Chefarzt Dr. Norden 1148 – Arztroman - Patricia Vandenberg - E-Book

Chefarzt Dr. Norden 1148 – Arztroman E-Book

Patricia Vandenberg

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Beschreibung

Jenny Behnisch, die Leiterin der gleichnamigen Klinik, kann einfach nicht mehr. Sie weiß, dass nur einer berufen ist, die Klinik in Zukunft mit seinem umfassenden, exzellenten Wissen zu lenken: Dr. Daniel Norden! So kommt eine neue große Herausforderung auf den sympathischen, begnadeten Mediziner zu. Das Gute an dieser neuen Entwicklung: Dr. Nordens eigene, bestens etablierte Praxis kann ab sofort Sohn Dr. Danny Norden in Eigenregie weiterführen. Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! Die Familie Norden startet in eine neue Epoche! "Was steht bei dir heute noch so an?", erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner Frau Felicitas. "Eine Gipskontrolle. Ein vereiterter Daumennagel. Eine Verbrennung." Mit den Händen in den Kitteltaschen schlenderte die Kinderärztin neben Daniel her. "Die Kollegin Gold hat frei, und Dr. Lammers hat sich krank gemeldet. Könnte also hektisch werden heute. Dabei wollte ich unbedingt in meiner Lieblingsboutique vorbeischauen. Da hängt ein Kleid im Schaufenster." Fee lächelte verzückt. "Ein Traum, sage ich dir. Von meiner Lieblingsdesignerin." Insgeheim beglückwünschte sich Daniel wieder einmal dafür, ein Mann zu sein. Er musste sich morgens nur dafür entscheiden, welches Shirt er zur Jeans tragen wollte. Und falls doch einmal ein Anzug gefragt war, ging es um die Wahl der Krawatte, die ihm Felicitas zuverlässig abnahm. Da hatten es Frauen doch wesentlich schwerer. "Soll ich jemanden vorbei schicken, der dir mit der Arbeit hilft?"

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Leseprobe: Prophezeiungen

Haben Sie auch, liebe Leserin, geschätzter Leser, die letzten vier Wochen gegrübelt, woher Chris denn nun den traumhaft attraktiven Polizeiobermeister Sebastian Huber kennt? Und ob er dieses Wissen an seinen Philipp weitergeben konnte? Ich verbinde ja damit die dringende Hoffnung, dass diese Erkenntnis irgendwie geeignet ist, Schwester Lily erneut das Leben zu retten! Gespannt bin ich auf die Show, die der Sohn des Patienten László de Bergh veranstalten wird. Immerhin wird sich zeigen, ob das Ergebnis der schwierigen Operation befriedigend ist. Und darauf, ob Frau Rixner recht hatte mit ihren Prophezeiungen. Keine Sorgen mache ich mir um Dagmar und Elenore. Die genießen bestimmt, dass sie sich endlich kennenlernen dürfen. Na gut. Nicht ganz klar ist, wie Valerian Ettenhuber reagieren wird, wenn Dagmar … Höre ich da Kirchenglocken? Tatsächlich! Es ist 11 Uhr, der Gottesdienst ist zu Ende. Schauen wir doch mal, ob Pfarrer Ettenhuber … Ja, in der Tat. Er ist gerade dabei, die Gemeinde zu verabschieden! Das Hochamt war beendet. Im Gestühl der Kirche hing das benebelnde Aroma des Weihrauchs. Valerian Ettenhuber positionierte sich zentral vor dem Altar und hob die Hände zum Abschlusssegen. »Es segne dich und es behüte dich – Gott Vater, Sohn, und heiliger Geist! Amen!« Der Organist gab all seine Seele in das Postludium hinein, das jetzt den Raum erfüllte.

Chefarzt Dr. Norden – 1148 –

Ehrlich währt am längsten

Lügen bringen Liebe und Leben in Gefahr

Patricia Vandenberg

»Was steht bei dir heute noch so an?«, erkundigte sich Dr. Daniel Norden bei seiner Frau Felicitas.

»Eine Gipskontrolle. Ein vereiterter Daumennagel. Eine Verbrennung.« Mit den Händen in den Kitteltaschen schlenderte die Kinderärztin neben Daniel her. »Die Kollegin Gold hat frei, und Dr. Lammers hat sich krank gemeldet. Könnte also hektisch werden heute. Dabei wollte ich unbedingt in meiner Lieblingsboutique vorbeischauen. Da hängt ein Kleid im Schaufenster.« Fee lächelte verzückt. »Ein Traum, sage ich dir. Von meiner Lieblingsdesignerin.«

Insgeheim beglückwünschte sich Daniel wieder einmal dafür, ein Mann zu sein. Er musste sich morgens nur dafür entscheiden, welches Shirt er zur Jeans tragen wollte. Und falls doch einmal ein Anzug gefragt war, ging es um die Wahl der Krawatte, die ihm Felicitas zuverlässig abnahm. Da hatten es Frauen doch wesentlich schwerer.

