Chaos est Ordo - Raphael Klein - E-Book

Chaos est Ordo E-Book

Raphael Klein

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Beschreibung

Der Ringmeister, das Oberhaupt der geheimen Bruderschaft »der Ring« wurde ermordet. Nur wenige Tage, nachdem er sein Amt angetreten hatte. Nun steht ein schwerwiegender Verdacht gegen ihn im Raum. Gleichzeitig muss seine Position nachbesetzt werden. Die Ereignisse greifen in einander und beeinflussen sich gegenseitig in unvorhersehbarer Weise. »Chaos est Ordo« ist Teil des Projektes »Der Ring«. Dazu gehört ebenfalls das Escape Game »Der Tod des Ringmeisters« und das Outdoor Escape Game »Die Wächter des Rings«. Alle drei Bestandteile des Projektes können unabhängig von einander konsumiert werden. Die beiden anderen Teile des Gesamtwerks sind unter chaos-est-ordo.de erhältlich. »Chaos est Ordo« weißt die Besonderheit auf, dass das Buch mit jedem beliebigen Kapitel begonnen werden kann. Am Ende des Buches angekommen, wird dann einfach am Anfang weitergelesen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 102

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Geist, Körper, Seele

Durch die Kraft des Chaos in der Ordnung vereint

Nichts schafft es zu trüben, was uns Wert ist, was uns leuchtet.

Liebe und Kraft halten uns, fern von Kummer und Pein.

Im Leben, wie im Tod, im Zeichen des Rings, sind wir ein.

Raphael Klein

CHAOS EST ORDO

Impressum

© 2023 Raphael Klein

Website: honeybalecta.de

Lektorat von: Ariel Liebknecht-Buchstab

Verlagslabel: Honey Balecta

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter:

Raphael Klein c/o COCENTER, Koppoldstr. 1, 86551 Aichach, Germany.

Mehr zum Buch, den enthaltenen Rätseln und weiteren Geheimnissen unter:

chaosestordo.de/loesung

17.40 Uhr

Am Agnes-Bernauer-Platz wurde ein Wagen abgestellt und vier Personen stiegen aus. Enver Berk richtete sich seinen Mantel, zog das Smartphone aus der Innentasche und warf einen Blick darauf. Er wartete schon seit Stunden auf eine Rückmeldung, ein Lebenszeichen von Stella Honigberg. Doch ein solches ließ auch jetzt noch auf sich warten. Enver wusste, dass sie dort, wo sie sich augenblicklich aufhielt, keinen Empfang hatte. Dennoch hätte er gerne in irgendeiner Form einen Zwischenstand erfahren, doch wie es aussah, musste er sich damit gedulden.

Der kleine Trupp setzte sich stumm in Bewegung. Ungefähr 100 Meter gingen sie die Von-der-Pfordten-Straße nach Norden, bevor sie links ins Schlangenwegerl einbogen, eine schmale Gasse, die nur zu Fuß zugänglich und links und rechts von hohen Mauern gesäumt war. Die Zugänge zu den angrenzenden Grundstücken waren in diese Mauern eingelassen. Die vier Gestalten durchschritten die Gasse und blieben vor dem Zugang stehen, der zu Hausnummer 31 gehörte. Enver Berk holte einen Bund mit zwei Schlüsseln hervor, steckte den größeren davon in das Schlüsselloch des in die Mauer eingelassenen eisernen Tores und drehte ihn. Das Schloss war gut geölt, sodass kaum zu hören war, wie sein Mechanismus sich bewegte und der Riegel eingefahren wurde. Ebenso lautlos verhielten sich die Scharniere, als Berk das Tor aufdrückte und der Trupp hindurchschlüpfte.

Sie standen nun in einem großen Garten auf einem relativ exakt quadratisch anmutenden Grundstück, der um eine mächtige Stadtvilla herum angelegt war. Diese Villa war der Wohnsitz Oskar Steinsaltz gewesen. Bei diesem handelte es sich um einen Schriftsteller, dessen Werk vor allen Dingen aus extrem vielschichtig angelegten Romanen bestand, die sich dadurch auszeichneten, dass sie sich keinem einzelnen Genre zuordnen ließen. Je nachdem, wie sie gelesen wurden, konnten sie als Fantasy, als Horror, Psychothriller oder auch als einfache Liebesschnulzen klassifiziert werden. Steinsaltz erreichte mit seinen Büchern regelmäßig ein riesiges Publikum und wurde von der Kritik stets in den höchsten Tönen gelobt. Zwar konnte Enver das nicht wirklich nachvollziehen, zu trivial erschienen ihm Steinsaltz Werke, aber das war auch nicht der Grund, weswegen er und seine Begleitschaft hier waren.

