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Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen Mit einem Schwung zieht Jefferson das Gewehr herum und zielt auf die beiden Reiter. »Mach keinen Blödsinn!«, stößt Clayson durch die Zähne. »Nicht abdrücken, Mann!« »Sie sind auf unserem Land, verdammt. Der Boss hat gesagt …« »Warte!«, zischt Clayson. »Sie halten.« Während Jefferson unbeirrt auf den ersten Mann zielt, hebt der Reiter unter ihnen die Hand und sieht sich nach seinem Begleiter um. Der zweite Mann unten ist klein und dick wie eine Kugel. »He!«, schreit der Dicke mit schriller Stimme. »Steve, ich schätze, wir sind zu weit, was?« »Kommt mir auch so vor«, erwidert der große blonde Mann unten und blickt sich suchend um. »Wir sind weiter als eine Meile über den Brazos geritten, meine ich. Dann muss das vorhin der Weg zu Richman gewesen sein.« »Hat der 'n Organ!«, knurrt Clayson und schüttelt sich.
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Seitenzahl: 162
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Mit einem Schwung zieht Jefferson das Gewehr herum und zielt auf die beiden Reiter.
»Mach keinen Blödsinn!«, stößt Clayson durch die Zähne. »Nicht abdrücken, Mann!«
»Sie sind auf unserem Land, verdammt. Der Boss hat gesagt …«
»Warte!«, zischt Clayson. »Sie halten.«
Während Jefferson unbeirrt auf den ersten Mann zielt, hebt der Reiter unter ihnen die Hand und sieht sich nach seinem Begleiter um. Der zweite Mann unten ist klein und dick wie eine Kugel.
»He!«, schreit der Dicke mit schriller Stimme. »Steve, ich schätze, wir sind zu weit, was?«
»Kommt mir auch so vor«, erwidert der große blonde Mann unten und blickt sich suchend um. »Wir sind weiter als eine Meile über den Brazos geritten, meine ich. Dann muss das vorhin der Weg zu Richman gewesen sein.«
»Hat der ’n Organ!«, knurrt Clayson und schüttelt sich. »Hast du das gehört, Jeff?«
»Hab’ ich!«, sagt Jefferson mürrisch und lässt sein Gewehr sinken. »Die wollen zu Richman, dem alten Säufer. Und ich dachte schon, es wären endlich ein paar Viehdiebe.«
»Die kommen auch gerade am Tag, was?«, brummt Clayson. »Sehen die beiden Burschen da unten vielleicht wie Viehdiebe aus? Ich sage dir, wenn hier einer stiehlt, dann sind es die Brüder von Marybelle. Und die reiten nicht am Tag durch das Badland hier am Brazos!«
Der sieben Meilen lange und gut vier breite Ödlandstreifen mit seinem verfilzten Unterholz hat nur zwei Wege. Der eine führt zur O’Brian Ranch und im Süden des Ödlandes vorbei. Der andere geht mitten durch das Gewirr und endet an der Richman Ranch.
Unter Jefferson und Clayson drehen die beiden Reiter. Dann jagen sie zurück und sind eben um die nächste Hügelbiegung, als Clayson aufsteht.
»Willst du anwachsen?«, fragt er Jefferson heiser. »Los, komm schon, wälz dich hoch, Bruder! Der Boss hat gesagt, wir sollen auf alles achten, was sich hier so bewegt!«
»Na und? Ich denke, wir sollen auf Viehdiebe aufpassen?«
»Wenn du schon denkst!«, knurrt Clayson scharf. »Der alte Richman hat schon zweimal versucht, seine Ranch zu verkaufen. Jedes Mal haben wir die Arbeit gehabt, die Aufkäufer zu verdreschen und davonzujagen. Und wenn das nun wieder einer ist, der die Ranch kaufen will, he?«
»Mann, du denkst doch nicht …«
»Ich denke das«, antwortet Clayson finster. »Weil der nicht wie ein armer Hund aussieht, sondern eher wie ein Rancher! Und ist er das, dann besucht er Richman nicht, um mit ihm drei Flaschen Brandy den Hals zu köpfen, ist dir das klar, du Trottel? Wir müssen den beiden Kerlen folgen und sehen, was sie bei Richman wollen. Und wissen wir es, jagst du zur Ranch, ist das klar?«
Jefferson stülpt die Unterlippe vor. Er ist groß, mager und hat gewaltige O-Beine. Wie Clayson ist er mit einigen anderen Burschen von Bill O’Brian angestellt worden, um Viehdiebe zu jagen. Old Bill O’Brians Herde verliert jede Woche drei oder vier Rinder. Aber bis heute hat man noch keinen Viehdieb erwischt. Jefferson ist ein eiskalter Gewehrschütze. Dafür ist er mit dem Revolver langsamer. Und mit dem Verstand erst recht.
