Carla Chamäleon: Reisefieber - Franziska Gehm - E-Book

Carla Chamäleon: Reisefieber E-Book

Franziska Gehm

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Beschreibung

Herr Ping und der Mops sind krank. Sie haben überall pinke Flecken, und der Mops liegt nur noch auf dem Rücken herum. Nicht einmal Carlas Mutter, die Tierpflegerin im Zoo ist, weiß einen Rat. Schließlich wendet sich Carla an ihre Freundin Herta in Australien – immerhin hatte sie die Chamäliose-Tabletten geschickt, die beide Tiere gefuttert haben. Hat es damit etwas zu tun? Herta befragt den Medizinmann, der ihr die Tabletten gegeben hatte; Pinguin und Mops müssen SO SCHNELL WIE MÖGLICH und VOR ORT von ihm behandelt werden. Die Krankheit ist ernst! Carla und Jole beschließen, sofort zusammen mit Dr. mäd. Haubenmacher ans andere Ende der Welt zu reisen. Können Herr Ping und der Mops gerettet werden? Und was, wenn Carla auf der Reise wieder mal aus Versehen unsichtbar wird?

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Seitenzahl: 191

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Franziska Gehm

Carla Chamäleon: Reisefieber

 

 

Illustriert von Julia Christians

Über dieses Buch

 

 

Herr Ping und der Mops sind krank. Sie haben überall pinke Flecken, und der Mops liegt nur noch auf dem Rücken herum. Nicht einmal Carlas Mutter, die Tierpflegerin im Zoo ist, weiß einen Rat. Schließlich wendet sich Carla an ihre Freundin Herta in Australien – immerhin hatte sie die Chamäliose-Tabletten geschickt, die beide Tiere gefuttert haben. Hat es damit etwas zu tun? Herta befragt den Medizinmann, der ihr die Tabletten gegeben hatte; Pinguin und Mops müssen SO SCHNELL WIE MÖGLICH und VOR ORT von ihm behandelt werden. Die Krankheit ist ernst! Carla und Jole beschließen, sofort zusammen mit Dr. mäd. Haubenmacher ans andere Ende der Welt zu reisen. Können Herr Ping und der Mops gerettet werden? Und was, wenn Carla auf der Reise wieder mal aus Versehen unsichtbar wird?

 

Das fünfte Abenteuer von Carla Chamäleon, der Superheldin wider Willen!

 

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.fischer-sauerlaender.de

Biografie

 

 

Franziska Gehm, geboren 1974 in Sondershausen, hat in England und Irland studiert, in Österreich und Dänemark gearbeitet und zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt und verfilmt wurden. Genau wie Carla hat sie sich als Kind manchmal in Luft aufgelöst, meistens im Matheunterricht.

 

Julia Christians, ein Harzer Urgestein von 1984, ist aus einem Studium des Kommunikationsdesigns an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK) 2011 als Diplom-Designerin hervorgegangen und arbeitet seit 2018 als freiberufliche Illustratorin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann, ihren Kindern und der ständigen Frage, ob vier Hunde genug Hunde sind.

Impressum

 

 

Erschienen bei FISCHER E-Books

 

Zuerst erschienen 2022 im Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg

 

Lektorat Christiane Steen

 

Covergestaltung: any.way, Barbara Hanke/Cordula Schmidt

Coverabbildung: Julia Christians

ISBN 978-3-7336-0798-2

 

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

 

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WARNUNG:

Das Einführen von unberechenbaren Gadgets in fremde Länder, übermäßiges Essen von Erdnussbutter-Toasts und der Besuch eines Pubs als Minderjährige sind ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen!

Ferner wird davor gewarnt, davon auszugehen, dass man überall auf der Welt, sagen wir zum Beispiel in Australien, dieselbe Sprache spricht und sich problemlos versteht. So etwas gibt es nur in Büchern.

Liebe Leute, die ihr

vergessen habt, was in den ersten vier Bänden passiert ist,

Band 1, 2, 3 und 4 nie gelesen habt (ach, es gibt schon vier Bände?!),

ein Buch grundsätzlich von vorne bis hinten durchlest (brav),

eigentlich noch mitten beim Lesen von Band 1 seid, aber spicken wollt, was passiert (tss, tss, tss),

euch dieses Buch vorlesen lasst, obwohl ihr bestimmt schon lesen könnt und der Vorlesende keine Ahnung hat, worum es geht.

