eine Karte aus meinem Tarot-Deck. Die Karte wies mich auf das Thema hin, das mir in den kommenden Tagen begegnen sollte. Da gab es die Karte der Liebe, die Karte des Abschieds, die Karte des Streits und andere mehr. Und meistens traf es zu: Ich wurde mit genau der Thematik konfrontiert, auf die mich das Blatt hingewiesen hatte. Kein Wunder: Die Achtsamkeit lenkt die Energie. Indem ich meine Aufmerksamkeit auf das Thema richtete, zog ich es in meine Erfahrungswelt an.
Erlebnisse werden zu Erinnerungen. Die Bilder, die ich mit offenen Augen sehe, werden zu inneren Bildern. Auch wenn das Ereignis schon längst vergangen ist, bleibt die Erinnerung in mir bestehen. Situationen verändern sich mit der Zeit. Manche Erinnerungen aber wirken lange nach. Innere Bilder sind nachhaltiger als äußere. Prägende Erfahrungen können sogar zu Glaubenssätzen werden. Kleine »Wenn-dann«-Filmchen laufen vor meinem inneren Auge ab: »Damals habe ich so gehandelt, und daraufhin ist dies und jenes passiert.« So kann die Annahme entstehen, dass solches Handeln auch in Zukunft zu dem gleichen Ergebnis wie damals führen wird. Das gilt für den individuellen Glauben ebenso wie für den kollektiven. Der Glaube einer Gemeinschaft beruht auf den gemeinsamen Erinnerungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob alle das Ereignis selbst erlebt haben oder aber die Erinnerung auf Erzählungen beruht. Die einen waren Augenzeugen und erinnern sich an die Bilder, die sie gesehen haben, die anderen haben von dem Ereignis gehört und entsinnen sich der Eindrücke, die sie sich selbst vom Ereignis gemacht haben. In beiden Fällen bleiben nur innere Bilder übrig.
So betrachtet erhält der Satz »Das bildest du dir nur ein« eine neue Bedeutung. Schließlich ist jede Erinnerung letztlich nichts anderes als ein inneres Bild, eine Einbildung. Unabhängig davon, ob die bestehenden inneren Motive mit den vergangenen äußeren Eindrücken des Ereignisses übereinstimmen, ist jede Erinnerung gleichermaßen gültig.
Man achte also auf die Bilder, die man sich ansieht. Alles, was ich mit offenen Augen betrachte, wirkt in meinem Inneren nach. Manche Bilder machen blind für das Schöne und Gute. Meine Verantwortung betrifft in diesem Sinne auch meine Erinnerungen.
Während meiner Dienstzeit als Zielfahnder des Landeskriminalamts war ich zweimal Studiogast bei der Fernsehsendung »Aktenzeichen XY ungelöst«. Ich weiß unter anderem durch diese Erfahrung, dass viele ältere Menschen solche Sendungen sehen. Manch alte Dame schaut sich Monat für Monat erschreckende Filme über tatsächlich geschehene Raubüberfälle und Morde an und geht dann voller Furcht ins Bett. Achtsamer wäre es in Hinblick auf einen ruhigen Schlaf, sich vorher einen weniger belastenden beziehungsweise erheiternden Film anzusehen oder ein ermutigendes Buch zu lesen.