»Und auf der Ranch melde ich dem Boss, was wir gesehen haben. Richtig, Clayson?«
»Richtig!«, nickt Clayson. »Endlich hast du verstanden. Also, ich will wissen, wer die beiden Burschen sind und was sie vorhaben. Wollen sie etwa kaufen, holst du die anderen. Danach nehmen wir sie auseinander. Und wehren sie sich mit dem Colt …«
»Schieß ich ihnen durch das Fell!«, sagt Jefferson begeistert. »Ich mach ihnen ein Loch in den Bauch, durch das die Sonne scheint!«
»Ja!«, erwidert Clayson grimmig. »Und jetzt bewege dich. Sie dürfen uns nicht sehen!«
Mit langen Schritten hasten sie zu ihren Pferden. Dann sitzen sie auf. Eine Minute später verfolgen sie die Fährte der beiden Reiter. Sie sind jetzt auf Richmans Land, aber das stört sie nicht. In diesem Gebiet bestimmt nur ein Mann, wer wo reiten darf: Bill O’Brian. Und er bestimmt auch, wer in diesem Land leben kann oder gehen muss. Man sagt von Bill O’Brian, er habe in seinen besten Jahren ein Dutzend Männer getötet, um zu seinem Besitz zu gelangen.
Es wird auf zwei Weitere nicht mehr ankommen.
*
Der kleine, dicke Jessy Walker stößt einen Schrei aus. Dann klirrt und poltert es nebenan, als bräche der ganze Anbau zusammen.
Mit einem Satz ist Steve Dale um die Küchentür und sieht den dicken Mann mitten in einem Haufen Flaschen sitzen.
»Oh, Hölle!«, sagt Jessy augenrollend. »Ich komme herein, sehe den Vorhang da in der Ecke, bin neugierig und ziehe ihn auf. Dabei muss ich wohl an eine Flasche gegriffen haben. Die haben übereinandergestapelt im Verschlag gestanden. Sie sind mir entgegengefallen, auf eine habe ich getreten, und dann …«
»Ob er die selbst getrunken hat?«, fragt Steve. »Steh schon auf, Fatty!«
»Zum Teufel, nenn mich nicht immer Fatty!«, sagt Walker wütend. »Ich heiße Jessy und bin der beste Koch von ganz Texas! Dass ich fett bin, weiß ich selber.
Ein guter Koch darf nicht mager sein.« »In Ordnung, Fatty!«
»Und so was ist mein Boss!«, flucht Jessy. »Sieh dir das Loch unter dem Herd mal an!«
Steve Dale bückt sich, runzelt die Brauen und sieht das nächste halbe hundert Brandyflaschen.
»Auf der Weide«, sagt Steve und lehnt sich an den Herd, »stehen keine fünfzig Rinder mehr. Das Haus ist weder gestrichen, noch sind alle Fenster heil. Das Stalldach hat Löcher, durch die Scheune bläst der Wind von Süden herein und im Norden hinaus. Die Corrals sind verfallen.«
»Aber die Weide ist gut. In Haus, Stall und Scheune müsste man tausend Dollar stecken, dann wäre es was, eh? Die Ranch ist nicht übel, Steve!«
»Heruntergekommen wie Richman, wette ich!«, brummt Steve und streckt die Hand durch ein Fenster ohne Scheiben.
