Brautstrauß - Wienke Ursula Schulenburg - E-Book

Brautstrauß E-Book

Wienke Ursula Schulenburg

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Beschreibung

Jeder Mensch glaubt an etwas: Viele an eine höhere Macht, einige an Gott, wieder andere an nichts. Was viele von uns eint ist die scheinbar unerklärliche Sehnsucht nach etwas Größerem, Vollkommenen, Göttlichen in unserem Leben. Der moderne Mensch will nicht nur einfach blind glauben, er will verstehen, begreifen, erleben, am besten mit allen Sinnen. Spirituelles soll erfahrbar werden. Der Gott der Bibel bietet uns eine lebendige Beziehung mit Ihm an. Dieses Buch möchte Dir Türen öffnen zu einer intensiv erlebbaren, ganz persönlichen Erfahrung mit dem Schöpfer dieser Welt. Es baut nicht nur Brücken zu einem authentisch erfahrbaren Glaubensleben, sondern begleitet Dich direkt zu Ihm, dem ewigen Freund Deiner Seele, Deinem Gott. Jesus Christus. Ein Buch für alle, die Gott begegnen und von Ihm berührt werden möchten.

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Seitenzahl: 201

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Widmung

Dieses Buch ist niemand geringerem als dir, liebe Leserin, lieber Leser gewidmet. Dir, die neugierig, der entschlossen, zu diesem Buch gegriffen hat, einem inneren Impuls folgend.

Es ist für dich geschrieben, du, für den meine Gebetsfreunde und ich die letzten Jahre regelmäßig gebetet haben, du, die ich unterstützen möchte, indem ich einige meiner kostbarsten Erfahrungen teile.

Möge dieses Buch ein Puzzleteil sein auf deinem Weg, und möge Er, unser Gott, dir immer wieder erneut Seine Nähe offenbaren, Seine Schönheit zeigen und dich mit Seiner Liebe, so zart und behutsam, stark und mächtig, vollkommen und übergroß, aufrichtend und korrigierend, heilend und freisetzend berühren und überschütten.

Danksagung

Danke, Vater, dass Du ein Gott bist, der treu ist und der Sein Wort hält.

Dass Du ein Gott bist, der sich nicht scheut, in die dunkelsten Momente unseres menschlichen Daseins hineinzukommen und so lange zu bleiben, bis wir den Mut gefunden haben, die Dunkelheit zu verlassen.

Dass Du Deine Allmacht darin zeigst, indem Du gütig bist und uns immer wieder die Hand entgegenstreckst.

Und dass Du uns mit einer Liebe überraschst, die wir kaum glauben können.

Danke, Jesus, dass Dir jeder von uns wichtig ist und Du willst, dass jeder Mensch gerettet wird und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt. (In Anlehnung an 1. Timotheus 2,3-4)

Danke, Vater, dass Du Dein Versprechen wahr machst und über den Heiligen Geist jeden Menschen, der in diesem Buch liest, begegnen und berühren willst und wirst. Dass Du uns Menschen, die sich nach Dir ausstrecken, entgegeneilst und in Empfang nimmst. Und dass Du Wunderbares und Wundervolles für uns vorbereitet hast, wie Du im Buch Jeremia gesagt hast:

So spricht der HERR*, der die Erde geschaffen und fest gegründet hat – und sein Name ist HERR:

Ruf mich, dann will ich dir antworten und will dir gewaltige und unglaubliche Dinge zeigen, von denen du noch nie gehört hast.

Jeremia 33,3 (Neues Leben. Die Bibel)

*HERR steht für das Tetragramm JHWH, den heiligen Namen Gottes.

Inhalt

Prolog - Die Gottesanbeterin

Glaubenssache

Gute Frage! Oder: Der „unsichtbare Gott“

Blitz der Erkenntnis

Hoher Besuch

Der Kampf um die Seele

Licht der Welt

Vom Bösen im Schlaf verfolgt

I belong to Jesus

„Wer sein Leben liebt, wird es verlieren

Psalmen: Das „effektivste Coaching Tool”

Jesus, nimm alles von mir

Wer Gott vertraut, ist selbst im Tod noch geborgen

Das Hohe Lied

Brautstrauß

Sterben, um zu leben

Auf das Wort Gottes stellen – mal ganz praktisch

Gebet und Segen

Kämpfe gewinnen

Der gute Hirte

Feindesliebe oder wie du den wahren Feind besiegst

Die Faszination des Bösen

Blütenpracht im Keller

Das Kamel am Stadttor

Gewalt in der Bibel

Ein schwieriger oder Sch*tag

Musik, die spricht

Heilung: Sofort und im Prozess

Lebenslanges Aufenthaltsrecht

Wem dienst du?