Hier erfahrt ihr, was bisher geschah:

Carla Niemann war ein ganz normales elfähriges Mädchen. Mit einer (stinkenden) großen Schwester, (peinlichen) Eltern und mit einer besten Freundin namens Herta. Carla liebte Listen, Skizzen und ihre Ruhe. SO war es bis zum Beginn des neuen Schuljahres. Dann wurde aus Carlas Leben eine Tragödie in drei Teilen.

Tragödie 1. Teil: Herta zog ans andere Ende der Welt.

Tragödie 2. Teil: Jole, der Neue in der Klasse, zog in ihr Leben ein.

Tragödie 3. Teil: Carla löste sich in Luft auf. (Also, natürlich nicht ganz, sonst wäre es schwer, ein Buch über sie zu schreiben.)

Wenn Carla in eine peinliche Situation geriet oder nervös wurde, verschmolz sie mit der Umgebung. Wie ein Chamäleon. Total krank!, dachte Carla und holte sich bei Dr. mäd. Haubenmacher Rat. Der diagnostizierte Chamäliose – für die er kein Gegenmittel kannte.

Zum Glück schickte Herta vom anderen Ende der Welt eine Tablette gegen Chamäliose. Doch die schluckte der Pinguin, der gerade bei Familie Niemann zu Gast war. Er bekam davon eine Schleuderzunge und konnte auf einmal reden, genau genommen rappen. Carla blieb der Freak, der sich in Luft auflöste. Für Jole war Carla jedoch eine Superheldin. Ebenso für die «Die Kavaliere», ein Geheimbund aus unauffälligen Leuten, die unerkannt Gutes taten und deren Big Boss Carla um Mithilfe bat.

Schnell wurde Carla zur Geheimwaffe der Kavaliere. Genau wie der Hund von Dr. mäd. Haubenmacher, der die zweite Chamäliose-Tablette gefuttert hatte und dadurch zum unsichtbaren Super-Mops wurde. Gemeinsam überführten sie fiese Schurken, und nebenbei wurde der Pinguin zusammen mit Carlas Freundin Marie-Amylee auch noch zum rappenden Superstar im Internet.

Allerdings bleibt keine Zeit, den Ruhm auszukosten, denn das nächste Abenteuer wartet bereits, und zwar am anderen Ende der Welt …

Abflug ins Blaue

«Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt. Please do not leave your luggage unattended», schallte es durch die Abflughalle.

Carla Niemann umklammerte die Träger ihres blauen Rucksacks mit feuchten Händen. Vor lauter Gewusel auf dem Flughafen wusste sie gar nicht, wo sie hinsehen sollte. Eine Frau im dunklen Kostüm eilte mit glänzend schwarzen Absatzschuhen, einem kleinen silbernen Rollkoffer und Handy am Ohr zielstrebig durch die Halle und umkurvte eine Großfamilie, die sich um vier voll beladene Gepäckwagen versammelt hatte und gerade gut gelaunt ein Picknick einlegte. Ein junges Pärchen in Sandalen, das mit riesengroßen Rucksäcken beladen war, stand Hand in Hand mit in den Nacken gelegten Köpfen vor der Abflugtafel.

Im nächsten Moment zog eine stolze Schwanenfamilie vorbei. Natürlich keine echte. Aber Carla musste beim Anblick der Flugzeugbesatzung sofort daran denken. Vorneweg marschierten mit geschwellter Brust und tadelloser Uniform der Kapitän und sein Co-Pilot. Dahinter folgte das Bordpersonal in wunderschönen bunten Gewändern, die Frauen mit formvollendeten Frisuren und dezentem Make-up. Sie kamen aus einer anderen Welt.

Carla würde heute mit Jole, mit Herrn Ping, mit dem Mops und seinem Herrchen Dr. mäd. Haubenmacher in ein Flugzeug steigen und ans andere Ende der Welt fliegen. Beim Gedanken daran machte sie leise «Puh!».

«Ja, puh, genau! Wann geht das denn hier mal vorwärts?» Jole stellte sich auf die Zehenspitzen und musterte die Schlange an der Sicherheitskontrolle. Im Gegensatz zu Carla konnte er es kaum erwarten, kilometerweit über der Erde in einer Blechkiste zu sitzen und um den halben Erdball zu fliegen.