Fatty Walker geht hinaus, lässt sich auf die Bank fallen und blickt nachdenklich auf das Badland. Dann sagt er:
»Ich denke, Richman ist ein Säufer. Er hat in seiner Annonce geschrieben, er wolle die Ranch altershalber verkaufen. Steve, soll ich dir sagen, warum er sie an den Mann bringen will?«
»Weshalb, he?«
»Weil er seine Rinder nach und nach zu Brandy gemacht hat!«, kichert Walker draußen. »Er kann sich an drei Fingern ausrechnen, wann der letzte Stier sich in Whisky verwandelt, und muss verkaufen. Steve, ich denke, du könntest einen guten Preis für die Ranch machen.«
»Denkst du?«, murmelt Steve Dale. »Fatty, hier stehen ein paar Kartons und Tüten, Säcke sind auch da. Auf allen steht ›General Store, Clairemont‹. Ich meine, wir sollten nach Clairemont zurückreiten. Wenn Richman irgendwo zu finden ist, dann dort. Ich fürchte nur, der Kerl wird betrunken sein!«
»Umso besser. Dann kannst du ihn bereden, dir die Ranch noch billiger zu lassen!«, stellt Fatty fest. »Biete ihm dreitausend Dollar, dann jubelt er. Wollen wir wetten?«
»Sie ist wegen des Wassers, wenn ihm das gehört, das Doppelte wert, Fatty!«
»Na und?«, brummt Fatty. »Der Mann kann froh sein, wenn er einen Käufer findet. Ich wette, er sitzt im General Store und besäuft sich. Dass wir uns angemeldet haben, muss er sich durch sein vom Brandy zerfressenes Gehirn gefiltert haben. Steve, biete ihm dreitausend Harte, nicht mehr. Ich will nicht sagen, dass mir die Ranch so gefällt, wie sie jetzt ist, aber sie liegt gut. Die Berge sind drüben, Wasser ist da … Ruhig ist es hier auch. Du könntest prächtige Rinder hier züchten.«
»Und du kochen, was? Fatty, Richman muss mit seinem Wagen zur Stadt gefahren sein. Hinter dem Wagen sind zwei Rinder gelaufen. Warum hat er wohl kein Pferd genommen, um sie vom Sattel aus zur Stadt zu treiben?«
Wenn man Fatty Walker so dick und behäbig sitzen sieht, könnte man glauben, einen bequemen Mann vor sich zu haben. Und doch täuscht an diesem kleinen, kugelrunden, freundlich lächelnden Mann alles.
»Er hat den Wagen genommen, weil er weiß, dass er bei seiner Rückkehr betrunken sein wird. Von einem Gaul würde er herunterfallen, Steve. Im Wagen kann er schlafen – und wenn die Pferde den Weg kennen, bringen sie ihn auf die Ranch. Meinst du das auch?«
»Du sagst es!«, erwidert Steve Dale trocken. »Reiten wir, Bruder!«
»Aber langsam – ich will was von der Gegend sehen, Steve.« »Well, wir haben Zeit!«
Sie steigen auf, reiten an und biegen um die Scheune. Und als sie wieder auf dem Weg sind …
»Hast du gehört?«, sagt Clayson gepresst. »Also doch – sie wollen kaufen. Dieser verdammte Richman. Hat ihm Old Bill nicht verboten, jemals wieder die Ranch zum Verkauf auszuschreiben? Wenn Richman verkauft, dann an Bill O’Brian und niemand sonst. Jefferson, pass auf: Du reitest zur Ranch und sagst Bescheid. Ich denke, das ist eine Arbeit für Marlin. Dieser blonde Bursche scheint ein harter Brocken zu sein. Sag das Marlin, verstanden?«
»Ja!«, nickt Jefferson. »Und was noch?«
»Ich reite in die Stadt – die beiden Kerle hänge ich glatt ab«, erwidert Clayson knapp. »Einer von uns ist immer in der Stadt. Hoffentlich sind es zwei oder drei, dann kaufe ich mir Richman. Sage das auch Marlin!«
»Ja!«, macht Jefferson. »Und was noch?«
»Mann, denk mal selber!«, faucht Clayson wütend. »Marlin soll sich beeilen, in die Stadt zu kommen. Den Großen wird er, fürchte ich, nur mit dem Colt verjagen können. Sage das auch dem Vetter vom Boss. Und dann sollen sie zwei neue Posten schicken, damit jemand weiter auf Viehdiebe achtet.«
Während Jefferson zur O’Brian-Ranch jagt, schlägt Clayson den Weg zum Fluss ein. Dann reitet er im Bogen hinter den nächsten Hügel. Von dort aus sieht er die beiden Reiter im gemütlichen Trab durch die obere Furt des Brazos River kommen.