Semikolon - wenn nach dem Punkt der Satz weitergeht

Freiheit in Finanzen oder wenn der Marder kommt

Freundschaften

True Vision – wahre Vision

Schlussworte

Wie kann es für mich weiter gehen?

Prolog - Die Gottesanbeterin

Es war an Weihnachten 2024, als ich auf La Palma, einer kleinen vulkanischen Insel der Kanaren, durch die zerklüfteten Lavafelder wanderte und die Gemeinschaft mit Jesus genoss.

Seit Jahren nehme ich mir über die Feiertage eine Auszeit, um ganz mit Ihm und auf Ihn ausgerichtet Zeit zu verbringen.

Alte Klöster und Kirchen gibt es auf La Palma häufiger als Supermärkte, und so fand ich schnell Anschluss an eine kleine katholische Gemeinde, die lebendig und tiefgläubig eine besondere Anziehungskraft auf mich ausübte.

Canarios sind wundervolle Menschen mit offenem Herzen und einer willkommen heißenden Art, das durfte ich immer wieder erleben und umso mehr, wenn es Geschwister im Glauben sind. Und so wurde ich sofort aufgenommen in ihre Gemeinschaft und durfte über die Feiertage Teil der Glaubensfamilie sein.

Es ist eine tief berührende Erfahrung, irgendwo fremd und doch zu Hause zu sein, einfach deshalb, weil du Geschwister im Geiste überall auf der Welt hast.

Es war warm, und ich war froh, als ich den Leuchtturm an der Küste erreichte, wo es ein kleines Café mit Erfrischungen gab. Fuencaliente heißt der Ort – heiße Quelle. Eine heilige Quelle, wie die Canarios sagen. Eine Quelle des Lebens auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik.

Eine besondere Stimmung umgab mich, Seine Gegenwart war so greifbar.

„Vater, was ist meine Aufgabe für die nächste Zeit?“, hatte ich beim Wandern gefragt. „Was hast Du für mich vorbereitet, was ist Dein Wille?“

Während ich auf das Café am Leuchtturm zuging, hörte ich Seine Stimme, die mich aufforderte, zu einem kleinen Verkaufsstand zu gehen, wo ein Künstler seine Kunstwerke anbot. Wie mit einem Finger zeigte Er auf ein kleines Drahtgebilde, das in zart schimmernden Farben besonders schön aussah.

„Das hier“, hörte ich und verstand sofort, was Er meinte. Gottes Sprache ist so klar und unmissverständlich, wenn sie dich direkt ins Herz trifft.

Das zarte Gebilde aus Draht war eine Mantis, eine Gottesanbeterin. Gottesanbeterinnen kann man sich vorstellen wie größere Heuschrecken, die ihre Vorderbeine zum Himmel heben in einer anbetenden Haltung.

Ich wusste, was Er meinte. Und ich wusste, was Seine Aufgabe und Plan für mich waren.

Gott führte Sein Volk im Alten Testament aus der Sklaverei in Ägypten in die Wildnis, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, Gemeinschaft mit Ihm zu haben und Ihn anzubeten. Es war ihnen unmöglich gewesen, die immer größeren Forderungen des Pharaos zu erfüllen, der sie versklavend immer mehr Leistung in Form von gebrannten Ziegeln von ihnen wollte.

Die Welt, damals wie heute, fordert und lässt in ihren Ansprüchen nicht nach, während man unmerklich immer mehr in innere Versklavung vielfältigster Natur rutscht und dem Weg folgt, den die Welt ein „gelungenes Leben“ nennt.

Gott gibt uns immer wieder die Möglichkeit, aus diesen Mustern auszubrechen und echte Freiheit zu erleben, wahre Freiheit, die nur in der engen und persönlichen Beziehung zu Ihm zu finden ist.