Oskar Steinsaltz war nicht nur Schriftsteller; er war auch Mitglied des Rings. Genauer formuliert: Er war Mitglied des Rings gewesen. Beim Ring handelte es sich um eine Bruderschaft, deren Ziel und Bestimmungsgrund es war, Wissen zu sammeln, zu archivieren und bei Bedarf zugänglich zu machen. Diese Bruderschaft, gegründet im 13. Jahrhundert in der damaligen Residenzstadt München, sammelte Informationen zu den verschiedensten, teils hochbrisanten, teils absurd anmutenden Themengebieten und verwaltete es. Ein besonderes Augenmerk lag dabei darauf, vor allen Dingen solches Wissen zusammenzutragen, bei dem zu vermuten stand, dass es Kräfte gab, die es verschwunden, vergessen sehen wollten. Naturgemäß war in der Gründungszeit dieser Organisation primär eine Kraft allgegenwärtig, die solcherlei Bestrebungen hegte, namentlich die römische Kirche. Es war daher umso erstaunlicher – oder auch naheliegender, je nach Sichtweise – dass zu den Gründungsmitgliedern der Bruderschaft neben Kaufleuten, Gelehrten und einigen Angehörigen anderer Berufsgruppen auch Mönche gehörten, die sich im Geheimen gegen ihren Brotgeber gewandt hatten. Diese, jedes Wissen sammelnde und hütende Organisation nun, hatte es geschafft, sich lediglich auf Grundlage ihres Anliegens und mithilfe einer komplexen internen Organisation über Jahrhunderte erhalten zu können. Sie existierte bis heute und sammelte weiterhin Wissen, das sie, sofern dies nötig und angebracht erschien, öffentlich machte.

Oskar Steinsaltz war kein einfaches Mitglied des Rings gewesen. Man könnte sagen, »im Gegenteil«, bediente man damit nicht eine abgedroschene Floskel. Oskar Steinsaltz jedenfalls war erst vor etwas weniger als einer Woche zum Vorsitzenden des Rings, zum Ringmeister gewählt worden. 

Nur vier Tage später war Steinsaltz tot. Er war erschlagen in der Privatbibliothek seiner Villa aufgefunden worden, vor der der Trupp nun stand. Wer für den Tod verantwortlich war, war bislang nicht bekannt, die Polizei schien diesbezüglich ihr übliches Vorgehen anzuwenden und im Dunkeln zu tappen. Dies war einer der Gründe, weshalb Enver nun hier war. Er, genauso wie die anderen in seinem Gefolge, ebenfalls Mitglied des Rings, war beauftragt worden, sich vor Ort umzusehen. Konkret gab es zwei Handlungsanweisungen für sie:

• Sie sollten einerseits überprüfen, ob sie Hinweise darauf finden konnten, wer für den Mord am Ringmeister verantwortlich war.

• Andererseits, und das war die dringlichere Aufgabe, sollten sie Ausschau danach halten, ob es Hinweise darauf gab, dass Steinsaltz Geisteszustand gelitten hatte.

Die zweite Handlungsanweisung, so unbequem sie unter Berücksichtigung des hohen Amtes, in das der Ring Steinsaltz erst in jüngster Vergangenheit gewählt hatte, auch sein mochte, kam nicht von ungefähr.

Offenbar waren Unterlagen aufgetaucht, die sehr dafür sprachen, aber nicht eindeutig waren. Nun war es an ihnen, an Enver und den anderen, herauszufinden, ob es sich dabei um bloßes Gemunkel handelte, oder es tatsächlich handfeste Hinweise darauf gab.

Bei den anderen handelte es sich um Oleksandra Bil, Erik Siegel und Rudolf Michelini.

Bil war eine junge, kluge und scharfzüngige Analystin, deren schnelle Auffassungsgabe und kombinatorischen Fähigkeiten Enver für das vor ihnen liegende Unterfangen hilfreich erschienen waren.