»Die lassen sich wirklich Zeit«, stellt Clayson finster fest. »Well, Richman – sind wir fertig mit dir, können sie mit dir reden. Sie werden nur keine Antwort mehr bekommen!«
*
Er ist schon wieder betrunken, denkt Blake bitter und sieht auf den kleinen Don Richman hinab. Richman sitzt auf der Rampe. Er hat seine Rinder verkauft. Blake hat die wenigen Sachen für Richmans Küche auf den Wagen getragen, aber Richman scheint es nicht eilig zu haben, nach Hause zu kommen.
»Don, ich bin fertig!«
Richman hebt den Kopf und setzt die Flasche an die Lippen.
»… ist gut!«, sagt er nach einem lauten Rülpser heiser. »Ge … Geld ist in meiner Ta … Tasche! Nimm es dir.«
Blake tritt zu ihm, findet das Geld und nimmt sich sein Teil. Es bleiben noch zweieinhalb Dollar übrig.
»Nicht viel, Don«, brummt Blake. »In drei Tagen wirst du die nächsten Tiere verkaufen müssen. Mach so weiter, dann hast du bald gar kein Rind mehr auf der Ranch.«
Richman wackelt mit dem Kopf. Seine grauen strähnigen Haare fallen ihm in die Stirn, sein Mund zittert, als er zu Blake hochsieht.
»Ob sie mir sie stehlen oder …, hick, ich verkaufe sie …, alles egal!«, sagt er leiernd. »Wofür soll ich arbeiten, he? Was …, was ich mal liebte, da … das ist tot, verstehst du? Flasche ist gut. Feine Medizin!«
»Die bringt dich noch mal um«, antwortet Blake achselzuckend. »Na gut, Don, deine Frau und dein Junge sind nicht mehr, aber meinst du nicht, dass es tausend anderen Männern wie dir ergangen ist und noch ergehen wird? Wenn ich du wäre, dann würde ich an Big Bill verkaufen, mein Geld nehmen und mich irgendwo einmieten.«
Richman versucht aufzustehen, schafft es auch nach drei Anläufen.
»Ich verkauf nicht an Big Bill – nie im Leben!«, sagt er wütend. »Könnte ihm so passen, was? Meinen Jungen hat er ver … verprügeln lassen. Und nachher ist der Junge kra … krank geworden. Daran ist er gestorben!«
»Don, er ist nicht an der Prügel gestorben – das war viel später, du bringst das durcheinander!«, gibt Blake leise zurück. »Dein Junge hätte kein Maverick von Big Bills Land holen sollen.«
»Es war unser Maverick, yes!«, erwidert Don Richman grimmig. »Es gehörte uns. Und mein Junge konnte es von Big Bills Land holen …, yes, konnte er. Big Bill wollte immer schon meine Ranch haben. Und weil ich sie ihm nicht verkauft habe, hat er meinen Jungen verprügeln lassen. Danach wurde der Junge krank und starb!«
»Unsinn!«, wiederholt Blake gepresst. »Don, vorher hat dich Big Bill nie gefragt, ob du verkaufen würdest. Und dein Junge starb erst ein halbes Jahr nach der Prügelei. Für Big Bills Leute musste es aussehen, als hätte er eins von Bigs Rindern geholt. Nachher klärte sich alles auf, aber an der Prügel ist dein Junge nicht gestorben!«
»Ist er doch!«, sagte Richman starrsinnig. »Und darum verkaufe ich, an wen ich will, aber nicht an den alten Hundesohn Big Bill, verstanden? Ihr haltet alle zu ihm, so ist das!«
Er hat sich in Wut geredet und wird halbwegs nüchtern.
