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Das E-Book ‚Buchbesprechungen‘ enthält insgesamt 36 Buchbesprechungen aus der Feder von Erich Fromm, die – mit Ausnahme der letzten – alle ursprünglich in deutscher Sprache verfasst wurden. Sie umfassen den Zeitraum von 1932 bis 1950. Die chronologisch sortierten Buchbesprechungen dokumentieren für die erste Schaffensphase von Fromm, was für sein gesamtes Leben Gültigkeit hatte: dass er ein sehr fleißiger Leser war und sich sein Interesse auf ein breites Spektrum der wissenschaftlichen Literatur bezog. Die besprochenen Bücher im Einzelnen - „Gabe. Herrn Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht“ - Siegfried Bernfeld: „Die Schulgemeinde und ihre Funktion im Klassenkampf“ - Fedor Vergin: „Das unbewusste Europa. Psychoanalyse der europäischen Politik“ - Sir Galahad: „Mütter und Amazonen. Umriß weiblicher Reiche“ - Otto Heller: „Der Untergang des Judentums“ - Maria Dorer: „Historische Grundlagen der Psychoanalyse“ - Wilhelm Reich: „Der Einbruch der Sexualmoral. Zur Geschichte der sexuellen Ökonomie“ - Lord Raglan: „Jocasta’s Crime. An Anthropological Study“ - Willy Hellpach: „Elementares Lehrbuch der Sozialpsychologie“ - Sandford Fleming: „Children and Puritanism“ - S.M. and B.C. Grünberg: „Parents, Children and Money“ - E. Heidbreder: „Seven Psychologies“ - Jeoffrey Gorer: „The Revolutionary Ideas of the Marquis de Sade“ - Louis Berg: „The Human Personality“ - Alexander Kerensky: „The Crucified Liberty“ - I.S. Wile: „The Sex Life of the Unmarried Adult. An Inquiry into and an Interpretation of Current Sex Practice“ - Gerhard Adler: „Entdeckung der Seele“ - Carl Gustav Jung: „Wirklichkeit der Seele“ - Heinrich Meng: „Strafen und Erziehen“ - Peter Browe: „Beiträge zur Sexualethik des Mittelalters“ - John Dollard: „Criteria for the Life History“ - Margaret Mead: „Sex and Temperament in Three Primitive Societies“ - George Britt: „Forty Years – Forty Millions“ - Conrad Aiken: „King Coffin“ - Margaret Mead: „Cooperation and Competition Among Primitive Peoples“ - Harold D. Lasswell: „Politics: „Who Gets What, When, How“ - R. Osborn: „Freud and Marx“ - F. Brown: „Psychology and the Social Order“ - Carl J. Warden: „The Emergence of Human Culture“ - Paul Thomas Young: „Motivation of Behavior. The Fundamental Determinants of Human and Animal Activity“ - Roger W. Babson: „Actions and Reactions. An Autobiography“ - Wilhelm Stekel: „Die Technik der analytischen Psychotherapie“ - L. Ron Hubbard: „Dianetik“. Die Heilslehre der Scientology-Church“ - u.a.
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Veröffentlichungsjahr: 2016
Erich Fromm(2016i)[1]
Als E-Book herausgegeben und kommentiert von Rainer Funk
Erstveröffentlichung als E-Book 2016 unter dem Titel Buchbesprechungen in der Edition Erich Fromm bei Open Publishing, München.
Die E-Book-Ausgabe der einzelnen Beiträge dieses Sammelbandes orientiert sich an den von Rainer Funk herausgegebenen und kommentierten Textfassungen in der Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden, München (Deutsche Verlags-Anstalt und Deutscher Taschenbuch Verlag) 1999.
Die Zahlen in [eckigen Klammern] geben die Seitenwechsel in der Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden wieder.
Copyright © als E-Book 2016 by The Estate of Erich Fromm. Copyright © Edition Erich Fromm 2016 by Rainer Funk.