»Soll ich jemanden vorbei schicken, der dir mit der Arbeit hilft?«, bot er verständnisvoll an. »Dann findest du zwischendurch vielleicht Zeit zum Einkaufen.

»Lieb von dir.« Fee schmiegte sich an ihren Mann. »Aber seit Christine Lekutats Tod hast du ja selbst genug um die Ohren.«

»Da fällt mir ein: Ich habe ganz vergessen, dir zu erzählen, dass ich mit Sophie gesprochen habe«, erinnerte sich Daniel Norden an sein Versäumnis. »Nach der bestandenen Facharztprüfung spricht nichts mehr dagegen, dass sie Christines Posten übernimmt.«

»Das willst du dir antun?« Fee schmunzelte.

Sophie Petzold und ihr Verlobter, der Notarzt Dr. Matthias Weigand, waren gute Freunde des Ehepaares Norden. Das änderte aber nichts an der Tatsache, dass Sophie in beruflicher Hinsicht eine echte Herausforderung war. Das lag nicht so sehr an ihrer beruflichen Qualifikation als vielmehr an ihrer Unfähigkeit, Autoritäten anzuerkennen. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen schien es zu sein, Diagnosen und Behandlungsmethoden der Kollegen anzuzweifeln und Verbesserungsvorschläge zu machen. Darunter hatte nicht nur ihr ehemaliger Anleiter Matthias Weigand zu leiden gehabt. Auch der Klinikchef hatte Sophie Petzolds Selbstbewusstsein mehr als einmal zu spüren bekommen.

»Wie heißt es so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben.« Daniel schmunzelte. »Und bei Sophie weiß ich, was ich habe.«

»Ich bin gespannt, wann du dich zum ersten Mal bei mir beschwerst.«

»Ich auch«, lachte Daniel.

Sie waren am Ende des Flurs angekommen. Hier trennten sich ihre Wege. Daniel beugte sich zu seiner Frau hinab und küsste sie zum Abschied.

Wenig später betrat er das Vorzimmer zu seinem Büro.

»Ach, Chef, gut, dass Sie zurück sind. Sie haben Besuch.« Seine Assistentin Andrea Sander sah hinüber zur Bürotür. »Eine Frau Roxana Afarid wünscht Sie zu sprechen.«

»Habe ich einen Termin vergessen?«

»Nein, nein, keine Sorge«, beruhigte Andrea ihren Chef. »Frau Afardis Lebensgefährte wurde nach einem Sturz in der Dusche in die Klinik eingeliefert. Diese Gelegenheit möchte sie dazu nutzen, um eine delikate Frage zu stellen.«

Dr. Norden fragte sich noch, was diese Ankündigung zu bedeuten haben mochte, als er Schritte hörte. Er drehte sich um. Sein Atem stockte. Die Frau in der Tür sah aus wie ein orientalisches Märchen.

Schlagartig war alles wieder da. Der Duft nach Kreuzkümmel und Kardamom. Das Gewirr aus Stimmen, Lachen und Rufen auf den bunten Bazaren, die sich mit den Rufen des Muezzins vermischten. Der bittersüße Geschmack des schwarzen Tees. Erst in der vergangenen Nacht hatte Daniel von seiner Zeit im Orient im Palast von Scheich Ahmed geträumt. Von Palmen, die sich leise im Wind bogen. Von flirrender Luft und malerischen Dünen. Magische Monate waren das gewesen. Aufregend, gefährlich, unvergesslich.

»Bitte entschuldigen Sie die Störung, Herr Dr. Norden.« Mit ausgestreckter Hand kam Roxana auf ihn zu.

Dieser Duft! Eine Mischung aus Rosenöl und Vanille.

»Was kann ich für Sie tun, Frau Afarid?« Daniel bat sie in sein Büro.

Zu Andreas Bedauern schloss er die Tür hinter sich. Nun musste sie sich noch länger gedulden, bis sie erfuhr, was die geheimnisvolle Schönheit zum Chef führte.

*

Dési Norden betrat den Raum, der wie ein Klassenzimmer anmutete, und sah sich um. Ihre neue Freundin Esther saß in der letzten Reihe, inmitten von Zetteln, mit konzentriert gerunzelter Stirn. Esther war immer so fleißig. Sofort hatte Dési ein schlechtes Gewissen. Hatte sie etwa eine Hausarbeit vergessen?