«Dort drüben wird gerade ein weiterer Schalter eröffnet, kommt!», rief Dr. mäd. Haubenmacher und hastete mit dem Reisehundekorb in der Hand los. Seine grauen Locken wippten bei jedem Schritt, und der violette Seidenschal wehte auf seinem grauen Jackett.

Jole schulterte die Kühltasche, in der Herr Ping vor sich hin döste, und folgte ihm. Bei Jole wippte der Scheitel von einer Seite auf die andere.

Als Carla bei der Sicherheitskontrolle ankam, hatte Dr. mäd. Haubenmacher sein Handgepäck schon auf das Fließband gelegt und trat mit gerecktem Kinn durch den weißen Türrahmen mit den Metalldetektoren.

Jole und Carla legten ihre Gepäckstücke ebenfalls aufs Fließband. Entschlossen marschierte Jole auf den weißen Türrahmen zu und hampelte so albern darin herum, als würde er unter einer Dusche stehen und sich einseifen. Die kräftige Uniformierte auf der anderen Seite verfolgte das Schauspiel mit gerunzelter Stirn und schickte Jole noch einmal zurück.

Währenddessen ließ Carla ihr Gepäck wie geheißen nicht unbeaufsichtigt. Sie sah, wie ihr blauer Rucksack nach der Durchleuchtung auf der anderen Seite des Fließbands ankam und von einem rothaarigen, sommersprossigen Sicherheitsbeamten an sich genommen wurde. Dieser sagte kurz etwas zu Dr. mäd. Haubenmacher und öffnete den Rucksack.

Carla bekam nicht mit, wie Jole die Detektoren-Tür zum zweiten Mal passierte, und zwar ganz ohne Hampeln, dafür steif wie ein Roboter hindurchschritt. Auch nicht, dass die Uniformierte ihr ein Zeichen gab, dass sie nun an der Reihe war. Carla starrte auf den rothaarigen Sicherheitsbeamten, der in ihrem Rucksack kramte und einen kleinen weißen Handventilator herausholte.

«Bitte nicht!», flüsterte Carla und sah den Sicherheitsbeamten flehentlich an. Er wusste nicht, was Carla wusste: Seine eigene Sicherheit war in Gefahr. Denn dieser Handventilator war anders als andere Ventilatoren. Was genau an ihm anders war, wusste nur Norma, Carlas große Schwester, die den harmlosen Handventilator in ein gefährliches Gadget verwandelt hatte. Ein Gerät, das Carla unsichtbar werden lassen sollte.

Denn mit Carlas seltsamer Krankheit war das so: Zu Beginn hatte es gereicht, wenn Carla sich für andere geschämt hatte, die etwas Peinliches taten (meistens für Jole). Zuverlässig war dann ihre Chamäliose ausgebrochen und Carla mit der Umgebung verschmolzen. Mittlerweile aber war sie abgehärtet. Das brachte wohl der Nebenjob als Superheldin so mit sich. Jedenfalls war Carla nichts mehr so schnell peinlich. Fremdschämen reichte nicht. Jetzt musste die peinliche Aktion schon etwas mit ihr zu tun haben.

Und da war Norma ins Spiel gekommen. Norma, die zukünftige Nobelpreisgewinnerin auf dem Gebiet der Quanten-Quadrat-Quark-Forschung, bastelte technische Apparaturen für ihre kleine Schwester, die nur eins bezweckten: Carla zu blamieren. Eine Hose mit eingenähtem Furzkissen beispielsweise hatte bereits hervorragend funktioniert. Der Trick bei den Gadgets (neben dem komplizierten technischen Aufbau) war, dass Carla vorher nichts über ihre Wirkung wissen durfte.

Und so kam es, dass Carla Niemann jetzt auf einem Flughafen an der Sicherheitskontrolle stand und voller Panik auf den unschuldig wirkenden Ventilator in der Hand des ahnungslosen Beamten starrte. Sie sah, wie der Mann den Ventilator von allen Seiten betrachtete. Sie sah, wie er sich den Ventilator schließlich forschend vors Gesicht hielt. Sie sah, wie er seinen breiten Daumen auf den kleinen Knopf legte, der den Ventilator startete.

Seine Kollegin wartete noch immer darauf, dass Carla endlich durch die Detektoren-Tür schritt. Sie blickte Carla aufmunternd an und rief: «Na, wohl schüchtern, die junge Dame?»