Buchbesprechungen
Buchbesprechung von „Gabe“. Herrn Rabbiner Dr. Nobel zum 50. Geburtstag dargebracht
Buchbesprechung von Siegfried Bernfeld: „Die Schulgemeinde und ihre Funktion im Klassenkampf“
Buchbesprechung von Fedor Vergin: „Das unbewusste Europa. Psychoanalyse der europäischen Politik“
Buchbesprechung von Sir Galahad: „Mütter und Amazonen. Umriss weiblicher Reiche“
Buchbesprechung von Otto Heller: „Der Untergang des Judentums“
Buchbesprechung von Maria Dorer: „Historische Grundlagen der Psychoanalyse“
Buchbesprechung von Wilhelm Reich: „Der Einbruch der Sexualmoral. Zur Geschichte der sexuellen Ökonomie“
Buchbesprechung von Fedor Vergin: „Das unbewusste Europa. Psychoanalyse der europäischen Politik“
Buchbesprechung von Lord Raglan: “Jocasta’s Crime. An Anthropological Study“
Buchbesprechung von Willy Hellpach: „Elementares Lehrbuch der Sozialpsychologie“
Buchbesprechung von Sandford Fleming: ”Children and Puritanism“
Buchbesprechung von S. M. and B. C. Grünberg: “Parents, Children and Money“
Buchbesprechung von E. Heidbreder: “Seven Psychologies“
Buchbesprechung von Jeoffrey Gorer: “The Revolutionary Ideas of the Marquis de Sade”
Buchbesprechung von Louis Berg: “The Human Personality”
Buchbesprechung von E. J. H. Buytendyik „Wesen und Sinn des Spiels“
Buchbesprechung von Alexander Kerensky: “The Crucified Liberty“
Buchbesprechungen von A. Forel: „Rückblick auf mein Leben“, V. P. Snowden: “An Autobiography“, R. H. P. Lockhart: “Retreat from Glory“
Buchbesprechung von I. S. Wile: “The Sex Life of the Unmarried Adult. An Inquiry into and an Interpretation of Current Sex Practice”
Buchbesprechung von Gerhard Adler: „Entdeckung der Seele“
Buchbesprechung von Carl Gustav Jung: „Wirklichkeit der Seele“
Buchbesprechung von Heinrich Meng: „Strafen und Erziehen“
Buchbesprechung von Peter Browe: „Beiträge zur Sexualethik des Mittelalters“
Buchbesprechung von John Dollard: “Criteria for the Life History”
Buchbesprechung von Margaret Mead: “Sex and Temperament in Three Primitive Societies”
Buchbesprechung von George Britt: “Forty Years – Forty Millions“
Buchbesprechung von Conrad Aiken: “King Coffin“
Buchbesprechung von Margaret Mead: “Cooperation and Competition Among Primitive Peoples”
Buchbesprechung von Harold D. Lasswell: “Politics: Who Gets What, When, How”
Buchbesprechung von R. Osborn: ”Freud and Marx“
Buchbesprechung von F. Brown: “Psychology and the Social Order”
Buchbesprechung von Carl J. Warden: “The Emergence of Human Culture”
Buchbesprechung von Paul Thomas Young: “Motivation of Behavior. The Fundamental Determinants of Human and Animal Activity
Buchbesprechung von Roger W. Babson: “Actions and Reactions. An Autobiography“
Buchbesprechung von Wilhelm Stekel: „Die Technik der analytischen Psychotherapie“
Buchbesprechung von L. Ron Hubbard: „Dianetik“. Die Heilslehre der Scientology-Church
Literaturverzeichnis
Der Autor
Der Herausgeber
Impressum
(1922c)[2]
Das Prinzip dieser Festschrift mag zunächst eigenartig anmuten. Ihre Anordnung geht nicht von einem objektiven Einteilungsprinzip des Stoffes aus, sondern ist nur zu verstehen aus der persönlichen Beziehung der Mitarbeiter zu Rabbiner Nobel. Aber gerade aus der Mannigfaltigkeit der behandelten Themen, die aus religiösen, philosophischen, ästhetischen, historischen und politischen Gebieten jüdischer und nichtjüdischer Sphäre geschöpft sind, ist zu erkennen, von wie verschiedenen Gebieten her Männer und Jünglinge zu ihm als Repräsentanten des sie alle bindenden und einenden Judentums kamen. Die Festschrift wird eingeleitet durch ein Sonett, das deutlicher Ausdruck der Wirkung dieser Persönlichkeit auf den ganzen Kreis ist. Im Rahmen einer Besprechung ist es nicht möglich, die 16 Beiträge einzeln zu charakterisieren. Hervorgehoben sei nur Folgendes:
Hermann Cohen, den mit Rabbiner Nobel innige persönliche Freundschaft verband, ist in der Gabe mit den aus seinem Nachlass zum ersten Mal gedruckten Briefen über Gottfried Keller vertreten, die, wie der Herausgeber Franz Rosenzweig mit Recht hervorhebt, nicht nur viel Wesentliches und Neues über Keller aussagen, sondern auch „in die letzten Tiefen der Persönlichkeit Cohens hineinleuchten“. Außerdem aber beschäftigen sich noch zwei andere Beiträge der Festschrift mit diesem Großen, beide von Rabbiner Nobel selbst: sein Glückwunsch zu Cohens 70. Geburtstag sowie die tief und warm kennzeichnenden Hexameter, die dem Grabstein des Denkers eingegraben sind.
Siegried Kracauers „Gedanken über Freundschaft“ bringen eine verstehende, begrifflich klare und doch ganz gefühlte Darstellung der verschiedenen Möglichkeiten, Freundschaft zu empfangen und zu geben. Die bei derartigen soziologischen Untersuchungen bestehende Gefahr, über dem notwendigen Systematisieren und dem Herausstellen der Begriffe die lebendige Selbständigkeit des Gefühls zu vergessen, ist hier glücklich vermieden.