Davon handelt dieses Buch, das eine Einladung zu deinen ganz persönlichen Gottes-Begegnungsmomenten sein will.

Glaubenssache

Gott lebt in dir. Das zu wissen ist eine Sache. Es zu erleben eine andere.

Es gibt Menschen, die erleben Gott in ihrem Herzen, ohne zu wissen, dass es Gott ist.

Sie stehen – aus meist gut nachvollziehbaren Gründen – mit Kirche auf Kriegsfuß und können nicht glauben, dass „das Licht“, „die Kraft“, „die Weisheit“, „die Liebe“, die sie als göttliche Instanz in sich empfinden, tatsächlich der gleiche Gott wie der der Kirche sein soll.

Mein Physiotherapeut brachte es auf den Punkt, indem er sagte: „Gottes Bodenpersonal – nein danke! Aber als ich beim Marinetauchen fast umgekommen wäre, da war jemand da, der auf mich aufgepasst hat. Ich glaube, das war Gott. Er ist immer bei mir.“

Findest du dich in diesen Gedanken wieder?

Oder geht es dir vielleicht so wie vielen, die „an Gott glauben“, aber Ihn weder erleben noch wirklich Kraft, Begeisterung und Freude aus diesem Erleben schöpfen können?

Vielleicht bist du aber auch schon lange mit Ihm unterwegs und dein Herz brennt vor Liebe zu Ihm. Und gerade weil dies so ist und du weißt, dass es nichts Schöneres gibt als das, willst du mehr. Und Ihn immer wieder neu erleben!

Dieses Buch möchte zu dir sprechen, in die Winkel deines Inneren hinein, die vielleicht sogar vor dir selbst noch verborgen sind.

Es möchte etwas in dir zum Leben erwecken, was tot geglaubt und aufgegeben war. Es will dir helfen, das zu entdecken, was du bereits irgendwie weißt, ohne es vielleicht richtig greifen zu können.

Und es will dich begleiten auf dem Weg zurück zu dem, was ich „Zuhause“ nenne. Dieser Ort so nah am Herzen Gottes, dass man Seinen Herzschlag spürt und von Seiner Freude durchtränkt ist.

In diesem Buch geht es um dich und deine Beziehung zu dem Schöpfer dieser Welt und Freund deiner Seele.

Obwohl ich viel Persönliches und Glaubensschätze teilen werde, spiele ich hier die kleinste Rolle, ganz im Sinne des Paulus, der in der Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 24 sagt:

Doch mein Leben ist mir nicht der Rede wert, es sei denn, ich nutze es, um das zu tun, was der Herr Jesus mir aufgetragen hat – das Werk, anderen die Botschaft von Gottes Gnade zu bringen.

(Neues Leben. Die Bibel)

Es ist kein Geheimnis, dass wir Menschen in Gemeinschaft über die Geschichten und Wege eines anderen viel schneller und freudvoller lernen können, als allein und spielerisch Parallelen zum eigenen Leben und Innenleben herstellen.

Lebendigkeit und Glauben sind inspirierend und im besten Sinne ansteckend. Sie bestärken und richten auf und wecken unter Umständen sogar das, was, noch schlafend oder verborgen, bereits in einem vorhanden ist.

Gott will dir begegnen, ganz neu und einmal mehr. Er will dich an Sein väterliches Herz ziehen, noch näher, noch inniger, noch liebevoller.

Er nutzt, so glaube ich, uns alle und somit auch dieses Buch, um uns zu stärken, um unsere Herzen zu heilen und neu auf Ihn auszurichten.

So will dieses Buch ein Hinweisschild sein zu dem Einen, der von sich sagt, „der Weg“ zu sein und „die Tür“; der eine, durch den wir Gemeinschaft mit dem Vater, dem Schöpfer der Welt, haben können.

Dieser eine ist Jesus Christus, oder, wie Er im Jüdischen heißt, Yeschua ha Maschiach.

Er will dir begegnen. Lebendig und real.

Er steht an deiner Tür und wartet, dass du sie Ihm noch ein Stück mehr oder vielleicht sogar zum allerersten Mal öffnest.

Diese Begegnung wird dich verändern. Für immer.

Bist du dabei?

Gute Frage! Oder: Der „unbekannte Gott“

„Wie bist du eigentlich zum Glauben gekommen?“, ist eine gängige Frage, vor allem unter Christen.