«NEIN!!!» Carlas Schrei hallte durch den Kontrollbereich. Sie hatte die Uniformierte weder gesehen noch gehört. Entsetzt starrte sie auf den Daumen des rothaarigen Beamten, der sich in diesem Moment auf den Knopf des Ventilators senkte.

Der Ventilator surrte mit einem fiesen Fiepen los und verwandelte sich augenblicklich in ein speiendes Monster. Aus seiner Mitte schoss blaue Tinte, spritzte in kräftigen Strahlen, hohen Bogen und unzähligen Tropfen heraus, als wäre eine gigantische Brombeere explodiert. Normas Gadget besprenkelte das Gesicht des völlig fassungslosen Sicherheitsbeamten binnen Sekunden.

Und binnen Sekunden spürte Carla die Chamäliose, dieses innere Rauschen und Kribbeln, das sich von den Füßen her über ihren ganzen Körper ausbreitete und ihn verschlang. Sie verschmolz mit der Umgebung. Zwar hatte Normas Spielzeug Carla als direktes Ziel verfehlt, doch schien es indirekt zu wirken. Carla war peinlich genug, dass ihr Ventilator aus ihrem Rucksack das freundliche, sommersprossige Gesicht eines unschuldigen Beamten entstellt hatte.

Außerdem waren ihre Nerven sowieso schon zum Zerreißen gespannt, was am Grund dieser Reise lag.

Carla sah, wie Dr. mäd. Haubenmacher dem Beamten hektisch mit einem Taschentuch im Gesicht herumtupfte, was dieser abzuwehren versuchte, während Jole die Lippen aufeinanderpresste und sein ganzer Körper wackelte, so doll lachte er innerlich.

Die Uniformierte drehte sich um, zuckte zusammen und rief beim Anblick ihres zum Schlumpf gewordenen Kollegen: «Herbert, um Himmels willen!»

Carla erwachte aus ihrer Schockstarre. Sie nutzte den allgemeinen Aufruhr, huschte unsichtbar durch die Detektoren-Tür, die leider zu piepsen anfing, woraufhin sich die Uniformierte mit einem Ruck wieder umdrehte und die Arme zur Seite streckte, allerdings niemanden sah, den sie damit stoppen konnte.

«Was? … Wieso? … Wo ist …?» Die Uniformierte spähte durch den Türrahmen, sie sah nach links, nach rechts, nach oben, nach unten. Sie sah nichts und niemanden.

Carla war längst unsichtbar und unbemerkt an ihr vorbeigehuscht. Sie trat geräuschlos neben Dr. mäd. Haubenmacher, Jole und den blauen Beamten ans Fließband, schnappte sich ihren Rucksack und tippelte damit Richtung Gate davon. Stumm betete sie dabei, dass ihr kein Schlumpf folgen würde.

Das taten zum Glück nur Dr. mäd. Haubenmacher und Jole ein paar Sekunden später. Jole hatte gesehen, wie sich ein einsam in der Luft schwebender Rucksack von der Sicherheitskontrolle entfernte, und richtig geschlussfolgert, dass Geheimagentin Carla Niemann unsichtbar auf der Flucht war.

Zurück blieben ein blau besprenkelter, geschockter Sicherheitsbeamter und seine ratlose, fürsorgliche Kollegin. Obwohl sie erst vor wenigen Minuten ihren Dienst begonnen hatten, beschlossen sie, eine Pause einzulegen.

Piep&Flieg

Der Airbus dröhnte satt und einschläfernd und flog ungefähr 8000 Meter über dem Meeresspiegel. Beim Start vor einer Stunde hatte Carla noch darüber nachgedacht, dass unter ihr jetzt nichts als Luft und das doch etwas beunruhigend war. Zwanzig Minuten später hatte die Kabinencrew Getränke serviert, und Carla hatte nicht mehr über die Luft unter ihr, sondern über die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter nachgedacht, die mit großer Eleganz und Höflichkeit die Reisenden bedienten. Obwohl sie einen klapprigen Blechwagen durch einen engen Gang schoben und aus Plastikflaschen in Plastikbecher einschenkten, taten sie dies mit Stil und professionellem Lächeln.