Erik Siegel, ein gut aussehender und schlagfertiger Ingenieur, war von ihm dazugerufen worden, weil er ihn als pragmatischen und tatkräftigen Menschen kannte, dessen Art, einfach mit dem, was vorhanden war, loszuarbeiten, kannte und das als äußerst hilfreich empfand.

Der schlaksige, stets ernst dreinblickende Rotschopf Michelini zählte schließlich wie Enver zu den Mitgliedern des Rings auf höheren Ebenen innerhalb der Organisation. Sie beide waren damit beauftragt worden, diese Operation durchzuführen.

Sie verschwendeten keine Zeit damit, den Garten zu dieser abendlichen Stunde bei schlechtem Licht, das lediglich von den Laternen der Straße herüberdrang, einer genaueren Inspektion zu unterziehen.

Bei Missionen wie dieser war Effizienz erforderlich, weshalb Enver direkt die breiten Stufen zur Eingangstür der Villa erklomm und den kleineren der beiden Schlüssel an seinem Bund in das dafür vorgesehene Loch zu stecken versuchte.

Als das nicht gelingen wollte, zog er erneut sein Smartphone aus dem Mantel und leuchtete mit dessen Lampe, musste dabei allerdings feststellen, dass der Schlüssel, den man ihm gegeben hatte, definitiv nicht für dieses Schloss vorgesehen war. Er atmete tief durch, drehte sich um und stieg die Stufen wieder hinab zu den anderen, die dort beisammen standen.

»Der Schlüssel passt nicht.«

Rudolf runzelte die Stirn. »Wie, der Schlüssel passt nicht?«

»Der Schlüssel passt nicht in das Schloss an dieser Tür. Der Tür des Hauses, das wir untersuchen sollen. Wenn du schlecht hörst, denk über einen Urlaub in Lübien nach.« Enver hasste es, unnötige Konversationen führen zu müssen. Ihm war nicht klar, was an der Formulierung »der Schlüssel passt nicht«, in irgendeiner Form Interpretationsspielraum lassen konnte, und empfand die Rückfrage deshalb als überflüssig und nervtötend. Genau aus diesem Grund, weil er eine weitere Rückfrage im Stil von »und nun?«, die ihm auch wieder nur auf den Geist gegangen wäre, verhindern wollte, schob er direkt hinterher: »Wir haben zwei Möglichkeiten: Entweder, wir finden einen anderen Zugang, vielleicht einen, zu dem dieser Schlüssel passt, oder wir öffnen die Tür auf einem anderen Weg.«

»Vielleicht hat jemand die Schlösser gewechselt, nachdem Steinsaltz gestorben ist. Oder vielleicht hat uns jemand einen falschen Schlüssel gegeben.«

Oleksandras Einschätzung war faktisch nicht von der Hand zu weisen. Enver allerdings meinte, dass sie über den Punkt dieser Zusammenfassung bereits hinaus waren. Er verkniff sich jedoch einen spitzen Kommentar dazu. Er wusste, dass es seine soziale Kompetenz nicht gerade unterstrichen hätte, das zu tun, deshalb zwang er sich zur Zurückhaltung. Stattdessen nickte er lediglich mit ausdruckslosem Gesicht.

»Okay«, griff Erik den Faden auf. »Ich gehe um das Gebäude und sehe, ob es eine Hintertür oder so gibt.«

Dankbar für den Pragmatismus, dessentwegen er Siegel schließlich auch mitgenommen hatte, reichte er diesem Schlüssel und signalisierte ihm damit, dass er die Idee für sinnvoll erachtete. Rudolf war derweil die Stufen zur Haustür hinaufgestiegen und besah sich diese. Augenscheinlich suchte er nach einer Möglichkeit, diese auch ohne den passenden Schlüssel zu öffnen.

Enver sah sich um. Die Villa hatte im Erdgeschoss Fenster, die ebenfalls einen Zutritt ermöglichen konnten, sofern sich eines davon auf die eine oder die andere Art würde öffnen lassen. Oleksandra schien einen ähnlichen Gedanken zu haben, sie trat an eines davon heran und drückte auf gut Glück gegen die Scheibe, doch wie zu erwarten, ließ diese sich nicht ohne weiteres aufdrücken. Sie unternahm denselben Versuch auch bei den anderen Fenstern, doch das Ergebnis war jedes Mal dasselbe.