»Ihr kriecht auf dem Bauch vor Big Bill«, faucht der alte Richman wütend. »Aber ich nicht, das sage ich dir! Hol mir ’ne neue Flasche, Blake!«
»Du hast welche auf dem Wagen!« »Ich will keine Flasche vom Wagen. Ich will eine aus dem Store, verstanden?«
»Sicher«, antwortet Blake und geht seufzend ins Haus zurück. »Wie du willst, Don, besauf dich, bis es dir aus den Ohren rinnt!«
Der Alte starrt ihm nach, sucht einen festen Halt am Wagen. Manchmal, wenn Richman eine lichte Minute hat und nicht betrunken ist, weiß er, dass die Geschichte mit dem Maverick und der Prügel seines kaum siebzehnjährigen Sohnes ein Irrtum gewesen ist. Dennoch wird Richman das nie zugeben. Für ihn ist sein Sohn an der Prügel gestorben, die ihm ein paar Reiter Big Bill O’Brians gaben. Seitdem hasst Richman den alten O’Brian.
»Und ich verkaufe nicht an den alten Strolch!«, sagt Don Richman giftig. »Ich verkaufe … Teufel, den wie vielten haben wir eigentlich heute? Da war doch …«
Nach und nach fällt ihm seine Annonce im »Austin Herald« ein und jener Brief, den er von einem Mr Steve Dale bekam.
»Wollte der«, fragt Old Richman rülpsend, »nicht heute kommen, he?«
Old Richman dreht sich um, will Blake rufen – als er die beiden Männer im hinteren Hoftor erscheinen sieht.
Der Mann links lässt die langen Arme hängen, hält den Kopf gesenkt und spuckt dem Alten haargenau auf den linken Stiefel. Es ist Baldwin – einer der ganz harten Burschen Bill O’Brians. Der zweite Mann hat ein glattes, kühles Pokergesicht, trägt einen tiefgeschnallten Colt und sieht den Alten eiskalt an.
Wenn Don Richman auch betrunken ist – jetzt wird ihm klar, dass dieser Besuch kein Zufall sein kann.
Im nächsten Moment bleibt Baldwin dicht vor Old Richman stehen. Er wippt auf den Stiefelspitzen, streckt ganz langsam die klobige Faust aus und erwischt Old-Richmans-Hemd vorn an den beiden oberen Knöpfen.
»Das ist aber ganz schlecht, Richman«, sagt Baldwin grollend. »Du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb, was? Haben wir dir nicht beim letzten Male gesagt, es würde rau für dich, wenn du noch mal an jemand verkaufen wolltest?«
Er dreht Old Richman bedächtig, aber unaufhaltsam das Hemd zusammen. Dabei hebt er das Hemd an – und so kommt es, dass Don Richman der Hemdkragen um den Adamsapfel rutscht und der sich tief in den Hals drückt. Don Richman wird die Luft knapp.
»Du wirst nur an einen Mann verkaufen!«, zischt Clayson grimmig. »Und damit du es auch nicht wieder vergisst … Da hast du was!«
Don Richman saust nach hinten, kracht an das Hinterrad und rutscht langsam von ihm ab, bis er am Boden sitzen bleibt.
Jetzt weiß er, dass sie es erfahren haben. Und er weiß noch eine Kleinigkeit mehr: Wenn sie mit ihm fertig sind, wird er halb tot sein, wenn nicht ganz.
*
»Clayson – verdammt, Clayson, hört ihr auf!«
Blakes heiserer, zorniger Ausruf kommt von der Rampe her. Der Storebesitzer ist von seinem Laden aus durch den Schuppen zurückgekehrt. Er sieht jetzt, wie Clayson Don Richman wieder auf die Beine reißt und dem Alten einen Schwinger verpasst.
Ehe Clayson etwas sagen kann, macht Blake einen Schritt zurück. Obwohl sich die ganze Stadt vor Big Bill O’Brian duckt, ist Blake nicht der Mann, der vor dem mächtigen Rancher auf dem Bauch kriecht. Blake greift nur um die Ecke. Er schnappt sich einen der hinter der Schuppentür stehenden Forkenstiele. Dann kommt Blake erneut aus dem Schuppen, hat aber nicht mit dem verschlagenen Baldwin gerechnet.