Wann hast du dich bekehrt?

Viele gläubige Menschen haben an dieser Stelle eine konkrete, oft knackige Geschichte zu erzählen. Sie wissen oftmals sogar das genaue Datum und feiern jährlich diesen besonderen Tag.

Ich weiß nicht, wie es bei dir war und ob du überhaupt so eine Geschichte hast. Meine Geschichte – und vielleicht auch deine – ist nicht so kurz und knackig zu erzählen, damit aber nicht weniger schön.

Immer wieder treffe ich Menschen, denen es ganz ähnlich ergangen ist. Menschen, die Ihn immer kannten, Seine Gegenwart ihr Leben lang erlebten, mal mehr, mal weniger, und die dank Seiner Präsenz immer beschützt durchs Leben kamen, trotz widriger oder sogar lebensbedrohlicher Umstände. Menschen, von denen andere sagen, sie hätten „irgendwie immer Glück“ und sogar „Glück im Unglück.“

Die Wahrheit ist, sie haben kein Glück, sondern sie haben ihren Schöpfer direkt an ihrer Seite, oft ohne ihn konkret benennen zu können.

In Psalm 146, Vers 5 heißt es:

Doch glücklich ist der, dem der Gott Israels hilft, der seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott setzt.

(Neues Leben. Die Bibel)

Ich glaube, diese Menschen tun das intuitiv, weil sie Ihm nahe sind, auch wenn sie Seinen Namen noch nicht kennen.

Ganz ähnlich scheint es auch Paulus, ein Botschafter der guten Nachricht (d.h. des Evangeliums), zu sehen, als er im Verlauf seiner zweiten Missionsreise ca. 51-54 nach Christus in Athen Menschen von Jesus erzählt und dabei Bezug auf einen bestehenden Altar inmitten von verschiedensten Kultstätten nimmt, mit der Inschrift:

„einem unbekannten Gott“.

Hier wurde ein Gott verehrt, den man nicht kannte, der aber dennoch da war. Aber lesen wir selbst direkt in der Apostelgeschichte, was Paulus darüber zu sagen hat:

„Ich bin durch eure Stadt gegangen und habe mir eure heiligen Stätten angesehen. Dabei habe ich auch einen Altar entdeckt mit der Inschrift: ›Für einen unbekannten Gott‹. Was ihr da verehrt, ohne es zu kennen, das mache ich euch bekannt.

Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt.

Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben.

Er ist auch nicht darauf angewiesen, von den Menschen versorgt zu werden; denn er selbst gibt ihnen das Leben und alles, was sie zum Leben brauchen.

Er hat aus einem einzigen Menschen die ganze Menschheit hervorgehen lassen, damit sie die Erde bewohnt. Für jedes Volk hat er im Voraus bestimmt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll.

Und er hat gewollt, dass die Menschen ihn suchen, damit sie ihn vielleicht ertasten und finden könnten. Denn er ist ja jedem von uns ganz nahe.

Durch ihn leben wir doch, regen wir uns, sind wir! Oder wie es einige eurer Dichter ausgedrückt haben: ›Wir sind sogar von seiner Art.‹“

Apostelgeschichte 17, 23-28 (Gute Nachricht. Die Bibel)

Er war schon immer in meinem Leben gewesen. Meine große Liebe, mein Licht, mein Leben. Diese goldene, gütige, starke, liebende Präsenz, der ich als kleines Mädchen mein Herz schenkte und mein Leben weihte.

Dass diese Verbindung und Liebe bis aufs Blut umkämpft ist, erlebte ich wieder und wieder, bis zu dem Punkt, mein Leben loslassen zu müssen, um das Kostbarste nicht zu verlieren. Um das Wertvollste nicht loslassen zu müssen. Etwas, das größer war als das Dasein hier auf der Erde.

Er lebte in mir, so, wie Er auch in dir und jedem von uns lebt.

Und weil ich nicht im Ansatz glauben konnte, dass Er der Gott sei, den Menschen in Kirchen anbeteten, war Er einfach mein Schatz.

Mein „innerer Gott“, der in dem wohnte, was ich „meine Seele“ nannte.

Ein Hinweis an dieser Stelle: Die Meinungen scheiden sich oft an dem Begriff „Seele“, da er immer wieder ganz Unterschiedliches beschreiben soll.