Was Dr. mäd Haubenmacher zu schätzen wusste. Der Psychologe verwickelte eine Flugbegleiterin mit glänzend schwarzen Haaren und dunkelrot geschminkten Lippen in ein unterhaltsames Gespräch über Erdnüsse, Flugangst und Absatzschuhe auf der Notrutsche des Flugzeugs.

Jole hingegen hatte gleich nach dem Start die Kopfhörer aufgesetzt und sah sich Cartoons auf dem kleinen Bildschirm in der Lehne vor ihm an. Pro Minute lachte er mindestens dreimal laut auf. Was Carla zum Glück nicht mehr peinlich war, sonst hätte sie sich pro Minute dreimal in Luft aufgelöst. Beinah hatte es den Anschein, als würden Dr. mäd. Haubenmacher und Jole diesen Flug ans andere Ende der Welt genießen. Als würden sie völlig unbeschwert in den Urlaub aufbrechen. Sonne, Palmen, Sonnenschein, glücklich sein? Von wegen! Carla war klar, dass sich die beiden mit freundlichen Plaudereien und lustigen Cartoons nur abzulenken versuchten. Weil sie den langen Flug sonst vor Sorge nicht aushalten würden. Weil sich ihre Gedanken sonst nur in finsteren Kreisen drehen würden.

Jole und Dr. mäd. Haubenmacher schielten regelmäßig fürsorglich auf den Platz zwischen ihnen. Dort standen die Kühltasche und der Hundereisekorb. Von Herrn Ping ragten nur der leicht geöffnete Schnabel sowie ein schlapper Flügel aus der Tasche heraus. Ab und zu quietschte der Pinguin seltsam und rappte matt und völlig unter seinem Niveau Zeilen wie «Piep, piep, piep, auf ins Polargebiet!» oder «Ich wollt, ich wär ein Huhn, dann wäre ich immun».

Der Mops war im Reisekorb in einen Tiefschlaf versunken. Immerhin musste er sich auf diese Weise die schlechten Reime von Herrn Ping nicht mit anhören. Er selbst schnarchte dafür röchelnd. Es klang, als würde eine dicke Fliege im Hundekorb brummen, bis sich der Mops an ihr verschluckte, vielmehr an seinem eigenen Schnarcher.

Was war nur aus den beiden sonst so munteren Tierchen geworden? Nun: Der Pinguin und der Mops waren krank. Richtig krank. Vor ungefähr einer Woche hatte es begonnen. Mit einem Pickel. Mitten auf dem weichen, weißen Bauch von Herrn Ping. Über Nacht hatte sich der Pickel vermehrt und am nächsten Morgen war der ganze kleine Pinguinkörper von pinken Pickeln übersät gewesen. Er sah aus wie ein Massageball mit Noppen. Also: Gar nicht gut.

Carla schmierte auf Rat ihrer Mutter, die Tierpflegerin war, etwas Zinksalbe auf die Pickel. Doch das brachte gar nichts, außer dass Herr Ping, der wie ein betrunkener Matrose durch Joles Zimmer torkelte, alles mit der Creme vollschmierte und dabei «Crème de la Crème macht Pinguin scheen» jaulte.

Marie-Amylee, die sonst bei jedem abgebrochenen Fingernagel oder Mückenstich eine Aufnahme in die Intensivstation forderte, reagierte zum Erstaunen ihrer Freunde gelassen. Sie war fest davon überzeugt, dass die Pickel kein Grund zur Sorge waren, sondern Herr Ping einfach in die Pubertät kam. Sie selbst suchte ihr Gesicht jeden Morgen hoch konzentriert nach ersten Pickeln ab und wusste alles über die Pubertät.

«Du wirst totally reif, mit Haaren und Brüsten und allem», erklärte sie Herrn Ping, der das mit Schrecken zur Kenntnis nahm. «Pubertät, das ist so, als würde der alte VW von Opa Bolek richtig gepimpt, und dann kommt ein Porsche dabei raus. Und das alles während der Fahrt, mit Vollgas. Ich kann es kaum abwarten, Leute!»

Herr Ping sah nur leider so gar nicht nach Vollgas aus, sondern eher, als würde er in einer Dreißigerzone seine müden Runden drehen.

Carla, Jole und Marie-Amylee waren ratlos. Wie konnten sie Herrn Ping helfen? Gerade als die Freunde sich darüber den Kopf zerbrachen, meldete sich Dr. mäd. Haubenmacher.