Als Siegel wieder zur Gruppe zurückstieß, schüttelte er den Kopf. »Auf der Rückseite gibt es eine Art Wintergarten, aber dort kommen wir mit dem Schlüssel nicht hinein. Sonst sind keine Eingänge vorhanden.«

Die Gruppe kam wieder zusammen. »Die Tür müssen wir entweder aufbrechen oder einen Schlosser kommen lassen.« Gab Michelini seine Einschätzung.

»Oder jemanden, der Schlösser öffnen kann.« Ergänzte Siegel.

Enver dachte nach. Er hatte sich bereits zuvor überlegt, ob es sinnvoll wäre, eine solche Person dabei zu haben, jedoch wollte er aufgrund der Tatsache, dass sie ja eigentlich einen passenden Schlüssel hatten, niemanden umsonst bemühen. Immerhin hatte er jemanden für solche Aufgaben auf Abruf. Diese Option würde er ziehen, wenn sich nun kein anderer Weg fand.

»Die andere Möglichkeit wären die Fenster.« Sagte Michelini.

»Die sind alle fest zu.« Entgegnete Bil.

»Fest zu möglicherweise. Trotzdem nur aus Glas.«

Oleksandra war anzumerken, dass sie diesen Gedanken bislang, so naheliegend er auch sein mochte, nicht gehabt hatte. »Wir können doch nicht einfach einbrechen!«, protestierte sie. »Oskar Steinsaltz mag tot sein, aber das gibt uns nicht das Recht, seine Privatsphäre zu verletzen.«

»Du sitzt da einem Missverständnis auf.« Erwiderte Rudolf trocken. »Wir werden seine Privatsphäre in jedem Fall verletzen, wenn wir in sie eindringen und sie durchsuchen. Die Frage ist, ob wir dafür zusätzlich noch eine Scheibe einschlagen oder nicht.«

Enver trat vor, um seine Einschätzung vorzutragen, doch noch bevor er seine Stimme heben konnte, wurde ihnen die Entscheidung abgenommen, was durch ein lautes Klirren offenkundig wurde.

Erik hatte erneut den pragmatischen Weg gewählt und die Diskussion, die nach Envers Einschätzung ohnehin genau dorthin geführt hätte, abgekürzt, indem er einfach wortlos eines der Fenster mit einem Stein aus dem Garten zertrümmert hatte. Während die anderen, teils entgeistert, teils zufrieden zu ihm hinübersahen, schlüpfte er aus seiner schweren Lederjacke, legte sie in den Fensterrahmen, um sich vor Spitzen des Glases zu schützen und schwang sich dann mit einem Sprung hindurch. Keine 20 Sekunden später öffnete sich die Eingangstür und Erik Siegel bat sie herein.

Enver rieb sich die Schläfen. »Das war jetzt nicht gerade subtil«, bemerkte er, doch musste anerkennen, dass er den Draufgänger Siegel aus genau diesem Grund mitgenommen hatte.

Die Gruppe betrat das Innere der Villa, und Enver machte Licht. Das Foyer war beeindruckend. Der Boden bestand aus großen Marmorplatten und es waren nur vereinzelte Möbelstücke aufgestellt worden, sodass jedes Geräusch ein Hallen verursachte. Die Eingangshalle mündete in einen Gang, an dessen Ende der zuvor von Erik beschriebene Wintergarten auszumachen war und von dessen beiden Seiten mehrere Türen abgingen. 

Enver ging auf die erste auf der rechten Seite zu und öffnete sie. Wie er erwartet hatte, befand sich dahinter ein Treppenhaus, über das sowohl nach oben als auch nach unten gelangt werden konnte.

»Wir sollten uns aufteilen«, sagte er. »Es wird schneller gehen, wenn jeder einen Bereich durchsucht und es den anderen meldet, wenn er etwas von Belang findet.«

Erik nickte. »Ich nehme den Keller.«

»Ich das Obergeschoss«, erklärte Oleksandra.

»Gut. Rudolf, dann siehst du dich im Erdgeschoss um und ich widme mich Treppenhaus und Wintergarten.« Schloss Enver. Alle nickten und setzten sich in Bewegung.