»Was machst du da?« Sie rutschte auf den Stuhl neben ihre Freundin.

»Einen Test.« Esther hob das Hochglanzmagazin hoch. Es handelte sich um ein Modeheft, mit dem sie im Studium arbeiteten. »Da drin steht, dass sich das Schönheitsideal der Männer seit der Steinzeit nicht verändert hat und dass man wissenschaftlich feststellen kann, wie schön man ist. Man muss nur sämtliche Maße eintragen …«

Um Désis Mundwinkel zuckte es verdächtig. Schon bei der ersten Begegnung vor ein paar Wochen war ihr ihre Kommilitonin sympathisch gewesen, auch wenn sie manches nicht so recht nachvollziehen konnte.

»Und? Wie schön bist du?«

»Moment! Ich bin noch nicht ganz fertig.« Esther runzelte die Stirn. Ihre Lippen formten tonlose Worte. »O Gott!«, stieß sie schließlich hervor. »Ich habe nur 156 Punkte.«

»Von wie vielen?«

»Von 400.«

»Oh, du Arme. Das tut mir aber leid. Vielleicht hast du dich verrechnet.«

Esther schüttelte den Kopf, dass die Rauschgoldmähne hin und her flog.

»Ich wusste, dass ich hässlich bin. Eigentlich weiß ich es schon mein ganzes Leben lang.«

»Unsinn!«, erwiderte Dési und versuchte, nicht zu lachen. »Diese Zeitschriften sind dämlich. Man kann Schönheit doch nicht mit Hilfe eines Tests bestimmen. Sieh doch mal in den Spiegel!« Tatsächlich hatte Esther die größten grauen Augen, die Dési je gesehen hatte. Ihre Haut war rein, die Nase ein bisschen groß geraten. Dafür waren die Haare umwerfend. »Wem glaubst du? Dem Spiegel oder dieser dämlichen Zeitschrift?«

»Der dämlichen Zeitschrift«, murmelte Esther und warf einen schrägen Blick nach hinten.

»Das würde ich an deiner Stelle auch tun«, bemerkte ihre Mitstudentin Alexandra von Angerer, die auf Pfennigabsätzen daher stöckelte. Sie trug zartrosa Jeans und eine selbst entworfene, weiße Bluse, die mehr enthüllte als verbarg. Wie üblich war sie perfekt gestylt und dezent gebräunt. Theoretisch studierte Alexandra wie alle anderen auch im ersten Semester Modedesign. Aber in Wahrheit schien sie immer nur Teile ihres Körpers enthaaren, zupfen oder massieren zu lassen. Oder sie ging mit Männern aus, die mindestens zwanzig Jahre älter waren als sie, ein dickes Bankkonto und einen ebensolchen Wagen hatten.

Im Grunde genommen kam Dési ganz gut aus mit Alexandra von Angerer. Wenn sie allerdings ihre Freundin attackierte, hörte der Spaß auf.

Schon wollte sie einen passenden Kommentar loswerden, als Alexa fortfuhr.

»Übrigens habe ich diesen Test auch gemacht.« Die pinkfarbene Designer-Aktentasche – ein Geschenk ihrer Mutter zum bestandenen Abitur – landete auf dem Tisch.

»Und? Auf wie viele Punkte bist du gekommen?«, fragte Esther.

»Auf 389.« Alexandra zog eine Puderdose aus der Tasche und klappte sie auf. Bestäubte das Gesicht. Warf das lange, blonde Haar in den Nacken und lächelte ihr Spiegelbild an. »Du solltest den Test auch machen, Désirée. Zusammen kommt ihr vielleicht auf mein Ergebnis.«

Plötzlich ging alles ganz schnell.

»Du eingebildete Zicke!«, schrie Esther und sprang auf. Der Stuhl polterte an die Wand. Eine Ohrfeige hallte durch den Raum. Spätestens jetzt gehörte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden den drei jungen Frauen in der hinteren Reihe. Wie versteinert stand Alexandra von Angerer da und hielt sich die rechte Wange. Esther stand vor ihr und war mindestens genauso verdutzt wie ihre Kontrahentin. Dési hielt die Luft an. Und nun?

*

»Der Patient heißt Florian Seitz. Er ist in der Dusche gestürzt und auf den linken Arm gefallen«, teilte Schwester Alina ihrem Kollegen Weigand mit, als sie den Patienten ins Behandlungszimmer der Notaufnahme brachte. Hinter ihr herrschte ein Summen und Brummen wie in einem Bienenstock. Im Wartezimmer der Ambulanz war kein freies Plätzchen mehr zu finden.