Der sonst stets gut gelaunte und entspannte Psychologe wirkte ganz aufgekratzt und hilflos vor Sorge. Denn auch er hatte einen kleinen Patienten. Sein geliebter Mops lümmelte nur noch lustlos auf dem Empfangstresen seiner Praxis und machte keine Pfote mehr krumm. Genau wie der Pinguin hatte er über Nacht am ganzen Körper Pickel bekommen. So viele, dass sie noch nicht mal sein Super-Mops-Kostüm verdecken konnte.

In der Praxis von Dr. mäd. Haubenmacher fanden sich alle zur großen Beratung ein. Schnell kamen sie zu dem Schluss, dass der Pinguin und der Mops vermutlich an derselben Krankheit litten. Hatten sie dieselbe Allergie? Hatten sie sich gegenseitig angesteckt? Oder hatten sie beide das Falsche gegessen? Bei dieser Frage kribbelte es plötzlich in Carlas Kopf, und was da kribbelte, war die Lösung: Ja! Herr Ping und der Mops hatten tatsächlich etwas Falsches gegessen: Die Tabletten gegen Chamäliose, die Herta geschickt hatte. Das war es!

Carla verständigte Herta. Ihre beste Freundin am anderen Ende der Welt. Diese eilte sofort zum Medizinmann, der ihr die beiden Tabletten damals gegeben hatte. Tabletten gegen Chamäliose für jemanden mit Chamäliose, nicht für Schnabelwesen und plattschnäuzige Vierbeiner. Die Botschaft des Medizinmannes kam prompt und war ein Schock: Der Pinguin und der Mops sollten so schnell wie nur möglich zu ihm kommen, sie mussten dringend vor Ort von ihm behandelt werden.

Carla und Jole waren verzweifelt. Sie sollten nach Australien kommen? Wie stellte dieser Medizinmann sich das vor? Sie waren Kinder. Sie bekamen nur Taschengeld (wenn es gut lief). Doch Dr. mäd. Haubenmacher erinnerte sie daran, dass sie als Mitglieder der Kavaliere niemals allein mit ihren Sorgen waren. Und er sollte recht behalten.

Als Carla und Jole dem Big Boss der Kavaliere von der Krankheit, dem Medizinmann und seiner Botschaft berichteten, zögerte er nicht lange. Für den Big Boss stand fest: Herr Ping und der Mops waren zwei verdienstvolle Mitarbeiter des Geheimbundes, denen umgehend geholfen werden musste. Carla, Jole und Dr. mäd. Haubenmacher würden mit den Erkrankten nach Australien fliegen. Die Kosten übernahmen die Kavaliere, die für solche Notfälle ein Depot mit Spenden hatten. Spenden von Menschen, denen die Kavaliere einmal geholfen hatten. Und da sie sehr vielen Menschen geholfen hatten, war das Depot ausreichend gefüllt.

Und so kam es, dass ein Psychologe, ein Junge mit Klappscheitel, ein pickliger Pinguin, ein schnarchender Mops und ein Mädchen, das sich gerne mal in Luft auflöste, durch Wolken und Zeitzonen ans andere Ende der Welt flogen.

Der richtige Plan

«Dear passengers, in about grhklipöpdü xylpokl…», hörte Carla die Durchsage im Flugzeug. Zumindest den Anfang verstand sie, der Rest ging im Knacksen und Rauschen der Lautsprecher und im Rascheln unter, das Jole neben ihr mit einer Tüte veranstaltete.

«Gott sei Dank, in einer halben Stunde beginnt der Landeanflug», sagte Dr. mäd. Haubenmacher, schob sich die Schlafmaske in die Locken, tätschelte seinem dösenden Mops den Kopf und sah ihn dabei liebevoll an.

«Irre, wir haben fast ’nen ganzen Tag in der Luft verbracht, also bis aufs Umsteigen», murmelte Jole. Er hatte die Tüte mit Kinderbeschäftigung aufgerissen, die eine nette Flugbegleiterin zu Beginn des Fluges ausgeteilt hatte. Jetzt faltete er höchst konzentriert eine lila Pappkrone zusammen.

Herr Ping fiepte leise aus der Kühltasche: «Li La Lufti, gar nicht dufti. Landung, LOL, find ich toll.»

Besorgt beugten sich Carla und Jole über ihn. «Seine Reime werden immer schlechter», flüsterte Carla.