Ernst Simon versucht in seiner kleinen Abhandlung „Platon und die Tragödie“ den Widerspruch zwischen diesen beiden Haupttatsachen der antiken Kultur durch eine neue Deutung zu lösen: Die Tragödie des Sokrates sei in ihrer Einwirkung auf den jugendlich liebenden Schüler ihm der Anstoß gewesen, vom ästhetischen Pessimismus der Tragödie zum ethischen Optimismus seines „Staates“ fortzuschreiten.
Die uns am bedeutendsten erscheinende Arbeit ist „Das Dämonische“ von Leo Löwenthal deshalb, weil hier [X-029] stark metaphysische Intuition unmittelbar zu spüren ist, selbst dann noch, wenn gelegentlich die Reste philosophischer Schulsprache allzu deutlich sind. Der Verfasser führt uns in jenes Zwischenreich, das, von Gott verlassen, für die Dämonen frei bleibt, die in den Gestalten der unverstandenen und gefürchteten Natur, der Engel, Teufel, Amouretten des auf Antwort verzichtenden Selbst, Antwort gewordenen Problems oder bestenfalls einer auf Sinndeutung verzichtenden unmittelbaren Erfassung der Erscheinungswelt an uns vorüberziehen. Ihr Reich ist da und nur da, wo Gott nicht ist, doch nur, weil er ist, kann ihr Reich sein.
Leichter fassliche, wenn auch nicht minder tiefe Einblicke in das Gebiet des Religiösen gewähren die fünf kurzen Predigten, von denen zwei Eugen Meyer und drei chassidische Martin Buber mitteilt. Etwas über deren herrlichen Inhalt zu sagen, unterlassen wir – hier kann man nur selbst lesen.
Zum Schluss sei noch auf die temperamentvolle Abrechnung mit einer heute als Goluserscheinung[3] vorkommenden, doch unjüdischen Art von „Rechtgläubigkeit“ hingewiesen, die Eugen Meyer in seinem Beitrag „Räumet, räumet, machet Bahn!“ vornimmt. Wir spüren eine warme Liebe, die nicht nur das Alte erneuern, sondern auch seine Verfälschung niederreißen will. – Dies alte und ewig Junge soll uns in schönen Übersetzungen häuslicher Gebete vermittelt werden, die zum Eindringen in das „heilige Original“ selbst führen sollen und können. Mit diesem Beitrag schließt Franz Rosenzweig das wertvolle Buch.
(1930c)[4]
Die oberste Frage jeder sozialistischen Politik – also auch der Schul- und Erziehungspolitik ist die nach der Bedeutung einer Maßnahme für die Situation des Klassenkampfes.
Bernfeld gibt eine Analyse der Funktion der bürgerlichen Schule im Klassenkampf. Sie dient dazu, die Bindung des Kleinbürgertums an die herrschende Klasse zu fördern und die Möglichkeit seines Bündnisses mit dem Proletariat zu zerstören. Das Schulheim hat dieselbe Funktion für die Kinder, die infolge einer besonderen Gefährdung der ökonomischen, sozialen, ideologischen Situation ihrer Familie in der allgemeinen Schule ihrer Klasse entfremdet werden könnten. „Es ist sozusagen die bürgerliche Form der Verwahrlosung, die durch das Schulheim erfolgreich bekämpft wird.“ Die Kinder der Kleinbourgeoisie leben dort ebenso vollkommen ökonomisch gesichert, wie nur die Großbourgeoisie, „und entwickeln daher – als Überbau über diese ihre Situation – deren Ideologie“. Das Schulheim kann also keine Forderung sozialistischer Schulpolitik sein.
Eine positivere Einstellung vom Standpunkt der sozialistischen Schulpolitik nimmt der Verfasser zur Schulgemeinde ein. Es kommt der bürgerlichen Schule nicht in erster Linie darauf an, Wissen und Bildung zu vermitteln, sondern diese geistigen [X-039] Waffen werden den ihrer Klassenlage nach dem Proletariat nahestehenden Schichten des Bürgertums nur unter einer Bedingung ausgeliefert:
sie müssen eine psychische Struktur mit ins Leben nehmen, die verhindern wird, dass sie diese kostbaren Waffen je anders denn als Leib- und Geisteigene des Kapitals benutzen könnten.
Dieser Unterrichtserfolg wird vermittelt durch die für die bürgerliche Schule typische Disziplin. Bernfeld sieht in der die ganze Schülerschaft umfassenden Schulgemeinde einen Ansatzpunkt für eine revolutionäre Schulpolitik, wenn die Schülerbewegung sich mit der proletarischen verbindet und die Pädagogik als ein Stück Klassenkampf verstanden wird.
Die Bernfeldsche Schrift ist weit über den Rahmen der Spezialfrage, die sie untersucht, hinaus außerordentlich lesenswert, weil hier einer der bisher noch seltenen Versuche vorliegt, ein gesellschaftliches Problem in seiner sozialen und psychologischen Struktur mit den Methoden zu verstehen, deren gleichzeitige Anwendung allein ein volles Verständnis ermöglicht: der marxistischen Soziologie und der Freudschen Trieblehre. (Dr. Erich Fromm, Heidelberg)