»Danke.« Matthias bot seinem Besucher einen Platz vor dem Schreibtisch an. Die Schwester schloss die Tür hinter sich. Das Rauschen verstummte. »Mein Name ist Dr. Weigand. Es tut mir leid, aber zuerst müssen wir uns um die Bürokratie kümmern.« Er blickte hinab auf das Formular. »Wie ist der Name Ihres Arbeitgebers?«

Florian nannte den Namen eines IT-Unternehmens.

»Sind Sie verheiratet?«

»Noch nicht. Roxana und ich treten in genau 52 Tagen vor den Traualtar.«

Trotz der Hektik hielt Matthias inne.

»Wie schön! Herzlichen Glückwunsch. Diesen Schritt haben meine Verlobte und ich auch noch vor uns.« Er seufzte. »Leider steht bei uns noch kein Termin fest.«

»Beeilen Sie sich! Frauen verstehen in dieser Hinsicht keinen Spaß«, sprach Florian eine scherzhafte Warnung aus.

»Bei Ärzten wie uns ist das leichter gesagt als getan. Da muss sich erst einmal ein gemeinsamer freier Tag finden.« Matthias erwiderte das Lächeln seines Gegenübers. »Aber ich werde Ihren Rat beherzigen und mich darum bemühen.« Er sah wieder hinab auf seine Liste. »Haben Sie Kinder?«

Diese Frage schien die falsche gewesen zu sein.

»Nein.« Florian räusperte sich.

Dr. Weigand zog eine Augenbraue hoch, machte aber kommentarlos sein Kreuzchen auf dem Formular. Er legte den Kugelschreiber weg und stand auf.

»Dann wollen wir uns die Sache mal ansehen.« Er führte Florian Seitz zur Behandlungsliege. Eine kurze Untersuchung genügte. »Ich glaube, dass Ihr Arm nur verstaucht ist. Zur Sicherheit machen wir aber ein CT.«

»Gut.« Florians Lächeln kehrte zurück.

»Sonst noch irgendwelche Beschwerden? Sind Sie auf den Kopf gefallen?«

»Hoffentlich nicht.« Aus dem Lächeln wurde ein Lachen. Dr. Weigand stimmte mit ein. Der Mann war ihm ausgesprochen sympathisch. Schade, dass die Zeit drängte. Die gedämpften Stimmen aus dem Wartezimmer bewiesen es.

»Das Gefühl habe ich allerdings auch nicht«, räumte er ein. »Wenn Sie einverstanden sind, bringt Schwester Alina Sie jetzt in die Radiologie. Wir sehen uns später wieder.« Er klingelte nach der Schwester, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu seinem nächsten Patienten.

»Herr Seitz, kommen Sie bitte mit.« Schwester Alina winkte Florian mit sich. Weit kamen sie allerdings nicht.

»Flo, da bist du ja schon.« Beim Anblick ihres Verlobten verfiel Roxana in Laufschritt. Die goldenen Armreife klimperten leise. Sie fiel ihrem Freund um den Hals. »Wie geht es dir?«

»Roxy, Liebes! Der Arm ist wahrscheinlich nur verstaucht. Ich habe dir doch gesagt, dass du dir keine Sorgen machen musst.« Über die Schulter seiner Verlobten bemerkte Florian den Arzt, der sich zu ihnen gesellte.

»Das ist der Klinikchef Dr. Norden«, stellte Roxana die beiden Männer einander vor. Ihre Wangen röteten sich. »Ich dachte, ich nutze die günstige Gelegenheit und befrage einen Experten zu unserem Problem.« Ihre schwarz getuschten Wimpern flatterten wie zwei Schmetterlingsflügel.

Täuschte sich Daniel oder rang der Patient mit der Fassung? Doch Florian Seitz hatte sich schnell wieder im Griff.

»Das ist also der wahre Grund, warum du mich unbedingt in die Klinik schleppen wolltest?«, sagte er Roxana auf den Kopf zu. Und zu Dr. Norden gewandt: »Hüten Sie sich vor orientalischen Frauen. Die sind ganz schön raffiniert.«

Daniel lachte.

»Sind das nicht alle Frauen?« Er zwinkerte den beiden zu, entließ Schwester Alina aus ihrer Pflicht und machte sich mit dem Paar auf den Weg in die Radiologie. Diese Gelegenheit nutzte er für ein Gespräch. »Ihre Verlobte hat mir von Ihren Problemen erzählt.«

»Das ist besonders für Flo ein schwieriges Thema. Nicht wahr, mein Liebster?« Roxana hatte sich bei Florian eingehängt. Sie sah zu ihm hinauf.