Im christlichen Kontext ist mit „Seele“ zum einen ein

Gebilde gemeint, das durch Denken, Fühlen und Wollen zum Ausdruck kommt und zu seiner Reifung die Führung des Geistes bedarf

und zum anderen

der Sitz des Göttlichen und somit das Allerheiligste im Menschen.

Für manche Menschen bedeutet die Seele etwas, was verletzt werden kann - die verletzte „Kinder- oder Frauenseele“ zum Beispiel.

Für andere wiederum ist sie der göttlicher Teil im Menschen und damit natürlich unverletzbar, heilig und ewig.

Für mich war meine Seele als Kind das Kostbarste, was ich mir vorstellen konnte. Etwas, was heilig war, so heilig, dass ich nicht darüber sprechen konnte, aber alles tat, um es zu schützen.

Denn schon früh merkte ich, dass es Kräfte in Menschen gab, die hinter diesem Heiligen her waren, die es sahen und in blindem Hass zerstören wollten. Das Böse war derart geblendet und provoziert von dem inneren Leuchten, dass es alles daransetzte, es zu zerstören, es zu rauben und – vielleicht noch schlimmer – mich dazu zu bringen, es zu verleugnen und selbst Teil der verschlingenden Dunkelheit zu werden.

Christen glauben, dass Jesus in ihnen lebt.

Obwohl dieser Gedanke erst seit wenigen Jahren Teil meines Lebens ist, begleitet mich diese Erfahrung bereits mein gesamtes Leben.

Als Kindergartenkind spielte ich oft das Krippenspiel nach, selbstverständlich als Maria, die das Heiligste der Welt unter ihrem Herzen und in ihren Armen trug und vor dem bösen Herodes, dem Kindsmörder, schützte. Eine kleine Bärenpuppe wurde Sinnbild des Heiligen, das in mir lebte und schützenswertes Subjekt und gleichzeitig Objekt der Begierde des Bösen war.

Ich kannte dieses „Christkind“, nicht nur von Erzählungen, sondern weil es auf besondere Art und Weise in mir lebendig war.

Das war wohl die erste und auch letzte für mich erlebbare Verbindung zum Gott der Christen, bevor der Faden zum Christentum abriss und eine innere Gottesbeziehung an die Stelle trat, die als Geheimstes, als Allerheiligstes in mir lebte, gut versteckt vor der Welt und den Menschen, denen ich kein Vertrauen mehr schenkte.

Es war diese Verbindung, die mir half, zu überleben.

Erinnerst du dich daran, wie es bei dir war? Gab es Momente der göttlichen Nähe in deiner Kindheit, die möglicherweise auch fernab von religiösen oder kirchlichen Kontexten stattgefunden haben?

Es lohnt sich, einmal mit dieser Frage zu leben.

Oft sind wertvolle (und übrigens auch traumatische) Erfahrungen aus unserem Alltagsbewusstsein ins Unterbewusste verlagert und brauchen Zeit, wieder greifbar zu werden.

Wenn man eine Zeit lang mit offenen Fragen an das eigene Leben und Erlebte lebt und diese im Gebet bewegt, können sich alte Türen wieder öffnen und Erfahrungen freigeben, die wir vergessen glaubten.

Blitz der Erkenntnis

Es war zwischen den Jahren und ich war auf einer meiner Lieblingsinseln: Lanzarote. Die Kanaren sind über viele Jahre mein Zuhause gewesen, ein „Exil“ zum einen und zum anderen ein Ort, an dem ich mich sicher fühlte und meine Seele öffnen konnte. Es ist lieblich dort, die Menschen warmherzig, der Wind warm, der Atlantik weit und die Lavafelder schenken Ruhe. Ein Paradies.

Seitdem ich wieder in Deutschland lebe, besuche ich meine geliebten Inseln von Zeit zu Zeit, hauptsächlich in den Wintermonaten, um in der Abgeschiedenheit der Inselwelt zu schreiben oder Bücher auf ihre Veröffentlichung vorzubereiten.

So auch in diesem Winter. Ich arbeitete an meinem Buch „Befreiungsschlag“, das kurz vor der Veröffentlichung stand.