Jole zog die Augenbrauen zusammen. «Und die Pickel immer mehr. Wir müssen ganz schnell zu diesem Medizinmann. Ich halte es kaum noch aus. Am liebsten würde ich gleich mit einem Fallschirm abspringen.» Jole wackelte von einer Pobacke auf die andere.

«Geht mir doch auch so», sagte Carla. «Ich mache mal ’ne Liste.» Denn Listen, die halfen Carla immer. Sie gaben ihr zumindest das Gefühl, ihr Leben im Griff zu haben. Sie holte ihr dunkelblaues Notizbuch mit dem selbst gehäkelten Lesebändchen heraus, das Jole ihr geschenkt hatte. Feierlich strich sie eine neue Seite glatt und setzte den Stift an:

Australien – Der Plan:

Sicher landen (ohne Fallschirm, danke)

Passkontrolle, Zoll (ohne Tintenventilator, danke, danke)

Wiedersehen mit Herta

An dieser Stelle zögerte Carla, der Stift schwebte über dem Papier. Wie würde es wohl sein, das Wiedersehen mit Herta? Seit fast einem halben Jahr hatte sie ihre beste Freundin nicht mehr gesehen. Würde alles sofort und automatisch sein wie früher, sobald Herta und Carla sich umarmten? Sobald die wilde Mähne ihrer Freundin in Carlas Nase kitzelte und sie ihr Minzshampoo roch? Und dann wäre Herta einfach wieder da, redete los, lachte los, machte los, ohne den geringsten Zweifel, weder an sich selbst noch an Carla. Oder standen auf einmal tausend Zweifel zwischen ihnen?

«Meinst du, Menschen verändern sich sehr?», fragte Carla Jole. «Also, zum Beispiel so in einem halben Jahr?»

Jole schielte kurz auf Carlas Notizheft, dann musterte er sie ein paar Sekunden nachdenklich. «Nö.» Er setzte die Pappkrone auf und lächelte.

Carla atmete auf und nickte Jole dankend zu. Sie fuhr mit der Liste fort:

Zum Medizinmann, tatütata

Herr Ping und der Mops werden gesund

Große Freude (hüpf, kreisch, jubel), kleine Tränen (vor Freude)

Urlaub (schlafen, essen, baden, schlafen, essen, baden, schlafen usw.)

Oder

7a) Aktivurlaub (Boomerang werfen, mit Känguru um die Wette hüpfen, zum Uluru wandern)

7b) Kultururlaub (dieses Opernhaus ansehen, Barbecue machen, australisches Fernsehen gucken)

Heimflug (landen auch ohne Fallschirm)

glorreicher Empfang zu Hause und glorreiches Wiedersehen mit Samir

Na bitte!, dachte Carla und klappte ihr Notizbuch zu. Mit dem richtigen Plan war alles ganz einfach.

Wiedersehen

Carla entdeckte Herta sofort. Sie stand mit ihrem Vater und zahlreichen anderen Leuten, die ihre Freunde, Verwandte oder Geschäftspartner vom Flughafen abholten, in der Ankunftshalle. Hertas wallende Mähne war länger und heller geworden. Sie hatte sich ein rotbraunes Tuch in die Haare gebunden. In Flip-Flops, kurzer Jeans und Trägertop sah Herta aus, als wäre sie selbst eine Urlauberin. Ihr Vater, den Carla von zu Hause nur in Anzügen kannte, ebenfalls.

«AHHHHH!», schrie Herta, als sie Carla entdeckte und stürmte mit ausgebreiteten Armen auf sie zu.

Im nächsten Moment versank Carla in Hertas Armen. Hertas Haare kitzelten in ihrer Nase. Nur der Geruch ihrer Haare hatte sich geändert: Jetzt war es Mango statt Minze.

«Wie cool! Du bist da! Du bist echt da!», rief Herta und umarmte Carla gleich noch mal. So stürmisch, dass die Freundinnen wie tanzende Matrosen wankten und dabei lachen mussten, weil das Glück sich plötzlich so groß anfühlte.

Carla schloss die Augen. In diesem Moment war alles richtig und gut und es gab keinen Zweifel. Auch nach Monaten, tausende Kilometer voneinander getrennt. Jole hatte recht gehabt.

«Carla Niemann! Mann, hast du mir gefehlt!», sagte Herta und gab Carla schließlich aus der Umarmung frei.