Baldwin reißt blitzschnell die Peitsche Old Richmans vom Bock. In der nächsten Sekunde springt Baldwin wie ein Tiger an das Wagenende. Er taucht herum, hat die Peitsche nach hinten gezogen und lässt die Schnur fliegen, als Blake wieder auf der Rampe erscheint.
Es ist Blakes Fehler, nur auf Clayson zu achten. Und ehe Blake zurückspringen kann, ringelt sich nach Baldwins Hieb die Peitschenschnur um seinen linken Stiefel.
In der nächsten Sekunde wirft sich Baldwin auch schon nach hinten. Dabei reißt er die Peitschenschnur straff an. Blake wird das linke Bein weggezogen. Der Storebesitzer verliert den Halt. Er strauchelt, kippt zur Seite und saust von der Rampe hinab. Baldwin ist mit zwei Sätzen bei ihm und jagt ihm den Stiefel in die Seite.
»Hast du verdammter Krämer dich um unsere Dinge zu kümmern?«, faucht Baldwin giftig, reißt ihm den Kopf hoch und stößt ihn gegen den Boden.
Blake kippt um und bleibt an der Rampe liegen.
Old Richman liegt noch immer. Er ist nun nüchtern genug, um zu sehen, was Baldwin mit Blake getan hat.
Eine Sekunde danach bückt sich Clayson fluchend. Er zieht den alten Richman hoch, stößt ihn rücklings gegen den Wagen und hält ihn fest.
»Rede!«, schnauft Clayson scharf. »Richman, du Säuferseele, wie heißt der Kerl, dem du die Ranch verkaufen willst?«
Don Richman ist vielleicht vor zehn Jahren mal hart gewesen. Er ist von den zwei Hieben bereits fertig und atmet mühsam.
»Dale!«, bringt der Alte ächzend heraus. »Steve Dale heißt er. Was – was wollt ihr von mir? Ich kann verkaufen, an wen ich will.«
Einen Moment starrt ihn Clayson finster an, dann stößt er dem Alten die Faust unter die Rippen.
»So, du kannst verkaufen, an wen du willst?«, erkundigt er sich voller Hohn. »Was hat dir denn Big Bill gesagt, he? Und was sein Vetter?« Drohend hebt Clayson die Faust.
»Wer ist der Kerl – wo kommt er her?«
Als Richman die Lippen zusammenpresst, stößt Clayson die rechte Faust wieder an die Rippen des Alten. Er muss ihn jetzt mit beiden Händen halten und hört ihn halberstickt murmeln: »Irgendwoher aus dem unteren Texas bei San Diego, glaube ich. Ich …, ich weiß nicht, wer er ist. Geschrieben hat er, er wolle eine Ranch kaufen. Von sich hat er nichts erzählt. Nein, nein, nicht schlagen – ich sage ja alles. Ich weiß nicht mehr von Dale, ich schwöre dir, ich weiß es nicht!«
»Dir fällt gleich genug ein«, zischt Clayson. »Hast du wieder eine Zeitungsannonce aufgesetzt?«
Als Richman nicht antwortet, fegt ihm Clayson eine Linke ans Kinn. Der Alte stolpert und fällt wieder um. Clayson fragt scharf:
»Hast du es wieder durch eine Zeitung versucht, he?«
»Ja«, gibt Richman keuchend zu. »Austin Herald …, aber … es ist mein gutes Recht. Ich verkaufe nicht an O’Brian, ich habe es gesagt!«
»Alle Teufel dieser Hölle!«, meldet sich Baldwin finster. »Man sollte glauben, der Kerl hat endlich genug, aber er will immer noch nicht.«
Er holt aus, schlägt zu und sieht den Alten rücklings zu Clayson fliegen. Clayson fängt Richman auf, dreht ihn und feuert dann seine Faust ab. Don Richman bricht zwischen den beiden Männern zusammen.
»Der hält nichts mehr aus!«, stellt Baldwin bissig test. »Ein anständiger Schlag, dann kippt er schon um.«
Mit einem Schwung zieht er den Alten auf die Beine. Dann nimmt er die Faust nach hinten.
Richman öffnet seinen verschwollenen Mund. Er will etwas sagen, kommt aber nicht mehr dazu.