An diesem Abend hatte ich mein Arbeitspensum bereits erfüllt und genoss das frische Hotelzimmer, den sanften Wind in den Palmen und den Frieden in meinem Herzen. Auf meinem Laptop liefen YouTube Videos, während ich ins Bad ging, um zu duschen.

Nach einem YouTube Video kam das nächste, das nächste und das nächste. Ich hörte nur mit einem halben Ohr zu und wusste gar nicht genau, was gerade lief. Doch plötzlich war etwas in der Stimme des Mannes, der in dem Video sprach, das meine volle Aufmerksamkeit auf sich zog. Er sprach von etwas oder besser gesagt von jemandem, den ich kannte! Es durchfuhr mich wie ein Schreck. Schnell griff ich zu einem Handtuch, lief mit triefenden Haaren ins Schlafzimmer und starrte auf den Bildschirm.

Der Mann sprach von dem, der ganz tief in meinem Herzen lebte, so tief verborgen, dass niemand Ihn sehen konnte (dachte ich). So gut versteckt, dass ich niemals Seine Existenz preisgegeben hätte, denn sie war das, was mir heilig war, sie war alles, was mich am Leben hielt. Sie war mein Schatz, für den ich bereit gewesen war, mich quälen zu lassen und mein Leben loszulassen.

Ich starrte auf den Bildschirm. Wie konnte dieser Mann das wissen? Wie konnte er über den sprechen, den ich doch so gut verborgen hielt? Denn eines war sonnenklar: Er meinte den, den auch ich kannte.

Ich musste mich setzen. Wer war dieser Mann in dem Video? Worüber sprach er? Während ich ein Video nach dem anderen von ihm anschaute, trockneten auch meine Haare.

Dieser Mann war Tobias Teichen, Pastor einer Freikirche in München.

Als ein weiteres Video angezeigt wurde, in dem seine Frau, Frauke, sprach, dachte ich: Ach, die „kenne“ ich doch, denn sie umgab eine Herzenswärme und starke Sanftheit, die ich von Ihm, meinem geheimen Gott kannte.

Wie konnten sie mein größtes Geheimnis kennen? Diese Frage schockierte und beschäftigte mich. Ich empfand es als eine Mischung aus „ertappt“ und „gefunden worden sein“ und entschied mich für die positive Variante.

Konnten wir wirklich den Gleichen meinen, wo diese beiden doch zur „Kirche“ gehörten? Für mich waren das zwei Welten, die in meiner Erfahrung nicht zusammenpassten. Kirche war meinem Erleben nach nicht der Ort gewesen, wo ich Ihn erlebte. Seine Größe, Güte, Schönheit, Heiligkeit war in meiner Wahrnehmung viel, viel, viel zu gewaltig, um in dem Menschengemachten oder zumindest von Menschen Dominierten leben zu können.

Heute hat sich diese Erfahrung geändert, und ich kann Ihn sehr wohl in Gemeinsamkeit mit anderen Menschen und kirchlichen Settings erleben. Die tiefsten Momente der Begegnung erlebe ich aber nach wie vor in der Zurückgezogenheit meines Herzens mit Ihm allein.

Nach diesem Abend veränderte sich vieles. Ich ahnte, dass der, den ich kannte und liebte, Jesus genannt wird. Die Puzzleteile fanden nur schwer zueinander. Ich empfand Kirche so weit weg von dem, was ich in meinem Herzen erlebte.

Die Angst, dass die Heiligkeit der Begegnung mit ihm von leeren Worten, Sätzen und Handlungen ersetzt werden könnte, war groß, und ich beschloss, einfach weiterhin nicht darüber zu reden und diese Verbindung geheim und geschützt zu halten. Mit dem Namen „Jesus“ tat ich mich schwer, weil er so besetzt von menschlichen Vorstellungen war.

Für mich war Er so nah, so heilig, so groß, so kostbar, so überlebenswichtig, dass die Idee, Ihm einen Namen zu geben oder Ihn bei einem solchen zu rufen, völlig irrelevant gewesen war und mir nie in den Sinn gekommen wäre.

Auch die Frage: „Wer war es denn, der in deiner Nahtoderfahrung bei dir gewesen war?“ konnte ich nie wirklich nachvollziehen. Wen interessieren Details wie Name und Aussehen, wenn du Ihm nahe sein kannst und Ihn kennen darfst? Sind die Erfahrung der Begegnung und Gemeinschaft nicht viel wichtiger, als diese benennen und beschreiben zu können?

Die, die mit Namen um sich warfen, hatten mein Herz leider nie berührt oder den Eindruck erweckt, dass der von ihnen benutzte Namen auf „meinen“ Gott, meinen Schatz passen könnte.

Die Art von Tobias Teichen und seiner Frau, von Jesus zu sprechen, war mir vertraut. Da war etwas, was ich zutiefst kannte. Was ich liebte. Über alles.

Dabei beließ ich es.

Die große Bestätigung kam wenige Monate später, als…

Hoher Besuch

Die große Bestätigung kam wenige Monate später, als ich in meinem kleinen Büro unterm Dach an meinem Arbeitstisch stand und mich um Abrechnung und Steuern kümmerte, etwas, was ich nicht unbedingt gerne tue, was aber erledigt werden will.

Und da stand Er plötzlich neben mir, Er, der meine Seele liebt.

Ihn, den meine Seele liebt (Hohes Lied, 3).

Ganz sanft, warm, stark, leuchtend, ruhig, lebendig… vertraut und nah. Groß, übergroß und doch so, dass ich keine Angst hatte. Mein Freund. Mein großer, lieber, liebster Freund.

Er sprach zu mir so, wie in der Nahtoderfahrung, ohne Worte und doch so klar, dass ich jedes einzelne Wort verstand.

Vertraut. Liebevoll. Klar. Stark.

„Komm nach Jerusalem“, sagte Er, „ich will dir dort begegnen, ich warte dort auf dich.“

Andere Einzelheiten der Begegnung möchte ich gerne für mich behalten.

Nachdem Er gegangen war, dachte ich nach. Er… Jerusalem… Dann musste es wohl wirklich Jesus sein, war meine logische Schlussfolgerung.

Ich googelte, was man zu Israel als Reiseland wissen musste und wie lange ein Flug dorthin gehen würde. Und flog kurze Zeit später.

Von der Reise nach Jerusalem erzählte ich im letzten Drittel meines Buches: „Bestimmung – Schicksal als Mission“. Aber so viel sei hier gesagt:

Der Feind wollte nicht, dass ich nach Jerusalem flog und vereitelte fast den Flug. Und ja, Er hielt natürlich Wort und begegnete mir. In Tabgha, nahe dem Ort, an dem vor knapp zweitausend Jahren die Bergpredigt stattgefunden hatte. Und ich dufte viele besondere Momente und Begegnungen mit Menschen aus allen Ecken der Welt erleben, die Ihn kannten und kennen, lebendig, tief, nah und vertraut.

So wie ich.

So war ich mit meiner Liebe zu Ihm nicht mehr allein.

Jesus fordert seine Jünger und somit auch uns auf, Salz und Licht in der Welt zu sein:

Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz fade wird, womit soll es wieder salzig gemacht werden? Es taugt zu nichts mehr, als dass es hinausgeworfen und von den Leuten zertreten wird.

Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben.

Matthäus 5,13-14 (Schlachter)

Salz und Licht sind unter anderem Bilder für die unsichtbare und doch real erlebbare Gegenwart Gottes.

Wir sind aufgefordert, die würzende, heilende und konservierende Kraft des Salzes zu verkörpern und manchmal auch „geistigen Durst“ zu verursachen, den Durst nach dem Wasser des Lebens.

Dieses Wasser des Lebens ist Jesus selbst, der zu einer samaritanischen Frau am Brunnen sagt:

Jesus erwiderte: »Wer dieses (das Wasser des Brunnens) Wasser trinkt, wird bald wieder durstig sein.

Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die ewiges Leben schenkt.« Johannes 4,13-14 (Hoffnung für alle)

Dieser Aufforderung folgend teile ich öffentlich immer wieder auch die heiligsten Momente meines Lebens, in dem Wissen, immer auch Unverständnis und Kritik zu ernten, vor allem bei den Menschen, denen solche Erfahrungen fremd sind und auf die sie absurd wirken.

Aber ich tue es fest in der Gewissheit, dass manch einer von dem Inhalt, dem „Salz“, geistigen Durst bekommen und der Wunsch wach oder erneut belebt wird nach dem Wasser des Lebens.